GRUNDLAGEN CHRISTLICHER ETHIK

1. Allgemeine Hinweise zur Ethik

Der Mensch kann

  • urteilen, entscheiden, werten.
  • in Konfliktsituationen verantwortungsvoll handeln.
  • in Auseinandersetzungen Werte argumentativ einbringen.

Christliche Ethik hat es wie jede Ethik mit der individuellen Lebensführung zu tun und der Gestaltung der Gesellschaft.

Sie ist die Reflexion eines im Sinne des christlichen Glaubens geführten Lebens und bietet Maßstäbe für ein gutes/gelingendes Leben: als Individuum und als soziales Wesen – unter Einbezug der nichtmenschlichen Welt (Tiere, Umwelt insgesamt).

Christliche Ethik hat es nicht mit gesetzlichem Leben zu tun, sondern mit selbst-verantwortetem Leben auf der Basis der in der Bibel dargelegten Gesetze – aus der Perspektive Jesu Christi – mit Hilfe des Geistes Gottes. Von daher ist christliche Ethik im Grunde nicht von allen zu fordern, da sie nur aus der Beziehung zu Jesus Christus realisiert werden kann. Wird sie verallgemeinert, kann sie ideologische Züge bekommen. Dennoch muss sie versuchen, Menschen zu überzeugen, auch wenn sie nicht dem christlichen Glauben angehören, da ihr Anspruch darin besteht, dem Willen Gottes, damit das Wohl des Menschen als Gottes Geschöpf zu dienen.

Christliche Gruppen können unterschiedliche ethische Schwerpunkte setzen (z.B. intensivere Betonung des Gesetzes, der Bestrafung durch Gott; Einsiedler haben andere Schwerpunkte als Christen im sozialen Miteinander, usw.). So lange sie miteinander im Geist Jesu Christi menschlich umgehen, ist das kein Problem. Da wir Menschen aber eben gerade das häufig nicht können – als Sünder – wird es zu einem Problem.

2. Das christliche Menschenbild

Dazu siehe Grundlage und Ausganspunkt: https://evangelische-religion.de/ethik—jesus.html

Auf der Basis Jesu Christi haben Christen weiter gedacht und weiter formuliert: Der Mensch ist vor Gott (coram Deo) ein Sünder – und: Der Mensch erkennt sich als Sünder – durch das Gesetz Gottes (Röm 7) und durch das ihm von Gott geschenkte Gewissen, denn er ist auf Gott hin geschaffen. Durch das Gewissen erkennt er sich als einen, der nicht immer in der Lage ist, gottgemäß, das heißt, sich selbst und anderen Menschen gegenüber angemessen, zu handeln. Weil er sich aber als einen erkennen kann, der falsch handelt, ist in ihm auch der Keim des Guten vorhanden. Er kann das Gute in Bezug auf andere Menschen nur ansatzweise realisieren, aber nie vollkommen. „Ansatzweise“ insofern, weil niemand die wahren Beweggründe des Handelns kennt, die langfristigen Folgen ebenso nicht usw. (Ist die Handlung gut – aber der Beweggrund schlecht? Ist die Handlung gut – aber die Folge schlecht?) Das Idealbild ist: Der Mensch ist so, wie er handelt – handelt so, wie er ist; und: Er handelt in Einklang mit Gott (Mt 5,48: Seid vollkommen, wie der himmlische Vater vollkommen ist). Das überfordert ihn als Sünder. Darüber hinaus ist er eingebunden in strukturelle Sünde (Sünde einer Gruppe, in die das Individuum eingebunden ist, und das nichts dagegen tun kann, häufig auch gar nicht bemerkt: z.B. wirtschaftliche Ungerechtigkeiten).

Eine Anmerkung zum Thema Erbsünde: Die Vorstellung, die hinter dem Begriff steht: Der Mensch gibt seit Adam seine Sünde an kommende Generationen weiter – von Individuum zu Individuum. Heute sieht man eher, dass der Mensch als Kollektiv „Sünder“ ist – bzw. weniger religiös ausgesprochen: Jeder verhält sich asozial. Dazu siehe: https://evangelische-religion.de/b%C3%B6ses-verhalten.html

3. Gott setzt Verhaltensmaßstäbe

Indikativ und Imperativ:

Gott liebt den Menschen (Indikativ) – der Mensch reagiert mit Liebe zu Gott und Mensch. Diese entsprechende Reaktion wird auch erwartet (Imperativ). (Das bedeutet: Nicht das gesetzliche Handeln steht im Vordergrund, auch nicht der Gehorsam gegenüber göttlichen Geboten, sondern: Wer sich von Gott angenommen und geliebt weiß, hat den Drang, andere anzunehmen und diese Liebe weiterzugeben. Die Seligpreisungen gehen in Matthäus 5-7 den Forderungen/Antithesen voran. Den alttestamentlichen Geboten geht die Befreiung aus der Sklaverei voran.)

Gottes Liebe ist sichtbar in:

  1. Gottes Wirken in / durch Jesus Christus (Zuwendung: Heilungen, Worte – Gleichnisse…, Leben + Sterben zeigen Gottes Liebe).
  2. Schöpfung: Gott schuf den Menschen nach seinem Bild; entsprechend hat jeder Mensch von Gott Würde bekommen (1. Buch Mose / Genesis 1).
  3. Gott gibt den Menschen mit den 10 Geboten (Dekalog; (5. Mose / Deuteronomium 5) und mit dem Doppelgebot der Liebe (Liebe Gott und den Nächsten: Mt 22,37ff.) Maßstäbe.
  4. Botschaft der Bergpredigt (Matthäus 5-7) + Gleichnisse: Auch in ihnen zeigt er seine Fürsorge und sein Zutrauen zu uns Menschen: Es kommt nicht allein auf das äußere Tun an, sondern darauf, sich von Gott erneuern zu lassen.
  5. „Gottes Reich“ ist das „Höchste Gut(e)“ (summum bonum: höchster handlungsleitender Wert): Das kommende Reich Gottes als Ausdruck der Liebe Gottes wird zum Handlungsmuster: In Freiheit dem anderen Menschen dienen.
  6. Neben diesen zentralen Themen/Texten liegen im Alten Testament konkrete Aufforderungen vor, in denen Gottes Maßstab durch Propheten verdeutlicht wird, im Neuen Testament liegen Texte vor, in denen Nachfolger Jesu Gottes konkrete Anweisungen weitergeben.

Folge der Liebe Gottes:

  1. Glaubende sind frei von Menschen und deren Gesetzen – allein gebunden an Gottes liebenden Willen durch den Heiligen Geist (Augustinus: Liebe – und tue was du willst).
  2. Glaubende müssen nicht auf sich selbst achten – sind allerdings so frei, auch sich selbst zu lieben (Liebe deinen Nächsten wie dich selbst: 3. Buch Mose / Levitikus 19,18 + Mt 22,39).
  3. Sie können mutig und verantwortungsvoll handeln, weil sie bei falschen Entscheidungen weder Gottes Strafe fürchten müssen noch den Tod und die Sünde. (Freilich: Als Handlungskorrektiv scheint mancher Mensch – auch Christ – die Warnung zu benötigen.)
  4. Das Wirken des Geistes führt zur Gemeinschaft (Gemeinde) – das heißt zur Argumentation in ethischen Fragen auf der oben genannten Basis (Jesus, Paulus).
  5. Im Laufe der Kirchengeschichte wurden Menschen als Vorbilder für das Verhalten hervorgehoben (traditionell gesprochen: Heilige) – oder es wurden (mit Hilfe des neutestamentlichen Maßstabs) relevante Formulierungen (z.B. „Barmer Theologische Erklärung“) bzw. Entscheidungen in den ethischen Argumentationsprozess mit einbezogen. Das heißt: Auch ethische Erfahrungen der Vergangenheit werden durch die Gegenwart rezipiert, Zeitgeist kann für Christen, die auch über die Jahrhunderte hinweg gemeindegebunden sind, nicht der alleinige Maßstab sein.
  6. Weil Glaubende frei sind von Höllenangst oder dem Streben ins Reich Gottes zu kommen, weil sie schon von Gott angenommen worden sind (Vergebung – Rechtfertigung), ist ihr Verhalten im Sinne Jesu nicht von ihrem künftigen Ergehen abhängig (wie z.B. beim Buddhismus: erreichen des Nirwana, Islam: gelangen ins Paradies), sondern vom notleidenden Menschen (Barmherziger Samariter: Lukas 10,25ff.): Diakonie/Caritas.
  7. Eine moderne Art von Höllenangst ist es, wenn Menschen meinen, alles in der Hand zu haben, wenn sie nicht richtig handeln, geht die Welt unter. Ohne Frage tragen Menschen Verantwortung, wie aus all dem bisher Gesagten deutlich wird. Aber der Mensch kann seine Begrenztheit annehmen und Gott das überlassen, was Gottes ist.
  8. Liebesethik zählt: Liebe Gott und deinen Nächsten, liebe deinen Feind usw. Liebe bedeutet: aktive Hinwendung zu dem anderen, um ihm zu helfen (aus Mitleid: Mt 25,31ff.), so wie Gott sich dem Menschen zuwendet. Das heißt: Die Liebe hat ein Vorbild in Gott  – und freilich im Handeln Jesu (Gleichnisse aus Lukas 15: Verlorenes Schaf usw.): Man kann es als Nachfolgeethik (Mt 5,48) bezeichnen.
  9. Auch in der Gegenwart werden Menschen mit ihrem Tun in Eins gesetzt: Weil ein Mensch Schlimmes tut, darf er – zumindest lehren das Filme – getötet werden. Christliche Ethik trennt zwischen dem Menschen als Person und seiner Tat. Als Person hat er, so lange er lebt die Chance, umzukehren und sein Leben so zu leben, wie Gott es will. Das wird deutlich am Leben des Apostels Paulus sichtbar. Dem scheint jedoch Mt 7,16ff. (Bildwort vom Baum und seinen Früchten) entgegenzustehen. Aber dieses Bildwort hat im Blick, dass man Menschen, die sich aktuell übel verhalten, nicht trauen soll, denn wer Böses tut, kann (in dem Augenblick) nichts Gutes/Göttliches tun/sagen.
  10. Im Mittelalter lernte man, sich in das Leiden Jesu hineinzuversetzen. Das wurde nachempfunden, das Leiden wurde verinnerlicht. Es ist das Leiden eines anderen, das zu meinem Mit-Leiden führt. Dieses Mitfühlen als eines, das sich gesellschaftlich weiter verbreitet hat und nicht nur Charakter einzelner Menschen ist, ist für die christliche Ethik relevant.
  11. Grundlage ist nicht der „Verstand“, denn dieser ist abhängig von dem, was sich Menschen wünschen, vorstellen usw. – was dem Menschen als Sünder angemessen erscheint. Grundlage ist, wie Paulus formuliert:

„Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Jesus Christus entspricht“ (Philipper 2,5)

4. Christliche Ethik und Ethik der Welt

Christliche Ethik ist in erster Linie Ethik mit Blick auf Christen. Sie geht darum auch nur Christen etwas an, und kein Staat, keine außerchristliche Gruppe hat aus christlicher Sicht zu bestimmen, wie sich Christen zu verhalten haben. Das kann zu Reibereien führen. Nicht in erster Linie aufgrund von Forderungen des Staates (zumindest in unserer Kultur), sondern mit Blick auf Christen untereinander. Manche Christen sind traditioneller, konservativer ausgerichtet, manche Christen sind eher liberaler und schwimmen mit den Moden der jeweiligen Zeit. Letztgenannte ecken von daher weniger an, wenn die Gesellschaft Ansprüche an Christen stellt bzw. von Christen verlangen, ihren modernen Erwartungen zu entsprechen. Von daher hat christliche Ethik immer auch selbstkritisch zu sein:

  • Nehmen wir diese liberale Haltung ein, weil sie modern ist, oder weil sie dem Willen Gottes entspricht?
  • Nehmen wir diese traditionelle Haltung ein, weil sie sich eingeschliffen hat, oder weil sie dem Willen Gottes entspricht?

Es muss Christen immer wieder deutlich werden:

  • Nicht die Ethik ist das Zentrum christlichen Glaubens,
  • sondern Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist.
  • Das bedeutet konkret:
  • Man darf und muss sich um den richtigen Weg streiten,
  • aber der Streit darf die Gemeinschaft nicht spalten. (Siehe unten Aufgabe 2.)

Weitere Aspekte:

  1. Weil Gott als Schöpfer geglaubt wird, lässt Gott auch Nichtglaubende nicht allein, sondern: Er hat ihnen sein Gesetz ins Herz geschrieben (Paulus: Römerbrief 2,15), und sie können somit ansatzweise verantwortlich handeln. (Manchmal sogar „besser“ als einzelne Christen.)
  2. Christliche Ethik schließt sich nicht ab, sondern diskutiert auch mit Vertretern philosophischer und nichtchristlicher religiöser Konzepte/Ethiken. Manche stehen ihrer Intention näher (Platon, Stoiker, Kant…), manche ferner (Epikur, Hedonismus…). Das Naturrecht spielt traditionell mit den Stoikern eine große Rolle: Die Schöpfung zeigt auch Ansätze dafür, wie Gott sich das Verhalten des Menschen gedacht hat, z.B. Ehe – Monogamie. Freilich spielen auch noch andere ethische Überlegungen eine Rolle. Naturrecht aus christlicher Sicht ist nicht biologistisch einzugrenzen.
  3. In der Diskussion ziehen Glaubende auch das heran, was in der Gesellschaft als „gut“, „heilsam“, „nützlich“ usw. angesehen wird: zum Beispiel die Tugenden; Paulus sagt: Prüft alles, das Gute behaltet (1. Thessalonicher 5,21; Philipper 4,8) (z.B. Ethik der [Kardinal-]Tugenden: Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Besonnenheit – hinzu kommen die theologischen Tugenden: Glaube, Hoffnung, Liebe).
  4. Christliche Ethik hat Anspruch auf Allgemeingültigkeit, weil der Mensch Geschöpf Gottes ist. So gelten freilich die 10 Gebote (der Dekalog) und das Liebesgebot nicht, weil sie christlich sind, sondern weil sie universal gültig und Ausdruck für menschliches / angemessenes soziales Verhalten sind. (Gegenwärtige Folge: Weltweite Durchsetzung der Menschenrechte, die auch Folge dieser jüdisch-christlichen Basis sind.)
  5. Wenn Gottes Geist in allen Menschen wirkt, warum benötigt man dann noch Christen? Christen sind nicht Christen wegen der Ethik, sie sind es, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass Gott in Jesus Christus vollmächtig handelt und sie selbst in der Nachfolge Jesu stehen. Die Welt-Erklärung mit Gott ist ihnen plausibler als ohne Gott. Menschen sind nicht wegen der Ethik Christen, sondern weil sie auf Gottes Handeln, seine „Anrede“ reagieren. Als solche von Gott Angesprochene sollten sie sich in die ethischen Diskussionen einer Gesellschaft einbringen. Da es in einer Gesellschaft sehr viele ethische Ansätze gibt, werden sie in einer freien Gesellschaft ihre Stimme einbringen. Das auch dann, wenn Atheisten/Religionskritiker und Säkulare sich dagegen stellen, weil die religiöse Letztbegründung für sie nicht einleuchtend ist. Aus christlicher Sicht wird es ohne Letztbegründung nie zu einem angemessenen ethischen Ergebnis kommen. Man kann freilich zu vorläufigen Ergebnissen kommen, die christlich letztbegründeten Antworten entsprechen. Die Diskussionen werden sich jedoch immer im Kreise drehen und im Grunde Eintagsfliegen sein, weil sie abhängig sind von der jeweiligen Zeit, den jeweiligen Menschen, den jeweiligen vielfältigen ethischen Ansichten. Ein Beispiel dafür, dass Christen mit ihrer Letztbegründung und Nichtchristen ohne Letztbegründung ein gemeinsames Ergebnis erzielen, ist die Würde des Menschen. Sie hat ihre ursprüngliche Begründung in der Aussage der Schöpfungsgeschichte von Genesis 1: Der Mensch ist Gottes Ebenbild. Diese Letztbegründung wird zwar säkular/atheistisch nicht akzeptiert, aber man kommt zum gleichen Ergebnis: Jeder Mensch hat gleichermaßen Würde – auch wenn einige Denker versuchen, diese Aussage zu modifizieren. Eine Begründung für diese Aussage wird vermieden, denn es hat sich als gut erwiesen. Man bedenke allerdings: Das gilt nur in dem Kulturkreis, in dem Christen diese Begründung geliefert haben. In anderen Kulturen gilt diese Sicht nicht uneingeschränkt. https://evangelische-religion.de/menschenw%C3%BCrde.html
  6. Gott ist als Person, als Energie, als Urgrund allen Seins am Wirken. Wie an Jesus Christus zu erkennen ist, ist er liebend, Gemeinschaft stiftend am Wirken. Als solcher Wirkender lockt er Menschen aller Welt und Kulturen (auch die Geschöpfe), sich liebend, Gemeinschaft suchend zu verhalten. Menschen (wie Geschöpfe) können dem stattgeben, können sich aber auch verweigern. Das liegt in ihrer Freiheit begründet, die Gott ihnen schenkt. Das gilt nicht allein für Christen. Christen wissen jedoch durch Jesus Christus, dass Gott entsprechend als einer zu verstehen ist, der Gemeinschaft fördert, Liebe, letztlich Glück. (Siehe eudämologischer Gottesbeweis: https://evangelische-religion.de/gott-philosophie.html s. auch Alfred Adler bzw. Victor Frankl als andere Ansätze zu Freud: https://evangelische-religion.de/religionskritik-kritisch.html)

Aufgabe 1: Sind Menschenrechte, die auf antiker und jüdisch-christlicher Basis in der westlichen Aufklärung  weiter entwickelt wurden, weltweit gültig?

Aufgabe 2: Überlege/Diskutiere: Das (siehe die oben grün gedruckten Aussagen) ist natürlich schwer, wenn man zum Beispiel an die Zeit des Nationalsozialismus denkt: Wenn die Mehrheit der Christen rassistisch denkt, muss man sich als Minderheit anpassen? Kann man einen Gottesdienst mitfeiern, in dem Menschen rassistisch erniedrigt werden? Nein. Von daher haben ethische Ansätze Spaltungen notwendig zur Folge. Das vor allem dann, wenn mit der Ethik das Gottesbild verrutscht ist: Glauben Christen an einen Gott, der zwischen Rassen, Klassen, Stämmen, Clans, Kulturen usw. trennt – oder an einen Gott, der das nicht tut? An dieser Stelle hilft es nicht, über die ethischen Fragen zu diskutieren, sondern es muss über Gott diskutiert werden.

Entsprechend muss über das Gottesbild diskutiert werden, wenn es zum Beispiel um

  • Massenvernichtungswaffen,
  • unrechte Wirtschaftsgesetze,
  • Umwelt-/Tierethik,
  • Flüchtlingsfragen geht.

Das sind dann aber keine rein christlichen Fragen, sondern betreffen eine ganze Gesellschaft. Und so haben sich Christen nicht nur einfach in pro oder contra zu positionieren, sondern müssen versuchen, der Gesellschaft einen Weg aufzuzeigen, wie sie aus den Dilemmata herauskommen könnte. Christliche Naivität oder eine Ideologisierung des christlichen Glaubens, der fundamentalistisch auf einer Position beharrt, wird in gesellschaftspolitischen Situationen nicht ernst genommen. Zu recht. Kirchen/Christen haben nicht mehr die Macht, eine Gesellschaft zu bestimmen – diese sollen sie sich auch nicht anmaßen. Sie haben ihre Positionen unerschrocken in die Diskussion einzubringen, wie andere gesellschaftlichen Gruppen auch. Maßstab muss immer die christliche Ethik sein, die in vorangegangenen Abschnitten beschrieben wurde – die manchmal leider aber nur auf Umwegen zu erreichen ist.

Christen können nicht mehr bestimmen – aber sie können motivieren. Und diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen.

Aufgabe 3: Der Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege 2018, Arzt und Pfarrer, beschreibt in seiner Biographie:

„Wir behandelten unter anderem auch viele Patienten aus den Flüchtlingscamps entlang der Grenze, die das Rote Kreuz – manchmal äußerst widerwillig – zu uns brachte. Da es sich um Hutu-Flüchtlinge handelte, die am Genozid in Ruanda mitgewirkt hatten, wollten manche Mitarbeiter des Roten Kreuzes ihnen die Behandlung im Krankenhaus verweigern. Ich spielte dieses Spiel nicht mit.“ (Meine Stimme für das Leben, BrunnenVerlag 2018, 116)

Wie beurteilst Du das aus christlicher, nichtchristlicher Perspektive?