BEKENNTNISSE

Was sind Bekenntnisse des Glaubens?

  1. Sie fassen sachlich den Glauben zusammen.
  2. Sie dienen dem Zusammenhalt der Gruppe.
  3. Sie sind Interpretationshilfen für die Bibel.
  4. Man vergewissert sich des richtigen Glaubens.
  5. Sie dienen der Abgrenzung von anderen.
  6. Christen verstehen Bekenntnisse als Antwort des Menschen auf Gottes Anrede.

Gott sagt zum Menschen: Ich bin…

Der Mensch antwortet Gott: Er ist…

Du bist…

Aufgabe:

Zeichne einen Fisch im Wasser – mit vier Flossen und zwei Schwanzspitzen und schreibe in jedem dieser sechs Flossen/Schwanzspitze eine der Gründe von a bis f hinein. Lass den Fisch von Wasser umgeben sein, in dem er schwimmt. Der Fisch des Glaubensbekenntnisses schwimmt im Wasser: Gott Vater – Gott Sohn Jesus Christus – Gott Heiliger Geist.

Jüdisches Bekenntnis

Das wichtigste Bekenntnis des jüdischen Volkes, ist das Schma Israel (Sch´ma=Höre; Israel= Israel):

Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein.

Darum sollst du den Ewigen, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.

Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. Du sollst sie deinen Kindern erzählen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst. Du sollst sie als Zeichen um dein Handgelenk binden. Sie sollen als Merkzeichen auf deiner Stirn sein. Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Tore schreiben.

(Deuteronomium / 5. Buch Mose 6,4-9)

Das kleine geschichtliche Credo (Bekenntnis):

Dann sollst du anheben und sagen vor dem HERRN, deinem Gott: Mein Vater war ein Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab nach Ägypten und war dort ein Fremdling mit wenig Leuten und wurde dort ein großes, starkes und zahlreiches Volk. Aber die Ägypter behandelten uns schlecht und bedrückten uns und legten uns einen harten Dienst auf. Da schrieen wir zu dem HERRN, dem Gott unserer Väter. Und der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not und führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm und mit großem Schrecken, durch Zeichen und Wunder, und brachte uns an diese Stätte und gab uns dies Land, darin Milch und Honig fließt.

(Deuteronomium / 5. Buch Mose 26,5-9)

Was beinhalten die Texte? Sie beinhalten das Bekenntnis zu Gott, der Israel in der Geschichte begegnet ist, der in der Geschichte gegenwärtig ist, der das Schreien des Volkes hört und es führt – es führt durch große Nöte hindurch in das gelobte Land. Das Volk soll Gott lieben – ja, es darf Gott lieben, weil Gott es zulässt.

Christliches Bekenntnis

1. Anfänge

Die ersten Christen waren Juden-Christen. Sie lebten aus diesen genannten jüdischen Bekenntnissen heraus. Mit Jesus sahen sie Gott in der gegenwärtigen Geschichte befreiend wirken: Das folgende Bekenntnis ist wohl eines der ältesten christlichen Bekenntnisse:

Jesus ist Herr. (Röm 10,9)

Und der Apostel Paulus führt weiter aus:

Gott hat Jesus aus den Toten auferweckt.

Dieses einfache Bekenntnis wurde weiter ausgeführt. Paulus schreibt:

„Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.“ (1Kor 15)

Gott sandte den Menschen Jesus – und dieser Mensch wirkte befreiend, helfend, stärkend. Nach seiner Hinrichtung hat Gott ihn erhöht, führt Gott durch diesen Liebenden seine Herrschaft aus. Und so klingt auch eines der ältesten Lieder der Christen wie ein Bekenntnis:

Er, der in göttlicher Gestalt war,

hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

sondern entäußerte sich selbst

und nahm Knechtsgestalt an,

ward den Menschen gleich

und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

Er erniedrigte sich selbst

und ward gehorsam bis zum Tode,

ja zum Tode am Kreuz.

Darum hat ihn auch Gott erhöht

und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,

dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie,

die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,

und alle Zungen bekennen sollen,

dass Jesus Christus der Herr ist,

zur Ehre Gottes, des Vaters.

(Philipperbrief 2)

Bekenntnisse, in denen es allein um Jesus geht, sind so genannte eingliedrige Bekenntnisse. Bekenntnisse, in denen Gott Vater – Sohn – und Geist genannt werden, sind dreigliedrige Bekenntnisse; zweigliedrige Bekenntnisse nennen nur Gott und Jesus Christus:

… so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn. (1. Korintherbrief 8,6)

Diese Bekenntnisse dienten der Gemeinde dazu, sich ihres Glaubens zu vergewissern, den Kern ihres Glaubens zu formulieren.

Diese Bekenntnisse wurden dann im Lauf der Zeit erweitert, modifiziert, weil sich die Situation entsprechend geändert hatte.

Schon bald kamen Menschen in die Gemeinde, die sagten, dass Jesus so göttlich war, dass er nicht wirklich Mensch sein konnte. Dagegen formuliert Ignatius von Antiochien um 110 n. Chr. das Bekenntnis:

„Verstopfet daher eure Ohren, sobald euch einer Lehren bringt ohne Jesus Christus, der aus dem Geschlechte Davids, der aus Maria stammt, der wahrhaft geboren wurde, aß und trank, wahrhaft verfolgt wurde unter Pontius Pilatus, wahrhaft gekreuzigt wurde und starb vor den Augen derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind, der auch wahrhaft auferweckt wurde von den Toten, da ihn sein Vater auferweckte; denn nach diesem Vorbild wird uns, die wir ihm glauben, sein Vater auch so auferwecken in Christus Jesus, ohne den wir das wahre Leben nicht haben.“

(An Trallianer 9: Ü.: J.A. Fischer: Die Apostolischen Väter, München 1986/9)

Entsprechend wurden dann aufgrund der theologischen Abweichungen die Bekenntnisse immer ausgefeilter. Menschen, die getauft wurden, mussten ein Bekenntnis sprechen. So kennen wir ein altrömisches Taufbekenntnis aus dem Jahr 340, das in vielem unserem Apostolischen Glaubensbekenntnis nahe steht.

2. Weiterführungen: Das apostolische Glaubensbekenntnis und weitere Bekenntnisse

1 Ich glaube an Gott, den Vater,

den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

2 Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

3 empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

4 gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

5 hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

6 aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

7 von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

8 Ich glaube an den Heiligen Geist,

9 die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

10 Vergebung der Sünden,

11 Auferstehung der Toten

12 und das ewige Leben.

Das Apostolische Glaubensbekenntnis hat seinen Namen daher, dass man schon im 4. Jahrhundert glaubte, dass die 12 Apostel es zusammengetragen haben – sichtbar an den oben vorangestellten Zahlen. Apostel 1 sagt: Ich glaube an Gott… Apostel zwei führt weiter fort: Und an Jesus Christus… Apostel 3: empfangen… usw. Die ganz großen Bekenntnisse des Christentums sind Folgen theologischer Auseinandersetzung. So hat zum Beispiel Arius gesagt, dass Jesus nur ein Geschöpf war – zwar ein Besonderes, aber Geschöpf. Dagegen wendet sich das Konzil von Nicaea (325) und bekennt:

Wir glauben  … an einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Einziggeborenen, der aus dem Vater vor allen Zeiten gezeugt wurde, Licht aus Licht, wirklicher Gott aus wirklichem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, wesensgleich mit dem Vater, durch den alles geworden ist…

Ungefähr hundert Jahre später ging es um eine andere Frage: Ist Maria als Gottesgebärerin zu bezeichnen? Ist Jesus Gott und nicht Mensch? Dagegen findet das Konzil von Chalzedon die Formulierung (451):

…Jesus Christus ist vollkommen in seiner Gottheit und derselbe vollkommen in seiner Menschheit, derselbe wirklich Gott und wirklich Mensch… Er ist dem Vater wesensgleich nach der Gottheit und derselbe uns wesensgleich nach der Menschheit.

3. Lutherische Bekenntnisse

Ca. 1000 Jahre später gab es die große Auseinandersetzung zwischen den Protestanten und den Katholiken. Die Protestanten sahen sich genötigt, ihren Glauben zu formulieren; einmal, damit Katholiken sie nicht als Ungläubige bezeichnen können, dann aber auch, um sich klar zu werden: Was glauben wir eigentlich. Und diese Bekenntnisse mussten vielfach formuliert werden – wir finden sie in den so genannten „Bekenntnisschriften“ gesammelt. https://www.ekd.de/Augsburger-Bekenntnis-Confessio-Augustana-13450.htm

Kurzgefasst finden wir sie im Katechismus. https://www.ekd.de/Kleiner-Katechismus-11531.htm Dieser ist auch eine Art Bekenntnisschrift für die Menschen, die keine Zeit haben, sich intensiv mit Theologie zu befassen. Aus dem Katechismus ein Beispiel:

Der Glaube

DER ZWEITE ARTIKEL.

VON DER ERLÖSUNG

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Was ist das?

Ich glaube, daß Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; damit ich sein eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit.

Das ist gewißlich wahr.

4. Barmer Theologische Erklärung

Im Laufe der Zeit sind viele weitere Bekenntnisse formuliert worden. Das wichtigste Bekenntnis ist die Barmer Theologische Erklärung, die gegen die nationalsozialistische Ideologie formuliert wurde:

THESEN

1. Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh. 14, 6)

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden. (Joh 10,1.9)

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.

2. Durch Gott seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung. (1. Kor 1,30)

Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften.

Verbum Dei manet in aeternum.

Der vollständige Text: https://www.ekd.de/Barmer-Theologische-Erklarung-11292.htm

5. Schlussüberlegung

Furore macht in letzter Zeit nicht das christliche Bekenntnis, sondern das Bekenntnis, der vielfach als Schlachtruf verwendete Ausdruck der Muslime: Allahu Akbar: Allah ist größer. Als Schlachtruf kann man die christlichen Bekenntnisse nicht bezeichnen – wobei es immer mal Zeiten gab, in denen christliche Heere auch christliche Bekenntnisse formulierten: Gott mit uns; deus lo vult (Gott will es) ist auch eine Art Bekenntnis für die sogenannten Kreuzzüge, die militärischen Auseinandersetzungen mit den Muslimen geworden.

Aber stimmt die Aussage, dass das christliche Bekenntnis keine Furore macht?

Man nehme nur einmal die erste These der Barmer Theologischen Erklärung – wenn sie wirklich als Maßstab für die Kirchen dient, dann müssen sie überall anecken.

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“

Aufgabe: Ahnst Du, warum diese Formulierung überall anecken müsste?