KIRCHE UND MEDIEN

A) Einleitung

Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.

(1. Petrusbrief)

Das Christentum ist eine Medienreligion: „Weil Gott nicht Teil unserer wahrnehmbaren Wirklichkeit ist, ist seine Realität kaum ohne Medien vermittelbar. Die christliche Glaubensvorstellung von Gott und einer höheren Wirklichkeit, welche die sichtbare Welt unsichtbar durchdringt, hat in gewisser Weise `virtuellen´ Charakter.“ (Evangelischer Erwachsenenkatechismus, Gütersloher Verlagshaus, 9. Auflage 2013, 460)

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Es sei angemerkt, dass ich zu Beginn Jahrhunderte als Einteilungsmerkmale genommen habe, für die Neuzeit gemischt mit Epochen. Jahrhunderte sind keine genau abgegrenzte Einheit mit Blick auf kulturelle Fortschritte, wie es auch Epochen nicht sind. Kulturelle Entwicklungen sind verzahnt, bauen aufeinander auf. Diese Vorgehensweise, dieses künstliche Raster dient nur der leichteren Einordnung, dient dazu, die komplexen Entwicklungen handhabbar zu machen. Geschichte kennt keine starren Schubladen. Sie ist eher mit einem Fluss zu vergleichen. Er strömt vor sich hin, manchmal wirbelnd manchmal zurück, manchmal durch Steine und Ufer scheinbar gebremst, aber dennoch vorantreibend. Es geht auch nicht darum, irgendwelche Daten oder Zeiten auswendig zu lernen. Es geht darum, die innovative Vielfalt zu erkennen.

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Die Seite ist 2018/19 entstanden. Sie wurde 2026 korrigiert. Die Links wurden überprüft – aber es gibt immer wieder neuere Videos zu den jeweiligen Themen. Sie spiegeln nicht 2026, sondern 2018/9 wider. Von daher: Bitte selbst Neues aufspüren. Hinweise zu den Quellen: Eine solche Zusammenstellung gibt es meines Wissens nicht. Einzelne Infos aus Wikipedia wurden von mir zusammengetragen. Ich werde die Artikel nicht eigens anführen, sie können unter den Namen selbst leicht vertieft werden.

B) Geschichte der Kirchen und Medien (auch Architektur als Kommunikationsform und Musik usw.)

Christen haben schon seit Beginn die medialen Möglichkeiten benutzt, die ihnen zur Verfügung standen – und auch neue ausgedacht, um ihre gute Botschaft weiter zu sagen. Christlicher Glaube ist innovativ, weil er immer nach den besten Möglichkeiten sucht, Gottes Wort zu verkündigen:

1. ANTIKE

1. Jahrhundert: Es begann in Israel / Judäa: Jesus aus Nazareth + Paulus von Tarsus + frühe Christen: Rede und soziale Tat gehören zusammen. Neue Gattungen wurden entwickelt: Evangelien, Briefe, Apostelgeschichte. In Briefen eingefügt wurden: Bekenntnisse, Lieder… Im Zusammenhang der Gottesdienste durch die folgenden Jahrhunderte hindurch fand zwischen den Gottesdienstbesuchern eine intensive Kommunikation zur Bewältigung des Alltag-Lebens statt (Austausch von Infos, Neuigkeiten des Wohnumfeldes, Handel, Eheberatungen, Kindererziehung, persönliche Hilfestellungen…) Grundlegend war, dass es sich noch um eine Kultur mündlicher Überlieferung handelte. Das heißt, dass auch die uns heute vorliegenden schriftlichen Texte vielfach mündlich vorgetragen worden sind, da eine Vervielfältigung nur eingeschränkt möglich war. Durch die Verschriftlichung in den Evangelien wurde das mündliche Erzählgut fixiert und orts- und zeitunabhängig überlieferbar.

(Kommunikationsstrategie Jesu: a) er erwählte 12 bzw. 70 Jünger, die er aussandte, um seine Botschaft weiterzutragen; Wunder führten dazu, dass alle Zeugen als Multiplikatoren dienten. Kommunikationsstrategie des Paulus: Er gründete überwiegend in Großstädten (in Medienknotenpunkten) Gemeinden, die dann die Botschaft ins Umland weiterbrachten. Zur Festigung der Gemeinden schrieb er Briefe, die er mit seinen Schülern in die jeweiligen Städte sandte. Diese wurden – wie andere Schriften von Christen auch – dann aber auch eifrig abgeschrieben und als Schrift weiter gegeben.)

2. Jahrhundert: Christen haben den Codex (die Buchform) der Rolle vorgezogen und auch innovativ weiterentwickelt, während Nichtchristen überwiegend noch die Rolle verwendeten. Zusammenstellung der Bibel zum Kanon (die Botschaft wurde zusammengefasst – konzentriert und ist damit wirkungsvoller zu vermitteln). Älteste christliche Skriptorien in Alexandria (sie dienten der Vervielfältigung von Bibeln). Gattungen wurden entwickelt: Apologien (intellektuell auf der Höhe der Zeit geschriebene Verteidigungsschriften an Kaiser, verfasst durch den in Rom lebenden Justin, den Griechen Athenagoras, dem Nordafrikaner Tertullian…), Märtyrertexte aus weiten Bereichen des römischen Reiches. Es sind Heldengeschichten Glaubender. Sie sind ganz anders gestrickt als sonstige Heldengeschichten.

3./4. Jahrhundert: Älteste bislang bekannte christliche Kunst – Gemälde auf Grabmälern Roms: Kalistuskatakombe (Abendmahl; Jesus als Hirte = Rettung / Schutz) und Domitillakatakombe (Jesus als Lehrer), Via Latina Katakombe (Auferweckung des Lazarus = Hoffnung). Es ist der Beginn visueller christlicher Theologie. Christliche Elfenbeinkunst. Beginn christlicher Geschichtsschreibung (Eusebius; vgl. aber Evangelien und Apostelgeschichte: 1. Jh.). Große christliche Theologen schufen ein intellektuelles Netzwerk (z.B. Origenes, Athanasius, Basilius, Augustinus). Singen christlicher Lieder in Familien. Weiterführung christlicher Liturgien (Basilius + Ambrosius). Gründungen zahlreicher Klöster. Heliodor schrieb den Liebesroman: Aithiopika, in dem (vermutlich) christliche Ethik (Keuschheit und Treue) verarbeitet wurden. Gilt als der beste erhaltene Roman der Antike. Armenien war der älteste christliche Staat: Die armenischen Teppichknüpfer haben alte Kreuzsymbole übernommen und aus christlichem Glauben heraus weiter geführt, auch mit den Anfangsbuchstaben für Gott und Jesus versehen. Diese Motive werden im gesamten Orient bis in die Gegenwart hinein verwendet, wenn man sie auch nicht mehr christlich zu deuten weiß. Es entwickelte sich in den nächsten Jahrhunderten eine reichhaltige religiöse Symbolik, zum Beispiel: Kreuz, Fisch, Christusmonogramm. Die ersten autobiographischen Notizen einer Frau schrieb Perpetua, die auf ihre Hinrichtung wegen ihres christlichen Glaubens im Jahr 203 wartete. Dann auch durch Tiere im „Zirkus“ zerrissen wurde.

4./5. Jahrhundert: Beginn der Entwicklung der Gregorianik (Gesang). Didaktische Bedeutung der Malerei wird vertieft. Baptisterien (Taufhäuser) – Vermehrter Bau von Kirchen (Basilika: Machtdemonstration. Von der kleinen hauskirche oder Kirche vor den Toren hin zu großen Räumen, Bedeutung von Licht, Akustik, Kunstwerken). (= Kommunikation mit Hilfe von Architektur). Viele Skriptorien. Wulfila entwickelte auf Basis von Latein und Griechisch ein gotisches Alphabet übersetzte die Bibel ins Gotisch: Ältestes germanisches Schrifterzeugnis. 5. Jh. Berühmte Mosaiken zum Beispiel von Ravenna (Galla Placidia). Augustinus hat das Fundament für abendländischen musikalischen Rhythmus gelegt und mit seinen „Bekenntnissen“ die wohl erste und einflussreichste Autobiographie eines Mannes in der Ich-Form geschrieben. Ikonen (auf Holz gemalt) und Mosaiken in Byzanz, in der koptischen und äthiopischen Kirche – vermutlich auch Wandmalereien. Ikonen sind nicht plastisch, sondern flächig mit Gold gemalt, um zu zeigen: Es geht nicht um Menschen, es geht um Göttliches. (4.-6. Jahrhundert Unruhen in Europa aufgrund der Völkerwanderungen). 425 hat Theodosius II. die Universität in Konstantinopel reformiert.

2) MITTELALTER

6./7. Jahrhundert: Die Bibel ist nicht mehr nur ein Buch unter Büchern, sondern mit ihr wird göttliche (und kaiserliche) Macht gespiegelt. (Schmuckbibeln gab es schon vorher, wurde schon im 4. Jh. vom Kirchenvater Hieronymus nicht gerne gesehen, dass wohlhabende Frauen mit kostbaren Bibeln spazieren gingen, statt den Inhalt im Herzen zu tragen. Bibel Illustrationen beginnen (weitgehend auf Pergament), zum Beispiel: Book of Durrow (Irland), Rabbula Evangeliar (Syrien) – vor allem aber aus dem 6. Jahrhundert: der Codex purpureus Rossanensis aus Syrien – ein mit Purpur koloriertes Matthäus/Markusevangelium (gehört zum UNESCO Weltdokumentenerbe), das gilt auch für den Codex Beratinus 1 – Purpurgefärbte Blätter mit Silber beschriebenes Neues Testament und aus dem frühen 6. Jahrhundert stammende Wiener Genesis aus Syrien; ein Buch, das mit zu den ältesten erhaltenen Bibeln mit Bildern zählt. Der christliche Kaiser Justinian I. hat auch eine Gesetzsammlung veranlasst (Codex Justinianus) die bis in die Neuzeit Bedeutung hatte. Die Hagia Sophia wurde in seiner Zeit gebaut und 537 geweiht: Kuppelbasilika (Konstantinopel) – durch sie als Kunstwerk mit den Kunstwerken sollten Menschen sozusagen in den Himmel versetzt werden. Bedeutsam aus dieser Zeit sind Wandmosaiken mit Goldglanz und Glassteinchen. (Langsamer Beginn intensiver Mission in Mitteleuropa: Iroschottische Mönche.) 

7. vor allem 8. Jahrhundert (es ist nicht immer leicht in Jahrhunderten zu trennen, denn das 8. Jahrhundert ist eng verwoben mit dem 9./10. Jh.: Karolingische (in etwa Frankenreich) Bildungsreform begann – Übertragung der Bildung auf Klöster: Antike Schriften wurden kopiert, Austausch von Errungenschaften europäischer Kultur durch die überall existierenden Klöster. Zudem haben Klöster auch dazu beigetragen, antike Schriften zu überliefern. Klosterbibliotheken wurden angelegt (z.B. St. Gallen: 2100 alte Handschriften [spannende Geschichte!: Wiborada – 10. Jh.: sie rettete 926 Handschriften und wurde erschlagen]) (sie gingen in der Neuzeit vielfach in die staatlichen Bibliotheken über). Entwicklung von Pfalzkapellen – späteren Hofkapellen. Auch Glocken dienen der Kommunikation, nicht nur zur Ankündigung von Gebetszeiten, Tageszeiten, sondern dienten auch Warnung. Neben den Tag/Nacht-Übergängen begann damit auch für die normale Bevölkerung das genauere, verbreitete Einteilen der Zeit. Entwicklung der Keltenkreuze (irisches Kreuz) – sie markierten Treffpunkte. In Byzanz wurde heftig um die Frage gestritten: Darf man als Christ Bilder malen und haben? Werden Bilder angebetet – also wie unter Heiden? Ein Bildersturm vernichtete viele Ikonen. In England entstand das Evangeliar von Lindisfarne. Die scriptio continua (Worte werden ununterbrochen aneinandergereiht) wurde zuerst von irischen Abschreibern der Bibel nicht mehr durchgehend angewandt. Bibeln / Schriften wurden dadurch leichter lesbar. Der nestorianische Bischof Severus Sebokht (Syrien) übermittelte die „arabischen Zahlen“ (eigentlich: „indische Zahlen“) aus Indien an die muslimische Kultur.

9./10. Jahrhundert: Bilder = Bibel der Armen. Bibel-Übersetzungen. 9. Jh. Otfried von Weißenburg führt Endreim statt Stabreim ein. Er war der erste, der die deutsche Sprache intensiv verwendet hat und die Verwendung auch begründet. Das heißt: Es entsteht in Mitteleuropa eine neue Medienkultur. Das zeigt er an seinem Evangelienbuch. In 5 Büchern wird das Leben Jesu literarisch dargestellt. Der Mönch Notker III. hat Werke z.B. des Aristoteles und des Boethius in die deutsche Sprache übertragen und neben vielen anderen ein Werk über die Musik geschrieben. Im Zusammenhang der Übertragung hat er zum Beispiel Boethius mit dem christlichen Glauben verbunden. Damit hat er Wissenschaftssprache und Fachsprache gefördert. Christliche Texte waren wichtig für die Entwicklung der althochdeutschen Sprache. So gibt es die Übersetzung der Evangelienharmonie des Tatian (Althochdeutscher Tatian) bzw. die Übersetzungen von Werken des Isidor von Sevilla (560-636) (Althochdeutscher Isidor). Deutsch wurde immer stärker als Schriftsprache entwickelt. Es wurde auch fähig, dichterische und wissenschaftliche Texte aussprechen / übersetzen zu lassen. So wurde sie mit Hilfe christlicher Texte immer stärker zu eine Sprache, die des Latein ebenbürtig war. An dieser Stelle darf die hohe Kunst der Byzantiner und damit die Länder, die von der orthodoxen Kirche besonders beeinflusst wurden (Russland, Griechenland u.v.a.) nicht übergangen werden. Es gibt so viele Werke, dass sie gar nicht aufgezählt werden können. Das gilt auch für die kommenden Jahrhunderte – erst durch die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen / Türken (1453) wurde dieser hohen Kunst ein Ende bereitet. Angesichts dieser Kunst ist die westeuropäische Kunst aufgrund der vollkommen anderen Lebenssituation sehr viel einfacher und ärmer. Sie beeinflusste auch die mitteleuropäische Kunst.

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch die „Exhortatio ad plebem christianam“ (Anrufung an das christliche Volk). Es handelt sich um die Rede eines Priesters, in der er fragt:

Wie kann sich ein Mensch Christ nennen, der diese wenigen Worte des Glaubensbekenntnisses, durch die er geheilt wird, und durch die er genesen wird und der auch die Worte des Herrengebets, die der Herr selbst als Gebet einsetzte, wie kann der ein Christ sein, der das nicht lernen und in seinem Gedächtnis behalten will?“ Zitiert nach: Stephan Müller (hg, übersetzt, kommentiert): Althochdeutsche Literatur. Eine kommentierte Anthologie, Reclam, Stuttgart 2007)

Hier wird die Bedeutung des Auswendig-Lernens als mediales Ereignis erkennbar.

Karl der Große gründete Malerschule. 10. Jh. Roswitha v. Gandersheim schreibt Dramen, in denen starke Frauen im Mittelpunkt standen. Mit dem Egbert Codex (Kloster Reichenau) haben wir die älteste erhaltene bildliche Darstellung des Lebens Jesu. Entwicklung des mehrstimmigen Gesangs (Organum). Neben großen Kirchen entstanden zahlreiche Kapellen. (Christentum in Mitteleuropa etabliert.)

10./12. Jahrhundert: Der älteste gewebte europäische Bildteppich, der Abrahamsteppich (Dom Halberstadt), der biblische Geschichten bildhaft darstellte. Baustile: Romanik, Gotik (z.B. Kathedrale von Chartres – Bau von 1194-1260) – eine neue Lichtarchitektur wurde damit geschaffen. In Norwegen wurden Stabkirchen erschaffen – in Aufnahme von Wikinger-Architektur. Der Mönch Guido von Arezzo erfand die Notenschrift (vorher: Buchstaben), sodass Lieder vom Blatt gesungen werden konnten. Franz von Assisi gründete (1210) den Franziskaner-Orden, wenig später wurde der Dominikaner-Orden gegründet. Beide waren sehr stark auch in der Bildung (und vor allem die Dominikaner im Kontext der Überprüfung der Rechtgläubigkeit) tätig (eine systematische Durchdringung christlichen Glaubens mit dem Verstand führte zur Verfolgung von „Häresien“ – führte letztlich zur Kommunikationsverweigerung, -abbruch, -verhinderung). Ab dem 11. Jahrhundert entwickelten sich schrittweise wissenschaftliche Schulen (der Abt Lanfranc von Canterbury) – vor allem Kathedralschulen in Städten – und somit Entwicklung zu Universitäten (Parma [962], Bologna [1088], Paris, Oxford [beide Anfang 13. Jh.]usw.). Das heißt zunächst einmal, dass Menschen intensivst religiös argumentieren lernten (Scholastik): These – Antithese – Synthese. Argumentieren bedeutet: unterschiedliche Meinungen wahrzunehmen – es entstanden viele große Werke bis heute einflussreicher Theologen (z.B. Anselm von Canterbury, [11. Jh.], Thomas von Aquin [13. Jh.]). Herrad, Äbtissin von Landsberg, erstellte eine Enzyklopädie, ein Lehrbuch: Garten der Köstlichkeiten. Hildegard von Bingen schrieb zahlreiche Werke (Visionen, Medizinische Werke, Musik). Runensteine von Harald Blauzahn (Bluetooth) mit Bekenntnissen seines christlichen Glaubens liegen vor (Der Herrscher Blauzahn war sehr kommunikativ, er verband dänische Stämme. Die Runen H.B. bilden das bekannte Logo, das Geräteverbindung anzeigen soll. (Christianisierung Europas auch im Osten und Norden. Älteste erhaltene Stabkirche Norwegens.)

13. Jahrhundert: Passionsspiele sind audio-visuelle Medien: Das Leiden Jesu wurde „gespielt“ – damit hat man sich in das Leiden eines anderen hineinversetzen gelernt. (Negativ ist allerdings, dass manchmal Passionsspiele dazu führen konnten, dass man Juden verfolgte.) Deutsche Mystik (Meister Eckhart) und Frauenmystik (z.B. Mechthild von Magdeburg) entwickelte eine neue praktizierte christliche Frömmigkeit, der Moment der Vereinigung / Verbundenheit mit Gott – darüber hinaus haben sie viel zur Weiterentwicklung der deutschen Schriftsprache beigetragen. Das Latein konnte die Emotion nicht mehr ausdrücken – wodurch neue „Fach“sprache entstand. Es sei daran erinnert: Sprache hat Grenzen – je weiter diese Grenzen gedehnt werden, desto vielfältiger und intensiver kann Welt wahrgenommen werden. Durch Kreuzzüge kamen viele Einflüsse aus Vorderasien nach Europa (allerdings vorher auch schon durch die Nähe zu Byzanz) und durch Marco Polos Fernreisen kamen Anregungen aus Asien. Der Renaissance wurde der Boden bereitet.

14./15. Jahrhundert: Die „Devotio moderna“ erreichte manche Menschen. Das heißt: Es kommt auf Innerlichkeit, Andacht an, auf die persönliche Beziehung zu Jesus Christus, nicht nur auf den offiziellen Ritus. Individuelle Frömmigkeit wurde gefördert. In diesem Zusammenhang waren Bilder wichtig, Bilder vom Leiden Christi, in die man sich hinein versenkte: Maler zum Beispiel: Giotto di Bondone, Rogier van der Weyden, (Hans Baldung Grien – 16. Jh). Wichtig wurde das Werk des Thomas von Kempen: Imitatio Christi. Weil mehr geschrieben wurde, wurde ab dem 14. Jahrhundert Papier verwendet. Bücher wurden billiger. Ein Meister darin, mit Worten Bilder zu erzeugen, war Dante Alighieri (Divina Commedia); er hat die Nachwelt und die italienische Sprache sehr stark beeinflusst.

3) RENAISSANCE (1490-1600) / BAROCK (1590-1720)

15./17. Jahrhundert: Maler / Bildhauer z.B. Michelangelo Buonarroti (Verbindung christlich-antiker Schönheitsvorstellung und später: zerrissene, turbulente Welt), Raffael (verbindet christlichen Glauben mit Schönheit und mit Vorstellungen idealer Antike); Rubens setzte seine Malkunst als Aktivist der Gegenreformation ein. Schnitzer (Veit Stoß, Tilman Riemenschneider). Gutenberg erfindet die beweglichen Lettern. Vor allem wurden Druckereien in Städten mit Bischofssitzen gegründet: Ziel war die Versorgung von Geistlichen mit Texten. Die Erfindung Gutenbergs fördert die Verbreitung protestantischer Flyer und Schriften Luthers (Auflage der Bücher: 1000 und mehr [andere Druckerzeugnisse vor und neben Luther: Auflage: 300]). Bibelübersetzung: Deutsch – prägte die deutsche Sprache (bis zum Tod Luthers über 300 Bibelausgaben). 1559 katholische Kirche – Verhinderung von Kommunikation: Index verbotener Bücher. Luther verkündete auch mit Musik und Liedern. Christlich-humanistische Bildung (Melanchton) des Volkes. Liederdichter: Paul Gerhardt. Erste Orgeln im Gottesdienst: Klang füllt Raum zum Lob Gottes – Gott füllt den Menschen durch Klang. Im 15. Jh. zahlreiche Gründungen von Kapellen. Es wurden auch viele kleinformatige Andachtsbilder gemalt, so zum Beispiel von Barbara Longhi. Der Kardinal Richelieu (ein Machtmensch, der laut seines Testamentes Nudging zur Machtabsicherung und Sprachlenkung bevorzugte) initiierte die erste französische Zeitung (1631: La Gazette) und förderte die französische Sprache und Kunst. Der Pfarrer, Philosoph, Musiktheoretiker Johannes Lippius begründete mathematisch (der göttlichste Teil) die Harmonienlehre. Komponisten: Corelli, Vivaldi, Mozart, Bach, Händel…; Maler: Rembrandt. Im 16. Jahrhundert versuchten Staat und Kirchen die „Imprimatur“ durchzusetzen, das heißt, es durfte nur publiziert werden, was vorher überprüft worden war. Das war der Versuch, die modernen Massenmedien politisch-religiös zu steuern.

4. ROMANTIK (1780-1830)

17./18. Jahrhundert: Kommunikation über Hausgemeinden, Predigt- und Bibel-Diskussionsrunden (Konventikel)(Spener): weg von den Amtskirchen, hin zu Kleingruppen (was im 20. Jahrhundert von der Theologie der Befreiung in Südamerika wieder entdeckt wurde). Gründung der Cansteinschen Bibelanstalt: Druck preiswerter und vieler Bibeln für Arme durch die Erfindung des „stehenden Satzes“ (Buchdruck).

5) REALISMUS / IMPRESSIONISMUS / JUGENDSTIL / EXPRESSIONISMUS u.v.a. und GEGENWART

19. Jahrhundert: Gründung von Verlagen die der (christlichen) Bildung dienen sollten 1835 wurde zum Beispiel der C. Bertelsmann-Verlag von dem der Erweckungsbewegung angehörenden Carl Bertelsmann gegründet, der gegenwärtig einer der größten Medienunternehmen weltweit ist; der Schwerpunkt liegt allerdings nicht mehr auf christlichen Medien. Aber dennoch: Hier entstanden Vorläufer des globalen Verlags- und Medienwesens. Bedeutsam wurden: American Bible Society (1816), Thomas Nelson (ca. 1854), Zondervan (1931). Schreibmaschinen – erleben unter anderem in den USA ihren Durchbruch, weil christliche Frauengruppen Frauen an ihr zu Sekretärinnen ausbilden (vorher gab es nur Sekretäre). Dadurch wurde Frauen in der modernen Arbeitswelt zum Durchbruch verholfen. Komponisten: Felix Mendelssohn-Bartholdy. Maler: Caspar David Friedrich. Literarisch: Eichendorff, Jean Paul, Annette von Droste-Hülshoff, Mörike, Novalis. Als Pendant zur weit verbreiteten „Zeitschrift“, die Gartenlaube (1853-1872 [1944]), wurde 1864 ein christliches „Daheim: ein deutsches Familienblatt mit Illustrationen“ herausgegeben [1864-1943 (eingestellt wegen Papiermangels)] wurde als Massenmedium gedruckt, um der Säkularisierung etwas entgegensetzen zu können). Bisher waren Bibeln ein Teil christlicher Massenmedien. Nazarener – Maler – versuchten christliche Kunst zu erneuern. Die Bibeln mit Bibelillustrationen von Schnorr von Carolsfeld fanden massenhafte Verbreitung.

20. Jahrhundert: 1963 hat das Zweite Vatikanische Konzil erarbeitet, dass moderne Kommunikationsmittel nicht nur gefährliche-säkulare Mittel sind, sondern von Gott gegebene Kommunikationsmittel, die auch von der Kirche aktiv zu nutzen sind. Kirche in Rundfunkräten (Radio, TV). Zahlreiche kirchliche Printmedien. Kirchliche Filmpreise und Filmvertrieb, Medienkongress, Medienakademie. Bibel-TV, Musik: Spirituals und sehr viele Kirchenkonzerte. Künstler weltweit malen, komponieren, dichten – kommunizieren auf diese Weise die christliche Botschaft. Mega-Churches mit einem umfassenden Angebot: Bildung, Gesundheit, TV… Ebenso Massenereignisse: Kirchentag und internationale Zusammenkünfte: Taizé, katholischer Weltjugendtag. Zudem gibt es zahlreiche christliche Sender, die versuchen, Menschen in den Ländern zu erreichen, in denen persönliche Mission kaum möglich ist (z.B.  SAT-7; Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Christliche_Medien_im_Nahen_Osten ). Darüber hinaus sind auch all die sozial engagierten Organisationen (NGOs) zu nennen: World Vision, Misereor, Brot für die Welt usw. Wie bei Jesus: Reden und Tun gehören zusammen. Dazu auch die WWJD-Aktion (What-Would-Jesus-Do), die mit Armbändern Menschen motiviert, die Moral aus der Perspektive Jesu zu leben. Zudem: Telefonseelsorge, Internetseelsorge. Geändert hat sich vielerorts das, was im Kontext des 1. Jahrhunderts geschrieben wurde: Gottesdienste sind heute anders als damals häufig nicht mehr so relevant für Informationsaustausch / Prägung von Weltbildern unter den Gottesdienstbesuchern, was auf den Gottesdienstbesuch Auswirkungen hat. Der Informationsübermittlung / Prägung von Weltbildern dienen heute säkulare Medien – ersetzen damit die Bereiche, die religiöse Zusammenkünfte immer begleitet haben. Dennoch besuchen sonntäglich noch immer mehr Menschen Gottesdienste als in Fußballstadien zu finden sind. Christliche Symbolik (s. 3./4. Jahrhundert) wurde bislang nur im Kontext von Ideologien (z.B. Nationalsozialismus, Kommunismus, Islamismus) zurückgedrängt – wird heute auch eingeschränkt mit dem Argument: „Neutralität“. Dass Christen außerhalb Europas und Nordamerikas den christlichen Glauben prägen und ihm neue Impulse geben, ist aus meiner Perspektive das wesentlich Neue des 20./21. Jahrhunderts.

21. Jahrhundert: Starke Internetpräsenz der Kirchen und einzelner christlicher Gruppen bzw. einzelner Christinnen und Christen weltweit. Es gibt eine unübersehbare Zahl an christlichen Influencer:innen aus unterschiedlichsten Kulturen. Angeregt durch Netflix (1997) wurde das christliche Pureflix (Film Produktion und Vertrieb) 2005 gegründet, dazu gehört das international agierende Quality Flix.

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(Siehe auch: https://evangelische-religion.de/main-points-und-kunst.html )

C) Neue Kommunikation des Glaubens: Gotteserlebnisse contra Gottesvorstellungen (21. Jahrhundert)

Die Lieder, die vielfach Menschen bewegen, bestehen in vielen Wiederholungen. Sie besingen die Heiligkeit, die Stärke Gottes, die Liebe und Nähe Jesu, die Befreiung durch Gott – diese Inhalte werden Gott / Jesus Christus / Geist Gottes lobend emotional aufgegriffen – entsprechend ergreifen sie die Menschen. Der Glaube ist kein Thema der Theorie, sondern Ausdruck des Lebens. Die filmische Umsetzung auf Youtube selbst ist eine Kunst und zeigt, dass in Afrika Lieder vielfach in Alltagskontexte eingebunden werden, während im asiatischen Raum die Darstellung vielfach dem europäischen Duktus entspricht (einzelne Bilder werden unterlegt mit den Songs). Ebenso sind die Chöre in Afrika weniger an ein Gebäude gebunden, während sie im asiatischen und euro-amerikanischen Raum im Gebäude dargeboten werden. Allerdings nehmen diese Clips auch aus Afrika zu, wohl aufgrund der Mega-Churches: Life gesungene Lieder werden vielfach in Kontexten gezeigt, in der Menschenmassen hören, singen, in Ekstase geraten. Das zeigt, dass auf dieser Ebene Gemeinschaft mit Gott und den Menschen empfunden wird. Die Sprache der Psalmen ist sehr prägend, allerdings spielen Klagen kaum eine Rolle. Es geht um ein Einstimmen in den Willen Gottes, darum, mit dem Geist Gottes gefüllt zu werden (Worship). Es geht nicht um eine Darlegung des Lebens Jesu oder der Frage nach der Existenz Gottes, dem abstrakten philosophischen Denken und um ein rationales Erfassen Gottes: Er – als der dreieinige Gott – wird aufgrund des Geistes Gottes / Jesu Christi mit allen Sinnen erfasst. Aus dieser Erfahrung heraus wird auch sozial-missionarisch gehandelt.

Das Menschenbild ist interessant: Während große Teile der euro-amerikanischen Intellektuellen den Menschen als Verstandeswesen sehen, wird der Mensch weltweit stark als ein Wesen angesehen, das Verstand und Emotion hat. Die Emotion muss auch zu ihrem Recht kommen – vor allem auch, weil das Gehirn Erfahrungen und Sachverhalte mit Hilfe von Emotionen vernetzt. Ein Problem ist nur dann vorhanden, wenn die Emotion den Verstand verdrängt. Das wird auch in modernen christlichen Filmen deutlich ( https://evangelische-religion.de/filme.html ).

Die Bilder von Gemälden aus aller Welt zeigen eine Inkulturation an: Biblische Themen werden in die bildnerische Sprache eigener Kultur umgesetzt.

Aufgabe:

D) Medien und Macht

Medien dienen nicht nur der Kommunikation – hier der religiösen Kommunikation. Sie kommunizieren nicht selten auch Macht und Reichtum. Vielfach wurden in der Vergangenheit als Ausdruck der Zeit christliche Traditionen dazu verwendet, diese Macht zu zeigen. In jeder Zeit ist an der Kommunikation erkennbar, wer die Macht hat: Wer kommt zu Wort? Wie wird Wirklichkeit (politische, soziale) kommuniziert? Welche aktuellen Strömungen werden medial aufgegriffen und verstärkt? Was wird verschwiegen, klein geredet? Welche Wege finden die „Tonangebenden“, um ihre Sicht durchzudrücken? Dabei darf man nicht nur an einzelne Menschen denken, sondern muss auch größere Komplexe wie Parteien, Wirtschaft, NGOs, Medienanstalten usw. im Blick haben. Durch die gesamte Kirchengeschichte hindurch waren es jedoch nicht nur reiche und mächtige Individuen und Gruppen, die die Botschaft Jesu Christi lebten und weitersagten, sondern vor allem auch Menschen, die nicht im Rampenlicht standen: Eltern, Kinder, Großeltern, Nachbarn, Berufskollegen, Freundinnen und Freunde, Verfolgte… – unabhängig von Macht, sondern aus Liebe. Während vor wenigen Jahrhunderten Christen mediale Vormacht hatten, haben verstärkt immer mehr Gegner von Christen mediale Macht. Christenkritik wird auf vielen Ebenen dominant.

In dieser Hinsicht ist Folgendes spannend: Die Aufklärung, setzte die Freiheit durch, Imprimatur war nicht mehr in. Heute, im 21. Jahrhundert ist erkennbar, dass Staaten wieder versuchen, die Freiheit zu regulieren, weil das Internet allen möglichen freien Akteuren Raum lässt. Um es mit Blick auf Kirchen zu formulieren: Das kirchliche Institutionenmilieu wird durch das Internet durchbrochen, was manchen politisch-christlichen Strömungen nicht gefällt. Vor allem aus politischen Gründen: Institutionen sind eher politisches Mainstream – die Einzelchristen sind frei, fühlen sich nur an Christus gebunden. Manche Journalisten gehen medial gegen solche freien Formen vor, weil sie Desinformation, Sektenbildung befürchten – also etwas, was sie nicht mehr politisch (! – nicht wegen des Glaubens) kontrollieren können.