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Jesus und die Folgen für die christliche Ethik

 

 

Aufgaben: Recherchiere in den folgenden Texten:

  1. Was sagt Jesus über das reale Verhalten der Menschen?
  2. Wie sollen Menschen sich verhalten?
  3. Wie verhält sich Jesus?

 

Matthäus 5-7 (Bergpredigt)

Matthäus 25,31ff.

Markus 1-2

Lukas 10

 

 

Gott bringt sich in Jesus Christus zur Sprache - und er bringt zur Sprache, welche Verhaltensweisen er sich vom Menschen wünscht.

 

Welche Folgen hat das für die Ethik - und damit verbunden für das Menschenbild und das soziale Miteinander?

 

Jesus betont das Individuum. Es selbst muss entscheiden: Wie verhalte ich mich verantwortlich mit Blick auf den Willen Gottes? Gleichzeitig verlangt Jesus vom Individuum, dass es sich sozial engagiert, bis dahin, dass es sich zugunsten der Gesellschaft aufgibt, nicht die eigenen Vorteile sucht. Jesus befiehlt nicht, sondern er argumentiert in seinen Reden, lockt dazu, diese Vorstellungen zu befolgen, indem er Gleichnisse erzählt, indem er Regeln gibt - aber begründet, das heißt: Es sind nicht nur Befehle, die er gibt, sondern er versucht sie auf Vernunftbasis nachvollziehbar zu machen.

 

Ausgangspunkt seiner Argumentation ist die Vorstellung vom Reich Gottes - von einem Leben unter der Herrschaft Gottes: Wenn Gott herrscht, dann geht es gerecht zu und liebend. Menschen müssen nicht mehr leiden unter: Hunger, Krankheit, Behinderung, Knechtschaft durch Mächte oder Menschen, Ausgestoßensein, Erniedrigung... Und diese Vorstellung ist Ausgangspunkt für das Verhalten des Individuums: Wenn es unter Gottes Herrschaft kein Hunger mehr gibt, dann muss ich mich jetzt dafür einsetzen, dass Menschen nicht mehr hungern, leiden, ausgestoßen sind.

 

 

Seine Worte haben Folgen für

das Individuum - für die individuelle Lebensführung

  • Freiheit, Unabhängigkeit von Menschen - gebunden an Gottes Willen

Diese individuelle Lebensführung hat wiederum Folgen für die Gestaltung der Gesellschaft

  • Gemeinschaft zwischen: Gesunden und Kranken/Behinderten, Mann und Frau, Reichen und Armen.

 

Mini-Exkurs

Wichtig ist: Das Sein geht dem Sollen voran. Das heißt: Der Mensch weiß sich von Gott geliebt - die Folge ist das Handeln im Sinne Gottes. Umgekehrt fordert die allgemeine Moral (auch leider die des Christentums), indem sie das Sollen vom Sein trennt: Du sollst so handeln, auch wenn du es nicht einsiehst. Du sollst so handeln, weil es gut ist, weil es die Gruppe fordert, weil es Tradition ist usw. Diese Sicht, die das Sollen betont, ist gesellschaftlich relevant. Die Sicht Jesu ist eher elitär, ist Ideal. Das Sein des Menschen: Er ist Ebenbild, hat eine Beziehung zu Gott, und aus dieser heraus handelt dann der Mensch liebend. Wie Meister Eckhart, der Mystiker sinngemäß sagte: Man soll nicht darüber nachdenken, was man tun soll, sondern darüber, wer man vor Gott - in Bezug auf Gott - ist. Daraus folgt dann das Handeln.

Es geht hier also nicht um Humes Gesetz (aus Seinsaussagen kann man keine Sollensaussagen machen), da das Sein aus Gott keine logische Vorgabe ist, sondern das Sein ein Beziehungsbegriff, der mit Gott zusammenhängt. Zudem bedeutet die "Sollensaussage" nicht, dass die Folge der Beziehung möglichst logisch konsequent/normativ ist (was laut Hume eben nicht geht), sondern: Es liegt in der Verantwortung des Einzelnen, welche Folgen sein Sein, seine Beziehung zu Gott in der Realisierung, also im Handeln, hat. Die Folge ist ein Handeln aus Liebe, das heißt eine, die dem anderen Wohl tut - aber was das konkret bedeutet, das muss der Einzelne aus seiner Beziehung zu Gott entscheiden.

Dass aus dem Sein der Gottesbeziehung die Liebe folgt, auch wenn "Liebe" weit gefasst ist, behält auf einer neuen Ebene das "Sein-Sollen-Muster" bei. Das darum, weil sie - wie auch immer Liebe konkret aussieht - von Gott in Jesus Christus vorgegeben ist. Aber das erkennt man nicht nur über biblische Schriften, sondern: Wer aus der Beziehung mit Gott (aus dem Geist Gottes) lebt, erkennt, dass dem so ist. Das Sollen ist dann kein Sollen mehr, sondern ein Leben im Sein.(*)

 

Jesu Ziel:

Gelingendes Leben:

  • Für Jesus ist gelingendes Leben ein Leben, das Gottes Willen zum Wohl der Menschen ausführt.
  • Jesus kämpft gegen das Leiden an - greift somit die Theodizee-Frage auf: Nicht Gott will das Leiden - der Mensch soll dagegen angehen.
  • Jesus tritt für die Würde aller Menschen ein: mit Wort und Tat.

Selbst verantwortetes Leben.

Der Gesellschaft geht es gut, wenn es dem Individuum gut geht - dem Individuum geht es gut, wenn es der Gesellschaft gut geht.

 

 

Aufgabe 1:

Jesus greift die Sehnsucht vieler Menschen nach einem solchen guten Leben auf - und das dürfte auch bis in die Gegenwart hinein die Sehnsucht vieler Menschen weltweit bestimmen. Kann sein ethischer Ansatz heute noch relevant sein? Kann er Basis oder Korrektiv sein?

 

 

Aufgabe 2:

Wenn Gott sich in Jesus Christus zur Sprache bringt - und auch die Verhaltensweisen benennt, die er sich wünscht - wie verbindlich/unverbindlich ist das für Christen? Nur für Christen - man bedenke: Es ist Gott, der Schöpfer der Welt, der Erhalter der Welt und der Vollender der Welt.

Was ist, wenn Menschen sich nicht daran halten?

 

Aufgabe 3:

Vergleiche diesen Ansatz Jesu mit den unter "Philosophische Ethik 2" genannten Ansätze: Mit welchen gibt es Berührungspunkte? Welche schließen sich aus?

 

(*)

Noch eine Anmerkung zu Humes-Gesetz:

Übrigens halte ich die gesamte Diskussion die aus dem Hume-Gesetz folgte, letztlich für gesellschaftlich nicht relevant. Da jede Gesellschaft nur funktioniert, weil man dieser Sein-Sollen-Argumentation folgt. Nachdenkenswert und ein wenig praktikabel finde ich allerdings die Ansätze der Diskursethik: Man hält alles so lange bei, bis man den jeweiligen Punkt ausdiskutiert bzw. sich geeinigt hat. Sollen folgt auf ein diskutiertes Sein, bis man ein neues "Sein" beschlossen hat - das man dann allerdings wieder zur Disposition stellen muss, denn aus dem Sein kann ja kein Sollen folgen. Ob das realistisch ist, und den Zusammenhalt einer Gesellschaft fördert, muss man freilich diskutieren - freilich: Die gesamte Diskursethik hat selbst die Basis im Sein-Sollen...