JESUS IN DER BIBEL

Die Bibel weist nach Glauben der Christen auf Jesus hin – sie bezeugt ihn:

1. Bibel: Altes und Neues Testament

Die Bibel ist eine Sammlung von Schriften und mündlichen Überlieferungen, die in einem Zeitraum von über ca. 1000 Jahren entstanden sind. Sie wurden im 1. Jahrhundert – das Alte Testament – und 2./3. Jahrhundert – das Neue Testament –  kanonisiert, das heißt ausgewählt und zu einer maßgeblichen Sammlung zusammengefügt. Für Christen sind AT und NT von grundlegender Bedeutung.

1.1 Das Alte Testament (AT)

Das AT beginnt mit Genesis: Gott erschafft den Menschen – die Würde des Menschen (Mann + Frau) besteht darin, dass er Ebenbild Gottes ist. Die Tora (5 Bücher Mose) stellt darüber hinaus die Geschichte des Jüdischen Volkes dar: Gott erwählte den Stammvater Abraham, begleitete ihn und seine Söhne, führte das Volk Israel, nachdem es in Ägypten als Sklaven gehalten worden war, aus der Sklaverei in die Freiheit des eigenen Landes, begleitet es ermahnend, strafend, rettend. Die Propheten (vor allem: Jesaja, Jeremia, Amos) betonen die Verbindung von Glauben und gerechtem Verhalten. Die weisheitlichen Schriften und Psalmen reagieren beobachtend auf Schöpfung und Handeln Gottes in der Geschichte. Und Christen sehen viele Hinweise im Alten Testament als Prophezeiungen an, die auf Jesus hinweisen. Als Beispiel ist Jesaja 53 zu nennen.

1.2 Das Neue Testament (NT)

Das NT besteht aus 4 Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes). Ihr wesentliches Thema ist das Handeln Gottes in und durch Jesus Christus. Die drei erstgenannten Evangelien nennt man auch Synoptiker (Zusammenschau), weil sie zahlreiche gleiche Texte beinhalten. Das Johannesevangelium hat neben eigenen Texten auch einen eigenen „Predigtstil“. Die Evangelien sind ca. 40 Jahre nach der Hinrichtung Jesu geschrieben worden, greifen ältere mündliche und schriftliche Traditionen auf. Sie sind – trotz aller historisch korrekten Angaben – keine sachliche Geschichtsschreibung, sondern stehen Biographien nahe, die auch nicht sachlich sondern von der persönlichen Einstellung geprägt sind. Sie verkündigen Jesus als den Messias / Christus. Nach den Evangelien wurde die Apostelgeschichte eingefügt, in der der Evangelist Lukas das Werden der Kirche und das Verbreiten des Glaubens bis nach Griechenland und Rom darlegt. Es folgen im NT die den Evangelien zeitlich vorangehenden Paulusbriefe. Paulus schrieb sie überwiegend an Gemeinden, die er gegründet hatte. Mit den Briefen greift er Probleme der Gemeinden auf: ethische, theologische Fragen. Mit diesen umfangreichen Briefen hat Paulus im Grunde eine neue Gattung geschaffen. Paulus selbst wurde als Verfolger der Christen von Gott zum Glauben gerufen – und wurde zum bedeutendsten Missionar. Er hat die Liebe / Gnade Gottes in seinem eigenen Leben erfahren und prägte darum die Rechtfertigungslehre: Nicht gesetzliches Handeln bringt den Menschen Gott näher – Gott ist den Menschen in seiner Liebe in/durch Jesus Christus nahe gekommen. Das gilt es vertrauensvoll anzunehmen und mit Worten und Taten weiterzugeben. Nach weiteren Briefen folgt am Schluss die Apokalypse / Offenbarung des Johannes, die das Ende der Schöpfung ankündigt: Gott wird, um die Seinen in der Verfolgung zu schützen, die Gegner zur Rechtfertigung ziehen. Apokalypsen haben im Wesentlichen die Funktion, Glaubensgemeinschaften angesichts von Anfeindungen zu stärken.

1.3 Bibelauslegung

Hermeneutik und Exegese

Während die Exegese den Text aus seiner Entstehungszeit heraus verstehen möchte, geht es der Hermeneutik darum, zu untersuchen, wie wir verstehen und den Text angemessen interpretieren können.

Biblische Texte wollen wie alle Texte verstanden werden. Die mittelalterliche Kirche entwickelte den vierfachen Schriftsinn:

a) Buchstäbliche Auslegung = historisch, einfache Textauslegung = der oberflächliche Sinn

b) Allegorische Auslegung = Glaubensinterpretation = der tiefere Sinn

c) Moralische Auslegung = Bedeutung für das Verhalten

d) Anagogische Auslegung = Bedeutung für die Hoffnung auf das Kommen Gottes, Lebensziel

In der Zeit nach der Aufklärung wurde die historisch-kritische Exegese (Textauslegung) bevorzugt. Sie beinhaltet im Wesentlichen folgende Arbeitsschritte:

  1. Textkritik: Wie wird der Originaltext gelautet haben?
  2. Literarkritik: Wie ist ein zu untersuchender Text vom Kontext abzugrenzen? Dazu gehört auch der Synoptische Vergleich und die Herausarbeitung der Logienquelle. Die Logienquelle beinhaltete Worte Jesu und wurde von Matthäus und Lukas aufgegriffen (Zweiquellentheorie). Zur Literarkritik gehört auch die Herausarbeitung der Struktur des Textes, Beachtung der verwendeten Worte…
  3. Formkritik: Welcher Textart / Gattung / Form ist der jeweilige Text zuzuordnen – denn die Form beeinflusst die Interpretation.
  4. Traditionsgeschichte/ -kritik: Welche Traditionen wurden aufgenommen, wie sind diese zu interpretieren?
  5. Redaktionskritik: Hat der Redaktor (der Evangelist) die aus der Überlieferung aufgenommenen Texte verändert?
  6. Hermeneutische Fragestellung: Wie ist der Text – angesichts der ermittelten Ergebnisse – zu verstehen und zu vermitteln?

Das ursprüngliche Ziel dieser Arbeitsschritte ist herauszuarbeiten: Wer ist dieser Jesus als Mensch gewesen? Was lassen die Schriften noch erkennen?

1.4 Suche nach dem historischen Jesus

1.4.1 Methoden

Über Jesus wissen wir nur aus der Überlieferung seiner Anhänger. Sie geben auch kritische Worte wieder bzw. Worte, in denen Jesus in Auseinandersetzungen reagierte, dennoch sind sie nicht neutral (wenn es Neutralität überhaupt gibt). Um herauszufinden, wer Jesus wirklich war, das heißt: was er wirklich getan und gesagt hat, gibt es methodische Versuche, den historischen Jesus aus den überlieferten Texten herauszufiltern. Vier seien genannt:

(a) Passen Tat und Worte zu anderen Taten und Worten?

(b) Zeigen sie Kontinuität oder Diskontinuität zur jüdischen Tradition?

(c) Wird an den Überlieferungen deutlich, dass sie im Laufe der Zeit verändert wurden?

(d) Werden die Taten/Worte von unabhängigen Traditionen überliefert?

(e) Sind Worte oder Taten befremdlich?

1.4.2 Legendarisches Material

Legendarisches Material finden wir überwiegend in den Kindheitsgeschichten des Matthäus (Mt) und des Lukas (Lk). Die Verfolgung des Jesuskindes durch Herodes = Verfolgung des Mosekindes durch den Pharao > Gott rettet seinen Boten. Mt betont die Weisen, die aus dem Osten zum Kind kommen, Lk betont die Unterprivilegierten, die den Messias erkennen. Die lk Version ist von Hymnen durchdrungen, die mt von Hinweisen auf alttestamentliche Verheißungen (Erfüllungszitate/Reflexionszitate). Lk versucht, die Biographie Jesu mit der von Johannes dem Täufer zu verbinden. Nichtsdestotrotz handelt es sich zum Teil um sehr altes Material, wie an den hymnischen Texten bei Lk deutlich wird. Diese Darstellungen setzen theologische Vorzeichen für die Evangelien: Jesus ist derjenige, der durch den Geist Gottes geschaffen wurde, Gottes Wille steht hinter Jesus – nicht der Wille eines Mannes (vgl. Johannes 1). Legendarisches Material ist Folge der im Leben erfahrenen Bedeutung Jesu. Ebenso zeigen Auferstehungswunder: Der Auferstandene hat Macht, ins Leben zu führen.