SPUREN GOTTES

1. Israel entdeckt Gottes Spuren

Am Hof Salomos begann man zurückzublicken auf die Vergangenheit – und sammelte alles, was man an mündlichen Überlieferungen über die Aussagen der Väter gefunden hat.

Man entdeckte die Berichte von Abraham, von dem überliefert wurde, dass Gott ihn aus einem fernen Land gerufen hat, damit er in einem ihm unbekannten Land ein großes Volk gründe. In Abrahams Leben wurden viele Spuren Gottes entdeckt: Gott lässt Abraham seinen Willen auf vielfältige Art deutlich werden: indem er mit ihm spricht, durch Boten, durch Engel, er weist Abraham seinen Weg und führt ihn auch zu ganz neuen Gedanken, so den Gedanken, dass man keine Menschen opfern solle – wie es sonst Brauch war.

Man entdeckte Spuren der Gotteserfahrung auch im Leben von Abrahams Sohn Isaak, von Abrahams Enkel Jakob. Gott begleitete sie auch wenn sie vielfach versagt haben. Gott tröstete sie aber er forderte sie auch heraus. Wesentlich ist: Gott geht seinen Weg mit dem Volk Israel – auch wenn die Menschen ihre eigenen Ziele verfolgen.

Und das wird besonders intensiv dargestellt an dem Leben des Joseph. Joseph war ein Sohn Jakobs. Er war arrogant und stellte sich über seine Brüder. Das gefiel diesen nicht – und so verkauften sie Joseph an Sklavenhändler. Diese brachten ihn nach Ägypten. Dort wurde er Sklave eines angesehenen Mannes – doch die Frau dieses Mannes begehrte Joseph. Joseph gab nicht nach, wurde ins Gefängnis geworfen, weil die Frau ihn zu Unrecht beschuldigt hatte, dass sie ihn verführen wollte. Joseph hatte von Gott die Gabe bekommen, Träume auszulegen. Und so hatte der Pharao Träume, wusste nicht, was sie bedeuten – Joseph wurde aus dem Gefängnis geholt und konnte sie deuten. Er wurde zum „Landwirtschaftsminister“ ernannt – und bewahrte  dadurch sehr viele Menschen vor dem Hungertod – und auch seine Brüder. Sie zogen nach Ägypten, weil auch in Israel Hungersnot herrschte. Und Joseph vergab ihnen ihre Schuld. Eine sehr wichtige Aussage in diesem Text ist sinngemäß: Ihr dachtet es böse zu machen, Brüder. Aber Gott machte daraus Gutes.

Lange Zeit, nachdem Joseph gestorben war, wurde das Volk Israel von Ägyptern versklavt. Sie schrien zu Gott um Hilfe und Gott berief Moses, als dieser gerade seine Herde hüten wollte. Und nach langem Hin und Her gab der Pharao die Israeliten endlich frei und sie zogen durch die Wüste in das Gelobte Land. Aber auch das ging nicht ab ohne viel Hin und Her. Während des Zuges durch die Wüste erkannte Israel immer wieder, dass Gott sie großartig bewahrt und beschützt. Israel erkannte aber auch, dass sie wenig Vertrauen in Gott hatten, wenn Not groß war. Gott gab darüber hinaus dem Volk seine Gebote – damit sie menschlicher miteinander umgehen.

Israel erkannte also, dass Gott sein Volk bewahrt – in den chaotischen privaten und geschichtlichen Situationen.

Nachdem man das aufgeschrieben hatte, ergänzte man durch die Jahrhunderte hindurch die Erfahrungen, die man mit Gott gemacht hat.

Darüber hinaus dachte man viel nach: Woher kommt eigentlich die Welt? Warum gibt es Menschen und Tiere? Wie kommt es, dass die Menschen so besonders sind? Und so begann man Gottes Spuren nicht nur im geschichtlichen Handeln an Menschen und dem Volk zu erkenne, sondern auch in der Natur: alles war Schöpfung – alles ist Gottes Spur. Man muss sie nur wahrnehmen lernen – und dazu möchten diese Geschichten helfen.

Aufgabe: All diese Geschichten kann man nachlesen in dem ersten und zweiten Buch Mose (Genesis+Exodus).

2. Juden und Heiden erkennen Gottes Spuren in Jesus Christus

Ein Mensch wurde geboren. Seine Eltern nannten ihn: Gott rettet. Und als dieser Mensch erwachsen war, erwies er sich wirklich als Retter der Menschen. Er sprach zu ihnen von Gottes guter Welt, die er in kurzer Zeit anbrechen lassen wird. Bevor Gott sie herbeiführt, sollen sich die Menschen schon so gut zueinander verhalten, dass diese Welt Gottes vorweggenommen werden kann. Und er lehrte nicht nur, sondern er half Menschen auch auf wunderbare Weise. Sie wurden befreit von fesselnden Krankheiten, sie wurden wieder hineingenommen in die große Familie der Kinder Gottes. Er lehrte Liebe und lebte Liebe. Denn der Mensch ist Gottes Spur: der Fremde, der Kranke, der Gefangene, der Unbekleidete, der Hungrige und Durstige (Mt 25,31ff.). Das alles hat anderen nicht gefallen und sie töteten ihn. Sie trugen jedoch nicht den Sieg davon, denn Gott erwies sich als stärker und mächtiger als Menschen und der Tod: Er holte diesen Menschen Jesus Christus in ein neues Leben zurück – und diejenigen, die ihn liebten, erkannten, dass in ihm Gott selbst auf der Erde erschienen war, um ihnen den Weg zum Mitmenschen und ins ewige Leben zu weisen.

Diese Menschen sagten das, was sie mit Jesus Christus erlebt hatten weiter – und siehe da: Jesus Christus zeigte sich auch ihnen als den Lebendigen. In den Worten und Taten der Glaubenden erkannten Juden und Heiden: Dieser ist Gottes Sohn. Dieser zieht seine gute Spur durch die Weltgeschichte, indem er Menschen die Schuld vergibt, indem er Menschen dazu bringt, anderen zu vergeben und ihnen in Liebe zu begegnen. Wer ihm folgt, zieht selber eine Spur Gottes durch das Leben. Sklaven und Freie, Männer und Frauen, Arme und Reiche – wer auch immer Jesus Christus im Herzen hat, hinterlässt eine Spur Gottes.

3. Gottes Spur in der Geschichte

Und seit Gott diese Spuren von sich erkennen ließ, haben unzählige Menschen Gottes Spuren in der Geschichte, in der Natur, in ihrem eigenen Leben erkannt.

Philosophen dachten darüber nach. Sie versuchten das alles logisch zu begreifen – sie versuchten Gottes Spur in ihrem logischen Denken zu erkennen. So zum Beispiel der berühmte Blaise Pascal: Die Wette. Dazu siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Pascalsche_Wette – an diesem Text sieht man auch, wie sehr Menschen sich Mühe gaben, all das zu widerlegen – und das setzt ebenfalls eine Beschäftigung mit Gott voraus – allerdings nur dadurch, dass man die Spuren Gottes löschen bzw. nicht wahrnehmen möchte. So mancher Philosoph hat Gott denken können – und so mancher Philosoph wollte oder konnte da nicht mitdenken. Dichter versuchen Gottes Spur in wunderschönen Texten wiederzugeben – oder sie suchen sehnsüchtig nach Gottes Spur – oder sie beschreiben Leben von Menschen, die Gottes Spur verloren haben oder die ihnen auch gleichgültig ist.

Aber nicht allein Philosophen und Dichter haben Gottes Spuren zu entdecken versucht. Viele, viele andere Menschen auch – manchmal haben sie keine gefunden, obwohl sie doch sehr Gottes Spuren finden wollten. Manche haben sie nicht gesucht – und auf einmal sind sie plötzlich auf Gottes Spuren gestoßen. Und dann, nachdem sie einmal die Spur gefunden haben, merkten sie, wie blind sie waren, denn alles ist voller Spuren Gottes! Nur hatten sie diese nicht als Gottes Spur wahrgenommen.

4. Gottes Spuren in anderen Religionen

In den Punkten 1-3 wurden Gottes Spuren dargelegt, die Juden und Christen erkannt haben. Auch andere Religionen überall auf der Welt erkennen unabhängig von einander Spuren Gottes. Diese Spuren müssen nicht einem Gott zugeordnet werden, der wie bei Juden und Christen hört, einen Willen hat, die Menschen führt. Manche erkennen etwas Transzendentes, etwas, das über den Menschen ist in Geistern, in den verstorbenen Ahnen (Animisten, Konfuzianisten), sie erkennen vieles, was Juden und Christen als die Spur eines Gottes wahrnehmen, in vielen Göttern und Göttinnen (Hindus) wieder. Buddhisten haben von vielen Religionen manches übernommen – aber Buddha selbst kann die Spuren Gottes nicht so recht erkennen, aber auch er spürte etwas Transzendentes, etwas, das über den Menschen hinausgeht. Im Islam glaubt man auch an den Gott, den Juden und Christen verkünden – aber man interpretiert seine Spuren neu: Muslime erkennen die wahre Spur Allahs durch Mohammed gelegt. Und so gibt es das berühmte Beispiel von dem Elefanten: In das Dorf von Blinden kommt ein Elefant. Sie hören und berühren ihn. Jeder spürt etwas anderes. Der Elefant ist eine Schlange, sagt der, der den Rüssel berührt, der Elefant ist eher eine Säule, sagt der, der die Beine berührt usw. Das heißt: Alle Religionen haben ein bisschen Wahrheit. Der Philosoph Lessing erzählt eine andere Geschichte: Ein Vater gibt einen wertvollen Ring, der den Träger vor Gott und Menschen angenehm macht, immer an einen seiner Söhne weiter. Einer der Söhne liebt aber seine drei Kinder gleich – und so lässt er diesen Ring noch zweimal herstellen, so dass nun keiner der Söhne erkennen kann, wer nun den ursprünglichen Ring hat. Hier wird deutlich, dass einer den wahren Ring hat, aber alle sich entsprechend verhalten, als hätten sie den wahren Ring und so vor Gott und Menschen angenehm werden.

Wie sehen Christen das? Gottes Geist, das heißt der Menschen bewahrende und erhaltende Gott, ist in allen Menschen und Völkern anwesend und bewahrt und erhält sie. Er gibt ihnen Normen und Werte, nach denen sie sich ausrichten müssen. Sie alle haben Sehnsucht nach dem einen wahren Gott, doch sie machen sich Gottesbilder – und so kann nur die Sehnsucht gestillt werden, wenn sie den Gott finden, der sich in Jesus Christus als der zeigte, der alle Menschen liebt – nur hier finden sie die Liebe Gottes wirklich gelebt und lebendig. Aber: Alle Völker haben etwas gemeinsam: sehnsüchtig nach Gott suchen sie seine Spuren und diese Grundwerte sind auch ein teil seiner Spuren – wie wir von den 10 Geboten her wissen. Und so sind auch Christen, obwohl sie Jesus Christus kennen, nicht vollkommen, sondern sehen in anderen Religionen und Völkern etwas, das sie bislang nicht erkannt haben. Paulus sagt sinngemäß: Wenn ihr Gutes bei den Völkern erkennt, dann tut es.

5. Spuren Gottes werden ersetzt

Dass der Mensch auch fleißig dabei ist, sämtliche Spuren Gottes zu verwischen und durch seine eigenen Spuren zu ersetzen, das sehen wir auch. Wer in der Stadt aufwächst sieht nicht mehr Spuren Gottes – er sieht Häuser, Straßen…- alles von Menschen gemacht. Er sieht Obst und Gemüse – von Menschen in Gewächshäusern und mit raffinierten Düngemethoden und künstlichem Licht hergestellt. Er sieht nur noch seinen Bildschirm, vor dem er sitzt – und kommuniziert mit aller Welt – mit Gott natürlich nicht, denn der schreibt keine Mails und ist nicht auf Facebook. Wälder werden nach menschlichem Wunsch gestaltet, wild oder zivilisiert, Tiere werden gestaltet, je nach Vorgaben des Marktes, Wirtschaft prägt alles… Gottes Spur? Der Mensch packt alles, selbst viele Krankheiten. Er kann Spuren Gottes, die manche zu erkennen meinen mit Hilfe der Hirnforschung und der Psychologie uminterpretieren… Viele Tiere hinterlassen ihre Duftspuren – der Mensch ist darin das größte Wesen. Aber zu seinem Leidwesen kann er all das nur, weil er Vorhandenes auswertet. Er kann nichts aus Nichts machen. Aber er kann alles Vorhandene aus Gottes Hand nehmen, und mit seiner Duftmarke versehen.

6. Spuren Gottes im Wort

Man spricht von einem performativen Akt, wenn das Wort, das ich spreche, die Handlung ist, sich ereignet, das Wort mit dem Sprechen das ausführt, was ich sage. Ich sage: Ich liebe dich – dann spricht das Wort „Liebe“ genau das aus, es ereignet sich in dem Wort Liebe das, was es ausspricht. Ich warne dich – das ist die Warnung selbst. Ich erkläre euch zu Mann und Frau – nun sind sie es. Ich segne dich – das ist der Segen. Wenn ein Mensch das Wort „Gott“ ausspricht, kann sich Gott in diesem Wort selbst ereignen, seine Kraft, seine Macht wirkungsvoll entfalten. Er kann. Er muss nicht. Es ist Gnade, wenn Gott seine Gegenwart im Wort, das ich als Mensch äußere, ereignet.

Gott ist jedoch gegenwärtig in seinem Wort, in der Bibel – vor allem im Wort Jesu. Am Menschen liegt es, bereit zu sein, für eine Begegnung mit Gott in seinem Wort. Wenn ich sage: Liebe – Liebe ist nur ein Wort, dann blockiere ich das Ereignis der Liebe. Wenn ich die Liebe des anderen nicht will – dann kann das Wort nicht wirken, dann kann sich das Gesagte nicht in mir ereignen. Diese Freiheit haben Menschen auch in der Gottesbegegnung mit seinem Wort. Sie können sich dieser Begegnung verschließen, Gott kann sich in seinem Wort nicht ereignen, für mich nicht wertvoll werden.

Wenn ich von vorneherein davon ausgehe, dass die Worte der Bibel Menschenworte sind, reine Menschenworte, in denen sich Gott nicht ereignen kann, dann blockiere ich mich dem Ereignis Gottes. Bildhaft mit einem neutestamentlichen Text gesprochen: Indem Maria die Worte des Engels annahm, konnten sie Ereignis werden. Die christliche Tradition verbindet vielfach das Bibellesen mit Gebet. Das darum, weil wir uns im Gebet Gott öffnen, darum bitten, dass Gott uns so weit öffne, dass er durch die folgende Bibellektüre sich in uns ereignet, in uns zum Ereignis wird.

7. Fazit+Aufgabe

Nachdem das alles in Kurzform dargelegt wurde, markiere: Wo finden Menschen Gottes Spur?