LEBEN JESU

1. Biographische Angaben

* 7-4 v.Chr.

Eltern/Geschwister: Maria und Joseph und zahlreiche Geschwister, die Namen der Brüder sind bekannt: Jakobus, Joses, Judas, Simon. Die Namen der Schwestern sind unbekannt.

Aufgewachsen in Nazareth.

Beruf seines Vaters übernommen: Zimmermann.

Ca. 27./29. n.Chr. öffentliches Auftreten vor allem in Galiläa – möglicherweise veranlasst durch die Verhaftung von Johannes dem Täufer, mit dem er in enger Verbindung gestanden hat (Schüler?). Jesus hatte während seiner Taufe eine Vision und Audition: Gott sandte seinen Geist auf ihn und bekannte sich zu ihm: Jesus ist sein Sohn. (Vgl. Hesekiel 1) Jesus zieht sich nach diesem einmaligen Erlebnis zurück in die Einsamkeit und wird vom Bösen versucht: Jesus soll beweisen, dass er Gottes Sohn ist – und zwar mit machtvollen Taten, die ihm Ruhm bringen. Jesus geht einen überraschend anderen Weg: Er sammelte 12 Jünger (Zahl der Stämme Israels) um sich, die seine Botschaft auf menschliche Art und Weise durch Wort und Tat an die Stämme Israels weitergeben sollten. Er hatte auch weitere 70 Jünger (wie Mose 70 Älteste berufen hatte) ausgesandt. Die wirkungsgeschichtlich wesentlichsten Jünger: Petrus, Johannes, vielleicht Thomas – und auch Judas.

 † ca. 30 n.Chr. Hinrichtung am Kreuz.

Die nach drei Tagen folgende Auferstehung zählt nicht zu historisch verifizierbaren Ereignissen des Lebens Jesu. Wenngleich der Glaube an die Auferstehung historisch immense Auswirkungen hatte. Im Grunde ist seitdem nichts mehr wie es war. Leben, Sterben und Tod können aus einer ganz neuen Perspektive gesehen werden.

Beurteilung in der Forschung: Dass Jesus gelebt und gewirkt hat, ist, mit historischen Mitteln gesehen, sicher. Die Frage stellt sich nur zu einzelnen Texten: Wieweit sind sie legendarisch ausgeschmückt worden, wieweit hat die frühe Gemeinde neue Texte hinzugefügt, sie aufgrund von theologischen und sozialen Vorstellungen tendenziell verändert. Dieser Frage geht die Forschung in der so genannten Frage nach dem „historischen Jesus“ nach.

Außerchristliche Quellen: der jüdische Geschichtsschreiber Josephus (ca. 37-100) spricht von Jakobus, dem Bruder Jesu. Der römische Historiker Tacitus weiß von Christus, der unter Tiberius durch Pilatus hingerichtet worden sei. Rabbinen – jüdische Gelehrte – erwähnen Jesus immer wieder einmal. (S. http://evangelische-religion.de/lebte-jesus.html )

2. Umwelt Jesu

Politische Situation: Jesus wurde geboren, als Israel unter römischer Besatzung stand. Der Herrscher Herodes konnte zwar verhältnismäßig selbstständig regieren, war aber abhängig von Rom. Dass Rom herrschte, zeigte sich vor allem an dem Umgang der Römer mit den Nachfolgern des Herodes. Entsprechend gab es Menschen, die mit Rom zusammenarbeiteten (Oberschicht), und Menschen, die die Besatzungsmacht bekämpften: Zeloten (Eiferer), Sikarier (Messermänner).

Soziale Situation: Es gab wenige sehr reiche Menschen (Oberschicht) und viele sehr arme Menschen. Menschen (Unterschicht), die sich nicht selbst ernähren konnten, wurden leicht überrollt. Viele gingen ihrer Arbeit nach (Fischer, Handwerker, Landwirte, Zöllner…). Es war zum Teil eine Gesellschaft, die aufgrund sozialer Verwerfungen nicht einheitlich war. Mittelschicht – so man von ihr sprechen kann, bedeutete Unsicherheit: Man konnte ganz schnell sozial abrutschen.

Religiöse Situation: Der Hohepriester wie die Schriftgelehrten (Juristen) waren stark mit der Besatzungsmacht verbunden, denn sie wurden für die Ruhe und Ordnung im Land verantwortlich gemacht. Pharisäer, fromme Juden, haben versucht, das Gesetz Gottes im Alltag umzusetzen, sie waren stärker mit dem Volk verbunden als die Schriftgelehrten. Strenge Gläubige, wie die Qumran-Essener, sonderten sich stärker vom normalen Volk ab und versuchten ihren gesetzlichen Glauben umzusetzen.

Kulturelle Situation: Die Oberschicht war der römisch-griechischen Kultur gegenüber überwiegend offen (Mosaiken, Sport). Die Unterschicht versuchte stärker an den Traditionen festzuhalten. Juden konnten wohl überwiegend lesen – vielleicht auch schreiben. Überwiegend ging es der Bevölkerung darum, das tägliche Überleben zu sichern – und das aus dem Glauben heraus, somit prägte dieser weite Bereiche der Kultur.