FRAGEN + ANTWORTEN ZUM THEMA LIEBE – SEXUALITÄT – EHE
Die folgenden Fragen wurden von Schülerinnen und Schülern gestellt.
Bevor Du die Antworten liest, selbst schriftlich Antworten geben. Das ist wichtig, damit Du bei unterschiedlicher Meinung argumentativ die eigene Sichtweise darlegen kannst: und auch das schriftlich festhalten.
1. Für wie viel Menschen ist Liebe wichtiger als Sex?
Das kann nicht gesagt werden. Es lässt sich nur beobachten, dass nicht alle Menschen gleichermaßen sexuell aktiv sind, sein wollen. Es gibt Menschen, die bestimmte Aufgaben und Ziele in ihrem Leben höher stellen als Sexualität. Es gibt Menschen, die sich im Laufe ihres Lebens ändern: Manchen ist Sexualität sehr wichtig – und dann erkennen sie, es gibt wichtigere Dinge im Leben und umgekehrt. Wieder andere suchen einen Liebespartner / Sex-Partner, finden jedoch keinen, dem sie sich sexuell anvertrauen können und pflegen tiefe Freundschaften, manche können aus Krankheitsgründen ihre Sexualität nicht ausleben – und suchen für ihr gemeinsames Leben den richtigen Weg in Liebe. Jeder einzelne Mensch muss auf sich selbst hören, darauf, was er will und kann, was er anzunehmen und zu geben bereit ist.
2. Pfarrer / Priester dürfen sie Sex haben?
Evangelische Pfarrer dürfen heiraten – und somit auch Sex haben. Römisch-katholische Geistliche haben sich zum Zölibat verpflichtet, ebenso christliche Mönche und Nonnen (auch buddhistische Mönche). Im christlichen Glauben hängt das damit zusammen, dass man ganz frei sein möchte für den Dienst an Gott und am Menschen. Freilich hatte die Durchsetzung des Zölibats im Mittelalter auch gesellschaftspolitische und nicht allein theologische Gründe. Sexualität wird von vielen als etwas empfunden, das unrein ist, das sie von Gott trennt. So gab es manche christliche Strömung in der Alten Kirche, in der Menschen dem, was alle tun (sich sexuell ausleben), etwas Neues entgegen setzen wollten: Sie erlebten den Reichtum einer Ehe auch ohne geschlechtlichen Verkehr. Für Christen gilt: Der Mensch soll das Leben so leben, wie er es aus der Beziehung zu Gott leben mag. Ob jemand Partner hat oder nicht – jeder ist gleich viel Wert vor Gott. Und wenn ein glaubender Mensch keinen Partner hat, versucht er sein Leben mit Gottes Hilfe ohne einen Partner einzurichten. Das Leben findet seinen Sinn nicht im sexuellen Kontakt. (Heute gibt es z.B. die Jesus-Bruderschaft Gnadenthal – s. Internet – [Kommunitäten], in denen man gemeinsam arbeitet, zusammenlebt, aber ohne geschlechtliche Beziehungen zu pflegen.)
3. Wie entsteht Liebe?
Manche meinen, sie würden das wissen: durch Zusammenspiel der Hormone. Es gibt nicht nur die Liebe zwischen zwei Menschen, sondern auch Philia (Freundschaft), Erotik, Diakonia (dienende Liebe), Altruismus (sich aufgebende Liebe), Agape (reine, göttliche Liebe), Narzissmus (Verliebtsein in sich selbst) usw. In der genannten Frage geht es wohl um die Liebe zwischen zwei Menschen. Warum fühlt ein Mensch sich zu manchen Menschen stärker hingezogen als zu anderen? Warum lebt ein Mensch mit manchen Menschen in Freundschaften und anderen nicht? Man hat in vielen Dingen häufig die gleiche Wellenlänge, die gleichen Ansichten – das muss aber ganz und gar nicht sein („Gegensätze ziehen sich an“). Man findet das Lächeln sympathisch, den gesamten Ausdruck, den Geruch (wissenschaftlich gesehen spielt er eine große Rolle) – aber auch das muss nicht sein. Manchmal lebt man lange irgendwie nebeneinanderher, ohne einander zu beachten – und dann kann es funken. Wie Liebe entstehen kann, gehört (noch) zu den Rätseln (auch wenn manche meinen, sie hätten es herausgefunden).
4. Anziehung zwischen Mann und Frau?
Die Sexualität ist eine treibende Kraft, die Mann und Frau zueinander führt. (Nicht die einzige: Man kann auch einfach nur Gemeinschaft wollen…). Es geht um die Fortpflanzung, die von der Natur vorgegeben ist. So reagieren auch Menschen auf körperliche Merkmale, die sie am anderen Geschlecht jeweils attraktiv finden. Zur Kultur des Menschen gehört es, dass er das, was natürlich ist, auf neue Ebenen erhebt: Auch ein Mensch muss essen – frisst nicht, sondern hat Ess-Sitten „erfunden“; man muss sprechen – hat Regeln erfunden, die das Sprechen, Verstehen erleichtern; man muss wohnen – und bleibt nicht in seiner Höhle, sondern macht es sich in einem mühsam errichteten Haus gemütlich usw. Ebenso ist Liebe eine Art der Veredelung der Sexualität. Aber dieses Gefühl der Anziehung muss nicht in sexuellem Verkehr münden. Menschen können flirten, können Freundschaft pflegen, ohne dass Sexualität hineinspielt, können den anderen als geistige-seelische Bereicherung für das Leben empfinden. Frauen und Männer sind mehr als wandelnde Sexualorgane, mehr als Versklavte ihrer Gene – sie sind, wie das Alte Testament sagt: Ebenbild Gottes. Und als solche beinhalten sie einen großen Reichtum, der über das Sexuelle hinausgeht – Sexualität aber auch nicht ausschließt.
5. Gibt es wahre, große Liebe?
Manche sagen „Ja“, manche sagen: „Nein“. Es kommt darauf an, wie sehr ein Mensch bereit ist, sich auf den anderen einzulassen, wie sehr er das natürliche Misstrauen vor anderen Menschen aufgeben, sich selbst in gewisser Weise auch aufgeben kann. Und: Ob er einen Partner findet, bei dem das möglich ist. Die große, wahre Liebe ist aber nicht allein auf einen Partner beschränkt, sondern kann auch den Kindern gelten oder einem Freund/einer Freundin. Freilich wird unsere Vorstellung von der großen, wahren Liebe nicht wenig von dem geprägt, was wir in Liedern/Schlagern hören, in Filmen sehen. Davon müssen wir uns lösen, um sich auf sich selbst und dem Partner einlassen zu können. Wenn man sich von irgendwelchen Idealvorstellungen löst, dann kann es zu einem großen, unendlich tiefen Zusammengehörigkeitsgefühl kommen. Es sind nur Momente der tiefen Einheit, der Liebe (Eis schmeckt gut – wenn man aber ständig Eis isst, entwickelt man eine Eis-Aversion). Es muss miteinander immer wieder erstrebt werden – und das geht nur, wenn zwei Menschen einander vertrauen können, einander als ganzen Menschen achten, sich immer besser kennenlernen.
6. Verändert sich die Liebe, wenn man verheiratet ist?
Liebe ist ständigen Veränderungen unterworfen, da sie etwas Lebendiges ist. Wenn Liebe erstarrt, dann handelt es sich nicht mehr um Liebe. Man wächst miteinander – und so ändert sich auch die Liebe. Die Liebe reagiert auf Einflüsse von außen: Beruf, Hobbys, Freundschaften, Kinder… Wenn Menschen sich frisch verlieben, dann möchten sie sich kennenlernen, dann staunen sie über den anderen. So langsam lernen sie den anderen kennen – und dann kommen zur Liebe gemeinsame Aufgaben, Interessen hinzu, damit sie sich nicht nebeneinanderher lebend auseinander leben. Wenn zwei Menschen entschließen, einander näher zu kommen, erkennen sie auch gewisse Unarten, etwas, was sie aneinander nicht mögen. Auch in diesem, was beide als trennend empfinden, müssen sie sich zueinander durchringen, denn auch das ist Liebe: immer wieder neu zu einander finden. Manchmal ist es so, dass zwei Menschen nicht mehr zueinander finden und beschließen, neue Wege zu gehen, um einander das Leben nicht schwer zu machen. Manchmal werden Ehen leichtfertig aufgegeben, weil sich Partner mit einem neuen Partner ein neues Leben versprechen – dabei bleiben sie selbst bekanntlich der alte und nichts wird sich ändern. In unserer Gesellschaft ist nach einem solchen Schritt meistens die Frau benachteiligt (dennoch beantragen mehr Frauen die Scheidung). Jede Ehe, die Höhen und Tiefen durchhält, ist ein Wunder. Ehen sind nichts Selbstverständliches, Partner müssen an ihnen arbeiten. – Darüber hinaus ist Sexualität auch ein Mittel, den anderen an sich zu binden – bzw. aufgrund der Konkurrenz mit anderen Menschen ein Mittel, sich besonders hervorzutun. (Jungs machen Quatsch und versuchen sich durch Kraftakte und Witze zu profilieren, Mädchen suchen durch Hervorhebungen körperlicher Schönheiten ihre Konkurrentinnen auszuschalten.) Das gibt sich dann nach dem Eheschluss stärker, weil sich die Partner sicherer sein können. Kurz: Manchmal lässt der Wunsch nach sexueller Nähe nach, was angeblich dazu führt, dass Männer nicht heiraten, weil sie befürchten, dass die Angetraute sexuell zurückhaltender wird. – Kirchen setzen sich für die Ehe ein, damit das Zusammensein von Menschen weitere Anker hat: die Gemeinschaft der Gemeinde, die Gemeinschaft mit Gott. Durch die vor Menschen und Gott geschlossene Ehe soll die Liebe geschützt werden. Je länger zwei Menschen zusammen sind, desto schwerer fällt für viele die Trennung. Man spricht davon, dass eine Wunde gerissen wird, die lange braucht, bis sie nicht mehr so schmerzhaft ist. Die Bibel spricht davon, dass Mann und Frau ein Leib werden – und wenn er zerrissen wird, ist es schmerzhaft. Die Ehe soll, so gut sie es eben kann, Menschen vor zu leichtfertiger Trennung bewahren. Aber wenn die Anker (Gemeinschaft und Gott) gekappt werden, können sie der Ehe nicht mehr helfen und Menschen driften auseinander.
7. Soll man mit seinen Eltern reden, wenn man einen Freund hat?
Wenn ein Paar meint, dass auch andere von der Freundschaft erfahren sollen, dann sollten sie das auch den Eltern sagen. Freundschaften bedürfen manchmal einer gewissen Verschwiegenheit, um wachsen zu können, damit man sich sicherer wird – und, wenn man dann so weit ist, sollte man es auch anderen sagen. Verheimlichen lassen sich Freundschaften sowieso kaum. Und das gemeinsame Vertrauen, das man sich in der Familie entgegenbringt, sollte auch in dieser Frage nicht enttäuscht werden. Darüber hinaus kommt es auch auf die Beziehung zu den Eltern an. Wenn man Fragen zu Freundschaften hat, können so manche Eltern gute Tipps geben. Sie waren auch einmal in dieser Lage – und kennen die damit verbundenen Unsicherheiten und Fragen. Zudem hat die Einbeziehung anderer auch eine gewisse Schutzfunktion. Sie kennen den Partner vielleicht und können warnen, weil sie Seiten gesehen haben, die schädlich sind. Liebende sind manchmal „blind“ – wie es heißt.
8. Ist Sex vor der Ehe schlimm?
Sex sollte mit Liebe (nicht mit Schwärmen und Anhimmeln) verbunden sein. Die Ehe soll dem Sex einen gewissen sicheren Rahmen geben. Ein Paar sollte den Sex so weit vor sich herschieben wie möglich. Sexuell kann man auch ohne Liebe aktiv sein – sieht man an den Tieren – nur wünschen sich sicher sehr viele Menschen auch Geborgenheit, Vertrautheit, Treue – und dazu gehört es, sich so gut wie irgend möglich zu kennen, schon gemeinsam durch frohe und dunkle Ereignisse gegangen zu sein, sie gemeinsam bewältigt zu haben. Bevor es zu engeren sexuellen Kontakten kommt, sollte das Paar Vertrauen erprobt haben. Keiner sollte sich drängen lassen – und Jungs müssen, stärker als Mädchen, lernen – Rücksicht zu nehmen auf Gefühle und Befindlichkeiten der Partnerin. Auch ist es sicherlich nicht schlecht, wenn beide mal gemeinsam darüber nachgedacht haben: „Kein Sex vor der Ehe!?“ Wenn beide das einmal angesprochen haben, dann wissen beide, woran sie beim anderen sind. Doch sollten beide miteinander auch munter zusammenleben, wenn sie dieses große Ziel trotz großer Anstrengungen nicht durchhalten konnte. Bei diesem Thema und auch beim folgenden Thema „Verhütung“ – sollte jeder und jede überlegen, ob sie es nicht mit Vater/Mutter besprechen wollen. Sie kennen sich sicherlich aus – wissen zumindest, wo man sich darüber informieren kann. Und da wohl kaum ein Mensch seine ersten Liebeserfahrungen auf der Parkbank erstrebt oder sich einen Quickie hinterm Busch wünscht, geht es ja auch um die Pflege des Zusammenseins in den eigenen vier Wänden. Weil Sexualität immer auch Chaos in ein Leben bringen kann, in die Gesellschaft bringen kann, haben Christen aufgrund ihrer Erfahrung die Tendenz, die Sexualität an die Liebe und an die Ehe zu binden. Wer sein Leben aus der Beziehung zu Gott lebt, der achtet darauf, dass auch das Leben mit einem Partner im Licht Gottes geführt wird.
9. Verhütung?
Frau und Mann (!) sollen sich darüber informieren, welche Möglichkeiten der Verhütung es gibt, damit man es weiß, falls man doch die Kontrolle verliert. Dabei geht es dann nicht nur um Vermeidung ungewollter Schwangerschaften – weil ungewollte Schwangerschaften viele Gedanken und Überlegungen und Aufregungen mit sich bringen und auch seelisch/körperlich die eigene Zukunft prägen können – sondern vor allem auch um Verhütung von Krankheiten (falls einer der Partner weitere Sexualkontakte hatte). Zum anderen sollten sich beide auch darüber informieren, welche körperlichen Auswirkungen die Verhütungsmittel haben. (Auch Pillen sind Medikamente, die in den normalen Ablauf des Körpers eingreifen. Beipackzettel beachten!) Abtreibung darf keine von vornherein in Betracht gezogene Alternative sein. Die Folgen können auch für die Mutter negative Konsequenzen haben. Abtreibungen werden damit verteidigt, dass auf die Selbstbestimmung der Frau gepocht wird. Aber jede Frau sollte schon bedenken, dass die Selbstbestimmung nicht erst dann beginnt, wenn es um Abtreibung geht, sondern auch schon dann, wenn es um Verhütung geht.
10. Sex nur aus Liebe oder auch aus Spaß – Sex ohne Liebe (Puff/Bordell)?
Menschen sind, mit ganz wenigen anderen höheren Wesen, die einzigen, die in ihrer Sexualität nicht von Jahreszeiten, von Brunftzeiten usw. abhängig sind. Sie können somit immer dann – wenn sie nur wollen. Und weil sie immer können, aber nicht immer einen Partner haben, gibt es Menschen, die sich für Geld zur Verfügung stellen, dem anderen den sexuellen Druck zu nehmen. Die Frage stellt sich freilich: Wieweit machen es die Menschen wirklich freiwillig oder aufgrund von finanziellen Notlagen, aufgrund von Ausbeutung, aufgrund einer Sucht? Gesetzt den Fall, sie machen es freiwillig, sollte sich ein Mensch, der Sklave seiner Sexualität ist, auch nicht vom Sex ohne Liebe abhalten lassen. Allerdings ist dieser Weg für Christen verschlossen: Nicht die Sexualität soll den Menschen beherrschen, sondern der Mensch die Sexualität. Darüber hinaus: Jesus verwehrt es, den Menschen als Objekt anzusehen. Wer einen anderen dazu benutzt – auch wenn dieser andere es freiwillig tut – um seinen sexuellen Drang loszuwerden, missachtet den anderen als Menschen, sieht in ihm ein Objekt seiner Begierde.
11. Sind Pornos schlimm (Internet – Fernsehen)?
Die Definition dessen, was als Pornographie bezeichnet werden kann, ist unscharf. Ich selbst bezeichne als Pornographie Bilder, Filme, Texte, die Sexualität mit der (gewalttätigen) Erniedrigung eines Menschen verbinden – oder auch schärfer: Sexualität / sexuelle Praktiken zur Schau stellen. Das muss freilich nicht immer durch deutlich sichtbare Gewalt ausgedrückt werden, sondern kann auch verbal, visuell geschehen. Der Mensch ist das einzige Wesen auf der Erde, das verantwortungslos und verantwortungsvoll mit seiner Sexualität umgehen kann. Verantwortungsloser Umgang hat seinen Reiz, birgt aber auch Gefahren: Suchtgefahr, die Gefahr, Phantasien mit Realität zu verwechseln und die Realität den Phantasien anzupassen (Frauen wollen immer Sex – Männer können immer sexuell aktiv sein; alle Frauen und alle Männer wollen mit allen Frauen und Männern sexuell verkehren…), Erfüllung sexueller Wünsche wird über die Liebe zum Partner gestellt usw., neuere Gefahren: Bilder oder Filme mit dem Partner / Expartner werden ohne dessen Wissen ins Netz gestellt, es werden immer härtere Darstellungen gesucht und auch gefunden. Während sich früher ein Pornoliebhaber dazu „bekennen“ musste, indem er in die entsprechenden Läden ging, geht es heute übers Internet (ansatzweise) anonym: Das kann zur sozialen Isolation führen. Freilich ist die innere Einstellung das Entscheidende: Möchte ich mich mit guten Dingen beschäftigen, die mich stärker machen, aufbauen, sozial kompetenter, fröhlicher, liebevoller – oder mit Dingen, die mich runterziehen, die dunkle Gedanken fördern, sozial ins Abseits stellen, seelisch kaputt machen? (Es gibt Berater in Fragen der Sex-Sucht – auch übers Internet kann man fündig werden – aber auch hier: Vorsicht vor Scharlatanen!) Manche prahlen auch mit Pornofilmen usw. auf Handys, was für coole Kerle sie sind. Man muss überlegen: Mit welchen Menschen möchte ich gerne zusammen sein und welche Menschen einen nicht wirklich weiterhelfen.
12. Gefahren von Sex?
Sexualität als solche ist nicht gefährlich. Allerdings ist mit ihr nicht selten Gewalt verbunden, deren Auswirkungen vor allem Frauen, Mädchen ausgesetzt sind. Gesundheitliche Gefahren können vorhanden sein aufgrund der intimen Nähe der Menschen – aber davor kann man sich weitgehend schützen und sollte sich informieren. Mögliche Schwangerschaften sind keine „Gefahr“, weil mit jeder Schwangerschaft etwas Schönes verbunden ist: Einem Menschen wird das Leben geschenkt – ein Wunder! Nur sollten die Umstände berücksichtigt werden, in denen einem neuen Menschen das Leben geschenkt wird. Es gibt auch gefährliche sexuelle Praktiken, aber die sind vermutlich nicht besonders weit verbreitet. Eine andere Gefahr ist die Sex-Sucht – s. 11.: Pornos. Strukturelle Gewalt – Gewalt, die Frauen erniedrigt (geringerer Lohn als Männer, Körper als Objekte der Werbung und von PC-Spielen, Missachtung der Berufe, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, erniedrigende Witze, religiöse Diskriminierung von Frauen, juristische und behördliche Benachteiligungen) – muss in einer Gesellschaft immer wieder bekämpft werden. Freilich gibt es auch die Möglichkeit, dass manche Frauen Diskriminierungen nicht als solche empfinden, sie vielleicht aus religiösen und psychischen Gründen sogar begrüßen. Aber eine Gesellschaft sollte andere Frauen vor solchen Diskriminierungsversuchen schützen. Manchmal sind Spaß und Gewalt unter Gleichaltrigen nicht leicht voneinander zu trennen. Es gab eine Internetseite, die diese Frage intensiv aufgearbeitet hat. Leider gibt es sie nicht mehr. Wir spüren aber, wenn Spaß in Gewalt umschlägt, wir spüren es an der Stimmung, die auf einmal auftritt, an den Augen des anderen, die sich vom Spaß zur Gewalt verändern. Wenn ich merke, dass die Stimmung am Kippen ist, sich unbedingt der Situation entziehen.
13. Homosexualität
Unter Homosexuelle versteht man allgemein Menschen, die sich zu gleichgeschlechtlichen Partnern hingezogen fühlen. Frauen bezeichnen sich als Lesben, Männer bezeichnen sich als Schwule/Gay. Menschen machen in ihrer Entwicklung manchmal Phasen durch, in denen sie sich zum eigenen Geschlecht eher hingezogen fühlen als zum anderen, manche entdecken später im Leben eine entsprechende Neigung. Daneben gibt es Menschen, die ununterbrochen homosexuell veranlagt sind, die eine eigene Weltsicht und ihnen eigene Verhaltensweisen entwickeln. Homosexualität wird in vielen Gesellschaftsformen abgelehnt – auch in unserer Gesellschaft haben Schwule und Lesben es vielfach schwer (gehabt), sich dazu zu bekennen, denn Verspottung, Erniedrigungen, Isolationen begleiten vielfach ein Coming out (= das öffentliche Bekennen zu seiner Homosexualität). Freilich ändert es sich in unserer Gesellschaft immer stärker. Homosexualität ist auch für Juden und Christen ein schwieriges Thema. Das darum, weil es in der Bibel Stellen gibt, die davon sprechen, dass Gott Homosexualität ablehnt – was mit den negativen Erfahrungen der Autoren zusammenhängt, die Auswüchsen begegnet sind. Viele Christen lehnen die Homosexualität ab, nicht aber den Homosexuellen. Die Bedingung für diese Haltung: Homosexualität ist nicht angeboren. Wie weit sie angeboren ist oder z.B. durch Erstprägungen bestimmt wird, wird auch unter Wissenschaftlern diskutiert, auch wenn viele Schwule Aktivisten das Erstgenannte mehr oder weniger heftig vertreten und in diesem Sinne Meinungshoheit zu erlangen suchen. Im Augenblick sieht es so aus, dass Homosexualität epigenetische Ursachen hat. In unserer Gesellschaft versuchen Homosexuelle immer mehr Raum zu gewinnen. Sie wollen nicht aufgrund ihrer geschlechtlichen Orientierung abgelehnt werden, sondern gleichberechtigt neben anderen wie andere leben können. Zu recht.
14. Weitere Formen der Sexualität
Die Sexualität des Menschen kennt auch weitere Formen, so Hermaphroditen/Zwitter, oder Menschen, die körperlich ein Mann sind, sich doch wie eine Frau fühlen bzw. körperlich eine Frau sind und sich wie ein Mann fühlen. Die Menschen, die von der Mehrheit abweichen (das gilt nicht nur auf dem Gebiet der Sexualität), haben es schwer, sich selbst zu finden. Hier ist unsere Gesellschaft auf einem guten Weg: Sie haben es vielfach schon schwer genug mit sich selbst, da muss ihnen die Gesellschaft nicht auch noch Steine in den Weg legen. Freilich haben Minderheiten manchmal auch die Tendenz, sich selbst in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu stellen – um sich selbst finden zu können. Als Gesellschaft darauf angemessen zu reagieren ist immer eine schwere Gratwanderung.