{"id":725,"date":"2019-07-02T16:03:11","date_gmt":"2019-07-02T14:03:11","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=725"},"modified":"2020-12-13T08:34:45","modified_gmt":"2020-12-13T07:34:45","slug":"geburtsgeschichte-lukas","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/geburtsgeschichte-lukas\/","title":{"rendered":"Geburtsgeschichte: Lukas"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">GEBURTSGESCHICHTE BEI LUKAS<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Lukasevangelium (Lk) wird in der Forschung \u00fcberwiegend um das Jahr 90 n. Chr. datiert. Es stammt von einem Heidenchristen, der vermutlich im Bereich der heutigen T\u00fcrkei gelebt hat. Es wird vermutet, dass er Arzt gewesen ist, zumindest zeigt er gro\u00dfes Interesse an dem Leiden der Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#f0ac24\"><strong>Die Geburtsgeschichte des Johannes und Jesu<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Johannes + Jesus: Lukas verkn\u00fcpft zwei Geburtsgeschichten miteinander: Die Geburtsgeschichte des sp\u00e4teren T\u00e4ufers Johannes und die Jesu. Johannes wird als ein Verwandter Jesu angesehen. Die johanneische Geburtsgeschichte wird hier nicht weiter vertieft werden, es ist jedoch sichtbar, dass beide miteinander verwoben werden: Ank\u00fcndigung der Geburt des Johannes \u2013 Ank\u00fcndigung der Geburt Jesu \u2013 Zusammenkommen der M\u00fctter des Johannes (Elisabeth) und der Mutter Jesu (Maria) + Lied der Maria (Magnifikat) \u2013 Geburt des Johannes + Lied des Zacharias (Benediktus) \u2013 Geburt Jesu (vgl. 2,40 mit 1,80). Es stellt sich die Frage: Warum verkn\u00fcpft Lukas beider Geschichten miteinander? Es wird vermutet, dass er auf diese Weise die Johannes-Gruppe und die Jesus-Gruppe miteinander verbinden m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#f0ac24\"><strong>Ank\u00fcndigung der Geburt Jesu \u2013 die Rettung Israels, Gott erhebt die Erniedrigten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend im Matth\u00e4usevangelium (Mt) regelm\u00e4\u00dfig davon berichtet wird, dass dem Joseph im Traum ein Engel erscheint, erscheint im Lk der Engel unabh\u00e4ngig von einem Traum. Der Engel hei\u00dft Gabriel und erscheint zun\u00e4chst dem Zacharias und dann sechs Monate sp\u00e4ter der Maria, einer Jugendlichen (ca. 12-14 Jahre alt?) aus Nazareth, um ihr die Geburt Jesu anzuk\u00fcndigen. Maria war mit Joseph verlobt, der ein Nachkomme Davids war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Joseph \u2013 nicht Maria \u2013&nbsp;<strong>Nachkomme Davids<\/strong>&nbsp;war, wird wie im Stammbaum des Matth\u00e4us auch im Stammbaum des Lk betont (3,23-38; der Stammbaum des Lukas nimmt nicht allein die j\u00fcdische Tradition in den Blick, sondern die Menschheitsgeschichte insgesamt \u2013 geht also bis auf Adam zur\u00fcck). Dass Jesus Sohn Davids ist, wird somit entweder auf den \u201eStiefvater\u201c Joseph und dessen Adoption Jesu zur\u00fcckgef\u00fchrt oder weil stillschweigend vorausgesetzt wird, dass auch Maria aus der Nachkommenschaft Davids stammt. Freilich wird die Elisabeth als Verwandte bezeichnet, was darauf hinweist, dass Maria aus priesterlichem Geschlecht (Aaron) war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Engel Gabriel begr\u00fc\u00dft Maria mit \u201eF\u00fcrchte dich nicht\u201c \u2013 ein Gru\u00df, der fast immer begegnet, wenn Gott oder seine Gesandten einem Menschen eine Botschaft bringen. Gottes furchterregende Welt soll den Menschen nicht beunruhigen. Wie im Mt ist auch hier vom Heiligen Geist die Rede, der in Maria Mensch werden wird (s. dort). \u00dcber das Mt hinaus wird Jesus als ewiger Herrscher auf dem Thron Davids angek\u00fcndigt. Es wird schon deutlich, dass im Lk die Maria im Vordergrund steht \u2013 w\u00e4hrend im Mt Joseph im Vordergrund des Interesses stand. Das hei\u00dft, dass das <strong>Mt aus der Perspektive des Josef<\/strong>, das <strong>Lk aus der Perspektive der Maria <\/strong>geschrieben wurde. Nachdem das M\u00e4dchen ohne Widerstand die Botschaft vernommen hat, sagte sie nur:&nbsp;<em>Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt hast.<\/em>&nbsp;Maria reiste schnell zur Elisabeth und als sie einander begegneten, wird auch eine \u201eBegegnung\u201c der Ungeborenen angesprochen: Johannes h\u00fcpfte im Leib seiner Mutter. Daran erkannte Elisabeth, dass mit dem Ungeborenen im Leib der Maria ein besonderer, das hei\u00dft ein von Gott auserw\u00e4hlter Mensch anwesend ist. Nach der Begr\u00fc\u00dfung singt Maria, die zuvor zur Elisabeth geflohen war, wie befreit das Lied, das die Herzen vieler Menschen bis heute bewegt, das Magnifikat. In diesem Lied wird Gottes Macht besungen, der diese unbedeutende junge Frau auserw\u00e4hlt hat. Und das ist Kennzeichen dieses gro\u00dfen Gottes: Er erniedrigt die Stolzen, die Herrscher und erhebt die Niedrigen. Und er wird Israel, wie er versprochen hat, helfen (Lukas 2,46-56).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann wird die Geburt des Johannes beschrieben, das Lied des Zacharias (Benediktus) wird wiedergegeben \u2013 und auch hier: Besungen wird Gottes gro\u00dfes Handeln zu Gunsten des Volkes Israel. Mit diesen Liedern wird die sehns\u00fcchtige Erwartung des j\u00fcdischen Volkes wiedergegeben: Gott wird seinen Messias senden, er wird den Nachkommen Davids auf den Thron setzen, und seine Herrschaft wird eine gerechte Herrschaft sein, eine, die Frieden bringt. Das passt alles nicht mehr so richtig in die Zeit nach der Hinrichtung Jesu. (Dazu siehe unten.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Kleine Anmerkung: Es ist nicht von den Eltern Marias die Rede, sondern von ihrer Verwandten Elisabeth, zu der Maria flieht.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#f0ac24\"><strong>Die Geburt Jesu und die Degradierung der gro\u00dfen Herrscher<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gesamte Weltgeschichte wird eingespannt, um Gottes Ziel zu erreichen: Der Caesar Augustus befiehlt eine Volksz\u00e4hlung \u2013 und aufgrund dieses Befehls wird nun Jesus in Bethlehem geboren. Denn Josef und Maria mussten in die Stadt ihres\/seines Vorfahren David reisen. Doch das Kind, das Gott in Maria auf wunderbare Weise Mensch werden l\u00e4sst, wird nicht standesgem\u00e4\u00df in einem Palast geboren, auch nicht an einem hell leuchtenden Tag und in ein goldenes\/diamantenes Bettchen gelegt, sondern kommt zur Nacht in einer Tiergrotte\/einem Stall zur Welt und wird in eine Krippe gelegt. Und die Nacht einiger Hirten erhellte sich: Ein Engel Gottes trat zu ihnen und sprach: F\u00fcrchtet euch nicht \u2013 wie er Maria angesprochen hatte. Und dann erfahren diese paar Hirten etwas, was die Welt bewegen wird: Christus, der sehns\u00fcchtig erwartete Messias ist euch (!) geboren, der Herr, der&nbsp;<strong>Retter der Welt<\/strong>\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle muss jeder der damaligen Zeit stutzig werden. Wurde doch <strong>Augustus<\/strong> (Octavian) als Sohn Gottes (Divi filius) bezeichnet, als Herr (Dominus), als Retter (Sot\u00e4r), die Zeit wird als pax augusta, als goldene Zeit besungen. Und nicht nur das, sondern: Nicht das Heer akklamiert den Herrscher, wie es im r\u00f6mischen Reich \u00fcblich war, sondern: Das himmlische Heer, die Soldaten Gottes, diese akklamieren Gott und rufen: <em>Ehre sei Gott in den H\u00f6hen \u2013 und auf der Erde Frieden den Menschen seines Wohlgefallens<\/em>. (Bzw.: <em>Ehre sei Gott in den H\u00f6hen und auf der Erde &#8211; Frieden den Menschen seines Wohlgefallens<\/em>.) Und wieder sind wir bei Augustus \u2013 dem Friedenskaiser. Und diesem Augustus, dem Erhabenen, diesem wird Jesus Christus entgegengestellt. Und das ist freilich spannend. Warum? Octavian, der den Ehrentitel <em>Augustus<\/em> bekommen hatte, herrschte als Alleinherrscher von 31 v.Christus bis 14 n.Christus. Augustus war ein Krieger, der sich auch nicht scheute, hunderte Galeerensklaven der Gegner zu kreuzigen. Das r\u00f6mische Reich befand sich am Zenit seiner Macht &#8211; was man als Zeitgenosse nat\u00fcrlich nicht wusste &#8211; und in dem H\u00f6hepunkt der Macht zeigt Gott: Nicht der menschliche Herrscher ist Zentrum, nicht menschliche Reiche sind zentral, sondern: Gott selbst, der in dem machtlosen Kind zur Welt kommt &#8211; in diesem Kind liegt das Zentrum der Welt. Das &#8222;Goldene Zeitalter&#8220;, das Augustus (17.v. Christus) propagierte, ist ein Phantasiegebilde, denn Menschen leiden. Das Lukasevangelium ist um 90 n.Chr. verfasst worden. Und so stellt sich auch hieran die Frage: Ist die Quelle, die Lukas verwendet hat, \u00e4lter? Stammt sie schon aus der Zeit des Augustus, also aus ca. 14 n.Chr.?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gab es eine <strong>Steuersch\u00e4tzung<\/strong> in Israel? Wir wissen, dass Augustus reichsweit Steuern erheben lie\u00df. Wann genau in Israel, das ist umstritten, es liegen deutliche Berichte vor: 6 n.Chr. bzw. reichsweite 8\/7 v.Chr. Im Jahr 7 v.Christus geschah aber etwas f\u00fcr Herodes sehr Bedeutsames: Er hatte von sich aus einen Krieg gegen die Nabat\u00e4er begonnen \u2013 und dar\u00fcber war Augustus erbost und hat Herodes als Zeichen der Unterwerfung einen Treue-Eid schw\u00f6ren lassen. Wie dem auch sei:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird etwas sichtbar, was auch im Matth\u00e4us-Evangelium deutlich wurde: die Herrscherkritik. Und als die Hirten diese Akklamation h\u00f6rten, rannten sie hin, um zu sehen, ob das auch wirklich alles so geschehen war. Und sie fanden es tats\u00e4chlich so. Sie berichteten davon \u2013 und dann h\u00f6ren wir von einer seltsamen Bemerkung:&nbsp;<em>Maria behielt diese Worte und bewegte sie im Herzen<\/em>. (2,19; \u00e4hnlich h\u00f6ren wir sie in 2,51).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#f0ac24\"><strong>Jesus Christus, der Retter nicht allein Israels, sondern auch der V\u00f6lker<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus wurde nach j\u00fcdischem Brauch beschnitten \u2013 und zwar im Tempel, weil das Paar mit ihrem Kind in der N\u00e4he, in Bethlehem war. Und in diesem Zusammenhang h\u00f6ren wir wieder eigenartige Menschen sprechen. Es ist von einem Propheten und einer Prophetin die Rede. Und der Prophet Simeon spricht, als er den S\u00e4ugling Jesus gesehen hatte, ein eigenartiges Wort (das Nunc Dimittis) \u2013 und als Prophet eben im Auftrag Gottes: \u2026&nbsp;<em>meine Augen haben deinen (Gottes) Retter\/Sot\u00e4r gesehen, den Gott bereitet hat f\u00fcr alle V\u00f6lker<\/em>\u2026 \u2013 dann sagte er der Maria:&nbsp;<em>Er ist gesetzt worden zu einem Zeichen, das Widerstand erfahren wird<\/em>&nbsp;\u2013 und durch Marias Seele wird ein Schwert dringen. Diese Worte klingen eigenartig. Bislang war in allen Texten und Liedern der Fokus auf das Volk Israel gerichtet, es war vom ewigen Thron die Rede \u2013 und hier kommen die V\u00f6lker in den Blick, es kommt das Sterben Jesu zu Wort. Dieser ist also wirklich ein Prophet, der nicht nur die Erwartungen des Volkes aufgreift, sondern der schon darauf hinweist, dass Gott einen anderen Weg gehen wird mit seinem Messias, als die Menschen des Volkes es erhofft hatten. Gott ist nicht der, der mit seinem himmlischen Heer kommt, der in K\u00e4mpfen alle Ungerechten beseitigt und sich auf den Thron Davids in Jerusalem setzen wird &#8211; wie im Magnifikat ausgesprochen -, sondern er wird leiden und f\u00fcr die V\u00f6lker da sein. Doch ist das Wort von der ewigen Herrschaft hinf\u00e4llig, das der Engel Gabriel der Maria zugesagt hatte? Ist die Aussage hinf\u00e4llig, dass er ewig auf dem Thron Davids sitzen wird? Nein, denn Christen haben durch die Begegnung mit Jesus Christus gelernt, die <strong>Geschichte aus einem anderen Blickwinkel<\/strong> zu sehen: Nach seinem Leiden zur Erl\u00f6sung der Menschen von ihren S\u00fcnden, ist er von Gott auferweckt und erh\u00f6ht worden. Im Einklang mit Gott beherrscht er sein Volk und die Welt. Juden, die Jesus Christus begegnet sind, ebenso die Heiden, die ihm begegnet sind, mussten sich von ihm eine neue Weltsicht schenken lassen. Gott, der unvergleichlich m\u00e4chtiger ist als Augustus, geht in seiner Macht einen anderen Weg, als der Mensch, der \u00fcber sehr viele Legionen herrschte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Diese Geburtsgeschichten sind Ausdruck alter j\u00fcdischer Erfahrungen. Sie haben kaum etwas spezifisch Christliches. <\/em>Warum hat Lukas sie an den Anfang seines Evangeliums gestellt? Er hat sie aus der Perspektive der Christen neu gelesen (<strong>Relecture<\/strong>). Spannend ist, dass Lukas alte Traditionen aufgenommen hat. Wie kam er an sie? Hat Maria etwas damit zu tun? Warum schreibt er \u00fcberhaupt aus der Perspektive der Maria? Das muss im Augenblick noch Frage bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Geburtsgeschichte endet damit, dass darauf hingewiesen wird, dass Jesus heranwuchs, und von Gott mit Weisheit erf\u00fcllt wurde, an Weisheit zunahm (2,40.52). Und es folgt die Begebenheit des 12 j\u00e4hrigen Jesus im Tempel \u2013 der im Hause seines Vaters \u2013 also Gottes ist \u2013 und das drei Tage lang. Drei Tage lang \u2013 dann die Freude der Eltern, ihn gefunden zu haben. Korreliert das mit den drei Tagen im Grab (bzw. christliche Tradition: Vor seiner Auferstehung hinabgestiegen in das Todesreich um die Toten zu belehren\/befreien)?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GEBURTSGESCHICHTE BEI LUKAS Das Lukasevangelium (Lk) wird in der Forschung \u00fcberwiegend um das Jahr 90 n. Chr. datiert. Es stammt von einem Heidenchristen, der vermutlich im Bereich der heutigen T\u00fcrkei gelebt hat. Es wird vermutet, dass er Arzt gewesen ist, zumindest zeigt er gro\u00dfes Interesse an dem Leiden der Menschen. 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