Das Wort „Mission“ hat seinen Ursprung im Lateinischen und bedeutet: das Schicken, Entsenden, Senden. Das Wort bedeutet in der Übernahme durch Christen: Gott sendet Menschen, um sie mit der frohen Botschaft, dem Evangelium vertraut zu machen. Gott lädt alle Menschen ein – und sie können kommen. Heutzutage wird auch dieses Wort säkularisiert und bedeutet, eine besondere Aufgabe zu übernehmen, zum Beispiel im militärischen oder diplomatischen Sinn.
1. Die Anfänge im Judentum
Der christliche Glaube ist aus dem Judentum hervorgegangen – als eine Reformbewegung des Judentums. Jesus von Nazareth wollte seinem glaubenden Volk neue Impulse geben, indem er prophetische Verkündigung aufgriff und neu vertiefte. Es sollte sich auf Gott einlassen, so wie er es verkündigt hat. Er hatte manche männliche und weibliche Anhänger – Nachfolger – Schüler. Diese machten, nachdem Jesus hingerichtet worden war, ganz neue Erfahrungen: Jesus ist nicht tot – er lebt. Jesus ist der von Propheten angekündigte und erwartete Messias, der Christus. Diese Erfahrungen, verbunden mit der Erfahrung, dass er den Seinen seinen heiligen Geist gibt, hat dazu beigetragen, dass sich der christliche Glaube vom Judentum immer mehr löste. Judentum und Christentum gingen dann eigene Wege.
Bevor das aber soweit war, versuchten seine Jünger, seine Nachfolgerinnen und Nachfolger wie Jesus selbst das jüdische Volk von seiner Sicht zu überzeugen. Dazu wurden unterschiedlichste Mittel angewandt.
Jesus selbst schickte 12 bzw. 70 Jünger aus, damit sie in Israel möglichst breit die frohe Botschaft, das Evangelium, von der Nähe Gottes verkündigen. Manche wurden überzeugt. Viele nicht. Es gab Ärger, es gab Verfolgungen, Missachtungen. Aber sie ließen sich nicht entmutigen. Sie versuchten Menschen zu überzeugen durch Worte (Predigten, Argumentationen, Bibelauslegungen, neue Lieder) und durch Taten (Diakonie: Hungrigen Nahrung geben, Nackte zu kleiden, Benachteiligte und Ausgestoßene in die Gemeinschaft aufzunehmen).
Aufgabe 1:
a) Lies: Grundlage der Mission ist der so genannte Missionsbefehl Jesu. Jesus Christus forderte die Seinen laut Matthäusevangelium 28 mit dem so genannten „Missionsbefehl“ auf:
Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt
b) Was meinst Du: Wenn Jesus sagt: Macht zu Jüngern alle Menschen – wie wünscht er sich die Vorgehensweise der Nachfolgerinnen und Nachfolger? Ein Tipp: Wie würde Jesus vorgegangen sein? Wie ist Jesus vorgegangen?
Manche der vom Evangelium Überzeugten blieben eng am jüdischen Gesetz (so der Bruder Jesu, Jakobus), manche lösten sich aus der Sicht gesetzlicher Christen zu stark vom Gesetz (so der Apostel Paulus), manche waren irgendwo zwischen den Extremen zu finden (so wahrscheinlich der Apostel Petrus). Aber sie hatten alle eine gemeinsame Strategie: Reden und Tun.
Aufgabe 2:
a) Lies die Apostelgeschichte Kapitel 15: https://www.bibleserver.com/LUT/Apostelgeschichte15
b) Worum geht es?
c) Worauf einigte man sich die Gemeinde?
2. Die Anfänge im Heidentum (bei Römern und Griechen)
Der christliche Glaube wurde zunächst als eine Form jüdischen Glaubens angesehen. Es könnte sein, dass sich die frühen Christen „der (neue) Weg“ genannt haben – von den Heiden mit spöttischem Unterton als „die Christen“ (die Messiasse, die Gesalbten, die Könige) genannt wurden. Besonders aktiv in der Missionierung war nicht nur der umstrittene Apostel Paulus, sondern auch viele andere Frauen und Männer, manche sind mit Namen bekannt, manche nicht. Sie verkündigten das Evangelium überall: im Westen bis nach Rom und Spanien, in Nordafrika, nach Osten Richtung Iran und Indien, nach Süden bis nach Äthiopien. Sie verkündigten in ihren Orten und Städten, in ihrem Umfeld. Soweit noch Schriften vorliegen, können wir sehen, was oben schon genannt wurde: Die Menschen, die von verschiedensten heidnischen Frömmigkeiten sich dem christlichen Glauben zuwandten, waren zum Teil noch stark in ihrer alten Religion eingebunden, manche lösten sich ganz, manche lavierten irgendwo dazwischen. Es sieht so aus, dass viele Sklavinnen und Sklaven sich vom „neuen Weg“ angesprochen fühlten, denn er brachte Geborgenheit in ihren schweren Alltag: Auch wenn Menschen euch verachten – ihr seid Gottes Kinder, ihr seid gleich. Und diese Sklaven konnten auch so manchen Herrn, so manche Herrin überzeugen. Es wurden also nicht nur Sklavinnen und Sklaven und sozial Niederstehende überzeugt.
Aufgabe 3:
a) Lies aus dem Römerbrief das Kapitel 14: https://www.bibleserver.com/LUT/R%C3%B6mer14
b) Worum geht es?
c) Welche Lösung bietet der Apostel Paulus an?
3. Apologeten, Konstantin der Große und Theodosius der Große
Nach der Zeit der Anfänge begann eine intensive Diskussion mit heidnischen Philosophen und anderen. Es ging darum, das Christentum von ungerechtfertigten Vorwürfen und Vorurteilen zu befreien. Die Menschen, die das versucht haben, nennt man Apologeten. Manche von ihnen haben versucht zu zeigen, dass das Christentum philosophischen Traditionen der Heiden entspricht. So wurden dann manche Philosophen und Schriftsteller zu Vorläufern des christlichen Glaubens erklärt. Es kam zu „Dialogen“ mit Menschen anderer Religionen, allerdings aus der Position einer Minderheit heraus. Das heißt: Christen versuchten mit den anderen zu reden, versuchten sie mit Hilfe der Philosophie zu überzeugen, aber ob jemand wirklich zugehört hat, ist nicht so genau bekannt. Die Auseinandersetzungen waren zum Teil sehr heftig und die heidnischen Machthaber griffen nicht selten zur Gewalt, zu Verfolgungen, Foltern, Todesurteilen, Verbannungen, Strafarbeit in Bergwerken usw.
Parallel zur geistigen Auseinandersetzung haben Christen ein großes Netzwerk zwischen den Gemeinden geschaffen. Reisende Christen konnten bei anderen Christen übernachten, sie tauschten Erfahrungen aus. Zudem haben sie überall Anlaufstellen errichtet, zu denen Bedürftige kommen konnten.
Zur Mission gehören zwei Beine:
Wort-Verkündigung und helfende Taten.
Im Jahr 313 wurde das Christentum durch Konstantin den Großen als Religion anerkannt. Theodosius der Große hat es dann 380 zur Hauptreligion ernannt. Das Christentum wurde dominant und erhob sich auch über die anderen Formen von Religion.
Auch hier also: Es gab Christen, die das Christentum stärker mit den heidnischen Traditionen verwoben haben, es gab Christen, die dem vollkommen entgegenstanden und zwischen beiden Extremen gab es eine Unmenge an Positionen.
Aufgabe 4:
(a) Wie heißen die Menschen, die das Christentum mit Hilfe von Schriften verteidigten?
(b) Die Namen der beiden Herrscher muss man einfach kennen und einordnen können.
4. Das Christentum an der Macht
Als sich das Christentum dann in manchen Bereichen um das Mittelmeer herum vollkommen durchgesetzt hatte, trat es immer dominanter auf. Es gab manche Übergriffe auf Menschen anderer Religionen. Der alte Mob hatte nun einen anderen Namen: Während es vorher heidnischer Mob war, der Juden und Christen bedrängte, so war es nun christlicher Mob. Aber – und das ist festzuhalten – gleichzeitig übernahm der christliche Glaube immer stärker heidnische Elemente. Die Übernahme alter Traditionen ist häufig nicht bewusst. Sie geschieht automatisch, da der Mensch nicht alles reflektiert bzw. reflektieren kann. Diese Übernahme von alten Traditionen nennt man „Synkretismus“ gleichzeitig wird allerdings durch die Übernahme auch die Tradition verändert. Die Philosophie Platons wurde in der Interpretation des Neuplatonismus wie die der Stoiker stark in den christlichen Glauben aufgenommen. Aber eben immer auch durch den christlichen Filter. Nicht alles wurde übernommen, sondern nur das, was aus der Perspektive des Glaubens wichtig war. Diese Übernahmen führen auch immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den jeweiligen christlichen Gruppen. Den Versuch, den christlichen Glauben mit Hilfe der religiösen Tradition der jeweiligen Völker verständlich machen, nennt man „Inkulturation„.
Aufgabe 5:
(a) Was bedeuten die Wörter: Synkretismus und Inkulturation?
(b) Welche philosophischen Traditionen beeinflussten das Christentum besonders?
5. Christentum in Mitteleuropa
Die Situation in den nördlichen Bereichen Mitteleuropas unterscheidet sich massiv von den Bereichen am Mittelmeer. Im Norden waren es vor allem Mönche, die versucht haben, den christlichen Glauben in den unterschiedlichsten Stämmen zu verkündigen. Warum Germanen und Goten usw. den christlichen Gott angenommen haben, lässt sich kaum mehr so genau sagen. Es ist zu vermuten, dass er sie imponierte: Er war der Gott, der die Götter der Römer eroberte, er war also der stärkere Gott. Und von diesem Gott erhoffte man eben Siege. Von daher war der Religionswechsel des jeweiligen Königs der Auslöser dafür, dass das Volk ebenso den Wechsel der Religion vollzog (was bis in die Reformationszeit praktiziert wurde: cuius regio, eius religio: Wessen Herrschaft – dessen Religion). Es geht nicht allein um militärische Siege, sondern der christliche Glaube war äußerst modern: Er brachte Bildung, eine neue Moral in die alten Gesellschaften. Karl der Große hat das Christentum massiv gefördert. Klöster waren Bildungs- und Verwaltungszentren, Zentren, in denen Kranke behandelt wurden, man forschte in ihnen, sie brachten eine Vernetzung von Straßen nach Mitteleuropa und dienten als Hotels und mancherorts gleichzeitig als Grenzanlage. Großes Vorbild war die damalige Großmacht: Byzanz / Ostrom. Es dauert normalerweise Jahrhunderte, bis sich das Wesentliche christlichen Glaubens durchgesetzt hat. So läuft manches, was die Germanen glaubten und Christliches nebeneinander her, manchmal verschwand der christliche Glaube wieder, manchmal wurde er stärker betont. Leider ist aber das, was die jeweiligen Stämme Mitteleuropas glaubten, kaum mehr zu erkennen. Parallel liefen zum Beispiel Grabbeigaben christlichen und heidnischen Ursprungs.
Und das darf nicht übersehen werden: Das Leben nach dem Tod, die Auferstehung, dürfte wie das Leiden Jesu wesentlich für die Übernahme des christlichen Glaubens gewesen sein. Das lassen Gedichte aus der Zeit erkennen. Das alles gab es im germanischen Glauben so nicht: der „Herr“ / „Herzog“ (also Christus) lässt sich für seine Untergebenen hinrichten – und steht als Herrscher von den Toten auf. Die altsächsische Evangelien-Dichtung „Heliand“ (9. Jh.) betont Jesus als Herzog, der seine Vasallen um sich schart. Die Ernennung von Heiligen, lässt manchmal die Tradition der Götterverehrung ahnen. Heidnische Symbole gibt es bis jetzt an Hausgiebeln (Pferdeköpfe) in Norddeutschland. Das Recht war weiterhin lange Zeit sehr stark germanisch geprägt: Gottesurteil. (Wenn man nicht wusste, wer Unrecht getan hat, mussten Beschuldigte etwas tun. Wenn sie es schafften, waren sie frei, wenn nicht, wurden sie verurteilt. Dieses Recht geht stark auf psychische Komponenten ein. Wenn jemand ein schlechtes Gewissen hat, verlässt ihn die Kraft schneller als wenn er ein gutes Gewissen hat. Freilich gab es auch absurde und äußerst brutale Formen.)
Aufgabe 6:
Warum haben germanische Stämme vermutlich den christlichen Glauben übernommen?
6. Mission und Gewalt
Nicht immer lief es verhältnismäßig friedlich ab. Es ging natürlich auch um Macht. Christliche Herrscher waren manchmal genauso machthungrig wie Herrscher in heidnischer Zeit. Aus etwas anderer Perspektive: Karl der Große hat die sächsische Elite, die immer wieder die Franken angegriffen hat, nach dem Sieg (ca. 804) vor die Wahl gestellt: Sie werden Christen oder umgebracht. Das war wohl taktisch gedacht, weil die aufmüpfigen Sachsen durch den christlichen Glauben diszipliniert werden sollten. Und das endete auch für viele blutig. Otto der Große (912-973) war einer der bedeutendsten Herrscher aus dem sächsischen Adelsgeschlecht, der den christlichen Glauben massiv förderte.
Es gab Kreuzzüge von Christen gegen Christen in Europa – sie dienten nicht der Missionierung. Die Kreuzzüge ins heilige Land (11.-14. Jahrhundert) dienten in erster Linie ebenso nicht der Missionierung, sie dienten der Politik: Es ging um die Verteidigung von Byzanz gegen muslimische Angriffe, wie es in diesen Seiten vertieft dargelegt wurde.
Wir vergessen leicht, dass die Neuzeit mit dem Kolonialismus, den damit verbundenen Versklavungen unter den Völkern schlimmer gewütet hat, als die Kreuzzüge.
Missionierende Mönche begleiteten die Portugiesen (ab dem 15. Jh.) und die Spanier (15./16. Jh.) während der Eroberung von Südamerika. Der europäische Kolonialismus ist nicht ohne missionierende Kirchen zu sehen. Allerdings stellten sich die Missionare manchmal auf die Seite der Einheimischen gegen die Eroberer – aber leider zu selten, nur selten mit Erfolg. Gewalt gegen Missionare und Mission war kurzfristig wirkungsvoller – aber langfristig hat Mission doch mehr bewirkt.
Berühmte Beispiele für den Einsatz gegen Gewalt an die indigene Bevölkerung sind die Dominikaner-Mönche Antonio de Montesinos (berühmte Adventspredigt 1911 gegen Ausbeutung) und Bartholomé de las Casas (eindrücklich in seine nationalistische Zeit hinein – gegen Judenverfolgung – übertragen von Reinhold Schneider: Las Casas vor Karl V. (1938).
Europa hat der Welt zwei Gesichter gezeigt: einmal das kapitalistisch-ausbeuterische Gesicht (aber eben auch von Menschen, die sich als Christen ansahen) – dann das Gesicht derer, die versuchten, den christlichen Glauben mit seiner Menschlichkeit zu leben.
Aufgabe 7:
a) Recherchiere auf Youtube: Wie wird Las Casas dargestellt?
Bekannt ist auch, dass britische Handelsorganisationen (Ostindien Kompagnie / British East India Company) bis 1813 keine Missionare in Indien haben wollten, weil diese Menschlichkeit, Menschenrechte und Gerechtigkeit einforderten. Das Argument der Ostindienkompagnie war vordergründig, man solle der Traditionen der Hindus in Indien nicht respektlos entgegentreten. Entsprechend hielten sich englische Geschäftsleute Mädchen als Sexspielzeug – und sie wollten sich durch die Missionare nicht reinreden lassen. Missionare bekämpften auch diese schlimme Sitte: die Witwenverbrennung (Sati). Frauen – manchmal noch Teenager – wurden in Indien mit ihren verstorbenen Ehemännern verbrannt, die Kinder blieben dann allein und ohne Schutz zurück. Es gab einen massiven Kampf in Großbritannien darum, ob Missionare nach Indien geschickt werden sollen oder nicht.
Ebenso wollten Sklavenhalter in den USA keine Missionare unter Sklaven, weil sie befürchteten, diese könnten sie aufmüpfig machen. So zum Beispiel, indem sie mit Hilfe der Bibel lesen lernten. Letztlich hatten sie recht – und immer mehr geflohene, ehemalige Sklaven setzten sich – biblisch begründet – massiv für die Sklaven ein (als Beispiel seien nur Harriet Tubman [ca. 1822-1913] und Frederick Douglass [1818-1895] genannt – s. meinen Beitrag zur Sklaverei).
Oder Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Südafrika die sogenannten Kaffernkriege / Kapgrenzkriege. Weil die Missionare (z.B. John Philip [1775-1851] und seine Frau Jane Philip [1792-1847]) zu den unterdrückten Schwarzen (Xhosa) hielten und gleiche Rechte für sie einforderten, wurden sie von Buren wie Engländern als unpatriotisch bezeichnet und auch massiv bekämpft. Das Ziel der Missionare war schon damals – so lässt der berühmte Forscher und Missionar David Livingstone (1813-1873) erkennen – einheimische zu Missionaren und Medizinern auszubilden. Das heißt eben: Bildung.
Und so gab es immer Auseinandersetzungen zwischen frommen Christen, die für die Menschlichkeit eintraten und Allerweltschristen, die es aus welchen Gründen auch immer nicht getan haben.
Aufgabe 8:
Warum waren viele gegen die Missionierung von Menschen anderer Völker eingestellt? Erstelle eine Liste.
Ein ganz bedeutsamer Missionar war Bartholomäus Ziegenbalg (1683-1719). In Deutschland ist er kaum noch bekannt, dafür aber sehr in Indien, so sehr, dass man sogar einen Spielfilm über ihn gedreht hat. Er ist 1706 im Auftrag des dänischen Königs nach Südindien gegangen. Er lernte Tamil, übersetzte das Neue Testament, hat in Indien die protestantische Druckerei begründet, ließ dazu eine Druckerpresse nach Indien bringen, ließ dazu eine Papierfabrik errichten. Dadurch verbreitete er die tamilische Sprache in Schriftform. Er war vor allem auch Prediger und Lehrer, hat nicht in Portugiesisch, sondern in Tamil die Predigten gehalten. Um das gut zu können, hat er sich mit muslimischer und hinduistischer Religion intensiv beschäftigt. Er hat Schulen gegründet, in denen Kinder unabhängig von ihrem sozialen Status lernen konnten. Dadurch hat er die Kastengesellschaft aufgebrochen. Die indische Kirche sollte auf eigenen Beinen stehen und so ordinierte er er 1718 den ersten indischen Pastor. Seine Frau Maria Dorothea Ziegenbalg hat sich sozial-diakonisch um die Frauen gekümmert – mit denen Männer aufgrund der indischen patriarchalen Struktur keinen Kontakt aufnehmen durften.
Aufgabe 9:
(a) Wer war Bartholomäus Ziegenbalg? Lies hier – und gestalte eine Zeitachse: https://www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de/der-missionar-bartholomaeus-ziegenbalg/ (Link überprüft: 2026)
(b) Wenn Du auf Youtube den Namen Bartholomäus Ziegenbalg eingibst, was fällt Dir auf?
Spannend ist es auch, dass Missionare häufig Nachrichten aus den Ländern, in denen sie wirkten, Briefe nach Hause geschickt haben, so aus Ostafrika nach Deutschland. In ihnen beschrieben sie auch die Menschen, die Natur, die Stämme, die Sprache (sie schufen Grammatiken, Wörterbücher, um die Bibel übersetzen zu können), das Alltagsleben, die Mythen usw. Da die afrikanischen Stämme vielfach nur eine mündliche Überlieferungskultur und keine Schriftkultur kannten, sind diese Briefe die einzigen Zeugnisse der Stammesnachfahren, um über ihre Vorfahren Informationen zu bekommen. Allerdings wird dabei beachtet, dass die Missionare mit christlich-europäischem Filter die Informationen weitergegeben hatten.
Es gab auch berühmte Missionarinnen. Sie waren im Wesentlichen diakonisch-sozial aktiv. Ich will aus der Fülle nur auf folgende hinweisen – eine sehr subjektive Auswahl aus der Fülle an Frauen, die sich für andere einsetzten. An Männern wären auch mehr zu nennen als die in meiner kurzen Übersicht Genannten. Weil allerdings Frauen meistens nicht so berücksichtigt werden, möchte ich sie hier hervorheben. Ich möchte hinweisen auf Mary Slessor (1848-1915) in Nigeria, die sich gegen die Tötung von Zwillingen und für Bildung und medizinische Hilfe einsetzte, auf Amy Carmichael (1867-1951) die sich gegen die Tempelprostitution – also religiös legitimierter sexueller Ausbeutung – und für Kinderbildung in Indien engagierte. Nennen möchte ich auch Pandita Ramabai (1858-1922), sie gründete Schutz- und Bildungsstäte für Frauen und Mädchen. In China wirkten Gladys Aylward (1902-1970), die viele Waisenkinder im Krieg rettete und sich gegen das grausame Füßebinden (Zehen wurden durch enges Binden unter die Fußsohle gedrückt – galt als Schönheitsideal) wandte, oder Lottie Moon (1840-1912), die sich auch gegen das Füßebinden und für Frauenrechte einsetzte, auch für das Recht der Frauen, missionarisch arbeiten zu dürfen.
Aufgabe 10:
a) Erkundigt Euch nach weiteren berühmten Missionarinnen und Missionaren.
b) Erarbeitet in Gruppen zu jeweils einer Missionarin oder Missionar die Biographie.
c) Warum wollten sie unbedingt menschlich handeln?
d) Referiert Eure Ergebnisse. e) Führt si in der Diskussion im Plenum zusammen.
7. 19.-21. Jahrhundert
Aufgabe 11:
Lies die Texte
Mission-Wie-es-war-und-wie-es-istHerunterladen (Link überprüft: 2026)
Was wird über die protestantische / evangelische Mission gesagt?
(a) Wer war hauptsächlich daran beteiligt?
(b) Woran war Francke gelegen?
(c) Was lehrte Zinzendorf?
(d) Welche Folgen hat das Zerbrechen der europäischen Mission?
(e) Was hat man in der Gegenwart gelernt?
(f) Was ist das Ziel jeglicher Mission?
Das-christliche-Zeugnis-in-einer-multireligioesen-WeltHerunterladen (Link überprüft: 2026)
(g) Wie ist der Beitrag aufgebaut?
(h) Greife aus den drei Abschnitten jeweils einen Punkt heraus, den Du für wichtig hältst: richtig oder kritikwürdig.
Mission-und-DialogHerunterladen (Link überprüft: 2026)
(i) Worüber herrschen mit Blick auf Mission Auseinandersetzungen?
(j) Wogegen wird keiner etwas haben?
(k) Welche Konsequenzen zieht der Verfasser daraus für den Interreligiösen Dialog?
Aufgabe 12:
a) Du hast eine Menge über Mission erfahren. Fasse mit wenigen Worten zusammen, was darunter zu verstehen ist.
b) Nimm Stellung zu dem Ergebnis.
8. Missionierungsverbote
In vielen Ländern ist es gegenwärtig schwer, den christlichen Glauben zu leben. Jede öffentliche Äußerung als Christ kann als Missionierungsversuch ausgelegt werden. In vielen Ländern gibt es solche Gesetze, die es verbieten, dass Menschen Christen werden, es aber nicht verbieten, vom Christentum zur Landesreligion zu konvertieren: Islamische Staaten verbieten Konversionen und bedrängen das freie Leben von Christen, wenn es überhaupt erlaubt ist; manche Länder im hinduistischen Staat Indien schränken Religionsfreiheit massiv ein; kommunistisch-atheistische Länder versuchen den christlichen Glauben und die Christen zu kontrollieren, allen voran China, Nordkorea, Eritrea, Nicaragua usw. In manchen westlichen Ländern wird versucht, offensives Christentum zu diffamieren. Das offensive Christentum kommt vor allem aus den ehemaligen Kolonien Afrikas, Lateinamerikas und Asiens zurück nach Europa. Die eurozentristische Mission wird gebrochen. Was vielen säkularen Menschen nicht gefällt, das klingt ihnen alles zu fundamentalistisch, zu eng.
9. Säkulare „Mission“
Es gibt massive Kritik an der christlichen Mission. Der Grund: Die Traditionen der Völker werden zerstört. Es wird aber übersehen, dass das, was unsere moderne westliche Kultur treibt, noch stärkere Zerstörung der Völker verursacht. Werbung gaukelt eine heile Welt vor – in jeden Winkel der Erde; Fernsehen, Smartphones, Radio verbreiten westliche Kultur bzw. die Kulturen technisch dominanter Länder; der Kommunismus, Nationalismus, der Säkularismus hinterlässt überall seine Spuren; der aufgeklärte Westen versucht auf vielfältige Weise in das Alltagsleben der Menschen weltweit einzugreifen, sei es durch Handel, sei es durch Medizin, sei es durch Infrastruktur, durch Mode, durch Schönheitsideale. Menschen werden entwurzelt, sie suchen Materialismus, Karriere, Geld, Macht. Aber diese Form der „Mission“ wird nicht hinterfragt – findet sie emotional als gut, sie gilt als zivilisatorischer Erfolg. Christliche Mission versuchte Werte zu vermitteln – moderne säkulare „Mission“ entwurzelt.
Eingangs wurde gesagt, dass das Wort Mission von Christen so verstanden wurde, dass Gott sendet. Wer sendet in der säkularen Form der Mission?
Aufgabe 13:
Zu dem Thema Religionsfreiheit als Menschenrecht, stöbere auf dieser Seite herum: https://www.missio-hilft.de/informieren/wofuer-wir-uns-einsetzen/religionsfreiheit-menschenrechte/ (Link überprüft: 2026)