Wir haben im Alten Testament zwei Schöpfungsgeschichten. Die eine Schöpfungsgeschichte finden wir – grob gesagt – im 1. Buch Mose 1 (Genesis 1) und die zweite im 1. Buch Mose 2 (Genesis 2).
Aufgabe 1: Lies die Schöpfungsgeschichten von Genesis 1 und 2. Du findest sie, wenn Du in der Suchmaschine Genesis 1 eingibst unter „Bibleserver“. Oder nimm die Bibel. Wenn Du eine BibelApp auf Deinem Handy hast, kannst Du auch dort den Text lesen.
Die erste Schöpfungsgeschichte legt den Schwerpunkt auf eine Tageszählung – es gibt zudem Sätze, die immer wieder wiederholt werden: Gott schuf den Himmel und Erde an sieben Tagen. Und dann heißt es häufig: ….
Aufgabe 2: Ergänze den Satz, denn das ist Dir bestimmt auch aufgefallen, dass sich Wörter wiederholen.
Aufgabe 3:
a) Lies die Sätze, die sich immer wieder wiederholen laut – welchen Eindruck hinterlassen sie?
b) Stell Dir vor: Dieser Text ist in einer Zeit entstanden, als es dem Volk Israel ganz schlecht ging. Welche Wirkung hatten diese Wiederholungen auf verängstigte und gedemütigte Menschen?
Die Wiederholungen sind im Grunde ein Refrain – also haben Ähnlichkeit mit einem Text, der in Liedern wiederholt wird. Von daher spricht man von einem Lehrgedicht / Lehrlied. Weil das Lehrgedicht das Thema Schöpfung hat und erklärt, wie alles entstanden ist, wird er auch der Textform, Textgattung, Textart: Mythos zugeordnet.
Was ist ein Mythos?
Aufgabe 4: Bitte merken!:
Ein Mythos schlägt sich in Texten nieder: Er gibt keinen logisch nachvollziehbaren Bericht, sondern er erzählt eine Geschichte. Ein Schöpfungsmythos versucht nicht das Geschehen (im gegenwärtigen Sinn) wissenschaftlich zu erklären, sondern mit ihm versucht der Mensch, sich selbst in der Welt zu verorten: Warum ist alles, was wir sehen? Wie stehe ich in dieser Welt? Warum? Was für Aufgaben habe ich? Weil Götter, ein Gott alles erschaffen hat – und das ging so… Aber auch Genesis 1 und 2 greifen vermutliche „wissenschaftliche“ Errungenschaften der damaligen Zeit auf, denn es wird beschrieben. Das beschreiben, was man sieht, das Gesehene einteilen (Pflanzen, Tiere, Zeiten, Universen) und interpretieren, ist die Grundlage der Wissenschaft.
Die Wissenschaft der Zeit, in der der Text entstanden ist, nennt man „Weisheit„. In der Weisheit sieht man alles zusammen: Gott/Götter, Menschen, Natur. Unsere Wissenschaft trennt heute alle Bereiche: Gott = Theologie / Religionswissenschaft; Mensch = Anthropologie. Und dann werden unterschiedliche Themen, die den Menschen betreffen wieder unterschieden: Psychologie (es geht im die Psyche des Menschen), Soziologie (es geht um das Zusammenleben der Menschen) usw. Natur wird unterteilt in zum Beispiel: Biologie, Astronomie und all diese Bereiche werden wieder in andere unterteilt. Aber in der damaligen Zeit sah man, wie gesagt, alles zusammen.
Wenn Du also die Sätze, die sich wiederholen, ganz bewusst gelesen hast, dann merkst Du, das Lied ist nicht nur ein Mythos, es ist nicht nur ein Lehrlied, es ist auch ein Trostlied: Ihr könnt in der Welt nichts Gutes erkennen – nur Krieg, Sklaverei, Angst. Aber: Gott hat die Welt geschaffen – und sie ist im Grunde gut. Und Gott gab den Menschen den Auftrag, seine Schöpfung zu gestalten. Wie es dann dazu kam, dass sie gut ist – aber dass Menschen dennoch so viel leiden müssen, wird dann in dem zweiten Text von Genesis 2f. geklärt: Menschen werden schuldig. Sie tun nicht Gottes Willen. Weil dem so ist, gibt es viel Leid.
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Aufgabe 5: Hast Du schon einmal überlegt, warum die Schöpfungsgeschichte schreibt, dass die Welt in sieben Tagen erschaffen wurde? Was findest Du in der Schöpfungsgeschichte am letzten Tag? (Antwort siehe unten.)
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Schauen wir mal, was die heutige Naturwissenschaft (2023) herausgefunden hat. Natürlich handelt es sich mit den Jahresangaben um „zirka/ca.“-Angaben. Ich stelle die Schöpfungstage und das, was Naturwissenschaften herausgearbeitet haben, nebeneinander.
| 1. Tag | Finsternis Licht / Dunkelheit | ca. 14 Mrd. Jahre | „Urknall“ (1) – Millionen Jahre Finsternis, dann langsam: Licht / Energie |
| 2. | Himmel / Erde (= Entstehung von Materie und Raum) | 14 5 | Galaxien entstanden; Sonne = Stern aus Gaswolke und unser Planetensystem entstanden / Erde |
| 3. | Erde / Meer | 4 | Erdkruste / viel Wasser zog sich in Erdkern zurück?/ Kontinente |
| Pflanzen | 3,5-2,7(?) | Cyanobakterien, Photosynthese, Zellkerne, Zellteilung, Moleküle, Einzeller | |
| 4. | Sonne, Mond, Sterne (= Entstehung von Zeit) | ||
| 5. | Wassertiere, Vögel (Vögel schwimmen durch Luft wie die Fische durch das Wasser?) | 540 Mio Jahre | Wasserschnecken, Quallen, Korallen, Algen |
| 6. | Landtiere | 400 Millionen | Fische…; Pflanzen kamen an Land, ebenso Tiere: Skorpione, Insekten, Amphibien… |
| 200 Millionen | Dinos, Säugetiere, Vögel | ||
| Menschen als Ebenbild Gottes | 7-4 Mio. 200.000 | Menschen Vorfahren; Homo sapiens sapiens | |
| 7. | Gott ruhte (Kultur) | 100.000-1.000 | Massive kulturelle Entwicklung |
(1) Das Wort „Urknall“ war ein Spottwort. Damit wollte man den Wissenschaftler, der das zuerst entdeckt hatte, ein katholischer Priester und Astrophysiker (Georges Lamaître), verspotten. Inzwischen ist aber gesichert, dass es einen Anfang gab. Vorher dachte man wissenschaftlich, mit den alten Griechen (Aristoteles), dass alles schon immer so war. Dieser Gedanke, dass immer alles schon so war, wird wissenschaftlich wieder neu thematisiert.
Aufgabe 6: Was fällt Dir an der Tabelle auf? Schreibe es mit wenigen Sätzen auf.
Bislang ungelöste Fragen – viel Spaß beim Kopfzerbrechen! – Es gibt Theorien – aber letztlich sind die Fragen ungelöst:
- Was ist Nichts? Was war, bevor etwas war und was ist außerhalb des expandierenden Universums?
- Wie ist Materie entstanden?
- Warum ist alles mathematisch „angelegt“?
- Wie kommt es, dass Ordnung aus Chaos entsteht und nicht, wie wir es kennen, Chaos aus Ordnung? Oder ist Ordnung nur ein Abschnitt des Chaos?
- Wie können Sterne und Planeten entstehen?
- Woher kommt das ganze Wasser auf der Erde?
- Es musste ein Unmenge an Bedingungen gegeben sein, damit Leben auf der Erde entstehen konnte (Mond, Jupiter, Abstand von der Sonne, Neigung der Erde, Erd-Atmosphäre)
- Wie entstand geschlechtliche Vermehrung, bzw. wie Spezies (Mutationen)?
- Wie kann aus Materie Geist entstehen – wie kann Materie denken, lieben?
- Warum ist der Mensch künstlerisch tätig? Kunst kann man nicht essen.
Aufgabe 7: Dir fallen sicher weitere Kopfzerbrecher ein? Schreibe sie auf.
Grundfragen mit Blick auf den Glauben:
Ist die Welt Zufall? Ist sie absichtlich so schön gemacht worden? Ist es Zufall, dass es inzwischen ein Lebewesen gibt, dass alles bewusst ansehen und darüber nachdenken kann – also der Mensch? (Ob es weitere denkende Lebewesen auf anderen Planeten gibt, ist denkbar – aber wir wissen es nicht.) Wenn sie nicht Zufall ist – wer steckt dahinter? Religionen sagen: Gott.
Die Frage, die dann immer gestellt wird: Und wer hat Gott gemacht? Diese erübrigt sich, denn „Gott“ ist ein Wort, das beinhaltet: er war ewig und wird ewig sein. Das können wir uns auch nicht vorstellen. Wenn die Welt ewig wäre – dann wäre sie im Grunde ein willenloser Gott.
Kommen wir zu unserem Schöpfungstext aus Genesis 1 zurück: Diejenigen, die das gedichtet haben, sie gehen davon aus, dass die Welt kein Zufall ist.
Und wenn das Leben auf der Erde manchmal auch sehr grausam erscheint: Gott wird es wieder gut machen – denn die Grundmelodie der Schöpfung ist: Und Gott sah, dass es gut war.
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Zur Entspannung kommt nun ein Lied, der Psalm 8 – in unserer Zeit interpretiert – und aus christlicher Perspektive weiter geführt (Lies aber vorher den Psalm und mache Dir selbst darüber Gedanken): https://www.youtube.com/watch?v=vIC7ZVt4OKg
Aufgabe 8:
a) Worüber freut sich der Psalmsänger?
b) Worüber freut sich der Sprecher in dem Youtube-Clip darüber hinaus?
Naturwissenschaft und Glaube
Durch die Bibel wussten Menschen unserer Kultur, dass die Natur nicht aus Göttern und Geistern besteht. Sie ist von Gott berechenbar gemacht worden. Durch diesen Glauben – der sich mit philosophisch-griechischer Tradition vermischte – konnten Naturwissenschaften entstehen. In der Naturwissenschaft versuchen Menschen, die schöne Welt Gottes nachzuvollziehen. Die Naturwissenschaftler unseres Kulturkreises waren Christen. Sie erkannten die Gesetzmäßigkeiten in der Natur, die mathematischen Genauigkeiten – sie wollten dem auf die Spur kommen: Wie hat der Schöpfer das alles gemacht? Und so sprach man von zwei Büchern Gottes, die man lesen muss: Die Bibel als Buch und die Schöpfung als Buch.
Heute lösen sich viele Naturwissenschaftler vom christlichen Glauben und versuchen die Welt ohne Gott zu erklären – man spricht vom „methodischen Atheismus“. Das heißt, man kann die Natur untersuchen, ohne dass der Glaube dabei eine Rolle spielt. Das bedeutet freilich nicht, dass christliche Naturwissenschaftler Gott nicht dafür loben können, dass er alles so schön gemacht hat.
Über das Verhältnis von Naturwissenschaft und Glaube wird viel nachgedacht. Manche sagen, sie widersprechen sich, manche sagen, ihre Themenbereiche sind vollkommen verschieden, manche sagen, sie passen gut zusammen. Ich denke: Die wissenschaftlichen Erklärungen widersprechen den Schöpfungsgeschichten nicht. Die Wissenschaft will nur erklären, was wir sehen, was experimentell zu beweisen ist usw. Die Schöpfungsgeschichte will nur bekennen, was hinter der Schöpfung zu erkennen ist:
Gott handelt – die Welt ist kein Zufall.
Das Leben ist nicht sinnlos, denn Gott gibt dem Leben Sinn.
Menschen werden eingesetzt, die Schöpfung Gottes zu bewahren.
Aufgabe 9: Wie siehst Du das? Widersprechen sich Glaube und Naturwissenschaft – oder nicht? Begründe! (Dazu gibt es auf diesen Seiten besondere Abschnitte: „Glaube und Naturwissenschaft“.
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Antwort zur Aufgabe 5: Das Judentum feiert den 7. Tag als Sabbat. An diesem Tag darf nicht gearbeitet werden. Die Schöpfungsgeschichte begründet diesen Ruhetag. Das heißt: Ihr sollt ruhen, weil Gott auch geruht hat.