{"id":727,"date":"2019-07-02T16:04:03","date_gmt":"2019-07-02T14:04:03","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=727"},"modified":"2026-09-28T08:01:15","modified_gmt":"2026-09-28T06:01:15","slug":"maria","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/maria\/","title":{"rendered":"Maria"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Daten und historischer Kontext um Maria \/ Mirjam \u2013 <strong>Spurensuche <\/strong>im Kn\u00e4uel historischer Vielfalt<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-text-color\"><strong>Maria \/ Mirjam, Mutter Jesu<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Ca. 20 v.Chr. geboren \u2013 in Nazareth?<\/li>\n\n\n\n<li>Laut dem Matth\u00e4us- und dem Lukasevangelium wurde dem jungen M\u00e4dchen von Gott eine ganze Menge zugemutet: nicht unbedingt die fr\u00fche Geburt ihres Erstgeborenen, sondern die Empf\u00e4ngnis vor der Heirat mit Josef \u2013 was mit Steinigung hat geahndet werden k\u00f6nnen. Dar\u00fcber gibt es meines Wissens aus der Zeit Jesu keine Belege mehr, aber soziale \u00c4chtung und Versto\u00dfung, wie von Josef geplant, war wahrscheinlich. Josef hat Jesus aber als Vater angenommen \u2013 somit gilt die soziale Vaterschaft \u2013 auch ihm wurde viel von Gott zugemutet. Der \u201eGeist\u201c (Ruach) ist im Hebr\u00e4ischen feminin \u2013 kann also nicht &#8222;biologisch&#8220; \u201eVater\u201c sein \u2013 sie (der Geist) ist Gottes Sch\u00f6pferkraft. Somit ist Josef laut Evangelien der soziale Vater.<\/li>\n\n\n\n<li>Jesus gilt allgemein als Nachkomme Davids, das hei\u00dft, dass auch Maria Nachkomme Davids gewesen ist. Das k\u00f6nnte aber mit dem Text in Lk 2 in Spannung stehen, der andeutet, dass Maria priesterlicher Abstammung gewesen sein k\u00f6nnte. Wobei sich die Frage stellt, ob nicht auch Elisabeth Nachfahre Davids gewesen sein k\u00f6nnte, die einen Mann aus priesterlichem Geschlecht geheiratet hat. Aber das sind alles Spekulationen.<\/li>\n\n\n\n<li>Jesu Geburt ca. 5 v. Chr.<\/li>\n\n\n\n<li>Mk 6 hei\u00dft es: Ist Jesus nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria? Das hei\u00dft: Josef d\u00fcrfte um das Jahr 27 n. Chr. schon vor l\u00e4ngerer Zeit gestorben sein. Vielleicht wird mit der Aussage auch die Jungfrauengeburt vorausgesetzt.<\/li>\n\n\n\n<li>Sie war Mutter von vier weiteren S\u00f6hnen und hatte auch eine unbekannte Anzahl an T\u00f6chtern (sp\u00e4tere Zeiten interpretieren die Kinder als adoptierte Kinder, die Josef in die Ehe gebracht hat) (vgl. unten Apostelgeschichte). Die S\u00f6hne \u2013 also die Geschwister Jesu \u2013 haben allesamt fromme Namen: Jakobus, Joses, Judas, Simon.<\/li>\n\n\n\n<li>Als Jesus 30 n. Chr. hingerichtet wurde, war Maria ca. 50 Jahre alt.<\/li>\n\n\n\n<li>Um das Jahr 70, als das Markus-Evangelium ver\u00f6ffentlicht wurde, m\u00fcsste Maria ca. 90 Jahre alt gewesen sein. Was freilich f\u00fcr die damalige Zeit sehr alt w\u00e4re. Wenn Menschen die Kindheit \u00fcberlebt haben, Frauen die Geburten ihrer Kinder, M\u00e4nner die Willk\u00fcr von Herrschern, Krankheiten sie nicht \u00fcberfallen haben, konnten sie schon alt werden, wie manche Beispiele belegen. Allerdings Beispiele \u00fcberwiegend aus der Oberschicht, die in der Regel bequemeres Leben hatten. <\/li>\n\n\n\n<li>Eine \u00dcberlieferung spricht davon, dass Maria in Ephesus gestorben ist. In diesem Kontext entstand dort die Marienkirche.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-text-color\"><strong>St\u00e4dte, mit denen Maria in Verbindung gebracht w<\/strong>erden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nazareth<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Ein Dorf, von dem lange geglaubt wurde, dass es nicht existierte, weil der Geschichtsschreiber Josephus nichts dar\u00fcber berichtet hatte. Man dachte, dass Jesus von Nazareth nicht bedeutet, dass er in Nazareth geboren wurde, sondern einer Gruppe der Nazor\u00e4er angeh\u00f6rte. Inzwischen ist aber durch die Arch\u00e4ologie klar: Es gab Nazareth.<\/li>\n\n\n\n<li>Nazareth, ein kleines Dorf, in dem R\u00e4ume (H\u00f6hlen) in das weiche Gestein gehauen werden konnten. Johannes 1,46 l\u00e4sst deutlich werden, wie unbedeutend Nazareth war: &#8222;Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?&#8220; wird gefragt.<\/li>\n\n\n\n<li>Es lag in der N\u00e4he der gro\u00dfen von hellenistischer Kultur gepr\u00e4gten Stadt Sepphoris, die 4 v.Chr. von den R\u00f6mern wegen Aufruhrs zerst\u00f6rt worden war, dann aber wieder gl\u00e4nzend mit heidnischem Touch aufgebaut wurde.<\/li>\n\n\n\n<li>Es war stark j\u00fcdisch gepr\u00e4gt.<\/li>\n\n\n\n<li>Maria d\u00fcrfte ein M\u00e4dchen aus Nazareth gewesen sein.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bethlehem und \u00c4gypten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird in den Evangelien geschrieben, dass sie in Bethlehem ihr Kind zur Welt brachte und kurz nach der Geburt nach \u00c4gypten geflohen sei. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jerusalem<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Im sp\u00e4ten 2. Jahrhundert wurde im Protoevangelium des Jakobus die Legende \u00fcberliefert, dass Maria als M\u00e4dchen im Tempel von Jerusalem aufgewachsen sei und mit anderen den Tempelvorhang gewebt habe. Sie habe Purpur und Scharlach (also kostbar gef\u00e4rbte Wolle) zum Weben bekommen. Es geht um die Farbe &#8222;rot&#8220;. Es handelt sich um eine Legende, die aber sehr folgenreich wurde.<\/li>\n\n\n\n<li>Diese sp\u00e4te Legende erz\u00e4hlt auch die Namen der Eltern von Maria: Joachim und Anna h\u00e4tten sie im Alter von 3 Jahren in den Tempel gebracht.<\/li>\n\n\n\n<li>70 n. Chr. wurde Israel von den R\u00f6mern unterworfen.<\/li>\n\n\n\n<li>Christen flohen schon in den Jahren vorher in die umliegenden L\u00e4nder.<\/li>\n\n\n\n<li>Wie oben gesehen, gibt es die Tradition, dass sie in Ephesus bzw. in Jerusalem gestorben sei.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ephesus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Ephesus (im Westen der gegenw\u00e4rtigen T\u00fcrkei) war mit dem \u00e4gyptischen Alexandria die gr\u00f6\u00dfte Stadt im ostr\u00f6mischem Reich.<\/li>\n\n\n\n<li>Ephesus war das Zentrum des Artemis-Kultes und wurde im 4. Jh. Zentrum der Verehrung Marias. <\/li>\n\n\n\n<li>Nach Jesu Hinrichtung missionierte die junge christliche Gemeinde. Apollos d\u00fcrfte in Ephesus schon vor dem Jahr 50 die erste Gemeinde gegr\u00fcndet haben.<\/li>\n\n\n\n<li>Laut legendarischem Material gingen Johannes und Maria nach Ephesus. Dor wurde eine Kirche in Erinnerung an sie gebaut. Eine andere Tradition berichtet von ihrem Tod in Jerusalem. <\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-text-color\"><strong>Menschen und Texte, die etwas zu Maria zu sagen haben<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Johannes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Johannes schreibt im Prolog seines Evangeliums, dass alle Glaubenden nicht nach dem Willen eines Mannes geboren wurden. Das hei\u00dft: Jungfrauengeburt wird im \u00fcbertragenen Sinn verstanden \u2013 auf alle Glaubenden \u00fcbertragen. (Ich unterscheide zwischen dem Kernevangelium des Johannes, den von seinen Sch\u00fclern so genannten &#8222;Lieblingsj\u00fcnger&#8220;; die Sch\u00fcler haben dann das Evangelium erweitert.) <\/li>\n\n\n\n<li>Johannes, der J\u00fcnger Jesu, wurde im Kontext der Kreuzigung laut Johannesevangelium der Maria zugewiesen und Maria dem Johannes \u2013 das bedeutet: gegenseitige F\u00fcrsorge.<\/li>\n\n\n\n<li>Zudem bedeutet es, dass Maria bei der Kreuzigung ihres Sohnes anwesend war.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Johannesevangelium beinhaltet eigenartige Texte, die ein ambivalentes Verh\u00e4ltnis zwischen Jesus und Maria erkennen lassen (\u00e4hnlich auch das Markusevangelium 3,31ff.).<\/li>\n\n\n\n<li>Das Evangelium nennt Maria nicht mit Namen, sondern schreibt von &#8222;Mutter&#8220;, die er laut 2,1-12 als &#8222;Frau&#8220; anredet.<\/li>\n\n\n\n<li>Jesu Mutter macht einen Vorschlag, was er tun m\u00f6ge \u2013 er weist sie nach Johannes zurecht, weil er ihren Vorschlag schon mit Blick auf seinen Tod interpretiert \u2013 tut dann aber doch, was sie von ihm erbeten hat.<\/li>\n\n\n\n<li>Die \u00dcberlieferung sagt, Johannes und Maria seien nach Ephesus gezogen.<\/li>\n\n\n\n<li>Zu vermuten ist: sp\u00e4testens im Kontext des Krieges 70 n. Chr. sind sie ausgewandert.<\/li>\n\n\n\n<li>Gestorben ist Johannes evtl. aufgrund legendarischen Materials erschlossen zwischen 98-117 (Regierungszeit Trajans)?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Paulus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Paulus wurde ca. 32 n. Chr. Nachfolger von Jesus Christus und begann mit der Verk\u00fcndigung. Er wirkte ca. 3 Jahre ab 52 n. Chr. in Ephesus. Ca. 55 spricht er im Brief an die Galater, dass Jesus &#8222;von einer Frau&#8220; (Galater 4,4) geboren worden sei \u2013 von Gott gesandt, also die menschliche und g\u00f6ttliche Einheit wird formuliert. Warum er das Selbstverst\u00e4ndliche betont, ist nicht bekannt. Um wie das Johannesevangelium hervorzuheben, dass kein Mann daran beteiligt war? Um Jesus als Menschen darzustellen, gegen einseitige \u00dcberh\u00f6hung des Gottseins (Doketismus)? Um zu sagen, dass Jesus als Jude gilt, weil wer von einer j\u00fcdischen Frau geboren wurde, Jude ist (&#8222;unter das Gesetz gestellt&#8220;)?<\/li>\n\n\n\n<li>M\u00f6glicherweise wurde er um 62 n. Chr. unter Nero in Rom hingerichtet.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sondergut des Lukas<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Datierung des Sondergutes (Geburtsgeschichten) ist kaum m\u00f6glich. Auf jeden Fall zwischen 30 und 90 n.Chr. Indizien zeigen, dass das Sondergut des Lukas (also die Texte, die nur er \u00fcberliefert) schon recht alt ist. Die Tradition fokussiert die Geburtsgeschichte sehr stark auf Israel, mit einer wunderbaren, gro\u00dfen Erwartung. Diese hat kaum christliche Ankl\u00e4nge und verbindet die Johannes der T\u00e4ufer Tradition mit der fr\u00fchen Jesus Tradition. Informationen, die Lk (?) von Maria erhalten hat, k\u00f6nnten rein theoretisch verarbeitet worden sein. Sie weisen allerdings schon intensive theologische Reflexion auf. Historisch korrekte Angaben werden mit Glaubensaussagen verbunden.<\/li>\n\n\n\n<li>Maria (die ca. 25 j\u00e4hrige Mutter) wird in den Texten als eine dargestellt, die nicht so richtig versteht \u2013 so zum Beispiel, als es um den Auftritt ihres 12 j\u00e4hrigen Sohnes Jesus im Tempel geht. Aber: Sie bewegte alles in ihrem Herzen \u2013 ist somit Vorbild f\u00fcr die Glaubenden.<\/li>\n\n\n\n<li>Gleichzeitig, das ist wichtig: Maria stimmt nach einer Verz\u00f6gerung, in der sie auf ein Argument durch den Engel wartet, dem zu, was Gott mit ihr vorhat! Auch ihr freier Wille wird respektiert.<\/li>\n\n\n\n<li>Zum Sondergut geh\u00f6rt auch das Wort: Eine Frau ruft, dass diejenige selig sei, die dieses Kind (also Jesus) gen\u00e4hrt hat. Jesus relativiert hier die Rolle der Maria, indem er auf die Menschen weist: Selig, die Gottes Wort h\u00f6ren und bewahren.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Evangelist Lukas<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Der Evangelist stammt vermutlich aus dem Bereich um Ephesus (andere \u00dcberlegungen: aus Antiochia \/ Syrien), vielleicht fr\u00fchestens um 10 n.Chr. geboren.<\/li>\n\n\n\n<li>Vielleicht war er ein Begleiter des Paulus \u2013 h\u00e4tte aber eine eigenst\u00e4ndige Theologie entwickelt. Von daher trennt man den Paulusbegleiter Lukas (geboren in Antiochia) vom Evangelisten (Namensverwechslungen!). Wenn er aus dem Umfeld von Ephesus gekommen sein sollte, h\u00e4tte er bis 90 n. Chr. intensiven Kontakt zur Maria-Tradition \/ Maria haben k\u00f6nnen (s. oben &#8222;Ephesus&#8220;). (W\u00e4hrend das Mt.Ev Josef in den Fokus r\u00fcckt, r\u00fcckt das Lk.Ev Maria ins Zentrum.)<\/li>\n\n\n\n<li>Lukas reiste wohl nach den Kriegshandlungen nach Israel, kam sp\u00e4testens dort in Kontakt mit einem Teil des Sonderguts.<\/li>\n\n\n\n<li>Er ver\u00f6ffentlichte sein Evangelium und sp\u00e4ter die Apostelgeschichte. (Manche datieren es auf 60-65 \u2013 andere auf 90. <\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Apostelgeschichte des Lukas<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Maria wird als eine genannt, die der Gemeinde angeh\u00f6rt (1,14), also im Kontext der Hinrichtung und Auferstehung Jesu anwesend war, auch wenn das Lukasevangelium selbst wohl nicht davon spricht, dass Maria unter dem Kreuz stand (die andere Maria?) bzw. bei den Auferweckungsereignissen anwesend war.<\/li>\n\n\n\n<li>Hier wird zudem gesagt, dass auch die Br\u00fcder Jesu anwesend gewesen seien, das hei\u00dft, sie war Mutter weiterer Kinder.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Evangelist Matth\u00e4us<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Frauen, die Matth\u00e4us im Stammbaum erw\u00e4hnt, haben eine sonderbare Vergangenheit (z.B. Tamar forderte auf eigenartige Weise ihr Recht ein, Ruth war Moabiterin, also Heidin; Bathseba wurde von David unter kriminellen Umst\u00e4nden zur Frau genommen \u2013 alle Frauen sind \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrdet gewesen \u2013 zuletzt kommt Maria. Soll auch die Eigenart der Empf\u00e4ngnis angedeutet werden (Menschen haben sich sicher das \u201eMaul zerrissen\u201c angesichts dieser sonderbaren Empf\u00e4ngnis, nicht nur das: Steinigung oder soziale Isolation lag in der Luft) \u2013 oder soll sie gerade als die Reine den \u201eUnreinen\u201c entgegengesetzt werden?<\/li>\n\n\n\n<li>Die Berichte von der Jungfrauengeburt sind unabh\u00e4ngig von denen des Lukas.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Apokalypse \/ Offenbarung des Johannes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Offenbarung des Johannes sieht der Vision\u00e4r eine Frau am Himmel, bekleidet mit Sonne, den Mond unter ihren F\u00fc\u00dfen, mit einem Sternenkranz (12 Sterne) (Apk 12). Diese Frau hat ein Kind im Arm und versucht es vor dem Drachen zu besch\u00fctzen. Der Erzengel Michael besiegt den Drachen, der der Frau das Kind wegnehmen wollte. Traditionell wird die Frau mit Maria verbunden (s. auch die Kunst: Sternenkranz; die EU-Flagge), das Kind mit Jesus. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Protevangelium des Jakobus<\/strong> (nicht im Neuen Testament, eine Schrift aus dem 2. Jahrhundert)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Schrift benennt die Eltern von Maria als Anna und Joachim, die beide vom K\u00f6nig David abstammen sollen.  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-text-color\"><strong>Fazit:<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Maria in der fr\u00fchen Gemeinde eine Rolle gespielt haben sollte \u2013 wie zum Beispiel der Bruder Jesu, Jakobus, dann d\u00fcrften auch fr\u00fche Berichte \u00fcber Jesus als Kind im Umlauf gewesen sein, ebenso \u00fcber die Befindlichkeit der Maria. Auf den ersten Blick ist eigenartig, dass wir so wenig aus der Zeit vor dem \u00f6ffentlichen Auftreten Jesu wissen. Das mag damit zusammenh\u00e4ngen, dass den fr\u00fchen Christen etwas anderes besonders wichtig war: Gottes Handeln durch Jesus und der Versuch, Kreuz und Auferstehung zu verstehen. Es ging um das Handeln Jesu f\u00fcr die Menschen, weniger um die Frage, wer er als Mensch war, wobei das nat\u00fcrlich, wie an den Evangelien sichtbar ist, nicht irrelevant war. Das bestimmte die Verk\u00fcndigung. Interesse an Maria und Jesus vor seinem \u00f6ffentlichen Auftreten kommt erst richtig Ende des 2. Jahrhunderts (Protevangelium des Jakobus) auf. Diese Darlegungen wurden f\u00fcr das sp\u00e4tere Christentum relevant.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-text-color\"><strong>\u00dcberlegungen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit wann haben eigentlich Protestanten eine gewisse Distanz zu Maria? Obgleich eine Ann\u00e4herung in letzten Jahrzehnten hier und da erkennbar ist. Zumindest bei dem bedeutenden und einflussreichen Theologen Karl Barth. Er soll kurz vor seinem Tod (10.12.1968) gesagt haben (8.12.1968): \u201eman habe wohl diese ganze Frage der Mariologie theologisch doch noch nicht aufgearbeitet und man m\u00fcsse sie auch evangelischerseits noch einmal von Anfang an durchdenken\u201c&nbsp;(so Ivan Podgorelec). Er sagte das, obgleich er dagegen war, dass in der katholischen Kirche die Bedeutung der Maria Jesus Christus zu verdr\u00e4ngen scheint. Verd\u00e4chtig ist auch, dass in der Ikonografie Maria als Himmelsk\u00f6nigin mit dem Jesuskind auf dem Arm die \u00e4gyptische Isis mit dem Horuskind auf dem Arm verdr\u00e4ngte. Zudem wurde sie in Ephesus, der Stadt des Artemiskultes als Theotokos, als Gottesgeb\u00e4rerin, bezeichnet. Die Frage ist also, ob hier eine weibliche Figur den trinitarischen Gott im Volksglauben erg\u00e4nzen sollte. Theotokos \/ Gottesgeb\u00e4rerin \/ Mutter Gottes bedeutet aber, dass sie von Gott erw\u00e4hlt wurde, Jesus Christus zu geb\u00e4ren, der Gott ist, nicht, dass sie \u00fcber Gott steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Protestanten distanzierten sich von der Frau, die Gott erw\u00e4hlte, obgleich sie im Glaubensbekenntnis immer sprachen: Jesus \u2013&nbsp;<em>empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria<\/em>. Sie distanzierten sich wegen der theologischen Ausw\u00fcchse \u2013 verst\u00e4ndlich. Luther ehrte sie auch als Theotokos \u2013 aber er akzeptierte nicht die Ausw\u00fcchse, die zum Beispiel darin bestanden, sie als Mittlerin zwischen Mensch und Christus \/ Gott anzurufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie also \u00fcbergehen? Nein. Sie geh\u00f6rt zu uns. Lukas schreibt, dass Elisabeth sie &#8222;die Mutter meines Herrn&#8220; bezeichnet hat. Christen bekennen sich zur unvergleichlichen Besonderheit Jesu \u2013 und seine Mutter Maria geh\u00f6rt in ihrer ganz besonderen Weise dazu \u2013 in der Weise, in der auch Matth\u00e4us und Lukas sie benennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das, was die Evangelien \u00fcber sie berichten, ist ein st\u00e4ndiger Stachel f\u00fcr die Vernunft, die sich \u00fcber den Glauben erhebt, die sich nicht vom Glauben durchdringen l\u00e4sst. Ein spannender Teil unserer Kirchengeschichte. Ein st\u00e4ndiger Stachel f\u00fcr die Vernunft ist sie nicht nur durch die &#8222;Jungfrauengeburt&#8220;, sondern dadurch, dass Gott sie auserw\u00e4hlt hat. Aber auch darum, weil wir so wenig \u00fcber diese, durch Gottes Wahl einmalige, Frau wissen. Darum gibt es eben viele \u2013 ich w\u00fcrde sagen \u2013 liebevolle Ausschm\u00fcckungen ihres Lebens. Aber manche sind auch \u00fcbertrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir davon ausgehen, dass der Sohn auch von seiner Mutter gepr\u00e4gt wurde, k\u00f6nnen wir manches von Jesus Christus auf Maria schlie\u00dfen. Ich denke da zum Beispiel \u2013 von der Psychologie her gesehen \u2013 die weiblichen Z\u00fcge Jesu: die Zuwendung zu den Kranken, den Benachteiligten, die Zuwendung zu Frauen, die Hilfe ben\u00f6tigen usw.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was noch zu bedenken ist: Jeder betrachtet einen Menschen aus einer anderen Perspektive. Der betrachtete Mensch ist in sich eine Einheit, die aber von verschiedenen Au\u00dfenstehenden jeweils anders beurteilt wird \u2013 wie auch der betrachtende Mensch eine Einheit in Vielfalt ist. Insofern war auch Maria eine, die aus verschiedenen Perspektiven unterschiedlich beurteilt wurde und wird \u2013 weil sie eben in sich eine Einheit in Vielfalt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz: Ich finde das Bild, das wir von Maria durch das Neue Testament vermittelt bekommen, \u00e4u\u00dferst spannend \u2013 und spannungsreich. Vor allem: Maria \/ Mirjam ist <em>die<\/em> Mutter <em>dieses<\/em> Sohnes! Was hat sie nicht alles erlebt! Welche Hoffnungen, welche Br\u00fcche im Leben, welche Ausblicke. Sie ist, historisch gesehen, die Mutter eines Menschen, der wie keiner seinesgleichen das Gute gef\u00f6rdert hat (nat\u00fcrlich auch missbraucht wurde) \u2013 und aus Glauben gesehen: Sie ist von Gott als Mutter des Menschen erw\u00e4hlt worden, der den Weg weist, Erl\u00f6sung, das hei\u00dft Befreiung auch vom Tod bringt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Jungfrau \/ Junge Frau<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu weiteren Themen, so zur Jungfrauengeburt s.: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/geburtsgeschichte-matthaeus\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/geburtsgeschichte-matthaeus\/<\/a> und: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/geburtsgeschichte-lukas\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/geburtsgeschichte-lukas\/<\/a> und: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/reflexion-2-jungfrauengeburt\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/reflexion-2-jungfrauengeburt\/<\/a> Aus dem Matth\u00e4usbeitrag ist der folgende Abschnitt entnommen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird gesagt, dass der Prophet Jesaja nicht von einer \u201eJungfrau\u201c spricht, sondern von einer \u201ejungen Frau\u201c, denn das Wort \u201eAlmah\u201c bedeutet \u201ejunge Frau\u201c. Dieses wird vom griechischen Text aber mit \u201eParthenos\u201c \u2013 also \u201eJungfrau\u201c \u2013 \u00fcbersetzt und Matth\u00e4us hat diesen missverst\u00e4ndlichen griechischen Text als Vorlage gehabt. Das kann sein, dagegen spricht freilich, dass der Prophet wohl kaum eine \u201ejunge Frau\u201c im Blick gehabt haben wird, sondern etwas Wunderhaftes prophezeit, und dass eine junge Frau ein Kind bekommt, das ist normaler Alltag. Es sei denn, er spricht von einer ganz bestimmten jungen Frau. Der weitere Aspekt: Es k\u00f6nnte sein, dass Jesus nachtr\u00e4glich als Kind einer Jungfrau dargestellt wurde, weil, wie immer wieder behauptet wird, auch sonst Jungfrauen als M\u00fctter gro\u00dfer Menschen dargestellt werden. Dem ist allerdings nicht so. Die anderen Gro\u00dfen der Weltgeschichte, Alexander der Gro\u00dfe, Augustus, Buddha \u2013 sie werden von G\u00f6ttern gezeugt, das hei\u00dft, die Frau war und blieb keine Jungfrau mehr, sondern das geborene Kind war eine Art Halbgott. Durch die einzigartige Jungfrauengeburt ist Jesus also nicht eine Art Halbgott, sondern wurde durch Gottes Geist in Maria erschaffen \u2013 ist also ein ganz besonderes Wesen. Wie dem auch sei: Diese Interpretation hat die Menschheit beeinflusst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a35d00\">DVD: Ihr Name war Maria, Regie: Giacomo Campiotti, PidaxFilm 2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daten und historischer Kontext um Maria \/ Mirjam \u2013 Spurensuche im Kn\u00e4uel historischer Vielfalt Maria \/ Mirjam, Mutter Jesu St\u00e4dte, mit denen Maria in Verbindung gebracht werden Nazareth Bethlehem und \u00c4gypten Es wird in den Evangelien geschrieben, dass sie in Bethlehem ihr Kind zur Welt brachte und kurz nach der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":46,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-727","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/727","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=727"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/727\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4629,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/727\/revisions\/4629"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/46"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=727"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}