JESUS UND GEWALTLOSIGKEIT
Aufgabe 1: Lest
- Matthäusevangelium 5,3-12
- Matthäusevangelium 5,13-16 und 38-48
- Matthäusevangelium 10,16-25.28-31
- Matthäusevangelium 15,1-20
- Matthäusevangelium 26,47-56
- Apostelgeschichte 7
- Römerbrief 12,17-21
Was könnt Ihr nach den Vorarbeiten auf der vorangegangenen Seite (https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/gewalt-ueberlegungen/) mit Blick auf diese Texte für Schlussfolgerungen ziehen?
Informationen:
Diese Worte im Neuen Testament haben den gewaltlosen Widerstand von Mahatma Gandhi und Martin Luther King geprägt. Es war ein machtvoller Widerstand, denn Gewaltlosigkeit zu leben, ist sehr schwer. Und darum werden solche Worte in der ganzen Kirchengeschichte immer wieder diskutiert: Kann man so leben? Will Gott wirklich, dass wir so leben – gewaltlos?
Aufgabe 2:
Erkundige Dich: Wer waren Mahatma Gandhi und Martin Luther King? Wenn Du es schon weißt, dann schreib auf, was Du weißt. Wenn Du Dich erkundigst schreib kurz auf, warum sie so berühmt geworden sind.
Was ist, wenn Menschen unter Gewalttätern leiden, darf man dann auch keine Gewalt anwenden? Darum wird unterschieden zwischen erlaubter und unerlaubter Gewalt. Das hängt damit zusammen, dass das Neue Testament – auch die Worte Jesu – kein Gesetz sind. Jeder Christ muss so leben, dass er sein Leben vor Gott und anderen Menschen verantworten kann. Dieses Denken hat in neuerer Zeit maßgeblich Dietrich Bonhoeffer geprägt: „Bereits im April 1933, als Geschäfte von Juden boykottiert und jüdische Beamte aus dem Staatsdienst ausgeschlossen wurden, hat sich Bonhoeffer auf die Seite der Diskriminierten gestellt. Die Kirche, meinte er, habe sich darauf vorzubereiten, dass sie nicht nur die Opfer verbinden, sondern „dem Rad selbst in die Speichen fallen“ müsse. Hellsichtig fasste Bonhoeffer die Gefahr ins Auge, dass der Rechtsstaat zu einen Unrechtsstaat werden könnte. In diesem Fall wäre Widerstand angezeigt. Aus dem Jahr 1935 stammt dann der Ausspruch: „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.“ Der Theologe liebte diesen alten gregorianischen Kirchengesang, den er in den evangelischen Gottesdienst einführen wollte. Aber „gregorianisch singen“, das heißt, den Glauben bekennen, setze voraus, dass man sich für die geplagten Juden wehre. Später, im Zweiten Weltkrieg, beteiligte sich Bonhoeffer an einer Rettungsaktion für Berliner Juden.“ (aus: https://www.bonhoeffer.ch/texte-zu-bonhoeffer/bonhoeffer-dem-rad-in-die-speichen-fallen; 2006; überprüft Juli 2026)
Aber dennoch setzt kein Christ aufgrund der Worte und des Lebens Jesu leichtfertig Gewalt ein.
Der Weg, den Jesus vorschlägt, ist ein dritter Weg. Es geht weder um passive Unterwerfung noch um unüberlegtes Zurückschlagen. Der dritte Weg ist ein überlegtes Handeln, um Feindschaft zu überwinden. Es bedeutet aber Leidensbereitschaft – gegen den menschlichen Instinkt, der einfach zurückschlagen will. Diese Leidensbereitschaft ist aber nicht Unterwerfung, sondern zielt darauf ab, den Gewalttäter durch eine überraschende Reaktion zum Umdenken zu bewegen (was aber nicht immer erfolgreich sein muss – und wiederum Leidensbereitschaft erfordert). Manchmal erscheint der Weg direkter gewalttätiger Reaktion der schnellere und bessere Weg zu sein. Aber dieser Weg kann auch in einer endlosen Gewaltspirale enden. Der Weg, den Jesus vorschlägt, überrascht, weil er den vermeintlich Schwächeren über den vermeintlich Stärkeren erhebt. Wer überraschend reagiert, der ist im Grunde stärker als einer, der einfach zuschlägt.
Es geht in Jesu Lehre um „intelligente Feindesliebe“. Das heißt nicht, dass man sich alles gefallen lässt. Das bedeutet, dass man versucht, überraschend zu handeln. So zu handeln, dass der andere, wenn es gut geht, zur Besinnung kommt und von seiner Feindschaft ablässt. Feindesliebe bedeutet nicht, dass Liebe ein Liebes-Gefühl ist. Liebe bedeutet in der Zeit Jesu in diesem Kontext, dass man dem anderen Gutes tut, auch wenn er es eigentlich „nicht verdient“ hätte. Damit soll die Gewaltspirale unterbrochen werden. So hat auch das Nächstenliebegebot (Tue dem anderen das, was du möchtest, dass er dir tue) eine Besonderheit: Man geht in Vorleistung. Das ist nicht leicht.
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In Jesu Worten spielt Gewalt auch eine Rolle – er spricht vom „Gericht Gottes“. Gott wird am Ende der Zeiten die Menschen richten. Damit nimmt er aus seiner Tradition einen Gedanken auf, der sehr wichtig geworden ist. Ihr habt das oben schon am Römerbrief des Paulus andeutend finden können: Wenn Menschen unter gewalttätigen Menschen leiden, wenn sie sich nicht wehren können, dann finden sie Trost darin, dass Gott einmal die Verhältnisse ändern wird. Die Gewalttäter werden es büßen müssen, dass sie so unmenschlich mit ihren Mitmenschen umgegangen sind. Und das gilt dann nicht nur für Massenmörder. Jesus setzt einen anderen Maßstab an: Wer andere übersieht, wer nicht verantwortlich mit seinem Geld umgeht, wer andere beleidigt, wer Menschen erniedrigt… – kurz: Jeder, der den liebevollen Willen Gottes für den Menschen nicht umsetzt bzw. umzusetzen versucht, der wird Gott auch als richtenden, als gerechten Gott erfahren.
Die christliche Tradition hat das Thema Gericht Gottes manchmal sehr blutrünstig ausgemalt. Viele Künstler haben all ihre Phantasie dafür verwendet, die Hölle zu beschreiben und zu malen. Wie es letztlich aussieht, wissen wir nicht. Das Gericht Gottes sieht dann – so lässt Jesus durchblicken – so aus, dass die Menschen die Gottesferne erleben müssen. Sie wollten sie haben, dann bekommen sie sie auch. Gott zwingt niemanden in seine Nähe. Man muss aber immer daran denken, dass Gottes Liebe größer ist, als wir es uns als kleine wenig liebende Menschen vorstellen können. Gottes Liebe und Gerechtigkeit fallen zusammen. Das können wir nicht denken.
Das fällt in unserer Gesellschaft manchen schwer, sich Gott auch auf diese Weise vorzustellen, denn in unserer Gesellschaft geht es normalerweise noch recht friedlich und gesittet zu – und so denkt man doch lieber an den lieben Gott, der keinem etwas zu Leide tun kann. Aber Liebe und Gerechtigkeit gehören zusammen. Gott ist gerecht, er will, dass Menschen auch gerecht sind. Darum ist nicht nur von Gottes Liebe zu reden, sondern auch von Gottes Gerechtigkeit.
Aufgabe 3:
Menschen können sich dem Feind einfach unterwerfen, weil sie feige sind, weil sie denken, dass Widerstand sowieso nichts bringt.
(α) Wie siehst Du das: Ist Feindes-Liebe mit Feigheit zu verbinden?
(β) Ist Feindes-Liebe eine andere Art von Mut?
Aufgabe 4:
Der Apostel Paulus schreibt in Römer 12,17-21, dass Glaubende Gott das Richten überlassen sollen – das würde bedeuten, dass man feurige Kohlen auf des Feindes Kopf legt. Was könnte er damit meinen?
Aufgabe 5: Informiert Euch über die Lebensumstände im Kongo.
Versteht Ihr die Worte über Gott als einen, der ungerechte Menschen richtet, besser? Begründe.
Nach dieser Arbeit ist ein Spiel angesagt.
Malt auf ein DINA4-Blatt ein Bild, das Euch spontan zu dem Thema in den Sinn kommt.
Malt einen Weg mit 8 Ereignisfeldern – und zwischen den Ereignisfeldern immer 5-8 Stellplätze für die Figuren (Papierknuddel, Filzstiftkappen…). Wer auf das jeweilige Ereignisfeld trifft, soll den Bibeltext bzw. einen Aspekt daraus erzählen. Wenn er Euch nicht mehr einfällt: Noch einmal lesen!
Ereignisse:
- Seligpreisungen (Mt 5): Menschen, die sich nach einer gewaltlosen Welt sehnen und für sie handeln, haben Gott auf ihrer Seite. Vor Freude noch einmal würfeln!
- Das Feindesliebegebot (Mt 5,38ff.): Jesus bringt mit dieser Forderung eine ganz neue Verhaltensweise unter die Menschen. Das ist so erstaunlich, dass wir vom Platz aufstehen und in den Raum rufen (nicht brüllen!): Ooohhh.
- Jünger müssen Gewalt ertragen (Mt 10): Menschen, die zu Jesus gehören, müssen damit rechnen, dass sie unter Gewalttaten anderer zu leiden haben. Vor lauter Schreck gehen wir vier Felder zurück und kriechen unter den Tisch.
- Jünger müssen keine Angst haben (Mt 10): Menschen, die zu Jesus gehören, brauchen trotz dieser Aussichten keine Angst haben, weil sie zu Gott gehören und er um ihre Not weiß. Steht auf und geht hoch erhobenen Hauptes durch den Raum.
- Jesus kämpft (Mt 15): Jesus ist friedlich – aber er lässt sich nicht kleinkriegen, sondern greift die Gegner mit Worten an, um eine bessere Welt zu ermöglichen. Wir bewundern das und gehen zwei Punkte vor.
- Festnahme Jesu (Mt 26): Jesus wird verraten und festgenommen. die Jünger fliehen. Wir gehen einen Würfelwurf zurück und legen unseren Kopf traurig in die Hände.
- Stephanus (Apg 7): Bevor Stephanus stirbt, betet er wie Jesus am Kreuz für die Menschen, die ihn töten. Wir erkennen das Neue und würfeln noch einmal. Und sagen: Wow, das gibt es?
- Rache (Röm 12): Paulus sagt, dass Christen sich nicht rächen dürfen, sondern Gott alles überlassen sollen. Das ist für sie, als ob sie mit heißen Kohlen gebrannt werden. Nachdenklich setzen wir uns an das Fenster und setzen einmal mit dem Würfeln aus.
Merksätze:
Jesus möchte die Gewaltspirale, in der wir Menschen leben, mit seinen Worten und Taten durchbrechen. Damit bringt er eine ganz neue Sichtweise.
Jesus als Sohn Gottes stellt sich als machtlos dar und liebe-voll, nicht mit Gewalt oder Zorn – auch damit bringt er eine ganz neue Sichtweise.
Aufgabe 6: Kreuzigung von Jesus Christus
Jesus Christus hat seine Lehre mit seinem Verhalten bestätigt, vorgelebt. Er wurde von seinen Gegnern festgenommen, gefoltert, verurteilt, hingerichtet – er hat sich nicht gewehrt. Von einem Jünger von Jesus wird berichtet, er habe, als Jesus festgenommen wurde, sein Schwert / Messer genommen und einem das Ohr abgetrennt. Jesus hat es wieder geheilt (Lukasevangelium 22,49-51).
(α) Was sagst Du zu dem Verhalten des Jüngers und zu dem Verhalten von Jesus?
(β) Im Matthäusevangelium wird nicht berichtet, dass Jesus das Ohr wieder geheilt habe, sondern Jesus sagt: „Alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.“ Sprecht darüber, was er wohl damit meint.
Aufgabe 7:
Schreibe diese Merksätze kunstvoll ab – und umrahme sie so, dass Du es selbst schön findest.