{"id":723,"date":"2019-07-02T16:02:08","date_gmt":"2019-07-02T14:02:08","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=723"},"modified":"2023-01-26T09:44:38","modified_gmt":"2023-01-26T08:44:38","slug":"geburtsgeschichte-matthaeus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/geburtsgeschichte-matthaeus\/","title":{"rendered":"Geburtsgeschichte: Matth\u00e4us"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">GEBURTSGESCHICHTEN JESU VON NAZARETH: MATTH\u00c4US<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben zwei Evangelien im Neuen Testament, die von Ereignissen um die Geburt Jesu herum berichten. Diese beiden Geburtsgeschichten bilden das Vorzeichen, aus der die Geschichte Jesu von Nazareth gelesen werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#f5fa8c\"><strong>1. Die Geburtsgeschichte des Matth\u00e4usevangeliums<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#efc018\"><strong>Gott ist Herr der Geschichte \u2013 Menschen sind frei, Geschichte zu gestalten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Matth\u00e4usevangelium wurde \u2013 so vermutet die Mehrheit der heutigen Forschung \u2013 um ca. 80 n.Chr. geschrieben. Es beginnt mit der Darlegung des Stammbaumes Jesu. Dieser <strong>Stammbaum<\/strong> hat zwei Besonderheiten. Die erste Besonderheit:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Vers 17: Alle Glieder von Abraham bis zu David sind vierzehn Glieder. Von David bis zur babylonischen Gefangenschaft sind vierzehn Glieder. Von der babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus sind vierzehn Glieder. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir diesen Stammbaum mit dem von Lukas vergleichen, sehen wir, dass die Zahlenangaben hinzugef\u00fcgt worden sind. Es handelt sich um einen stilisierten Stammbaum \u2013 und der soll uns auf etwas hinweisen: <em>Gott ist Herr der Geschichte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die j\u00fcdische Geschichte wird in Zeiteinheiten unterteilt. Diese Zeiteinheit hebt vier Ereignisse bzw. Personen hervor: <strong>Abraham \u2013 David \u2013 Babylonische Gefangenschaft \u2013 Jesus Christus.<\/strong> Wir sehen daran: F\u00fcr Matth\u00e4us ist Gott der Herr der Geschichte. Jesus von Nazareth ist in die Linie dieser gro\u00dfen Ereignisse und Personen zu stellen und auf ihn l\u00e4uft die Geschichte zu. Aber Gleichzeitig hat sie eine zweite Besonderheit, die diesem zu widersprechen scheint. Das wird deutlich, wenn wir die wenigen Frauen im Stammbaum n\u00e4her betrachten: <strong>(a) Tamar (1,3) \u2013 (b) Ruth (1,5) \u2013 (c) die Frau des Uria (1,6) \u2013 (d) Maria.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von<strong> (a)<\/strong> Tamar ist in Genesis 38 die Rede. Juda, ihr Schwiegervater h\u00e4tte sie nach dem Tod ihres Mannes versorgen m\u00fcssen. Er tat es nicht. Darum, als sie h\u00f6rte, dass Juda ins Dorf kam, verhielt sie sich wie eine Prostituierte. Juda schlief mit ihr. Als ihre Schwangerschaft bekannt wurde, sollte sie get\u00f6tet werden. Doch sie hatte von Juda ein Pfand genommen, das sie nun zeigte. Juda lie\u00df sie am Leben und sah seine Schuld ein. <strong>(b)<\/strong> Rut(h) (Buch Ruth) war eine Heidin. Sie kam mit ihrer j\u00fcdischen Schwiegermutter nach Israel. Dort legte sie sich auf das Lager des Mannes, den sie sich zum Ehemann auserkoren hatte. Er lie\u00df sich bet\u00f6ren und heiratete sie. <strong>(c)<\/strong> Die Frau des Uria (2. Samuel&nbsp; 11) gefiel K\u00f6nig David besonders gut. Er lie\u00df sie zu sich kommen und zeugte ein Kind mit ihr. Als das bekannt wurde, lie\u00df er ihren Ehemann aus dem Krieg zur\u00fcckkommen, damit dieser mit seiner Frau schlafe und so das Verh\u00e4ltnis nicht bekannt w\u00fcrde. Doch Uria war ein ehrenhafter Mann, der nicht mit seiner Frau schlafen wollte, w\u00e4hrend seine Kameraden im Krieg sind. Das war sein Todesurteil: David lie\u00df ihn in die erste Kampfreihe stellen. Dort kam er um. Gott strafte das Verhalten des David, aber der n\u00e4chste Sohn, den er mit der Frau zeugte, war sein Nachfolger Salomo.<strong> (d)<\/strong> Diese drei anr\u00fcchigen Frauengeschichten laufen auf (d) Maria zu, die Mutter Jesu (dazu s. unten).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Geschichten zeigen: <em>Gott ist zwar Herr der Geschichte, aber er plant nicht jedes Detail, sondern Menschen machen ihre eigene Geschichte in Schuld und Versagen. Doch Gott verfolgt sein Ziel: <\/em>Er wird seinen Retter schicken, um sein Volk von seinen S\u00fcnden zu befreien (1,21). Es ist die im Alten Testament beschriebene \u201eMiteinander-Geschichte\u201c:&nbsp; Gott achtet das Handeln des Menschen, auch wenn es ihm zuwider ist. Er hat den Menschen Freiheit geschenkt, die Voraussetzung f\u00fcr verantwortliches Handeln. Der Mensch ist nicht Gottes Marionette \u2013 aber gleichzeitig setzt Gott seine Akzente, sichtbar am gesamten Geschichtsverlauf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#efc018\"><strong>Junge Frau \u2013 Jungfrau<\/strong> (a)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird gesagt, dass Josef aus dieser David-Linie abstammt \u2013 nicht aber Maria, die Mutter Jesu. Das ist freilich auff\u00e4llig, da ja in 1,1 gesagt wird, dass Jesus Davids Nachkomme sei. Das hie\u00dfe, dass Maria eigentlich aus dieser Linie Abraham-David-Maria kommen m\u00fcsse. Das kann man unterschiedlich deuten: (a) Ungereimtheit im Mt, (b) Jesus wurde auf nat\u00fcrlichem Weg gezeugt, was dann aber sp\u00e4ter theologisch gedeutet wurde, (c) Maria geh\u00f6rte durch die Heirat mit Josef zu Josef und seinem Stammbaum, (d) auch Maria geh\u00f6rte zu der Nachkommenschaft Davids, da aber nur die m\u00e4nnliche Linie gezeigt wurde, wurde das nicht weiter vertieft (s. aber unten Lukasevangelium). Zur Abstammung von David ist interessant: Auch der ber\u00fchmte Hillel, der im Jahr 5 v.Chr. gestorben ist, wusste sich m\u00fctterlichseits als Nachfahre Davids (JT Taanit IV p.68).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie auch immer das zu erkl\u00e4ren ist, deutlich wird, dass im weiteren Verlauf Gott Maria und Josef sehr viel zumutet: Maria wird in der Verlobungszeit schwanger \u2013 nach dem Willen Gottes. Mit Mt gesagt: Maria erwartete ein Kind, das aus dem Geist Gottes hervorgegangen ist. Gott hat sich nicht wie Zeus in der griechischen Mythologie ein sch\u00f6nes M\u00e4dchen ausgesucht, mit der er einen Halbgott zeugt, sondern: Der Geist Gottes ist Gottes Sch\u00f6pfungskraft. So erfahren wir in Genesis 1: Finsternis herrschte und der Geist Gottes schwebte \u00fcber den Wassern \u2013 und dann beginnt die Erschaffung der Welt. In der Geburtsgeschichte liegt der Akzent jedoch auf etwas anderem: Der Geist Gottes ist Gottes Sch\u00f6pfungskraft und wirkt (und nicht zeugte) in Maria Jesus (Inkarnation = Menschwerdung). Damit hat Gott der Maria viel zugemutet, denn darauf konnte die Versto\u00dfung bzw. sogar die Todesstrafe stehen. Darum muss Gott auch ein W\u00f6rtchen mit Josef reden, damit er Maria nicht verl\u00e4sst \u2013 und er redet durch seinen Boten, einen Engel mit Josef im Traum. Josef entschlie\u00dft sich, bei Maria zu bleiben \u2013 aber damit mutet Gott diesem Mann \u00e4u\u00dferst viel zu: Er setzt sich dem entehrenden Gesp\u00f6tt der Mitmenschen aus. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#efc018\"><strong>Immanuel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott gab nicht nur den Auftrag, bei Maria zu bleiben, sondern es wird gesagt, dass \u201esie\u201c ihn \u201eImmanuel\u201c nennen \u2013 das hei\u00dft: \u201eGott ist mit uns\u201c. Josef nannte seinen Sohn Jesus \u2013 das hei\u00dft: Jahwe rettet. Das Wort Immanuel spielt auf eine alttestamentliche Verhei\u00dfung aus dem Buch Jesaja (7,14) an, die nun erf\u00fcllt wird. Man spricht von einem <strong>Reflexionszitat<\/strong> oder von einem <strong>Erf\u00fcllungszitat.<\/strong> Dieses lautet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1,23.&nbsp;<em>Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn geb\u00e4ren, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben<\/em>, das hei\u00dft \u00fcbersetzt: Gott mit uns.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das mag eine weitere Inkonsequenz des Mt sein, doch muss man die Auslegung der damaligen Zeit beachten, die andere Ma\u00dfst\u00e4be hatte als unsere heute \u2013 wie vor allem auch an rabbinischen Schriften bzw. am zeitgen\u00f6ssischen Philo von Alexandrien sichtbar wird. Das&nbsp;<em>Immanuel<\/em>&nbsp;zeigt an, dass es Matth\u00e4us nicht um den Namen geht, sondern um die Bedeutung. Das erkennt man daran, dass er das Immanuel \u00fcbersetzt, die Bedeutung mitliefert. Das wird auch daran deutlich, dass Matth\u00e4us am Schluss seines Evangeliums darauf zur\u00fcckgreift, wenn er als Worte des auferstandenen Jesus wiedergibt: Ich bin bei euch alle Tage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#efc018\"><strong>Junge Frau \/ Jungfrau (b)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird gesagt, dass der Prophet Jesaja nicht von einer &#8222;Jungfrau&#8220; spricht, sondern von einer &#8222;jungen Frau&#8220;, denn das Wort &#8222;Almah&#8220; bedeutet &#8222;junge Frau&#8220;. Dieses wird vom griechischen Text aber mit &#8222;Parthenos&#8220; \u2013 also &#8222;Jungfrau&#8220; \u2013 \u00fcbersetzt und Matth\u00e4us hat diesen missverst\u00e4ndlichen griechischen Text als Vorlage gehabt. Das kann sein, dagegen spricht freilich, dass der Prophet wohl kaum eine &#8222;junge Frau&#8220; im Blick gehabt haben wird, sondern etwas Wunderhaftes prophezeit, und dass eine junge Frau ein Kind bekommt, das ist normaler Alltag. Es sei denn, er spricht von einer ganz bestimmten jungen Frau. Der weitere Aspekt: Es k\u00f6nnte sein, dass Jesus nachtr\u00e4glich als Kind einer Jungfrau dargestellt wurde, weil, wie immer wieder behauptet wird, auch sonst Jungfrauen als M\u00fctter gro\u00dfer Menschen dargestellt werden. Dem ist allerdings nicht so. Die anderen gro\u00dfen der Weltgeschichte, Alexander der Gro\u00dfe, Augustus, Buddha \u2013 sie werden von G\u00f6ttern gezeugt, das hei\u00dft, die Frau war und blieb keine Jungfrau mehr, sondern das geborene Kind war eine Art Halbgott. Durch die einzigartige Jungfrauengeburt ist Jesus also nicht eine Art Halbgott, sondern wurde durch Gottes Geist in Maria erschaffen \u2013 ist also ein ganz besonderes Wesen. Wie dem auch sei: Diese Interpretation hat die Menschheit beeinflusst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und auch sie hat theologische Bedeutung wie es das Johannesevangelium versteht: Jesus ist nicht nach dem Willen eines Mannes geboren worden, sondern zu der Zeit, als es Gott f\u00fcr relevant ansah. Gott ist Herr der Geschichte \u2013 und er greift in die Menschen-Geschichte ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#efc018\"><strong>Was ist Geschichte, Geschichtsschreibung? <\/strong>(s.&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.evangelische-religion.de\/gott-geschichte.html%20)\">http:\/\/www.evangelische-religion.de\/gott-geschichte.html )<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sagen heute: Geschichte ist das, was Menschen im Laufe der Zeit gewirkt haben und somit wirklich war. Doch das, was wirklich war, das k\u00f6nnen wir kaum mehr herausarbeiten. Einzelne Daten und Kausalzusammenh\u00e4nge k\u00f6nnen herausgearbeitet werden, man kann Versuchen, geschichtliche Ereignisse in bestimmte Situationen einzubetten. Aber allein das Beispiel des ersten Weltkrieges zeigt, wie kompliziert das ist: Die einzelnen Schlachten sind kaum mehr umstritten. Umstritten ist: Wie kam es zu dem Krieg? Welche Ereignisse f\u00fchrten dazu? Und so ist Geschichte auch immer mit Interpretation verbunden, die diskutiert wird, wenn neue Argumente gefunden werden, aber man kann nie jedes Ereignis, jeden Gedankensprung, jede zeitgen\u00f6ssische Interpretation der Ereignisse in den Blick bekommen. <em>Diese Art von Geschichtsschreibung der Gegenwart haben wir zur damaligen Zeit noch nicht. <\/em>Sondern: Im heidnischen Bereich konnte man ohne z\u00f6gern ber\u00fchmten Menschen Reden in den Mund legen \u2013 denn er h\u00e4tte sie ja halten k\u00f6nnen. Verp\u00f6nt war nur, einem Menschen eine Rede in den Mund zu legen, die dem Charakter des Menschen widersprochen h\u00e4tte. Im j\u00fcdischen Bereich kam hinzu \u2013 ist auch im heidnischen Bereich zu finden \u2013 dass Geschichte immer auch von Gott mitgestaltet wird. Der Mensch ist in gewisser Weise frei \u2013 wie oben gesehen \u2013 aber Gott greift doch immer wieder ein. Und das bedeutet: Menschengeschichte ist auch immer Geschichte Gottes mit den Menschen. In den geschichtlichen Ereignissen ist Gott sichtbar, Gottes Handeln, Gottes Fordern. Und von daher gesehen kann man nat\u00fcrlich fragen: War das alles so, wie es hier geschildert wird? <em>Aber man muss beachten, dass es darum ging, Gottes Handeln ad\u00e4quat wiederzugeben <\/em>\u2013 wie man Reden gro\u00dfer Menschen ad\u00e4quat wiedergeben musste. Entsprechend zeigt Matth\u00e4us durch Ans\u00e4tze, die hier genannt werden, dass er die Geschichte interpretiert und auch als eine solche theologische Geschichte gelesen haben will. (Weiter s. unten: Reflexionszitate.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#efc018\"><strong>Gott ist Herr \u00fcber die Sterne und k\u00fcmmert sich nicht um weltliche Herrscher<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun redet Gott nicht allein im Traum bzw. durch einen Engel, sondern hat noch weitere M\u00f6glichkeiten, mit Menschen zu kommunizieren: In diesem 2. Kapitel des Matth\u00e4us redet er durch Sterne. G\u00f6tter und Sterne sind eng miteinander verbunden, so dass diese Sicht keine spezifisch j\u00fcdische oder christliche Sicht wiedergibt, sondern eine, die in der damaligen Zeit g\u00e4ngig war: <em>Gott benutzt die &#8222;Sprache&#8220;, die Kommunikationsmittel, die die Menschen der jeweiligen Zeit verstehen k\u00f6nnen. <\/em>Sternendeuter waren Weise, Forscher, Priester \u2013 alles in einem, also einflussreiche Menschen. Und diese einflussreichen Menschen aus dem heidnischen Bereich erkennen in den Sternen die Botschaft Gottes, sie erkennen etwas, was der gro\u00dfe K\u00f6nig Herodes von Jud\u00e4a nicht wei\u00df: Der K\u00f6nig der Juden wird geboren. Und zwar in der Stadt, die dem Nachfahren Davids angemessen ist: in Bethlehem. Ein weiteres Reflexionszitat verdeutlicht dieses (2,6). Sie folgen einem Stern \u2013 und auch das ist ein Wunder \u2013 und finden den neugeborenen K\u00f6nig der Juden, ehren ihn mit kostbaren Sch\u00e4tzen und ziehen wieder zur\u00fcck, erneut von Gott im Traum dazu ermahnt, dem K\u00f6nig Herodes nichts mitzuteilen. Bevor sie das Kind gefunden hatten, dachten sie, das Kind muss im Palast geboren sein \u2013 sie \u201egehorchten\u201c also nicht dem Stern. Und <em>durch diesen Ungehorsam schworen sie eine Katastrophe herauf: den Amoklauf eines Herrschers an kleine Kinder.<\/em> Wir haben hier auch massive Herrschaftskritik vorliegen: Wer mit Jesus Christus in Kontakt kommt, gehorcht Herrschern nicht mehr. Sie werden umgangen, sie gehen nicht mehr zu Herodes zur\u00fcck, sie meiden ihn. Aber der Herrscher l\u00e4sst sich so schnell nicht in seinem Machtwahn unterkriegen. Und so erscheint dem Josef wieder ein Engel im Traum, der ihn auffordert, nach \u00c4gypten zu ziehen. Warum? Ein Reflexionszitat kl\u00e4rt auf: um das Kind zu retten. Nachdem der m\u00e4chtige K\u00f6nig Herodes, den man den Gro\u00dfen nannte, gestorben war, lie\u00df Gott dem Joseph wieder im Traum durch einen Engel mitteilen, dass er zur\u00fcckgehen k\u00f6nnte \u2013 er ging allerdings, weil er den Nachfolger des Herodes f\u00fcrchtete, nach Nazareth \u2013 was Gott ihm ebenfalls im Traum angewiesen hatte. All das wird wieder mit Reflexionszitaten begr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Drei Weise\/Magier:<\/strong>&nbsp;Die Weisen zeigen an: Auch die Heiden kommen in Ber\u00fchrung mit dem Jesuskind. Diese drei sind Vertreter der V\u00f6lker. Lukas legt in seinem Evangelium durch Aufnahme j\u00fcdischer Traditionen mehr Gewicht auf das Volk Israel, w\u00e4hrend der Judenchrist Matth\u00e4us Jesus als Hoffnung f\u00fcr die V\u00f6lker ansieht. Und entsprechend sind f\u00fcr Matth\u00e4us auch die Geschenke Zeichen: Es werden keine Kamele, Sklaven usw. geschenkt, sondern Gold \u2013 einem Welten-K\u00f6nig entsprechend -, Weihrauch \u2013 einem Gottessohn entsprechend \u2013 und Myrrhe \u2013 einem Heiler an Leib und Seele entsprechend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00c4gypten<\/strong>: Diese Erz\u00e4hlung von der Rettung des Kindes in \u00c4gypten l\u00e4sst Juden aufhorchen, denn hier wird alte Tradition aufgegriffen: Moses wurde als S\u00e4ugling vor dem gewaltsamen Tod gerettet \u2013 und er befreite als Erwachsener sein Volk. Jesus wird ebenfalls einer Gefahr ausgesetzt \u2013 er wird gerettet und wird, wie 1,21 gesagt hatte, das Volk von S\u00fcnden befreien. Daran, dass Mt den Hauptteil seines Evangeliums mit der Bergpredigt beginnen l\u00e4sst (5-7) kann man erkennen, dass Jesus als Christus, als Immanuel, als K\u00f6nig der Juden sozusagen ein zweiter Moses ist. Aber: Nazareth lag vier Kilometer von der gro\u00dfen Stadt Sepphoris entfernt; nach dem Tod des Herodes im Jahr 4 vor Christus eroberten Rebellen Sepphoris und der Legat der R\u00f6mer, Varus, hat die Stadt zur\u00fcckerobert, massenhaft Menschen hinrichten lassen, die Stadt maltr\u00e4tiert. Was geschah in dieser Zeit mit Nazareth? Wie hat Jesus diese Katastrophe \u00fcberlebt?  Laut Matth\u00e4us war seine Familie mit ihm in der Zeit in \u00c4gypten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Herodes:<\/strong>&nbsp;Dass Herodes in Bethlehem einen Kindermord befohlen hat, l\u00e4sst sich nicht aus anderen Quellen belegen. Freilich war Herodes, ein Idum\u00e4er, grausam. Er lie\u00df nicht nur seine Gegner, wie auch die letzten Hasmon\u00e4er\/Makkab\u00e4er \u2013 K\u00e4mpfer f\u00fcr die Befreiung Israels \u2013 hinrichten, sondern auch seine Frauen und S\u00f6hne und Jugendliche und ihre Lehrer, weil er Aufruhr bef\u00fcrchtete. Vor allem eben lie\u00df er seine Kinder hinrichten, weil er Angst hatte, sie n\u00e4hmen ihm die Macht. Und darin stimmt der wahre Herodes mit dem Herodes des Matth\u00e4us \u00fcberein: Er bef\u00fcrchtet, ein &#8222;Kind&#8220; k\u00f6nne ihm die Macht rauben. Herodes spielt im Matth\u00e4usevangelium nur in seiner Grausamkeit eine Rolle, in seiner immensen Anma\u00dfung \u2013 doch Gott l\u00e4sst sich dadurch nicht aus seinem Konzept bringen. Er geht seinen Weg zum Wohl der Menschen, ob die Herrscher zustimmen oder nicht. Darin liegt eine Herrscherkritik verborgen, die j\u00fcdisches und christliches Denken immer mit bestimmt. Von daher gab es auch Zeiten, in denen in christlicher Geschichte nicht gerne gesehen wurde, wenn Menschen die Bibel lasen. (Herodes hatte \u00fcbrigens auch vor, nach seinem Tod zahlreiche Menschen ermorden zu lassen, damit sich das j\u00fcdische Volk nicht \u00fcber seinen Tod freuen kann. Vermutlich d\u00fcrften sich darum manche zur Flucht veranlasst gesehen haben &#8211; nach \u00c4gypten?)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Stern von Bethlehem:<\/strong>\u00a0Es gab um die Zeit der Geburt Jesu verschiedene auff\u00e4llige Himmelsph\u00e4nomene (Halleysche Komet [?] 12 v.Chr.; verschiedene Konstellationen von Sonne und anderen Planeten bzw. Sternen 7-2v.Chr.: Jupiter und Saturn, eine Supernova, dar\u00fcber hinaus gibt es zahlreiche weitere Erkl\u00e4rungsversuche). Was allerdings an der Geschichte auff\u00e4llig ist, ist, dass es sich um ein Wunder handelt \u2013 denn der Stern zieht vor den Sternendeutern her und bleibt \u00fcber dem Geburtsort stehen. Dieser Text, ob nun irgendeine reale Sternenkonstellation Ausgangspunkt ist oder nicht, hat Teil an den gro\u00dfen Wundern dieser Geburtsgeschichte. Alles dient im Grunde dazu, Gottes Macht darzustellen \u2013 und damit Gott zu ehren. Der Stern hat aber noch eine andere Bedeutung. Mit einem Stern \u00fcber dem Haupt zierten sich Herrscher, um ihre Macht zu symbolisieren. das war auch im Judentum bekannt, so soll es eine M\u00fcnze aus dem Jahr 37 v.Chr. geben, die das zeigt. Das Matth\u00e4usevangelium stellt somit dar: Der Stern Gottes bleibt nicht \u00fcber dem K\u00f6nigshaus des Herodes stehen, er ist ein K\u00f6nig, der zu Unrecht den Thron besetzt hat. Der Stern bleibt \u00fcber dem wahren K\u00f6nig stehen, Jesus, dem Nachfahren Davids. Es handelt sich also um K\u00f6nigskritik. Dennoch: Johannes Kepler berechnete, dass im Jahr 7 v. Christus Saturn (Israel) und Jupiter (K\u00f6nig) im Sternzeichen Fisch (Westland) zusammenkamen. (*) Das bedeutet, dass ein spannendes Himmelsereignis der damaligen Zeit in die Geburtsgeschichte Eingang gefunden hat. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bethlehem:<\/strong>&nbsp;Vielfach wird aus historischer Sicht abgelehnt, dass Jesus in Bethlehem geboren wurde. Dass Jesus hier geboren wurde, wird als nachtr\u00e4gliche Perspektive christlichen Glaubens gesehen: David war Vorfahre Jesu \u2013 und so musste dann der Nachfahre Davids, also Jesus, auch hier geboren werden. Als K\u00f6nig der Juden geziemt es sich so. Deutlich wird, dass Matth\u00e4us und Lukas unterschiedliche Traditionen verwenden \u2013 aber beide verbinden Jesu Geburt mit Bethlehem. Beide sehen ihn in Nazareth aufwachsen. Wie Jesus nun mit beiden Orten in Verbindung zu bringen ist, das wird unterschiedlich begr\u00fcndet. Da beide unterschiedlichen Traditionen Bethlehem als Geburtsort benennen, muss diese Tradition schon \u00e4lter sein als die beiden damit verbundenen erkl\u00e4renden Geschichten. Dar\u00fcber hinaus: Die Tradition, die Lukas aufgreift, ist sehr alt \u2013 so dass eben auch die Bethlehem-Tradition schon sehr alt sein muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nazareth\/Nasor\u00e4er:&nbsp;<\/strong>Matth\u00e4us schreibt, dass Jesus in Nazareth aufgewachsen ist, somit Nazarener ist, und darum Nasor\u00e4er genannt wurde. Im Hebr\u00e4ischen z\u00e4hlen die Vokale. Das hie\u00dfe NSR. NSR bedeutet auch Zweig, Spross. Da Matth\u00e4us vielleicht ein Schriftgelehrter war, zumindest das Buch des Propheten Jesaja liebte, hat er mit NSR Jesaja 11 assoziiert. Dort ist vom messianischen Spross die Rede. Er zeigt also seinen j\u00fcdischen Lesern damit, dass Jesus der verhei\u00dfene Messias ist. Dass er&nbsp;<em>Propheten<\/em>&nbsp;allgemein nennt, statt Jesaja, das h\u00e4ngt wohl damit zusammen, dass im AT nur an dieser Stelle das Wort NSR im messianischen Kontext vorkommt. Die anderen Stellen, die Spross\/Zweig im messianischen Kontext erw\u00e4hnen, verwenden ein anderes hebr\u00e4isches Wort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Reflexionszitate\/Erf\u00fcllungszitate:<\/strong>&nbsp;Reflexionszitate sollen zeigen, dass die Geschichte Gottes mit Jesus schon im Alten Testament verhei\u00dfen wurde. Damit greift Mt j\u00fcdische Schriftexegese auf. Es wird die Bedeutung der prophetischen Worte f\u00fcr die Gegenwart gesucht und freilich auch gefunden. Es muss immer gefragt werden: (a) Wurden Geschichten erfunden und dann mit alttestamentlichen Texten verbunden? (b) Haben alttestamentliche Texte diese Geschichten erst angeregt? (c) Liegt dem Ganzen ein historischer Kern zugrunde, der dann mit Geschichten und Zitaten vertieft wurde? Das hie\u00dfe zum Beispiel: Maria wurde als Jungfrau angesehen und dann hat man diesen oben genannten sonderbaren Jesaja-Text gefunden, um das mit dem Alten Testament als verhei\u00dfenes Geschehen zu verstehen. Es gibt keine Antwort, die f\u00fcr alles gilt. Deutlich wird: Es handelt sich um eine Verschr\u00e4nkung. Aus dem Glauben an Jesus Christus haben j\u00fcdisch-christliche Schriftgelehrte erkannt, dass das Leben und Wirken Jesu kein Zufall war, sondern schon von Propheten angek\u00fcndigt wurde. Gott als Herr der Geschichte ist in Jesus am Wirken. Es liegt eine theologische Geschichtsschreibung vor. Geschichte wird aus der Sicht von gl\u00e4ubigen Judenchristen interpretiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">Aufgabe: Spannend ist in dieser Frage immer: Warum wurden gerade diese Texte aus der F\u00fclle alttestamentlicher Texte ausgesucht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#efc018\"><strong>Schlussgedanke:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Denken in Mitteleuropa und Nordamerika ist nicht Ma\u00dfstab f\u00fcr das Denken anderer Kulturen und anderer Zeiten. Wir m\u00fcssen erkennen, dass das alles mit unserem Denken und Geschichtsverst\u00e4ndnis vielfach nicht \u00fcbereinstimmt, aber das ist eben alles, was wir sagen d\u00fcrfen, ohne hochm\u00fctig zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(*)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Der Stern von Bethlehem und die Stabilit\u00e4t der Welt \u2013 Frag den Lesch [Ganze TV-Folge] | Harald Lesch\" width=\"750\" height=\"422\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/q_eYgvivgbU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GEBURTSGESCHICHTEN JESU VON NAZARETH: MATTH\u00c4US Wir haben zwei Evangelien im Neuen Testament, die von Ereignissen um die Geburt Jesu herum berichten. Diese beiden Geburtsgeschichten bilden das Vorzeichen, aus der die Geschichte Jesu von Nazareth gelesen werden soll. 1. 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