{"id":794,"date":"2019-07-02T16:40:58","date_gmt":"2019-07-02T14:40:58","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=794"},"modified":"2026-01-18T21:21:14","modified_gmt":"2026-01-18T20:21:14","slug":"theodizee-3-zusammenfassung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/theodizee-3-zusammenfassung\/","title":{"rendered":"Theodizee 3: Zusammenfassung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Theodizee: Zusammenfassung und \u00dcberblick \u00fcber Verstehensversuche<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber das Leiden des Menschen und sein Umgang damit, wurde schon sehr viel nachgedacht. Die Theodizee-Frage, das hei\u00dft, die Verbindung dieser Frage nach dem Leiden mit Gott, ist im Wesentlichen davon abh\u00e4ngig, welches Gottesbild eine Religion hat. Ist Gott berechtigt, alles mit Menschen zu machen, was er will, dann stellt sich die Frage genauso wenig wie wenn eine Religion von undurchschaubaren Launen der G\u00f6tter ausgeht oder den Abh\u00e4ngigkeiten von Ahnengeistern und anderen Geistern. Die Frage kann erst ganz dominant aufbrechen, wenn Menschen glauben, dass Gott gerecht ist, Befreier und Liebender. Dass es viele unterschiedliche Versuche gibt, die Frage zu beantworten, das h\u00e4ngt damit zusammen, dass wir Menschen verschieden sind \u2013 auch in der Gottesbeziehung. Wir versuchen, alles mit dem Verstand zu durchdringen \u2013 und sind immer nur auf dem Weg, von Etappe zu Etappe, zu einem befriedigenden Ergebnis. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngig vom Glauben versuchen auch nicht glaubende Menschen ihr Leiden einzuordnen: Lerne ich aus dem Leiden, wachse ich als Mensch im Leiden? Welche Auswege finde ich? Verstehe ich einfach nur noch nicht, warum ich leiden muss? Es gibt freilich auch Menschen, die es einfach annehmen: Es ist Zufall\/Schicksal, wenn einer leiden muss. Mich hat es leider getroffen. Resignierende Menschen sagen sich: Es musste mich ja treffen, ich bin ein Pechvogel, mein ganzes Leben geht irgendwie schief.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>\u201ePhilosophisch\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Depotenzierung\u00a0des Leidens<\/strong>: (a) Leiden ist im Grunde irrelevant (Buddhismus); (b) Leiden ist nur Abwesenheit des Guten.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>P\u00e4dagogisierung<\/strong>:\u00a0Leiden ist notwendig, um Menschen moralisch zu heben und reifer zu machen (Mitleid\u2026) \u2013 (theistische Version: Gottes Strafe-Zorn; religi\u00f6s: Karma\/Weltgesetz [Hinduismus\/Buddhismus], christlich: Gott l\u00e4sst den Glaubenden leiden, damit dieser st\u00e4rker werde im Glauben).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Bonisierung\u00a0des Leidens<\/strong>: Ohne Leid kommt Gutes nicht richtig zur Geltung.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Yin Yang<\/strong>\u00a0\u2013 Leiden geh\u00f6rt zur Lebensharmonie dazu (Daoismus\/China).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Funktionalisierung:<\/strong>\u00a0Leiden geh\u00f6rt dazu \u2013 ohne Leiden keine Weiterentwicklung, auch keine Evolution (Wissenschaft), entsprechend ist man defizit\u00e4r, unangepasst.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Freiheit<\/strong>: Leiden als notwendige Begleiterscheinung des Bewusstseins und der Freiheit des Menschen<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Religi\u00f6s, zum Teil auch christlich:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Solidarischer Gott<\/strong>: Gott ist nicht Verursacher des Leidens \u2013 er leidet aus Liebe in Jesus Christus mit.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Solidarischer Mensch<\/strong>: Der Leidende leidet mit Gott \u2013 Jesus Christus \u2013 am Kreuz und sein Leiden bekommt dadurch Sinn: der Mensch wird leidend Gottes Eigentum, weil das Leiden den Menschen zu Gott hinf\u00fchrt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Jesus Christus ist Tr\u00e4ger des Leidens<\/strong>\u00a0\u2013 er tr\u00e4gt das Leiden des Menschen, damit das Leiden den Menschen nicht zerbrechen kann.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Leid vereint mit Gott<\/strong>: Der Mensch leidet, weil Gott in Jesus Christus leidet (Ebenbild Gottes) \u2013 leiden vereint mit Gott.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ohnmacht Gottes<\/strong>: Gott bek\u00e4mpft Leiden nicht, weil er seine Allmacht (ganz bzw. punktuell) aufgegeben hat.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gott ist abh\u00e4ngig\u00a0von Prozessen<\/strong>\u00a0\u2013 er versucht nur durch Selbstver\u00e4nderung der Menschen einzugreifen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Es gibt keine Antwort<\/strong>\u00a0auf das Leiden \u2013 aber: Gott liebt und will Mit-Liebende gewinnen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Dualismus\/Gebrochener Dualismus<\/strong>: Leiden ist Folge der b\u00f6sen Macht \u2013 des Gegenspieler Gottes (Teufel, Satan, Lucifer)(Hiob), b\u00f6ser M\u00e4chte (Geister, D\u00e4monen,\u00a0 d\u00e4monischer M\u00e4chte).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Widerstand gegen Gott:<\/strong>\u00a0Leiden ist Folge der S\u00fcnde (weltweite Sicht).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gottes Macht<\/strong>: Er hat das Recht, den Menschen leiden zu lassen, damit dieser sich im Leiden bew\u00e4hre.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gottes Licht verdunkelt:<\/strong>\u00a0Wenn Gottes Licht das menschliche \u201eAuge\u201c trifft, ist es geblendet \u2013 und Gott wie auch das Leben erscheinen dem Menschen als dunkel.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Plan Gottes zum Guten:<\/strong>\u00a0Leiden geh\u00f6rt zum Leben \u2013 Gott verfolgt einen Plan (kann B\u00f6ses in Gutes ver\u00e4ndern), den der Leidende erst in der Zukunft erkennen kann. Gott erl\u00f6st vom Leiden, wenn er es f\u00fcr richtig h\u00e4lt.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir kennen Gottes Plan mit unserem Leben nicht, aber <strong>Gottes Liebe<\/strong> zu uns.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ziel Gottes<\/strong>: Der Mensch hat mit dem Leben des Menschen ein Ziel. Der Mensch muss dieses finden \u2013 das geht vielfach nur \u00fcber Leiden. Da der Mensch ohne Gott vielfach Irrwege geht \u2013 aber dadurch lernt, Gottes Weg zu gehen. Von Gott auferlegtes Leiden akzeptieren und durchleiden lernen f\u00fchrt zur Freiheit (christliche Mystik).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gott als Geheimnis<\/strong>: Das Theodizee-Problem ist unl\u00f6sbar \u2013 Teil des f\u00fcr Menschen \u201edunklen\u201c Gottes.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gott als Widerspruch<\/strong>: Der Mensch in seiner Begrenztheit kann Gottes Handeln nur als Widerspruch in Gott selbst interpretieren. Der Mensch ist nicht in der Lage, Gott in seiner Weite, Einheit, Liebe, G\u00fcte zu verstehen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Klagen zu Gott<\/strong>:\u00a0Gott allein kann diese Frage l\u00f6sen \u2013 darum liegt es am Menschen, Gott immer wieder diese Frage zu stellen (Psalmen).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Bitte zu Gott<\/strong>\u00a0um Unterst\u00fctzung bzw. Ver\u00e4nderung der Situation (Psalmen)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Aktivierung durch Gott<\/strong>:\u00a0Bis Gott die Antwort gibt: im Auftrag Gottes gegen Leiden handeln.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Eschatologisierung<\/strong>: Einbezug der eschatologischen Perspektive (Auferstehung der Toten \u2013 Hoffnungsbilder)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Beziehung zu Gott<\/strong>: Man lebt aus der Beziehung zu Gott und ordnet aus dieser das Leiden ein (sich in Gottes Hand legen).<\/li>\n\n\n\n<li>Die <strong>Theodizee-Frage ist selbst das \u00dcbel:<\/strong>\u00a0Den Grund der Freiheit des Menschen hat Gott gelegt. Der Ansto\u00df, die Freiheit zu missbrauchen, kam dadurch, dass Gottes G\u00fcte in Frage gestellt wurde: Gott will mich Menschen klein halten. Warum dem\u00fctigt Gott mich? (Genesis 2f.) Damit kommt die Theodizee-Frage in den Blick. Ich traue Gott, der G\u00fcte und Liebe ist, Schlimmes zu. Dadurch geschieht erst das \u00dcbel, f\u00fcgen Menschen einander \u00dcbel zu, auch, um der\u00a0 Angst vor dem mir eingebildeten lieblosen Gott zu entgehen. In Freiheit sich wieder dem liebenden Gott zuwenden, l\u00e4sst die Theodizee-Frage verstummen und heilt. Manches Leiden ist nur mit Gott zu bew\u00e4ltigen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Auserw\u00e4hlt von Gott<\/strong>: Gott hat mich ausgew\u00e4hlt, leiden zu d\u00fcrfen: Er sieht mich als stark genug an, das durchzustehen. Wie Maria leiden musste, die Apostel&#8230; Gott l\u00e4dt dem glaubenden Menschen nicht mehr Leid auf, als er tragen kann (Paulus).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>St\u00e4rkung durch Gott<\/strong>: Gott verspricht nicht, dass er uns im Leben alles erkl\u00e4ren wird. Er verspricht uns in Jesus Christus, bei uns zu sein und uns Kraft zu geben.<\/li>\n\n\n\n<li>Es gibt keine Antwort. Gott selbst, der in Jesus Christus zu finden ist, ist die Antwort.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><strong>Aufgabe:<\/strong> Welche dieser Antworten w\u00fcrden Sie \u00fcber die genannten Beispiele hinaus mit Jesus Christus in Verbindung bringen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Diskussion zwischen Atheismus und Christentum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Soll mit Hilfe der Theodizee-Frage Gott bek\u00e4mpft werden? (Die Theodizee-Frage wird von atheistischer Seite immer wieder dazu verwendet, zu sagen: Es gibt keinen Gott. \u2013 Womit die Theodizee-Frage erst versch\u00e4rft wird. Das bewusst, um vom Glauben abzulenken.)<\/li>\n\n\n\n<li>Leiden ist der Fels des Atheismus (B\u00fcchner) \u2013 das hei\u00dft: die Grundlage des Atheismus.<\/li>\n\n\n\n<li>Dagegen: Glaube mit seinen Spannungen, ist nichts f\u00fcr Schwache.<\/li>\n\n\n\n<li>Soll mit Hilfe der Theodizee-Frage die Inkonsequenz des Glaubens begr\u00fcndet werden? (Es wird von atheistischer Seite erkannt, dass man Gott weder beweisen noch widerlegen kann, darum versucht man diesen Schritt: Es gibt nur Gottesbilder des Menschen \u2013 alle sind nicht beweisbar \u2013 von daher kann man nicht beweisen, ob es Gott gibt oder nicht, aber: Der Mensch kann gar nichts zu Gott sagen, also gibt es ihn nicht, da Gott sich nicht selbst zeigt.)<\/li>\n\n\n\n<li>Will man von religi\u00f6ser Seite trotz der Theodizee-Frage als offene Frage Gott beweisen?<\/li>\n\n\n\n<li>Will man von religi\u00f6ser Seite die Beantwortung der Theodizee-Frage offen lassen? (Gott hat Gr\u00fcnde, die man nicht kennt?)<\/li>\n\n\n\n<li>Frage nach Gott im eigenen Leid \u2013 der Grundlage der eigenen Existenz. Kampf um Gott \u2013 Erneuerung des Gottesbildes. Gottesbilder des Menschen sind immer im Wandel. Manchmal schmerzhaft, manchmal kaum bemerkt. Der schmerzhafte Wandel \u2013 ein Gottesbild stirbt in das auferstehend andere hinein \u2013 kann die Theodizee-Frage begleiten.<\/li>\n\n\n\n<li>Theoretischer Versuch\u00a0der Erkl\u00e4rung: (a) Leid widerspricht der Existenz eines liebenden Gottes; (b) Leiden bedeutet, dass die Existenz eines Gottes unwahrscheinlich ist; (c) diese Schlussfolgerung ist jedoch nicht zwingend, weil: a. Der Mensch kann nur darum bewusst leiden, weil er Ebenbild Gottes ist. b. Der Mensch leidet, weil die gute Ordnung durchbrochen ist \u2013 die Gott geschaffen hat.<\/li>\n\n\n\n<li>Praktische Reaktion\u00a0auf die Theodizee-Frage: Nicht versuchen, Leiden zu erkl\u00e4ren, sondern dem Leiden begegnen: psychologisch, medizinisch, sozial, umfassend seelsorgerisch\u2026 \u2013 wie Jesus Christus.<\/li>\n\n\n\n<li>Atheismus (Es gibt keinen Gott, sonst g\u00e4be es kein Leiden) wird von manchen auch der Gottes-Apologie zugerechnet. Atheisten halten die Spannung nicht aus, den liebenden, gerechten und allm\u00e4chtigen Gott mit Leiden in Verbindung zu bringen und lehnen von daher Gott ab. Glaubende versuchen nicht, Gott zu verteidigen. Die Spannung ist auszuhalten. Gott verteidigen \u2013 da w\u00fcrde sich der Mensch \u00fcberfordern. Nur Gott selbst kann sich dem jeweiligen Menschen so mitteilen, dass er verstehen kann.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>\u00dcberlegungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Zur\u00fcckhaltung in der Kritik\u00a0an den oben genannten Punkten (\u201ePhilosophisch\u201c, \u201eTheologisch-christlich\u201c), denn der Mensch kann durch die \u00dcbernahme der einzelnen Punkte \u2013 je nach Lebenssituation \u2013 in seinem Leben sein Leid verstehen, seine leidvolle Existenz bejahen. Wenn man Menschen M\u00f6glichkeiten an Antworten nimmt, f\u00f6rdert man ihr Leiden, weil man Sinnverlust f\u00f6rdert, Hoffnungslosigkeit, ihnen die Chance nimmt, hinter der absurden Welt eine gute Grundlage zu sehen.<\/li>\n\n\n\n<li>Falsche Antworten:\u00a0Kein Mensch kann sagen, welche Antwort falsch oder richtig ist, weil kein Mensch \u00fcber allem steht. Man kann h\u00f6chstens aufgrund seines eigenen individuellen Weltbildes bestimmte Antworten als wenig plausibel ansehen.<\/li>\n\n\n\n<li>Mit oder ohne Religion: Die Frage stellt sich: L\u00e4sst sich das Problem des Leidens besser ohne oder mit Religion l\u00f6sen. Auch diese Frage muss sich jeder Mensch selbst stellen. Es ist die Frage nach Gott. Aus meiner Perspektive eher mit Religion. Ohne Gott steckt der Mensch im Leiden, mit Gott hat er eine Macht, die au\u00dferhalb seiner selbst steht. Z.B. leidet der Mensch an einer S\u00fcnde, die er getan hat, m\u00f6chte oder kann ihm ein anderer Mensch nicht vergeben, so kann er die Vergebung von Gott bekommen. Kann er sie sich wirklich selbst ohne Gott zusprechen? Oder muss der Psychiater an der Stelle Gottes versuchen, die Schuld \u201ewegzureden\u201c, \u201ewegzudenken\u201c, lehren, irgendwie mit ihr umzugehen? Der Schuldige w\u00e4re dann davon abh\u00e4ngig, ob er sich a) einen Psychiater leisten kann, b) einer zur Verf\u00fcgung steht, c) ein guter zur Verf\u00fcgung steht. Der Glaubende lernt im Licht Gottes damit umzugehen. Ohne a)-c). Aber da man an Gott auch aus praktischen Gr\u00fcnden nicht einfach so glauben kann, steht der religi\u00f6se Weg nicht jedem \u2013 zumindest kurzfristig zur Leidbew\u00e4ltigung \u2013 offen. Bis ihm eine Gottesbegegnung m\u00f6glich ist. Es geht im Glauben um eine Beziehung zu Gott \u2013 nicht um einen Glauben, um etwas zu erreichen. Am Anfang einer Gottesbeziehung steht wohl \u00fcberwiegend die Offenheit f\u00fcr Gott.<\/li>\n\n\n\n<li>Versuche, den anderen zu tr\u00f6sten, ihm zu versichern, dass man mit ihm mitleidet, auch wenn er und man selbst den Sinn nicht erkennt, weisen \u00fcber das Leiden hinaus in eine geahnte\/erhoffte Sinnhaftigkeit des Leidens. Soll man dem Menschen diesen Trost verweigern, wenn man selbst daran zweifelt? (Die Mutter sagt: Alles wird gut\u2026! \u2013 oder soll sie sagen, weil sie gerade selbst irritiert ist: Kind, nichts wird gut!)<\/li>\n\n\n\n<li>Sollten wir dem Menschen ausreden: Frage nicht nach dem Warum\u2026 Ausreden mit den Aussagen: Nimm es einfach hin. Ist Schicksal\u2026? Geht das? Kann der Mensch diese Fragen ausblenden? Warum bringen gerade Atheisten diese Fragen immer wieder an: Wirklich, um Gott zu widerlegen &#8211; oder weil sie selbst nicht klar kommen?<\/li>\n\n\n\n<li>Deutlich ist, dass auch A-Religi\u00f6se aufgrund von Leiden immer wieder auf Gott gesto\u00dfen werden. Allerdings im Widerspruch zu Gott.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>Probleme, die mit diesen \u201eAntworten\u201c verbunden sind<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die eigene Antwort kann auf andere zynisch wirken, absto\u00dfend \u2013 \u00e4u\u00dferst \u00e4rgerlich k\u00f6nnen andere darauf reagieren.<\/li>\n\n\n\n<li>Auch der Einbezug der Zukunft: Produktiver Umgang mit dem Leid \u2013 kann zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Situationen als unangemessen empfunden werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Christen k\u00f6nnen ihre Hoffnung, ihre eigenen Antworten dem anderen mitgeben \u2013 m\u00fcssen aber auf entsprechende Reaktionen gefasst sein.<\/li>\n\n\n\n<li>Wenn Menschen im Leiden stecken \u2013 wie man selbst das ja auch wei\u00df \u2013 dann sind alle Antworten banal, man steckt in der Phase, sich selbst eine Antwort zu erk\u00e4mpfen. Man kommt um diese Phasen nicht herum. Es gibt keine Abk\u00fcrzungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Weil Menschen in der Phase stecken, sich eine Antwort zu erk\u00e4mpfen, muss eine Hilfestellung nicht nur abschreckend wirken, sie kann auch, je nach Situation und Lage der jeweiligen Menschen als hilfreich empfunden werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Einfach f\u00fcr den anderen Menschen da sein \u2013 und sensibel f\u00fcr ihn und seine Fragen sein \u2013 entsprechend mit eigenen Impulsen reagieren.<\/li>\n\n\n\n<li>Christen haben die M\u00f6glichkeit, den anderen im Gebet zu begleiten und auf Gottes Wirken zu vertrauen.<\/li>\n\n\n\n<li>F\u00fcr einen selbst ist es wichtig, sich schon vor dem Leiden dar\u00fcber Gedanken gemacht zu haben.<\/li>\n\n\n\n<li>F\u00fcr einen Christen ist es wichtig, die Beziehung zu Gott vor dem Leiden zu suchen und in ihr zu wachsen.<\/li>\n\n\n\n<li>Auch Christen k\u00f6nnen am eigenen Leiden\/am Leiden anderer zerbrechen bzw. stark ins Straucheln kommen, vor allem dann, wenn man mit Gott \u201eWohlergehen\u201c oder sich mit dem Selbstbild \u201eich bin gerecht\/gut\u201c verbindet. Sich ein\u00fcben in das Gebet:\u00a0<em>Ich lege mich in Gottes Hand<\/em>\u00a0muss beizeiten ge\u00fcbt werden.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30022\"><strong>Aufgabe 1:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Philosoph <strong>Odo Marquard<\/strong> (+2015) schrieb: \u201e<em>Die Antworten der Theodizee sind\u2026 durchweg unzureichend\u2026 Darum haben wohl diejenigen recht, die dem Vertrauen auf Gott, also dem Glauben das letzte Wort geben, und das nicht zu k\u00f6nnen ist dann das eigentliche Ungl\u00fcck.<\/em>\u201c (Schwierigkeiten beim Ja-Sagen, in: W. Oelm\u00fcller (Hg.):Theodizee \u2013 Gott vor Gericht?, M\u00fcnchen 1990, 101f.) Auch von hier aus gesehen sind die Versuche, den Glauben zu destruieren mit Hilfe der Theodizee-Frage, was so mancher Atheist antreibt, eher dem Unmenschlichen zuzuordnen: Man entzieht Menschen die Basis ihres Lebens. Stimmst Du dem zu? Lehnst Du das ab? Begr\u00fcnde!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><strong>Aufgabe 2:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn nach irgendwelchen schlimmen Ereignissen, in denen Menschen zu Schaden gekommen sind, Gedenkgottesdienste gehalten werden, sagen Pfarrerinnen und Pfarrer:&nbsp;<em>Man kann die \u201eWarum-Frage\u201c nicht beantworten. Aber der Glaube an Gott\/Jesus Christus gibt Kraft im Leiden.<\/em>&nbsp;In den Medien wird immer nur gesagt: Der Pfarrer\/die Pfarrerin sagte, man k\u00f6nne die Warum-Frage nicht kl\u00e4ren. Vom Kraft gebenden Glauben wird nicht geredet. \u00dcberlege:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Warum wird das nur verk\u00fcrzt wiedergegeben.<\/li>\n\n\n\n<li>Welche Folge kann das f\u00fcr eine Gesellschaft haben, wenn man nur h\u00f6rt: Man kann die Frage nicht beantworten?<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theodizee: Zusammenfassung und \u00dcberblick \u00fcber Verstehensversuche \u00dcber das Leiden des Menschen und sein Umgang damit, wurde schon sehr viel nachgedacht. Die Theodizee-Frage, das hei\u00dft, die Verbindung dieser Frage nach dem Leiden mit Gott, ist im Wesentlichen davon abh\u00e4ngig, welches Gottesbild eine Religion hat. 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