{"id":729,"date":"2019-07-02T16:04:57","date_gmt":"2019-07-02T14:04:57","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=729"},"modified":"2019-08-20T10:55:49","modified_gmt":"2019-08-20T08:55:49","slug":"wahrheit-luege","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/wahrheit-luege\/","title":{"rendered":"Wahrheit &#8211; L\u00fcge"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-medium-font-size\">\u00dcBERLEGUNG ZU DEN: GEBURTSGESCHICHTEN JESU<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#34a300;text-align:center\" class=\"has-text-color\"><strong>Wahrheit oder L\u00fcge?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So einfach \u2013 in Wahrheit oder L\u00fcge \u2013 sind die Kindheitsgeschichten nur f\u00fcr den einzuteilen, der gelernt hat schwarz-wei\u00df zu denken, aber nicht historisch. Der Mensch ist nicht so einfach gestrickt. Ist Buddha von einem wei\u00dfen Elefanten gezeugt worden \u2013 ja oder nein? Ist Alexander der Gro\u00dfe vom Gott Asklepios gezeugt worden \u2013 ja oder nein?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir befinden uns in Bereichen, in denen Menschen versuchen, das in Sprache zu fassen, was ihnen besonders wichtig geworden ist. Wie kann man die wunderbare Gr\u00f6\u00dfe eines Menschen darstellen? Wie kann man es darstellen, dass es sich um einen Menschen handelt, den es eigentlich gar nicht geben kann, weil er so au\u00dfergew\u00f6hnlich ist?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>All diese Geschichten haben also als Hintergrund das gro\u00dfe Staunen der Menschen \u00fcber den jeweiligen Menschen, mit denen sie es zu tun bekommen. Und das trifft in erh\u00f6htem Ma\u00dfe auf Jesus von Nazareth zu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Mensch wirkte m\u00f6glicherweise zwischen einem und drei Jahren in der \u00d6ffentlichkeit. In der Begegnung mit ihm haben Menschen gelernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen: Liebe deinen N\u00e4chsten \u2013 sogar deinen Feind, wende dich dem Mitmenschen zu, tue ihm, was du von ihm getan haben m\u00f6chtest; an der Stelle Gottes legt er Gebote ganz neu aus, befreit Menschen von Krankheiten, von S\u00fcnde auf eine Weise, die einfach nur als wunderbar, wunderhaft bezeichnet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann ist dieser Mensch durch grausame Menschen grausamst hingerichtet worden \u2013 doch es geschah irgendetwas Neues, was kaum fassbar, gar nicht fassbar war: Er wurde als der Lebende, Lebendige, mit Gott Herrschende erfahren, gesehen, geh\u00f6rt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie soll man nun all diese Erfahrungen in Worte packen? Wie soll man nun diese neue Weltsicht, die dieser Jesus von Nazareth mit in die Welt gebracht und den Seinen vermittelt hat, in Worte fassen? All das sprengt die kleinen Laute, Worte genannt. Worte k\u00f6nnen nur ganz wenig von der Welt erfassen \u2013 und k\u00f6nnen sie G\u00f6ttliches, Gott erfassen? Gott wird Mensch \u2013 welche Worte k\u00f6nnen dieses Absurde, Unm\u00f6gliche aussprechen?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#00a302;text-align:center\" class=\"has-text-color\"><strong>Was k\u00f6nnen Worte leisten? Wie sagt man Unsagbares?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesen Fragen stehen wir, wenn wir die Kindheitsgeschichten lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Matth\u00e4us und Lukas versuchen mit Hilfe alttestamentlicher und auch heidnischer Tradition zu sagen, was sie und die Christen vorher erlebt haben \u2013 und verstehen doch im Grunde nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wird an den Worten des Simeon im Kontext des Lukasevangeliums deutlich: Das Volk Israel erwartete sehns\u00fcchtig einen ganz anderen, und die Heiden sehen in Augustus den gro\u00dfen Friedensbringer, den Retter&nbsp; \u2013 aber in der Begegnung mit Jesus von Nazareth haben Menschen erfahren, dass Gott eben ganz eigene Wege geht. Lukas hat sich nicht gescheut, diese gro\u00dfen Sehns\u00fcchte des Volkes ganz gro\u00df darzustellen \u2013 sie aber dann mit Hilfe der Worte des Simeon in einem neuen Licht scheinen zu lassen. Dieses Sprechen in Gegens\u00e4tzen, dieses Spielen mit Traditionen, Erwartungen, Worten \u2013 das ist im Grunde ad\u00e4quates Reden von dem, was die glaubenden Menschen bis heute erfahren haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6nnen wir die Gr\u00f6\u00dfe Gottes darstellen? Wie sprechen wir angemessen von Gottes Handeln in Jesus von Nazareth, dem Christus \u2013 und das durch die Kirchengeschichte hindurch?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir schweigen lieber.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht aus Scheu, vielleicht aus Faulheit, vielleicht aber auch, weil wir irgendwie gar nichts begriffen haben. Manche k\u00f6nnen nur den Kopf sch\u00fctteln und sagen: L\u00fcge. Andere staunen und sagen: Gott sei Dank.<\/p>\n\n\n\n<p>Musste man denn diese Erfahrungen in historisierender Sprache darstellen? Ja, denn j\u00fcdisches Denken mit Bezug auf Gott ist historisch gepr\u00e4gt und nicht philosophisch, auch nicht poetisch.<\/p>\n\n\n\n<p>An den Geburtsgeschichten merken wir: Es kommt nicht darauf an, ob Hirten kamen oder Weise, ob Herodes nun Kinder ermordet hat oder nicht. Es kommt auf das an, was diese Texte in der jeweiligen Gegenwart bewirken wollen und bewirken: Menschen erfahren, dass sie nicht allein sind, dass Gott sie in schweren Geschichtsereignissen nicht allein l\u00e4sst, dass er in Jesus Christus einen Ausweg geschickt hat, mit dem er den Unmenschlichkeiten einen Kontrapunkt entgegensetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was wir sagen k\u00f6nnen: Diese Glaubensgeschichte hat \u00e4u\u00dferst viel Gutes in der Menschheit bewirkt \u2013 das nicht allein auf der Oberfl\u00e4che, sondern bis in tiefere Schichten des Menschen hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist Geschichte\/ Geschichtsschreibung? Wir sind in der Gegenwart historisch orientiert. Die Menschen der Antike sahen hinter den vordergr\u00fcndigen historischen Ereignissen andere Kr\u00e4fte wirken. Und die gilt es angemessen zur Sprache zu bringen. Es gibt schlicht und ergreifend unterschiedliche Weltbilder. Unser Weltbild abstrahiert von Gott, gibt also nur die Oberfl\u00e4che wieder. Das Weltbild der damaligen Zeit versuchte, wie gesagt, die Tiefe wiederzugeben, das verbunden mit historischen Aussagen. Heute tun sich viele schwer damit, auch andere Weltbilder zu akzeptieren und k\u00f6nnen nur fragen: Wahrheit oder L\u00fcge? Aber so einfach ist die Welt nicht gestrickt. <\/p>\n\n\n\n<p>Dazu s. Geburtsgeschichte Mt:\u00a0<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/geburtsgeschichte-matthaeus\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/geburtsgeschichte-matthaeus\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Zu Versuchen, die Geburtsgeschichten historisch einzuordnen, s.&nbsp;<a href=\"http:\/\/kath.net\/news\/48796\">http:\/\/kath.net\/news\/48796<\/a>&nbsp;: Michael Hesemann: Das Geheimnis der Weihnacht, ein Zitat aus: ders.: Jesus in \u00c4gypten, Herbig 2012.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a3000f\" class=\"has-text-color\"><strong>Aufgabe:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Lies Lukas 2,1-20. Was findest Du auf der obersten Ebene des Textes: Welche Informationen bietet er.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30027\" class=\"has-text-color\">Lies Lukas 2,1-20 noch einmal: Was findest Du auf der tieferen Ebene des Textes, der Ebene des Gef\u00fchls, der Emotionen?<\/p>\n\n\n\n<p>Welche Worte bieten Zuversicht, Hoffnung, Geborgenheit, Frieden\u2026 Welche Worte \u201elassen es warm ums Herz werden\u201c?, sprechen von Licht, Gesang, Himmel, Ehre\u2026 \u2013 also: positive Worte\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Beachte dabei, dass wir in Lukas 2,19 der &#8222;Maria&#8220; tief ins Herz bzw. in ihre Gedanken blicken: Sie bewegte das Wort in ihren Herzen bzw. dachte immer dar\u00fcber nach. Kann es sein, dass wir dadurch auch die Worte im Herzen bewegen, immer dar\u00fcber nachdenken?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Zum Nachdenken:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\"><strong>Bildet ein Foto, das von mir gemacht wurde, mich ab? Zeigt es meine Gedanken, Erfahrungen, Sorgen, Freuden\u2026? Ein Foto zeigt nur Vordergr\u00fcndiges. Auch f\u00fcr Christen (bzw. religi\u00f6se Menschen insgesamt) ist die sichtbare Welt nur ein vordergr\u00fcndiger Teil der Welt. Hinter allem ist Gott zu sehen. Doch wie beschreibt man Gott im Hintergrund? Mit welchen Worten? Welche Gattung verwendet man? So kommen wir zum religi\u00f6sen Sprachspiel\/Soziolekt. Religionen verwenden eine eigene Sprache, um das, was wichtig ist, aussprechen zu k\u00f6nnen. Ist sie L\u00fcge? Ist sie Wahrheit? Man muss sie verstehen lernen, um das beurteilen zu k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#00a30c;text-align:center\" class=\"has-text-color\"><strong>Unehrlich \u2013 ehrlich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mir wurde vorgeworfen, nicht ehrlich zu sein. Es geht um die Geburtsgeschichten Jesu. Der Vorwerfende hat einen anderen <strong>hermeneutischen Schl\u00fcssel <\/strong>als ich. Er meint, man m\u00fcsse die Geburtsgeschichten auf der Ebene des Historischen interpretieren, von daher stimme alles nicht. Aber: Ich habe einen anderen hermeneutischen Schl\u00fcssel. Mein Schl\u00fcssel, die Texte aufzuschlie\u00dfen, \u201eschaut\u201c nicht auf irgendwelche historischen M\u00f6glichkeiten (gab es den Stern, den Kindermord, die Jungfrauengeburt, die Flucht nach \u00c4gypten, die Hirten auf dem Feld usw\u2026?). Ich schaue auf die Texte, auf das, was Matth\u00e4us und Lukas uns zu sagen haben. Sie haben uns eine ganze Menge zu sagen. Und das wissen, sp\u00fcren Menschen durch die Jahrtausende hindurch weltweit.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch warum betteten Matth\u00e4us und Lukas das, was sie uns \u00fcber Jesus zu sagen hatten, historisch ein? Weil aus j\u00fcdischer Sicht Gott in dieser Welt handelt. Gott ist kein ahistorischer Mythos. Dass er in dieser Welt real handelte, sah man an Jesus Christus. Dieses Handeln des ganz besonderen Menschen wurde mit Blick auf die Geburt zur\u00fcckverfolgt. Wer jetzt auferstanden war, dessen Geburt bzw. die Zusammenh\u00e4nge mit seiner Geburt mussten auch ganz besonders gewesen sein \u2013 und das sah man ja auch an den umlaufenden Geschichten. Gottes Sohn geht wunderbar aus der Welt hinaus \u2013 indem er als der Auferstandene erfahren wurde \u2013 so kam er auch ganz wunderbar zur Welt. Dieses Wunderbare bekommt seine Ausdrucksform im Matth\u00e4usevangelium aus der Perspektive des Josef und im Lukasevangelium aus der Perspektive der Maria. Josef war beeindruckt von den Weisen, Maria war beeindruckt von den Hirten. Josef war beeindruckt, weil er als Empf\u00e4nger einer Traumbotschaft den kleinen Messias Jeschua rettete, Maria war beeindruckt, weil der Engel mit ihr sprach, und sie sich auf dieses wunderbare Ereignis der Geburt des Gottes Sohnes eingelassen hatte. Auf diesen Weg kommen wir dann sekund\u00e4r auf eine andere historische Ebene: Die Texte hatten eine gro\u00dfe Wirkungsgeschichte. Sie haben historisch gewirkt, indem sie Menschen durch alle Zeiten und weltweit Mut machte, sie st\u00e4rkte, neue Perspektiven schenkten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Voraussetzung, die ich mache \u2013 mit Blick auf meinen hermeneutischen Schl\u00fcssel: Der Gott, der damals durch seinen Geist wirkte, wirkte in Matth\u00e4us und Lukas, wie er auch heute wirkt in den Glaubenden. Auf dieser Ebene des <strong>Wirkens des Geistes Gottes<\/strong> sind die Texte zu verstehen: Gott greift durch die Texte in diese Welt ein. Ihr Glaubende, Ihr seid nicht allein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was jetzt auf der prim\u00e4ren historischen Ebene zutreffend ist, was nicht, das kann die Forschung diskutieren &#8211; auch mit Blick auf die unterschiedlichen weltanschaulichen Voraussetzungen, die oben beschrieben wurden. <\/em>Das kann die Forschung aus dem jeweiligen Zeitzusammenhang (den der damaligen Zeit, dem Wissen der Gegenwart) herauszufinden versuchen. Gab es Anhaltspunkte f\u00fcr diese Texte, wer k\u00f6nnte sie \u2013 oder wer k\u00f6nnte einzelne Aspekte \u2013 \u00fcberliefert haben? Was wissen wir noch von Maria? Woran erinnerte sie sich? Wie finden Erinnerungen statt \u2013 psychisch gesehen. Was wusste Jakobus, warum spielt Augustus noch eine Rolle, warum Herodes, obgleich sie ja schon lange tot waren? Die Verwobenheit mit der \u201eBiographie\u201c des T\u00e4ufers Johannes \u2013 was spielt das f\u00fcr eine Rolle? Warum haben wir zwei so unterschiedliche Versionen, die schon recht alt sind \u2013 aber einander nicht beeinflusst haben? Warum ist der Kern gleich (Jungfrauengeburt)?<\/p>\n\n\n\n<p>All das muss auf der Ebene der Forschung argumentativ und selbstreflektiert \u2013 wie es sich f\u00fcr Wissenschaft geh\u00f6rt \u2013 dargelegt werden. Aber dazu geh\u00f6rt auch die Anerkenntnis, dass es unterschiedliche hermeneutische Schl\u00fcssel gibt. Meiner liegt auf der Text-Ebene. Diese kann allerdings ohne das Erforschte nicht existieren. Denn auch dieser Schl\u00fcssel ist Ergebnis der Forschung (z.B. Redaktionskritik, Linguistische Methodenschritte\u2026).<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man mir nun Unehrlichkeit vorwirft, weil ich den einen hermeneutischen Schl\u00fcssel, den Historischen, nicht als den wichtigsten aller Schl\u00fcssel ansehe, mag man es tun. Das zeigt allerdings Beschr\u00e4nktheit und Fixierung auf einen einzigen Zugang.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann ist selbstreflektierend zu fragen: Warum bevorzuge ich diesen Schl\u00fcssel? Aus Glauben heraus. Nur aus Glauben heraus? Nein, denn der pure Historizismus war einmal. Forschung ist mit der Linguistik schon viel weiter. Warum bevorzugt dieser andere den historisch engen Schl\u00fcssel? Aus Unglauben heraus \u2013 um die Unbedeutendheit des christlichen Glaubens herauszuheben. Aber dagegen spricht aus meiner Sicht die Relevanz, die diese Texte in Zeiten und V\u00f6lkern bekommen haben. Die liegt eben \u2013 aus meiner Perspektive \u2013 auf der aufgezeigten Ebene.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\"><strong>Aufgabe: Denke noch einmal an das Foto von Dir&#8230; Bist Du unehrlich, wenn Du nach Jahren sagst: Das bin ich?<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcBERLEGUNG ZU DEN: GEBURTSGESCHICHTEN JESU Wahrheit oder L\u00fcge? 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