{"id":810,"date":"2019-07-02T16:49:40","date_gmt":"2019-07-02T14:49:40","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=810"},"modified":"2025-12-04T15:08:07","modified_gmt":"2025-12-04T14:08:07","slug":"allmacht-gottes","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/allmacht-gottes\/","title":{"rendered":"Allmacht Gottes"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">FRAGE DER ALLMACHT GOTTES<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30003\"><strong>Aufgabe:<\/strong> Teile den Text in Sinnabschnitte.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Welche Intention vertritt dieser Text?<\/li>\n\n\n\n<li>Kannst Du dem folgen? Lehnst Du das ab?<\/li>\n\n\n\n<li>Begr\u00fcnde Zustimmung wie Ablehnung.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#269e48\"><strong>Allmacht Gottes &#8211; als Problem der Sprache<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem dieses Problems besteht darin, dass wir wie bei allen Problemen auf unsere Sprache angewiesen sind. Wir k\u00f6nnen nur in sprachlichen Kategorien denken \u2013 und wir haben unsere Sprache schon weiter getrieben, als zum Beispiel unsere Vorfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Vorfahren dachten im Kontext der Allmacht an den Menschen: Der m\u00e4chtige Mensch ist m\u00e4chtig \u2013 Gott ist m\u00e4chtiger. Gott ist nicht nur m\u00e4chtig, sondern er ist auch allm\u00e4chtig, das hei\u00dft, er kann alles tun, was er will.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war besonders gro\u00df von Gott gedacht. Doch inzwischen fragen wir aus christlicher Perspektive:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#269e48\"><strong>Was ist das eigentlich \u201cAllmacht\u201d? Grenze der Sprache<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ist Gott so m\u00e4chtig, dass er einen Stein tragen kann, der schwerer ist, als er ihn tragen kann? (Wie manche Witzbolde formulieren, um Gottes Allmacht zu \u201ewiderlegen\u201c.) Wir haben also das Wort sofort in unsere Kategorien des Verstehens \u00fcbertragen und lachen oder staunen \u00fcber die sprachlichen R\u00e4tsel und verwechseln sie mit dem r\u00e4tselhaften Gott. Wenn wir n\u00e4mlich etwas nicht verstehen oder sprachlich nicht fassen k\u00f6nnen, muss es an Gott liegen \u2013 kann es nicht auch an den Grenzen der Sprache liegen?<\/p>\n\n\n\n<p>Und so versuchen wir Menschen, uns erst einmal an das Wort Allmacht heranzutasten. Ist es ein Wort, das man nicht verstehen kann, ein in sich selbst ruhendes Wort? Beinhaltet es aber nicht, dass es auch andere Macht gibt und mit dieser vergleichbar ist? Ist Allmacht nicht eine Eigenschaft, die sich in allm\u00e4chtigen Taten zeigen muss? Also von Situationen abh\u00e4ngig ist \u2013 und wie diese von einer Zeit, in der sie wirksam ist oder einem Raum oder eben einer Person nach allgemeiner menschlicher Vorstellung, mit Willen\u2026 Kann einer, der allm\u00e4chtig ist, seine Allmacht zur\u00fcckstellen \u2013 und sagen: Jetzt will ich nicht mehr allm\u00e4chtig sein? Oder kann er sie nur zeitweise zur\u00fcckstellen \u2013 aber ist er dann nicht immer noch allm\u00e4chtig?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie dem auch sei \u2013 Gott ist allm\u00e4chtig hei\u00dft eben: Dass Gott allm\u00e4chtig ist. Gott und allm\u00e4chtig sind also eine Einheit. Es gibt nichts Vergleichbares. Und all das l\u00e4sst sich auch zu den anderen \u201cAll-\u201cAussagen sagen: All-wissend, All-g\u00fctig, \u2026.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal zu dem &#8222;Stein&#8220;, den Gott nicht tragen kann: Gott kann auch keinen quadratischen Kreis erschaffen. Das hei\u00dft: das w\u00e4re unlogisch. Die Existenz Gottes oder Eigenschaften Gottes durch Unlogik zu widerlegen, ist unlogisch. Der Kirchenvater Thomas von Aquin kam im Mittelalter auf diese Gedanken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#269e48\"><strong>Wer ist &#8222;Gott&#8220;? Ein weiteres Problem der Sprache<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aber dann haben wir eben ein anderes sprachliches Problem: \u201cGott\u201d. Nun k\u00f6nnen wir dieselben \u00dcberlegungen anstellen. Was ist Gott? Ein Wort. Was ist ein Wort? Eine Bezeichnung\u2026 Muss es das geben, was man benennt? Das fliegende Spagetti-Monster, an das manche Atheisten \u201eglauben\u201c, gibt es ja auch nicht. Vor allem hat sich das Wort Gott auch erst entwickelt \u2013 und damit die Vorstellung von Gott. Wer mehr zur Entwicklung des Wortes erfahren will:&nbsp;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gott#Indogermanischer_Ursprung\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gott#Indogermanischer_Ursprung<\/a>&nbsp;Es l\u00e4sst sich aber neben diesen historischen Entwicklungen sagen: Gott ist der liebende Urgrund allen Seins, er ist der, der Gemeinschaft und Liebe im Menschen wecken m\u00f6chte. Es ist ein langer Weg, der den Menschen das erkennen l\u00e4sst, der ihn dahin lockt, auch ein Gemeinschaft f\u00f6rdernder und liebender Mensch zu werden:&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/theologie-weg-lern-prozess\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/theologie-weg-lern-prozess\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft: Die Vorstellung von Gott entwickelte sich im Laufe der Menschheitsgeschichte. Gott ist der geworden, an den man heute denkt, wenn man das Wort h\u00f6rt, wobei die Palette der Vorstellungen sehr breit ist, nicht allein, wenn man an die unterschiedlichen Religionen denkt, sondern auch schon im christlichen Glauben selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#269e48\"><strong>Gott &#8211; hinter der Sprache steht Wirklichkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Steht aber hinter dem Wort \u201cGott\u201d eine Wirklichkeit? Man kann nat\u00fcrlich sagen: Ja, denn sonst h\u00e4tten die Menschen dieses Wesen niemals <em>gerufen<\/em> (germanische Herleitung des Wortes Gott), diesem Wesen niemals <em>geopfert <\/em>(griechische Herleitung). Man kann sagen: <em>Es stehen hinter diesem Wort Wirklichkeiten, Erfahrungen, die man nicht fassen kann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Judentum und das Christentum geh\u00f6ren zu den <strong>Offenbarungs-Religionen<\/strong>. Sie sagen, dass Gott sich im Laufe der Zeit als der offenbart hat, als der er erkannt werden will. F\u00fcr Christen hat er sich in Jesus Christus offenbart. Das Wort \u201cGott\u201d wird also bei uns gef\u00fcllt mit der Bedeutung, die Juden und Christen dem Wort gegeben haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese F\u00fcllung des Wortes &#8222;Gott&#8220; ist nicht Folge philosophischer Spekulationen, sondern sie ist Folge von Erlebnis-Deutungen, Erfahrungen. Das versklavte und missbrauchte Israel wurde aus der Macht \u00c4gyptens befreit \u2013 das hei\u00dft f\u00fcr Israel: Gott ist m\u00e4chtiger als der Herrscher Pharao \u2013 und Gott erwies sich in der Geschichte Israels als einer, der m\u00e4chtiger ist als andere V\u00f6lker und deren Herrscher \u2013 sodass es bis heute alle Anfeindungen und Verfolgungen \u00fcberlebt hat \u2013 aber auch m\u00e4chtig ist, seinem eigenen Volk seinen Willen kundzutun. Christen haben Gottes Macht darin gesehen, dass er bereit war, seine All-Macht in Jesus Christus mit Liebe zu verbinden. Gottes Liebe und Macht wird nicht darin sichtbar, dass er Jesus Christus das Leiden erspart, sie wird gerade darin sichtbar, dass Jesus den Weg des Leidens geht: Gott liebt den Menschen \u2013 auch wenn sich die Mord- und Erniedrigungslust der Menschen an ihm austoben. Gleichzeitig will er den Menschen auf Wege f\u00fchren, die den Menschen zu einem besseren Menschen machen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#269e48\"><strong>Allmacht und Leiden und Freiheit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch warum macht er in seiner Allmacht nicht den Menschen zu einem besseren Menschen, ver\u00e4ndert dessen Herz und Verstand nicht mit Macht und Gewalt? Juden und Christen glauben, dass Gott dem Menschen Freiheit schenkt \u2013 und diese Freiheit bedeutet eben, sich auch gegen Gottes Willen verhalten zu k\u00f6nnen, das hei\u00dft auch: anderen Leid zuzuf\u00fcgen. Mit der Freiheit geh\u00f6rt das Verantwortung-Tragen zusammen. Mit der Gesch\u00f6pflichkeit des Menschen, seinem Eingebundensein in die gesamte Sch\u00f6pfung h\u00e4ngt Leiden zusammen. Wir sind als Menschen Teil und bleiben Teil der Sch\u00f6pfung \u2013 auch wenn wir uns selbst gerne allm\u00e4chtig und allwissend usw. sehen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kann man nat\u00fcrlich ganz viel dagegen einwenden: das ist ein grausamer Gott, der dem Leiden zusehen kann. Das kann man alles. Christen k\u00f6nnen aber erst einmal etwas anderes sehen: Gott will, dass der Mensch Teil hat an dem Tun Gottes zum Wohl der Menschen. Gott fordert in Jesus Christus den Menschen auf: <em>Klage nicht \u00fcber das Leid, sondern tu etwas dagegen. <\/em>Und wenn wir das beherzigen, dann haben wir wirklich nicht viel Zeit, \u00fcber die <em>Theodizeefrage<\/em> nachzudenken. Sie ist n\u00e4mlich inzwischen zu einer Denkaufgabe geworden. Man versucht sein Denken an dieser Aufgabe zu schulen: Alles M\u00f6gliche gegen Gott zu erdenken \u2013 oder alles M\u00f6gliche auszudenken, um Gott zu verteidigen. So <em>eine Art: Denksport von Atheisten und Glaubende<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch im Leiden k\u00f6nnen wir Menschen unabh\u00e4ngig davon, ob wir jeweils f\u00fcr uns diese Denksportaufgabe gel\u00f6st haben, etwas Gro\u00dfes erfahren: Gottes N\u00e4he. Wir k\u00f6nnen auch anderes erfahren: Wir k\u00f6nnen Menschen in ihrem gro\u00dfen Leiden Geborgenheit schenken, Trost, Kraft, Hoffnung. Da schweigt dann \u2013 zumindest zeitweise \u2013 diese Denksportaufgabe und wir Menschen lassen uns dann ganz in Gott hineinsinken.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann sp\u00fcren wir Gott in seiner Allmacht, die Liebe ist, in uns einstr\u00f6men. Denken ebbt ab, Sprache schweigt, Gottes Liebe ist alles.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#269e48\"><strong>Gott als Geheimnis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gott ist ein Geheimnis, ein gro\u00dfes Geheimnis. Manchmal sp\u00fcrt und ahnt der Mensch dieses Gro\u00dfe. Das Geheimnis \u201eGott\u201c aufl\u00f6sen zu wollen, w\u00fcrde nur bedeuten, ihn in unser Schubl\u00e4dchen stecken zu k\u00f6nnen. Gott l\u00e4sst sich nicht einfach definieren \u2013 wie auch der Mensch als Ebenbild Gottes nicht einfach definiert werden kann. Dieses Geheimnis wird in der Bibel bewahrt, auch wenn Gott als Befreier dargestellt wird (Exodus), als Helfer in der Not (Psalmen), als Heiler und vertrauensw\u00fcrdiger Adressat der Gebete (Jesus). Dieses Geheimnis wird auch im Neuen Testament bewahrt, denn Jesus Christus als Sohn Gottes, als Messias\/Christus ist nicht einfach in logische Schubl\u00e4dchen zu stecken. Er wendet sich anderen zu \u2013 bedarf aber selbst der Zuwendung durch Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Sp\u00fcren oder Ahnen der Liebe Gottes muss kein Dauerzustand sein. Aber diese Erfahrung \u00fcberstrahlt die Fragen und die Einsamkeit. Sie ist der Grundton aller Fragen und Klagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#269e48\"><strong>Ist Gott nun allm\u00e4chtig &#8211; oder nicht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gott ist allm\u00e4chtig &#8211; aber was das bedeutet, das muss von Gott her definiert werden, der sich in Jesus Christus offenbart hat. Einfach das Wort Allmacht nehmen und von m\u00e4chtigen Menschen oder G\u00f6ttern anderer Religionen her definieren, klappt nicht. Sprache und die damit verbundenen Vorstellungen sto\u00dfen an ihre Grenzen, wenn es um den Gott geht, den Juden und Christen bekennen. Das haben wir schon im Kontext der Frage gesehen: Ist Gott Person &#8211; Energie&#8230;? <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/gott-person-energie-psyche\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/gott-person-energie-psyche\/<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FRAGE DER ALLMACHT GOTTES Aufgabe: Teile den Text in Sinnabschnitte. Allmacht Gottes &#8211; als Problem der Sprache Das Problem dieses Problems besteht darin, dass wir wie bei allen Problemen auf unsere Sprache angewiesen sind. 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