IN EINER EVANGELISCHEN KIRCHE

Kirche ist einmal das Wort für die Gemeinschaft der Glaubenden – aber auch das Wort, mit dem das Gebäude bezeichnet wird, in dem sich die Gemeinschaft trifft. Das Wort „Kirche“ kommt von kyriakä – das heißt: dem Herrn (Jesus Christus) zugehörig.

Kirchen sehen sehr unterschiedlich aus – eingeprägt hat sich unser traditionelles Kirchenbild.

A. Die Kirche von Außen:

Die traditionelle Kirche besteht aus einem Turm und einem Kirchenschiff – mit Seitenschiffen.

1. Kirchturm

Der Turm besteht aus einem Turmhelm – das Dach.

An ihm befindet sich die Turmuhr angebracht und in ihm finden wir meistens der Eingang, das Portal.

Im Turm sind die Glocken untergebracht – damit man sie möglichst weit hört.

Die Glocken haben wichtige Funktionen:

Gebets- und Tageszeit: Sie läuten zu Tagesbeginn, in der Mittagszeit und am Abend. Diese Zeiten sind religiös bedeutsam, da sie auch traditionelle Gebetszeiten angeben. Der Tag ist in 12 Stunden aufgeteilt: von 6:00 Uhr bis 18:00 Uhr.

  • Das Morgengebet (Laudes) um 6:00 Uhr,
  • das Mittagsgebet (Sext) um 12:00 Uhr,
  • das Abendgebet (Vesper) um 18:00 Uhr.

Auch für die Nacht gibt es Gebetsstunden, die aber heute von den Glocken nicht mehr angekündigt werden.

Uhrersatz: Gleichzeitig dienten Glocken auch den Menschen, die in der Vergangenheit ja keine Uhren besaßen, dazu, dass sie immer wussten, wann es Zeit ist, die Arbeit zu beginnen, die Mittagspause zu machen und die Arbeit zu beenden.

Beerdigung: Darüber hinaus melden die Glocken den Menschen eines Dorfes, dass ein Mensch aus der Gemeinde gestorben ist und an diesem Tag beerdigt wird.

Gottesdienst: An Sonntagen läutet die Glocke eine Stunde vor dem Gottesdienst und signalisiert: Leute, beginnt Euch fertig zu machen für den Gottesdienst. Sie läutet eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst: Leute, macht Euch auf den Weg! Und sie läutet 10 Minuten vorher: Jetzt ist es gleich soweit! Während der Gottesdienste läutet die Glocke, wenn die Gemeinde das Vaterunser betet. Denn nicht alle können zum Gottesdienst kommen, wenn sie krank sind, zum Beispiel, doch sie können dann vom Krankenbett aus mit der Gemeinde das Vaterunser beten.

Warnung + Unterstützung der Freude: Über diese religiösen Gründe hinaus läuten die Glocken dann, wenn eine Gemeinde gewarnt werden musste, sei es, dass der Feind anrückt, dass Feuer ausgebrochen ist, Überflutung droht. Wenn die Glocken außerplanmäßig läuteten, wusste jeder, jetzt muss ich helfen anpacken, weil Not herrscht. Andererseits läuteten die Glocken auch bei außergewöhnlich fröhlichen Ereignissen, so zum Beispiel bei Friedensschlüssen.

2. Das Kirchenschiff

Von außen gesehen, sehen wir vielfach nur ein Kirchenschiff. Doch wenn wir in die Kirche hineingehen, sehen wir an beiden Seiten der Kirche Säulen, die den Raum unterteilen. Die beiden Seiten, die durch die Säulen quasi abgeteilt werden, nennt man Seitenschiffe. Und beim Altar kann man vielfach noch ein Querschiff erkennen.

3. Sakristei

An dieser Stelle sei auch auf einen kleinen Raum hingewiesen, der sich neben dem Hauptschiff befindet: die Sakristei. Die Sakristei ist nicht nur Aufbewahrungsort für alle möglichen Geräte, die während der Gottesdienste verwendet werden, sondern auch ein Raum, in dem sich der Pfarrer vor dem Gottesdienst umziehen und sammeln kann.

B. Die Kirche von Innen

1. Wenn wir in eine Kirche hineingehen, dann sehen wir schon, dass der Altarraum besonders wichtig ist. Altar wird der Tisch genannt, der meistens gegenüber des Eingangs/Portals zu sehen ist. Vielfach ist er nach Osten hin ausgerichtet, den Ort des Sonnenaufgangs, was als Hinweis auf die Auferstehung, zu deuten ist: Jesus, das Licht der Welt ist auferstanden – und er wird auch aus dem Licht, dem Osten erwartet. Bzw. eine andere Interpretation: Richtung Jerusalem/Israel, dem Gebiet, in dem Jesus wirkte und an dem er, so sagt es manche Tradition, wiederkommen wird.

Auf dem Altar stehen meistens vier Kerzen (Symbol für die 4 Evangelisten: Matthäus, Markus, Lukas, Johannes). Je zwei der Kerzen stehen links bzw. rechts neben dem Kreuz. Vor dem Kreuz liegt eine geöffnete Bibel. Und vom Altar hängt ein geschmücktes Tuch herunter: das Parament. Das Parament wird jeweils zu bestimmten Zeiten des Kirchenjahres gewechselt – und hat festgelegte Farben.

  • Weiß: an Freudentagen
  • Rot: Blut – Karfreitag; Feuer – Pfingsten.
  • Grün: eher allgemein – die Sonntage werden nach dem Sonntag Trinitatis/Dreieinigkeit benannt und an diesen wird das grüne Parament angebracht.
  • Violett: Buße – Fastenzeit, Adventszeit.

Wenn Abendmahl ist, wird auf dem Altar noch das Abendmahlsgeschirr gestellt: Oblaten-Teller mit den Oblaten (das sind kleine weiße Teigblättchen – manchmal mit Aufdruck) und dem Abendmahlskelch sowie der Kanne. Heute haben wir manchmal auch Mini-Kelche, damit jeder einen eigenen hat. Hin und wieder gibt es heute weitere Abweichungen: Statt Oblaten wird Brot gereicht, manchmal stehen auch zwei Kelche, einer für Traubensaft, einer für Wein auf dem Altar. Das Abendmahl wird in vielen evangelischen Kirchen einmal im Monat gereicht. Es greift Worte Jesu auf, denn er hat das Abendmahl eingesetzt:

Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte, brach es und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut. Das tut, so oft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis… (1Korintherbrief 11,23-25)

Nach diesen Einsetzungsworten wird das Brot gereicht – danach der Wein. Weil es ein Gemeinschaftsmahl ist, reichen sich diejenigen, die daran teilnehmen, die Hände, so dass sie einen Kreis bilden. Ein Zuspruch mit dem Hinweis: Geht hin in Friedenentlässt die Teilnehmer des Abendmahls.

Wie auch immer die einzelnen Glaubenden das Abendmahl für sich interpretieren: Es bedeutet eine ganz enge Verbindung mit Jesus Christus. Man kann in gewisser Weise sagen: Die Teilnahme am Abendmahl ist die Antwort auf die Taufe. Gott hat in der Taufe zugesichert, dass Glaubende seine Kinder sind. Im Abendmahl antworten seine Kinder:

Ja, ich bin Dein Kind. Ich will zu Dir gehören.

Der Altar ist der Hauptausgangspunkt der Liturgie. Liturgie bedeutet, dass der gesamte Gottesdienst immer nach dem gleichen Muster abläuft. Es ist vorgeschrieben, wann Lieder gesungen werden, wann Gebete gesprochen werden – dieser einheitliche Ablauf (der allerdings nicht immer gegeben ist) dient dazu: Wenn Menschen andere Gemeinden besuchen, sollen sie sich gleich wie zu Hause fühlen, weil sie den Ablauf und liturgische Formeln schon kennen, darüber hinaus signalisieren sie die Einheit der Kirche.

Häufig finden wir über dem Altar die Kanzel. Der Pfarrer bzw. die Pfarrerin stehen auf der Kanzel und halten die Predigt. Die Predigt besteht daraus, dass ein Bibeltext vorgelesen und dann erklärt wird. Und zwar so erklärt wird – wenn es denn alles gut klappt -, dass die Menschen getröstet, mit neuen Gedanken, verändert aus dem Gottesdienst hinausgehen. Von der Kanzel hängt auch ein Parament, das mit dem Parament auf dem Altar stimmig ist.

Häufig finden wir über der Kanzel noch die Orgel. Die Orgel ist ein ganz besonderes Instrument – die Königin der Instrumente wird sie genannt – weil sie in der Lage ist, andere Instrumente zu imitieren. Die Orgel spielt zu Beginn des Gottesdienstes (Präludium-Vorspiel) und am Schluss des Gottesdienstes (Postludium-Nachspiel) – und natürlich zur Begleitung des Gemeindegesangs. Damit die Gemeinde auch kräftig mitsingen kann, finden wir in den Bankreihen Gesangbücher. Aber – wer einmal in ein Gesangbuch hineingeschaut hat, entdeckt, dass ein Gesangbuch noch viele weitere Funktionen hat: wir finden im Gesangbuch den liturgischen Ablauf des Gottesdienstes, die Lieder, Gebete für alle möglichen Gelegenheiten, Bekenntnisse der Tradition, Angaben zu den Autoren, Psalmen… – es lohnt sich darin zu stöbern. Und an den Seitenwänden der Kirchen befinden sich die Liedtafeln, damit auch jeder weiß, welches Lied gesungen wird.

Neben dem Altar sehen wir das Taufbecken. Jeder getaufte Mensch in der Gemeinde hat schon einmal mit dem Taufbecken zu tun gehabt. Es ist Erinnerungs-Zeichen dafür, dass Glaubende seit der Taufe zu Jesus Christus gehören. Während der Taufgottesdienste wird das Taufbecken mit Wasser gefüllt und in einem ganz bestimmten Ritus wird bei der Taufe das Wasser auf die Getauften getröpfelt (ursprünglich wurden die Christen in Seen, Flüssen oder in ganzen Bassins getauft. Das Taufbecken ist nur noch ein Relikt dieser alten Zeiten):

Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Über den Täufling wird noch mit der Hand das Zeichen des Kreuzes gezeichnet.

Die Taufe ist eine Reaktion auf den so genannten Taufbefehl, den wir im Matthäusevangelium 28,18-20 finden: Jesus spricht: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch bis an das Ende der Welt.

Damit wissen Glaubende, dass Gott sie angenommen hat, dass er ihnen die Sünden vergeben und sie neu gemacht hat. Sie gehören zu ihm, sie sind seine Kinder. Von daher reden sich bis heute in manchen Gemeinden Christen einander als Bruder und Schwester an, sehen sich auf jeden Fall als Familie Gottes.

Vielfach finden wir auf der anderen Seite des Altars ein Stehpult, von dem aus Texte oder Abkündigungen gelesen werden. Abkündigungen künden das an, was der Gemeinde an Besonderheiten mitzuteilen ist: Veranstaltungen für die kommende Woche zum Beispiel.

Manchmal findet man in Kirchen auch ganz besonders große und geschmückte Kerzen, die so genannte Osterkerze. Diese Kerze wird im Ostergottesdienst feierlich angezündet und brennt in jedem Gottesdienst als Zeichen für die Auferstehung.

Die Bekleidung des Pfarrers nennt man Talar und den weißen „Kragen“: Beffchen.

In einer katholischen Kirche gibt es weitere Gegenstände:

Am Eingang finden wir das Weihwasserbecken. Glaubende tauchen Finger hinein und bekreuzigen sich mit den benetzten Fingern – als Zeichen der Zugehörigkeit zu Jesus Christus. Das Weihwasser selbst soll an die eigene Taufe erinnern, an ihr Christsein.

Die Oblaten/das Brot für das Abendmahl, das bei Katholiken Eucharistie genannt wird, befinden sich in einem Kästchen, das Tabernakel (Zelt/Wohnung) heißt. Eine besondere Kerze scheint, das „ewige Licht“ und an den Wänden finden wir 14 Bilder – den Kreuzweg Jesu. Die Stationen des Kreuzweges erinnern an das Leiden Jesu zu unserer Befreiung von Schuld, Befreiung hin zu Gott. So manche Figur oder Bild von einem oder mehreren Heiligen und der Maria prägt den Kirchenraum. Ein kleines abgetrenntes Räumchen ist der Beichtstuhl. In ihm können Menschen dem Priester das sagen, was sie an ihrem Leben nicht mögen, was sie falsch gemacht haben. Und der Priester versucht im Namen Gottes zu helfen und zu vergeben. Priester haben einen besonderen Sitz, den Priestersitz, der ein wenig erhöht steht. Ein Glöckchen neben der Sakristeitür wird betätigt, wenn der Priester in seinem Messgewand die Kirche betritt. Bei den Protestanten findet das gewünschte Beichtgespräch überwiegend im Pfarramt statt.

Aufgaben:

Gehe nun in eine Kirche und male das, was du siehst.

Und schreibe auf Dein Bild die Bezeichnungen, die Du in diesem Abschnitt findest.

Schreibe auch auf, was in dieser Beschreibung fehlt oder anders ist. Denn nicht alle Kirchen sind gleich.

Recherchiere im Internet – vielleicht findest Du ja heraus, was das unbekannte Objekt ist.

Leichter ist es freilich, den Pfarrer oder ein Gemeindeglied zu fragen.