{"id":696,"date":"2019-07-02T15:47:25","date_gmt":"2019-07-02T13:47:25","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=696"},"modified":"2022-07-28T16:13:39","modified_gmt":"2022-07-28T14:13:39","slug":"jeschua-der-jude-jesus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/jeschua-der-jude-jesus\/","title":{"rendered":"Jeschua &#8211; der Jude Jesus"},"content":{"rendered":"\n<p>(s. auch: <a href=\"https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/der-jude-jesus\/\">https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/der-jude-jesus\/<\/a> )<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">Der Jude Jesus\/Jeschua<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#f8f077\"><strong>1. Biographie und Tradition<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus hie\u00df Jeschua, mit vollem Namen Jehoschua, Kurzform Jeschu.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Er ist im Nordteil Israels aufgewachsen, in Nazareth, einem wohl sehr kleinen D\u00f6rfchen in Galil\u00e4a: Nazareth.<\/li><li>Seine Eltern Maria und Josef gaben ihren S\u00f6hnen Namen, die den S\u00f6hnen des Jakob entnommen wurden: Jakob(us), Joses (von Josef), Judas und Simon. Seine Schwestern sind nicht namentlich bekannt. Der Name Jeschua f\u00e4llt allerdings aus der Reihe. Seine Eltern gaben ihrem Erstgeborenen einen Namen, der \u00fcberwiegend Jungs gegeben wurde, die einer Priesterfamilie entstammen. Ein sehr ber\u00fchmter Namensvorfahre begegnet im Buch des Propheten Sacharja: Er war vermutlich ein Hoherpriester, der mit die Heimkehrer aus dem babylonischen Exil anf\u00fchrte, zudem wird er als K\u00f6nig gekr\u00f6nt. Er trug dazu bei, angesichts heidnischer Dominanz, das Volk Israel wieder aufzubauen. Die Bedeutung des Namens: Jahwe ist Retter\/Hilfe. Diesen Namen gab Moses auch einem weiteren ber\u00fchmten Vertreter des Namens: Josua, der das Volk Israel ins verhei\u00dfene Land f\u00fchrte.<\/li><li>Nach seiner Geburt wurde er beschnitten, wurde wie alle Jungs in dem Lesen der Tora unterwiesen und hatte wohl Bar Mitzwa (das zur Zeit Jesu aber noch nicht so hie\u00df), das hei\u00dft, er hat mit ca. 13 Jahren die religi\u00f6se M\u00fcndigkeit erlangt. Er durfte seit dem Zeitpunkt in der Gemeinschaft aus der Tora vorlesen, durfte die Lederkapseln und Riemen anlegen (Tefillin).<\/li><li>Als Junge hat er sicher von seinem Vater Josef das Zimmermannhandwerk gelernt, das hei\u00dft er konnte wohl nicht nur lesen, sondern auch schreiben, da die Buchstaben des hebr\u00e4ischen Alphabets auch gleichzeitig Zahlen sind. Aleph = 1 usw.<\/li><li>Jeschua kannte vermutlich die Geschichte seines Volkes in und auswendig, allerdings gab es noch nicht die Bibel, die wir heute vorliegen haben. Die Schriften waren im Umlauf, aber eine Zusammenstellung wie sie uns gegenw\u00e4rtig bekannt ist, gab es noch nicht.<\/li><li>In der Zeit Jesu gab es eine Bewegung, die der Pharis\u00e4er. Diese Bewegung versuchte, die Israeliten dazu zu bringen, die Tora auch in den Alltag hineinzubringen, im Alltag nach den Geboten Gottes zu leben. Allerdings ging es nicht nur um die Gebote, die wir heute in der Tora finden, sondern sie kannten eine m\u00fcndliche \u00dcberlieferung, die ihnen auch wichtig war. Sie standen in Opposition zu den Sadduz\u00e4ern \u2013 auch in ihrem theologischen Denken: Tora und Propheten waren wichtiger als der Tempel, die hellenistische Kultur darf von Juden nicht \u00fcbernommen werden, es ging um Fragen der Ethik (Ehe, Sabbat, soziale Gerechtigkeit usw.), sie glaubten an eine Auferstehung der Toten. Bedeutsam vor allem: die religi\u00f6se Reinheit. Dazu geh\u00f6rten nicht allein Waschungen, sondern auch: Man durfte dies und jenes nicht essen, nicht ber\u00fchren usw. Und wenn man doch dieses Reinheitsgebot \u00fcbertreten hatte, musste man sich bestimmten Riten unterziehen, um wieder in den Status der Reinheit zu kommen. Das Problem der Beurteilung der Pharis\u00e4er in der Zeit Jesu besteht darin, dass sie nicht greifbar sind. Wir ahnen nur etwas davon, weil Pharis\u00e4er in das sp\u00e4tere Rabbinische Judentum \u00fcbergingen. Deren Diskussionen und Themen werden dann in die Zeit Jesu zur\u00fcckgef\u00fchrt. Allerdings nicht unbegr\u00fcndet. So war zum Beispiel Saulus\/Paulus auch ein Pharis\u00e4er und seine j\u00fcdische Theologie ist manchmal mit der rabbinischen kompatibel.<\/li><li>Jeschua lebte in j\u00fcdischen Traditionen, argumentierte auf j\u00fcdische Weise. Grundlagen seines Denkens wurzelten im j\u00fcdischen Glauben \u2013 freilich hat er nicht alles, rezipiert, zumindest wissen wir es aufgrund der Auswahl der Quellen nicht \u2013 : Es gibt nur einen Gott, der Gott Abrahams, Isaaks, Jakobs, er hat sein Volk erw\u00e4hlt, es aus \u00c4gypten gef\u00fchrt, einen Bund mit dem Volk geschlossen; Gott wird seine Herrschaft am Ende der Zeiten herbeif\u00fchren. Nicht nur das j\u00fcdische Geschichtsbild (in pharis\u00e4ischer Tradition) wurde von ihm aufgegriffen, sondern auch die Ethik: z.B. Mann und Frau werden mit der Heirat eine Einheit, die nicht getrennt werden darf, evtl. auch, dass das Gesetz im Liebesgebot zusammengefasst werden kann..<\/li><li>Im Alter von ca. 30 Jahren zog er wie viele seiner Zeitgenossen zu Johannes dem T\u00e4ufer. Johannes predigte das nahende Gericht und die Rettung davor durch die Taufe mit Wasser und das Tun des Gerechten, zum Beispiel Ehrlichkeit, gegen Ausbeutung. Nicht der Bund Gottes mit Abraham sch\u00fctzt vor dem Gericht, sondern das Tun des Willens Gottes.<\/li><li>Jeschua lie\u00df sich taufen \u2013 und in diesem Zusammenhang muss etwas Besonderes geschehen sein. Die Quellen berichten von einer Vision (der Geist Gottes kam wie eine Taube auf ihn herab) und einer Audition (du bist mein geliebter Sohn, sagte Gott). Seitdem begann er \u00f6ffentlich wirksam zu werden. Er w\u00e4hlte zw\u00f6lf J\u00fcnger aus \u2013 zw\u00f6lf J\u00fcnger, denn das Volk Israel bestand aus 12 St\u00e4mmen. Jeder J\u00fcnger stand also f\u00fcr einen Stamm. Er grenzte sich von mancher Lehre des Johannes ab, aber das Thema, dass Gott bald seine Herrschaft aufrichten wird, war ihm besonders wichtig.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#f8f077\"><strong>2. Lehre<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jeschua hat nicht nur im Vergleich zu Johannes eigene Akzente gesetzt, sondern auch mit Blick auf die Pharis\u00e4er. Er hat Ans\u00e4tze j\u00fcdisch-biblischer Tradition weitergef\u00fchrt, wollte zur Basis zur\u00fcck: Gemeinschaft ist das Hauptstichwort. Menschen sollen als Kinder Gottes leben, einander beistehen, einander vergeben. Sie sollen so gut es geht schon jetzt das leben, was sie von der Herrschaft \/ Reich Gottes erwarten. Dieses Leben als Kinder Gottes ist bestimmt vom Willen Gottes, der im Gesetz ausgesprochen wird. Aber nicht nur das Gesetz als solches ist relevant, sondern der Geist hinter dem Buchstaben. Und diesen Geist versucht er als Tora-Lehrer in verschiedenen Lehrformen zu erkl\u00e4ren: zum Beispiel in Gleichnissen, Seligpreisungen, Gebet und Lehrworten, Auseinandersetzungen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Reinheit ist wichtig, aber nicht die Reinheit des K\u00f6rpers, sondern die Reinheit der Gesinnung, des Herzens (Mk 7). Nicht der Unreine macht den Reinen unrein, sondern der Reine macht den Unreinen rein (Mk 5). Insofern ist nicht Ausschluss von Menschen der Weg, sondern sie im Namen Gottes einzuladen (Lk 15).<\/li><li>Der Sabbat steht nicht \u00fcber dem Wohl des Menschen (Mk 3).<\/li><li>Fasten und Spenden sind relevant \u2013 aber nicht, um vor Menschen bedeutsam dazustehen. Man soll es verborgen tun (Mt 6).<\/li><li>Nicht auf Besitz gilt es zu vertrauen, sondern auf Gott (Mt 6; Lk 12).<\/li><li>Ehescheidung ist von Moses erlaubt worden, aber nur, weil der Mensch \u00fcbel ist, aber Gott will nicht, dass Menschen sich scheiden (Mk).<\/li><li>Menschen haben von Gott Gaben geschenkt bekommen \u2013 diese m\u00fcssen sie einsetzen (Mt 25) \u2013 das hei\u00dft, es wird nicht das Gesetz in den Mittelpunkt gestellt, sondern das Individuum mit seiner Begabung.<\/li><li>Allen ist zu helfen, die Hilfe ben\u00f6tigen, nicht nur den Menschen des eigenen Volkes, sondern auch Fremden, Gefangenen, Kranken, Unbekleideten, Durstigen, Hungernden (Mt 25; Lk 10).<\/li><li>N\u00e4chstenliebe bis hin zur Feindesliebe ist von Gott gefordert (Mt 5-7).<\/li><li>Trennung zwischen M\u00e4nnern und Frauen ist auch mit Blick auf die Lehre aufgehoben (Lk 10; Joh 4). Kinder sind Wert zu sch\u00e4tzen (Mk 10).<\/li><li>Die vergebende Liebe Gottes erm\u00f6glicht es allen Glaubenden, in enger Gemeinschaft mit Gott zu leben (wie es zum Beispiel Psalmen und Propheten zeigen, Moses und David).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>All diese Themen sind nur aus seiner j\u00fcdischen Tradition heraus zu verstehen. Bedeutsam ist:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>dass er sie angesprochen hat,<\/li><li>dass er sie so angesprochen hat, wie er es tat,<\/li><li>dass er sie weiterf\u00fchrte, wie er sie weiterf\u00fchrte.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Diese neuen Akzente sind: neu \u2013 aber sie sind mit dem Geist des Judentums kompatibel. Wobei freilich zu beachten ist, dass das Judentum keine homogene Gr\u00f6\u00dfe war, sondern aus unterschiedlichen Str\u00f6mungen bestand, von daher ist die Rezeption Jeschuas durch Juden auch unterschiedlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#f8f077\"><strong>3. Forschung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass Jesus gegenw\u00e4rtig als Jude seiner Zeit gesehen wird, ist im Wesentlichen der neuzeitlichen Perspektive zu verdanken. W\u00e4hrend in der christlichen Tradition der auferstandene Jesus Christus im Vordergrund stand oder auch der leidende und lehrende Jesus Christus, r\u00fcckte in den letzten 100-200 Jahren der Mensch Jesus von Nazareth in den Vordergrund: Wer war dieser Jesus eigentlich? Dass Jesus Jude war, haben freilich auch die Jahrhunderte vorher gewusst, so hat Luther in seiner Fr\u00fchzeit \u2013 bevor er in seiner Sp\u00e4tzeit massiv antij\u00fcdisch agitierte \u2013 darauf hingewiesen (Schrift 1523: Dass Jesus ein geborener Jude sei). Grunds\u00e4tzlich: Je st\u00e4rker Jesus als Mensch gesehen wurde, desto st\u00e4rker auch als Jude. Dazu haben dann im 20. Jahrhundert nicht zuletzt auch Juden beigetragen: Martin Buber, Schalom Ben Chorin, Pinchas Lapide \u2013 dann aber auch christliche Forscher, wie zum Beispiel E.P. Sanders, Wolfgang Stegemann, was dann immer st\u00e4rker Allgemeingut geworden ist. Allerdings hat die \u00e4ltere Forschung Jesus als Juden wahr genommen in Abgrenzung und im Gegensatz zum Judentum. Gegenw\u00e4rtig wird sachlicher Jesus in seiner Zeit wahrgenommen: die Aufnahmen j\u00fcdischer Tradition, die Auseinandersetzung mit j\u00fcdischen Str\u00f6mungen und Traditionen \u2013 aber eben im Rahmen des Judentums.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(s. auch: https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/der-jude-jesus\/ ) Der Jude Jesus\/Jeschua 1. Biographie und Tradition Jesus hie\u00df Jeschua, mit vollem Namen Jehoschua, Kurzform Jeschu. Er ist im Nordteil Israels aufgewachsen, in Nazareth, einem wohl sehr kleinen D\u00f6rfchen in Galil\u00e4a: Nazareth. 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