SIEBEN WORTE JESU AM KREUZ

Die sieben Worte Jesu am Kreuz können zu einem Teil gut darstellen, was der christliche Glaube zur Frage der Theodizee zu sagen hat. In der Theodizee-Frage geht es darum: Wie kann der liebende und gerechte Gott es zulassen, dass Menschen leiden bzw. gute Menschen leiden. Hierzu finden sich vertiefende Abschnitte unter der Überschrift „Gott“ / „Theodizee“. Hier geht es nicht um die historisch-kritische Frage, welches der Worte hat Jesus wirklich gesagt, ob keines, ob alle, ob das eine oder andere. Entscheidend ist hier die Frage: Welche Wirkung haben diese Worte, um Leiden bewältigen zu können?

Es geht nicht um die Frage: Woher kommt das Leiden, warum leiden Menschen?

Es geht darum: Wie geht Jesus mit dem Leiden – dem vielfältigen Leiden – um? Die Worte Jesu waren für so manche Ansporn, sich über das eigene Leben, das eigene Leiden und das kommende eigene Sterben Gedanken zu machen.

Es sind „nur“ Worte – aber dadurch, dass Gottes Sohn / Gottes Geist Ursache dieser Worte ist, haben sie für Glaubende eine besondere Bedeutung und entfalten in Glaubende eine große Kraft. Die Frage danach, welches Wort historisch korrekt ist, ist nicht mehr dringlich, wenn die Wirkung dieser Worte für die jeweiligen Glaubenden beachtet wird, die durch den Geist Gottes hervorgerufen wird.

Die Passionsgeschichte wie auch besonders die Worte Jesu am Kreuz sprechen nicht nur über das Leiden, sie sind Ausdruck der Bewältigung des Leidens im Leiden selbst. Jesus ist kein distanzierter Philosoph, wie uns die Evangelien lehren, sondern Mensch gewordener Gott.

Es sei noch angemerkt, dass die Zahl „sieben“ eine ganz besondere Zahl ist, nicht nur für Christen, sondern in vielen Kulturen. Dass gerade sieben Worte Jesu überliefert wurden, mag Zufall sein, aber dieser Zufall hat besondere Bedeutung: Sie umfassen einen großen Teil von dem, was dem Leben wesentlich ist. Sieben – die Zahl der Vollkommenheit, Erschaffung der Welt in sechs Tagen + Ruhetag (3 die Zahl für Gott + 4 die Zahl der weltlichen Ordnung / Himmelsrichtungen, von Gott umfasst). Kurze Erläuterung: Die Zahl „Acht“ ist die Zahl der Ewigkeit, Auferstehung, Neuanfang, nicht die der Vollkommenheit.

Traditionelle Reihenfolge der Worte Jesu am Kreuz.

1. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk 23,34)

Reaktion auf die Not der Schuld, auf die Bosheit der Menschen: Vergebung. Vergebung ermöglicht Neuanfang. Der Mensch kann durch Vergebung befreit werden vom bösen Handeln. Im Augenblick brutalsten Unrechts reagiert Jesus nicht mit Hass. Er ist frei zu vergeben, er ist nicht Sklave des Gedankens der Vergeltung.

2. „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43)

Reaktion auf die Not des Todes: ewiges Leben.

3. „Frau, siehe, dein Sohn!“ und: „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,26-27)

Reaktion auf die Einsamkeit: Gemeinschaft, Zuwendung zum anderen.

4. „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Mk 15,34; Mt 27,46 – Psalm 22)

Reaktion auf die Erfahrung der Gottverlassenheit: Klage. Gott sein Leid klagen – Leiden aussprechen. Jesu Klage ist meine Klage, meine Klage ist Jesu Klage. Ich sehe mich in seinem Leiden, sehe ihn in meinem Leiden. Einheit mit Gott, auch wenn ich ihn nicht spüren sollte. Jesus schreit mit dem Psalm 22 – er schreit, wie viele Menschen vor und nach ihm mit diesem Psalm geschrien haben. Er ist ganz Mensch. Dadurch ist kein Leiden zu dunkel: Christus ist da.

Gottverlassenheit verursacht durch Untaten der Menschen (Theodizee als Folge der Anthropodizee):

  1. Verrat durch den Freund (Judas)
  2. Verleugnung durch Freunde (z.B. Petrus).
  3. Ungerechte Verhaftung.
  4. Ausgesetzt sein rechtlicher Willkür: Falsche Zeugenaussagen.
  5. Verbale Erniedrigungen.
  6. Folterungen (Schläge, angespuckt werden, Dornenkrone, Entkleidung)
  7. Zur-Schau-Stellung als Verhöhnter.

5. „Mich dürstet.“ (Joh 19,28 – Psalm 69,22)

Reaktion auf das Leiden des Körpers – das Leiden des Körpers durchzieht die gesamte Passionsgeschichte.

6. „Es ist vollbracht.“ (Joh 19,30)

Was ist vollbracht? Jesu Leben, in dem er versuchte, das Leiden zu bekämpfen – aus der Erwartung des Schalom / Reich Gottes heraus: Wunder + Lehre – Erhebung der Erniedrigten, sein gesamtes Handeln als derjenige, der Gottes Willen offenbart. Das Leben kann an ein Ziel kommen. Leiden widerspricht nicht der Zugehörigkeit zu Gott. Das Werk der Erlösung ist vollbracht. Menschen können frei werden, sich frei Gott zuwenden, da Gott sie befreit hat. Der Riss zwischen Gott und Mensch, Mensch und Gott wurde durch die Liebe Gottes überwunden.

7. „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ (Lk 23,46 – Psalm 31,5f.)

Sich Gott anbefehlen – es geht weiter im Schalom Gottes.

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Wie ich Jesus in meinem Leiden sehe und mich in seinem, so auch in der Auferstehung: Seine Auferstehung ist meine Auferstehung. Gott wird auch mein Leiden beenden. Gott erhebt den Erniedrigten aus dem Staub. Gott wird sich zu mir, dem Menschen, bekennen. Ihn vollenden, seine Würde zurückgeben. Gott ist auf der Seite des Opfers – nicht auf der Seite der Täter.