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Sein Weg beginnt jetzt. Der junge Messias

 

Regie: Cyrus Nowrasteh 2015, Concorde

 

Der Film beginnt mit der Anwesenheit der Familie des Josef in Ägypten. Schon schnell bekommt der kleine Jesus mit dem Bösen zu tun. Ins Bild kommt eine schwarz angezogene Gestalt mit hellblonden langen Haaren, einen Apfel essend. Die Freundin zeigt Jesus, wie man ein Kamel malt, dann greift ein Junge Jesus an. Das Mädchen (Salome) greift ein, der Junge rennt hinter ihr her, die geheimnisvolle Gestalt wirft den Apfel, der Junge rutscht darauf aus und stirbt. Er lenkt den Blick der Umstehenden auf Jesus: Der war es. Der Mob will dem Jesus-Knaben was antun, er wird von Maria nach Hause geholt. Während des Tumultes vor dem Haus schleicht sich Jesus davon und erweckt den Jungen zum Leben. Darum geht es dann in dem Film: Jesus hat besondere Fähigkeiten, aber er darf sie nicht leben. Und er versteht nicht, warum er das alles kann, warum er nicht darf. Er will es herausfinden.

 

Nach dem Tumult verlässt die Familie aufgrund eines Traumes, den Josef von Gott bekommen hatte, Ägypten zusammen mit dem Vater des Mädchens, den Bruder des Josef, und Jesu Stiefbruder, Jakob. Auf dem Schiff bekommt Jesus von einem Mann ein geschnitztes Kamel geschenkt. Diesem Mann hatte er gesagt, dass er in Bethlehem geboren sei.

Auf dem Weg am Land Richtung Nazareth bekommt die Familie mit, dass eine Frau von einem Mann, der sie vergewaltigen will, bedrängt wird, sie tötet den Mann. Josef und sein Bruder bestatten ihn. Sie berichtet von ihrem Schicksal und dem Aufruhr in Sepphoris: Die Welt steht in Flammen. Jesus möchte, dass die junge Frau beschützt mit ihnen geht, als eine Schwester.

Unterwegs gerät er in den Überfall von Widerstandskämpfern gegen die Römer, in dem zahlreiche Menschen getötet werden.

Sie kommen auf einem Weg an vielen Gekreuzigten vorbei.

Alles geschieht immer in Verbindung auch mit dem geheimnisvoll schwarz angezogenen Mann, der aber nur von Jesus gesehen werden kann (der geheimnisvolle Mann wird allerdings nur selten visualisiert). Als Jesus den Bruder des Josef heilt, flüstert dieser geheimnisvolle Mann einem anderen zu: Das war das Werk Satans. Womit Jesus in Gefahr geraten ist. Im Anschluss daran wird dem Jesus-Kind gesagt, dass sie aufpassen müssen: Menschen seien gefährlich.

 

Herodes Archelaus (Sohn und Nachfolger des Herodes des Großen, im Jahr 6 n.Chr. wegen Grausamkeiten abgesetzt) erfährt, dass es einen Jungen gibt, der Wunder tut. Er spürt, dass Jesus die Tötung in Bethlehem entgangen ist und lässt ihn von den Soldaten suchen – so bekommt Jesus einen militärischen Gegenspieler. Dieser, der auch in Bethlehem dabei war, bereitet sich innerlich darauf vor, auch diesen kleinen Jungen zu suchen und zu töten.

Mit Herodes werden Schlangen verbunden, die er überall und immer irgendwo hört – er ist selber eine boshafte, Menschen verachtende Gestalt, die sich schlangenhaft bewegt.

Als die Familie in Nazareth angekommen war, kamen auch Soldaten an, die von einer alten Frau mit Wein und Nahrungsmitteln versorgt werden und wieder ihrer Wege ziehen.

 

In Nazareth wird Jesus krank, bekommt hohes Fieber. In diesem Kontext wird die Versuchungsgeschichte eingebaut, in der er sich mit dem geheimnisvollen Begleiter unterhält - während Maria für ihn betet. Er will wissen, wer Jesus ist, Jesus weist ihn zurück, aber der Böse suggeriert ihm: Dass die Mutter eine Hure sei, der Vater ein Lügner, seine Sache sei aussichtslos, seine kleinen Wundertaten können nicht die Menschen retten. Er selbst wolle, dass Chaos herrsche, er, der Fürst des Chaos. Er zeigt Jesus die brennende Stadt Jerusalem. Und sagt ihm, er beobachte Jesus ganz genau. Jesus wird gesund.

 

Daraufhin will Jesus nach Jerusalem zum Passahfest, er will wissen, was mit ihm los ist. Maria möchte aber noch nicht diesen Weg gehen, weil sie weiß, dass erbitterte Feinde auf Jesus warten. Sie ist noch nicht bereit, nicht stark genug, sie fragt sich, warum Gott sie erwählt habe. Josef antwortet ihr: Die Soldaten sollten eher sie fürchten als sie die Soldaten. Sie reagiert: Dass Josef Jesus angenommen hat, ist ein Wunder, das nur Gott versteht. Josef dankt Gott, dass er ihn erwählt hat. Josef überzeugt Maria und sie machen sich auf dem Weg. Die Soldaten suchen Jesus. Der Mann, der Jesus das Kamel geschenkt hatte, wird gekreuzigt, weil er dem Herodes Jesus verraten hatte. Statt des Lohnes bekommt er den Tod.

 

Und so läuft es auf einen Zusammenstoß zwischen dem Soldaten und dem Jesus-Jungen hinaus. Jesus löst sich von der nach Jerusalem reisenden Familie, er sucht am Tempel einen weisen blinden Mann auf, von dem er wissen will, was in Bethlehem geschehen war. Als Dank umarmt ihn Jesus. Er wird sehend. Der Soldat wird auf Jesus aufmerksam, beide stehen einander gegenüber, der Soldat und Jesus, umringt von Menschen. Der Soldat fragt: Wer bist du? Jesus sagt ihm, du hast mich schon einmal gerettet, und: Du warst auch in Bethlehem. Da erinnerte sich der Soldat an die Tötungen in Bethlehem. Der Junge Jesus schaut ihn unverwandt an. Der Soldat geht auf ihn mit gezückten Schwert zu und sagt: Geht! Mutter und Vater, die inzwischen auch angekommen waren, nehmen ihn. Sie gehen. Der Soldat geht zu Herodes und sagt diesem, dass er den Jungen getötet habe. Herodes ärgert sich darüber, weil er den Messias sehen wollte. Er steigert sich in Gewaltphantasien und fragt: Ob da ein Donnergrollen und weinender Himmel gewesen sei – und hört wieder die Schlange.

 

Die Familie reist wieder zurück und Maria berichtet ihm alles. Sie war 14, als Jesus zur Welt gekommen ist. Und es folgt die Neuerzählung der Weihnachtsgeschichte. Reines Licht, strahlende Luft, die Gestalt in dem Licht sprach, dass Maria einen Jungen gebären werde, der heilige Geist würde über sie kommen. Nicht der Engel ist Jesu Vater, Gott. Jesus antwortete darauf: Wir alle sind Kinder Gottes – aber du wurdest von Gott gezeugt, antwortete Maria. Sie sagt ihm, er solle die Macht in seinem Inneren bewahren, bis Gott ihn die Aufgabe verdeutlicht.

Zuletzt hört man nur noch die Stimme des Jesus-Jungen: Er ist nicht auf der Erde, um dies und das Wunderbare zu tun, sondern um zu leben, alles aufzunehmen, auch wenn es wehtut. Gott wird ihm einmal alles eröffnen.

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Der Film zeigt Jesus als ganz normales neugieriges Kind, das aber Besonderheiten hat. An dieser Stelle werden neutestamentliche Aussagen vom erwachsenen Jesus – wie in den Apokryphen – auf das Kind Jesus übertragen. In dieser Welt der Gewalt und Zerstörung bereitet Gott einen Menschen vor, der hilft, der sich dem Fürst des Chaos entgegenstellt.

 

Der Film hat so manche Schwachstelle: Er arbeitet mit Klischees, ist abhängig von der traditionellen Ikonographie. Er hat historisch kaum Anhaltspunkte.

Inhaltlich:

Dem Satan wird gesagt, er kenne die Zukunft nicht. Es wird nicht so deutlich, dass mit dieser Zukunft der Tod Jesu gemeint ist, also eine ganz andere Art und Weise, das Böse zu bekämpfen, als man es gemeinhin erwartet. Man bezieht dieses auf das damit in der „Halluzination“ gezeigte Bild von der Eroberung Jerusalems – in dieser Hinsicht kannte der Satan also doch die Zukunft. Das versteht man aber nur, wenn man ein wenig in der Geschichte bewandert ist. An welche Zukunft denken die Zuschauer, die diese Hintergründe nicht kennen? Und: Hatte der Satan nicht Recht, mit dem, was er sagt? Hat Jesus die Menschen verändert? Darauf gibt der Film keine Antwort. Höchstens mit dem Titel: "Sein Weg beginnt jetzt" - also mit dem Zuschauer.

Geradezu ärgerlich ist, dass davon gesprochen wird, dass Gott Jesus gezeugt habe, nachdem gesagt wurde, dass der heilige Geist über Maria kommen werde. Damit wird vermutlich ein biologischer Akt assoziiert, der absurd ist. Das hängt damit zusammen, dass der Film versucht, etwas historisch aufzuarbeiten, was eigentlich theologisch aufgearbeitet werden müsste. Ansätze theologischer Reflexion sind vorhanden, sind aber sehr begrenzt.

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Trotz aller Kritik, gibt der Film doch wieder - und das ist spannend: Wie sehen Menschen heute Jesus. Nicht die Intellektuellen Mitteleuropäer bzw. die, die sich für solche halten. Außer diesen gibt es noch Christen weltweit, die einen solchen Film mit ganz anderen Augen ansehen. Und dieser Jesus, der hier gezeigt wird, knüpft daran an: Jesus ist der Liebende, der aufgrund seiner Nähe zu Gott Erkennende, gleichzeitig aber derjenige, der durch andere verstehen lernen muss. Er ist derjenige, der den Menschen zugewandt ist, der sich gegen das wendet, was Menschen schadet. Er ist menschlich, trotz seiner Wunder, nicht erhaben und distanziert. Die Anlehnung an den traditionellen und biblischen Jesus ist größer als die Anlehnung an die historische Forschung. Diese spielt letztlich keine Rolle.