REFORMATION

1. Vorreformatoren

Kirche benötigt immer wieder Menschen, die gegen Macht, Korruption und Starrheit, also gegen Verweltlichung vorgehen – im Sinne des Geistes Gottes heißt es seit der Reformationszeit: Ecclesia semper reformanda est / Kirche muss immer reformiert werden. Diese Formulierung stammt aus dem 17. Jahrhundert, aber in der Intention ist sie schon bei Augustinus (354-430) vorhanden: Kirche muss ständig Buße tun sich reinigen und sich an Gott ausrichten.

Das sei am Beispiel von Klöstern / Orden kurz umrissen. So wurden Orden / Klöster gegründet, um Menschen zur Basis des christlichen Glaubens zurückzuführen. Aber auch die Orden / Klöster verfielen wieder in unchristlicher Disziplinlosigkeit bzw. wurden zu politischen Spielbällen. Dann gab es Einzelne und Gruppen, die versuchten, die Orden / Klöster wieder auf das Eigentliche zurückzuführen und den politischen Einfluss zurückzudrängen. Maßstab für diese ständige Neuorientierung war die Orientierung am Alten – am alten Neuen Testament.

Benedikt von Nursia (um 480-547) versammelte um sich eine stabile im Glauben lebende, betende und arbeitende Gruppe, um dem Zerfall des Römischen Reiches etwas entgegenzusetzen, die Benediktiner. Zurückgezogen sollten die Mönche leben, aber weil sie so fortschrittlich auf allen möglichen Gebieten waren, haben sie einen großen öffentlichen Einfluss gehabt. Die Cluniazensische Reform aus dem 10. Jahrhundert zu nennen wandte sich gegen den politischen Einfluss auf die Kirche; die Zisterzienser wandten sich im 12. Jahrhundert gegen den prunkvollen Reichtum der Kirche. Berühmt wurden auch Zisterzienserinnen, die eine radikale Frömmigkeit lebten, die in Schriften ihren Glauben vermittelten und herausfordernd waren. Die Bettelorden (Franziskaner / Dominikaner) wollten nach dem Vorbild Jesu leben, wanderten im Wesentlichen durch die Gegend und predigten in Städten und Dörfern in der Landessprache; berühmt wurde auch Katharina von Siena (1347-1380), die dem Dominikanerorden zugeordnet war, sie wollte die Kirche von dem Versagen der Männer befreien. Birgittinnen (Birgitta von Schweden 13013-1373) hat massiv die Verderbtheit der Kirche kritisiert. auch die Augustiner-Eremiten, die Luther prägten, lebten in Städten und predigten dort; die Devotio Moderna war eine fromme Laienbewegung im 14. und 15. Jahrhundert, die als Gemeinschaft versuchte ein Leben in der Nachfolge Jesu zu leben. Es geht ihr um Verinnerlichung des Glaubens, es geht ihr um das Verhältnis des Menschen zu Christus, nicht um kirchliche Machtapparate, und es geht ihr um das Angewiesensein auf Gnade. Sie hat das geistliche Klima in dieser Zeit intensiv geprägt, so zum Beispiel auch Thomas von Kempen (1380-1471; Augustiner Domherr, beeinflusst von der Devotio moderna), von dem auch wiederum Luther beeinflusst worden war. Im 16. Jahrhundert erkannten Jesuiten die Dominanz der Protestanten in Bildung und haben dieser eine brillante Ausbildung vor allem der Oberschicht entgegengesetzt. Sie mauserten sich zur katholischen Bildungselite, die bis nach China Einfluss hatte.

Kirche war also immer in Bewegung.

Bevor die Reformation durch Luther begann, gab es Vorläufer, auf deren Schultern dann die Reformatoren lebten. Sie versuchten die Kirche zu reformieren:

  1. Petrus Waldus / Valdes (um 1140-1206) – bis heute gibt es „Waldenser“
  2. John Wyclif (um 1330-1384) – bis heute spielt er eine Rolle: Bibelübersetzer
  3. Johannes Hus (um: 1372- hingerichtet 1415)
  4. Girolamo Savonarola (1452- hingerichtet 1498)

Ihnen gemeinsam war: Kritik an den bestehenden kirchlichen Verhältnissen (Sittenlosigkeit, theologischer Verfall). Gegen aus ihrer Sicht falscher Lehre und falschen Verhaltens setzten sie:

  1. Betonung des Individuums
  2. Übersetzung der Bibel in die jeweilige Landessprache
  3. Jesus Christus ist Oberhaupt der Kirche, nicht der Papst
  4. Armut und Sittenstrenge – im Sinne der Bergpredigt

Hinweisen möchte ich auch noch auf: Hans Böhm (Pauker/Pfeifer von Niklashausen; 1476), auf die „Gravamina der deutschen Nation“ und auf den Mystiker Johannes Tauler. Erasmus von Rotterdam (1466-1536) ist auch in diesem Zusammenhang ein spannender Mensch.

Auch Ordensgründer wie Franz von Assisi (1181-1226) wollten die Kirche reformieren. Sie unterstellten sich der kirchlichen Autorität, zudem ging es ihnen um die moralische Veränderung. Anders die Vorreformatoren. Sie entzogen sich früher oder später der kirchlichen Hierarchie, so wollte Petrus Waldus Laienprediger installieren und die Bibel in der Volkssprache durchsetzen – was die kirchliche Hierarchie als Angriff auf ihre Autorität angesehen hat. John Wyclif hat die traditionelle Lehre von der Eucharistie / dem Abendmahl abgelehnt, den Papst kritisiert und die Bibel als alleinige Autorität anerkannt. Jan Hus hat kritisiert, dass Sünden durch Ablassbriefe vergeben werden, und Savonarola hat die mächtigen Renaissance-Päpste heftig wegen ihrer verkommenen Moral bekämpft.

Hans Böhm war ein einfacher Hirte, ein radikaler Sozialrevolutionär, der kirchliche und weltliche Herrscher bekämpfte, die Bruderschaft aller betonte – und: alle sollen gleichermaßen hart arbeiten. In der Gravamina (übersetzt: „Beschwerden“) wurde das zusammengetragen, was Fürsten, Städten, Menschen der Kirche nicht gepasst hat. Ihnen hat nicht gepasst, dass so viel Geld aus deutschen Landen nach Rom abgeführt wurde, dass Kirchenämter überteuert verkauft wurden. Weil die Päpste die Kritik ignorierten, hat sich große Wut angestaut. Diese entlud sich dann in der Reformationszeit. Herrscher wandten sich auch darum leichter Luther zu. Johannes Tauler hat ganz andere Bedeutung. Er blieb im traditionellen katholischen Rahmen, hat allerdings dadurch, dass er die Gottesbeziehung von Priestern löste, Bedeutung gehabt. Das heißt: Für ihn ist der Priester – also die kirchliche Hierarchie – für die Beziehung der Glaubenden zu Gott unwichtig. Die Seele kann mit Gott Verbindung haben ohne die Messe. Luther nannte Tauler den „deutschen Kirchenvater“. Erasmus von Rotterdam blieb auch innerhalb des kirchlichen Rahmens, indem er Spaltung der Kirche und „Revolution“ abgelehnt hat, stattdessen hat er das Gewicht auf ruhige Bildung gelegt. Aber: Er hat moralische Verkommenheit, Korruption, Reliquienkult der Kirche heftig abgelehnt; er hat zudem die Bibel neu griechisch herausgegeben und Fehler der lateinischen Übersetzung korrigiert.

Vieles von dem, was oben von Einzelnen und ihren Anhängern kritisiert wurde, wurde in der Reformation aufgegriffen. Wir können daran sehen, dass Luther und andere Reformatoren auf ihren Schultern standen.

2. Zeitgeschichte

Aufgabe 2:

Erkundigt Euch – sicher kann der Geschichtslehrer oder die Geschichtslehrerin gute Tipps oder Literatur geben:

  1. die gesellschaftliche Situation (Hierarchien / Abgaben / Frondienste / Stämme / Heer / Berufe / Mann-Frau)
  2. die Entdeckungen (Amerika, Afrikanische Küste, Asien, [vielleicht] Australien)
  3. die Erfindungen (Johannes Gutenbergs Buchdruck, Bergbautechnik, Landwirtschaft)
  4. Ängste (religiöse Ängste / Fegefeuer – aber auch Lebensängste: Krankheiten, Seuchen, Geister, Hunger, Ausbeutung, Kindersterblichkeit)
  5. um Kunst und Dichtung, um Tanz und Musik
  6. um Bildung.

3. Leben und Wirken Martin Luthers

  1. Geboren am 10. 11. 1483 in Eisleben.
  2. Luthers Vater war Bergwerkunternehmer.
  3. Luther besuchte die Schule. Er verließ sie 1501 und begann in Erfurt Latein, Philosophie, Mathematik, Rhetorik zu studieren.
  4. 1505 sollte er Rechtswissenschaften studieren. Sein leichtsinniges Leben ließ ihn befürchten, dass er in die Hölle kommt. Ein Blitz soll ihn dazu gebracht haben, einen anderen Weg einzuschlagen, als sein Vater wollte.
  5. Luther trat ins Kloster der Augustiner in Erfurt ein. 1506 legte er das Mönchsgelübde ab.
  6. 1507 wurde er zum Priester geweiht.
  7. 1510 wurde er von seinem Orden auf eine Reise nach Rom geschickt und war geschockt von der Sittenlosigkeit, die dort herrschte.
  8. 1512 wurde er Professor an der Universität Wittenberg. Die gesamte Zeit rang er um die Frage: Wie bekomme ich – trotz meiner üblen Taten, trotz meines Sünderdaseins – einen gnädigen Gott? Die Antwort bekam er durch den Römerbrief des Paulus: Man wird nicht durch gute Werke, sondern durch Gottes Gnade gerettet. Nicht das Gericht Gottes steht im Mittelpunkt des christlichen Glaubens, sondern die Liebe Gottes. Das zeigt zum Beispiel das Gleichnis vom verlorenen Sohn – vor allem aber das Sterben Jesu Christi für uns am Kreuz.
  9. Am 31.10.1517 soll er 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angebracht haben: gegen Ablass – mit theologischer bzw. biblischer Begründung (heute wird der Tag als Reformationstag gefeiert). Damit zusammen hängt: Kritik am Papst (wobei Luther zu der Zeit noch meinte, der Papst wüsste nichts von den Missständen in der Kirche). Mit dem Ablass – wie auch mit Wallfahrten, Reliquienkulten usw. – konnten Menschen sich und ihre Verstorbenen vom Fegefeuer freikaufen. Es hieß: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“ (Tetzel)
  10. 1518 Eröffnung des Ketzerprozesses gegen ihn.
  11. 1519 sollte er die Thesen widerrufen: Es fand eine „Leipziger Disputation“ mit Johannes Eck statt. Luther: Päpste und Konzilien stehen nicht über der Bibel und die Heiligen, auch sie irren; nicht Gehorsam gegenüber der Kirche, sondern Glauben zählt.
  12. 1520/1521 erschienen drei wesentliche Schriften:
  13. „An den christlichen Adel deutscher Nation“: Keine Überordnung der Priester über den Laien, Abschaffung des Kirchenstaats und des Zölibats, Reform des Bildungswesens.
  14. „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“: Nicht sieben Sakramente, sondern drei: Taufe, Abendmahl, Buße (später hat er die Buße nicht mehr dazugezählt). Ein Sakrament besteht aus einem Verheißungswort Jesu und einem Zeichen.
  15. „Von der Freiheit eines Christenmenschen“: Ein Christ ist ein freier Herr und niemandem untertan – ein Christ ist ein Knecht und jedem untertan: Es ist ein freiwilliger Dienst in Liebe. Der Christ muss nicht Gutes tun, sondern tut Gutes, weil er aus Gottes Kraft, aus Glauben heraus Gutes tun will.
  16. 1520 verbrennt Luther die Bannandrohungsbulle des Papstes,
  17. 1521 wurde der Bann über Luther verhängt.
  18. 1521 Reichstag in Worms. Luther beruft sich auf sein Gewissen, das von Gottes Wort gefangen genommen wurde. Hier soll das Wort gefallen sein: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen“.
  19. Wormser Edikt: Der Kaiser (Karl V.) verhängt Reichsacht über Luther – er ist nun vogelfrei.
  20. Um Luther zu schützen, wurde er auf Befehl seines Fürsten (Friedrich der Weise) auf die Wartburg entführt, dort lebte er als Junker Jörg und übersetzte die Bibel – das Neue Testament – und hat damit auch wesentlich zur Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache beigetragen.
  21. Sein Freund und Wegbegleiter war Philipp Melanchthon (Philologe, Humanist, Philosoph, Theologe) – der die reformatorische Lehre geschickt formulieren konnte.
  22. 1522 kehrt Luther nach Wittenberg zurück, wendet sich gegen die aufständischen Bauern („Schwärmer und Rottengeister“), die Klöster und Burgen mit ihren Massen überrennen, Menschen morden und plündern. Er wendet sich auch gegen seinen Anhänger, den Bauernführer Thomas Müntzer – mit seiner Schrift „Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern“. Er wandte sich gegen beide Seiten, damit das Blutvergießen aufhört.
  23. 1523 hat Papst Hadrian auf dem Reichstag zu Nürnberg ein Schuldbekenntnis vorlesen lassen und versprochen, die Kurie zu reformieren. Luther hat darauf nicht reagiert.
  24. 1525 heiratete er die ehemalige Nonne Katharina von Bora und beide bekamen sechs Kinder. Als Mönch und als Nonnen durften sie nicht heiraten, Das war ein Affront gegen die Tradition. Katharina von Bora (1499-1552) hat für den riesigen Haushalt gesorgt, denn Luther hatte viele Gäste, sie beherbergten geflohene Nonnen und Mönche, sie kümmerte sich um Landwirtschaft, ließ sich vom depressiven und körperlich leidenden Ehemann nicht unterkriegen. Ohne ihre Tatkraft ist der Beginn der Reformation kaum zu denken.
  25. 1529 „protestierten“ Fürsten und Städte auf dem Reichstag in Speyer gegen die Unterdrückung der Reformation. Darum heißen Evangelische auch „Protestanten“.
  26. 1530 wurde in Augsburg ein Bekenntnis vorgelegt, in das der reformatorische Glaube in seinen Grundzügen dargestellt wurde.
  27. 1534 schloss Luther die Übersetzung der Bibel ab.
  28. 1543 wendete er sich mit seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ gegen Juden, weil er enttäuscht war, dass sie sich nicht der Reformation angeschlossen haben.
  29. 1546 starb Luther auf einer Reise nach Eisleben im Alter von 63 Jahren. Er reiste nicht in den Urlaub, sondern „visitierte“ Schulen – das heißt: Es ging darum zu überprüfen, ob richtig gelehrt wird.

4. Zentrale Themen:

a)  Zentrale theologische Aussagen der Reformation: Solus Christus, sola fide, sola gratia, sola scriptura:

  • Allein Christus / Solus Christus (nicht der Papst, nicht die Heilsmittlerfunktion der Kirche durch Priester und Sakramente, nicht Heilige und Maria – allein Christus ist Mittler zwischen Gott und Mensch),
  • allein der Glaube / Sola fide (nicht durch gute Werke; Ablassbriefe, Kirchgänge usw. wird der Mensch gerechtfertigt, sondern allein durch den Glauben), damit verbunden:
  • allein die Gnade / Sola gratia (auch der Glaube ist kein Werk, Gottes Gnade kann nicht durch Taten verdient werden)
  • allein die Schrift / Bibel / Sola scriptura (nicht Kirchenväter und Konzilsbeschlüsse, sondern allein die Bibel ist Maßstab für die Kirche, für das Leben der Christen).

b)  95 Thesen: https://www.ekd.de/95-Thesen-10864.htm (Link überprüft: August 2026)

c)  Verteidigungsrede auf dem Reichstag zu Worms: http://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/renaissance/frueh/luther/texte/1521worms.htm#1524 (Link überprüft: August 2026)

d)  Theologie Luthers in Liedern und Gebeten: http://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/renaissance/frueh/luther/lieder/start.htm (Link überprüft: August 2026)

e)  Lucas Cranach / Altarbild: http://www.goethe-gymnasium-berlin.cidsnet.de/83-deutsch/deutsch-exkursionen/443-weimar2014-2 Das gesamte Altarbild der Stadtkirche: https://www.luther2017.de/neuigkeiten/weimarer-reformationsaltar-wahrscheinlich-von-cranachs-sohn-gemalt/index.html (Links überprüft: August 2026)

Erst lesen, wenn Du Deine eigenen Beobachtungen aufgeschrieben hast (!): Ein paar Tipps: Verkündigungsengel, Mose-Geschichten (Gesetzestafeln; eherne Schlange), Adam und Eva (Schlange und Baum); Luther mit Bibel, der Maler mit Jesu Blut besprengt (= Vergebung der Sünden), Johannes der Täufer, der auf Jesus als Lamm Gottes zeigt. Jesus am Kreuz; das Kreuz besteht aus einem Baumstamm: der Baum ist links trocken, rechts grün; links im Bild: der auferstandene Jesus besiegt Tod und Teufel; das Lamm: Jesus, der die Sünde der Welt trägt (Agnus Dei).

5. Weitere Reformatoren und andere

Es werden weitere Menschen den „Reformatoren“ zugerechnet. Sie – und andere – seien genannt, weil sie zeigen, wie bewegt diese Zeiten waren. Unterschiedlichste Konzepte wurden „ausprobiert“, sie bekämpften Andersdenkende mit Gewalt, sie versuchten mit Argumenten den richtigen Weg zu finden. Neben denen, die genannt wurden, sind freilich auch die unterschiedlichsten katholischen und humanistischen Protagonisten mitzubedenken, die hier allerdings nicht aufgeführt werden. Genannt werden auch Frauen. Denn es ging nicht nur um berühmte Diskussionen, sondern auch um die Durchsetzung reformatorischen Gedankens im Volk, sowohl im Adel, als auch unter dem normalen arbeitenden Volk. Dazu haben Frauen sehr viel beigetragen:

  1. Philipp Melanchthon (1497-1560), der Weggefährte von Luther, ohne den die lutherische Reformation nur schwer zu denken ist. Er war ein scharfer Denker und wird als „Lehrer Deutschlands“ bezeichnet.
  2. Heinrich Bullinger (1504-1575). Er war der Nachfolger des unten zu nennenden Zwingli und hat die reformierte Kirche in der Schweiz gefestigt. Durch seine intensive Korrespondenz hat er die reformierte Kirche in Europa vernetzt.
  3. Thomas Cranmer (1489-1556) hat in England gewirkt, hat das bis heute verwendete Book of Common Prayer verfasst, er wurde von der Königin Mary I. verfolgt, festgenommen und verbrannt. John Knox (um 1514-1572) war von Calvin beeinflusst, wirkte intensiv in Schottland.
  4. Menno Simons (1496-1561) war eine führende Gestalt in der Täuferbewegung (Mennoniten), das heißt, die Kindertaufe ist abzulehnen, er forderte die Trennung von Kirche und Staat, Christen sollten als strenge Pazifisten leben. Katholiken wie Protestanten lehnten ihn ab, verfolgten die Anhänger. Auch Balthasar Hubmaier wollte wie Thomas Müntzer die freiwillige Taufe als Erwachsene. Allerdings war
  5. Thomas Müntzer (1489-1525) kein Pazifist, sondern begründete bewaffneten Widerstand theologisch, war Kriegsprediger im Bauernkrieg. Er wurde gefangen genommen, gefoltert, hingerichtet.
  6. Bathasar Hubmaier (1480-1528) wollte kleine, nicht vom Staat abhängige Gruppen Glaubender, die sich an der Bergpredigt orientierten. Hubmaier wurde in Wien verbrannt, seine Frau Margarethe wurde ertränkt.
  7. Johannes Bugenhagen (1485-1558) wirkte in Nordeuropa. Er krönte Herrscher und baute ein Schulsystem nach lutherischem / melanchthonschem Vorbild auf und organisierte die lutherische Kirche in Skandinavien.
  8. Martin Bucer (1491-1551) wirkte in Straßburg. Sein großes Bestreben bestand darin, die zerstrittenen Lutheraner und Reformierten zusammenzuführen. Er beherbergte Calvin, beeinflusste ihn. Er musste am Ende seines Lebens nach England fliehen, beeinflusste Thomas Cranmer.
  9. Argula von Krumbach (1492-1554) war eine mutige Frau, sie veröffentlichte Flyer, die damals reißenden Absatz fanden. Sie bot an, an der Universität von Ingolstadt mit Gelehrten auf deutsch zu diskutieren.
  10. Katharina Zell (1497-1562) war die Frau des Straßburger Reformators Matthäus Zell, sie war selbständige Theologin und Autorin, schreib Trostschriften für Verfolgte, hielt Trauerreden, setzte sich öffentlich schriftlich mit Kritikern der Rerformation auseinander, betonte die Rechte der Armen, und was für die Reformation ganz wichtig ist: sie betonte die Freiheit des Gewissens.
  11. Elisabeth von Rochlitz (1502-1557) ihre Briefe zeigen, wie aktiv Frauen des Hochadels sich um politische und religiöse Fragen kümmerten.
  12. Elisabeth von Brandenburg (1510-1558). Die Herzogin setzte sich gegen den Willen der Familie und des Kaisers für die Reformation ein, sie verfasste ein Regierungs- und Kirchenhandbuch, damit ihr Sohn weiß, wie er Kirche, Schule und Moral im Land fördert. Ebenso schrieb sie Trostschriften und Briefe. Sie dichtete eigene Lieder und hat wohl auch ein Gesangbuch herausgegeben.
  13. Marie Dentière (um 1495-1561) kritisierte in Schriften die französische Kirche, setzte sich für Rechte und theologische Bildung von Frauen ein, sie sollten sich nicht von Männern den Mund verbieten lassen – was dann Kritik einbrachte, von dem unten zu nennenden Calvin.
  14. Elisabeth Cruciger (um 1500-1535) sei hier stellvertretend für die vielen Liederdichterinnen genannt. Denn die Reformation hatte auch Auswirkungen auf Frauen, die sich mit Texten frei entfalteten. Von ihr gibt es auch im Evangelischen Gesangbuch noch ein Lied.
  15. Wibrandis Rosenblatt (1504-1564) war nacheinander mit vier Männern verheiratet, drei von ihnen waren bekannte Reformatoren. Wie es dazu kam, kann hier in der Kürze nicht beschrieben werden – ist aber sehr interessant. Deutlich ist dass ihre Gaben darin bestanden, dem sozialen Umfeld der Reformation zu dienen, auf diese Weise die Reformation zu fördern.
  16. Olympia Fulvia Morata (1526-1555) – sie war sehr gebildet, Humanistin, floh wegen ihres Glaubens aus Italien, wurde zu einer bekannten Gelehrten.

17. Huldrych / Ulrich Zwingli (1484-1531)

Zwingli war durch Erasmus (s.1.) und seine Anhänger geprägt worden. Er war humanistisch eingestellt, das heißt hier: Glaube wird sehr stark auf den Verstand bezogen – Glaube wird vom Verstand bestimmt, nicht von erlebter, gefühlsmäßig wahrgenommener Gottesbeziehung. Emotionen sind nicht so gefragt. Das zeigt sich dann auch in seiner Interpretation des Abendmahls / der Eucharistie (ein Erinnerungsmahl), Fasten war etwas, das aus seiner Sicht gegen das Evangelium verstieß (das Wurstessen in der Fastenzeit wurde berühmt) wie auch das Verbot der Priesterehe. Wie Erasmus setzte er sich in Zürich für eine behutsame Reformation der Kirche ein, basierend auf Bildung. Aber das änderte sich. Nachdem das Volk radikal gegen katholische Tradition vorgegangen war, war er treibende Kraft dafür, alles, was aus seiner Sicht dem Evangelium widerspricht, geordnet, also nicht gewalttätig, aus der Kirche zu entfernen (Gesang, Altar, Prozessionen, Reliquien usw.). Gott ist so allmächtig, dass er alles bestimmt – er bestimmt auch, wer glauben kann und wer nicht, und das steht schon von Ewigkeit her fest (Prädestination) – also auch schon in gewisser Weise vor Christus.

Er war auch stärker politisch tätig, wandte sich zum Beispiel dagegen, dass fremde Mächte in der Schweiz Söldner kaufen konnten, profitiert davon haben Reiche. Immer mehr Schweizer Städte schlossen sich an, sodass es dann zu zwei Lager in der Schweiz kam. Ein Krieg ist ausgebrochen, bei dem Zwingli als Feldgeistlicher ums Leben kam.

18. Johannes Calvin (1509-1564)

Calvin wurde in Frankreich geboren, wurde gehoben bürgerlich, wohl auch durch einen adligen Finanzier, aristokratisch erzogen, war humanistisch geprägt. Als sein Freund an der Uni eine humanistisch-reformatorische Rede gehalten hatte, die nicht gut ankam, musste dieser fliehen, Calvin ging mit. Die Frage ist, ob Calvin diese Rede mitverfasst hatte. Sie flohen nach Basel. Dort hat er dann sein wichtigstes Werk, das später immer wieder überarbeitet wurde, verfasst, das die reformatorischen Sichtweisen darlegte: Institution Christianae Religionis“ / Unterricht in der christlichen Religion 1536).

Er ging später nach Genf, dem Hauptwirkungsort. Hier versuchte er die christliche Gemeinde zu einer Art Gottesreich auf Erden, also zu einer sehr moralischen Gemeinde, zu machen. Sittlich einwandfrei: Tanzverbot, Spielverbot, Kleiderordnung, sittliches Eheleben usw.). Das geht nur durch Kirchenzucht, also durch Strafe und strenger Beobachtung der Gemeindeglieder. Er hat einen Katechismus verfasst. Ein Auszug diente als Eidesgrundlage für die Gemeindeglieder. Aber nicht alle wollten diese extreme Glaubensform, wandten sich gegen sie, bekamen bei Wahlen die Mehrheit. So wurde er aus Genf ausgewiesen. Hier wird auch die Spannung zwischen Kirche und Staat, also im kleinen zwischen kirchlicher Gemeinde und Kommunalgemeinde deutlich. Die Menschen wollten sich nicht einfach so von der von Calvin geprägten Kirche vereinnahmen lassen. Auch ohne Calvin gingen in Genf jedoch die Auseinandersetzungen weiter. Die Calvin-Gruppe bekam die Mehrheit, Calvin wurde zurückgerufen – und es begann ein kurioses System: Es kam zu grausamen Bußforderungen, Hinrichtungen. 14 Jahre nach der Rückkehr Calvins nach Genf war der Widerstand gebrochen. Calvins Ziel war nicht, allein die Schweiz zu reformieren, sondern ganz Europa. Entsprechend wurden Pfarrer aus aller Herren Länder in Genf ausgebildet. Und so haben die Reformierten weite Teile Europas für sich gewinnen können.

Von dem berühmten Soziologen Max Weber (1864-1920) wurde die strenge, theologisch begründete Sittlichkeit auch als Grundlage der starken europäischen Wirtschaft angesehen. Calvin lehrte wie Zwingli eine strenge Prädestination, das führte dazu, dass Glaubende sich fragten: Gehöre ich zu den Auserwählten? Daraus folgte ein disziplinierter, sparsamer, arbeitsreicher Lebenswandel. Am wirtschaftlichen Erfolg ist Gottes Wohlwollen erkennbar. Und so haben sich Menschen besonders angestrengt. Wenn viele Menschen sich besonders anstrengen, kommt es zum Erfolg – der moderne Kapitalismus (so Weber) hat einen immensen Schub bekommen.

Johannes Calvin für den Unterricht: http://www.reformiert-info.de/daten/File/Upload/doc-7708-1.pdf

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Literatur:

Michael Landgraf: Reformation. Angst überwinden – Aufbruch wagen. Einführung – Materialien – Kreativideen. Calwer – EPV – RPE Speyer und Stuttgart 2008 (2. Auflage)

DVD: Luther. Regie: Eric Till, Universal Pictures/Warner Home 2003

DVD: Martin Luther, Regie: Günther Klein, SCM-Verlagsgruppe 2007

DVD: Katharina Luther; Regie: Julia Heinz, Euro Video Medien 2017

Zu Martin Luther: https://www.youtube.com/watch?v=gVLyT-MxTV4

Reformation einfach erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=AToDOEAYRj8