ATHEISMUS UND RELIGIONSKRITIK: GOTT IN ABLEHNUNG ZUR SPRACHE GEBRACHT
Atheismus 1: Aufklärung
Die Aufklärung – die Zeit um 1700, die versuchte, die Befreiung des Verstandes durch traditionelle Zwänge in den Mittelpunkt des Denkens zu stellen – hat auch Wurzeln in biblischen Traditionen:
- Befreiung aus Sklaverei (vgl. Exodus)
- Kritik an der Herrschaft von Menschen / Königen (vgl. Samuel- und Königsbücher, Propheten)
- Auseinandersetzung mit Gott angesichts von Leiderfahrungen (vgl. Hiob, Jeremia, Klagelieder)
- Zusammenführung von Natur-Wissen / Weisheit (vgl. alttestamentliche Weisheit)
- Bedeutung des Individuums durch Selbstentscheidung, Verantwortung, gewissen (seit Jesus)
- Kritik an den traditionellen Religionen (Götterpolemik – also: Verstand wird zur Beurteilung anderer Religionen benutzt – ebenso argumentativ im Alten und Neuen Testament; Betonung des Menschen Jesus im Neuen Testament)
Kurz zusammengefasst: Atheismus ist Kind biblischer Texte: er lernte aus der Bibel die vernunftgeleitete Religionskritik, die Entzauberung der Götter, die Herrschaftskritik und das Eintreten für die Menschenwürde.
Neu ist in der Aufklärung der Neuzeit:
Der Verstand sieht sich bewusst als Maßstab für wahre Religion an. Anfänge dafür liegen bei den Deisten. Sie sagen, dass Gott hat eine vernünftige Welt und Religion geschaffen hat. Die Welt ist ein von Gott geschaffenes komplexes Uhrwerk. Die wahre Religion ist ethisch einwandfreie Religion, Tugendreligion, die konkreten Religionen sind ein Abfall von dieser Tugendreligion. Nachdem Gott die Welt geschaffen hat, hat er sich zurückgezogen, sie dem Menschen überlassen. Wunder, Gebete, Offenbarungen haben in diesem Uhrwerk keinen Platz mehr.
Kant (1784) sagte: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Es geht um den „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“. Aber: Kant hielt den Verstand in Glaubenssachen für nicht kompetent, das heißt: Er kann nicht entscheiden, ob es einen Gott gibt oder nicht; gleichzeitig hat Kant aber Gott als notwendige Grundlage für Moral angesehen. Religion gilt im Rahmen der Vernunft. Während Voltaire (†1778) Religion als sinnvoll ansah, hat LaMettrie (†1751), der den Menschen als Maschine sieht, sie als pathologisch, krankhaft bezeichnet. Baruch die Spinoza (1632-1677) hat mit seiner Sicht, dass Gott und Natur zusammenfallen (Pantheismus) die Person des Schöpfers in Materie aufgehen lassen. Das heißt: Man war sich als Aufgeklärte trotz Einsatzes des Verstandes nicht einig, wie man mit der Religion umgehen soll.
(Beachte: Vernunft = oberstes Erkenntnisvermögen, Erfahrungen, Beobachtungen, werden in einer Person zu einem Ganzen zusammengeführt; Verstand = Teilaspekt der Vernunft.)
Die Französische Aufklärung im 18. Jahrhundert begann mit einem Blutbad. Es wird geschätzt, dass in der Französischen Revolution zwischen 200.000 bis weit über 2 Millionen Menschen getötet wurden (Terror-Regime: 40.000; Bürgerkrieg: 150.000-250.000; wieweit allerdings die napoleonischen Kriege als Versuch, die Revolution in Europa auszubreiten, dazu zu zählen sind, ist umstritten. Wenn ja, sind 1-2 Millionen Tote einzurechnen). 1793 versuchte man das Christentum durch einen „Kult der Vernunft“ abzuschaffen (Notre-Dame als Tempel der Vernunft) bzw. durch den „Kult des Höchsten Wesens“ zu ersetzen. Es wurde erkannt, dass der Mensch ohne eine religiöse Größe schlecht leben kann und errichtete eine säkulare Ersatzreligion.
Die als Ausdruck der französischen Revolution geltende Formulierung: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ist aus christlichem Geist geboren – stammt vom Erzbischof François Fénelon (1651-1715). Er wandte sich allerdings gegen Atheisten – und sein Buch Télémaque wird mit als eine Grundlage der Aufklärung angesehen. Kurz: Aufklärung heute wird atheistisch bzw. säkular interpretiert. Die Wurzeln sind aber vielfältiger.
Menschen versuchen, den Verstand über die Religion zu stellen. manche glauben eben aus logischen Gründen nicht an Gott, die Atheisten. Manche sind massiv gegen Gott eingestellt, weil er als schädlich oder als gefährlich angesehen wird – die Anti-Theisten. Es gibt somit nicht „den“ Atheismus. Den Atheisten sind nur die Menschen zuzurechnen, die sich ausdrücklich als Atheisten bezeichnen – wobei Atheisten einander nicht unbedingt als Atheisten anerkennen: z.B. Comte (†1857) wird von Atheisten nicht unbedingt als Atheist anerkannt, weil er eine eigene atheistische Religion (Religion der Menschlichkeit) gründen wollte: mit eigenen Riten, Wissenschaftlern und Philosophen als Heilige usw. Menschen, die nicht kirchlich gebunden sind (Konfessionslose), sind nicht automatisch Atheisten. Neben Atheisten gibt es Agnostiker, die sich auf die Existenz eines Gottes / von Göttern nicht festlegen wollen. Das Wort „Atheismus“ beinhaltet das Wort „Gott“ – Gegen-Gott-Sein. Weil es jedoch in atheistischer Weltanschauung keinen Gott gibt, lehnen einige Atheisten das Wort ab und bezeichnen sich als „Brights“, die Klaren, Hellen. Manche nennen sich auch „evolutionäre Humanisten“, geben sich damit einen wissenschaftlichen Klang. Religionskritiker sind nicht als solche Atheisten. Es gibt Atheisten, die Religion kritisieren, es gibt auch religiöse Menschen, die Religion kritisieren, dazu zählen nicht zuletzt die alttestamentlichen Propheten und Jesus von Nazareth.
Atheismus 2: Götterkritik im Altertum
Kritik an Göttern gab es schon vorchristlich in Griechenland im 5.-3. Jh. v. Chr., ein paar Beispiele:
- Der Mensch ist das Maß aller Dinge (Protagoras von Abdera ca. 490-420).
- Götter strafen Menschen nicht – also gibt es sie nicht (Diagoras von Melos ca. 475- nach 410) (im 4. Jahrhundert haben keltische Krieger Tempel von Delphi geplündert – unbeschadet, kein Blitz der Götter traf sie).
- Götter sind nur Vorstellungen der Menschen (Prodikos von Keos 465- nach 395).
- Götter sind Erfindungen von Regierenden, um die Menschen beherrschen zu können bzw. um Gesetze durchsetzen zu können (Kritias 460-403).
- Der höchste Gott braucht keine Menschen, kümmert sich auch nicht um ihn (Antiphon 480-411), ebenso lehrte Epikur (341-270), dass Götter im Glück leben, sich aber um Menschen nicht kümmern.
Kritik an Göttern gibt es in alttestamentlichen Schriften (Genesis 1: Gott schuf die Gestirne – sie sind keine Götter; Gott schuf den Menschen, damit er herrsche und nicht Sklave der Götter ist; Weisheit 13: Götterstatuen sind nur Holz); von Atheisten im genannten Sinn ist schon im Alten Testament die Rede: Sie sagen: Es gibt keinen Gott (z.B. Psalm 10,4). Christen wurden als Gottlose und Abergläubische bezeichnet, weil sie nicht an Götter glaubten, ihnen nicht opferten (somit sich der Verehrung des herrschenden Systems verweigerten), denn Jesus sei nur Mensch gewesen, er sei ein zu Gott erhobener Magier.
Kritik an Göttern / an Gott ist nichts Neues, nichts Modernes, sondern moderne Gottes- bzw. Religionskritiker stehen auf den Schultern alter Denker. Im asiatischen Raum war Buddha (Siddharta Gautama um ca. 563-483 oder ca. 410-370) auch ein Götterkritiker. Frühe Kritiker, die sich gegen die christliche Gottesverkündigung wenden, waren Celsos (um 178 n.Chr.: Gegen die Christen) und Porphyrius (um 270: Fünfzehn Bücher gegen Christen), sowie Kaiser Julian (†363; Gegen die Galiläer).
Atheismus 3: Kritiker des 19.-20. Jh. n. Chr.
Von diesen Kritiken zehren auch die modernen Atheisten und dem Atheismus nahen, die vor allem im 18. bis 20. Jahrhundert Schriften veröffentlichten: Ludwig Feuerbach (Gott = Konstrukt des Menschen), Karl Marx (Religion = Opium des Volkes), Friedrich Nietzsche (Gott ist tot – was tragisch ist, der [Über-]Mensch muss nun das Szepter übernehmen), Ernst Haeckel (Monist – wissenschaftlicher Naturalist: Alles in der Welt ist in einem Grundprinzip begründet: Gott = Naturgesetz), Sigmund Freud (auch der erwachsene Mensch braucht eine Vaterfigur = Gott) usw. Atheismus nah kann Eduard von Hartmann (der Mensch Jesus ist eine tragische Figur, Pantheismus ist die Lösung) eingesetzt werden sowie der spätere David Friedrich Strauß (der den christlichen Glauben durch eine Art Wissenschaftshumanismus ersetzen wollte). Atheistisch ist auch das System des Sozialdarwinismus (Herbert Spencer) (Evolution des Menschen – Höherzüchtung des Menschen – Ausmerzung unwerten Lebens). Das heißt alles nicht, dass jeder Atheist all diese Aspekte vertreten hat. Jeder hat seine eigene Sicht der Dinge gehabt.
Seit Deismus und Aufklärung werden nicht mehr Theologen als die angesehen, die wissen, wer Gott ist, sondern Philosophen und Naturwissenschaftler meinen, die Frage klären zu können.
Unterteilen kann man Atheisten in solche, die Religion aus „wissenschaftlicher“ Perspektive kritisieren (Comte: Religion ist vorwissenschaftlich, der Versuch, Unerklärliches zu erklären), aus anthropologisch-psychologischer Sicht (Feuerbach und Freud), moralischer Sicht (Nietzsche), soziologisch-politischer Sicht (Marx).
Moderne Atheisten: Richard Dawkins (Religionen sind für alles Übel in der Welt verantwortlich – er betreibt eine aktive atheistische Mission – bezeichnet sich allerdings als Agnostiker), der Antitheist Christopher Hitchens (Religionen müsse man der Lächerlichkeit preisgeben), Michel Onfray (Lust ist das Höchste Gut – wir brauchen keine Religionen), Sam Harris liebt den spirituellen (buddhistisch geprägten) Atheismus, Daniel Dennett, der Evolutionist und Naturalist, kann, wie Victor Stenger, den Menschen rein wissenschaftlich erklären – und Herbert Schnädelbach sieht sich als frommen Atheisten, als einen, der um tiefe religiöse und transzendente Fragen nicht herumkommt, aber Gott nicht benötigt. Bernd Ehlert (Religion war für die Evolution des Menschen notwendig, muss aber durch Verstand und Vernunft zum Wohl der Menschen überwunden werden). Bertrand Russell und seine berühmte Teekanne: Nicht der Nicht-Glaubende muss die Nichtexistent Gottes beweisen, sondern Glaubende müssen es tun (wenn einer behauptet, eine winzige Teekanne würde um die Sonne kreisen, muss er das beweisen, nicht diejenigen müssen es beweisen, die diese Sicht ablehnen). Dann gibt es noch Populär-Atheisten, Säkulare und sonstige Menschen unterschiedlichster Couleur, die versuchen, den christlichen Glauben mit irgendwelchen historischen und selektiven Interpretationen archäologischer Funde, also durch Hyper-Skeptizismus, durch verschiedenartigste Dekonstruktionen zu unterlaufen, man muss nur einmal Youtube daraufhin anklicken. Der Inder Jaya Gopal – Gründer der Atheist Society of India – wendet sich im Wesentlichen gegen den Islam, während die westlichen Atheisten im Wesentlichen den christlichen Glauben im Fokus haben.
Das ist ein Merkmal so mancher zeitgenössischen Atheisten, die Schriften publizieren: Polemisch alle Religionen zu jeder Zeit und an allen Orten undifferenziert als Einheit zu sehen – und atheistische Systeme, die für Mord und Totschlag verantwortlich sind (französische Revolution, Nationalsozialismus, Kommunismus) den Religionen zuzuführen. Es geht vielfach nicht mehr wie im 19. Jahrhundert um philosophische Diskussionen, es geht um mediale, aggressive und populistisch verbreitete Schriften und um öffentliche Debatten. Während es vielfach gegen den christlichen Glauben gegangen ist, hat sich die Perspektive auf andere Religionen erweitert, allerdings immer noch mit Schwerpunkt auf die christliche Tradition. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden Kritiker angefeuert durch den islamistischen Terror. Wobei eben dieser Terror einfach mit allen Religionen verbunden wurde. Von daher wird auch der Ägyptologe Jan Assmann gerne von Atheisten übernommen, der das Problem in monotheistischen Religionen sieht: Nicht Religion an sich ist gewalttätig, sondern die Verabsolutierung von Wahrheitsansprüchen monotheistischer Religionen. Was natürlich durch hinduistische und einzelne buddhistische Gruppen Lügen gestraft wird, es sei denn, diese Gruppen werden als vom Christentum beeinflusst dargestellt. Aber deutlich wird die beliebte Vorgehensweise: Es werden alle Religionen in einen Topf geworfen, hier allerdings die Monotheistischen Religionen. Im menschlich vernebelten Verstand sind alle Religionen grau. (Der Philosoph Hegel hat das Sprichwort umgedeutet: In der Nacht sind alle Kühe schwarz.)
Die Aggression gegen den christlichen Glauben geht in letzter Zeit medial etwas zurück, freilich weitergeführt vom nicht so bekannten Fußvolk. Zurzeit sind „fromme“, „spirituelle“ Atheisten zu nennen: André Comte-Sponville (Spiritualität ohne Gott), Bruno Latour (zu dem Gott beten, den es nicht gibt), Alain de Botton (Religion für Atheisten: Religionen haben Unrecht, sind aber gut in der Organisation von Gemeinschaft).
Auseinandersetzung mit Atheismus aus christlicher Sicht zum Beispiel: Manfred Lütz; Alister McGrath (er spricht vom atheistischen Fundamentalismus); Alexander Kissler (er sieht: Atheisten berufen sich auf ihre Definition von Vernunft, um andere Denk-Positionen mit einem Totschlagargument zu verhindern); Lutz Simon (begründet, dass Wissenschaft und Gott sich nicht widersprechen). Grundsätzliche Kritik: Die Behauptung, dass nur Naturwissenschaft gültiges Wissen zur Folge hat, ist selbst unwissenschaftlich.
Atheismus gibt sich dominant, ist jedoch wie andere Strömungen in einer Gesellschaft nur eine unter anderen. Atheisten sehen sich selbst als die wahren Wissenschaftler – wobei es freilich auch viele Wissenschaftler gibt, die sich einer Religion (so dem Christentum) zuordnen. Das bedeutet: Es gibt nicht nur ein Welt-, Menschen- und Gottesbild. Menschen sind als Menschen immer befangen, ob nun religiös welcher Couleur oder anti-religiös welcher Couleur auch immer. (Vgl. die Abschnitte unter: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/glaube-und-naturwissenschaft/)
Atheismus 4: Gottesbeweise
Dawkins legt viel Wert darauf, den Gottesglauben auch dadurch zu widerlegen, dass er die philosophischen Gottesbeweise widerlegt. Eine Anmerkung zu den Gottesbeweisen (Detaillierter s.: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/gott/philosophie-gottesbeweis/):
- Ontologischer Gottesbeweis: Gott ist das Seiende an sich, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann – und weil die vollkommene Existenz in der Wirklichkeit größer ist als gedachte Existenz, muss auch Gott in Wirklichkeit existieren.
- Kosmologischer Gottesbeweis unterteilt sich unter:
- Kausalitätsbeweis: Alles hat eine Ursache – die anfangslose Ursache ist Gott.
- Kontingenzbeweis: Wenn etwas existiert, dann muss es etwas geben, das diese Existenz ermöglicht – und es muss außerhalb der ermöglichten Existenz stehen.
- Kinetischer Beweis: Materie, Raum, Zeit können sich nicht selbst verändern – es muss etwas vorhanden sein, das diese Veränderungen verursacht. Gegenwärtig wird dieser Beweis von den Menschen bevorzugt, die sehen: die Naturkonstanten sind so fein aufeinander abgestimmt, dass Leben erst ermöglicht wird. Eine minimalste Abweichung hätte nie zum Leben geführt (z.B. Abstand der Erde von der Sonne – Bedeutung des größten Planeten Jupiter für das Leben auf der Erde usw.).
- Teleologischer Gottesbeweis: Jeder Plan hat einen Planer – das Universum muss zielgerichtet geplant sein. Gegenwärtig wird dieser Beweis von den Menschen bevorzugt, die sehen: die Naturkonstanten sind so fein aufeinander abgestimmt, dass Leben erst ermöglicht wird. Eine minimalste Abweichung hätte nie zum Leben geführt (z.B. Abstand der Erde von der Sonne – Bedeutung des größten Planeten Jupiter für das Leben auf der Erde usw.).
- Moralischer Gottesbeweis: Wir verhalten uns nur sittlich, weil Gott uns das Gewissen gegeben hat – Gott ist die Triebfeder des Gewissens und der Sittlichkeit.
- Ethnologischer Gottesbeweis: In allen Kulturen gibt es eine Gottesahnung.
- Eudämologischer Gottesbeweis: Es gibt immerwährende Sehnsucht nach Glück – es wird irdisch nie gestillt, es muss eine Erfüllung der Sehnsucht nach Glück geben = Gott.
Fazit: Das Wort „Beweis“ ist erst neuzeitlich in die Diskussion eingekommen. Früher wurden diese Überlegungen „Argumente“ oder „Wege“ genannt. Von daher galten im christlichen Raum diese sogenannten „Beweise“ nicht als „Beweis“ im naturwissenschaftlichen Sinn. Von daher sind die atheistischen Kämpfe gegen die „Beweise“ irrelevant: Es wird gegen etwas gekämpft, was Christen gar nicht sagten, Kämpfe gegen Pappkameraden oder Strohmänner. Wenn ich das Wort „Beweis“ weiter verwende, dann nur um die Sprache der Moderne aufzugreifen.
Gegen diese Gottesbeweise gibt es Gegenargumente, denn sie sind philosophische Versuche, den Glauben zu begründen. Gottesbeweise sind jedoch nur Glaubenden ein Beweis. Genauso: Gegenbeweise gegen Gott sind nur Atheisten ein Beweis, weil für Glaubende Gott real ist – und die Gottesbeweise eben nur Versuche sind, Gott mit dem Verstand zu erfassen. Gottesbeweise berücksichtigen auch immer die „Unfassbarkeit“ Gottes. Von daher geht die Kritik an ihnen („Sie sind ja keine naturwissenschaftlichen Beweise!“) immer ins Leere. Vielleicht ist die Bezeichnung „Gottesbeweis“ auch Schuld an dem Missverständnis.
Russell dreht die Beweislast um: Christen müssen Gott beweisen, nicht Atheisten müssen beweisen, dass es Gott nicht gibt. Entsprechend dreht er den Kausalitätsbeweis um: Wenn Gott, ohne verursacht zu sein, existieren kann, kann auch die Welt, ohne verursacht zu sein, existieren. Wenn die Welt ohne Ursache ist, dann ist also, wie schon traditionell gesagt wird, die Welt Gott, weil per Definitionem der unverursachte Beginn eben Gott ist. Es geht also auch bei Russel wieder um „Beweis“. Aber aus christlichem Verständnis ist Gott kein Objekt, das wissenschaftlich bewiesen wird, sondern er ist die Ursache und Grundlage allen Seins und steht somit außerhalb naturwissenschaftlicher Beweisbarkeit. Es geht um Beziehung, Vertrauen. An dem berühmten Beispiel: Wie will eine Mutter beweisen, dass sie ihr Kind liebt? Kann sie das? Nein, weil alles, was sie tut, uminterpretiert werden kann. Beziehungen sind an Handlungen erkennbar, aber sie bleiben immer Deutung, stehen außerhalb naturwissenschaftlicher Beweise. Russell geht von der Argumentations-Basis „Gott = Materie“ aus; Christen gehen von der Argumentations-Basis „Gotteserfahrung = Beziehung“ aus.
Den Religionen kommt es nicht auf Beweisbarkeit Gottes an, sondern auf das richtige Verhältnis zu den Gottheiten, denn die Gotteserfahrungen sind dominant. Christlicher Glaube: Glaube heißt „Vertrauen“ – „Vertrauen“ ist ein Beziehungswort. Christen vertrauen Gott aufgrund der Worte und Taten, die Jesus Christus gesprochen bzw. gewirkt hat und wirkt.
Nichtsdestotrotz reflektiert der christliche Glaube in der Theologie auch Gott, sie muss es tun, da sie über den Glauben an Gott kommunizieren muss. Jesus argumentiert, Paulus argumentiert… – durch die gesamte Kirchengeschichte hindurch wird argumentiert. In manchen Zeiten und Menschengruppen sind bestimmte Argumente einleuchtend, in anderen Zeiten und unter anderen Menschen wieder andere.
Atheismus 5: Evolutionärer Humanismus
Als Humanismus wird die Anschauung angesehen, die die Würde eines jeden Menschen betont, die Toleranz, Gleichheit, Gewissensfreiheit einfordert. Als Renaissance-Humanisten sind Erasmus von Rotterdam (um 1467-1536) und Petrarca (1304-1374) zu nennen, die aus christlicher Perspektive die Würde des Menschen hervorhoben. Den Begriff prägte der Philosoph und Theologe Friedrich Immanuel Niethammer (1766-1848). Ein ebenso berühmter Vertreter ist zum Beispiel Johann Gottfried Herder (1744-1803). Herder selbst war Pfarrer.
In Deutschland wurde dieser Begriff von Atheisten aufgenommen – und als Gegensatz zum Christentum angesehen. Sehr aktiv ist die Giordano-Bruno-Stiftung als Organisation, die sich dem evolutionären Humanismus verpflichtet weiß: Die Zehn Angebote des evolutionären Humanismus ( http://www.leitkultur-humanismus.de/manangebote.htm ) Weitere Gruppen: Humanistischer Verband, Humanistische Union, Internationaler Bund für Konfessionslose und Atheisten… Zu weiteren „Alternativen der 10 Gebote: https://de.wikipedia.org/wiki/Alternative_Zehn_Gebote
Humanisten unserer Zeit nehmen die Bezeichnung „Humanismus“ für ihre atheistische bzw. agnostische Weltanschauung in Beschlag. Um sie als Weltanschauung zu konzipieren, werden angenehme Menschen der Vergangenheit dem Humanismus integriert (z.B. Cicero †47 v. Chr.). Humanismus wird den Religionen entgegengesetzt – wobei freilich nicht ausgeschlossen wird, dass Humanismus auch in Religionen vorkommt. Evolutionärer Humanismus darf freilich nicht nur mit der Evolution der Natur verbunden werden. Denn der Natur ist der Mensch egal. Dieser Begriff steht freilich in der Tradition Darwins, weiterentwickelt vom ersten Generalsekretär der UNESCO (1946-1948), Julian Huxley (†1975) (er versuchte christlichen Glauben durch atheistische wissenschaftlich-humanistische Ethik zu ersetzen. Er wurde nach zwei Jahren abgesetzt, weil er die Eugenik in humanistischer Form befürwortete; sein Großvater Thomas Henry Huxley erfand das Wort „Agnostizismus“ und lehnte ebenfalls den christlichen Glauben ab). Es geht darum, dass der Mensch sich als biologisches Zufallsprodukt unabhängig von Religion bewusst ethisch und moralisch weiterentwickeln kann.
Giordano Bruno war eine sehr schillernde Person, die alle möglichen Menschen vor den Kopf gestoßen hatte. Er spekulierte über Gott und die Welt und wurde, nachdem die Inquisition ihn dem weltlichen Gericht ausgeliefert hatte, vom Herrscher der Stadt Rom 1600 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Er ist so eine Art Heiliger, eine Symbolfigur, ein Märtyrer der Wissenschaft. Obgleich er selbst kein Atheist war.
Es gibt jedoch auch den christlichen Humanismus (z.B. Jacques Maritain 1882-1973), der den Menschen als offenes Wesen betrachtet, als Person, die nicht allein biologisch bestimmt wird, sondern als Mensch auch in der Lage ist, Gott wahrzunehmen. Gott ist notwendig, denn wenn der Mensch nur Zufallsprodukt einer blinden Evolution ist, wie kann dann „Würde“ des Menschen begründet werden? Insgesamt steht der europäische Humanismus in christlicher Tradition (womit nicht gesagt sein soll, dass es nicht auch außerhalb des Christentums humane Menschen gibt. Es geht um „Humanismus“.)
Atheismus 6: Nationalsozialismus und Kommunismus als atheistische Systeme
Unbestritten ist, dass Kommunismus atheistisch dominiert wird. Die Vertreter halten mit ihrer atheistischen Weltanschauung nicht zurück, sie drückt sich auch in der Verfolgung von Glaubenden aus (um nur Lenin, Stalin, Mao, Pol Pot, Castro, die nordkoreanischen Kims zu nennen).
Umstrittener ist es, den Nationalsozialismus den atheistischen Systemen zuzuordnen, weil die Vertreter nicht unbedingt atheistisch orientiert waren (Kerrl = Protestant, der nationalsozialistisches „positives Christentum“ propagierte; Himmler = okkult – mit Interesse am Buddhismus (Sicht: Arier stammen aus dem Tibet usw.); Goebbels/Bormann = atheistisch-materialistisch; Rosenberg = germanische Religion als Ersatzreligion). Hitler, von Haus aus Katholik, berief sich immer auf die „Vorsehung“ – ein Begriff, den jeder nach seinen eigenen Wünschen interpretieren konnte –, er konnte auch sehr „fromme“ Wendungen in seine Reden einfügen. „Der Führer ist tief religiös, aber ganz antichristlich. Er sieht im Christentum ein Verfallssymptom…. Es ist eine Abzweigung jüdischer Rasse.“ (so Goebbels) Anhand der Tagebücher von Rosenberg und Goebbels wird deutlich, dass Hitler in den Kirchen Konkurrenten sah, die er zunächst gleichschalten wollte („Deutsche Christen“) – und weil das nicht ganz gelang, hatte er vor, sie nach dem Krieg ganz auszuschalten. Nichtsdestotrotz gab es viele (auch hochrangige) Kirchenvertreter, die den Nationalsozialismus nicht als atheistisches System erkannten – obgleich es immer auch solche Menschen gab, die Hitler und seine nationalsozialistischen Genossen durchschauten. Dass Hitler eher ein taktisches Verhältnis zu den Kirchen hatte, das sieht man daran, dass er Goebbels verbot, aus der Kirche auszutreten, um Christen nicht gegen sich aufzubringen. (Er benötigte sie, um seinen Krieg führen zu können.) Dass das Verhältnis zu den Christen politisch-taktisch war, kann auch an der Bezeichnung erkannt werden, die im Artikel 24 des NSDAP-Parteiprogramms verwendet wird: „Positives Christentum“. Mit dieser Bezeichnung wurde auf ein von Nationalsozialisten dominiertes Christentum hingewiesen, das sich vom traditionellen „negativen“ Christentum absetzte. Es löste also den Glauben vom Judentum, propagierte eine rassistische, nationale Form des Christentums. Mit dieser Bezeichnung wurden naive Christen vereinnahmt, die das nicht durchschaut hatten.
Während also der Kommunismus sich aggressiv gegen das Christentum wandte, versuchte der Nationalsozialismus den Kern christlichen Glaubens durch eigene religiös-säkulare Formen zu ersetzen.
Diese ideologischen Atheisten werden von manchen gegenwärtigen Atheisten den „Religiösen“ zugewiesen. Damit können sie leichter sagen, dass nur Religionen für Unmenschlichkeiten verantwortlich sind.
Atheismus 7: Glaube der Atheisten
Atheisten glauben, wenn sie nicht glauben, auch, sie glauben eben nur nicht an die Existenz Gottes. So wird manchmal gesagt. Aber: Das ist kein Glaube. Glaube im christlichen Sinn bedeutet: vertrauen – und man kann nicht der Nichtexistenz vertrauen.
Freilich haben Atheisten – je nach Strömung – auch ihren „Glauben“, setzen ihr Vertrauen auf etwas. So steht zu Beginn des Atheismus in der Neuzeit die Errichtung des Tempels der Göttin Vernunft. Nietzsche glaubt an den elitären Übermenschen, zu dem sich der Mensch selbst erschaffen kann, Feuerbach sieht auch die Macht des Menschen, der so groß ist, Gott erschaffen zu können – und nun selbst größer werden soll, indem er sich als Mensch wirklich erkennt und darum auch sich selbst als diesen Seienden erschafft.
Auch heute glauben so manche an den Menschen, sie vertrauen ihm, dass er den Glauben an Gottes Schöpfung ersetzen kann durch den Menschen und seine wissenschaftliche Schöpferkraft. Die heile Welt wird erschaffen – durch den Verstand, den arischen Stamm, der Arbeiterklasse, der Wissenschaft: Groß ist der Mensch – er nimmt seine Zukunft selbst in die Hand, er duldet keine Götter neben sich, er erkennt sich selbst als Gott, erkennt seine wahrhafte Größe. Er selbst stellt die Gebote auf, er definiert das, was Menschenwürde ist und wem diese zugesprochen wird. Die erste Schöpfungswoche dominierte Gott. Danach aber tritt ab der zweiten Woche der Mensch als Schöpfermacht auf (Sloterdijk).
Und dieser große, von sich selbst überzeugte Schöpfermensch hat nicht Satan, Teufel oder wie die bösen Mächte der Religionen noch heißen, als Gegenspieler, sondern die Religionen selbst sind die Bösen. Die Religionen, so der Vorwurf, versuchen den guten Menschen von seinem reinen Weg des Glaubens an den Menschen abzuhalten. Sie reden ihm ein, wie mickrig und sündig der Mensch ist, sie reden ihm ein, dass er den anderen bekämpfen soll – darum sein Streben: Schafft sie ab die Religionen, schafft die reine, religionslose Welt!
Aber dennoch weisen Untersuchungen darauf hin, dass das, was Religionen unter Aberglauben verstehen, in atheistischen Kreisen vielfach vorhanden ist, dass „spirituelle“ – also religiöse Ansätze vor allem asiatischer Herkunft ihnen Lebensbasis bieten. Bekannt ist auch, dass so manche an paranormale Phänomene glauben, an psychische Energien, Reinkarnation, Karma, übernatürliche Mächte usw. Manche setzen ihr Heil in die Technologie, die den Tod überwinden kann, manche in transhumanistische Überflüge (s. die Beiträge unter https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/transhumanismus/).
Manche berühmte Wissenschaftler standen im christlichen Glauben, haben diese oder jene Besonderheit, haben den christlichen Glauben mit allem Möglichen vermischt (Esoterik, Pantheismus, war Freimaurer usw.) und werden darum von Atheisten nicht mehr als Christen angesehen. Das hat auch extrem-religiöse Züge: der gehört zu uns – nicht zu euch. Denken, Glauben und Wissenschaft werden atheistisch-säkular vereinnahmt, um das eigene atheistische Weltbild mit berühmten Namen zu schmücken (geschieht auch zum Beispiel mit dem berühmten Komponisten Johann Sebastian Bach).
Vom Journalisten und Schriftsteller Chesterton (1874-1936) wird das Bonmot überliefert: „Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche.“
Aufgabe 1
Im Internet gibt es massive Angriffe gegen Religionen, vor allem gegen den christlichen Glauben. Eher nett sind die begeisterten Aussagen, dass Studien erwiesen hätten, was Atheisten sowieso glauben, Atheisten seien zudem intelligenter als Gläubige – natürlich gemessen an den eigenen Maßstäben. Schau einmal auf Youtube den einen oder anderen „gut“ aufgemachten Beitrag an. Sie sind nicht immer leicht zu widerlegen, wenn man ahnungslos ist. Es werden Argumente selektiv herangezogen, es wird aus dem Fehlen von historischen Beweisen geschlossen, dass alles Christliche unwahr ist (argumentum ex silentium), alte Mythen werden benutzt, um Vorläufer des christlichen Glaubens in kuriosen heidnischen Riten zu begründen. Es ist die Rhetorik spannend, das verquirlte Herumargumentieren mit kuriosen Ausgangsthesen, auf die dann ganze Argumentationsketten aufgebaut werden. Die Scheinlogik, die Nebelkerzen zu entdecken ist ebenfalls spannend. Es ist nicht leicht, wenn der Startfehler, also die fehlerhafte Basis, nicht durchschaut wird, sich dem rhetorischen Sog zu entziehen. Wer sich sowas einmal antun möchte, mag es tun – aber aufpassen, dass er sich nicht um den Finger kurioser Aussagen wickeln lässt.
Atheismus 8: Christen und Atheisten
Christen können dem Atheismus nur schwer etwas entgegensetzen, weil die Grundaussage ihres Glaubens lautet: Gott kann nicht bewiesen werden, weil der Mensch als Geschöpf nur Geschaffenes beweisen und von sich aus erkennen kann – und Gott ist kein Teil der Schöpfung. Der Mensch kann höchstens versuchen, der Handschrift Gottes in der Schöpfung nachzuspüren (Schönheit der Natur, die Ordnung, die Systeme, das Auge, die Zellen, mathematische Ordnung usw. – sie können nach heutigem Verständnis nicht aus sich selbst entstanden sein usw.). Aber grundsätzlich sagt der Glaube: Gott muss sich dem Menschen selbst offenbaren / zeigen. Damit macht er sich kritischem Denken jedoch angreifbar. Der Vorwurf liegt nah, dass diese Art zu denken nur eine Ausflucht ist. Was Christen tun können, das ist:
- darauf hinweisen, dass wir Menschen an unsere begrenzte Sprache und immanente Vorstellungskraft gebunden sind,
- dass es unterschiedliche Arten von „Beweise“ gibt (nicht nur mathematische Beweise, sondern auch juristisch bzw. historisch anerkannte Beweise, naturwissenschaftliche „theoretische“ Beweise usw.),
- dass der Mensch sich überfordert, wenn er nun meint, sich als Gott ansehen zu müssen, alles in die Hand nehmen und beherrschen zu müssen,
- im Sinne Jesu andere Lebensentwürfe bieten:
Nach weit verbreiteter christlicher Auffassung muss zwischen der Selbstoffenbarung Gottes und der daraus folgenden Religion unterschieden werden. Der Mensch macht aus dieser Selbstoffenbarung Gottes eine Religion, so sagt es zum Beispiel Karl Barth (1886-1968; „Dialektische Theologie“). Feuerbach und co. haben absolut recht, wenn sie diese Form der Religion kritisieren, dass der Mensch sich seine Götter macht. Kurioserweise machen sich aber gerade Atheisten wie unter Punkt 7. gesehen, ihre eigenen „Götter“ wenn sie sich vom christlichen Glauben abwenden. Götter, die sie emotional und danach rational das Leben bestimmen lassen. Gott korrigiert also diese Phantasien der Menschen.
Auch der Christ interpretiert die Selbstoffenbarung Gottes im Rahmen der allgemeinen religiösen Muster.
- Er betet – wie alle beten.
- Er hat Gefühle zu Gott – wie alle Gefühle zu Gott haben. Usw.
Wenn es richtig läuft, dann passt aber der Christ seine allgemeine Frömmigkeit den Vorgaben der Offenbarung Gottes an.
- Macht und Gewalt: So ist der Mensch allgemein bereit, auch seinen Glauben mit Waffengewalt zu verteidigen (wie Petrus, der mit dem Schwert die Gegner Jesu bekämpft) – die Korrektur durch Gottes Wille: Feindesliebe.
- Magie: So möchte der Mensch allgemein Gott durch stundenlange Gebete zu überreden versuchen – die Korrektur durch Jesus: Macht nicht viele Worte, euer Vater im Himmel weiß, was ihr braucht.
- Sucht nach Größe: So möchte der Mensch allgemein seinen Gott ganz groß und mächtig zeigen, möchte nicht wegen Gott leiden oder dass Gott leidet – die Korrektur: Jesus befiehlt dem Petrus, ihm nachzufolgen statt dem Leiden zu entfliehen; oder auch die Kindheitsgeschichten Jesu (Lukas 1f.; Matthäus 1f.) zeigen nicht wie allgemein üblich (Alexander, Augustus, Buddha, Mohammed) einen großartigen, wunderhaften Jungen, sondern Gottes Handeln wird besungen.
- Kult: So möchte der Mensch seine Nähe zu seinem Gott durch intensiven Kult zeigen – Gottesliebe äußert sich im christlichen Glauben nicht allein in der Pflege der Gottesbeziehung, sondern auch in der Nächstenliebe.
- Nutzendenken: So möchte der Mensch seinen Gott, seine Götter verlassen, wenn sie nicht zu seinem Nutzen handeln – Jesus sagt: Es geht um Gott, nicht um den eigenen Nutzen.
- Leistungsreligion: So möchte der Mensch von sich aus Gott nahe kommen durch allerlei religiöse und ethische Regeln und magischen Praktiken – Jesus sieht: Der Mensch muss das nicht tun, da Gott ihm als Vater schon nah ist: Er muss nur umkehren und zum Vater laufen.
- Widerstand gegen Gott: Jesus Christus will verkündigt werden – aber die Menschen können diese Botschaft nicht ertragen, sie leben im Widerspruch zur Botschaft. Von daher wird sich immer Widerstand gegen die Botschaft regen: Gott bricht von außen in die Menschenwelt, in der der Mensch, so er Macht hat und sich als Macher ansehen möchte, gerne allein sein will. Christen haben die Aufgabe, die Menschlichkeit Gottes im Alltag umzusetzen, damit lebendiges Zeugnis für Gott zu sein.
Widerstand gegen den christlichen Glauben ist kein modernes Phänomen, es ist im Grunde eine anthropologische Konstante.
Aufgaben 2:
Kannst Du die Aussagen nachvollziehen?
Was sich Christen wünschen:
* Menschen respektieren Menschen – wie man Gott respektiert.
* Menschen respektieren Gott – wie man Menschen respektiert.
Weitere Anreize zu Überlegungen:
- Kann man Gott nicht erst dann ablehnen, wenn man weiß, wer Gott ist? Lehnt man dann aber nicht Gott selbst ab, sondern nur das Bild, das man sich von Gott gemacht hat? Kann man sich überhaupt von Gott ein adäquates Bild machen? Lehnen wir nicht immer nur unsere Gottesbilder ab, wenn wir Gott ablehnen?
- Im Gegensatz dazu: Wenn wir Gott nicht ablehnen – lehnen wir nur den Gott nicht ab, von dem wir uns ein Bild gemacht haben, dem wir zustimmen können, das uns passt?
- Der christliche Glaube sagt: Einem Gott, wie er sich in seinem Volk und in Jesus Christus gezeigt hat, dem kann man als Mensch, der bei Sinnen ist, niemals zustimmen (Gott wird Mensch in einem Kaff am Rande der damaligen römischen Welt, Gott lässt Sünde zu, Gott stirbt in Jesus Christus am Kreuz). Ein solches Gottesbild ist irrational. So bleibt der Gott, der in Jesus Christus gehandelt hat, immer eine Provokation, eine Herausforderung, eine Überraschung, weil er sich nicht in ein religiöses Schublädchen stecken lässt, das man für ihn gezimmert hat. Das verbirgt sich auch hinter dem Verbot im Alten Testament, sich ein Bild von Gott zu machen. Gott ist ein Geheimnis. Aber muss man dann nicht sagen: Man weiß nicht, wer Gott ist? Welche Antwort hat das Christentum darauf? Genügt diese Antwort: Durch Jesus wissen wir, wie Gott uns Menschen einschätzt, dass er für uns Menschen ist?
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Literatur:
Diese Darlegung basiert auf eigene Recherchen, das Lesen der Bücher genannter Atheisten usw.
Für den Unterricht verwendbar:
Gottlos? Von Zweiflern und Religionskritikern, Herder Korrespondenz. Spezial, April 2014iteratur: Gottlos? Von Zweiflern und Religionskritikern, Herder Korrespondenz. Spezial, April 2014.