In den Evangelien spielt das Leiden eine große Rolle. Einmal das Leiden der Menschen, dann das Leiden von Jesus Christus selbst.
1. Jesus bekämpft Leiden
Jesus bekämpft das Leiden von Menschen, indem er sich ihnen zuwendet, sie von Krankheiten befreit, von Zwängen, aber auch von sozialer Isolierung, die mit Schuld einhergeht. Menschen, die an ihre Vergangenheit gefesselt werden, nicht durch Vergebung befreit werden, leiden. Menschen, die nicht bereit sind zu vergeben, auch sie leiden, gefesselt von der Vergangenheit.
Wenn Jesus sich so sehr um Leidende kümmert, bedeutet das: er leidet mit ihnen. Er hat einen sehr sensiblen Blick für Menschen, für dass, was ihnen Leiden zufügt. Es sind nicht nur die Krankheiten und Behinderungen. Es geht auch um die seelischen Leiden, aber auch um die Leiden, die durch ein unrechtes Gesetzessystem Menschen knechtet. Kurz: Er wendet sich umfassend dem Thema Leiden zu. Was er erstaunlicherweise nicht macht, zumindest lassen die Evangelien das nicht erkennen: Er hat nicht die Besatzungsmacht im Blick und das durch sie hervorgerufene Leiden, er spricht auch nicht über das Thema Sklaverei und das Leiden der Schöpfung wird erst vom Apostel Paulus angesprochen. Aber es ist zu vermuten, weil er durch Jesus Christus auch dafür sensibilisiert wurde.
In diesem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, dass Jesus nur etwa 1-3 Jahre lang gewirkt hat. In dieser Zeit ist das, was ein Mensch an Umwälzendes ansprechen kann, nur begrenzt gegeben, Menschen müssen sich auf bestimmte Dinge konzentrieren. Im Vergleich zu Mohammed (22-23 Jahre) und Siddharta Gautama (Buddha; über 45 Jahre), die über Jahre ihre Botschaft entfalten und systematisieren konnten, ist das wirklich kurz.
Wenn von Passionsgeschichten gesprochen wird, dann sind die Teile der Evangelien im Blick, die den Leidensweg Jesu beschreiben. Diese seien hier knapp dargestellt.
2. Leiden Jesu: Synoptische Evangelien
Im Grunde fängt das Leiden bei Matthäus nicht erst damit an, dass Jesus Christus festgenommen wird, sondern damit, dass der gerade geborene Säugling von seinen Eltern vor dem Gewaltherrscher geschützt werden muss, und sie fliehen müssen. Oder im Lukasevangelium wird im Kontext der Geburtsgeschichten von einem Mann, der durch den Geist Gottes sprach, gesagt, er habe zu Maria, der Mutter des Säuglings, gesagt, dass er ein Zeichen sei, dem viele widersprechen und: „auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen“ (2,34f.).
Eine Grundlage der synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas) ist das Markusevangelium. Dieses Evangelium greifen die beiden anderen intensiv auf. So auch mit Blick auf das Thema Leiden. Die Gegner Jesu versuchen von Anfang an, ihn in ihre Gewalt zu bringen. Und zwar Gegner über ihre religiösen und politischen Grenzen hinweg (Mk 3,6). Jesus hilft Menschen – die Gegner beraten seinen Untergang. Jesus predigt Gottes Wort – die Gegner sind aufgebracht und wollen ihn steinigen (Mk 6). Jesus diskutiert mit ihnen über das Thema wahre Reinheit, eine Reinheit des Herzens, nicht äußere Waschungen – und er flieht in heidnisches Gebiet (Mk 7). Ab einem bestimmten Zeitpunkt berichtet Markus, dass Jesus seine Jünger dreimal auf seine Hinrichtung und auf die Auferstehung vorbereitet (Mk 8,31-33; 9,30-32; 10,32-34). In Markus 10,45 spricht Jesus zu den Jüngern in dem Kontext vom Herrschen und vom Dienen kurz bevor er Jerusalem betritt ein für die Jünger rätselhaftes Wort:
„Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“
In diesem Rahmen finden sich Texte, die die schmerzhafte Zukunft dringender machen. In einem Gleichnis (von den bösen Weinbergpächtern; Mk 12) wird direkt das Thema in der Auseinandersetzung mit den Gegnern angesprochen. Schon vor Markus 14 wird mit Hinweis auf Tage bis zur Hinrichtung alles zusammengedrängt, bis dann von Stunde zu Stunde das Leiden und Sterben Jesu sehr intensiv beschrieben wird. Die Gegner planen, ihn zu töten, er wird zum Tod gesalbt, es findet sich ein Verräter, das letzte Abendmahl, in dem Jesus den Jüngern erklärt, warum sein Leib und sein Blut hingegeben wird (der neue Bund), sein verzweifeltes Beten vor der Gefangennahme, die Gefangennahme, die Gerichtsverhandlungen, die Folterungen, dann ab 15,20 die Stunden bis zur Kreuzigung, die Kreuzigung und sein Sterben.
Dieses Schema wird von Matthäus und Lukas übernommen. Hier und da finden wir Ergänzungen, hier und da finden wir Änderungen. Die wichtigsten Änderungen sind die Worte Jesu am Kreuz, die auf einer eigenen Seite vertieft werden. Aber hier sei darauf hingewiesen, dass es schwer ist, historisch-kritisch zu sagen, welches wirklich die letzten Wörter von Jesus Christus gewesen sind. Dazu gleich unten mehr. Abweichungen gibt es zum Beispiel im Zusammenhang des Gebets Jesu in Gethsemane, der Festnahme von Jesus, auf dem Weg zur Kreuzigung, die Menschen, die bei der Kreuzigung direkt dabei sind. Was aber allen gemeinsam ist: der Kern. Jesus Christus wird festgenommen, vor „Gericht“ gestellt, gefoltert und am Kreuz hingerichtet.
3. Leiden Jesu: Johannesevangelium
Das Johannesevangelium weicht in vielem ab, aber auch hier bleibt der Kern erhalten. Auch im Johannesevangelium finden wir zu Beginn den Hinweis auf sein Sterben, aber in der für Johannes typischen Form. Er verwendet die Gattung Wunder, um die Hinrichtung anzudeuten (Joh 2): Das Wunder vom Verwandeln des Wassers in Wein. Wein wird als Metapher für Blut verwendet und Jesus sagt: Meine Stunde – also die der Hinrichtung – ist jetzt noch nicht gekommen. „Die Stunde“ ist ein Schlüsselbegriff im Johannesevangelium. Aber auch schon vorher wird gesagt, dass Jesus in seine Schöpfung gekommen ist, aber er nicht aufgenommen wurde, Johannes der Täufer bezeichnet Jesus als „das Lamm Gottes“. Die große Brotrede (Joh 6,22-59) wird von dem Thema Sterben und Tod und Hingabe bestimmt. Als Jesus sagt: „Mein Fleisch ist die wahre Speise, mein Blut ist der wahre Trank“ zum (ewigen) Leben, verstehen Christen darunter das Abendmahl. Aber die Menschen, die nichts verstehen, verlassen Jesus aufgrund dieser Aussagen. Auch hier spitzen sich die Auseinandersetzungen zu, wie auch die Versuche der Gegner, Jesus in die Hände zu bekommen. Ausführlich wird die Diskussion der Gegner geschildert, wie sie Jesus überwältigen können.
Bevor Jesus festgenommen wird, überliefert Johannes große Reden, die das erklären, was passieren wird, es sind auch Trostreden. Diese ausführlichen Abschiedsreden unterscheiden das Evangelium von der Passionsgeschichte der Synoptiker. Aber wir finden in diesem Evangelium auch den eindrücklichen Bericht von der Fußwaschung. Was in den Evangelien gesagt wurde: Der Menschensohn ist gekommen, um zu dienen (s. das Zitat oben), wird hier ausgeführt: Als Zeichen des Dienstes wäscht Jesus den Jüngern die Füße. Er tut, was Sklaven taten. Bevor Jesus mit den Jüngern aufbricht, um in den Garten Gethsemane zu gehen, betet er für die Jünger, die Glaubenden, die kommende Gemeinde. Das Gethsemanegebet wird weggelassen (allerdings kurz darauf hingewiesen: 12,27-28), es folgt sofort die Festnahme. Und dann auch hier mit kleinen Abweichungen wird über die Gerichtsverhandlung berichtet, von den Folterungen, von der Hinrichtung. Am Johannesevangelium ist auch auffällig, dass er eine andere Tages- und Stundenangabe hat. Bei den Synoptikern handelt es sich mit dem letzten Mahl um ein Passamahl. Bei Johannes findet das letzte Mahl vor dem Passamahl statt und Jesus wird hingerichtet, während die Passalämmer geschlachtet werden. Damit führt er eine theologische Zeitrechnung ein: Um Jesus als wahres Passalamm darzustellen. Markus berichtet, dass Jesus in der 6. Stunde des Tages gestorben ist (also: um 12:00 Uhr), Johannes berichtet, dass Jesus in der 6. Stunde erst ausgeliefert wird. Anders als die Synoptiker fügt er weitere „Beobachtungen“ ein, die Du in einem Vergleich mit den Synoptikern selbst erarbeiten kannst.
Der zentrale Satz, das „Mini-Evangelium“ wurde noch nicht genannt. Er steht im Johannesevangelium 3,14-16 und greift auf eine Moses-Geschichte zurück. In dieser wurde während einer Schlangenplage ein eiserner Stab aufgerichtet mit einer eisernen Schlange daran. Wer diesen anschaute, starb nicht. Darauf nimmt der Text Bezug:
14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,
15 auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.
16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.
„Liebe“ / Agape bedeutet in den Evangelien nicht einfach ein Gefühl. Liebe bedeutet eine Tat, die anderen hilft. Gott hat nicht nur ein Liebesgefühl für die Menschen, was ja schon sonderbar wäre, sondern seine Liebe wird in Jesus Christus und seinem Kreuzestod Tat zum Wohl, zur Rettung des Menschen. So geht Gott, um den Menschen zu retten, in die schmerzhafteste Isolation und gibt sein Leben hin. Gottes Liebe ist kein theologisches Konzept, keine Idee, sondern Tat. Und so gründet Johannes die Sakramente (das Abendmahl / die Eucharistie und die Taufe) in dem Lanzenstoß: der gekreuzigte Jesus bekommt einen Lanzenstich ins Herz, heraus kommt, so Johannes Wasser und Blut. Das heißt: Taufe und Abendmahl haben ihre „Quelle“ in Jesus Christus. Damit ist das, was in Joh 4 gesagt wird, vertieft: Jesus Christus ist die Quelle des Lebens.
4. Worte Jesu am Kreuz
In dem Abschnitt über Jesu sieben Worte am Kreuz habe ich weniger historisch kritisch die letzten Worte Jesu dargelegt, sondern in ihrer Bedeutung für die Menschen, also ihre Wirkung.
4.1 Das älteste Evangelium, also Markus überliefert als letztes Wort Jesu:
„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Mk 15,34; Mt 27,46 – Psalm 22)
Es stellt sich die Frage, ob das das letzte Wort Jesu gewesen ist und wie es verstanden worden sein könnte. Einmal ist dieser Verlassenheitsruf ein Zitat aus dem Psalm 22. Der Sohn Gottes stirbt, und das ist nicht nur für die Antike, ein äußerst peinliches Sterben. Helden sterben mit berühmten Worten, aber nicht so erbärmlich. In jüdischer Tradition kommt aber den Hörern dieses Wortes der gesamte Psalm 22 in den Sinn und der schließt sehr versöhnlich. Die Frage stellt sich also: Wenn Jesus das schreit – dürfen Hörer den gesamten Psalm 22 mithören? Aber unabhängig davon: Das Markusevangelium stellt Jesus immer stärker als Verlassenen dar: von den Menschen verlassen, von den Jüngern verlassen – und von Gott verlassen. Lag das in der Intention des Markus? Wagt Markus als Autor, der für griechisch sprechende Menschen sein Evangelium schreibt, so ein letztes Wort Jesu zu erfinden?
Matthäus als Judenchrist übernimmt die Version des Markus.
4.2 Lukas überliefert ganz andere Wörter:
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk 23,34)
„Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43)
„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ (Lk 23,46 – Psalm 31,5f.)
- Wie die Apostelgeschichte zeigt, haben wir in den letzten Worten des Stephanus, bevor er durch Steinigung stirbt, ein Echo: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! und: Herr, rechne ihnen die Sünde nicht an! Wie der Herr stirbt, sterben auch seine Zeugen.
- Lukas hat den Helden im antiken Sinn besser dastehen lassen. Und das ist spannend: Der Schandtot am Kreuz blieb, aber die Worte waren ehrenhaft, waren eine Zusammenfassung der Lehre und des Handelns Jesu: Vergebung und Gottvertrauen. Wobei das Wort von der Vergebung handschriftlich nicht so gut als ursprünglich von Lukas wiedergegebenes Wort bezeugt ist.
- Und das Wort an den Mitverurteilten: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein, widerspricht im Grunde der Sicht des Lukas, denn die Himmelfahrt erfolgt erst noch.
- Hat also Lukas ältere Überlieferungen aufgegriffen, die er passender fand als die Version des Markusevangeliums? Oder hat Markus die Worte mit Blick auf das Verlassensein geändert, weil es besser in sein Evangelium und als Botschaft in Zeiten des Krieges der Römer gegen Israel passte? (Jüdischer Krieg: 66-70.) Jesus kennt eure Not in zeiten des Krieges – er selbst hat die Dunkelheit erlitten.
4.3 Johannes geht wiederum eigene Wege:
„Frau, siehe, dein Sohn!“ und: „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,26-27)
„Mich dürstet.“ (Joh 19,28 – Psalm 69,22)
„Es ist vollbracht.“ (Joh 19,30)
- Ob der erste Satz historisch ist oder nicht, kann diskutiert werden. Bekannt ist in der frühen Christenheit, dass Johannes mit Maria nach Ephesus gegangen ist. Wieweit diese Tatsache diesen Satz hervorgerufen hat oder umgekehrt, der Satz eine entsprechende Legende hervorgerufen hat, wird diskutiert. Dass Gekreuzigte noch Angelegenheiten regelten, ist vielfach in der Antike bezeugt. Dieser Satz wird auch vielfach übertragen interpretiert als Gemeinschaft von Maria = Israel und „Lieblingsjünger“ Johannes.
- Im Markusevangelium wird rätselhaft gesagt, dass Jesus von einem Soldaten Essig bekommen hat. Am Johannesevangelium wird deutlich, warum er mit dem Essig kam, weil Jesus gerufen hat, dass er durstig ist. Und damit wird dann auch Psalm 69 erfüllt. So werden auch Jesus nicht die Beine gebrochen, damit er schneller stirbt, denn es durften Passalämmer keine Beine gebrochen werden. Anders gesagt:
- Das Johannesevangelium zeigt mit seiner Passionsgeschichte, dass Jesus das Erlösungswerk vollbringt, damit Menschen in ihrem Leben und im Tod gerettet werden. Und das hat er mit seinem Leiden uns Sterben getan, darum lautet sein letztes Wort: „Es ist vollbracht“.
Auch er zeigt also, dass Jesus mit den Worten auf den Lippen gestorben ist, die sein Wirken zusammenfassen. Er fördert die Gemeinschaft, er vollbringt das, wozu er als Logos (siehe Johannes 1) auf die Welt gekommen ist, um die Seinen zu erlösen.
5. Zusammenfassung und Ausblick
Wer gegen das Leiden vorgeht, das zeigt Jesus, eckt an, er ist mutig, er ist nicht passiv, er lässt sich nicht einschüchtern. Er gerät in den Blick mächtiger Menschen und den Handlangern mächtiger Strukturen. Das mit Blick auf Jesus vor allem auch dann, wenn er vollmächtig im Namen Gottes handelt und redet.
Was immer wieder erstaunt: Jesus tat nur Gutes – und musste dennoch so leiden? Er hat den Menschen Hoffnung gegeben, er hat sie die Bedeutung von Gemeinschaft gelehrt – und sich auch entsprechend sozial, Gemeinschaft fördernd verhalten. Wie konnte es sein, dass dieser Mensch hingerichtet wurde? Diese Frage stellten sich auch die Menschen nach der Hinrichtung und der Auferstehung Jesu. Die Antworten habe ich in einem eigenen Abschnitt vertieft.
Jesus hat die Menschen ungemein angeregt. Er hat gelehrt, dass die Menschen in ihrem Leben, in ihrer Zeit so angesprochen werden müssen, dass sie verstehen, dass sie Hoffnung bekommen und sich anderen Menschen zuwenden. Das ist Gottes Wille und Auftrag. Aus dieser Perspektive ist es vielleicht auch verständlich, dass es unterschiedliche „letzte Worte“ Jesu gibt. Und die Kirchengeschichte zeigt, dass der Heilige Geist durch all diese Worte Menschen unterstützt. Historisch-kritisch kann man fragen, wie oben, was hat Jesus wirklich gesagt? Und das ist auch wichtig, wenn wir den Menschen Jesus erfassen wollen. Jesus war eine historisch relevante Person, wenn wir sie ernst nehmen, dann muss auch danach geschaut werden, was hat er wirklich gesagt, gemeint, wie hat er die Welt gesehen. Er war keine Phantasiegestalt, über die alles mögliche gesagt und geschrieben werden kann. Aber für Glaubende ist relevant, was der auferstandene Jesus Christus durch seinen Geist den Menschen sagt. Und so wurden alle Aussagen wichtig:
- den Glaubenden und auf dem Weg zum Glauben gehenden Menschen, dass sie wissen, Jesus ist den Weg gegangen, um sie zu erlösen, zu befreien;
- Menschen, die Christus nachfolgen wissen, dass sie nicht in Angst sterben müssen, sondern sich vertrauensvoll in Gottes Hand legen können;
- das gilt auch für die Menschen, die durch einen gewaltsamen Tod bedroht werden;
- den Verlassenen und Einsamen, dass sie in ihrer dunkelsten Zeit wissen: Jesus Christus kennt mein Leid, er ist anwesend;
- den Leidenden und Sterbenden, dass sie darin nicht allein sind, sondern im Leben bei Gott Vollendung finden;
- Gott steht uneingeschränkt auf der Seite derer, die um seines Namens Willen drangsaliert, verfolgt, gefoltert und getötet werden. Menschen die leiden denken manchmal: Sie machen etwas falsch oder Gott straft sie oder sehen sich sonst als schuldig an. An dem Tod Jesu wird dazu klar gesagt: Nein, du gehörst zu Gott!
Die Ursache des Leidens Jesu spielt in den letzten Worten keine Rolle. Was wichtig ist, sind die Frage nach der Bewältigung des Leidens Jesu. Und damit wird das aufgegriffen, was Jesus sagte und tat: er fragte nicht, warum die Menschen leiden, sondern er reagierte darauf, indem er ihnen half, das Leben zu bewältigen, indem er ihnen das Leiden nahm.
Aufgaben 1:
1. Fasse die Unterschiede der letzten Worte Jesu, wie sie die Evangelien wiedergeben, zusammen.
2. Stelle mit Hilfe des Textes die Ursache für das Leiden dar und wie Jesus bzw. die Evangelien darauf reagieren, um das Leiden zu bewältigen.
3. Erläutere welche unterschiedlichen theologischen Absichten (oder „Bilder“ / „Vorstellungen“ von Jesus) die Evangelisten bzw. ihre Tradition mit den jeweiligen „letzten Worten“ Jesu verbunden haben.
4. Im Text wird die These vertreten, dass es nicht so wichtig sei, historisch zu erfassen, was Jesus wirklich gesagt hat, sondern dass es wichtiger sei, was die Aussagen für den Glaubenden bedeuten. Nimm zu diesem Ansatz Stellung: Ist für den christlichen Glauben heute überhaupt noch wichtig, was der Mensch Jesus wirklich gesagt hat, oder zählt allein der Glaube? Wäge verschiedene Argumente ab und begründe Dein Urteil.
5. Unter 5.6 wurde gesagt: „Gott steht uneingeschränkt auf der Seite derer, die um seines Namens Willen drangsaliert, verfolgt, gefoltert und getötet werden. Menschen die leiden denken manchmal: Sie machen etwas falsch oder Gott straft sie oder sehen sich sonst als schuldig an. An dem Tod Jesu wird dazu klar gesagt: Nein, du gehörst zu Gott!“ Inwiefern bietet dieses christliche Verständnis von einem leidenden Gott am Kreuz eine Antwort (oder keine Antwort) für Menschen, die heute (unschuldig) leiden?
6. Weitere letzte Worte
6.1 Mohammed
Von Mohammed werden als letzte Worte überliefert – Zeugen: seine Lieblingsfrau Aischa und Abdullah:
- Lass ein Fluch auf Juden und Christen sein denn sie haben die Gräber der Apostel zu einem Gebetsort gemacht (Sahih Muslim 1082). Eine andere Version: Fluch über Juden, sie hätten die Gräber der Propheten zu einem Gebetsort gemacht (1132). Oder:
- Das Gebet, das Gebet! Und fürchtet Allah bezüglich derjenigen, die ihr in eurer rechten Hand besitzt. Oder (was die muslimischen Gelehrten als echt ansehen):
- Oh Allah! Mit/Zu den höchsten Gefährten (Bukhari 4463/Muslim 2444). Oder:
- Wo bin ich morgen, wo bin ich morgen? (gemeint ist: bei welcher seiner Frauen, und er war, als er starb, bei Aisha). Nachdem er seine Zähne geputzt hatte, sagte er:
- Nein, den oberen Gefährten im Paradies http://www.answering-islam.de/deutsch/buecher/graceandtruth/biographiemuhammads/gtbm_heft11/gtbm_tod.html
- Interessant ist die Rede, die als Abschiedsrede des Mohammed gilt: http://www.derletzteprophet.info/abschiedspredigt-al-khutba-al-wada Als Historiker haben wir Zweifel an der Echtheit – aber in der Tradition der Muslime gilt sie als eine solche – und sie ist sehr interessant.
6.2 Siddharta Gautama (Buddha)
Alles, was entsteht, vergeht. Ringt unermüdlich (im Sinne von: mit Achtsamkeit) um eure Vollendung.
6.3 Weitere letzte Worte
- Beethoven: Schade, schade, zu spät! (Meinte er eine Weinlieferung?).
- Marx: Raus hier! Letzte Worte sind was für Deppen, die nicht genug gesagt haben!
- Goethe: Mehr Licht!
- Caesars letzte Worte wurden sprichwörtlich: Auch du, Brutus?
- Augustus: Das Stück ist aus, klatscht Beifall!
- Nero: Welch ein Künstler stirbt mit mir!
- Leonardo da Vinci: Ich habe Gott und die Menschen beleidigt, weil mein Werk nicht die Qualität erreichte, die es hätte haben sollen.
- Hans Scholl rief bevor das Henkerbeil fiel: Es lebe die Freiheit!
- Steve Jobs: Oh wow. Oh wow. Oh wow.
- Marie Antoinette soll zu dem Henker gesagt haben, als sie ihm auf den Fuß getreten hatte: Verzeihen Sie, Herr Henker, ich habe es nicht absichtlich getan!
- Berühmt ist auch Archimedes: Störe meine Kreise nicht!
Aufgabe 2:
1. Findest Du im Internet weitere „Letzte Worte“, die Du spannend findest?
2. Vergleicht die „letzten Worte“, die ihr gefunden habt im Klassenverband.
3. Versucht diskutierend herauszufinden, welche dieser „letzten Worte“ das Lebenswerk der jeweiligen Menschen wiedergeben, welche wahrscheinlich wirklich gesprochen worden sein können?