EVANGELISCH – KATHOLISCH

1. Katholisch – evangelisch: Was uns eint

  1. Gott offenbarte sich in seinem Sohn Jesus Christus, in dem Menschen der die Liebe Gottes lebte, den Willen Gottes verkündete und für die Sünden der Menschen gestorben und auferstanden ist.
  2. Glaube an den Heiligen Geist, den wirksamen Gott in der Welt, der Glaubende dazu befähigt, Gott zu erkennen und seinen Willen zu tun.
  3. Trinität sagt: Gott Vater – Gott Sohn – Gott Geist sind in Unterschiedenheit eine Einheit.
  4. Die Bibel ist Gottes Wort, es gibt allerdings einen Unterschied in der Anzahl der Schriften.
  5. Getauft wird auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die beiden Kirchen erkennen die Taufe der jeweils anderen an.
  6. Gott liebt den Menschen, vergibt die Schuld, nimmt den Menschen an ohne Vorleistungen, allein aus Gnade. Wer kommt, wird aufgenommen. Das galt lange Zeit als trennender Punkt – ist es aber nicht mehr.
  7. Der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus ist im Abendmahl gegenwärtig (wobei es in der Deutung konfessionelle Unterschiede gibt).
  8. Gott schenkt Glaubenden ewiges Leben.
  9. Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Glaubensbekenntnis von Nizäa (325) und von Konstantinopel (381) werden von beiden Kirchen anerkannt.
  10. Festtage (Advent, Weihnachten, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Erntedank) sind gemeinsam.
  11. Gemeinsame Gebete und Lieder werden gebetet und gesungen.
  12. Sozialer Einsatz für die Welt (Diakonie, Caritas, Misereor, Brot für die Welt usw.) bestimmt unser Handeln aus Glauben.

2. Katholisch-evangelisch: Was uns unterscheidet

a) Amtsverständnis 

In der evangelischen Kirche wird der Pfarrer nicht geweiht, sondern ordiniert. In der katholischen Kirche wird er geweiht. Das heißt: Nach katholischem Verständnis hat der Priester eine große „Heiligkeit“ (eine sakramentale Vollmacht, die auch mit der Apostolischen Sukzession zusammenhängt, das heißt mit der ununterbrochenen Weitergabe der Vollmacht von den Apostel bis in die Gegenwart). In der evangelischen Kirche wird er von der Gemeinde gewählt und für den besonderen Dienst legitimiert. Kirchenleitung geht in der evangelischen Kirche von unten nach oben: Priestertum aller Gläubigen, die aus sich heraus einen be-gabten Menschen wählen – bis hin zur Kirchenleitung wird gewählt. Allerdings ist das Vikariat Voraussetzung – und im Grunde entscheidet die Kirchenleitung, aber die Gemeinde hat Mitspracherecht.

In der Katholischen Kirche geht es von oben nach unten: Der Papst wird zwar von Kardinälen gewählt, der Papst bestimmt aber Kardinäle, die wiederum die Bischöfe usw. (Das wird freilich nicht als ein demokratischer oder autoritärer Akt verstanden, sondern durch die Kardinäle handelt Gott in seinem Geist.) Der Papst wird als Stellvertreter Christi auf Erden angesehen – in der Amtsnachfolge des Apostels Petrus – zur Einheit der Kirche. Die Besonderheit des Priesters wird auch darin deutlich, dass er anders als der Pfarrer nicht heiraten darf (Zölibat), dass nur er die Eucharistie / Abendmahl austeilen darf. Von hier aus gesehen sieht sich die römisch-katholische Kirche als die einzige Kirche an. In anderen Konfessionen gibt es auch Elemente der Kirche. Evangelische Christen sind somit nicht gleichberechtigt.

b) Eucharistie / Abendmahl

Die Eucharistie ist ein Dankopfer-Mahl. Durch die Einsetzungsworte wandeln sich Brot und Wein in das Blut und den Leib Jesu (Transsubstantiation durch die Konsekration – in der durch Weihung von Brot und Wein diese zu Leib und Blut Christi werden). Somit ist der auferstandene (!) Jesus Christus körperlich in der Messe anwesend. Da es sich um den auferstandenen Jesus handelt, ist er also nicht körperlich als Mensch anwesend. Die Eucharistie wird sonntäglich gefeiert.

In den protestantischen Kirchen ist Christus selbst der Gastgeber. Aber sie unterscheiden sich. In der lutherisch-evangelischen Kirche wandeln sich Brot und Wein durch den Heiligen Geist zum österlichen Leib und Blut – also des auferstandenen – Jesus Christus (Realpräsenz).

In der evangelisch-reformierten Kirche sind Brot und Wein symbolisch Leib und Blut Christi. Es handelt sich um eine geistlich-reale Gemeinschaft mit Christus.

Wegen der unterschiedlichen Deutung dürfen in der katholischen Kirche grundsätzlich nur Katholiken an der Eucharistiefeier teilnehmen (Notfälle und seelsorgerliche Fälle werden rechtlich manchmal berücksichtigt). Das evangelische Abendmahl ist aus Sicht der Katholiken keine gleichwertige Eucharistiefeier, denn dort ist Jesus Christus nicht in ihrem Sinn körperlich anwesend, weil der Pfarrer kein Priester im Sinne der katholischen Kirche ist. In den protestantischen Kirchen wird nicht an jedem Tag bzw. Sonntag Abendmahl gefeiert, im Mittelpunkt steht die Lehre / Predigt, die Gemeinschaft der Menschen untereinander mit Jesus Christus, darum geben sich die Gemeindeglieder sich bei vielen Abendmahlsfeiern die Hand.

c) Sakramente

Katholische wie orthodoxe Kirche kennen sieben Sakramente (Geheimnisse / Mysterien der Gegenwart Gottes; Zeichen für die Begegnung von Mensch und Gott; sie prägen den Menschen unwiederrufbar): Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Weihe, Ehe. Daneben gibt es Sakramentalien, z.B. Kreuzzeichen, Weihwasser, Aschekreuz (Aschermittwoch), Fußwaschung (Gründonnerstag) usw. Die evangelische Kirche erkennt nur zwei/drei Sakramente an: Taufe und Abendmahl. Die Buße als drittes Sakrament ist im Laufe der Zeit weggefallen, weil das Element fehlt. Sakramente bestehen aus zwei Kriterien: Ein Einsetzungswort Jesu verbunden mit einem Zeichen / Element (Wasser, Wein / Brot). Weil die Ehe für Katholiken ein Sakrament ist, in der also Gottes Verhältnis zum Menschen abgebildet wird, kann die Ehe nicht getrennt werden. Anders im evangelischen Bereich, weil die Ehe allein als Verbindung zweier Menschen gesehen wird, kann sie auch getrennt werden.

d) Maria / Heilige

In der evangelischen Kirche werden die Mutter Jesu, Maria, und Heilige (je nachdem) geachtet – aber nicht in dem Maße verehrt wie in der katholischen Kirche. Das hängt mit dem jeweiligen Kirchenverständnis zusammen. Kirche ist für die katholische Kirche die Gemeinschaft der Heiligen – das heißt aller Christen, die sind, die waren und die sein werden. Und das weltweit. Unter den verstorbenen Christen gibt es solche, die besonderen Zugang zu Gott haben. Dazu gehören Maria (Himmelskönigin) und die Heiligen. Die Heiligen sind eine besondere Möglichkeit, Zugang zu Gott zu finden, denn sie sind Menschen, die einfach nur ein Stück weiter sind als die jetzt Lebenden. Für evangelische Christen spielt diese umfassende Sicht nicht unbedingt eine Rolle. Kirche bilden diejenigen, die jetzt glauben. Verstorbene werden zwar auch in dieses Denken einbezogen, aber nur am Rande. Für Evangelische sind alle „Heilige“, alle, die an Jesus Christus glauben und ihm folgen. Sie wenden sich im Gebet an ihn – ohne Mittler. Aufgrund der intensiven Verehrung der Maria gibt es in der Katholischen Kirche Feiertage, ihr zu Ehre, und so genannte Mariendogmen. Es wird nicht zu den Heiligen gebetet im Sinne der Anbetung, sondern sie werden als Fürsprecher angeredet. Sie beten mit dem Beter zu Gott.

e) Bibel

Die Bibel ist für evangelische Christen selbstredend. Wer sie als ernsthafter Christ liest, versteht sie mit Hilfe des Heiligen Geistes. Für die katholische Kirche sind die Interpretationen der Bibel durch Kirchenväter, durch Konzilien, das Lehramt (z.B. Papst) wesentlich, um die Bibel richtig zu verstehen. Zudem haben die Katholiken ein umfangreicheres Altes Testament als die Protestanten, denn die Grundlage der Katholiken ist die griechische Bibel (LXX = Septuaginta), die ins Latein übersetzt wurde (Vulgata). Die Grundlage der evangelischen Bibel ist die hebräische Sammlung alttestamentlicher Schriften (Hebraica). In der Moderne meinen manche Bibelwissenschaftler, dass zum verstehen der Bibel historische Wissen unabdingbar ist. Aber das ist theologisch so nicht zu begründen, denn der Heilige Geist lässt die Bibel zu mir sprechen. Es kann auch mit Hilfe der historischen Forschung sein. Aber der Heilige Geist ist dominant, nicht die Erkenntnisse der Wissenschaft als solche.

f) Kirchen-Gebäude

Die Kirchen als Gebäude haben charakteristische Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Unterschiede einer katholischen Kirche im Vergleich mit einer evangelischen Kirche sind zum Beispiel: Weihwasserbecken, Marienstatue, Leidensweg Jesu, Beichtstühle, ewiges Licht, Sakramentshäuschen, Reliquien, Weihrauch, Gewänder, Glöckchen). Wesentlich ist in evangelischen Kirchen das Gehörte (Predigt, Lieder, Bibelwort). In der katholischen Kirche spielen die anderen Sinne eine ebenso große Rolle: Sehen (Bilder), riechen (Weihrauch), spüren (Weihwasser/Kreuzzeichen/Rosenkranz).

3. Versuch einer Annäherung

Die Konfessionen erkennen Gemeinsamkeiten und Trennendes. Das Trennende wird von manchen als sehr schmerzhaft erfahren, denn Kirche sollte eine Einheit sein. Und so gibt es Ökumenische Gespräche – also Gespräche zwischen der Katholisch, Orthodoxen und Evangelischen Kirche. Zu manchen Zeiten kommen sie einander schneller näher, zu manchen Zeiten gehen sie wieder ein wenig auseinander. Aber es ist bedeutsam, einander nicht auszuschließen, sondern miteinander zu sprechen. Zur Ökumene gibt es einen eigenen Abschnitt.