{"id":735,"date":"2019-07-02T16:07:36","date_gmt":"2019-07-02T14:07:36","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=735"},"modified":"2026-10-01T07:53:48","modified_gmt":"2026-10-01T05:53:48","slug":"reflexion-2-jungfrauengeburt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/reflexion-2-jungfrauengeburt\/","title":{"rendered":"Reflexion 2: Jungfrauengeburt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-medium-font-size\">Reflexionen zum Thema Jungfrauengeburt<\/h3>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">1. Heidnische Parallelen und christliche Interpretationen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gibt es in der Antike Texte, die davon sprechen, dass die jeweilige Frau, die ein G\u00f6tterkind erwartete, Jungfrau gewesen ist? Vielleicht ist hier die <strong>Karna-Tradition<\/strong> (Mahabharata) zu nennen, die ich aber nur als \u00dcbersetzung kenne, somit nicht wei\u00df, ob der westliche \u00dcbersetzer unsere christliche Weltdeutung eingetragen hat. Dort geht es darum, dass die Jungfrau (Kunti) vom Sonnengott (Surya) nach der Zeugung wieder ihre Jungfr\u00e4ulichkeit bekommt \/ oder hat er seine Yoga-Kraft in die Jungfrau hineingelegt, ohne sie zu &#8222;entjungfern&#8220;? (Von wann der Text ist, ist nicht mehr zu sagen, da das Mahabharata in einem Zeitraum von 400 v.Chr. bis 400 n.Chr. entstanden sein wird, aber nicht an einem St\u00fcck, sondern immer wieder \u00fcberarbeitet wurde.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Plutarch<\/strong> \u2013 gestorben 120 (!) nach Christus \u2013 ist als Schriftsteller eine interessante Person. In vielem weist er N\u00e4he zum Christentum des Paulus auf. Er hat sich \u00fcber alles M\u00f6gliche Gedanken gemacht, auch was Religion betrifft: Er hat sie stark reflektiert und (was auch f\u00fcr Juden und Christen wichtig war) mit seinem moralischen Interesse verbunden. Die Frage ist, wieweit er Christen als besondere Gruppe schon wahrnehmen konnte oder sie dem Judentum zugeordnet hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie dem auch sei: Er schreibt in <em>Numa<\/em> von weisen \u00c4gyptern, die meinen, dass eine Gottheit durch den Geist in einer Frau den Beginn eines Volkes bewirken kann, dass allerdings ein Mann nicht Verkehr mit einer G\u00f6ttin haben k\u00f6nne. Ein Gott kann nicht mit einem Mann entsprechend agieren wie mit der Frau. Aber auch der Mann kann von Apoll geliebt werden \u2013 die Folge ist dann eher \u201espiritueller\u201c Art \u2013 und die Frau bekommt dann immer ein Kind? Die Aussage ist sexuell gedacht \u2013 wurde dann mit Blick auf den Mann \u201espiritualisiert\u201c. Es geht also nicht um eine konkrete Situation, eine konkrete Frau. Plutarch selbst lehnt eine solche Vorstellung ab. Plutarch versuchte wie manche Gelehrte seiner Zeit, die k\u00f6rperlichen Paarungen der Gottheiten als spirituelle Paarungen darzustellen, weil k\u00f6rperliche Paarungen f\u00fcr Philosophen eher peinlich waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andere Texte, wie zum Beispiel, dass <em>Zeus<\/em> als goldener Regen vom Himmel in den Scho\u00df von Danae f\u00e4llt, hat nichts mit Jungfrauengeburt zu tun, freilich hat Zeus sich Jungfrauen ausgesucht. Es geht also um eine besondere &#8222;g\u00f6ttliche&#8220; Empf\u00e4ngnis, nicht um Jungfrauengeburt. Wobei es unterschiedliche Interpretationen gibt. Justin (2. Jh.) verwendet die Stelle dazu, um den Griechen zu sagen: Wenn ihr schon von &#8222;g\u00f6ttlichen&#8220; Zeugungen sprecht, warum sagt ihr, unsere Version sei absurd? Also es geht um Apologie. Die Mutter von Platon soll, so der Christ Hieronymus aus entsprechendem Grund, als Sohn einer Jungfrau \u2013 durch den Gott Apollon \u2013 geboren worden sein. Ebenso berichtet er das von Buddha. Laut Tradition ist der Vater ein wei\u00dfer Elefant, der der Mutter des Buddha, Maya, im Traum erschienen war. Aber es wird nicht gesagt, dass die Mutter Jungfrau war. Das wurde von Hieronymus aus genanntem apologetischen Grund eingelesen. Als Schlange hat Apollon Augustus gezeugt bzw. ein Gott auch den Alexander. Aber die M\u00fctter waren verheiratet. In \u00e4gyptischer Tradition geht die Gottheit in den K\u00f6nig ein und zeugt auf diese Weise die g\u00f6ttlichen Nachkommen in seiner Frau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf <strong>Vergil<\/strong> ist in diesem Zusammenhang hinzuweisen: <em>Ekloge 4<\/em> (um 40 v.Chr. geschrieben) \u2013 ein Text, der von den fr\u00fchen Christen als prophetisch angesehen wurde: Gott hat auch Heiden auf Jesus vorbereitet, indem er Vergil diesen Text schreiben lie\u00df, so haben es Christen interpretiert. Freilich kommt die \u201eJungfrau\u201c nur im Kontext vor. Sie ist die personifizierte Gerechtigkeit, die wiederkommen werde, eine neue Generation komme vom Himmel und Lucina (G\u00f6ttin der Geburtshilfe) m\u00f6ge die Geburt des Jungen beg\u00fcnstigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass G\u00f6ttinnen andere g\u00f6ttliche Wesen ohne sexuelle Vereinigung hervorbringen, ist alte griechische Mythologie, so bringt Gaia (die Erde) den Uranos (Himmel), Ourea (Berge) und Pontos (Meer) hervor. Aber das ist etwas ganz anderes, da Maria bekanntlich keine G\u00f6ttin war, sondern normale Jugendliche, die von der Botschaft, dass sie schwanger werde, \u00fcberrascht wurde. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend wir also erkennen, dass es im Grunde keine Parallele gibt, haben fr\u00fche Christen Parallelen gesucht, um die Tats\u00e4chlichkeit zu begr\u00fcnden. Sie nehmen diese mythischen Geschichten aber nicht, um zu sagen: Wir haben auch eine solche entwickelt, sondern die Geburt Jesu wird trotz der Besonderheit mit Hilfe heidnischer Mythologie verteidigt. Es gibt also hier und da einen Text, der zeigt, in was f\u00fcr ein kulturelles Umfeld diese christliche Aussage hinein gesprochen wurde. Bildhaft gesagt: Die christliche Tradition \u00fcbernimmt einzelne F\u00e4den aus den kulturellen Umfeldern, webt daraus aber einen ganz eigenen Teppich. Es geht nicht um G\u00f6tter-Erotik, nicht um Superhelden. Weil die Basis eine andere, eine nicht mythologische war?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was im Vergleich mit all diesen Geschichten noch interessant ist: Die zeugenden G\u00f6tter hinterlassen ber\u00fchmte, kraftvolle Kids, Besieger von Ungeheuern und gro\u00dfe Feldherren und Herrscher. Wenn man das mit der Vita, dem Leben Jesu vergleicht, war das Leben Jesu eher unspektakul\u00e4r: Er k\u00fcmmerte sich um Menschen, die es eigentlich nicht wert waren, dass man sich um sie k\u00fcmmert, und dann ist er auch noch am Kreuz hingerichtet worden. Das Leben hat also als ein solches gesehen, nichts G\u00f6ttliches im antiken Sinn. Im Gegenteil: Gottes Sohn sein bedeutet im christlichen Sinn: Erniedrigung. Der Sohn Gottes kommt herab, stirbt den Tod am Kreuz. Kurz: Als Sohn Gottes muss er als irdischer Mensch die Erwartungen entt\u00e4uscht haben. Wie er die messianische Erwartung der zeitgen\u00f6ssischen Juden entt\u00e4uschte. Wenn jemand freilich sagen sollte: Aber er ist ja auferstanden, er hat Menschen geheilt, dann ist das nur etwas Gro\u00dfes, wenn vorher daran geglaubt wird, dass Gott dahinter steht bzw. die Auferstehung als reale Erfahrung anerkannt wird. Menschen, die als Heiler herumgezogen sind, gab es nicht wenige, das war also nichts Besonderes, gro\u00dfe Lehrer gab es auch. Auch das war nichts Besonderes.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">2. Aussagen der fr\u00fchen Christen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>a) Lukas<\/strong>: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soweit Lukas zu verstehen ist, geht es um Erschaffung Jesu in Maria \u2013 wenn man Genesis 1 als Deutungsmuster verwendet. Das hei\u00dft: Gottes Geist ist Gott selbst in seiner Sch\u00f6pferkraft. Und Deutungsmuster sind es immer, die wir verwenden. Wenn ein \u00c4gypter ohne Kenntnis des Alten Testaments den Lukas-Text liest, hat er das wohl so interpretiert, dass Gottes Geist das Blut in Maria zu einem Menschlein geklumpt hat, oder wie eine sp\u00e4tere christliche Schrift sieht, war der Geist Gottes eher eine Art Mann, der von Maria vor Schreck ans Bett gefesselt wurde. Andere haben das schon damals in der Auseinandersetzung mit dem Christentum verballhornt und von der Vergewaltigung der Maria durch einen R\u00f6mer (Panthera) interpretiert. Matth\u00e4us macht dazu keine Angaben, er konstatiert: Sie war schwanger vom Heiligen Geist. Lukas schreibt eher spirituell in einem lyrischen Parallelismus \u2013 verwendet also \u00fcberhaupt keine sexuellen Konnotationen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Heilige Geist wird \u00fcber dich kommen \u2013 <\/em><br><em>die Kraft des H\u00f6chsten wird dich \u00fcberschatten.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Parallelismus ist eine alte j\u00fcdische literarische Form, die vielfach auch in den Psalmen verwendet wurde: Heiliger Geist = Kraft des H\u00f6chsten \/ \u00fcber dich kommen = wird dich \u00fcberschatten. Weitere sprachliche Beobachtungen: Geist kommt \u00fcber den Menschen: Apostelgeschichte 1,8 \u2013 die J\u00fcnger \u2013 ohne Bezug zu Kindzeugung. Zudem ist Geist \/ Ruach feminin. \u00dcberschatten: Die g\u00f6ttliche Wolke \u00fcberschattete die J\u00fcnger und es kam die Stimme: Das ist mein auserw\u00e4hlter Sohn, den sollt ihr h\u00f6ren! [Lk 9,34]. Das Wort wird noch einmal Apg 5,15 verwendet: der Schatten des Petrus soll auf die Heilungssuchenden fallen \u2013 damit sie gesund w\u00fcrden.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>b) Matth\u00e4us<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier greife ich im Wesentlichen das auf, was ich im Rahmen der Geburtsgeschichten <strong>&#8222;Matth\u00e4us&#8220;<\/strong> formuliert habe: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird gegenw\u00e4rtig gesagt, dass die Vorstellung, dass Maria Jungfrau war, aus dem Buch des Propheten Jesaja heraus konzipiert wurde. <\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Der Prophet Jesaja 7,14 spricht allerdings nicht von einer \u201eJungfrau\u201c, sondern von einer \u201ejungen Frau\u201c, denn das Wort \u201eAlmah\u201c bedeutet \u201ejunge Frau\u201c \/ &#8222;Frau im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter&#8220;; &#8222;Jungfrau&#8220; w\u00e4re eindeutiger mit &#8222;Betulah&#8220; ausgesprochen worden. <\/li>\n\n\n\n<li>Dieses wird von den vorchristlichen \u00dcbersetzern ins Griechische aber mit \u201eParthenos\u201c \u2013 also \u201eJungfrau\u201c \u2013 \u00fcbersetzt. <\/li>\n\n\n\n<li>Die fr\u00fche Gemeinde hat dann, so wird gesagt, diesen &#8222;missverst\u00e4ndlichen&#8220; griechischen Text als Vorlage gehabt. <\/li>\n\n\n\n<li>Die j\u00fcdisch-christliche Gemeinde in Jud\u00e4a war aber mit hebr\u00e4ischen Texten vertraut, was auch f\u00fcr Matth\u00e4us zu vermuten ist. Die Frage stellt sich: Hat er bzw. seine Gemeinde also Parthenos im Sinne von Almah gedeutet, also w\u00e4re ihm &#8222;Jungfrau&#8220; nicht in den Sinn gekommen? Ist diese Interpretation erst in uns bekanntem Sinn relevant geworden, als die griechische Gemeinde mit der griechischen Bibel argumentierte? <\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das alles kann sein, dagegen spricht freilich, dass der Prophet wohl kaum eine \u201ejunge Frau\u201c im Blick gehabt haben wird, sondern etwas Wunderhaftes prophezeit, und dass eine junge Frau ein Kind bekommt, das ist normaler Alltag. Somit h\u00e4tten die \u00dcbersetzer mit &#8222;Parthenos&#8220; \/ &#8222;Jungfrau&#8220; richtig interpretiert. Es sei denn, der Prophet spricht von einer ganz bestimmten jungen Frau, die einen Jungen empfangen und geb\u00e4ren wird. An diesen 9 Monaten Schwangerschaft und den folgenden Jahren schlie\u00dft der Prophet politische Zeitaussagen (3-5 Jahre) an. Wenn die junge Frau also noch nicht schwanger ist, dann stimmt der politische Countdown nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Prophet hatte also mit seiner Prophezeiung vermutlich anderes im Sinn, als es die \u00dcbersetzer des Jesaja-Textes (durch Gottes Geist vorbereitend?) verstanden haben und dann die fr\u00fche Gemeinde aus den Jesuserfahrungen heraus (durch Gottes Geist) interpretiert hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der weitere Aspekt: Es k\u00f6nnte sein, dass Jesus nachtr\u00e4glich als Kind einer Jungfrau dargestellt wurde, weil, wie immer wieder behauptet wird, auch sonst Jungfrauen als M\u00fctter gro\u00dfer Menschen dargestellt werden. Dem ist allerdings nicht so. Die anderen Gro\u00dfen der Weltgeschichte, Alexander der Gro\u00dfe, Augustus, Buddha \u2013 sie werden von G\u00f6ttern gezeugt, das hei\u00dft, die Frau war und blieb keine Jungfrau mehr, sondern das geborene Kind war eine Art Halbgott. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was aber w\u00e4re gewesen, wenn Jesaja 7 von den \u00dcbersetzern nicht mit &#8222;Parthenos&#8220; \/ &#8222;Jungfrau&#8220; \u00fcbersetzt worden w\u00e4re? Wie h\u00e4tten die fr\u00fchen Christen die Besonderheit der Geburt formuliert? Diese Frage ist geschichtlich nat\u00fcrlich m\u00fc\u00dfig, wie alle &#8222;Was-W\u00e4re-Wenn-Fragen&#8220;. Zudem ist in j\u00fcdischer Tradition nicht von einer solchartigen Geburt des Messias die Rede. Aber diese Frage zeigt, dass die fr\u00fchen Christen schon in diese Richtung sensibilisiert worden waren, um dieses Wort aufzugreifen. Warum?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das einzigartige Bekenntnis, dass Maria Jungfrau war (ohne von einem Mann zu wissen, schwanger wurde), spricht aus, dass Jesus also nicht eine Art Halbgott war, sondern durch Gottes Geist in Maria erschaffen wurde. Jesus ist also ein ganz besonderes Wesen. Gottes Geist ist Gott selbst \u2013 Gott bildet also sich selbst, so der christliche Glaube, in die Jugendliche nach ihrer Zustimmung (lat.: &#8222;Fiat mihi&#8220;; gr. &#8222;g\u00e9noito moi&#8220;) hinein. (Christen bekennen: Jesus Christus: wahrer Gott und wahrer Mensch.) Maria stimmt zu, sie wird also nicht von irgendwelchen G\u00f6ttern \u00fcberrascht, \u00fcberw\u00e4ltigt, get\u00e4uscht, verf\u00fchrt. Sie gibt frei dem Handeln Gottes Raum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>c) Exegetische \u00dcberlegungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird also vermutet: <\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die fr\u00fchen Christen haben eine Glaubenserfahrung gemacht: Jesus wurde aus den Toten auferweckt (<strong>Wunder 1<\/strong>) &#8211; der christliche Glaube beginnt nicht mit der Krippe, sondern mit Tod und Auferstehung, <\/li>\n\n\n\n<li>das haben sie zum Anlass genommen, Jesu Erfahrung bei seiner Taufe (er h\u00f6rte Gott sprechen: dieser ist mein geliebter Sohn) neu zu verstehen (<strong>Wunder 2<\/strong>),<\/li>\n\n\n\n<li>daraus haben sie dann geschlossen: Jesus muss ein besonderer Mensch gewesen sein, was auch seine Worte und Taten bezeugen (vielfache <strong>Wunder 3 + x<\/strong>),<\/li>\n\n\n\n<li>er muss also auch besonders geboren worden sein und haben dann das <strong>Wunder 4<\/strong>, die Jungfrauengeburt konzipiert \u2013 damit zusammenh\u00e4ngend: die Mutter Jesu war eine ganz besondere Frau, die um Gottes Willen zu erf\u00fcllen, zu einem ganz schweren Leben &#8222;Ja&#8220; gesagt hat. Das w\u00e4re eigentlich <strong>Wunder 5<\/strong>.<\/li>\n\n\n\n<li>Aber die fr\u00fchen Christen haben nicht g\u00e4ngige Mythologien verwendet, sondern ganz Neues aus j\u00fcdischer Tradition (weil Gott nicht sexualisierter Zeus ist) erfunden, ausgehend von der griechischen \u00dcbersetzung &#8222;Parthenos&#8220; \/ &#8222;Jungfrau&#8220; aus Jesaja 7 (was selbst ein Wunder gewesen sein d\u00fcrfte). Sonderbarer Weise haben sie aber die Stammb\u00e4ume nicht an David angepasst, sodass diese noch immer auf Josef zulaufen, nicht auf Maria. Sie h\u00e4tten also, wenn sie konsequent gewesen w\u00e4ren, auch Maria als Nachkomme Davids darstellen m\u00fcssen. Also ist Josef der menschliche Vater gewesen. Die fr\u00fche Gemeinde musste das jedoch nicht anpassen, da durch die &#8222;Adoption&#8220; Jesus vollwertiges Kind des Josef, also nachkomme Davids, geworden ist. Zudem zeigt das wohl: Es geht nicht um in der Logik entwickelten und propagandistisch verk\u00fcndeten Glauben. Letztlich lassen Matth\u00e4us und Lukas das so stehen, wie sie es \u00fcberliefert bekamen, weil es f\u00fcr sie einleuchtend war: Jesus, Sohn der Jungfrau Maria. Beides war f\u00fcr sie richtig: Nachkommenschaft Davids und eben die Besonderheit der Mutter Jesu.<\/li>\n\n\n\n<li>Dass Josef Maria angenommen hat, obgleich sie nicht von ihm schwanger war, damit also die davidische Abstammung erm\u00f6glicht wurde, ist <strong>Wunder <\/strong>6.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Herleitung setzt aber eines voraus: Die Auferstehungs-Erfahrung ist vollkommen real. Was nat\u00fcrlich auch unseren aufgekl\u00e4rten Vorstellungen widerspricht. Manche verstehen das nicht als &#8222;Erfahrung&#8220; sondern als Einbildung, Trauerbew\u00e4ltigung, Wunschdenken. Das hie\u00dfe, dass diese Relecture der Geburtsgeschichte Jesu, also das Zur\u00fccklesen aus der Ostererfahrung heraus, auch zusammenbrechen w\u00fcrde. Wie man es dreht und wendet, es bleibt sonderbar, wunderhaft, Glauben. Am Anfang und Ende des christlichen Glaubens stehen im Grunde unerkl\u00e4rliche Wunder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einfach ist die historisch-kritische Antwort: Wir abstrahieren von allem Wunderbaren. Das hei\u00dft: Jesus redete und handelte, hatte darum seine Bewunderer, wurde dann hingerichtet. Aber wie kam es dann zu diesen wunderhaften Aussagen \u2013 gerade bei diesem galil\u00e4ischen Juden, der f\u00fcr 1-3 Jahre durch Galil\u00e4a zog? Wie man es also dreht und wendet, es bleibt ein spannender, weil unerkl\u00e4rlicher, gro\u00dfartiger Rest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie dem auch sei: Diese Interpretation hat die Menschheit beeinflusst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>d) Biologistisches Denken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das, was als gro\u00dfe wunderbare Tat Gottes geschildert wird, von Maria dann auch im Lukasevangelium besungen wird, wird in der Antike (um den christlichen Glauben l\u00e4cherlich zu machen) und in der Moderne auf biologistische Ebene heruntergebrochen. (Maria sang ein spirituelles Lied! \u2013 Vom Zacharias, der auch ein Lied singt, hei\u00dft es: Er wurde vom Heiligen Geist erf\u00fcllt und sprach. Von Maria wird das nicht gesagt \u2013 weil der Erf\u00fcllung mit dem Heiligen Geist als eine andauernde gedacht war?) <strong>Der Wundertext wird also biologisch interpretiert<\/strong>. Diese biologische Ebene hatten die Evangelisten nicht im Blick. Selbst Johannes schreibt, dass Glaubende ohne den Willen eines Mannes \u2013 also nicht nur Jesus \u2013 von Gott geboren wurden. Die biologistische Frage, so nenne ich das einmal, konnte erst aufkommen, als man begann, alles umzubrechen und auch gegen das Christentum zu schie\u00dfen, denn die historisch-kritische Exegese ist eng mit der Aufkl\u00e4rung verbunden, in der man die Macht der Kirche bek\u00e4mpfen wollte. Streckenweise hat sie sich dann von diesem Ansatz emanzipiert \u2013 und ist zu einer unideologischen Exegese weiter gekommen (das hei\u00dft: Man wollte nicht die Kirche widerlegen, bek\u00e4mpfen usw., sondern wirklich verstehen). Es blieb: Man versuchte die religi\u00f6se Sprache in eine andere Sprache zu \u00fcbersetzen und kam dadurch in massive Schwierigkeiten. Dass Christen daran nicht ganz unschuldig waren, will ich nicht verschweigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Reflexionen zum Thema Sprache <\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Nehmen wir das Gedicht von Gottfried Benn: <em>Ein Wort, ein Satz <em>\u2013<\/em>: aus Chiffren steigen \/ erkanntes Leben, j\u00e4her Sinn, \/ die Sonne steht, die Sph\u00e4ren schweigen, \/ und alles ballt sich zu ihm hin. \/\/ Ein Wort \u2013 ein Glanz, ein Flug, ein Feuer, \/ ein Flammenwurf, ein Sternenstrich \u2013 \/ und wieder Dunkel, ungeheuer, \/ im leeren Raum um Welt und Ich.<\/em> Zitiert nach: <a href=\"https:\/\/www.planetlyrik.de\/lyrikkalender\/gottfried-benns-gedicht-ein-wort\/\">https:\/\/www.planetlyrik.de\/lyrikkalender\/gottfried-benns-gedicht-ein-wort\/<\/a> (Link \u00fcberpr\u00fcft: September 2026)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was soll man da sagen! Das ist Quatsch. \u00dcbertreibung! Wortgeklingel im wahrsten Sinn! Unsinn. Usw. usw. usw. Benn h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen: <em>Wort wirkt. Basta.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen aber die andere Ebene beachten. Auf dieser anderen Ebene ist das Gedicht einmalig! Es dr\u00fcckt etwas wunderbar aus, was man ohne diese Form nicht aussprechen k\u00f6nnte. Es zeichnet die Macht eines Wortes auf, die Kraft der Bewegung, die es im Menschen verursacht \u2013 und dann, wenn es gesprochen ist, den Menschen in Einsamkeit zur\u00fcckl\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Man kann nicht einfach eine Sprachebene wechseln, ohne Verlust. <\/strong>Diese Erkenntnis hatten viele unserer wissenschaftlich orientierten Vorfahren nicht, sie ist erst im Zuge neuerer Wissenschaft, der Linguistik, wieder in die Exegese herein gekommen. Wir sind inzwischen wieder einen Schritt weiter gekommen: <strong>Worte sind nicht nur Information<\/strong>. Selbst die alten Rhetoriker wussten das. Poeten sowieso. Und dann versuchte man im aufgekl\u00e4rten, abgekl\u00e4rten und emotional abgebr\u00fchten Zeitalter der Moderne das alles zu \u00fcbergehen und verga\u00df dabei, dass Wertvolles dabei verloren geht, wenn man alles \u00fcber den Leisten des Historizismus und in diesem Fall des Biologismus schl\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Indem man die Menschen sozusagen auf Info-Worte reduzierte, machte man sie gleichzeitig anf\u00e4llig f\u00fcr Menschen, die Worte emotional und rhetorisch gebrauchten. Damit hat man die Menschen, die keine Ahnung davon hatten, dass Worte auch negativ emotionalisieren k\u00f6nnen, diesen Populisten und Rhetorikern ausgeliefert. Oder man lieferte sie der Werbung aus, denn die Werbeleute sind mit allen Wassern gewaschen, was auch die Macht der Worte betrifft \u2013 ebenso die von esoterischen Ansichten begeisterten Menschen. Inzwischen kapieren es auf dieser Ebene auch Otto und Ottilie Normalverbraucher und manche Wissenschaftler immer st\u00e4rker. Auf religi\u00f6ser Ebene m\u00fcssen sie erst wieder lernen, dass es unterschiedliche Sprach-Ebenen gibt.<strong> Viele Christen haben leichtfertig selbst diese religi\u00f6se Sprache verachtet und verlassen. Nun h\u00e4ngen sie in der Luft \u2013 und m\u00fcssen erst wieder lernen, dass es unterschiedliche Sprachebenen gibt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die fr\u00fchen Christen wussten: Jesus war ein Mensch in der Geschichte. Er war kein Mythos. Er hatte Fleisch und Blut, er war keine Hirngeburt. Und als ein solcher wahrer Mensch ist er als ein Wesen in der Geschichte geboren. Wann? In der Zeit des Augustus (Weltgeschichte \u2013 Lukas) und des Herodes (Israelgeschichte \u2013 Matth\u00e4us). Zudem: Jesus ist mit Hilfe des Deutungsmusters j\u00fcdischer Exegese zu verstehen. Wir k\u00f6nnen von \u201eGl\u00fcck\u201c sagen, dass sie nicht das allegorische Deutungsmuster eines Philo aufgegriffen haben. Was h\u00e4tten wir da heute f\u00fcr Probleme!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letztlich kommt es darauf an, dass man erst einmal die religi\u00f6se Sprache gelten l\u00e4sst \u2013 als eine ganz normale Sprachform, die Menschen weltweit verwenden \u2013 und versucht, sie zu verstehen. Und das bedeutet bei beiden, Matth\u00e4us wie Lukas: Gott wurde Mensch, Gott handelt wunderbar. Dass Gott wunderbar handelte, sieht man an dem Menschen Jesus Christus, das sieht man an der Auferstehung Jesu Christi, das sieht man an der Gemeinde, die im gesamten r\u00f6mischen Reich (Lukas) bzw. Israel und weltweit im Osten (Matth\u00e4us) am Wirken ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geburtsgeschichten sind nur ein einleitender Teil zweier umfassender Werke, die als Ganzes ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen. Und dann konzentrieren wir heute unseren Blick auf: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maria \u2013 Jungfrau: <br>Ja <br>Nein <br>Vielleicht <br>Wie kann das sein <br>Das kann nicht sein <br>Das kann doch sein <br>Wo gibt es Parallelen <br>Wie sind die zu interpretieren\u2026 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2013 diese unsere Vorgaben, geboren aus einem engen Historizismus werden dem Ganzen nicht gerecht. <strong>Historizismus beengt den Blick, und wenn alles daran gemessen wird, ist er eine Ideologie im M\u00e4ntelchen von Wissenschaft.<\/strong> <strong>Das trifft auch auf den Biologismus zu.<\/strong> Es geht nicht um Biologie. Von daher ist auch dieses Erkl\u00e4rungsmuster unbrauchbar. Die Frage ist allerdings: Wie k\u00f6nnen wir heute das wunderbare Handeln Gottes ad\u00e4quat darstellen? Da gibt es ganz unterschiedliche Ans\u00e4tze \u2013 abh\u00e4ngig davon, wieweit man noch im traditionellen religi\u00f6sen Sprachmuster steht \u2013 von daher kann man einfach die traditionelle Sprache weiter verwenden (so in traditionellen Gottesdiensten), die man nicht abbrechen lassen darf, trotz der Menge neuer Versuche. Neue Versuche muss man wagen. Wobei ich allerdings nicht wei\u00df, wie, ohne wiederum in Biologismus und Historizismus zu verfallen. Beziehungsweise: Ich habe kein Patentrezept. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht aus Versehen habe ich das Gedicht von Benn gew\u00e4hlt. Die Geburtsgeschichten der Evangelien sind so ein Wort, das Welt aufstrahlen l\u00e4sst. Allerdings kann man, wenn es verklingt, in Einsamkeit und Dunkelheit verfallen \u2013 wenn man, und da gehen Glaubende weiter als Benn \u2013 wenn man nicht aus dem Geist Gottes geboren ist bzw. den Geist Gottes in sich geb\u00e4ren l\u00e4sst. Lukas formuliert das pragmatischer, indem er Maria als Vorbild vorstellt: Sie bewegte die Worte in ihrem Herzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-1 wp-block-paragraph\" style=\"color:#d32222\">Aufgaben<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-2 wp-block-paragraph\" style=\"color:#d32222\">1. Vergleiche die neutestamentlichen Geburtsgeschichten mit den antiken Motiven. Arbeite heraus, inwiefern sich die urchristliche Konzeption von der heidnischen Mythologie unterscheidet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-3 wp-block-paragraph\" style=\"color:#d32222\">2. Diskutiere die sprachliche Verschiebung von dem hebr\u00e4ischen Begriff &#8222;Almah&#8220; zu dem griechischen Begriff &#8222;Parthenos&#8220; und bewerte deren Bedeutung f\u00fcr die Entstehung des (fr\u00fch)christlichen Bekenntnisses, dass Jesus von der Jungfrau (eine Jugendliche, &#8222;die noch von keinem Mann wusste&#8220;) Maria geboren wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-4 wp-block-paragraph\" style=\"color:#d32222\">3. Ein Kritiker behauptet: &#8222;Die Aussage, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde, ist als biologische Aussage haltlos, es handelt sich um ein fr\u00fchchristliches M\u00e4rchen, ist also f\u00fcr den modernen Menschen wertlos.&#8220; Nimm zu dieser Aussage Stellung. Beziehe in die \u00dcberlegungen die Interpretation des Gedichtes von Gottfried Benn mit ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-5 wp-block-paragraph\" style=\"color:#d32222\">4. In den Evangelien des Lukas und Matth\u00e4us wird einerseits die Jungfrauengeburt hervorgehoben, andererseits wird Jesus in den Stammb\u00e4umen als Nachkomme Davids \u00fcber Josef vorgestellt. Vertiefe diesen Spannungsbogen. Ist dieser logische Bruch ein Zeichen von mangelnder Sorgfalt der Evangelisten oder ist darin eine tiefere theologische Wahrheit zu erkennen? Begr\u00fcnde Deine Sichtweise.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reflexionen zum Thema Jungfrauengeburt 1. Heidnische Parallelen und christliche Interpretationen Gibt es in der Antike Texte, die davon sprechen, dass die jeweilige Frau, die ein G\u00f6tterkind erwartete, Jungfrau gewesen ist? 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