Formen des Zusammenlebens
Beziehungen – Ehe: Der folgende Schwerpunkt liegt auf unserer mitteleuropäischen Kultur in unserer Zeit (in vielen Ländern der Welt wurden die christlichen bzw. islamischen Formen übernommen und wurden gesetzlich vorgeschrieben). Ein kurzer Überblick über verschiedene Formen Sexualität auszuüben bzw. sein Leben zu gestalten:
Single:
- Bewusst freiwillig – eigene Regeln;
- Bewusst freiwillig in Gemeinschaften (Klöster);
- Aufgrund der Lebenssituation erzwungen.
Eheformen mit Regeln:
- Mann – Frau – Heirat/eheliche Lebensgemeinschaft – Hetero-Ehen: Monogamie gilt in Deutschland. Regeln/Gesetze werden durch den Staat, durch Religion, durch Familien und Traditionen festgelegt. Es gibt ein Scheidungsrecht. Diese Regeln können auch von manchen abgelehnt werden aus religiösen, liberalen, feministischen, humanistischen Gruppen. Während in Deutschland sich Individuen zusammenschließen, gibt es weltweit die Form, dass Individuen nicht zählen, Menschen heiraten in die Familie bzw. Sippe ein, es geht um arrangierte Ehen.
- Frau – Mann – Nichteheliche Lebensgemeinschaft: Hier gibt es kaum gesetzliche Regelungen: Keine Unterhaltspflicht, kein Notvertretungsrecht (Gesundheit), kein Zeugnisverweigerungsrecht, kein Zugewinnausgleich, kein Versorgungsausgleich, kein gesetzliches Erbrecht, kein Anspruch auf bestimmte Sozialleistungen. Regeln müssen sich die Ehepartner selbst (rechtlich) geben.
- Frau – Frau / Mann – Mann: eheliche Lebensgemeinschaft – Homo-Ehen Regeln durch Staat: Ehegatten haben die gleichen Rechte und Pflichten: Dies betrifft unter anderem das Steuerrecht, das Erbrecht, die Möglichkeit der Adoption und den Anspruch auf Hinterbliebenenrente. Es gibt ein Scheidungsrecht.
- In Deutschland nicht erlaubt, bzw. privat geregelt: Polygamie (Polygynie [häufig im Islam und in afrikanischen Ländern] und Polyandrie [sehr selten]); Religiöse Regeln in Ländern, in denen beides erlaubt ist. Stammesregeln: Besuchsehe: Mosuo-China (Frauen leben zusammen und bestimmen die Beziehung, Männer besuchen die Sexualpartnerin – aber häufig Langzeitverbindungen.) Besondere Varianten bei den Munduruku, Tsimané (Männer- und Frauengemeinschaften leben getrennt, Kinder von Frauen erzogen); bei den Baruya ziehen die Jungs nach der Beschneidung als Jugendliche ins Männerhaus, Barí (polyandrische SexKultur – alle möglichen Väter („soziale Väter“) kümmern sich um das Kind). Anders Tibet: adelphische Polyandrie (eine Frau heiratet auch die Brüder mit). „Geister-Ehe“ – das heißt: Menschen werden mit Verstorbenen verheiratet, um die Seelen der Verstorbenen zu besänftigen bzw. Familienbindungen zu fördern.
Polygynie: ein Mann hat mehrere Frauen. In Deutschland nicht erlaubt, wenn aber ein Mann aus einem islamischen Land mit mehreren Frauen einreist, gibt es bestimmte Regelungen.
Polyandrie: eine Frau hat mehrere Männer.
Diese Regeln werden nicht eingehalten
- Prostitution
- Geliebte:r, Nebenfrauen, Nebenmänner, Seitensprung
Andere Formen – mit individualisierten Regeln:
- Gruppensex (eigene Regeln: Einvernehmlichkeit, safer sex, …)
- Swingen (eigene Regeln: s. 1.)
- Freundschaft Plus (F+)
- Offene Ehe
- Informelle Beziehungen (zwanglos, flexibel)
Kriminell/illegal:
- Vergewaltigung
- Nötigung
- Belästigung (Catcalling kann als Beleidigung geahndet werden): Aufdringliches Verhalten; erzwungene Küsse / Umarmungen
- Inzest (vaginal); (Bestrebungen für erwachsene Geschwister zu legalisieren: Ethikrat 2012)
- Mobbing
- Pädophilie
- In Deutschland mir nicht bekannt: RaubEhe: Entführung von Mädchen, um sie dann zu heiraten.
Sexualität und Liebe – Liebe und Sexualität ist das Thema dieser Seiten.
Aufgaben – überlege:
- Gehören aus Deiner Sicht Sexualität und Liebe zusammen?
- In welchen der oben genannten Bereiche ist Liebe nicht vorhanden / eher nicht vorhanden?
- In einer Beziehung kommen also unterschiedlichste Menschen zusammen, die versuchen, miteinander das Leben zu gestalten. Ethik bedeutet, das Leben so zu gestalten, dass es für alle Beteiligten ein gelingendes Leben wird. Wie ordnest Du einzelne der oben genannten Möglichkeiten in dieser Hinsicht ein?
- Sexualität ist etwas Schönes, das missbraucht und zerstörerisch werden kann – darum gibt es in vielen Gesellschaften Regeln. Der Mensch ist vermutlich das einzige Wesen, das immer sexuell aktiv sein kann – vielleicht sind Bonobos eine Ausnahme – und nicht von Jahreszeiten abhängig ist. Der Mensch ist das einzige Wesen, das Sexualität verantwortlich gestalten kann. Welche Regeln wären Dir wichtig?
- Recherchiere: Wo wird im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) das Thema Ehe geregelt?
- Was regelt das Bürgerliche Gesetzbuch? Gibt es Aspekte, die nicht geregelt werden aber aus Deiner Sicht geregelt werden müssten?
Gründe für Hochzeits- und Eheregeln
Menschen – wahrscheinlich – aller Kulturen haben Regeln für das Zusammenleben von Frauen und Männern erstellt. Dafür gibt es viele Gründe. Sexualität ist eine starke Macht, die Menschen nicht nur zusammenführt, sondern auch zu erheblichen Streitigkeiten führen können. Die Menschen lebten in kleinen Gruppen – und da ist jede Auseinandersetzung tödlich für das Überleben der Gruppe. Es geht also darum, dass Regeln erstellt wurden, damit die soziale Ordnung innerhalb einer Gruppe gewahrt bleibt, Mit der Ehe verbunden ist auch die Fortpflanzung, die Nachkommenschaft. Jedes Kind bedeutet, dass der Stamm weiterleben kann. Von daher sind Eheschließungen nicht selten auch mit Fruchtbarkeitssymbolen verbunden. In komplexeren System ging es dann weniger um den Stamm, sondern darum, dass die Familie überlebt. Und das wird dann dadurch bewerkstelligt, dass manche Ehen aus wirtschaftlichen und machtpolitischen Gründen geschlossen wurden. Diese sind nicht unbedingt im Sinne der Verheirateten.
All diese Bräuche, Sitten, Regeln sind tief mit der jeweiligen Kultur verbunden. Die Hochzeiten werden öffentlich mit viel Aufhebens gefeiert, damit alle Menschen sehen: die gehören zusammen, diese Ehe darf niemand mehr stören. In manchen Kulturen ist noch eine Sitte damit verbunden, die die Ehetauglichkeit der Frau prüft. Das heißt: Hatte sie noch mit keine Mann Geschlechtsverkehr. Das dient der Sicherung der Familie: Sie wird auch wirklich nur ein Kind gebären, das mit meiner Familie verbunden ist. Von daher wird auch Ehebruch in manchen Kulturen massiv bestraft. Es wird deutlich: Hier geht es nicht um die Frau als Individuum, es geht um die gewünschte Nachkommenschaft. Von daher sind auch Verstoßungen der Frau möglich (auch wenn der Mann unfruchtbar ist), weil es nicht um sie geht, sondern um den Fortbestand der familiären Gene.
Die Besonderheit bekommt die Hochzeit auch noch durch zwei weitere Gesichtspunkte: Gefeiert werden einzelne Menschen hauptsächlich in der Übergangszeit von der Jugend zum Erwachsenenleben (Initiationsriten) und im Kontext der Hochzeit. (Feiern von Geburtstagen usw. sind nicht weit verbreitet.) Menschen fühlen sich durch die gesamte Familie geehrt – die beiden Familien fühlen sich durch die geehrt, die sich verheiraten. Der andere Aspekt: die Eheschließung wird vielfach religiös abgesichert (Tänze, Gebete, Opfergaben an Geister und Götter usw.). Das heißt, sie bekommt eine erhöhte Bedeutung.