WARUM BESCHÄFTIGEN WIR UNS MIT DER GESCHICHTE ISRAELS BIS ZUM EXIL?
An der Geschichte Israels, wie sie in der Bibel dargestellt wird, sehen wir, dass Gott handelt. Wir erkennen, was Gott wichtig ist – und Menschen sind Beispiele, an denen wir das Handeln Gottes und das richtige Verhalten der Menschen wahrnehmen können. An ein paar Beispielen wird das in der Tabelle unten verdeutlicht.
Dass die hebräische Bibel, das Alte Testament, zum christlichen Glauben dazugehört ist ein weiterführendes Thema. Für Christen sind die heiligen Schriften nicht nur wichtig, weil sie von den Menschen lernen können, sondern weil der Gott Israels der ist, den Jesus Christus „Vater“ nennt. Er ist der, der als Schöpfer, Erhalter und Vollender wirkt. In den vorchristlichen Schriften haben Christen zu allen Zeiten schon Hinweise auf Jesus Christus erkannt. Aus ihrer Sicht hat Gott in diesen Schriften Easter Eggs – klassisch gesprochen: Weissagungen – versteckt. Dadurch wird Jesus von Nazareth als der geglaubt, der von Gott gesandt wurde. Jesus von Nazareth war nicht auf einmal unangekündigt da und wurde von Fans zum Christus gemacht, sondern es war alles folgerichtiges Handeln Gottes. Das erkennen viele Christen anhand der alttestamentlichen Schriften. Was vorchristliche Juden geahnt haben, lesen Christen dann aus der Erfahrung mit Jesus von Nazareth, aus der Perspektive der Kreuzigung und der Auferstehung. Zudem ist eine Verankerung Jesu in seinem Volk von immenser Bedeutung. Denn so kann nicht jeder seinen ihm eigenen Jesus basteln. Manche versuchen es, sie haben aber an den Texten keinen Anhaltspunkt.
| Helden der Zeit vor dem Exil | Gott handelt durch Menschen | Wir können an der Geschichte erkennen: |
| Abraham | Gott beruft, er spricht mit Menschen, er leitet sie. Wenn Gott mit Menschen spricht, dann gibt er ihnen einen wichtigen Auftrag. | An Abraham sehen wir: Menschen können Gott vertrauen, weil er sie auf den überraschenden Wegen begleitet. |
| Joseph | Gott lässt Menschen in ihrer Not nicht allein, auch wenn sie sich nicht richtig verhalten. | An Joseph sehen wird: Menschen, die sich so verhalten, wie Gott es will, vergeben den anderen die Schuld, bleiben standhaft, auch wenn es Nachteile zu bringen scheint und bringt. |
| Moses | Wie bei Abraham + Gott hat Israel erwählt und bringt es zum Ziel – auch wenn Menschen sich immer wieder gegen Gott wenden. Gott befreit, liebt und ahndet Vergehen. Ihm ist wichtig, dass Menschen miteinander und Gott gut auskommen, darum gibt er ihnen Gebote. | An Moses sehen wir: Moses fühlt sich zu schwach, um das Volk zu führen – Gott stellt darum Menschen zur Seite, die helfen. Moses bekommt immer mehr Kraft, um seinen Auftrag erfüllen zu können. |
| Gideon (einer der so genannten „Richter“) | Nicht Gideon selbst will ein Held werden, sondern Gott ist es, der Menschen dazu bringt, sein Volk aus der Not zu befreien. Gott ist mit den Menschen, die er zu einer Tat beauftragt, geduldig. | An Gideon sehen wir: Es kommt nicht auf unsere Kraft und Macht an, sondern darauf, dass Gott Menschen beauftragt – und darum auch mit ihnen ist. |
| Saul (der erste König Israels) | Gott gibt den Wünschen des Volkes nach und gibt dem Volk einen König. Jedoch nicht, ohne es vorher vor Königen und ihrer Machtfülle zu warnen. | An Saul sehen wir: Wenn ein Mensch wie Saul, den Gott berufen hat, trotz der Warnungen nicht Gottes Willen tut, kann ihm Gott auch seine Nähe entziehen. |
| David (der zweite und wichtigste König Israels) | Gott lässt David zum König salben – auch wenn David noch gar nicht als mächtiger, kraftvoller Mensch erkennbar ist. Gott stärkt David in seinen Kämpfen und weist ihn zurecht, wenn er sich gegen Gott verhalten hat. | An David sehen wir: Auch wenn David schuldig wird, dann sieht er seine Schuld ein und versucht sich zu bessern. David ist ein fröhlicher Mensch, der wie die Psalmen zeigen, mit Gott im Gebet gesprochen hat, mit Klage, Dank, Bitte und Lob. |
| Salomo (ein Sohn Davids, ein großer König) | Gott gibt dem König Weisheit, der Mensch hat sie nicht aus sich selbst, auch ein König nicht. Gott gibt ihm auch die Kraft und die politische Möglichkeit, einen Tempel zu bauen. | An Salomo sehen wir: Auch der weise Mensch, der sich viel für Gott eingesetzt und für Gott getan hat, kann sich gegen Gott stellen und damit das Leben vieler Menschen stören. |
| Elia (ein Prophet) | Gott will vom Propheten Elia, dass er auch gegenüber mächtigen Königen und religiösen Gruppen die Wahrheit sagen soll – auch wenn sie das nicht gerne hören und ihn bekämpfen. Gott stärkt Elia in seiner großen Schwachheit. | An Elia sehen wir: Auch wenn es dem Propheten schlecht geht, weil er von den Menschen verfolgt wird, er tritt dann doch immer wieder für Gott ein. |
| Amos (Prophet vor dem Exil) | Gott beruft Propheten, wo auch immer sie gerade sind, was auch immer sie tun. Er will Menschen „zu seinem Mund“ machen, damit sie andere darauf hinweisen, was richtig und was falsch ist. Richtig ist: Menschen achten, ihre Würde. Richtig ist: Gott achten. Propheten locken Menschen, Gottes Weg zu suchen, sie warnen Menschen, wenn sie den Weg verlassen wollen bzw. verlassen. | An Amos sehen wir: Obwohl er durch Mächtige in Schwierigkeiten kommt – er redet weiter, weil Gott durch ihn reden will. Amos redet nur eine kurze Zeit, er ist kein Prophet auf Lebenszeit. Gott hat ihn nur für einen kurzen aber heftigen Auftrag berufen. Danach wird er sich wieder in seinen Beruf zurückgezogen haben. |
| Jeremia (ein Prophet, der vor dem Exil gewarnt hat – und dann auch während ein Teil des Volkes im Exil war, Warnungen ausgesprochen hat) | Gott beruft wieder einen Menschen, der sich für den großen Auftrag als zu schwach, zu jung ansieht. Doch Gott lässt nicht locker, und der Prophet muss reden. Jeremia muss Könige und Volk warnen, damit das Unglück des Exils abgewendet werden kann. Sie hören jedoch nicht auf ihn. | An Jeremia sehen wir: Auch wenn Menschen sich schwach, traurig, unwürdig und unsicher fühlen, auch wenn sie mit Gott streiten, ihn nicht verstehen – Gott möchte gerade durch sie anderen Menschen helfen. Und weil Menschen Gottes Warnungen missachtet haben, sich von Gott entfernt haben, entfernt sich auch Gott von ihnen. Dann geht es ihnen schlecht. |
Altes Testament: Von Jakob und Esau, Samuel und David
Hermeneutik
Hermeneutik fragt danach: Welche Bedeutung haben die Texte für uns in der Gegenwart? Und so fragen wir auch kurz und exemplarisch anhand der folgenden Geschichten: Welche Bedeutung können sie für uns heute haben? Die Voraussetzung. Die Bibel ist Gottes Wort. Das heißt: Gott möchte zu uns durch die biblischen Texte sprechen. Die Interpretationen sind jedoch nicht so einlinig, sondern Gott spricht zu jedem einzelnen Leser, zu jeder einzelnen Leserin ganz besonders.
Aufgabe: Was kannst Du an den Geschichten erkennen? Bevor Du das liest, was kursiv gedruckt ist, mache Dir Deine eigenen Gedanken.
1. Jakob und Esau
Jakob und Esau waren Brüder. Esau war der ältere Bruder. Er sollte alles erben. Doch als er einmal hungrig von der Jagd heimkehrte, bot ihm Jakob eine Linsensuppe an: Unter einer Bedingung darfst du essen, sagte er, gib mir dein Erbe. Und Esau ging auf den Handel ein. Als sein Vater Isaak im Sterben lag, wollte er Esau als Erstgeborenen noch einmal segnen, das Erbe geben, und etwas von dem gejagten Wild essen. Als Jakob davon erfuhr, verkleidete er sich als Esau und brachte seinem Vater eine Mahlzeit. Isaak war blind und dachte, Esau sei bei ihm, er aß und segnete Jakob, gab ihm das Erbe. Als Esau das erfuhr, war er sauer. Er war so sauer, dass Jakob Angst bekam und weit weg zu seinen Verwandten zog. Auf dem Weg zu seinen Verwandten erschien ihm während er schlief Gott im Traum: Engel stiegen auf einer Leiter vom Himmel herab und zum Himmel hinauf. Und Gott versprach dem Jakob, er werde ihn beschützen. Jakob war darüber glücklich und dankbar und wanderte weiter. Als er zu seinen Verwandten kam, arbeitete er hart, um ein Mädchen, Rahel, heiraten zu können. Und als er genug gearbeitet hatte, war die Heirat, doch ihm wurde ein anderes Mädchen, Lea, gegeben. Dann arbeitete er noch einmal hart und lange, so sehr liebte er das andere Mädchen Rahel – und dann durfte er es heiraten. Dann hatte er Sehnsucht nach zu Hause – aber gleichzeitig auch Angst. Und mit seinen beiden Frauen und seinen Viehherden zog er heim. Unterwegs begegnete er seinem Bruder Esau, er schenkte ihm zur Buße viele seiner Tiere. Esau verzieh ihm. Gott hatte ihn auf seinen schweren Lebenswegen beschützt.
Wie ging es weiter? Jakob bekam ganz viele Kinder, darunter 12 Söhne. Und diese Söhne gingen in einer Hungersnot nach Ägypten. Die Ägypter versklavten die Söhne und deren Nachkommen. Dann wurde Moses geboren, der das Volk Israel aus der Sklaverei befreite.
Was will uns die Geschichte sagen? Obwohl Jakob sich gegenüber seinem Vater und Bruder nicht richtig benommen hatte, begleitete ihn Gott. Auch wenn Jakob es sehr schwer hatte: Gott war ihm immer nah. Aber er musste sich bei seinem Bruder entschuldigen – und auch dabei beschützte ihn Gott.
2. David + Samuel: Der Unbeachtete wird König
David war Sohn des Isai. Er hatte viele Geschwister. Wie seine Brüder war auch David Hirte und beschützte seine Herde.
Eines Tages sprach Gott mit dem Propheten Samuel: Samuel, geh hin und salbe einen der Söhne des Isai zum König. Samuel zog los. Als er bei der Familie angekommen war, sagte er zu Isai: Bring mir alle deine Söhne, Gott will einen von ihnen zum König von Israel machen. Isai rief seine Söhne herbei. Samuel ging zum ersten Sohn – doch Gott sagte: den meine ich nicht. Dann ging Samuel zum nächsten Sohn – doch Gott sagte wieder: den meine ich nicht. Dann hatte Samuel alle Söhne angeschaut, doch Gott wollte keinen von ihnen zum König salben lassen. Da war Samuel ganz ratlos und fragte Isai: Sind das wirklich alle deine Söhne? Da sagte Isai: Nein, einer fehlt noch, der jüngste, David, der ist draußen bei der Herde. Samuel ließ ihn herbeirufen. Als David ankam, sagte Gott zu Samuel: Diesen sollst du zum König salben. Und so wurde der kleinste der Kinder Isais zum König gesalbt.
Was will die Geschichte sagen? Gott sieht nicht nur das, was der Mensch sieht, er achtet auch auf die Menschen, die nicht so geachtet werden.
3. David + Goliath: Der Verspottete besiegt den Spötter
David war zwar zum König gesalbt worden, aber noch herrschte ein anderer als König über Israel: Saul. Immer wieder wurde Israel von den Philistern überfallen. Die Philister waren so stark, dass sie nie richtig besiegt werden konnten. Auch jetzt war es wieder soweit: Sie fielen über Israel her. Einer der Philister war ein sehr großer starker Mann. Er hieß Goliath. Die Israeliten und auch Saul hatten Angst vor diesem Mann und wagten es nicht, gegen ihn zu kämpfen. Goliath wurde übermütig: Er machte sich über die schwachen Israeliten lustig und verspottete Gott, der so ein schwaches Volk auserwählt hat. Eines Tages brachte David seinen Brüdern, die gemeinsam mit Saul die Philister bekämpfen wollten, Nahrungsmittel. Und da sah er diesen starken Mann und hörte, wie der sich über Gott und sein Volk lustig machte. Er sah die Angst der Soldaten und sagte: Das gibt’s doch gar nicht! Ich werde ihn bekämpfen. Goliath hatte schwere Waffen bei sich, hatte eine Rüstung an. Und Saul wollte, dass auch David so ausgerüstet würde. Doch das war David alles viel zu schwer. Er zog das wieder aus und nahm seine Steinschleuder, mit der er sonst immer wilde Tiere von seiner Herde fernhielt. Er ging zu Goliath. Als dieser den jungen David sah, der ihn zum Kampf herausforderte, konnte er sich kaum einhalten vor Lachen. Doch David nahm seine Schleuder und besiegte Goliath. Dann bekamen die Philister Angst und flohen. Israel war gerettet.
Was will uns die Geschichte sagen? Gott hilft seinem Volk. Auch wenn es klein und gering ist, wenn es verspottet wird: Im Vertrauen auf Gott siegt es. Der Gott Israels – auch unser Gott – hat einen Namen. Er heißt: Jahwe. Wir wissen nicht genau, was er bedeutet. Aber er könnte bedeuten: „Ich werde sein, als der ich mich erweisen werde“ oder: „Ich bin, der ich bin“.
4. David und Jonathan: Freundschaft
Nachdem der König Saul auf David aufmerksam geworden war, bewunderte er diesen Jungen. Er holte ihn in seinen Königspalast. David konnte gut singen – und jedes Mal, wenn der König schlechte Laune hatte, sollte David ihm Lieder singen, damit der König wieder munter wird. Es kam jedoch so, dass alle Menschen David bewunderten und das machte den König ärgerlich: Sie sollten ihn, den König, bewundern und nicht den David. Da warf er mit seinem Speer auf David – und David floh. Er hatte aber einen sehr guten Freund gewonnen: Einen Sohn von König Saul, den Jonathan. David war also geflohen und traf sich heimlich mit Jonathan: Jonathan, kannst du herausbekommen, ob der König noch sauer auf mich ist? Wenn nicht, dann schieße zum Zeichen mit dem Pfeil in die Richtung eures Palastes. Wenn er noch sauer auf mich ist, dann schieße in meine Richtung. Nachdem Jonathan herausgefunden hatte, dass Saul immer noch sauer auf David war und ihn am liebsten umbringen wollte, ging Jonathan hinaus und schoss einen Pfeil in Davids Richtung. Da wusste David, dass er nicht mehr an den Palast zurück gehen konnte. Er traf sich noch einmal heimlich mit Jonathan und beide Freunde verabschiedeten sich voneinander.
Was will uns die Geschichte sagen? Auch Menschen, die Gott ausgewählt hat, leben gefährlich und müssen klug sein, damit sie von den Gefahren weg kommen. Doch Gott gibt ihnen Freunde, die ihnen helfen. Wenn Freunde gemeinsam auch Gottes Freunde sind, dann hält die Freundschaft auch dann, wenn alles schwer wird.
5. David verschont den Feind Saul
Der König Saul verfolgte David, um ihn zu töten. Er suchte ihn mit seinen Soldaten überall. Während der Verfolgung geschah es, dass David sich mit seinen Begleitern tief in einer Höhle versteckt hatte. Und Saul musste mal. Er ging in eine Höhle, damit ihn die anderen nicht sehen. Er legte seine Bekleidung ab und verrichtete sein Geschäft. Das war jedoch gerade die Höhle, in der sich David versteckt hatte. Da flüsterten Davids Freunde: „Das ist die Gelegenheit, Saul umzubringen!“ David schlich zu den abgelegten Kleidern und schnitt ein Stückchen davon ab. Dann krabbelte er wieder zurück. Und flüsterte seinen Gefährten zu: „Gott hat Saul zum König eingesetzt, darum darf ich ihn nicht töten.“ Nachdem Saul sein Geschäft erledigt hatte, zog er sich wieder an und verließ die Höhle. David kam mit dem herausgeschnittenen Stofffetzen aus der Höhle und rief hinter Saul her: „Warum glaubst du, dass ich dich umbringen will? Ich hätte es tun können – aber habe es nicht getan. Gott soll dich dafür strafen, dass du mir immer Unrecht tust. Ich tue es nicht!“ Da bekam Saul ein schlechtes Gewissen, er bereute sein Tun und sagte: „Du bist ein besserer Mensch als ich. Gott soll dich belohnen, ich werde dir kein Haar krümmen! Ich weiß: Du wirst nach mir König sein, und ich bitte dich: Verschone meine Familie.“ Das schwor David, dass er der Familie Sauls kein Leid antun wird, wenn er als König herrscht.
Was will die Geschichte sagen? Große Menschen tun Gottes Willen. Wie David, so hat sein späterer Nachkomme, Jesus, gelehrt, dass der Mensch den Feind lieben solle. Und er selbst hat das Böse durch Liebe besiegt. Liebe ist stärker als das Böse. Auch wenn es nicht so aussieht: Menschen, die den Feind lieben, sind stärker, mutiger, tapferer als diejenigen, die einfach drauflos hauen.