Kirche lebt seit ihrem Beginn im Widerstand. Das darum, weil sie in der Nachfolge von Jesus Christus versucht, Gottes guten Willen mit den Menschen in der Welt durchzusetzen.
Es begann mit Jesus: Jesus versuchte die Menschen seiner jüdischen Religion mit Hilfe jüdischer Tradition davon zu überzeugen, dass Gott kein Gott ist, der auf Äußerlichkeiten achtet, sondern auf den inneren Menschen. Es kommt nicht darauf an, nach außen Gottes Gebote zu befolgen, sondern der Mensch muss sie aus einer neuen Gesinnung heraus einfach tun. Das geht nur, wenn er von innen heraus ein anderer Mensch wird. Die Gebote, denen Menschen seines Volkes folgen, sind keine Gebote, die andere ausgrenzen, sondern sie sollen der Einheit des Volkes dienen. Das heißt, dass diejenigen, über die sich viele Fromme erheben, als solche Menschen angesehen werden, die zum Volk gehören. Dazu gehört, dass der menschliche Umgang mit anderen als Maßstab für die Gebote angesehen wird. Dieser neue Maßstab rief Widerstand hervor.
Die alten Strukturen der Herrschaft werden aufgebrochen. Das galt nicht nur für die Strukturen der jüdischen Herrschaften, das galt auch für Strukturen der römischen Besatzungsmacht. Wer sich an Gott ausrichtet, hat einen anderen Maßstab als die Weltpolitiker. Aber der Widerstand, den Jesus lebt, läuft anders als der Widerstand, den die Welt bislang gekannt hat. Jesus unterläuft die Strukturen. Stichwörter sind zu nennen: Feindesliebegebot – das heißt, dem Feind Gutes tun. Und dem Feind übertrieben Gutes tun (die andere Wange hinhalten, wenn er schlägt), bedeutet nicht kuschen, sondern eine andere Strategie zu wählen, als die Welt sie bislang kannte. Gott zum Maßstab haben, bedeutet eben auch: Gebt Gott, was Gott gehört, gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört. Das heißt: Du als Mensch kannst entscheiden. Du gehörst auf keinem Fall dem Kaiser, du bist frei, du gehörst Gott. Der Mensch muss sich nicht als Verfügungsmasse dem Herrscher und den Herrschenden unterstellen. Totalitäre Systeme – auch religiöse – werden unterlaufen. Zudem befreite Jesus Menschen von Mächten, die ihn quälten, ihn beherrschten. Um das tun zu können, hat er ihnen machtvoll und vollmächtig Widerstand entgegengesetzt.
Und dieser Widerstand, der mit Jesus begann, prägte die Menschen der frühen Gemeinde. Wohin sie auch kamen in der Weltgeschichte, haben sie Menschen überzeugt – wurden aber auch von Menschen bekämpft. Es sei an Paulus erinnert, an die Jünger, die fast alle eines gewaltsamen Todes starben, zumindest in der Überlieferung. Das ging weiter über die verfolgten Glaubenden im Römischen Reich (1). Wohin Christen auch kamen: Es gab immer diese zwei Einstellungen: Aufnahme und Ablehnung; Anziehung und Abwehr. Beides gehört zum „Wesen des Christentums“. Ablehnung und Abwehr waren oft gnadenlos. Verbittert wurde gegen Christen gekämpft – auch innerkirchlich.
Auf diesen Seiten wurden die Kirchenväter (2) vorgestellt, die Reformation (3), ebenso die Diakonie / Caritas (4). Auch diese gehören zum Widerstand. Denn Widerstand bedeutet nicht nur, dass Menschen den politischen Strukturen eigene entgegenstellen. Widerstand bedeutet auch, wie an Jesus gesehen, den unmenschlichen Strukturen einer Gesellschaft die Menschlichkeit entgegenzustellen. Leidende nicht übersehen und übergehen, sondern sich für die einsetzen, die unterdrückt werden, deren Stimmen nicht gehört werden. Widerstand bedeutet auch, Menschen Bildung zukommen zu lassen, damit sie sich ihre eigenen Gedanken machen und nicht den herrschenden Strukturen samt ihren Manipulationen ausgeliefert sind. Der Maßstab ist der Wille Gottes, wie er in der Nachfolge Jesu durch neutestamentliche / biblische Schriften und dem Heiligen Geist offenbart wird. Und das weltweit. Denn der Mensch als Gottes Geschöpf liegt Gott am Herzen – Menschen aller Völker, Kulturen, Stämme. Neuzeitliche Auseinandersetzungen werden auf den folgenden Seiten umrissen.
Es wurde aber auch erkennbar, dass Kirche als Institution nicht immer identisch ist mit den einzelnen Christen, die sich manchmal anders als die Institution und gegen die Institution, den Menschen zugewendet haben. Es sei an die Arbeit in den Klöstern / Orden erinnert, an einzelne Menschen, deren Namen ehrfürchtig erwähnt werden, wie Elisabeth von Thüringen. Und so erkennen wir an folgenden Beispielen: Während die Institutionen sich eher anpassten, waren es Einzelne, die sich den unmenschlich herrschenden Strukturen entgegenstellten.
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(1) https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/kirche/christenverfolgung/
(2) https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/kirche/kirchenvaeter/
(3) https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/kirche/reformation/
(4) https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/kirche/diakonie-caritas/