KIRCHENVÄTER

Die Kirchenväter könnten auch in dem Abschnitt unter „Alte Kirche“ eingeordnet werden. Da sie aber die gemeinsame Basis der Kirchen bilden, möchte ich sie in den Bereich der Ökumene einordnen. Zunächst geht es um einen Überblick über die Namen, deren Herkunfts- und Wirkungsorten, dann um die detaillierte Darstellung. In dieser Darstellung können nur einzelne Aspekte angesprochen werden. Vertiefungen sind in Lexika (z.B. Ökumenisches Heiligenlexikon oder wikipedia) zu finden. Besonders empfehlenswert ist immer noch: Hans von Campenhausens Werk: Lateinische Kirchenväter und Griechische Kirchenväter.

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A. Menschen, die den Kirchenvätern zugeordnet werden

Alle christlichen Kirchen haben eine gemeinsame Tradition – Menschen, die die Kirchen besonders nachhaltig beeinflusst haben. Diese sind zum Teil unter der Bezeichnung “Kirchenväter” bekannt. Ich möchte ein paar von ihnen nennen:

Justin * in Palästina(?) + 165 in Rom

Irenäus von Lyon * um 135 Izmir (?) + um 202

Klemens von Alexandrien * 150 Athen (?) + 215 Alexandrien (?)

Tertullian * nach 150 Karthago (heute: Tunesien) + nach 220 in Karthago

Origenes * um 185 Alexandria/Ägypten + um 254 in Tyros/Libanon

Cyprian * um 200 Karthago + 258 in Karthago

Lactantius/Laktanz * um 250 + um 320

Eusebios von Caesarea * 260 in Israel? + 338 (?)

Athanasios der Große * um 295 Alexandria/Ägypten + 373 Alexandria´

Basilius der Große * um 330 Cäsarea (heute Türkei) + 379 Cäsarea

Gregor von Nazianz * um 330 bei Nazianz (heute Türkei) + 390 Nazianz

Gregor von Nyssa * nach 330 Cäsarera (heute Türkei) + 394 Sebaste (heute: Türkei)

Ambrosius von Mailand * um 339 Trier + 397 Mailand

Johannes Chrysostomos * 354 (?) in Antiochia (heute Türkei) + 407 in Pitychus (Georgien)

Synesios von Kyrene * um 370 + nach 412

Hieronymus * um 342 in Stridon (Kroatien) + 420(?) Bethlehem

Augustinus * 354 Tagaste (heute: Algerien) + 430 in Hippo (heute: Algerien)

Kyrill von Alexandrien * um 380 in Alexandria (Ägypten) + 444 in Alexandria

Boethius * um 480 + um 524 in Pavia (Italien)

 B) Details zu den genannten Namen

1. Justin

Justin ist möglicherweise in Sichem bzw. Nablus, einer Stadt im heutigen autonomen Palästinensergebiet, geboren worden und 165 in Rom. Er wuchs wohl heidnisch auf und studierte Philosophie. Die Beschäftigung mit Platon und die Begegnung mit einem alten Mann am Strand, der ihm von Jesus Christus erzählte, brachten ihn dazu, sich taufen zu lassen. Als christlich-philosophischer Lehrer zog er im Gebiet der heutigen Türkei umher. Er schrieb Werke, in denen er den christlichen Glauben gegen Vorwürfe seiner Zeitgenossen verteidigte. Durch seine Verbindung des christlichen Glaubens mit der Philosophie, hat er dazu beigetragen, dass die Gebildeten seiner Zeit auf das Christentum aufmerksam wurden. Er gründete in Rom ein Schule, schrieb eine Schutzschrift für Christen an den Kaiser und den Senat und wurde mit sechs seiner Schüler festgenommen. Er weigerte sich, den heidnischen Göttern zu opfern und wurde unter dem Caesar Marc Aurel in Rom hingerichtet. Er stand kühn und freimütig zu seinem Glauben. Zu den so genannten Gerichtsakten: http://www.heiligenlexikon.de/Literatur/Gerichtsakten_Justinus.html

Historisch gesehen ist Justin wichtig, weil er mit seinen Schriften tiefe Einblicke in das Christentum und in philosophische Strömungen seiner Zeit bietet. Liturgien werden deutlich, Gebete, Argumentationsweisen, Auslegungen der Bibel – seine Werke sind eine Fundgrube. Besonders deutlich wird die Aufnahme der antiken Philosophie: Es werden grundlegende Elemente aufgegriffen, losgelöst von oberflächlichem religiösen Glauben, und mit dem Glauben an Jesus Christus verbunden. Es begegnen sich sozusagen jüdisch-christliche und griechisch-philosophische Traditionen. Und damit ist auch angesprochen, was ihm wichtig war: Die weltumspannende Gemeinschaft, die der christliche Glaube bietet.

Die Kirchenväter, die folgen, stehen auch auf seinen Schultern. Damit wird eines deutlich: Dieser alte Mann, der dem Heiden Justin von Jesus Christus erzählt hat: Was für eine große Auswirkungen er hatte.

2. Irenäus

Viel weiß man nicht über das Leben des Irenäus, der um 135 auf dem Gebiet der heutigen Türkei geboren wurde und zweiter Bischof in Lyon, Gallien war. Der erste Bischof ist im Rahmen der Christenverfolgungen dort umgekommen. Er selbst war in dieser Verfolgungszeit als Gesandter der Gemeinde in Rom, entkam somit der Ermordung. Er starb um 202 nach Christus – möglicherweise als Märtyrer, aber das ist nicht sicher.

Das Werk, Gegen die Häretiker/Irrlehrer, das uns heute noch vorliegt, beschäftigt sich mit christlichen Gruppen, die Irenäus nicht mehr als christlich ansieht, dazu gehören die vielen gnostischen Strömungen. Die Gnostiker sahen sich als Elite des Glaubens an und meinten, sie hätten besondere Erkenntnis. Weil sie das Christentum stärker hellenisiert und orientalisiert haben, somit dem Geschmack der Zeit angepasst haben, hatten sie großen Zulauf. Irenäus sieht sich als Schüler des Polycarp von Smyrna in der Tradition des Apostels Johannes. Wir sehen hieran: Es bildete sich im zweiten Jahrhundert eine Gruppe heraus, die sich in der Tradition der Apostel sieht (Sukzession) und sich von daher auch berechtigt sieht, die Richtschnur dessen anzugeben, was christlich ist und was vom christlichen Glauben abweicht. Dazu hat sich auch im Laufe der Zeit die Sammlung des Neuen Testaments herausgebildet, um gegen all die Irrlehren ein festes Argumentationsfundament in der Hand zu haben, darüber hinaus finden wir ein Glaubensbekenntnis (regula fidei), das den Rahmen des Glaubens absteckt. Aus dieser apostolischen Tradition heraus kritisiert Irenäus die anderen Gruppen, die aus dem Rückblick gesehen, zum großen Teil auch wirklich absonderliche Ansichten vertreten hatten. Er kritisiert – indem er argumentiert. Und das macht ihn zu einem der großen Theologen und auch zu einem einflussreichen Theologen. Christlicher Glaube – auch in der Tradition des Apostels Paulus – argumentiert. Und Irenäus argumentiert gegen alle gnostischen Spekulationen über Gott-Götter-Geister für die Einheit Gottes des Vaters, der der Schöpfer der Welt ist, dessen eine Hand der Sohn Gottes, die andere der Geist Gottes ist. Gott will durch die Geschichte bewirken, dass sich der Mensch zwischen gut und böse entscheidet, damit er auf Gottes Zukunft hin reif wird. Anders als die Gnostiker, die den Menschen negativ sehen, sieht Irenäus, dass Gott den Menschen durch Jesus Christus geadelt hat, dass er dem Menschen durch seinen heiligen Geist Anteil an Gott gegeben hat – und ihm somit die Möglichkeit eröffnet, der besondere Mensch Gottes zu sein. Der Mensch ist Gottes Werk – er muss sich für Gott offen halten – und gelangt so zur Vollkommenheit.

 3. Klemens

Klemens von Alexandrien ist ca. 150 wohl in Athen geboren worden. Er suchte und forschte und fand den christlichen Glauben. Er reiste herum zu vielen christlichen Lehrern und wurde später Leiter einer wichtigen christlichen Schule. Er schrieb Bücher über die ganzen falschen christlich-gnostischen Lehren, die er in Ägypten vorgefunden hat und versuchte diesen ein eigenes Lehrsystem entgegenzusetzen: Glaube adelt die Philosophie – nicht die Philosophie den Glauben. Die Philosophie ist eine Art Vorstufe der Erkenntnis/Gnosis. Und diese richtige Gnosis/Erkenntnis ist in Liebe mit Gott vereint – und sie hat Auswirkungen auf den liebenden Umgang mit anderen Menschen. Er schrieb mit dem Werk Paidagogus (Erzieher) die erste christliche Ethik – mit der er unter Aufnahme der Sitten und Bräuche seiner Zeit die christliche Ethik der heidnischen Unsittlichkeit entgegensetzte. Aber nicht alles Heidnische ist unsittlich, sondern Gott durchdringt auch das Heidnische, wie die heidnische Philosophie ja auch gute Ansätze hat. Es geht ihm in der Ethik um Essen und Trinken, Schlafen, Wohnen, Parfums… Er lehnt Traditionen nicht ab – aber er durchdringt sie mit christlichem Geist. Er floh angesichts einer Christenbedrängnis – und es ist nicht sicher, wo er ca. 215 starb.

Die Lehren des Klemens sind nicht ganz eindeutig, von daher wird er nicht unbedingt den Kirchenvätern zugerechnet.

4. Tertullian

Tertullian wurde um 150 geboren, wurde Rechtsanwalt und trat mit ca. 30 Jahren zum Christentum über. Er stand einer ethischen strengen Strömung, dem Montanismus, nahe. In seinen Schriften wendet er sich gegen viele Gruppen, so gegen gnostische Strömungen wie gegen Angriffe der Heiden und so verfasste auch er eine Verteidigung des Christentums – und all das auf lateinisch. Das bedeutet, dass in der Kirche nicht mehr nur die Gebildeten im Fokus standen, sondern auch der normal lesende Mensch. Und weil Tertullian einer der ersten war, der den christlichen Glauben auf lateinisch in seinen Schriften durchdrang, hat er viele Worte und Formeln geprägt, die dann in der weiteren Kirchengeschichte ihre Wirkung entfalten konnten.

Tertullian hat ein Wort des Paulus noch einmal auf den Punkt gebracht. Paulus sagte, dass der Glaube an den hingerichteten und auferstandenen Jesus Christus für Nichtglaubende eine Dummheit ist (1. Korintherbrief 1-3). Tertullian sagt: Das Handeln Gottes in Jesus in Tod und Auferstehung sei glaubhaft, weil es absurd ist (”credo, quia absurdum” (Ich glaube, weil es absurd ist). Tertullian war als Anwalt rhetorisch geschult – und das erkennt man an seinem präzisen Stil, der zum Teil auch rhetorisch emotional und polemisch sein kann. Er, wie andere vor und nach ihm, haben viel dazu beigetragen, den christlichen Glauben, der in der ganz normalen Alltagssprache verbreitet worden ist, gedanklich zu präzisieren, sprachlich philosophisch genauer auszusprechen. Damit konnte dann auch immer stärker die gebildete Schicht angesprochen werden.

Den Grund für seine Schriften nennt er zum Beispiel mit Blick auf die Christenverfolgungen: “Die Wahrheit sucht nicht, ihre Lage durch Bitten zu ändern. Sie wundert sich auch gar nicht über ihr Schicksal. Sie weiß, dass sie auf Erden nicht zu Hause ist und unter einem Volk, das ihr fremd ist, bald genug auf Feinde stoßen muss… Vorläufig verlangt sie nur eins: man soll sie kennenlernen, ehe man sie verurteilt.” Und eben, dass die Heiden sie kennenlernen, das war ein Ziel seiner Schriften. Er konnte auch sehr polemisch sein: “Aber nur zu, ihr prächtigen Männer der Regierung, macht euch nur beim Volk beliebt, indem ihr ihm Christen schlachtet! Quält, foltert, verurteilt, vertilgt uns – euer Unrecht ist der beste Beweis unserer Unschuld… Und doch: die ausgeklügeltste Grausamkeit nützt euch gar nichts. Ihr macht nur Reklame für unsere Vereinigung.” Und dann fällt der berühmte Satz: “Ein Same ist das Blut der Christen”. In Tertullian wird auch das Selbstbewusstsein der verfolgten Christen deutlich. Ihr verurteilt uns? Gott spricht uns frei. Damit greift er das noch einmal auf, was auch in neutestamentlichen Schriften vorhanden ist – aber eben sprachlich präziser neu formuliert. Nicht nur das: Deutlich wird: Der Staat hat nur Autorität, wenn er im Sinne des christlichen Glaubens handelt. Man muss Gott mehr gehorchen als dem Staat – und damit ist der Beginn auch der massiven Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche gekennzeichnet, der sich durchs Mittelalter bis in die Gegenwart durchzieht.

Von diesen Erfahrungen der Verfolgungen her gesehen, ist auch sein Rigorismus zu verstehen, seine Abgrenzung des christlichen Glaubens von allem, was die Welt ausmacht, auch von der Philosophie. Und die Gnosis, die er bekämpft, ist eben nichts anderes als die Aufweichung der christlichen Lehre mit Zeitgeistphilosophien.

Auch wenn Tertullian so eine große Wirkung erzielte, so wird er in der Kirche doch immer skeptisch betrachtet, eben weil er dem Montanismus nahe stand, weil er extreme rigorose Vorstellungen vertrat und auch Höllenvorstellungen hatte, die im Mittelalter ihre Wirkungen entfalten konnten, aber doch mit dem christlichen Glauben nicht kompatibel sind, weil er möglicherweise am Ende seines Lebens (ca. 220) eine eigene rigorose Gruppe (Kirche) gründete.

5. Origenes

Origenes wurde um 185 geboren. Der Vater des Origenes wurde während der Christenverfolgung getötet – und Origenes selbst wollte auch den Märtyrertod sterben, wurde aber durch seine Mutter daran gehindert (sie nahm ihm die Kleidung weg, so konnte er nicht auf die Straße). Er wurde Lehrer und besuchte parallel dazu die gefangenen Christen. Aufgrund finanzieller Knappheit, trotz Verkaufs seiner Bibliothek, lebte er sehr asketisch – aber nicht nur darum, sondern das entsprach auch seiner Einstellung. Auch wird er Klemens von Alexandrien als Lehrer gehabt haben – zumindest übernahm er später die Schulleitung nach ihm. Während seiner Aufenthalte in Palästina wurde er gebeten, Vorlesungen über biblische Schriften zu halten – und das war auch eine seiner Spezialitäten: Kommentare zu biblischen Schriften zu verfassen – seine Bibelkenntnis war enorm. Origenes wurde von den Bischöfen in Palästina geweiht, was seinem Chef-Bischof Demetrios in Alexandrien überhaupt nicht gefiel und er Origenes verbot zu lehren, und er erklärte die Ordination für unwirksam. Origenes ließ sich auch von keiner kirchlichen Gewalt einschüchtern, denn das Amt ist wichtig, es hat aber keine größere Bedeutung als der Christ als solcher, der Geistesmensch. Und so zog er daraufhin von Alexandria weg und lehrte in Caesarea und entfaltete trotz schwerer Zeiten eine ungeheure literarische Tätigkeit.

Origenes wurde der bedeutsamste Theologe, den die Kirche bis dahin hatte – aber auch bedeutsam darin, dass er mit einigen seiner Ansichten Kontroversen auslöste: Ist Jesus Christus dem Vater untergeordnet? Ist die Seele des Menschen schon vor dessen Zeugung da? Werden auch die Bösen nach einer langen Phase der Reinigung zu Gott kommen? Seine Schule lehrte (vor allem platonisch und stoisch beeinflusste) Philosophie, Literatur und Theologie – und darin zeigt sich auch sein Interesse: Wie Justin wollte er Philosophie und christlichen Glauben verbinden, wollte den christlichen Glauben mit der philosophischen Tradition zu einem neuen Ganzen verschmelzen. Und er stand an einem Wendepunkt: Das Christentum wurde noch stärker in der gebildeten Öffentlichkeit wahrgenommen – auch von der Elite, so dass das Wirken des Origenes hier auch Vorzeichen setzte für das Eindringen des Christentums in diese gesellschaftlichen Bereiche. Origenes wurde als Denker wahrgenommen – allerdings gefiel den anderen Denkern nicht sein Denken mit christlichem Vorzeichen. Dennoch wurde er auch berühmt und wurde gebeten, vor der Kaiserin Julia Mammaea zu reden. Im jahr 250 wurde er im Zuge der Christenverfolgung verhaftet, gefoltert, entlassen. Er starb 254 an den Folgen dieser Folter.

An dieser Stelle soll nur auf die Schrift “Gegen Celsus” hingewiesen werden: Der wohl ägyptische Heide Celsus (2. Jahrhundert) war der erste große Kritiker des christlichen Glaubens, der auch das Christentum mit seinen unterschiedlichen Ausformungen kannte – und Origenes unternahm es, ihn zu widerlegen. http://www.unifr.ch/bkv/buch.php?werknr=46

 Celsus meinte, es habe eine Urweisheit der Völker gegeben, die Christen zum Teil übernommen, zum Teil verfälscht hätten. Durch die Verfälschungen hätten sie sich abseits des sozialen Miteinanders gestellt. Er bringt so manches Thema auf, das bis heute immer wieder gegen jüdisch-christliche Theologie genannt wird: Er wendet sich gegen alttestamentliche Mythen (z.B. Gott musste am 7. Tag ruhen), gegen christologische Aspekte (es sei unsinnig, dass sich Gott in einem Menschen zeige – und dann noch in einem so bedeutungslosen Menschen wie Jesus), gegen das Geschichtsverständnis (es sei nicht linear von Schöpfung zur Apokalyptik, sondern zyklisch). Zu dem erstgenannten: Origenes lehrte den dreifachen Schriftsinn, das heißt, dass die Bibel in dreifacher Weise ausgelegt werden müsse. Wie der Mensch aus Körper, Seele und Geist bestehe, so wird die Bibel wörtlich/historisch zu verstehen sein, moralisch und geistlich. Entsprechend muss auch die eigentliche Intention, die spirituelle Intention, der Aussage von Gottes Ruhe am 7. Tag herausgearbeitet werden. Was die Bedeutungslosigkeit Jesu betrifft, antwortete Origenes, dass Jesus Christus wie kein anderer die Welt zum Guten in Schwingung versetzt habe.

Cyprian

Cyprian wurde in Karthago (heutiges Tunesien) um 200 geboren. Er ist in einer reichen und gebildeten Familie aufgewachsen, wurde erfolgreicher Anwalt. Ein Priester wurde sein Freund – und Cyprian wurde Christ – und verschenkte im Jahr 246 (?) einen Teil seines Besitzes, lebte asketisch, las unter anderem Schriften von Tertullian. Schon bald darauf (249) wurde er Bischof, was die alten Christen nicht gerne gesehen haben und so legten sie ihm Steine in den Weg – darüber hinaus begann 250 eine Christenverfolgung. Er floh – was ihm Glaubende als Feigheit übelnahmen. Als Bischof wirkte er weiter durch Menschen, die er in seine Gemeinden sandte. Viele Christen distanzierten sich vom Glauben. Nach der Verfolgung (251) kam das Thema auf: Wie muss die Kirche mit denen umgehen, die ihren Glauben verraten haben? Darüber hinaus: Wie muss die Kirche mit denen umgehen, die von Ketzern getauft worden waren? Cyprian war moderat in der Frage nach der Aufnahme derer, die den Glauben verraten hatten – nicht aber konnte er diejenigen akzeptieren, die von Ketzern getauft waren. Gegen die Aufnahme derer, die den Glauben verraten hatten, waren viele derer, die den Verfolgungen standgehalten hatten und darauf zu recht stolz waren. Dazu gehörte Novatian – er trennte sich darum von der Kirche und bildete eine Gegenkirche. Cyprian schrieb daraufhin den Satz: “außerhalb der Kirche gibt es kein Heil”. Der Streit mit Novatian konnte nicht beigelegt werden – aber auch Cyprian machte es den vom Glauben Abgefallenen, die durch die Verehrung des Kaiserbildes Götzendienst betrieben haben, nicht leicht. Sie mussten die Regeln der Buße auf sich nehmen, denn wenn man sich zu Gott in der Taufe bekannt hat, Gott einen angenommen hat, dann ist es schlimm, wenn man diese Liebe verrät.

Cyprian betonte die Bedeutung des Bischofsamtes und konkurrierte auch mit dem Bischof von Rom – und hier ging es um die Frage der Anerkennung der Ketzertaufe, die der Bischof von Rom moderater interpretierte als Cyprian. Die Taufe, so Cyprian, ist nur wirksam, wenn ein Rechtgläubiger sie vermittelt. Der Bischof von Rom betonte in der Frage nicht den Täufer, sondern das, was Gott in der Taufe wirkt. es geschieht etwas zwischen Gott und dem Täufling unabhängig vom Taufenden. Es wird vermutet, dass es zum Bruch gekommen wäre, wenn es 257 nicht eine erneute Verfolgungswelle gegeben hätte. Der Satz “außerhalb der Kirche gibt es kein Heil” ist somit so gemeint, dass es außerhalb der Kirche, deren Einheit in Jesus Christus ein Geheimnis ist, die seiner Lehre folgt, keine Rettung gibt. Es geht nicht um bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Papst. In der Verfolgung wurde Cyprian zuerst festgenommen, dann aber zum Tode verurteilt und in der Öffentlichkeit im Jahr 258 enthauptet. Er soll dem Henker noch Goldstücke gegeben haben, weil er ihm das Himmelstor öffne.

Tertullian – Cyprian – Augustinus: diese drei großen Christen, die in Nordafrika wirkten, haben die christliche Kirche in ihrer Lehre massiv beeinflusst.

7. Laktanz

Laktanz ist um 250 in Nordafrika geboren worden. Er war Lehrer, konnte sehr gut Latein und setzte – nachdem er Christ geworden war – seine Kenntnisse dazu ein, seine Stimme für den christlichen Glauben zu erheben – und ihn gegen Angriffe von Heiden zu verteidigen – aber nicht nur zu verteidigen, sondern auch in seinem Sinn die Heiden über den Glauben zu belehren. Ihm lag heidnische Literatur am Herzen, weil man von ihr lernen konnte, den christlichen Glauben in bessere Sprache zu fassen. Er kannte sich auch sehr gut in heidnischer Philosophie und religiösen Mythen aus, um sie aus christlicher Sicht widerlegen – und das Christentum als eine religiöse Philosophie darstellen zu können: Die unterschiedlichsten Philosophen haben nur kleine Splitter der Menschenkenntnis und der Wahrheit; die Wahrheit als Ganze wird dem christlichen Glauben von Gott in seiner Offenbarung geschenkt. Jesus Christus ist der wahre Lehrer der Tugend, weil er auch das, was er lehrte, vorbildhaft gelebt hat. Weil Laktanz einiges an Literatur der Antike verarbeitet hat, ist er auch eine interessante Quelle für unser Wissen über die Antike. Während der Christenverfolgungen musste er seine Tätigkeit ruhen lassen, wurde aber nicht weiter behelligt – und als sie beendet waren, hat Konstantin der Große ihn als Lehrer für seinen Sohn in Trier ausgewählt. Aber die Christenverfolgungen hatten auch Auswirkungen auf ihn. So veröffentlichte er eine Schrift, in der er die Todesarten der Caesaren beschrieb, die Christen verfolgt hatten – zur Warnung an kommende Caesaren, damit sie das Christentum nicht weiter verfolgen.

Laktanz ist ein Mann des Übergangs: Das Christentum musste die letzte große Verfolgung im Römischen Reich erleben – und er erlebt, wie es nun politisch anerkannt wird. Freilich konnte man damals noch nicht ahnen, dass es so bleiben würde, denn auch Origenes hatte schon vor der Caesarin reden dürfen – und dann kam wieder Verfolgung auf. Interessant aus heutiger Sicht ist, dass Laktanz einer der wenigen war, der die These von der Kugelgestalt der Erde abgelehnt hatte. Um 320 ist er gestorben.

8. Euseb

Euseb wurde zwischen kurz nach 260 möglicherweise in Israel geboren. Er war Lehrer. Nachdem sein Vorgesetzter und eigener Lehrer den Märtyrertod gestorben war, floh Euseb nach Tyrus. Dort wurde er nach der Zeit der Verfolgung Bischof. Ebenso begann er dort sein großes Werk über die Kirchengeschichte. In diesem Werk verarbeitet er die vielen Informationen über Christen, die eines gewaltsamen Todes gestorben sind, aber nicht nur: Er überliefert unschätzbare weitere Informationen von den Anfängen der Christenheit bis zu seiner Zeit, er zitiert aus inzwischen verloren gegangenen Werken und mischt das Wiedergegebene mit selbst erlebten Berichten. Konstantin der Große berief ihn an seinen Hof und Euseb wirkte in einer großen Auseinandersetzung mit, und zwar als es darum ging, das Verhältnis Jesu zu Gott darzustellen. Es ging um den arianaischen Streit. Arius stellte Jesus als einen dar, der von Gott geschaffen wurde, also mit Gottvater nicht Wesenseins ist. Darüber wurde eine große Auseinandersetzung geführt, in der Euseb eine Zwischenposition übernommen hatte. Er wurde exkommuniziert, dann aber von Kaiser Konstantin wieder rehabilitiert. Und das trägt dazu bei, dass Euseb als Theologe nicht so richtig in der Kirche anerkannt wird.

Der Arianismus hatte insofern weiter Auswirkungen, als Germanenstämme ursprünglich eher dem Arianismus anhingen als der damaligen Rom und Konstantinopel orientierten Kirche. Euseb starb um 339.

9. Athanasios

Athanasios wurde um 298 in Alexandria in einem christlichen Elternhaus geboren. Er erlebte noch die Kirchenverfolgungen – aber auch die neue, mit Konstatin angebrochene politische Wende. Im 3. Jahrhundert begann eine neue Bewegung, die Christen zu erfassen: Es zogen junge Menschen in die Wüste, um dort abgeschieden vom Trubel, besitzlos den Glauben zu leben, wohl auch, um der Verfolgung zu entgehen. Auch Athanasios zog eine zeitlang in die Wüste und kannte sogar Antonius den Großen, der einer der ersten großen Wüstenväter war. Über diesen Atanasios schrieb er nach dessen Sterben eine Hagiographie, das heißt, eine Biographie über einen Heiligen – diese Schrift beeinflusste das christliche Mönchtum immens. Athanasios kehrte jedoch aus der Wüste zurück, lebte aber weiterhin recht asketisch. Er wurde Sekretär des Bischofs Alexander – den Kämpfer gegen Arius. Arius hatte gelehrt, dass Jesus Christus unter Gott stehe, nicht wesensgleich mit Gott sei, sondern nur wesensähnlich. Aber für Athanasios war es wichtig, dass Jesus nicht nur wie in der griechischen Mythologie so eine Art Halbgott war, sondern es war Gott selbst, der in Jesus Christus den Menschen die Erlösung brachte. Es ging darum, dass man das Wesen Gottes nicht dem von der griechischen Tradition geschulten Verstand unterwirft, sondern das Wesen Gottes selbst in der Offenbarung Jesu Christi erkennt. Nachdem Bischof Alexander gestorben war, wurde Athanasios Bischof – und bekam durch die Anhänger des Arius mächtig Ärger, ihm wurden schlimme Dinge unterstellt. Selbst vor einem Mord soll er nicht zurückgeschreckt haben – aber er konnte beweisen, dass der angeblich Ermordete noch lebt. Er bekam auch Ärger mit Euseb, den wir im vorangegangenen Abschnitt angesprochen haben. Dieser beschuldigte ihn vor Konstantin ein Fanatiker zu sein, der solche Macht habe, dass er sogar die Versorgung mit Getreide hindern könne. Daraufhin wurde er nach Trier und Rom in die Verbannung geschickt – und knüpfte Fäden zu anderen wichtigen Christen. Unter Druck durfte er dann wieder nach Alexandria zurück. Die Verfolgung durch arianische Christen ließ nicht lange auf sich warten und er ging in den Untergrund – zu den Wüstenmönchen. Danach durfte er doch wieder zurück. Und er hatte großen Einfluss bei der Beantwortung der Frage nach der Trinität, dem Verhältnis von Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiligem Geist. Wegen seiner Standhaftigkeit, weil er lieber Verbannungen auf sich nahm – Kaisern und christlichen Synoden widerstand, auch der von Origenes angestoßenen Spekulation – als die Einheit Gottes zu leugnen, wurde er Säule der Kirche, durch die Gott in schwerer Zeit die Kirche erhalten hat. Ebenso wurde er aus diesem Grund Kirchenvater genannt. Athanasios war auch einer, der versucht hat, unter den christlichen Kaisern die Selbstständigkeit der Kirche zu erhalten. Kirche ist nicht Lakai der Herrscher – und das fuchste natürlich so manche Leute, nicht nur Herrscher, sondern auch Mitläufer und Karrieristen. In seinem 39. Osterfestbrief nannte er die 27 Schriften des Neuen Testaments. Schon vorher gab es solche Listen – aber der Liste, die Athanasios nennt, entspricht das Neue Testament noch heute. Athanasios starb 373 in Alexandria.

10. Basilius der Große

Die drei Kappadozier möchte ich nun in 10-12 besprechen: Basilius der Große, Gregor von Nazyanz, Gregor von Nyssa. Basilius der Große war der ältere Bruder von Gregor von Nazyanz und Gregor von Nyssa war ihr Freund.

Basilius der Große lebte von ca. 330-379. Er ist in eine Familie hineingeboren worden, die sich schon länger zu Jesus Christus bekannt hatte – und was für eine christliche Familie war sie! Drei seiner Vorfahren wurden wie mit ihm drei seiner Geschwister heiliggesprochen. Die ganze Familie, einschließlich der Schwester waren umfassend sehr gebildet. Er wuchs schon nach der konstantinischen Wende auf, doch jede Zeit hat so ihre Schwierigkeiten, und so war es in seiner Zeit gefährlich, nicht Arianer zu sein. Athanasios und andere, die sich zum dreieinigen Gott bekannt hatten, wurde das Leben schwer gemacht.

Nach seinem Studium wurde er Mönch, gründete Klöster, in denen neben Gebet und Arbeit auch intensives Bibelstudium getrieben wurde. Die Regel, die er für die Mönche geschrieben hat, beeinflusst das Mönchtum bis in die Gegenwart. Obgleich er selber asketisch lebte – und wahrscheinlich darum auch recht reizbar war -, half er in einer Hungersnot Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen, indem er alles verkaufte und selbst die Nahrung austeilte. Er trennte dabei nicht zwischen Juden und Christen, weil eben, so die sinngemäße Begründung, alle Hunger haben. Die mönchische Askese diente dazu, dass der Mensch die Freiheit erlangt und Gott schaut – aber Liebe ist die treibende Kraft zu Gott und den Menschen.

Er wurde Helfer des Bischofs und ein großer Prediger – und wurde später selber zum Bischof ernannt, und das nur, weil der Bischof Gregor von Nazyanz (der Vater seines Freundes) für ihn eingetreten war, denn die Angriffe der Arianer waren massiv, zum anderen war die Politik des Kaisers gegen diejenigen eingestellt, die Gott als den Dreienigen verehrte. Aber Basilius ließ sich nicht einschüchtern, sondern formulierte als erster, dass Gott ein Wesen und drei Personen (Vater, Sohn, Geist) sei. Kaiser Valens hat ihm über einen Gesandten damit gedroht, seinen Besitz einzuziehen, ihn zu verbannen, zu foltern und zu töten. Basilius soll darauf geantwortet haben (gekürzt): Sonst nichts? Ich habe keinen Besitz, ich bin überall auf Gottes Erde zu Hause, Folter bringt mich um – und ich komme schneller zu Gott. Daraufhin sagte der Vertreter des Kaisers: So hat noch nie jemand zu mir gesprochen. Basilius: Du hast noch nie einen richtigen Bischof gesehen. Der Kaiser wagte es nicht, Basilius anzutasten, statt dessen verbannte er dessen Bruder Gregor von Nyssa. Als der arianische Kaiser gestorben war, wurden die Menschen, die an der Lehre von der Wesenseinheit Gottes festgehalten haben, aus der Verbannung zurückgeholt.

Basilius kümmerte sich aber auch ganz praktisch um seine Gemeinden: Er baute Krankenhäuser – die ersten, von denen wir wissen -, und Altersheime – eine ganze Stadt der Nächstenliebe entstand, eine Art Bethel. Er erkannte die Sünden der Christen: Die Verfolgungen hatten nachgelassen, jeder konnte Christ werden, und wie schon häufiger gesehen: Christen gehen unmenschlich mit anderen um. Sie lebten nicht, wie Gott es will. Und so versuchte er, sie wieder auf die Anfangszeit des Glaubens auszurichten, sie auf den Willen Gottes aufmerksam zu machen. Dennoch achtete er auch die heidnische Tradition und hob die Bildung hervor. Weiteres wäre zu nennen, was zeigt, dass er zu recht schon zu Lebzeiten als „der Große“ bezeichnet wurde.

11. Gregor von Nyssa

Der Bruder von Basilius, Gregor von Nyssa, hat seinen Bruder Basilius und vor allem auch seine Schwester Makrina, die Lehrerin, sehr bewundert. Er war aber eher einer, der sich für Philosophie und das Denken interessierte als für das Praktische. Dennoch wurde er von seinem Bruder Basilius aus politischen Gründen zum Bischof ernannt. Doch man hat ihm von Seiten seiner arianischen Gegner Veruntreuung vorgeworfen und abgesetzt. Als die Arianer durch den Tod des arianischen Kaisers schwächer geworden waren, konnte er zurückkehren. Doch seine Begabung bestand im systematischen Denken und so wurde er – trotz seiner Kritik an vielen Zuständen seiner Zeit – der einflussreichste Theologe seiner Zeit, an seinem Maßstab mussten sich alle messen lassen. Seine Bedeutung ist auch daran erkennbar, dass er für eine Prinzessin und für die Kaiserin die Beerdigungsansprache gehalten hat. Er war ein großer Denker hat in der Frage der Dreieinigkeit Gottes intensiv christlichen Glauben und Philosophie Platons bzw. den Neuplatonismus miteinander verbunden: Gott ist unendlich und unbegreifbar; wenn man etwas von ihm erkannt hat, dann wird man noch weiter geführt, wenn man wieder etwas erkannt hat, wird man noch weiter geführt; der Verstand kommt nie an sein Ziel, wenn er über Gott nachdenkt. Doch es ging ihm nicht allein um das Wesen Gottes, es ging ihm darum, herauszuarbeiten, was das für eine Bedeutung für den Menschen hat. Und so ist seine Theologie auch von der Mystik geprägt, davon, dass der Mensch der Güte und Schönheit Gottes nachsinnt, dass er immer weiter in sie hineingenommen wird, aber nie an das Ende kommen wird. Das heißt, die Vereinigung des Menschen mit Gott/der Gottheit, wie sie Mystikern vieler Religionen ein Herzensanliegen ist, wird von Gregor aus seiner christlichen Perspektive nicht vertreten. Der Mensch wird Gott ähnlich, genießt Gott, die Seele tritt aus sich heraus – aber sie wird nicht eins mit dem unendlichen Gott.

12. Gregor von Nazianz

Auch Gregor von Nazianz ist in eine tief christliche Familie hineingeboren worden. Sein Vater war Jude, der sich dem Christentum zugewandt hatte und später Bischof geworden ist. Vater, Mutter, Geschwister – alle werden als Heilige angesehen. Gregor war sehr gebildet, lebte zurückgezogen als Einsiedler/Mönch, half jedoch seinem Vater, dem Bischof und wurde selbst aus politischen Gründen von Basilius zum Bischof ernannt. Als Priester konnte er nicht auftreten, weil die arianischen Gemeinden ihn nicht haben wollten, eine kleine Gemeinde in Konstantinopel (heute Istanbul) blieb bei dem dreieinigen Gott und dort predigte er in einem Kellerlokal. Er konnte so gut reden, dass viele auf ihn aufmerksam wurden – und je mehr Menschen auf ihn aufmerksam geworden sind, desto stärker wurden die Angriffe der Gegner. Er konnte massiv gegen seine Gegner argumentieren – war aber im wesentlichen eher ein Mensch, der den Frieden suchte und meinte, nicht alle seien schon im Glauben gefestigt und wüssten den Weg. Darum sei Langmut angesagt. Die Stadt wandte sich immer stärker dem Glauben an den dreieinigen Gott zu. Er selbst wurde zum Oberbischof (Metropoliten) ernannt – hat aber allen auf die Füße getreten – und merkte, dass das Amt zu groß für ihn war, er die Streitereien in der Kirche zwischen Arianern und Vertretern des Dreieinigen Gottes nicht schlichten konnte zog er sich wieder zurück. In einem anderen Streitpunkt, der nun aufkam, positionierte er sich: es ging darum, dass gesagt wurde, Christus sei Gott – und die menschliche Seite wurde weitgehend ignoriert. Gregor legte Wert darauf, dass Jesus Christus Gott – aber auch ganz Mensch gewesen ist.

Er hat durch seine Predigten, seine Briefe und seine Gedichte bleibend gewirkt. Mit seinen Gedichten wollte er übrigens auch zeigen, dass das Christentum auch in dieser Hinsicht mit der heidnischen Kultur Schritt halten kann.

13. Ambrosius von Mailand

Ambrosius von Mailand ist um 339 in Trier geboren worden. Sein Vater war römischer Statthalter/Präfekt. Der Vater ist früh gestorben und die christliche Mutter zog mit ihrem Sohn zurück nach Rom. Dort wurde er nach seiner hervorragenden juristischen Ausbildung anerkannter Politiker und zum Statthalter mit Sitz in Mailand ernannt. Der alte Bischof war gestorben, und die Arianer und Trinitarier – das heißt Glaubende, die Gott als den dreieinigen Gott bekannten – konnten sich nicht auf einen Nachfolger einigen. Ambrosius war als politischer Beobachter bei diesen Streitigkeiten dabei – und wollte während der Wahl schlichten. Bei seiner Rede soll ein Kind gerufen haben: Bischof Ambrosius. Er selbst war zwar schon Christ, nahm christlichen Unterricht, war aber noch nicht getauft – und wurde, weil er so beliebt war, dennoch zum Bischof ernannt. Er wollte nicht, aber dann überzeugte ihn der Kaiser, dass er dieses Amt ergreifen solle. Er wurde getauft und wirkte als Bischof von Mailand. Seine Beliebtheit rührte auch daher, dass er das Evangelium lebte, seinen Besitz verkaufte, den Armen half, die ihn auf Schritt und Tritt begleiteten. Die Armen seien der Schatz der Kirche.

Ambrosius war auch eine machtvolle Person, und der spätere Kampf zwischen Kirche und Kaiser wurde hier schon vorweggenommen: Der Kaiser ist als Christ Untertan der Kirche, hat sich an ihre Regeln zu halten. Er ist auch nur ein Mensch, der einmal vor Gott erscheinen und sich rechtfertigen muss. Deutlich wird die Herrschaftskritik, die sich durch die gesamte Bibel hindurchzieht, auf eine neue Ebene gehoben. Das bedeutet aber auch für den Menschen der Kirche, dass er würdig auftritt, dass er sich dem Amt und der Würde entsprechend verhält, dass er sich nicht der Sünde ausliefert. Und die Herrschaftskritik wurde mehrfach deutlich. So ist Ambrosius einer der Erfinder des “zivilen Ungehorsams”, weil er nicht einsah, dass die Politik in Sachen Kirche bestimmend wird und die Spaltung der Kirche in Arianer und Trinitarier unterstützt. Der Staat suchte die Arianer unter anderem aus politischen Gründen zu unterstützen, weil die Goten, die mehr oder weniger das Römische Reich infiltrierten, Arianer waren. Aber Ambrosius war gegen solche Kompromisse auf Kosten der Einheit der Kirche. Und: Als der Kaiser ein Massaker angerichtet hatte, musste er öffentlich Buße tun. Er drängte einen anderen Kaiser, die heidnischen Kulte nicht mehr finanziell zu unterstützen, sie aufzulösen. Sein Wirken hat auch insofern eine Schattenseite, als er die Bestrafung eines Bischofs verhinderte, der zu einem Pogrom gegen Juden angestachelt hatte und der Mob die Synagoge zerstörte. Der Kaiser wollte, dass der Bischof den Aufbau der Synagoge finanziere – was Ambrosius ablehnte. Diese Ereignisse zeigen zum Teil, dass hier das Recht zugunsten der Kirche zurückgestellt wurde. Und das gehört mit zu den dunkelsten Kapiteln der Kirche. Freilich: Jeder Dom hat seine Dämonen – und so ist Ambrosius einer der ganz Großen, aber er zeigt auch, dass die ganz Großen ihre dunklen Seiten haben, ihre Seiten, die vom Geist Gottes nicht vollkommen durchleuchtet worden sind. Ambrosius Schwachstelle war der Machtwille. Dennoch wandte er sich auch gegen Bischöfe, die nun ihrerseits – sozusagen als Revanche – den Staat dazu benutzten, Gegner des Christentums zu verfolgen.

Er war aber nicht nur gegen…, sondern vor allem auch “für” und so schrieb er eine Ethik, Texte zur Unterweisung von Christen und viele Hymnen – und ist so Urheber des Gottesdienstgesanges (Ambrosianischer Gesang). Wobei er freilich nicht dessen Erfinder ist. In manchen Gottesdiensten wurde schon vorher gesungen. Ambrosius stand in der Tradition des Origenes, des Athanasius und des Basilius – und hat über die Mutter des späteren Kirchenvaters Augustinus, Monika, dessen Hinwendung zum Christentum gefördert. Ambrosius hat ihn auch getauft – und die Legende sagt, dass während dieses Gottesdienstes das berühmte Te Deum als Wechselgesang der großen Christen Ambrosius und Augustinus entstanden ist. (Das Te Deum: http://www.kathpedia.com/index.php/Te_Deum )

Ambrosius war auch ein großer Prediger, der die biblischen Texte in der Nachfolge von Origenes allegorisch ausgelegt hat, das heißt die Aussagen des biblischen Textes aus dem historischen Kontext gelöst und die Bedeutung für den Hörer seiner Zeit so interpretiert hat, dass die unverständlichen Texte rational-gläubig nachvollziehbar waren.

Er starb 397 in Mailand. Seine Schwester ist die Heilige Marcellina. Auch hier sieht man, wie an Basilios, dass die Familie insgesamt jeweils große Bedeutung erlangt hat. (Eine gute Darstellung von Ambrosius findet sich hier: http://www.kath.net/detail.php?id=39213 )