Ökumene
Ökumene bedeutet: Die Gesamtheit der Kirche. Das heißt, wie unten zu sehen sein wird, die Kirche hat sich im Laufe der Jahrhunderte in unterschiedliche Gruppen (Konfessionen) gespalten. Besonders im 20. Jahrhundert begann der Versuch, trotz der Differenzen miteinander zu reden und zu handeln. Und dieser Versuch mündete in den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Der Ökumenische Rat der Kirchen umfasst die Protestantischen und die Orthodoxe Kirche. Die Römisch-Katholische Kirche hat einen eigenen Status.
Auf der Seite des Ökumenischen Rates wird über diesen Zusammenschluss viel gesagt.
Aufgabe 1:
Bitte lesen und zusammenfassende Notizen machen: https://www.oikoumene.org/de/about-the-wcc (Link überprüft: August 2026)
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MODELLE DER ÖKUMENE
Die Kirche hat sich im Laufe der Zeit getrennt – und es bildeten sich unterschiedliche Konfessionen. Warum?
- Warum kam es zur Trennung von Römisch-Katholischer Kirche und Orthodoxer Kirche? Kurz gesagt: Es kam aus theologischen Gründen zur Trennung: Man stritt sich darüber, ob der Heilige Geist nur von Gott-Vater oder auch von Gott-Sohn ausgeht, man stritt sich über verschiedene Termine (Ostern). Vor allem ging es auch um die Machtfrage: Papst im Westen, Patriarch im Osten. Zudem haben germanische Stämme Gebiete in Italien erobert, die zu Byzanz/Ostrom gehörten. Damit wurden die Gebiete auch politisch voneinander getrennt.
- Warum kam es zur Trennung der Evangelisch-Lutherischen Kirche von der Römisch-Katholischen Kirche? Diese Frage könnt Ihr inzwischen selbst beantworten (s. Reformation und Evangelisch-Katholisch).
- Warum kam es zur Trennung der Evangelisch-Lutherischen Kirche von der Evangelisch-Reformierten Kirche? Kurz gesagt: Im Wesentlichen ging es um die Abendmahlsfrage: Sind Brot und Wein nur symbolisch Leib und Blut Christi? Aber auch ethische Fragen spielten eine Rolle (Reformierte waren strenger) sowie rituelle Themen (alles muss möglichst rational und sachlich sein). Das Alte Testament – das zweite Gebot: Bilderverbot – steht auf gleicher Ebene wie das Neue Testament – von daher Bilderverbot in Kirchen und moralische Strenge.
- Warum kam es zur Trennung der Anglikanischen Kirche von der Römisch-Katholischen Kirche? Kurz gesagt: Da der Papst die Ehe von Heinrich VIII. nicht auflösen wollte, er wollte eine andere Frau heiraten, mussten sich die Bischöfe Englands vom Papst lossagen und der König wurde Oberhaupt der Kirche.
- Warum kam es zur Trennung von den Baptisten von den anderen Kirchen? Kurz gesagt: Baptisten legen Wert darauf, dass Kinder nicht als Babys getauft werden dürfen, weil jeder selbst entscheiden muss, ob er sich taufen lassen will oder nicht.
- Welche Positionen nehmen Pfingstkirchen / Charismatische Kirchen ein? Kurz gesagt: Der Heilige Geist muss einen Menschen ergreifen. In Gemeindeversammlungen beten alle laut durcheinander, man spricht in unbekannten Sprachen, die Emotion und Ekstase spielen eine große Rolle, auch verbunden mit Musik. Charismatische Gruppen können innerhalb der jeweiligen Kirchen entstehen, können aber auch unabhängig sein.
Aufgabe 2:
Bevor Du weiterliest: Wie würdest Du die Gründe für die Trennungen zusammenfassen? Ergänze die folgenden Vorschläge:
Meine Vorschläge:
- Es kam zur Trennung, weil die sich jeweils trennende Gruppe aus Glaubensgründen, aus theologischen Gründen usw., Veränderungen herbeiführen wollte.
- Es kam zur Trennung aus organisatorischen Gründen.
- Es kam zur Trennung aus emotionalen Gründen.
- Es kam zur Trennung aus politischen Gründen / machtpolitischen Gründen.
- Die Trennungen haben sich im Laufe der Geschichte vollzogen, weil sich gesellschaftspolitisch viel geändert hat. So wurde die Hierarchie immer stärker aufgelöst – das Individuum spielte eine immer größere Rolle.
Inzwischen versucht man jedoch, nicht gegeneinander zu wirken, sondern miteinander. Dem Ökumenischen Rat gehören ca. 350 Kirchen an. Die Römisch-Katholische Kirche ist nicht darunter (freilich als Beobachterin und in Arbeitsgruppen tätig), aber einige Gruppen, die eher als Sekten / Sondergruppen bezeichnet werden, gehören dazu. Überwiegend sind es protestantische, anglikanische und orthodoxe Kirchen, die miteinander agieren.
Die Trennungen sind Tatsache – doch nun suchen Christen die Einheit.
- Die Kirche versteht sich als Leib Jesu Christi, sie versteht sich somit als Einheit.
Aufgabe 3:
Dazu lies den Abschnitt, den der Apostel Paulus an die Korinther geschrieben hat: 1Korinther 12. Fasse wesentliche Aussagen schriftlich zusammen.
- – Die Kirche liest das Gebet, das im Johannesevangelium überliefert wird, als Ansporn, die Einheit zu suchen.
Aufgabe 4:
Dazu lies den Abschnitt aus dem Johannesevangelium Kapitel 17. Fasse wesentliche Aussagen schriftlich zusammen.
- Die Vorgaben aus der Bibel sind klar: Man muss zu einer Einheit kommen.
Aufgabe 5:
Bevor Du weiterliest – Überlege: Was meinst Du: Was verhindert das Zusammenkommen?
Meine Vorschläge:
- Man möchte seine Glaubensidentität nicht verlieren. Orthodoxe, Katholiken, Protestanten, Baptisten usw. haben im Laufe der Zeit grundlegende Eigenheiten entwickelt, auf die sie nicht verzichten möchten, weil man sie für richtig hält, weil man sich in ihnen wohl fühlt, weil sie Teil des Lebens geworden sind.
- Man hat auch Eigenheiten entwickelt, weil sie besser zum jeweiligen Volk, zur Nation usw. passen. Die jeweilige Umwelt, die Mentalität (Sprache, Gefühl, Kultur) prägen auch Religion, von daher passt einfach die Eigenheit besser als die Eigenheit anderer Kirchen.
- Man macht sich schlicht und ergreifend keine besondere Gedanken zu diesem Thema, weil man keinen Anlass dazu sieht.
- Es geht aber auch um Fragen der Macht, des Einflusses, der Autorität.
- Das eigene Profil / die eigenen Identität geht verloren, wenn alles zu harmonisch abläuft.
- Lehrunterschiede sind auch darin begründet, dass Christen davon ausgehen, dass Gott sie so gewollt hat. Wenn Gott bestimmten Lehren genauso gewollt hat, hat der Mensch nicht das recht, sie zu verändern.
- Es gab auch aufgrund der Verfolgungen Verletzungen der Gruppen. Und die tradieren sich von Generation zu Generation.
Aufgabe 6:
Überlege: Wenn diese Vorgaben aus der Bibel und aus der Realität vorhanden sind, wie kann man diese beiden Punkte (Forderung der Bibel – Realität), die sich auf den ersten Blick ausschließen, zusammenführen?
Christen gehen den Friedensweg:
- Man beschuldigt den anderen nicht, an der Trennung Schuld zu sein.
- Man versucht einander immer besser kennenzulernen, indem man vieles miteinander macht (Projekte – aber auch Feiern) und bespricht.
- Man überlegt, ob vielleicht eine andere Sprache, das heißt: andere Worte dazu führen können, die Einheit zu finden.
- Man betont das Gemeinsame.
- Man überlegt sich: Welches gemeinsame Ziel streben wir an?
Bislang gibt es folgende Modelle, um die Einheit in den Blick zu bekommen.
- Jede der Kirchen sagt: Ihr müsst so werden wie wir. Orthodoxe wollen, dass die anderen Kirchen orthodox werden, die Katholiken wollen, dass sich alle dem Papst unterstellen, und die Protestanten rufen: Kommt zu uns, wir haben die beste Kirche. Das Modell der Rückkehr / Hinwendung zur wahren Kirche.
- Alle Kirchen erkennen, dass sie selbst etwas falsch machen, sie suchen den Fehler nicht bei den anderen, sie suchen ihn bei sich selbst. Und wenn jeder – am Maßstab des Neuen Testaments gemessen – die Fehler abbaut, muss man ja zur Einheit zurückkehren. Das Modell der Umkehr.
- Alle Kirchen sind schon in ihrer Verschiedenheit eine Einheit. Wie ein Kirchengebäude aus Steinen, aus Holz, aus Glas, aus Beton usw. besteht – und dennoch eine Einheit bildet, so bilden die Kirchen schon längst eine Einheit. Das Modell der Einheit als Vielfalt.
- Die Kirchen bleiben in Struktur eigenständig, erkennen aber gegenseitig die Taufe, das Abendmahl an, arbeiten zusammen. Modell der Versöhnten Verschiedenheit.
- Die Einheit der Kirchen muss Gott selber herstellen. Was wir dazu tun können, ist: Gemeinsam um die Einheit zu beten. Modell der Einheit durch Gott.
- Es gibt die sichtbare und die unsichtbare Kirche. Die sichtbare Kirche lebt in Uneinheit. Die unsichtbare Kirche besteht aus Menschen, die über alle Konfessionsgrenzen hinweg Jesus Christus nachfolgen, mit ihm in Beziehung stehen. Diese Christen leben im Grunde schon die Einheit. Das heißt aber auch: Nicht jedes Kirchenmitglied ist automatisch Christ (Corpus permixtum). Modell der aus Glauben gelebten Einheit.
Aufgabe 7:
(a) Welches Modell bevorzugst du?
(b) Ist auch eine Mischung der Modelle möglich?
Aufgabe 8:
Bastle einen Papierwürfel für jedes Modell. Male die Umrisse der Seiten mit einer besonderen Farbe an (jedes Modell eine Farbe). Schreibe auf die jeweiligen Seiten das, was für oder gegen das jeweilige Modell spricht. Welches Modell bevorzugst du? Stapel die Würfel aufeinander: Das Modell, das du am schlechtesten findest kommt unten hin, das Modell, das Du am besten findest, kommt nach oben.
Ist jedoch auch eine Mischung der Modelle möglich? Wenn Du das meinst, dann wirf den Stapel um und lege mit ihnen eine Fläche – und begründe, warum Du die Würfel in dieser Reihenfolge / in dieser Form gelegt hast.