Die folgende Darlegung gibt meine Sicht der Texte wieder. Intensiver – nach allen Regeln der historisch-kritischen Interpretationskunst – wird das Thema freilich in wissenschaftlichen Kommentaren dargelegt. Auf sie sei ausdrücklich hingewiesen.

1. Die Evangelien – Gemeinsamkeiten:

Sonntag in der Frühe – der Stein war schwer – das Grab war leer. Frauen entdecken zuerst das leere Grab – weitgehend werden Deute-Engel genannt. Ebenso sind Jünger im Blick. Sehr viel Bewegung beherrscht die Berichte. Es wird viel gelaufen, geredet, viele Ortswechsel, dazu Zweifel, Glaube, Freude…

2. Die Evangelien und 1 . Korintherbrief – Besonderheiten

1. Markusevangelium (Kapitel 16,1-8) (ca. 70 n.Chr.)

Drei Frauen (Maria von Magdala, die Mutter des Jakobus, Salome) kommen zum Grab Jesu und sehen statt des Leichnams Jesu in der Grabhöhle einen jungen Mann / Jüngling (Engel) sitzen. Er spricht das Engel-Wort: „Fürchtet Euch nicht“; er erklärt, was geschehen ist und gibt den Frauen einen Auftrag. Der Auftrag lautet: Sie sollen den Jüngern sagen, dass sie nach Galiläa gehen sollen. Die Frauen sagen jedoch vor lauter Schreck (?) nichts weiter: sie flohen und fürchteten sich.

Damit bricht das Markusevangelium mit Vers 8 ab – es wird im zweiten Jahrhundert jedoch ergänzt, unter anderem mit Informationen aus den anderen Evangelien, was unten dargelegt werden wird

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Es gibt viele Vermutungen, warum das Evangelium so sonderbar schließt. Ich mag diese:

Lesende fragen sich: Die Frauen haben nichts vom auferstandenen Jesus weiter gesagt. Aber woher weiß ich davon? Sie denken über das Evangelium nach und erinnern sich an viele Erlebnisse mit Jesus. Sie erinnern sich an Jesu Worte, an die in Galiläa und auf den Weg nach Jerusalem dreimalig gesprochenen Leidens- und Auferstehungsankündigungen: 8,31; 9,31; 10,34. Dann erinnern sie sich vor allem auch an die Verklärungsgeschichte 9,9f. und Markus 14,25. In der Verklärungsgeschichte (Mk 9) erscheinen Elia und Moses, beide reden mit Jesus. Und eine Stimme sagte aus einer Wolke heraus: „Das ist mein geliebter Sohn, hört auf ihn!“ Durch Jesus, der mehr ist als Mose und Elia, wird die Welt transparent, es gibt Zugang zur jenseitigen Welt. Nicht die Welt der Toten, die Unterwelt, sondern die der Herrlichkeit Gottes wird sichtbar, die Welt der Lebenden. Die Lebenden hält kein Grab, kein Tod.

In der Passionsgeschichte wird deutlich: Jesus soll nicht an seinen Wundern als Messias erkannt werden, sondern an seinem Sterben für die Menschen. Entsprechend soll auch die Auferstehung Jesu nicht geglaubt werden, weil etwas Massives berichtet wird, sondern aufgrund der Deute-Worte des Engels, die auf Jesu Worte hinweisen – und diese werden wiederum durch die vorangegangenen Jesusworte des Evangeliums gedeutet.

Zudem stellt sich mir die Frage: Soll damit die Bedeutung der Frauen reduziert werden? Denn es war für so manche in der frühen Gemeinde eher ein sonderbarer Gedanke, dass Frauen die Erstzeuginnen waren. Verschweigen ließ sich das aber nicht. Denn die lebten vielleicht ja noch und alle wussten es. Aber: Auch die männlichen Nachfolger werden von Markus eher negativ dargestellt. Sie verstehen nichts, aber auch gar nichts. Von daher würde das diesem Muster entsprechen: die Frauen waren, anders als die Männer, tapfer beim Leidenden Jesus geblieben, aber jetzt versagen auch sie.

2. Matthäusevangelium (Kapitel 28) (ca. 80 n.Chr.)

Zwei Frauen (Maria Magdalena, die andere Maria [Salome wird weggelassen; ist die andere Maria identisch mit „der Mutter des Jakobus“?; von Salome spricht er im Kontext der Kreuzigung]) kommen zu dem Grab. Mächtig kommt ein Engel herbei, auch bebt die Erde und der Stein wird beiseite gerollt, der Engel setzt sich auf den Stein. Das Engel-Wort wird gesprochen: „Fürchtet euch nicht“ und der Engel erklärt, warum das Grab leer ist und beauftragt die Frauen den Jüngern zu sagen, dass sie nach Galiläa gehen sollen. (Jesus ist also nicht durch das geöffnete Grab hinausgegangen! – Der Stein wird weggerollt, damit die Frauen sehen können, dass das Grab leer ist, Jesus nicht mehr drinnen ist.) Die Frauen rennen freudig erschrocken los.

Nun wird eine Jesus-Begegnungsgeschichte eingefügt – also eine andere Tradition wird aufgegriffen):

Unterwegs treffen die Frauen Jesus, er begrüßt sie (wohl: Schalom). Auf die Begrüßung hin laufen sie zu Jesus, werfen sich vor ihm nieder, umklammern seine Füße. (Thema 1: Das heißt: Jesus ist kein Geist, er kann angefasst werden. Thema 2: Erkennen sie ihn an der Begrüßung, an der Stimme, spricht er bei der Begrüßung ihre Namen aus?) Dann sagt er ihnen (wie der Engel): „Fürchtet euch nicht“ – er gibt ihnen den Auftrag, den auch der Engel gab.

Thema 3: Eingeflochten ist eine Wächter-Geschichte. Diese wird schon in Kapitel 27 vorbereitet.

Jesus habe gesagt, er werde nach drei Tagen auferstehen.
Jünger könnten ihn rauben.
Wächter sollten das verhindern.
Wächter fielen zu Boden wie tot.
Sie berichten den Priestern: Jesus ist weg.
Diese bestechen die Wächter, sie sollen sagen, sie hätten geschlafen – und währenddessen seien die Jünger gekommen und hätten Jesus geraubt.
Seitdem verbreitete sich das Gerücht, die Jünger hätten Jesus geraubt.

Matthäus greift diese Geschichte der Gegner auf, widerspricht ihr, sagt, es sei Korruption im Spiel gewesen, um die Wahrheit zu verschleiern. (Die Wächter-Geschichte ist also keine Erfindung des Matthäus, sondern eine der Auferstehungsgegner.) Zudem hat Matthäus apokalyptisches Material eingebracht: der Vorhang im Tempel reißt entzwei, während der Kreuzigung – und nach der Auferstehung Jesu kamen verstorbene Heilige aus den Gräbern und erschienen vielen Menschen (27,52f.). Eine universale Wende ist geschehen. Nicht nur Jesus ist auferstanden, sondern in sonderbarer Weise auch Heilige.

Dann gehen die Jünger nach Galiläa. Auf einem Berg begegnen sie Jesus, manche zweifeln, er aber spricht den Missionsbefehl. Zweifel werden erwähnt, aber auf sie wird nicht weiter eingegangen. Stattdessen spricht Jesus den Seinen seine Gegenwart zu. In dem Missionsbefehl weist Matthäus auf sein Evangelium: „Lehrt sie, alle Gebote zu halten, die ich euch gegeben habe“ – damit ist das gemeint, was im Matthäusevangelium steht.

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Hinweise auf die Auferstehung Jesu im Matthäusevangelium über Markus hinaus: Wort vom Zeichen des Jona: Mt 16,4 und Q: 12,39ff / Lk 11,16ff. Vor allem auch Mt 18,20: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Auch der Missionsbefehl weist auf die Christuserfahrung: „Ich bin bei euch bis ans Ende der Zeit / Welt“ (28,20).

3. Lukasevangelium (Kapitel 24) (ca. 90 n. Chr.)

Frauen (Maria, Johanna, Maria und andere: Salome darunter? Kannte Lukas unterschiedliche Berichte, die wir nicht mehr haben?) sehen den Stein weggerollt. Sie gehen in das Grab, sind ratlos. Dann kommen zwei Männer (Engel), sie erinnern die Frauen an Worte Jesu. Sie laufen zu den Jüngern und berichten alles. Die Jünger glaubten ihnen nicht. (Nicht in allen Handschriften z.B. D: Petrus lief zum Grab, sah Leinentücher, wunderte sich.) (Thema 1: Leinentücher = der Leichnam wurde nicht geraubt.)

Thema 2: Von Propheten wurde das Leiden vorhergesagt: Zwei Jünger wandern nach Emmaus. Jesus geht unerkannt mit. Er legt ihnen die Bibel aus, sagt ihnen, dass das Leiden des Messias von Gottes Propheten angekündigt worden war. Die beiden Jünger bitten ihn abends zu bleiben. Sie erkennen ihn am Brotbrechen. (Jesus ist weder an seiner Stimme noch an seiner Gestalt erkennbar gewesen, sondern er wird am Brotbrechen erkannt und dann ist er wie ein Geist sofort verschwunden.) Die Jünger rennen zurück und sagen, dass Jesus bei ihnen gewesen sei. Die Jünger berichten ihrerseits, dass er auch Petrus erschienen sei (also gleichzeitig?). Es handelt sich um eine neue Tradition, die Lukas aufgegriffen hat, da in der Emmausjünger-Geschichte gesagt wird: Einige liefen zum Grab. Dabei war es nur Petrus. Der auferstandene Jesus ist erkennbar an der Wortverkündigung und am Abendmahl.

Thema 3: Jesus ist kein Geist, Thema 4: Jesus ist kein Doppelgänger:

Während die Emmausjünger berichten, erscheint Jesus, begrüßt sie mit dem Friedensgruß (nicht in der Handschrift D): (Schalom?). Sie fürchteten sich, es könne ein Geist sein. Jesus zeigt ihnen Hände und Füße, fordert auf, sie zu berühren. Als sie noch immer zweifelten, aß er etwas. Auch ihnen erklärt er die Bibel. Er fordert sie auf, in der Stadt zu bleiben, bis er den Geist gesandt hat. Nach dem Segen verschwand er, wurde in den Himmel gehoben (nicht in D).

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Beachte die lukanische Version Apostelgeschichte 1,4-14. Im Evangelium wird nichts von den Worten Jesu und den Engeln berichtet… Die Engel sprechen sie als „Männer Galiläas“ an, aber die Erscheinung findet in Jerusalem statt.

In der Petrusrede der Apostelgeschichte wird intensiv die Auferstehung angesprochen. „Petrus“ weist nicht auf das leere Grab als Beweis. Die Auferstehung wird alttestamentlich begründet. (Vgl. Apg 2 und 3.)

Das leere Grab fördert Ratlosigkeit. Die Worte der Bibel und der Heilige Geist führen zum Glauben, samt Abendmahl.

4. Johannesevangelium (Kapitel 20) (Grundlage vor 70 n.Chr. vollendet 90 n.Chr.?)

Maria Magdalena kam allein zum Grab. Sie fand es offen, lief zu Petrus und Johannes.

Petrus und Johannes laufen zum Grab. Johannes war schneller. Wartete auf Petrus. Petrus sah zuerst hinein, sah das Leinentuch und das Tuch für das Gesicht (Schweißtuch) zusammengefaltet. (Thema 1: Der Leichnam wurde nicht geraubt.) Johannes versteht und glaubt. Sie gingen nach Hause.

Neue Tradition: Maria Magdalena weinte vor dem Grab. Dann schaute sie hinein, sie sah zwei Engel, einen im Kopfbereich, den anderen im Fußbereich sitzen. Eine Parallele findet sich im Alten Testament: Die beiden Cherubim werden auf der Bundeslade an diesen Stellen angebracht. Sie fragen, warum sie weine. Sie antwortete, dass sie nicht weiß, wo sie ihren Herrn hingebracht haben. Sie blickte über die Schulter zurück und sah Jesus, ohne ihn zu erkennen. Auch er fragte, warum sie weine, wen sie suche. Sie dachte, er sei der Gärtner und fragt, wo er den Leichnam hingebracht habe. Jesus sagte: „Maria“ – daran, an der Nennung ihres Namens, erkannte sie ihn. Dann fordert Jesus sie auf, ihn nicht zu berühren – denn er sei noch nicht zu seinem Vater aufgefahren. Er gibt ihr den Auftrag, den Jüngern zu sagen, dass er zum Vater auffahre. (*) Maria berichtet das den Jüngern.

(*) Wie ist das zu verstehen? Noch ist er nur der „lebende Leichnam“, also der Mensch, mit „normalem“ Körper. Nach der Auffahrt zum Vater wird er als „spiritueller Mensch“ wahrgenommen. Das heißt: Was die Evangelien schildern, dass er z.B. durch Wände hindurch einfach da ist, wäre als reiner Mensch nicht möglich gewesen, das ist erst möglich in dieser neuen Wesenheit. Johannes versucht zu interpretieren, wie dieses Sonderbare zu verstehen ist: bekannte Körperlichkeit und unbekannte Nicht-Körperlichkeit. Das ist eine Frage des Unvermögens der Sprache, etwas auszudrücken, was außerhalb der Erfahrung vorhanden ist. Jesus ist also nicht wie der wiederbelebte Lazarus normale Körperlichkeit.

Am Abend tritt Jesus zu den Jüngern durch eine verschlossene Tür und begrüßt sie mit dem Friedensgruß. Thema 2: Er zeigt ihnen die Hände und die Seite [s. Lukas] – er sendet sie, gibt ihnen den Heiligen Geist [in Jerusalem vgl. Lukas], Auftrag auch: Sünden vergeben / behalten. Es ist das vom Auferstandenen „angepustet“ werden. Der Heilige Geist ist von Jesus gegeben, die Jünger sind nun die irdischen Vertreter Jesu. Zweimal spricht Jesus zu ihnen den Friedensgruß.

Neue Tradition: Zweifel des Thomas – Berührung der Hände und der Seite (anders als Maria darf er es – ist also eine andere Tradition bzw. jetzt – siehe das Kleingedruckte unter (*) – verständlich). Und der auferstandene Jesus weiß, was Thomas sagte, ohne dass er anwesend gewesen ist. Seligsprechung der Glaubenden [vgl. Markus: Nicht am Wunder soll Jesus erkannt werden, sondern er soll glauben.] – Zuwendung zu den Lesenden: alles wurde aufgeschrieben, damit die Lesenden glauben.

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Vor allem das Johannesevangelium ist eines, das im Grund im gesamten Evangelium Jesus als Auferstandenen sieht. Anders gesagt: Der auferstandene Jesus durchleuchtet die Worte und Taten, die Johannes vom irdischen Jesus überliefert, besonders deutlich.

5. Johannesevangelium 21

Eine dritte Jesusbegegnung der Jünger: Galiläa – See Genezareth. Thema: Sie wollten nicht fragen, wer er ist, denn sie wussten es. (Also auch hier: Er ist nicht eindeutig erkennbar – aber dennoch erkennbar.) Dem Petrus wird seine Jesus-Verleugnung vergeben und er wird beauftragt zu missionieren; weiteres Thema: Petrus und Johannes.

6. Nachträge Markusevangelium (Kapitel 16,9ff) (2. Jh. n. Chr.) Auf weitere Handschriftliche Varianten sei hier nicht eingegangen.

  1. Jesus erschien am frühen Sonntagmorgen erst der Maria Magdalena – aber keiner glaubte ihr (vgl. Johannes – aber dort wird vom Unglauben nicht berichtet).
  2. Jesus erschien Jüngern in anderer Gestalt – aber keiner glaubte ihnen (vgl. Lukas, aber dort wird nicht gesagt, dass ihnen nicht geglaubt wurde. Im Gegenteil).
  3. Er erschien den elf Jüngern, während  sie aßen und rügte, dass sie denen nicht glaubten, die ihn gesehen hatten (vgl. Lukas).
  4. Es folgt ein Missionsbefehl (in Anlehnung an das Matthäusevangelium, mit einem Satz in Anlehnung an das Johannesevangelium).
  5. Betonung liegt im Folgenden auf Wundertaten.
  6. Jesus wurde zum Himmel erhoben, Jünger predigten, Jesus wirkte durch sie (vgl. Apostelgeschichte).

7. Paulus im Ersten Korintherbrief (Kapitel 15) – ältester Auferstehungsbericht (55/56 n.Chr.)

Audition und Vision des Apostels: der auferstandene Jesus begegnete dem Paulus, sehr dramatisch in der Apostelgeschichte (9) dargestellt, während Paulus das Ereignis nur so benennt: Gott offenbarte (in) mir seinen Sohn (Galater 1,16). Diese Audition und Vision sind keine Hirngespinste, sondern reale, Mensch bewegende Ereignisse.

Paulus diskutiert im 1. Korintherbrief vor allem über die Frage, ob Menschen auch auferstehen wie Jesus. Es geht zum anderen auch darum, welcher Art Körper der Auferstehungskörper des auferstandenen Menschen ist. Das möchte ich hier nicht im Detail darlegen, denn es geht in diesem Abschnitt um die Frage nach der Historizität.

Was Christus betrifft, teilt er mit, was er selbst als Bekenntnis (Credo) vgl. auch das Bekenntnis Römer 1,2-4) erfahren hat. Wenn Paulus Mitte der 30er Jahre die Christusvision gehabt hat, wurde ihm auch spätestens in dieser Zeit das Bekenntnis vermittelt. Es ist also kurz nach der Hinrichtung und Auferstehung Jesu entstanden:

Christus starb für unsere Sünden,
wie es in der Schrift geschrieben steht.
Er wurde begraben und ist auferstanden am dritten Tag von dem Tod,
wie es in der Schrift geschrieben steht.
Zuerst wurde er von Kephas / Petrus gesehen, dann von den 12 Aposteln.
Danach sahen ihn 500 Brüder auf einmal, von denen die meisten noch leben… (sie können also befragt werden)
dann wurde er von Jakobus (also dem Bruder Jesu) gesehen und später von allen Aposteln.
Als Letzter von allen habe auch ich ihn gesehen…

In den Briefen des Apostels spielt die Historizität der Auferstehung Jesu keine große Rolle. Die Auferstehung ist vorausgesetzt, ist die Grundlage christlichen Glaubens. Sie ist auch die Voraussetzung des Glaubens an die Auferstehung der Menschen. Damit verbunden wird das besondere Verhalten der Christen, die eben diese Auferstehung vor sich haben, die darum im Vertrauen auf Gott in Jesus Christus sozial leben. Sie ist auch die Voraussetzung für das, was Paulus-Mystik genannt wird, wie sie im folgenden Satz aus dem Galaterbrief ausgesprochen wird: Christus lebt in mir; Ziel ist es, in der Auferstehung mit Christus eine Einheit zu werden (Philipperbrief), die Glaubende schon ansatzweise sind: Ist jemand in Christus, so ist er ein neues Geschöpf (2. Korintherbrief), mit Christus sterben in der Taufe, mit ihm auferstehen…

Wesentlich ist dem Apostel in diesem Kapitel 15 darzulegen, dass der Auferstehungsglaube für den christlichen Glauben grundlegend ist. Die Predigt vom auferstandenen Jesus wäre ein Lüge, wenn er nicht auferstanden wäre. Denn dadurch wurden die Sünde und der Tod besiegt. Er schließt das Kapitel mit der Erwartung, dass der auferstandene Jesus Christus bald auch die noch Lebenden verwandeln werde.

Bei Paulus finden wir weder die Frauen noch das leere Grab. (Das leere Grab war irrelevant, die Frauen fehlen als ausdrücklich erwähnte Zeuginnen, weil in der Zeit Männer als Zeugen dominant waren. Umso erstaunlicher, dass die Evangelien die Frauen hervorheben.)

Auffällig ist, dass Paulus sich selbst auch als Zeugen der Auferstehung sieht – da aus der Perspektive der Evangelisten er eher ein nachpfingstlicher Zeuge sein kann. Die eigentlichen Erscheinungen Jesu – wie sie die Evangelien berichten – haben nach der Himmelfahrt aufgehört.

Es sei noch auf Spannendes hingewiesen: Es wurde im Rahmen der Evangelien oben immer wieder geschrieben, dass der Leib des auferstandenen Jesus nicht reine Körperlichkeit war. Paulus unterscheidet in diesem Kapitel zwischen dem physischen, dem normalen, den vergänglichen Körper vom pneumatischen Leib, also dem Leib, der vom Heiligen Geist verändert, durchleuchtet, durchstrahlt, durchgeistet wird, unvergänglich ist.

3. Zusammenfassung und Reaktionen auf Kritiker

Wenn von Auferstehung gesprochen wird, dann ist die eigene Kraft Jesu im Blick, seine Gottheit. Wenn von Auferweckung gesprochen wird, geht es um Gottes Handeln an Jesus. (Wobei freilich Jesus Christus als Person der Trinität selbstwirksam sein kann.)

Das darf aus christlicher Perspektive bei dem Thema nicht vergessen werden: Es geht nicht um das, was Menschen tun oder nicht tun können, es geht um Gottes Handeln. Das Handeln dessen, der die Welt erschuf, sie erhält und vollenden wird.

A: Körperlichkeit – Leiblichkeit (*)

Jesus wird nicht an seinem alten Körper erkannt. Erkannt wird er erst:

  1. Am Brotbrechen, also einem Zeichen (Lukas – Emmausjünger)
  2. An der Namensnennung: Maria (Johannesevangelium – Maria-Tradition)
  3. An der Schalom-Begrüßung (Namensnennung?) (Matthäusevangelium)
  4. Es wird ein geisthaftes-körperliches Wesen geschildert. Mit anderen Worten, ein irgendwie transparenter Körper. Er verhält sich wie andere Körper – aber auch wiederum ganz ungewohnt. Es sind weitgehend eher zarte Vorstellungen mit den Erscheinungen verbunden, weniger heftige Schilderungen (z.B. Ausschmückung dessen, was im Grab geschah, intensive Beschreibung der Körperlichkeit, sondern nur in der Möglichkeit Wundmale zu ertasten bzw. dem Hinweis, dass er etwas gegessen hat.)

Berichte über Erscheinungen des auferstandenen Jesus verdrängen die Deute- und Sende-Engel. Während die Engel sagen: Fürchtet euch nicht! grüßt Jesus selbst die Menschen mit dem Friedensgruß (s.u).

Es geht bei der Auferweckung nicht um eine Art Wiederbelebung wie es mit Blick auf Lazarus war, den Jesus von den Toten auferweckte und ins körperliche Leben zurückholte. Jesu Auferweckung mit seiner besonderen pneumatischen Leiblichkeit ist etwas ganz Neues. Sie galt für die frühen Christen als eine Tat Gottes, die die Endzeit einläutete, sie galt als eschatologische Tat. Paulus spricht davon, dass Jesus der „Erstling“ sei. Also Neues begann.

(*) Zur Unterscheidung von Körper und Leib s. https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/anmerkungen-zum-transhumanismus/

B: Galilää- und Jerusalemtradition

Der größte Unterschied in den Evangelien: Galiläa und Jerusalem-Tradition. Galiläa-Tradition: Markus und Matthäus – und der Zusatz zu Johannes; Jerusalem-Tradition: Lukas und Johannes. Je weiter zeitlich weg, desto stärker kommt Jerusalem in den Blick.

C: Was geschah im Grab?

Was geschah im Grab? An keiner Stelle wird darüber gesprochen, was im Grab geschehen ist, wie die Auferweckung vor sich ging. Es wird nur gesagt: Jesu Leichnam wurde an einem Freitag hinein gelegt – am Sonntagmorgen war das Grab leer.

In der Botschaft vom leeren Grab geht es nicht allein um das leere Grab. Es geht auch um ein Bekenntnis: Gott redet nicht nur abstrakt und intellektuell, er handelt: Er sagt nicht nur Ich bin bei euch Menschen – er wird auch Mensch; er sagt nicht nur: Ich bin im Leiden bei euch – er leidet auch; er sagt nicht nur: Ich bin auferstanden – er macht es deutlich.

D: Kritik an der Auferstehungsbotschaft

Kritik an der Botschaft von der Auferstehung ist nichts Modernes. Schon die Apostelgeschichte 17,23 berichtet darüber; in der Gemeinde selbst gab es auch ablehnende Stimmen, dagegen geht Paulus im 1. Brief an die Korinther 15 an. Daran, dass die massiven Zweifel in allen Evangelien ausgesprochen werden und auch Theorien (der Leichnam wurde geraubt, Jesus war nur ein Geist…), ist deutlich, dass diese Botschaft auch für antike Menschen nicht „normal“ war. Die frühen Christen, Paulus wie die Evangelisten und deren Traditionen haben sich mit den Kritikern auseinandergesetzt. (Dazu s. unten.)

E: Gruppenerfahrung

Die Erscheinungen Jesu gelten meistens einer Menschengruppe. Nicht Individuen (außer Maria von Magdala im Johannesevangelium). Das hängt mit der Gattung der Evangelien zusammen. Es sind eben „Jüngergeschichten“. Bei Paulus finden wir weitere Hinweise auf Einzelbegegnungen: Kephas / Petrus, Jakobus, und ihn selbst (nach der so genannten Himmelfahrt).

F: Historische Beurteilung

Es wird deutlich, dass etwas geschehen ist. Etwas, das in allen Beteiligten Staunen, Erschrecken, Zweifel hervorrief. Diese Erfahrungen werden in unterschiedlichen Geschichten ausgesprochen. Wie soll der Mensch etwas aussprechen, für das er keine Worte hat, für das es keine Parallelerfahrungen gibt? Menschen stoßen an ihre Grenzen des Sagbaren und versuchen, es so gut sie können, auszusprechen. Sie versuchen es mit Hilfe der Tradition irgendwie zu schildern: manche sachlich (Lukas; Johannes), manche emotional (Matthäus; Johannes), manche massiv belehrend (Lukas), manche sehr minimalistisch (Markus), manche historisch (Evangelien), manche pneumatisch-spirituell (Paulus). Manche meinen, eine einheitliche Überlieferung würde eher für historische Wahrheit sprechen. Das ist aber nicht zwingend notwendig. Vielfalt der Begegnungen und vielfältige Versuche, das Erfahrene auszudrücken, sprechen eher für historische Originalität und Auseinandersetzung mit einem eigenartigen Ereignis. Zeugenaussagen sind vielfältig wie Menschen es sind. Einer einheitlichen Sichtweise würde der Vorwurf gemacht werden können, einer hätte sie erfunden.

Historisch ist zudem erkennbar, dass diese Erfahrungen (und Botschaft) massive Auswirkungen auf Menschen hatte. Sie ließen sich hinrichten, ausschließen aus der Gemeinschaft, haben das gesamte Leben Jesu neu sehen gelernt und gelehrt.

  1. Es gab keine Grab-Pilger in früher Zeit. Das hängt damit zusammen, dass wohl das leere Grab eben leer war – somit keine Bedeutung für die frühen Christen hatte. Der Auferstandene war wichtiger. Das leere Grab wird auch nirgends bezweifelt – die leibliche Auferstehung Jesu zu widerlegen wäre sehr einfach gewesen (auch noch 70 n.Chr.?). Es wurde höchstens gesagt, dass Jünger Jesus geraubt hätten (vgl. Matthäus). In der Moderne greifen Kritiker den Betrugsvorwurf auf. Vergessen allerdings, dass es keine Überlieferung von Überläufern gibt, die das behaupten und auch Paulus als ursprünglicher Gegner der Christen hat davon nichts berichtet. Weil er sie noch nicht kannte? Die leere Grab Aussage wird von Kritikern als Erfindung des Markus angesehen, der die Verkündigung der Auferstehung Jesu mit der leeren Grab Erzählung historisiert habe. Das heißt: Eine Idee wurde in eine historische Begebenheit umgewandelt (narrative Theologie [*]). Was freilich nicht nachweisbar ist. Es ist allerdings deutlich, dass außerhalb der Evangelien sehr häufig vom auferstandenen und erscheinenden Jesus Christus berichtet wird, nicht aber vom leeren Grab, so auch in alten Bekenntnissen. Und, wie Markus indirekt zeigt: Das leere Grab war nicht Ausgangspunkt der Rede vom auferstandenen Jesus, es waren die Jesus-Begegnungen (auch in der Maria-Magdalena-Erzählung). Der auferstandene und in der Gemeinde aktive Jesus Christus war wichtiger.
  2. Ebenso wird gesagt, dass es gar kein besonderes Grab gegeben habe, in dem Jesus beerdigt worden war. Jesus wurde als Verbrecher hingerichtet, wurde somit in einem Massengrab verscharrt. Was wohl Joseph von Arimathäa dazu gesagt hätte? Denn laut Überlieferung hat er seine Grabhöhle zur Bestattung Jesu zur Verfügung gestellt. Und dieser Mann war bekannt.
  3. Insgesamt stellt sich die Frage: Wenn das Grab nicht leer gewesen sein sollte, wenn die Rede vom leeren Grab die Auferstehungsberichte historisieren sollte, damit diese verständlicher werden: Haben dann die frühen Christen im Grunde etwas Unglaubwürdiges nicht noch unglaubwürdiger gemacht? Wäre nicht besonders klug. Die Menschen damals waren nicht dümmer als heute.
  4. Erstaunlich: Wenn die Geschichte erfunden worden wäre, wären sicherlich keine Frauen als Erstzeuginnen genannt worden. Es wird an der Paulusüberlieferung erkannt, dass Frauen auch ausgeklammert werden konnten. Hier sind Jakobus und Petrus dominant. Dass die Frauennamen von Johanna und Salome variieren, kann damit zusammenhängen, dass es weitere Frauen gab (vgl. Lukas), die jedoch nur dann mit Namen genannt wurden, wenn sie den Adressaten bekannt waren. Salome war somit den Adressaten des Markusevangelium bekannt, Johanna denen des Lukasevangeliums, die Marias waren den Adressaten des Matthäus geläufig und den Adressaten des Johannes nur die Maria Magdalena wichtig. (Ist sie Teil des Konkurrenzkampfes zwischen Petrus – Johannes – Maria? Petrus wird im Johannesevangelium als Autorität anerkannt.) Aber letztlich sind das nur Vermutungen. Die Erstzeuginnen-Überlieferungen riefen auch moderne Kritiker hervor: Frauen sind von Haus aus phantasievoller und in ihrer Liebe zu einem verehrten Menschen denken sie sich dann sowas aus. Vor allem Maria Magdalena steht im Verdacht psychisch überdreht gewesen zu sein. Ob ein solches Argument heute noch Anhängerinnen und Anhänger findet?
  5. Der Brief des Paulus lässt erkennen, dass es eine sehr große Breite an Erfahrungen des Auferstandenen gab, von denen in den Evangelien jedoch nur einige aufgegriffen werden. Heute fragen sich einige Kritiker: Warum hat sich Jesus nur den Aposteln gezeigt? Diese Frage ist jedoch sehr verengt. Wir wissen in den Evangelien nicht von weiteren – bzw. nur sehr pauschal (vgl. Lukas: weitere Frauen; Paulus: weitere „Brüder“), da eben der enge Jüngerkreis Jesu im Fokus der Evangelien stand.
  6. Interessant ist, dass die Passionsgeschichte stärker alttestamentlich belegt wird als die Auferstehungserfahrungen. Das heißt: Der Vorwurf, sie seien aus dem Alten Testament abgeleitet, steht auf wackligen Beinen. Zudem stellt sich immer die Frage: Wurde eine Geschichte aus dem AT abgeleitet – oder wurde ein tatsächliches Ereignis nachträglich im AT gesucht, um es biblisch zu bestätigen.
  7. Ein weiterer Vorwurf: Jesus hat von der Auferstehung gesprochen – und die Jünger haben seine Worte für bare Münze gehalten und sie dann historisiert. Dieses Argument hat auch Haken: Es übersteigt menschliche Phantasie. Auch wenn einer sagt, er werde auferstehen, dann aber wider aller Hoffnung und Erwartung hingerichtet wird, wird jeder normale Mensch sagen: War wohl nichts – und sich abwenden von dem falschen Propheten. Zudem wird an Worten Jesu nicht ersichtlich, dass er verkündet hat, er werde als reale Person wieder erscheinen. Die Auferstehungsaussagen betreffen wie das letzte Wort bei Lukas eher unsere abstraktere Form (heute noch wirst du mit mir im Paradies sein). Die Zweifel der Jünger, von denen berichtet wird, widersprechen dieser Vorstellung ebenso.
  8. Ein weiterer Vorwurf: Die Jünger fühlten sich schuldig Jesus gegenüber. Vor allem Petrus, weil sie ihn im Stich gelassen haben. Und vor lauter Schuldgefühlen haben sie ihn dann zum Lebenden erklärt. Eine ähnliche Argumentation finden wir bei dem Psychiater Freud im Hinblick auf die Erfindung Gottes: Als die Menschen noch halb äffisch waren, haben sie den Vateraffen ermordet, weil sie an dessen Weibchen kommen wollten. Und nach der Ermordung hatten sie so große Schuldgefühle, dass sie ihn zum Vater-Gott erhoben haben. Wenn jeder Mensch andere Menschen zu Göttern erheben wollte, weil er an dessen Tod Schuld ist, würde es wohl im Laufe der Zeit mehr Götter als Menschen geben.
  9. Weitere Vorwürfe: Jesus sei gar nicht am Kreuz hingerichtet worden, sondern ein Stellvertreter, oder: Jesus war noch gar nicht tot, sondern ist von Essenern aufgepäppelt worden und dann, nachdem er sich den Jüngern gezeigt hat, nach Indien ausgewandert, weil er keine Lust gehabt hatte, ein weiteres Mal hingerichtet zu werden. Beides sind Versuche, mit den Auferstehungsberichten irgendwie rational fertig zu werden. Im Koran (Sure 4,157f.; 7./8. Jahrhundert nach Christus) wird evtl. (kommt auf die Übersetzung an) gesagt, dass Jesus nicht gekreuzigt worden sei, sondern von Allah in den Himmel geholt worden sei. Diese Aussage ist insofern spannend, weil diese Aussage eine jüdische Elia-Tradition wiedergibt und sich die Frage stellt: Warum haben die frühen Christen, die diese Elia-Tradition kannten, diese nicht im Sinne narrativer Theologie aufgenommen? Weil die Hinrichtung Jesu offensichtlich gewesen ist. Mohammed allerdings war der Meinung: Ein Diener Allahs, also auch Jesus, wird von Allah beschützt und darf nicht so elend sterben. Motto: Was nicht sein darf, war nicht. Mohammed hat freilich noch einen Menschen hinzugefügt, der an Jesu Stelle gestorben ist. Aber das kann hier egal sein, was ca. 600 Jahre nach dem Ereignis alles so gesagt wurde. Auch heute sind Kritiken beliebt, die davon ausgehen, dass die frühen Christen unterbelichtet waren und eben dies und das sagen „nur Vermutungen folgen“ (Koran a.a.O.).
  10. Und dass ein Gekreuzigter – also von Menschen Verstoßener und von Gott Verfluchter – von Gott auferweckt wurde, ist für die damaligen Ohren vollkommen absurd.
  11. Die Jünger wurden wohl alle – außer Johannes – wegen dieser Verkündigung hingerichtet. Diese Auferstehungserfahrungen haben ihr Weltbild vollkommen umgewandelt, sodass sie auch wegen dieser gestorben sind. Freilich ist dieser Aspekt mit Vorsicht zu benennen, da es sich weitgehend um legendarisches Material handelt.

G: Demeter-Ceres-Mythos

Demeter (lat. Ceres) war eine Göttin (Ackerbau, Fruchtbarkeit). Sie hatte eine Tochter namens Persephone (Fruchtbarkeit, Pflanzen). Diese wurde in die Unterwelt entführt. Die Mutter, die Göttin Demeter, war entsprechend zornig. Es wurde dann ausgehandelt, dass Persephone jahreszeitweise aus der Unterwelt an die Oberwelt kommen durfte. Das bedeutet für den Mythos, der einen großen Kult hervorrief, dass es im Herbst eine Trauerzeit gab, weil Persephone wieder in die Unterwelt ging, im Frühjahr eine Freudenzeit, weil sie wieder an die Oberfläche durfte. Erstaunlich ist, dass soweit wir wissen Mysterienkulte, diese oder ähnliche, nicht auf die christliche Verkündigung Einfluss hatten. (Freilich gibt es manche moderne Konstruktionen, die allerdings historisch nicht haltbar sind.) Die einzige Parallele ist die, dass Jesus im Frühjahr auferweckt wurde – allerdings starb er auch im Frühjahr, was historisch gesichert ist. Es handelt sich also um eine zufällige historisch bedingte Parallele. Aber diesen Mythos als Basis für die „Erfindung“ der Auferstehungsberichte zu machen, dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Im Gegenteil: Jüdische Eschatologie steht im Vordergrund nicht heidnischer Naturzyklus. Die Auferstehung ist Teil des Heilsereignisses, gebunden an einer historischen Person, an einem ganz bestimmten Zeitpunkt, an einem ganz bestimmten Ort.

H: Friedensgruß

Im Matthäusevangelium wird gesagt, dass der auferstandene Jesus die Frauen begrüßt habe und sie ihn daraufhin ehrten. Im Lukas- und Johannesevangelium wird berichtet, dass der auferstandene Jesus den Friedensgruß ausgesprochen habe: Friede sei mit euch! Mit dem Friedensgruß muss es sich in irgendeiner Form um einen besonderen Gruß handeln, der Christen damaliger Zeit wichtig war. So erfahren wir im Evangelium (Q: Mt 10,13/Lk 10,5f), dass Jesus seinen Jüngern vor der Aussendung gesagt hat, sie sollen in das Haus, in das sie hineingehen, den Friedensgruß sprechen. Wenn das Haus diesen annimmt, ist es den Gruß wert, wenn nicht, wird der Frieden wieder zu den Jüngern zurückkommen. Es handelt sich also nicht nur um ein lässig dahingesprochenes „Schalom“. Es war ein besonderer, ein bewusster Gruß, ein missionarisch-vollmächtiger Gruß. Dieser besondere Gruß setzt sich in den Paulusbriefen fort. Sie sind ein Echo dieses Grußes Jesu, schon in seinem ersten Brief an die Thessalonicher heißt es: Gnade sei mit euch und Friede – so beginnt dieser Brief wie seine anderen Briefe auch. Die übliche römisch-griechische Brief-Begrüßungs-Formel wird „christianisiert“. Die Briefe werden mit dem Gnaden-Wunsch beendet. Intensiv wird im Neuen Testament Gott mit Frieden verbunden. Was in Jesus Christus begründet ist. Der Friedensgruß begegnet auch im von anderer christlichen Literatur unabhängigen Barnabasbrief.

I: Theologische Deutung

Jede glaubende Generation, jedes glaubende Individuum seit 2000 Jahren basiert auf diese Grunderfahrungen. Im christlichen Glauben spielt die Erfahrung des Geistes Jesu Christi eine große Rolle, die mit der Auferstehung verbunden ist. Den Geist Gottes gibt es aus christlicher Sicht nur aufgrund der Auferstehung Christi, und die Erfahrung des Geistes Gottes versichert dem Glauben die Auferstehung Christi, die Gegenwart Jesu, den Beistand Jesu. Das eine bedingt das andere.

Und so finden wir zum Beispiel im Matthäusevangelium Hinweise auf die Erfahrung des Auferstandenen (28,20; 18,20) – vor allem auch im Johannesevangelium: der irdische Jesus Christus ist der auferstandene Jesus Christus (z.B. die Ich-Bin-Worte) und es betont die Anwesenheit Jesu in seinem Geist, das Lukasevangelium betont auch die Geistgabe, das heißt die Anwesenheit Jesu Christi. Entsprechend kommt es Glaubende – wie es Paulus sieht – auf die Christuserfahrung im Geist an. Und das können Glaubende vielfach in ihrer jeweiligen Gegenwart bestätigen. Die Botschaft vom leeren Grab bezieht sich hingegen auf eine geschichtliche Beobachtung, die in der Menschheitsgeschichte immer weiter zurückliegt und nicht mehr verifiziert bzw. falsifiziert werden kann – also je nachdem der Mensch es aus seinem innerweltlichen Erfahrungsbereich heraus interpretiert oder aus dem Glauben, dass Gott der Handelnde ist.

Theologisch ist gegenwärtig die Deutung besonders beliebt, die davon spricht, dass Jesus Christus (durch den Geist Gottes) in den Glaubenden aufersteht. Das bedeutet: Die Auferstehung ist nicht etwas, was vor 2000 Jahren geschah, sie ist ein Handeln Gottes, die in den Glaubenden immer wieder realisiert wird.

Ein Kleben an der Historizität (sowohl der Befürworter als auch der Kritiker) muss sich die Frage stellen lassen, die der Engel im Lukasevangelium stellt: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Gleichzeitig darf aber die historische Basis nicht übergangen werden – Lukas ordnet das Ereignis ja selbst historisch ein. Sie lässt auf ihre Weise erkennen, wie Glaubende mit ihrer Sprachlosigkeit klarzukommen versuchen. Historische Berichte sind greifbarer als die spirituelle Interpretation des Apostels Paulus. Aber das zeigt, dass es schon in der frühen Christenheit unterschiedliche Strömungen mit ihren jeweiligen Schwerpunkten gab.

4. Schlussüberlegungen

All die oben genannten Kritiken laufen ins Leere. Letztlich ist das, was wir über die Auferstehung hören, also das eigentliche Ereignis, unverständlich, weil wir es in keinem Experiment wiederholen können und weil es allen menschlichen Erfahrungen widerspricht. Wir Menschen setzen Rahmen – und dieser wird durchbrochen. Das durch die Auferstehung – nicht nur die Leeres-Grab-Berichte. Das war auch den Evangelisten und im Grunde allen Christen bewusst. Es kommt damit auf etwas anderes an: auf das jeweilige Weltbild. Im Kontext des Themas Wunder wurde dargelegt, dass es ein offenes, von Gott bestimmtes Weltbild, gibt und ein Weltbild, das der irdischen Immanenz verhaftet ist. Je nach Weltbild erscheint das eine oder andere plausibler. Genauso unverständlich ist die Botschaft von der Menschwerdung Gottes (Weihnachten). Das liegt heute jedoch nicht mehr so im Fokus, weil Weihnachten in Gedanken Gott gestrichen wird und der Fokus auf der Geburt eines besonderen Menschen gelegt wird – wenn überhaupt.

Hinzu kommen Erzählungen, die von der Gegenwart des auferstandenen Jesus Christus sprechen. Seit 2000 Jahren gibt es Erfahrungen von Glaubenden, die auch in den Evangelien ausgesprochen werden: zum Beispiel: „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“. Gegenwartserfahrungen – der auferstandene Jesus ist gegenwärtig. Berichte gibt es, in denen Menschen versuchen, Jesusbegegnungen mit Worten wiederzugeben. Es ist bis in die Gegenwart viel Bewegung im Hinblick auf den auferstandenen Jesus Christus weltweit zu erkennen. Die Erzählungen von Erfahrungen des Lebendigen endeten also nicht in der Mitte des 1. Jahrhunderts, auch wenn es damals besondere Erfahrungen waren.

Mit Hilfe der Maßstäbe historisch-kritischer Exegese kann freilich die Auferstehung – wie die Menschwerdung Gottes, die Rechtfertigung des Menschen durch das Sterben des Sohnes Gottes – nicht erfasst werden. Sie widerspricht allem, was Menschen kennen. Von daher ist an dieser Stelle der Glaube dominant. Aber ein Glaube, der mit historischem Forschen verzahnt ist. Es muss irgendetwas Besonderes passiert sein. Aber was?

Eine Frage: Die gesamte Menschheit besteht aus Individuen einer sterbende Gattung. Warum haben sich solche Geschichten gerade um den Menschen Jesus von Nazareth herum gebildet? Nur um ihn.

[*] Zur narrativen Theologie zählen wohl auch einige Naturwunder; zum Beispiel: so der wunderbare Fischzug, der auch von Johannes in die nachösterliche Zeit verlegt wird, Jesu Gehen auf dem See – und die damit verbundene Rettung des Petrus; die Sturmstillung, die Vermehrung von Brot und Fisch durch die Jünger; manche zählen auch die Totenauferweckungsgeschichte des Lazarus dazu.