{"id":814,"date":"2019-07-02T16:51:23","date_gmt":"2019-07-02T14:51:23","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=814"},"modified":"2020-12-13T09:10:11","modified_gmt":"2020-12-13T08:10:11","slug":"das-boese","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/das-boese\/","title":{"rendered":"Das B\u00f6se"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">DAS B\u00d6SE<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><strong>Aufgabe:<\/strong> Lies dazu: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/boeses-verhalten\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/boeses-verhalten\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#58310d\"><strong>1. Das B\u00f6se \u2013 zun\u00e4chst ein paar Schlaglichter:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Buch Hiob<\/strong>: Gott l\u00e4sst es zu, dass der Satan dem Hiob B\u00f6ses antut \u2013 darum wendet sich Hiob nicht an den Satan, sondern klagt Gott selbst an.<\/li><li>Der Kirchenvater <strong>Augustinus<\/strong>: Die grunds\u00e4tzliche Willensschw\u00e4che macht den gut geschaffenen Menschen b\u00f6se. Aber das B\u00f6se ist eine Abwesenheit des Guten, denn die Sch\u00f6pfung ist gut.<\/li><li><strong>Hobbes:<\/strong> Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.<\/li><li><strong>Rousseau:<\/strong> Der Mensch ist gut \u2013 die Gesellschaft macht ihn b\u00f6se.<\/li><li><strong>Leibniz:<\/strong> Da Gott die beste aller Welten geschaffen hat, ist sie rational zu durchdringen. Gott ist das B\u00f6se nicht anzulasten \u2013 es ist zu Gunsten der Welt notwendig, dass Menschen leiden.<\/li><li><strong>Kant:<\/strong> Die Freiheit des Menschen, sich f\u00fcr das Gute zu entscheiden, bringt mit sich, dass er sich auch f\u00fcr das B\u00f6se entscheiden kann. Und der Mensch ist radikal b\u00f6se. Kultur (Religion) vermag ihn gut zu leiten, weil der Mensch egoistisch denkt, sucht er seinen Vorteil durch Kultur und Religion zu erlangen.<\/li><li><strong>Voltaire:<\/strong> W\u00e4hrend wir uns auf dem Ameisenhaufen um einen Strohhalm zanken, geht das Universum seinen Gang. Der Mensch interessiert Gott nicht.<\/li><li><strong>Schopenhauer: <\/strong>Das B\u00f6se ist Grundlage des egoistischen Menschen \u2013 aber auch Mitleid ist es. Mitleid in dem Sinn, dass der Mensch sich im anderen wiedererkennt und mitleidig wird. Dadurch wird das B\u00f6se sich vielleicht einmal beseitigen k\u00f6nnen.<\/li><li><strong>Darwin<\/strong> und Evolutionsdenker: Der Mensch ist im Grunde ein Hordentier. Die Horde gibt gutes Verhalten vor, und der Mensch sucht sich anzupassen, um zu \u00fcberleben: als Individuum und als Abh\u00e4ngiger von seiner Horde. Im Grunde ist das, was als b\u00f6se empfunden wird, Teil der Aggression des Menschen, die sozial nicht geb\u00e4ndigt wurde. Das B\u00f6se an sich gibt es nicht.<\/li><li><strong>Nietzsche:<\/strong> Das B\u00f6se ist eine Erfindung der j\u00fcdisch-christlichen Religion, um den Menschen zu knechten.<\/li><li><strong>Freud:<\/strong> Der Mensch hat seinen Trieb, seine Aggression, die ihn antreiben, das Es kennt kein gut und b\u00f6se. Die Gesellschaft begrenzt diesen Trieb durch das \u00dcber-Ich. Der Mensch ist wandelbar \u2013 er ist nicht nur Es und nicht nur \u00dcber-Ich \u2013 zu betonen ist das Ich \u2013 der Verstand, der ihn frei macht, \u00fcber das Dr\u00e4ngen des Es und das des \u00dcber-Ich zu entscheiden.<\/li><li><strong>Jonas:<\/strong> Gott ist verstehbar. Wenn man von Gottes Allmacht spricht, dann ist Gott nicht mehr verstehbar. Von daher ist die Kategorie \u201cAllmacht\u201d zu streichen.<\/li><li><strong>Arendt: <\/strong>Gedankenloses Handeln l\u00e4sst b\u00f6se handeln \u2013 Nachdenken und Bildung verhindern das Tun des B\u00f6sen.<\/li><li>Der Journalist <strong>Scholl-Latour:<\/strong> Der Mensch ist in seinem Kern nicht gut. Er ist ein Raubtier.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><strong>Aufgabe: <\/strong>Welchen Ans\u00e4tzen stimmst Du zu? Welche lehnst Du vehement ab? Hast Du eigene Erkl\u00e4rungen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">Kann Gott f\u00fcr das B\u00f6se verantwortlich sein \u2013 Gott ist doch gut? Vor allem, wenn man nicht an Gott glaubt, kann Gott nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr das B\u00f6se verantwortlich sein, sondern allein der Mensch. Und dann h\u00e4ngt man an dem Problem: Ist der Mensch gut? Ist der Mensch b\u00f6se? Ist der Mensch sowohl als auch?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz: Wir wollen alles wundersch\u00f6n mit dem Verstand durchdringen \u2013 ahnen aber, dass wir es letztlich nicht k\u00f6nnen. Und vor allem ahnen wir es, wenn wir nicht nur am Schreibtisch hocken, sondern auch aufblicken und in das b\u00f6se Gesicht von Menschen schauen. So sehen wir sie nicht zuletzt in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten, in den Gulags der Kommunisten, in den V\u00f6lkermorden des 20 Jahrhunderts (T\u00fcrkei \u2013 Armenien, Serbien, Ruanda) sondern auch in den jetzigen IS-Terroristen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#58310d\"><strong>2. Drei Schlaglichter: Die drei P (Plotin, Parsismus, Paulus)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der heidnische Philosoph&nbsp;<strong>Plotin<\/strong>&nbsp;(205-270), der sich auf Platon beruft, aber auch einen christlichen Lehrer hatte (Ammonius Sakkas) sagt: Das B\u00f6se ist die Abwesenheit des Guten: das b\u00f6se Materielle ist dem guten Geistigen entgegenzusetzen, weil dem Materiellen das Geistige entzogen wurde. Dunkelheit ist die Abwesenheit von Licht. Wenn die Dunkelheit mit Licht in Ber\u00fchrung kommt, wird es hell. Wenn Materie mit Geist in Ber\u00fchrung kommt, wird sie gut. Wenn das Handeln des Menschen mit Bildung verbunden wird, wird es gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngig von Plotin kann auch all das als \u201cb\u00f6se\u201d bezeichnet werden, was dem Menschen schadet \u2013 auch verbunden mit seinem Handeln. Handelt der Mensch b\u00f6se, dann widerf\u00e4hrt ihm B\u00f6ses. Und das B\u00f6se, das ihm widerf\u00e4hrt, kann vielf\u00e4ltig sein: Menschen begegnen ihm b\u00f6se, er wird von Krankheit geplagt. Das ist das alte Weltgesetz, das auch im Neuen Testament formuliert wird: Wer mit dem Schwert t\u00f6tet, wird vom Schwert get\u00f6tet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der&nbsp;<strong>Parsismus<\/strong>&nbsp;(der von&nbsp;<strong>Zarathustra<\/strong>&nbsp;[2.\/1. Jahrtausend vor Christus] gepr\u00e4gt wurde) hat sehr stark das dualistische Denken gef\u00f6rdert: Es gibt eine gute Macht und es gibt eine b\u00f6se Macht. Je nachdem stellt sich der Mensch der guten oder b\u00f6sen Macht zur Verf\u00fcgung. Beide ringen um die Vorherrschaft in der Welt. Manche Menschen f\u00f6rdern das Gute, manche das B\u00f6se. In einem Endkampf wird die b\u00f6se Macht durch die gute Macht besiegt werden. Die Anh\u00e4nger der b\u00f6sen, finsteren Macht kommen in die Finsternis, die Anh\u00e4nger der guten Macht in das Licht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Ansatz wurde vom Judentum und somit auch vom Christentum \u00fcbernommen, aber: Das B\u00f6se ist im j\u00fcdischen Glauben selten eine wirklich eigenst\u00e4ndige Macht. Das B\u00f6se als Macht ist immer Gott untergeordnet. Es macht sich selbst\u00e4ndig, kann aber nie wirklich als st\u00e4rker als Gott angesehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der reine Dualismus hat es einfacher als dieser gebrochene j\u00fcdische Dualismus. Denn er kann das, was der Mensch als b\u00f6se empfindet, aus Gott heraushalten und kann es allein der b\u00f6sen Macht zuschreiben. Um dieses Problem zu l\u00f6sen, hat der j\u00fcdische Glaube erkannt, dass das, was er als b\u00f6se empfindet, gerechte Strafe Gottes ist oder es ist innerweltlich Folge einer b\u00f6sen Tat des Menschen, mit der der Mensch gepr\u00fcft wird, gest\u00e4rkt wird, angespornt wird, sich st\u00e4rker Gott zuzuwenden und sich der Liebe Gottes anzuvertrauen und aus ihr heraus das B\u00f6se zu bek\u00e4mpfen. (Dazu s. den Beitrag zu Hiob&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/das-buch-hiob\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/das-buch-hiob\/<\/a>&nbsp;)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was wir dann jedoch bei dem Apostel&nbsp;<strong>Paulus<\/strong>&nbsp;(1. Jh. nach Christus) finden, das ist, dass der Mensch B\u00f6ses tut, obwohl er Gutes tun will. Das hei\u00dft, der Mensch m\u00f6chte Gottes Gesetz erf\u00fcllen \u2013 tut es aber nicht. Es ist quasi eine Macht vorhanden, die ihn hindert. Es ist die Erfahrung der Gebrochenheit des Menschen. Der Mensch ist nicht immer Herr seiner selbst. Paulus erf\u00e4hrt die L\u00f6sung dieser Gebrochenheit des Menschen darin, dass Jesus Christus den Menschen im Glauben zu einem neuen Wesen macht. Dieses neue Wesen wurde dadurch erm\u00f6glicht, dass der Mensch von vergangenen S\u00fcnden \/ Gebrochenheiten befreit wurde und nun vom Geist Gottes bestimmt wird. Der von Christus geheilte Mensch handelt im Einklang mit dem Gesetz Gottes \u2013 also nicht mehr b\u00f6se. Und: Wenn dem Menschen etwas B\u00f6ses geschieht, dann nicht, weil er b\u00f6se gehandelt hat, sondern weil Menschen Gott angreifen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Wir haben hier sozusagen eine Art Vor-Freud: Paulus nennt es nur nicht Es-Ich-\u00dcber-Ich. Die Stelle, die bei Freud der Verstand einnimmt, nimmt bei Paulus Jesus Christus ein. Denn auch der Verstand des Menschen ist Teil dieser Gebrochenheit und kann den Menschen nicht heilen.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#fbb235\"><strong>3. Jesus und die Evangelien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen \u00e4hnlichen Ansatz finden wir schon bei&nbsp;<strong>Jesus<\/strong>: Der Nachfolger Jesu wird nicht verfolgt, weil er b\u00f6se handelt, sondern darum, weil&nbsp; b\u00f6se Menschen es nicht ertragen, dass Menschen, die Gott geh\u00f6ren, die Gesellschaft verbessern wollen. Christen haben erfahren, dass sie, wenn sie im Sinne Gottes handeln, verfolgt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum wurde zum Beispiel Jesus hingerichtet, obgleich er nur Gutes getan hat? Das&nbsp;<strong>Johannesevangelium<\/strong>&nbsp;bringt an dieser Stelle ganz dualistisch das B\u00f6se, den Teufel, den Satan ins Blickfeld: Diese widerg\u00f6ttliche Macht ist es, die zu verhindern sucht, dass sich Menschen Jesus Christus anschlie\u00dfen. Diese Macht bringt Menschen dazu, sich gegen Gott aufzulehnen, B\u00f6ses zu tun, Menschen zu missachten, zu verfolgen, zu ermorden \u2013 und h\u00e4lt Menschen davon ab, sich dem Guten voll und ganz hinzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt, dass in der Antike der Mensch als einer erfahren wurde, der von D\u00e4monen besessen sein konnte. Wir w\u00fcrden heute von psychischen Krankheiten sprechen, das hei\u00dft: Menschen haben sich nicht unter Kontrolle. Sie verhalten sich asozial \u2013 und bek\u00e4mpfen auch sich selbst, sie sind von der Gesellschaft nicht zu b\u00e4ndigen. Heute sind sie zu b\u00e4ndigen dadurch, dass sie zum Beispiel Psychopharmaka bekommen, aber damals gab es das bekanntlich noch nicht. Diese Erfahrungen, dass Menschen sich nicht selbst geh\u00f6ren und bestimmen k\u00f6nnen, die in der D\u00e4monenaustreibung Jesu wieder auf Reihe gebracht wurden, wurden dann weiter auf andere \u00fcbertragen. Das d\u00fcrfte nicht schwer gewesen sein, denn wenn Menschen in Verfolgungen erfahren wie b\u00f6sartig Menschen sein k\u00f6nnen, dann kann man schon auf den Gedanken kommen, sie sind nicht mehr sie selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Gedanke hat dann auch wieder positive Bedeutung. Menschen, die b\u00f6se sind, k\u00f6nnen auch wieder gut werden, wenn sie vom B\u00f6sen befreit wurden. Das hei\u00dft: Menschen werden nicht an ihre Bosheit fixiert, sondern Christen er\u00f6ffnen allen Menschen die M\u00f6glichkeit, sich wieder Gott zuwenden zu k\u00f6nnen bzw. von Gott geheilt zu werden, damit sie sich ihm zuwenden k\u00f6nnen. Das Musterexemplar ist <strong>Paulus<\/strong>, der vom b\u00f6sartigen Verfolger zu einem gro\u00dfartigen Gottesdiener wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser gute, vom Christentum gef\u00f6rderte Gedanke wird heute immer st\u00e4rker wieder beiseite gedr\u00e4ngt: Man darf einen anderen Menschen t\u00f6ten, denn er ist b\u00f6se. Das ist unchristlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#58310d\"><strong>4. B\u00f6se handeln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann also erkennen, dass das B\u00f6se unterschiedlich konnotiert wird:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>der Mensch handelt b\u00f6se, asozial.<\/li><li>der Mensch will gut handeln, handelt jedoch b\u00f6se.<\/li><li>der Mensch handelt gegen Gott.<\/li><li>Wer gegen Gott handelt, ist Teil der Bewegung einer b\u00f6sen Macht, die sich gegen Gott wendet.<\/li><li>Der Mensch erf\u00e4hrt auch, was ich bislang noch nicht dargestellt habe, dass sch\u00e4dliche Handlungen ansteckend sein k\u00f6nnen. Wie eine Krankheit: Wenn einer in einer Gesellschaft b\u00f6se handelt, findet er immer auch Mitt\u00e4ter, und wenn diese nicht eingeschr\u00e4nkt werden, verbreitet sich das b\u00f6se Handeln wie eine Seuche. Das wurde von Paulus f\u00fcr die christliche Gemeinde erkannt: Wenn etwas B\u00f6ses Fu\u00df fasst, dann kann die Gruppe schnell verdorben werden. Das wurde aber auch von dem Stoiker Seneca erkannt, der forderte, dass Menschen, die b\u00f6se handeln, eingeschr\u00e4nkt werden m\u00fcssen, weil das B\u00f6se wie eine ansteckende Krankheit ist.<\/li><li>Der Mensch erf\u00e4hrt in seinem Leben schadende Dinge, die er als b\u00f6se ansieht und \u00fcber deren Hintergrund er nachdenkt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#58310d\"><strong>5. B\u00f6se Macht (Teufel, Satan, Diabolos) und Gottesglaube<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Handelt Gott b\u00f6se? In der Bibel haben wir viele Texte, die davon reden, dass Gott dem Menschen Schaden zuf\u00fcgt. Aber diese Texte haben immer im Blick, dass Gott auf den Menschen reagiert \u2013 so zum Beispiel als Strafe zur Besserung. Es gibt auch ganz enge Zusammenarbeit zwischen Gott und dem B\u00f6sen \u2013 als Macht \u2013 so im Buch Hiob. Gott wird im Grunde als b\u00f6sartig erfahren. Der Mensch kann, so erfahren wir in diesem Buch, im Grunde nicht hinter die Kulissen schauen. Vor allem zeigt uns das Buch jedoch: Das B\u00f6se m\u00f6chte Hiob gegen Gott aufbringen mit Blick auf die Vernichtung Hiobs; Gott wird Hiob gro\u00df machen. Luther sieht den dunklen Gott und den Gott, der in Jesus Christus leuchtet \u2013 und wenn der dunkle \u2013 der f\u00fcr den Menschen undurchschaubar, also b\u00f6se ist \u2013 dominant wird, soll man zum hellen Gott in Jesus Christus fl\u00fcchten. Die Grundlage daf\u00fcr hat Luther auch aus dem Buch Hiob:\u00a0<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/das-buch-hiob\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/das-buch-hiob\/<\/a>\u00a0. Letztlich verstehen wir das nicht. Und so versucht der Dualismus eine andere Antwort zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">B\u00f6ses Handeln ist also sowohl etwas, das dem Individuum zugeh\u00f6rt, das aber auch als etwas angesehen werden kann, das eine Gesellschaft wie eine dunkle Macht pr\u00e4gt. Und jeder, der sich gegen diesen dunklen Teil einer Gesellschaft wendet, erf\u00e4hrt die geballte Gewaltt\u00e4tigkeit dieser Gesellschaft. Nat\u00fcrlich gehen die Menschen, die unter der Herrschaft der dunklen Macht stehen, auch miteinander brutal um. Das \u00fcbersteigt das Verstehen von uns Menschen. Die darunter Leidenden fragen sich: Wie kann das sein? Sehen sie denn nicht, dass sie sich allesamt \u00e4ndern m\u00fcssen, damit die Welt besser wird? Und eine Antwort ist: Sie k\u00f6nnen es nicht sehen, weil sie vom B\u00f6sen blind gehalten werden. <strong>Das B\u00f6se wird zu einer personalisierten Macht.<\/strong> Es ist aktiv, es fesselt und knechtet Menschen. Es verwirrt ihr Denken, dass es Menschen nicht mehr erkennen l\u00e4sst, dass sie B\u00f6ses tun \u2013 und sogar weiter gehend: Sie tun B\u00f6ses und denken, sie tun Gutes. Und das sind nicht einzelne Menschen, sondern eben diejenigen, die B\u00f6ses tun, werden von anderen unterst\u00fctzt, bejubelt \u2013 obgleich doch jeder sehen m\u00fcsste, dass das widerg\u00f6ttlich, asozial, b\u00f6se ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie also das Individuum verblendet werden kann, so kann auch eine Gruppe, eine ganze Gesellschaft und Kultur verblendet werden. Und der Verblender ist das personifizierte B\u00f6se. <strong>Der Teufel, der Satan<\/strong>, derjenige, der Menschen davon abh\u00e4lt, sich Gottes guten Willen hinzugeben und ihn zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir finden am Beginn des Wirkens Jesu eine <strong>Versuchungs-Geschichte<\/strong>, die sowohl Matth\u00e4us als auch Lukas erz\u00e4hlen. Der Teufel versucht Jesus, er will, dass Jesus die widerg\u00f6ttliche Macht anbetet und ihr dient. Jesus widersteht dieser Macht. Jesu Wirken wird dann im Folgenden so beschrieben, dass er dieser Macht in allen Bereichen seines Lebens widersteht. Er verk\u00fcndet Gottes reinen Willen, er tritt daf\u00fcr ein, dass Menschen sozial miteinander umgehen, er befreit Menschen von der Verblendung und holt sie aus dem Machtbereich der D\u00e4monen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zuletzt, so k\u00f6nnen wir in Evangelien lesen, hat dann der Satan doch so viel Macht \u00fcber die Menschen gewonnen, dass sie Jesus hinrichten, beseitigen. Aber: damit tut der Satan im Grunde nur das, was Gott ins Positive kehren kann.<\/strong> Indem der Satan Jesus ermorden lie\u00df, hat Jesus Christus im Sinne Gottes die Menschen von den S\u00fcnden befreit. Indem der Satan Jesus Christus zu Tode folterte, hat Gott dem Menschen das ewige Leben erm\u00f6glicht. Das hei\u00dft: F\u00fcr Juden und Christen kann der Satan, der Widersacher Gottes nie das letzte Wort haben. Er ist nicht st\u00e4rker als Gott, wird auch nicht siegen, auch wenn er sich in Individuen und Gesellschaften noch so aggressiv geb\u00e4rdet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#58310d\"><strong>6. Gibt es also eine solche personifizierte Macht wie Teufel, Satan usw.?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir Menschen erkennen, dass Menschen, Individuen und Gruppen, b\u00f6se agieren, willentlich und nicht willentlich, kurz: verblendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie wir das auch immer interpretieren wollen oder m\u00fcssen: F\u00fcr Christen ist Gott der Dreh- und Angelpunkt. Christen schauen auf Gott \u2013 und auf nichts anderes. Sie versuchen das zu tun, was Gott in seinem Geist ihnen auftr\u00e4gt \u2013 und nichts anderes. Auch Christen k\u00f6nnen verwirrt werden, denn Diabolos \/ Teufel hei\u00dft bekanntlich der <strong>Verwirrer<\/strong>, Fakten Durcheinanderwerfer\u2026. Aber in jeder Verwirrung haben sie eine Zuflucht: Gott in Jesus Christus.&nbsp; Wichtig ist f\u00fcr sie, dass sie sich an das Wort Gottes, das vor allem im Neuen Testament dargelegt wird, ausrichten und die Beziehung, die N\u00e4he Gottes akzeptieren und sich ihm zuordnen. Wichtig ist, dass sie allem widerstehen, was Menschen t\u00f6tet, sie bedr\u00e4ngt, sie ins Abseits stellt. Dass sie nicht mitheulen, wenn die Meute heult, dass sie klaren Verstandes bleiben, wenn andere sich bet\u00f6ren lassen, sei es durch Drogen, sei es durch Phantasien, durch Gaukeleien in PC-Spielen, Filmen, in der Musik\u2026, sei es durch Rhetorik\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;Und wenn sie in ihrem Leben an einem Punkt kommen, an dem sie Gott nicht mehr verstehen? Dann hei\u00dft das alte Glaubensmittel: Auf Jesus Christus schauen, der am Kreuz rief:&nbsp;<em>Mein Gott, warum hast du mich verlassen?<\/em>&nbsp;Und so gebunden an Jesus Christus legt der Glaubende Gott alles in die H\u00e4nde. Bis hin zur Auferweckung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie dem allem auch sei: Man darf das B\u00f6se, sei es nun eine Macht oder allein Folge menschlichen Wesens oder Handelns, nicht untersch\u00e4tzen. Wird es untersch\u00e4tzt, hat es immer b\u00f6se Folgen f\u00fcr das Miteinander der Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><strong>Aufgabe<\/strong>: Zum Weiterdenken:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von einem gro\u00dfen aber vergessenen Philosophen und Politiker,&nbsp;<strong>Boethius<\/strong>&nbsp;(\u2020 um 525), habe ich einmal folgenden Satz gelesen (sinngem\u00e4\u00df wiedergegeben): <em>Wie kann es einen Gott geben angesichts all des B\u00f6sen? Wie kann es keinen Gott geben, angesichts des Guten?<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DAS B\u00d6SE Aufgabe: Lies dazu: https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/boeses-verhalten\/ 1. Das B\u00f6se \u2013 zun\u00e4chst ein paar Schlaglichter: Buch Hiob: Gott l\u00e4sst es zu, dass der Satan dem Hiob B\u00f6ses antut \u2013 darum wendet sich Hiob nicht an den Satan, sondern klagt Gott selbst an. Der Kirchenvater Augustinus: Die grunds\u00e4tzliche Willensschw\u00e4che macht den gut [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":47,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-814","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/814","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=814"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/814\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2420,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/814\/revisions\/2420"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/47"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}