1. GENESIS 6-10: DIE SINTFLUT-GESCHICHTE:

Gottes Leiden an der Ungerechtigkeit der Menschen

Der Noah-Mythos (*) erzählt:

Gott plante die Menschen umzubringen, weil es ihm reute, den boshaften Menschen erschaffen zu haben. Und so tötete er Mensch und Tier, nur Noah überlebte samt Familie und den Tieren.

Es ist eine grausame Geschichte. Ich lese sie als Hoffnungs-Geschichte. Wie das? Ein paar Anmerkungen möchte ich geben – die Geschichte ist natürlich vielfältiger angelegt.

Israel war von den Babyloniern erobert worden (im Jahr 586 durch Nebukadnezar II.). Die Oberschicht wurde nach Babylon ins Exil verschleppt. Die jüdischen Theologen wussten: Wir von Israel haben den Vertrag gebrochen, den wir mit Gott bzw. Gott mit uns geschlossen hat. Wir erleiden nun durch die Eroberung die Vertragsstrafe.

In Babylon sind sie mit der alten Noah-Tradition in Verbindung gekommen. Die sagte: Es gab eine große Flut und in dieser Flut sind alle Menschen gestorben.

Der Name Noah wird als „Trösten“ interpretiert – und von daher liegt es nahe, sie als Hoffnungsgeschichte zu lesen, eine Geschichte, die den Israeliten in Babylon Trost sein sollte. Sie haben ihre Situation in die Geschichte hinein gelesen: Das Volk lebte im übertragenen Sinn in einer Zeit der Flut – der Überflutung durch die Babylonier. Nur wenige Israeliten leben noch. Doch diese wenigen werden diese Babylonische Flut überleben. Gott bereitet aber dem Elend ein Ende – er wird wieder einen Neuanfang schenken. Und mit diesem Neuanfang fängt auch Gott mit dem Volk neu an: Der Noahbund – samt Gebote und Regenbogen als Symbol. Und so wird Noah auch als Vorbild dargestellt.

Dieser alte babylonische Mythos wurde also auf die eigene Situation hin umgedeutet – er wurde zum Trost: Das Elend der Überflutung durch die Babylonier wird ein Ende haben – Gott wird dem ein Ende bereiten. (Man muss allerdings bedenken, dass das so eingebettet wird, dass es vor der Abraham-Berufung durch Gott erzählt wird, also den Völkern gilt – somit folgerichtig, denn von ihnen wurde die Erzähltradition übernommen. Auch diesen Völkern gelten die Gebote.

In der Babylonischen Zeit hat das Volk Israel auch die erste Schöpfungsgeschichte durch einen von Gott geprägten Theologen geschenkt bekommen, der ebenfalls alte Traditionen aufgegriffen hat. Dort heißt es: Gott sah seine Schöpfung – sie war sehr gut. Doch in Babylon erlebte man überhaupt nichts Gutes. Der Mensch bereitet dem Menschen nur Übel. Aber: Es kann noch so chaotisch sein: Der Grundton der Schöpfung ist gut. Warum? Der Geist (Ruach) Gottes schwebte über den Urfluten und erschuf die schöne Welt samt Menschen. Und dieser Geist (Ruach) ist es dann auch, der die Strafflut beenden werden wird: Er trocknet die Flut weg. Gott der Schöpfer ist auch der Erhalter.

Die Schöpfungsgeschichte – dieser Mythos ist älter als das Volk Israel, wurde jedoch auf das Volk hin neu erzählt. Und eben als Trostgeschichte. An der großen Flut kam man nicht vorbei. Sie beherrschte die Tradition. Aber man vermochte sie in den großen Kontext des Rettungshandelns Gottes zu stellen.

Man merkte allerdings: Das Gottesbild reibt sich mit der eigenen Tradition. Und so wird von Gottes Trauer über den Menschen, seinen Zorn über ihn und letztlich über seine Reue geredet. Das ist der Keim, das Verhältnis von Mensch und Gott – Gott und Mensch als Beziehungsgeschichte zu deuten:

Gott gab dem Menschen von Anfang an Freiheit. Der Mensch missbrauchte die Freiheit, wandte sich gegen Gott und Mensch. Gott versucht nun, dem Menschen nicht die Freiheit zu nehmen, sondern mit Hilfe von Propheten, Geboten, weiteren Gottesmenschen den Weg zu Gott und des Miteinanders zu weisen. Nicht zuletzt durch Jesus Christus. Gott geht auf den Menschen ein und versucht ihn dazu zu bringen, in Freiheit menschlich zu sein. Und so werden diese alten Mythen der Völker auch Bausteine, um die Beziehung zwischen Gott und Mensch verstehen zu können.

Zu der Noah-Geschichte s. auch: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/gott/das-buch-hiob/

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Erzählerische Umsetzung:

Noah und die „große Flut“ (Sintflut)

Das Volk Israel wurde von den Babyloniern erobert. Viele Menschen waren gestorben, waren getötet worden, viele Menschen wurden verwundet, die Häuser waren zerstört, die Felder verbrannt, die Tiere waren von den Soldaten der Babylonier geschlachtet und gegessen worden. Manche Menschen haben die Katastrophe des Krieges überlebt. Aber: Viele von den Überlebenden wurden nach Babylon verschleppt. Sie mussten dort als Sklaven den babylonischen Herren dienen.

Wie immer, wenn die Not ganz groß ist, fragen die Menschen verzweifelt: Warum lässt Gott das zu? Weise Menschen aus Israel gaben die Antwort: Gott ist mächtig und gut. Aber weil wir Gott nicht gehorcht haben, weil wir seine guten Gebote übertreten haben, haben wir einander viel Böses getan. Nicht nur die Babylonier haben damals böse gehandelt. Wir auch. Dass wir andere Menschen erniedrigen, verspotten, ihnen den Besitz rauben – das wollte Gott nicht zulassen und hat uns dann bestraft.

Diese Antwort war für die Israeliten sehr hilfreich. Und sie versprachen Gott und einander, sich bessern zu wollen.

Ein weiser jüdischer Mensch hörte in Babylon eine Geschichte:

Zwei der vielen, vielen Götter waren sich uneins über die Menschen geworden. Der eine launische Gott (Enlil) wurde so zornig, weil die Menschen ständig herumlärmten und aufmüpfig waren, so dass er die Menschheit durch eine Wasserkatastrophe zerstören wollte. Ein anderer Gott (Enki) hintergeht die Pläne des unwissenden Gottes Enlil, denn er mochte die Menschen und ließ einen Menschen heimlich ein großes Schiff bauen, und mit diesem Schiff wurden die Menschen und Tiere dann gerettet. (**)

Als der weise jüdische Mensch diese Geschichte gehört hatte, war er begeistert und wird sich gedacht haben: Diese Geschichte nehme ich, um meinem Volk in der Notlage zu helfen. Weil er Jude war und an nur einen Gott glaubte, erzählte er die alte babylonische Geschichte auf neue Weise.

Gott sah, dass die Menschen einander Böses taten. Er hatte die Menschen gut geschaffen. Er wollte, dass sie alle gut miteinander leben und umgehen. Aber sie taten es nicht. Gewalttaten, Überfälle, Kriege, Rechtlosigkeit beherrschten das Zusammenleben. Weil die Menschen nicht mehr an Gott glaubten, gingen sie so bösartig miteinander um. Darum wollte Gott nun die alte Menschenwelt zerstören und eine neue Menschheit erschaffen. Gott leidet an der Bosheit, der Ungerechtigkeit der Menschen. Dann erkannte Gott, dass es einen gerechten Menschen und seine Familie gab: Noah(***). Den Noah, seine Familie und Tiere der Erde will ich nicht zerstören, sagte Gott. Er ließ Noah ein großes Schiff aus Holz bauen. Die Menschen um Noah herum verspotteten ihn: Was, in dieser Ebene baust Du ein so riesengroßes Schiff? Das ist doch wahnsinnig. Bist du blöd?  Doch als das Schiff fertig war, ging Noah mit seiner Familie hinein – und alle Landtiere kamen paarweise und kamen in dem riesengroßen Schiff unter. Denn Gott kümmert sich nicht nur um Menschen, er kümmert sich auch um Tiere. Er wollte nicht seine wunderbare Schöpfung ganz vernichten, und die Tiere gehörten auch zur schönen Schöpfung. Das Schiff wurde geschlossen. Dann begann es zu regnen und zu regnen. Die Wasserpegel stiegen und stiegen. 40 Tage und Nächte regnete es. Die Fluten der Meere verschlangen alles Leben.

Dann hörte es auf zu regnen. Aber es dauerte noch Monate, bis das Wasser verdunstet war. Zuerst stieß das Schiff an den Berg Ararat. Als großer Berg war er zuerst vom Wasser befreit. Und noch länger dauerte es, bis mehr Land trocken wurde. Um zu sehen, ob es unabhängig vom Berg Ararat schon irgendwo trockenes Land gab, schickte Noah den Raben aus. Doch er kam immer wieder zurück, weil er kein festes Land gefunden hatte. Eines Tages war es soweit, die Raben kamen nicht mehr zurück. Dann schickte er die Taube, die nicht so weit fliegen konnte wie der Rabe, aus. Auch sie kam immer wieder zurück. Eines Tages kam die Taube zurück und hatte einen kleinen frischen Zweig des Olivenbaums in ihrem Schnabel. Noah wartete noch ein wenig, als dann die ausgeschickten Tauben auch nicht mehr zurückkamen, wusste er: Bald ist es soweit und wir können alle die Arche verlassen. Als das Land wieder belebbar wurde, verließ er mit seiner Familie und allen Tieren die Arche.

Noah war echt dankbar, dass sie gerettet worden waren. Er brachte Gott ein Opfer. Und Gott versprach Noah, dass er alles Lebendige nicht mehr so schwer bestrafen möchte. Gott schloss einen Bund mit Noah und gab ihm vorläufig ein paar Gebote, die allen Menschen gelten. Weitere Gebote für das jüdische Volk kamen dann später mit Moses dazu. Aber erst einmal gab es nur wenig Gebote, die das Zusammenleben zwischen Menschen regeln sollten. Als Zeichen des Bundes sagte Gott, gebe ich euch Menschen und allen Lebewesen den RegenbogenMit dem Regenbogen verspreche ich euch: Nie werden aufhören Saat und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Und die Israeliten in Babylon hörten ganz gespannt zu. Sie verstanden: Der weise Mensch hat nicht nur eine alte babylonische Geschichte neu erzählt, er hat sie uns erzählt! Uns, die wir so viel Leiden erlebt haben und erleben. Auch wir haben die Fluten des Krieges erlebt. Der gerechte Gott, der die Unmenschlichkeit der Menschen bestraft, hat uns diese furchtbare Zeit überleben lassen! Und nun beginnt Neues: Gott setzt uns den Regenbogen als großes Hoffnungszeichen in die Wolken. Obwohl wir als Volk so viel Schlimmes erleben, Gott lässt es nicht zu, dass wir ganz vernichtet werden. Und immer wieder, wenn wir den Regenbogen sehen, werden wir daran erinnert. Aber wir werden auch daran erinnert, dass wir Gottes Gebote halten sollen, damit wir Menschen gut miteinander umgehen. Wir sind verantwortlich füreinander. Es geht nicht darum, dass die Flut grausam ist – der Erzähler berichtet uns, dass das Überleben ein Wunder ist. (****)

Bemerkungen:

(*) Zu der Frage, was ein „Mythos“ ist, s. https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/mensch/mythos/

(**) In den alten Flutgeschichten im Gilgamesch-Epos, heißt der Held Utnapischtim bzw. Athrahasis / Ziusudra im Athrahasis-Mythos, sie sind ca. 2000 v. Christus aufgeschrieben worden bzw. entstanden. Eine ähnliche Geschichte gibt es auch in der griechischen Tradition: Weil die Menschen übel sind, hat Zeus eine Flut herbeikommen lassen und hat damit das eiserne Zeitalter beendet. Prometheus hat seinem Sohn Deukalion befohlen, ein Schiff bauen zu lassen. Deukalion bestieg mit seiner Frau das Schiff, Griechenland wurde überflutet. Als die Flut nach 9 Tagen beendet war, landeten sie auf dem Parnass, einem Gebirgsmassiv in Griechenland. Diese Geschichte findet sich in der Bibliotheke des Apollodor, ist wohl Neuübertragung der alten Tradition in die griechische Welt.

(***) Die Söhne hießen Sem, Ham und Japhet. Wie die Frauen der Söhne hießen wird nicht überliefert. Aber erst viele Jahrhunderte später wurde auch der Name von Noahs Frau genannt: Haikal bzw. sie wurde mit dem alttestamentlichen Namen Naema verbunden. Der Name Noah bedeutet: Ruhe/Trost. Haikal bedeutet entweder „großes Haus/Palast“, Naema bedeutet: Liebliches Tun. Noah wurde laut Mythos 950 Jahre alt. Das bringt so manchen zum Grübeln. Aber es war in dieser Zeit üblich, zwischen der „Jetztzeit“ und den Anfängen die Jahre durch solche immensen Altersangaben zu überbrücken. In nichtjüdischer Literatur regierten manche über 30.000 Jahre. Auch das: Man wollte unbekannte Geschichtszeiträume damit füllen.

Eine Erzählung aus der Zeit heraus zu verstehen, wird „historische Exegese“ genannt. Eine alte Erzählung für die eigene Zeit neu zu interpretieren wird „Hermeneutik“ genannt. Der alttestamentliche Erzähler interpretiert die alte sumerisch/babylonische Geschichte in seiner Zeit neu – wie wir sie für uns heute wieder neu interpretieren. Allerdings wird in unserer säkularen Zeit – einer Zeit, in der wir versuchen, ohne Gott alles zu denken und zu erklären – Gott mit Blick auf Katastrophen nicht mehr berücksichtigt. Der Mensch führt die Katastrophen selbst herbei. Katastrophen sind, wie auch im Alten Testament, Folge des schlimmen menschlichen Handelns. Aber im Unterschied zur Gegenwart betont das AT: Gott ist der Richter. Und wir denken, die „Strafe“ kommt von der Natur oder einfach so. Der Christ Jörg Zink formulierte eine Untergangsgeschichte der Menschheit, die diese selbst herbeiführen. Die Hölle freut sich riesig – und im Himmel singen die Engel weiter. Der Mensch wollte nicht mehr Ebenbild Gottes sein und hat sich zerstört. Das heißt: Gott ist auch hier tatenlos. Das können die jüdischen Weisen der nicht akzeptieren: https://www.joergzink.de/de/weitere-texte-letzte-sieben-tage.php (abgelesen: Juli 2026)

(****) Der alte Mythos hat von zwei göttlichen Akteuren gesprochen. Der eine war zornig, der andere freundlich. Die jüdische Geschichte zieht diese beiden Götter in den einen Gott hinein. Dadurch hat der Erzähler den einen Gott sowohl zornig als auch freundlich beschrieben. Und diese beiden konträren „Verhaltensweisen“ in Gott hinein zu projizieren, ist heute vielen ein Ärgernis. Aber nur auf diese Weise können Gerechtigkeit und Gnade mit Gott verbunden werden. Der gerechte Gott ist auch der gnädige Gott.

2. Wie es weiter ging: Gottes Liebeshandeln

Die Noah-Geschichte spielt in der Zeit, bevor Gott sein Volk erwählt hat. Weil Gott an der Bosheit der Menschen leidet, möchte er eine neue Menschheit erschaffen – aber die Menschen bleiben bösartig. Gott ist also nicht der zornige, sprunghafte Tyrann, dem die Menschen egal sind. Er geht mit den Menschen, versucht sie zu guten Wesen zu machen. Der Sünde der Menschen setzt Gott dann die Erwählung seines Volkes entgegen. Er hat sich ein Prototyp ausgesucht, dem alle Völker folgen sollen. Er gibt dem Volk Gebote, schließt mit ihm einen besonderen Bund – und dieser Bund beinhaltet Strafe, wenn der Vertrag / der Bund gebrochen wird. Es geht also um die „Erziehung des Menschengeschlechts“ (Lessing) durch Gott.

Gott gibt dem Volk Gebote, er sendet ihm Propheten, sie alle sollen dazu beitragen, dass die Menschen sich in Freiheit Gott zuwenden – damit auch menschlich miteinander umgehen. Darüber erfahren wir in den Schriften des Alten Testamentes.

Im Neuen Testament erfahren wir von einer neuen „Strategie“ Gottes. Die schon von den Propheten und anderen alttestamentlichen Schriften angekündigt worden war. Jetzt kommen wieder alle Menschen in den Blick. Was nicht nur in dem Segenswort an Abraham ausgesprochen wurde (Genesis 12): In dir sollen gesegnet werden alle Völker. Das bedeutet, Gott erwählt das Volk Israel, damit es Licht für die Völker ist. Und so wendet er sich in dem Juden Jesus Christus wieder allen Völkern zu.

Christen sehen in Jesus Christus Gott wirken: Er nimmt die Schuld auf sich, vergibt, wendet sich Menschen befreiend zu. Jesus Christus legt Wert auf die Vergebung. Gott vergibt Menschen die Schuld, damit Gemeinschaft mit Gott gelingt – Menschen sollen einander vergeben, damit Gemeinschaft unter Menschen gelingt.

Um Menschen das zu verdeutlichen, erzählt er Gleichnisse. Drei seien hier genannt – wenn Du sie nicht kennst, dann schaue im Bibleserver nach oder in Deiner Bibel-App: Lukas 15,11-31 (Das Gleichnis vom verlorenen Sohn), Lukas 18,9-14 (Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner).

Er erzählt nicht nur Gleichnisse, sondern verhält sich auch vergebend und Gemeinschaft stiftend: Lukas 19,1-10 (Zachäus).

Diese Gemeinschaft stiftende Vergebung wird im VaterUnser ausgesprochen:

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben denen, die an uns schuldig wurden.

Er erzählt nicht nur Gleichnisse, er lebt es auch nicht nur vor, er legt den Nachfolgerinnen und Nachfolgern nicht nur ein Vergebungsgebet in den Mund, ins Herz, sondern er sieht das als seinen Lebenssinn (Markus 10,45):

Der Menschensohn ist nicht gekommen,
dass er sich dienen lasse,
sondern dass er diene
und sein Leben gebe als Sühnegeld für viele.

Auch die Abendmahlsworte sprechen das aus (Markus 14):

22 Und als sie aßen, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach:
Nehmet; das ist mein Leib.
23 Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den;
und sie tranken alle daraus.
24 Und er sprach zu ihnen:
Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

Wenn von Sühnegeld gesprochen wird, dann ist das Bild des Loskaufs im Hintergrund: Sklaven konnten losgekauft werden – eingelöst werden. Menschen sind Sklaven der Sünde – und Jesus kauft sie von der Sklaverei frei.

Wenn vom Blut des Bundes gesprochen wird, das für viele vergossen wird, dann ist Folgendes gemeint:
Beim Opfern, das in der Antike überall üblich war, haben die Menschen den Göttern gesagt, dass sie ihnen die Gaben spenden, damit die Götter ihnen Gutes tun. Hier kehrt Jesus diesen Gedanken um: Er opfert sich für die Menschen, damit sie sich – das steht im Hintergrund des Wortes Bund – sich Gott zuwenden. Um es mit Blick auf die Noah-Geschichte zu vertiefen: Gott selbst trägt den Zorn – den Zorn der Menschen gegen Gott, wie gleich deutlich werden wird.

Der Apostel Paulus gibt ein altes christliches Bekenntnis wieder:

Dass Christus gestorben ist für unsere Sünden (1Korinther 15,3).

Das bedeutet, wie er im 2. Korintherbrief 5 schreibt:

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. Und er ruft aus: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Anders als in der Sintflut-Geschichte wird der Sünder, die sündige Menschheit nicht mehr vernichtet, sondern Gott nimmt in Jesus Christus die zerstörerischen Konsequenzen der mächtigen Sünde auf sich. Er lässt sich selbst vernichten. Wir haben hier die Liebeserklärung Gottes an den Menschen in ihrer höchsten Form. In der Noah-Geschichte sagt Gott: So geht es nicht weiter! In der Geschichte Israels sagt Gott: Ich gebe euch eine Struktur zum Leben; ihr bekommt Gebote, damit ihr wisst, wie ihr menschlich leben sollt; in Jesus Christus wird die Gottes Liebe und Vergebung und seine Wegweisung verinnerlicht.

Merksatz!
Weil Gott in Jesus Christus Menschen von Schuld und Sünde befreit hat,
darum kann es ihnen möglich sein, anderen zu vergeben,
auch wenn es manchmal einen sehr schmerzlichen Kampf bedeutet.
Aber noch etwas:
Wenn Jesus Christus für mich gestorben ist, bedeutet das:
Ich bin Gott so unendlich wertvoll,

dass er für mich den gewaltsamen Tod auf sich genommen hat.
Ich soll dadurch Vergebung und Leben bekommen.