{"id":704,"date":"2019-07-02T15:50:56","date_gmt":"2019-07-02T13:50:56","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=704"},"modified":"2021-02-13T08:47:17","modified_gmt":"2021-02-13T07:47:17","slug":"wirkungsgeschichte-jesu","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/wirkungsgeschichte-jesu\/","title":{"rendered":"Wirkungsgeschichte Jesu"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">WIRKUNGSGESCHICHTE JESU<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wirkungsgeschichte dieses j\u00fcdischen Menschen und seiner Anh\u00e4nger sucht ihresgleichen:Er pr\u00e4gte <strong>die zwischenmenschliche Beziehung<\/strong> der Menschen: die Ethik Europas\/Amerikas \u2013 und dar\u00fcber hinaus beeinflusste die Ethik noch weitere Kulturen. (Recht [Menschenrechte], Diakonie, Mission, Soziale Marktwirtschaft \u2013 aber auch Kapitalismus [Reformierte].)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Er hat den kleinen Menschen gro\u00df gemacht<\/strong>: den Ausgesto\u00dfenen, den Verletzten, er hat sich denen zugewandt, die hilflos waren, die auf sich allein gestellt waren, denen, die nichts galten, die nach einer neuen Gesellschaft Sehnsucht hatten: Ihr seid das Licht der Welt! \u2013 sagte er ihnen. Und das hat den Spott vieler hervorgerufen (z.B. Nietzsche), aber auch die Bewunderung vieler. Weil Jesus Christus als der Auferstandene geglaubt wird, wissen sich noch heute weltweit viele Ausgesto\u00dfene, Verletzte, Hilflose bei ihm geborgen, von ihm angenommen, erhoben, gest\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p>In europ\u00e4ischer und von ihr beeinflusster Kultur ist der Glaube daran, dass er das Opfer ist, das den Menschen mit Gott vers\u00f6hnt, daf\u00fcr verantwortlich, dass wir <strong>keine Tier- oder sonstige Opfer <\/strong>mehr vollziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Sklaverei, die Menschen seit wir denken k\u00f6nnen, begleitet hat, im christlichen Einflussbereich beendet wurde, h\u00e4ngt vielfach mit seiner Botschaft und mit seinen Taten zusammen. Denn in der fr\u00fchen Christenheit wurden die <strong>Sklaven und die Herren auf eine Stufe<\/strong> gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Bedeutung des Individuums<\/strong>: Nicht die Familie, das Volk usw. entscheiden \u00fcber das eigene Leben, sondern jeder ist vor und mit Gott f\u00fcr sein eigenes Leben verantwortlich. Und viele einzelne Menschen wissen, dass dieser auferstandene Jesus Christus ihr Leben bestimmt, ihm Sinn verleiht\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Dass der Atheismus im christlichen Bereich stark verwurzelt ist, ist auch in Abgrenzung zu Jesus zu verstehen \u2013 aber auch dadurch m\u00f6glich, dass er die <strong>Verantwortung des Individuums f\u00fcr seinen Glauben<\/strong> betonte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat aber nicht allein das Individuum betont, sondern Ziel seines Interesses bestand darin, das <strong>Individuum mit der Gemeinschaft auszus\u00f6hnen<\/strong>: Es geht darum, wahre, menschliche Gemeinschaft zu leben. Dazu geh\u00f6rt Vergebung, Teilen, Gleichrangigkeit, Selbstkritik\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist spannend zu sehen, wie sich Herrschaften im christlichen Bereich versuchten, sich zu legitimieren, da sie eigentlich von ihm nicht gedeckt wurden. Der Erste unter Br\u00fcdern \u2013 das ist sein Modell. Von daher ist <strong>Herrschaftskritik<\/strong> von Anfang an mitgegeben. Ebenso ist spannend zu sehen, wie sich die traditionellen Geschlechterrollen mit der Unterordnung der Frau bzw. Disqualifizierung ihrer T\u00e4tigkeit immer wieder auch gegen seinen Ansatz durchzusetzen versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat viele Menschen angeregt, einen<strong> neuen Lebensweg zu wagen<\/strong>: Angefangen bei den Aposteln (soweit wir noch wissen), Paulus, \u00fcber unz\u00e4hlige Menschen, die in der katholischen Kirche als Heilige verehrt werden, und viele, viele nicht mehr so dominant im Blick stehende Menschen. Erinnert sei nur an die bekannten Namen: Augustinus, Benedikt von Nursia, Gregor der Gro\u00dfe, Karl der Gro\u00dfe, Franz von Assisi, Elisabeth von Th\u00fcringen, Johann Hinrich Wichern\u2026 \u2013 ich vermute, dass aus jedem Jahrhundert etliche Namen genannt werden k\u00f6nnen, die von ihm angeregt wurden, als Lichter die Welt zu ver\u00e4ndern: Sadhu Sundar Singh, Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther King, Mutter Teresa, Albert Schweitzer, Gandhi, \u2026 Und die meisten kennen wir jedoch nicht einmal mehr mit Namen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Seine Anh\u00e4nger f\u00f6rderten:<\/strong> Philosophie, Kunst (Literatur des Mittelalters, Gem\u00e4lde, Musik, Architektur), Wissenschaften \u2013 die bis heute auf Jesu Lehre aufbauen oder sich in Abgrenzung zu ihm befinden. Die Gr\u00fcndung von Universit\u00e4ten in Europa, die Wissenschaft in den Kl\u00f6stern \u2013 all das sind Folgen des Glaubens an Jesus Christus.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit <strong>Blick auf Religionen:<\/strong> Der Islam lebt in Aufnahme und Abgrenzung zu ihm, ebenso der Kommunismus (Gemeinschaftsleben der Apostelgeschichte = Idealbild kommunistischer Weltanschauung). Hindus versuchen, den sozialen Ansatz der Christen aufzugreifen, weil andere Hindus auch wegen des sozialen Einsatzes zum Christentum konvertieren, Atheisten suchen sich als ethische Konkurrenz zu etablieren. Die hinduistische Krischna-Tradition (Bhagavadgita) wurde in Konkurrenz zu den Evangelien von Jesus Christus hervorgehoben. Wieweit die Bodhisattva-Vorstellung des Buddhismus von Christen gepr\u00e4gt wurde (statt ins Nirwana einzugehen, geht der Bodhisattva wieder auf die Erde, um Menschen zu belehren), das ist noch nicht ganz gekl\u00e4rt, ebenso Traditionen des Amida\/Amitabha-Buddhismus (Glaube\/Vertrauen zum \u00fcberweltlichen Buddha mit der Vorstellung, im Reinen-Land wiedergeboren zu werden).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Christusmystik<\/strong> ist in Europa zur\u00fcckgegangen, wirkt aber nichts desto trotz im Hintergrund der christlichen Gemeinden aber auch in der Esoterik und in weiteren spirituellen Ans\u00e4tze usw. weiter. Christusmystik in dem Sinne verstanden, dass sich Menschen im auferstandenen Jesus Christus geborgen wissen, von ihm durchstr\u00f6mt f\u00fchlen, mit ihm eins sind. Glauben bedeutet in diesem Sinne: Die Liebe Jesu im Herzen sp\u00fcren, wachsen und aufgehen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Vielfalt christlichen Wirkens<\/strong> kann auch im Internet gesehen werden: youtube + kathtube, kirchliche und private Homepages, Musikszene und soziale Szene, Bibelwerke und Kl\u00f6ster\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Auch so mancher Mensch anderer Religionen oder Weltanschauungen sp\u00fcrt von ihm etwas ausgehen, das ihm das Leben bedeutsamer macht. Er ist es, der einen am Menschen nicht verzweifeln l\u00e4sst, weil man sieht: Es geht auch anders. Der Mensch kann auch anders. Es ist eine Art <strong>Weltgeborgenheit<\/strong>, die von ihm, von seinem Namen, von den Seinen, die ihm wahrhaft nachfolgen, ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihm ist uns<strong> Gott nahe<\/strong> gekommen. Das geh\u00f6rt zum Erfahrungswissen unz\u00e4hliger Menschen weltweit und seit 2000 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gegner des christlichen Glaubens<\/em> betonen h\u00e4ufig Kriege und Unmenschlichkeiten (Hexenverbrennungen, Sklaverei, Kolonialismus, aber auch Herrschafts- und Machtgebaren\u2026) im Laufe der Kirchengeschichte. Einmal: Das sind keine Handlungsweisen, die nur in christlich gepr\u00e4gten Gesellschaften begegneten, sondern weltweit; zum anderen: Diese Akteure k\u00f6nnen sich nicht auf Jesus Christus berufen. Sie waren vielfach zu sehr in den Moden ihrer Zeit verstrickt, unf\u00e4hig, sich aus dem jeweiligen Zeitgeist zu l\u00f6sen, vielfach aus Angst vor der Masse der Menschen, aus Gedankenlosigkeit\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Freilich:<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus von Nazareth war Mensch seiner Zeit \u2013 und musste es auch sein, sonst h\u00e4tte man ihn noch weniger verstanden. Und die Seinen haben in seinem Geist, im Geist des Auferstandenen sein Werk fortgef\u00fchrt unter Aufnahme dessen, was sie unter den V\u00f6lkern an Gutem und Erhaltenswertem vorgefunden haben. Aber die Brille, aus deren Perspektive sie aus der F\u00fclle der Menschheitsangebote ausw\u00e4hlten, die hat er ihnen auf die Nase gesetzt. Und wenn sie ihm nicht folgten, dann hat er andere dazu gebracht, den Seinen so lange zuzusetzen bis auch sie sich bereit erkl\u00e4rten, wieder seinem Weg zu folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu \u00fcberlegen:<\/p>\n\n\n\n<p>Was Glaubende wie Nichtglaubende wissen bzw. ahnen: Mit Jesus (Christus) muss es eine besondere Bewandtnis gegeben haben bzw. haben. Sonst w\u00fcrde man nicht so sehr um Jesus-Christus-Interpretationen ringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einfach zu sagen: Vergessen wir Jesus \u2013 man wei\u00df sowieso nichts \u00fcber ihn \u2013 geht schlicht und ergreifend darum nicht, weil er eben nach 2000 Jahren noch immer eine so gro\u00dfe weltweite Bedeutung hat \u2013 die Bedeutung, die kann man nicht leugnen, und wenn man ein noch so gro\u00dfer Anti-Jesus-Christus-Mensch ist; die kann man nicht leugnen, auch wenn man ein Mensch ist, der nichts Gr\u00f6\u00dferes \u00fcber sich duldet \u2013 und somit auch den inneren Zwang versp\u00fcrt, gro\u00dfe Menschen klein zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>An Jesus Christus kommt man nicht heran. Darum geht man gegen die Glaubenden vor. Das macht man physisch allerdings nicht mehr in zivilisierten Gesellschaften so. In zivilisierten Gesellschaften geht man gegen den Glauben vor. Man versucht es zumindest.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gro\u00dfe Erz\u00e4hlung der christlichen Religion wird nicht aufh\u00f6ren. Weil die Erz\u00e4hlung nicht nur eine Erz\u00e4hlung ist. Die Wahrheit dahinter, die wir Christen in Worte zu fassen versuchen, ist selbst quicklebendig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WIRKUNGSGESCHICHTE JESU Die Wirkungsgeschichte dieses j\u00fcdischen Menschen und seiner Anh\u00e4nger sucht ihresgleichen:Er pr\u00e4gte die zwischenmenschliche Beziehung der Menschen: die Ethik Europas\/Amerikas \u2013 und dar\u00fcber hinaus beeinflusste die Ethik noch weitere Kulturen. (Recht [Menschenrechte], Diakonie, Mission, Soziale Marktwirtschaft \u2013 aber auch Kapitalismus [Reformierte].) 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