{"id":694,"date":"2019-07-02T15:46:27","date_gmt":"2019-07-02T13:46:27","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=694"},"modified":"2022-07-28T16:09:54","modified_gmt":"2022-07-28T14:09:54","slug":"wunder-jesu","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/wunder-jesu\/","title":{"rendered":"Wunder Jesu"},"content":{"rendered":"\n<p>(s. auch: <a href=\"https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/wunder-jesu\/\">https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/wunder-jesu\/<\/a> )<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">WUNDER JESU<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background\"><strong>1. Einleitendes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Wundertaten Jesu sind nicht zu l\u00f6sen von dem Hauptthema seiner Botschaft: Die kommende Herrschaft Gottes, das Reich Gottes. Ausdruck dieser kommenden Herrschaft ist, dass Menschen schon in ihrem irdischen Dasein von Leiden befreit werden. Im Neuen Testament wird vielfach von &#8222;Zeichen&#8220; gesprochen. Die besonderen Taten Jesu sollen auf etwas hinweisen. Worauf sollen die Zeichen hinweisen?<\/p>\n\n\n\n<p>Von Wundertaten Jesu wird in den Evangelien berichtet. Es handelt sich \u00fcberwiegend um&nbsp;<strong>Heilungswunder<\/strong>: Jesus heilt Menschen, erweckt sie von den Toten. <em>Wesentlich an der christlichen Form der Wunderberichte ist, dass sie \u00fcberwiegend mit theologischen Themen verbunden wurden<\/em>: Heilung des Gel\u00e4hmten + S\u00fcndenvergebung, Heilung des Blinden + Nachfolge, Heilung am Sabbat + Mensch hat auch am Sabbat Liebe zu zeigen usw. Neben den Heilungswundern wird von&nbsp;<strong>Exorzismen<\/strong> berichtet: Jesus befreit Menschen von M\u00e4chten, die den Menschen knechten, versklaven. Die theologische Bedeutung: Gott m\u00f6chte den Menschen von dem befreien, was ihn bindet. Der Mensch ist gegen diese M\u00e4chte machtlos \u2013 Gott kann jedoch befreien. Exorzismen werden wissenschaftlich heute so eingeordnet, dass sie dazu dienten, soziale Probleme zu bew\u00e4ltigen. Ebenso gibt es&nbsp;<strong>Naturwunder.<\/strong> Auch sie werden <em>\u00fcberwiegend mit theologischen Fragen verbunden<\/em>: Sturmstillung + Jesus beherrscht die Chaosm\u00e4chte; Wasser zu Wein: Deutung des Todes Jesu usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus war kein Magier, der mit seinen Mitteln und Kr\u00e4ften versucht, die Energie der Gottheit anzuzapfen. Er selbst handelte in der Kraft Gottes, bzw. aus anderer Perspektive gesagt: Er hatte von Gott die Gabe, entsprechend eigenst\u00e4ndig zu handeln. Und einzelne Menschen, die sich ihm zuwenden, profitieren von dieser Gabe. Denn Ausgangspunkt seines Handelns ist die Botschaft von der Herrschaft Gottes \/ dem Reich Gottes. Unter dieser wird der Mensch Schalom (Frieden, Gesundheit, Geborgenheit, Gemeinschaft&#8230;) bekommen. Diesen Schalom gilt es jetzt schon weiterzugeben, bis Gott selbst den vollendeten Schalom herbeif\u00fchren wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background\">2. <strong>Beurteilung in der Forschung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist Konsens, dass Jesus Wunder gewirkt hat bzw. Taten vollbracht hat, die in den Augen seiner Zeitgenossen als Wunder interpretiert wurden. Der Mensch kann nur verstehen, wenn er gelernt hat zu verstehen. In V\u00f6lkern, in denen wunderhafte Taten vorkommen, versteht man die Wunder Jesu leichter als wir mit unserem Weltbild, weil wir st\u00e4rker in der philosophischen Tradition des \u201eRationalismus\u201c stehen. Um die Wunder auch gegenw\u00e4rtig in Mitteleuropa und Nordamerika zu verstehen, gibt es die&nbsp;psychologische Wunderauslegung: Vertrauen in Gottes Wunderkraft ist eine Art Selbstvertrauen usw. Grundlegend ist jedoch: <em>Der Mensch ist ein offenes Wesen \u2013 insofern ist auch die Frage nach den Wundern davon abh\u00e4ngig, wie der jeweilige Mensch Erlebnisse erschlie\u00dft, interpretiert<\/em>: Rechnet er mit Gottes Handeln, dann rechnet er mit Wundern \u2013 oder rechnet er nicht damit, dann kann er auch Wunder nicht als solche einordnen, interpretiert sie als Zufall, als Fehlinterpretation usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Naturwunder werden im Wesentlichen nach\u00f6sterlich eingeordnet \u2013 sie haben damit auch nach\u00f6sterliche Botschaften (z.B.: Speisung der 5000 weist auf das Abendmahl).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background\">3. <strong>Offenes oder geschlossenes Weltbild?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es liegt in der Natur der Sache, dass Wunder unterschiedlich interpretiert werden. Zudem werden sie heftig kritisiert \u2013 nach allen Regeln der jeweiligen Logik der Zeit. Welches Weltbild hat der Mensch, der mit den Wundern konfrontiert wird? Ein geschlossenes, das hei\u00dft eines, das die Frage der Kausalit\u00e4t sehr eng interpretiert (Gott kann und will nicht in die Welt, in die von ihm geschaffene Ordnung eingreifen) \u2013 oder eines, das offener ist f\u00fcr alles, was so geschehen kann (Gott handelt in Wundern f\u00fcr Menschen unerwartet \u2013 aber auch das liegt im Rahmen der Sch\u00f6pfung und ihrer von Gott gegebenen Ordnung).<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Wenn ich glaube, dass es keine Wunder gibt, dann versuche ich auch Interpretationen zu finden, die ein erlebtes Wunder unabh\u00e4ngig von Gott verstehen lassen \u2013 oder das Erlebte verdr\u00e4nge, weil es rational nicht interpretierbar ist.<\/li><li>Hat der Mensch Zutrauen zu Gott \u2013 dass Gott ihn auch in Zukunft \u00fcberraschen wird?<\/li><li>Interpretiert ein Mensch Erlebnisse der Vergangenheit als Wunder \u2013 und ist somit offen f\u00fcr weitere Wunder?<\/li><li>Menschen haben Sehnsucht nach Gottes wunderbaren Taten \u2013 und handeln selbst \u201ewunderbar\u201c.<\/li><li>Wunder offenbaren das Weltbild des jeweiligen Menschen, der mit ihnen konfrontiert wird. Er wird zu einer pers\u00f6nlichen Stellungnahme herausgefordert.<\/li><li>Wunder verwickeln den Menschen mit dem Weltbild Jesu Christi und dem der fr\u00fchen Gemeinde.<\/li><li>Wunder sind abh\u00e4ngig von den Vorstellungen der jeweiligen Zeit.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-color has-accent-background-color has-text-color has-background\">4. <strong>Von daher kennt die Kirchengeschichte auch unterschiedliche Interpretationsmuster:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Kritisch:&nbsp;<\/strong>Wunder gab es nicht: (a) Wundergl\u00e4ubige haben aus ihrer beschr\u00e4nkten Weltsicht Taten, Zuf\u00e4lle entsprechend interpretiert; was fr\u00fcher als Wunder galt, ist gegenw\u00e4rtig rational zu erkl\u00e4ren. (b) Gott hat es nicht n\u00f6tig, mit Wundern Menschen zu k\u00f6dern bzw. Naturgesetze zu durchbrechen. (c) Wunderberichte sind Propaganda, die dazu dienen, Leichtgl\u00e4ubige in die junge Gemeinde zu f\u00fchren. (d) Wunder sind einfach l\u00e4cherlich \u2013 es lohnt sich nicht, dar\u00fcber zu reden. (e) Wunder sind Wort gewordene Wunschvorstellungen. (f) Menschen, die heute Wunder erleben, sind einfach religi\u00f6s \u00fcberdreht. (g) Wunderglaube ist gef\u00e4hrlich, weil es hoffen l\u00e4sst, wo es keine Hoffnung mehr gibt \u2013 also Selbstbetrug. (h) Gott kann keine Wunder tun, weil es ihn nicht gibt. (i) Nur die Zeugen sind vertrauensw\u00fcrdig, die meinem Weltbild entsprechen.<\/li><li><strong>Historisch:&nbsp;<\/strong>Was ist damals wirklich geschehen, wie lief die Tradierung solcher Geschehnisse ab, in welche Gattung wurden die Berichte eingebettet\u2026<\/li><li><strong>Rationalistisch:&nbsp;<\/strong>Wunder k\u00f6nnen erkl\u00e4rt werden. Zum Beispiel: Jesus konnte auf dem See wandeln, weil das Wasser in der N\u00e4he des Ufers sehr niedrig stand, gefroren war usw\u2026. Die rationalistische Interpretation war in der vorpsychologischen Zeit relevant. Nachdem Psychologie als Wissenschaft anerkannt war, hat man Wunder auch wieder aus einer anderen Perspektive interpretieren gelernt.<\/li><li><strong>Kerygmatisch\/hermeneutisch<\/strong>: Was m\u00f6chte dieses Wunder uns in der Gegenwart sagen. Zum Beispiel: Das Wunder von der Sturmstillung soll sagen, dass Jesus nicht nur die Chaosm\u00e4chte der Natur (Wasser und Sturm) stillen kann, sondern auch die Chaosm\u00e4chte&nbsp; in den Menschen. Oder: Jesus m\u00f6chte, dass Menschen sich Reich-Gottes-konform verhalten und gegenw\u00e4rtig helfend t\u00e4tig werden \u2013 wie er selbst t\u00e4tig geworden ist. Oder: Es gilt, Menschen, die isoliert waren, in die Gemeinschaft zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/li><li><strong>Fundamentalistisch:<\/strong>&nbsp;Die Wunder sind so geschehen \u2013 wie sie berichtet werden.<\/li><li>Wunder Jesu sind<strong>&nbsp;psychologisch<\/strong>&nbsp;zu erkl\u00e4ren: Der Glaube an Jesu Kraft setzt eigene Kr\u00e4fte frei (darum sagt Jesus: <em>Dein Glaube hat dir geholfen<\/em>). Weitergehend: Der Glaube daran, dass Jesus Wunder tun konnte, f\u00fchrt weiter: Als Auferstandener kann er auch gegenw\u00e4rtig noch Wunder tun \u2013 womit wiederum bis in die Gegenwart durch den Glauben die Selbstheilungskr\u00e4fte aktiviert werden k\u00f6nnen.<\/li><li><strong>\u00dcberschneidungen:<\/strong> Die jeweiligen Interpretationen k\u00f6nnen sich auch \u00fcberschneiden. So sind rationalistische und fundamentalistische Interpretation nicht selten zwei Seiten einer Medaille: Das Wunder geschah so wie es beschrieben wird. Die Rationalisten erkl\u00e4ren freilich das, was da beschrieben wird, nicht als Wunder \u2013 also als Bruch der Naturgesetze -, sie erkl\u00e4ren es \u201enaturwissenschaftlich\u201c \u2013 in \u00dcbereinstimmung mit den Naturkonstanten. Die psychologische Interpretation kann auch mit der engen christlichen Interpretation zusammengef\u00fchrt werden: Man muss nur fest glauben, dann geschieht es schon.<\/li><li><strong>Die eigentliche christliche Interpretation<\/strong> geht einen anderen Weg: Glauben ist eine Beziehung \u2013 und Beziehungen lassen dem Gegen\u00fcber Freiraum. Glaube ist keine psychologische Selbstaktivierung \u2013 er ist Hingabe an Gott, Vertrauen darauf, dass Gott mein Leben in der Hand h\u00e4lt. Glaube ist gleichzeitig (!) Vertrauen darauf, dass Gott mir im Kampf gegen negative Erlebnisse hilft \u2013 wie Jesus sich gegen Krankheiten usw. gewendet hat. Wundertexte sprengen Rahmen. Sie sind Freiheitstexte. Sie verhindern, dass der Mensch in dem verharrt, das ihn knechtet, einsch\u00fcchtert, l\u00e4hmt. Sie weisen nach vorne &#8211; in der Kraft Gottes. Wunder und Wundertexte d\u00fcrfen nicht durch Definitionen und Erkl\u00e4rungen entkernt werden.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><em>Was Wunder betrifft, darf man sie nicht von Jesus Christus und seiner Reich-Gottes-Lehre abkoppeln, sondern muss bedenken, dass Wunder auch in weiteren Dimensionen im Glauben vorkommen: <\/em>Wie kommt es, dass es Leben gibt? Wie geht das, dass Materie lebt? Warum kann dieses Leben: denken, lieben, Welt interpretieren? Warum folgt die Natur Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten? <em>Es geht also um Gott als Sch\u00f6pfer und Erhalter der Welt. <\/em>Dar\u00fcber hinaus sind weitere wesentliche Sachverhalte im christlichen Glauben wunderbar: <em>Gott wird Mensch, die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, Leben nach dem Sterben. Wenn diese Handlungen als Handlungen Gottes geglaubt werden, ist der Glaube, dass Jesus Christus wunderbar gewirkt hat, leichter zu verstehen.<\/em> <em>Kurz: Jesus Christus selbst ist das eigentliche Wunder. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a3000f\"><strong>Aufgabe: \u00dcberlege:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30003\">Warum haben sich Berichte von Wundertaten gerade mit dem Menschen Jesus verbunden? Welche F\u00e4higkeiten hatte er, dass das geschehen konnte?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a3000a\">Wunder sind \u00fcbrigens davon abh\u00e4ngig, dass man nach dem Warum fragt \u2013 dem Kausalzusammenhang. Warum fragen wir Menschen nach dem Kausalzusammenhang? Das ist als solches ein Wunder, mit dem Gott den Menschen f\u00fcr Wunder \u00f6ffnen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30003\">Sind Wunder keine Durchbrechungen von Naturgesetzen, sondern einfach: Unsere festen Erwartungen werden unerwartet gut durchbrochen? Und zwar: als Zeichen Gottes. Naturgesetze waren den Menschen damals nicht bewusst. Entsprechend sahen sie die Wunder nicht als eine Durchbrechung der Naturgesetze an, sondern als Zeichen Gottes. K\u00f6nnen bestimmte Erlebnisse als solche auch heute wahrgenommen werden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30003\">In der Antike mussten Worte, die man den Helden zuschrieb, dessen Wesen und dessen Handeln entsprechen. So war es zum Beispiel nicht unangemessen, wenn man Caesar ein Wort in den Mund legte,sondern unangemessen, wenn man ihm ein Wort in den Mund legte, das nicht seinem \u201eCharakter\u201c entsprach. In der Antike herrschte also ein anderes Verst\u00e4ndnis vor als in der Gegenwart. Wie gehen wir damit um?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a3000a\">Wie k\u00f6nnen wir mit dem umgehen, was uns fremd erscheint? Gelten an dieser Stelle auch einige Regeln des \u201einterreligi\u00f6sen Dialogs\u201c?&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/dialog-pluralismus.html\">https:\/\/evangelische-religion.de\/dialog-pluralismus.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-accent-color has-text-color\"><strong>Vertiefung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es sieht so aus, als w\u00fcrden zumindest die Naturwunder Erfahrungen mit Jesus Christus wiedergeben, die als Geschichten erz\u00e4hlt werden. Die <strong>Oberfl\u00e4chenstruktur <\/strong>zeigt: ein Wunder. Die<strong> Tiefenstruktur<\/strong> zeigt die Erfahrung. Zum Beispiel: Jesus stillt den Sturm = Oberfl\u00e4chenstruktur. Jesus stillt die Bedrohungen des Lebens = Tiefenstruktur. Eine Menschengruppe hat die Erfahrung gemacht, dass Jesus sie in ihren Sorgen, N\u00f6ten geholfen hat. Es schien, als w\u00fcrde Jesus Christus sich nicht um sie k\u00fcmmern. Doch dann kam Hilfe. Und das versucht diese Gruppe nun mit Hilfe einer Geschichte, die vielleicht Anhaltspunkte an umlaufenden Jesus-\u00dcberlieferungen hatte, zu erz\u00e4hlen. <em>Warum als Geschichte? Eine Geschichte sagt mehr, als die Aussage: Jesus hat geholfen. <\/em>Sie bringt im H\u00f6rer und Leser etwas zum Schwingen, sie wird so zu einer Geschichte, die mir gilt, die mich etwas angeht. Insgesamt sagen diese Wunder (samt der Heilungswunder und Exorzismen): Jesus will, dass Menschen leben k\u00f6nnen, dass sie befreit leben k\u00f6nnen, dass sie keine Angst haben m\u00fcssen, als Gemeinschaft \u00fcberleben, wenn sie teilen usw. <em>Wundertexte \u00f6ffnen eine neue Sicht auf das Leben, schenken neue Perspektiven auf die Welt, die geschlossen scheint, in der Chaos herrscht, die von irgendwelchen Gesetzlichkeiten gepr\u00e4gt ist und in diesen hoffnungslos erstarrt.<\/em> Gesetzlichkeiten sind nur ein Teil des menschlichen Lebens. Der Mensch kann dar\u00fcber hinaus schauen, kann handelnd \u00dcbles bek\u00e4mpfen, hat Hoffnung, gegen allen Schein, Sehns\u00fcchte gegen alle Realit\u00e4ten, er versucht den engen Rahmen, der vorgegeben zu sein scheint, zu dehnen. Im Glauben dehnt er ihn mit Hilfe Gottes. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#2d11e0\"><strong>Auch in dieser Hinsicht hat Jesus den Menschen weiter gef\u00fchrt. Er regt in ihm an, nicht zu erstarren, sich nicht mit den scheinbaren Realit\u00e4ten zufrieden zu geben, sondern mit seiner Hilfe gegen sie anzugehen. Das nennt er \u201eGlaube\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet: Die Oberfl\u00e4chenstruktur des Textes ist nicht unwichtig. Es kommt nicht nur auf die Tiefenstruktur an, nicht nur auf den Kern, die Grundlage des Textes. Alle Ebenen stehen in Beziehung zueinander.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30003\"><strong>Aufgabe:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30003\">\u00dcberlege: Wie kann man diese Interpretation benennen, einordnen? F\u00fcge sie den oben genannten Interpretationsmustern bei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30003\">&nbsp;Auszug aus einer Predigt zu dem Text Mk 1,32-39. Bevor Du den Auszug liest, mache Dir selbst Gedanken zu dem Evangelientext. Welchen der oben genannten Interpretationen ist dieser Auszug zuzuordnen? Ist das die einzig richtige Interpretation?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJesus war sehr realistisch. Er wusste: Die Not der Menschen \u00fcbersteigt sein menschliches Dasein. Er wusste aber noch etwas: Seine Aufgabe bestand nicht allein darin, die Menschen k\u00f6rperlich zu heilen, sondern sie bestand auch darin, seelisch zu heilen. Sie bestand darin, sie durch seine Botschaft von Gottes Reich, der N\u00e4he Gottes aufzurichten, Hoffnungsk\u00f6rnchen in die Herzen und Gedanken zu pflanzen und Liebe. Das war seine eigentliche Aufgabe \u2013 und diese Aufgabe vollbrachte er nicht auf eigene Vollmacht hin \u2013 sondern er zog sich immer wieder zur\u00fcck zum Gebet. Diese kleine Notiz zeigt, dass Jesus im Einklang mit seinem himmlischen Vater lebte und handelte. Und im Einklang mit dem himmlischen Vater entzog er sich den Kranken, die in Kapernaum all ihre Hoffnungen auf ihn setzten \u2013 und er zog weiter. Und die Kranken? Sie zogen hinter ihm her. Eine unendlich lange Schlange folgte Jesus. Immerzu auf seinen Spuren suchten sie ihn, rutschten auf dem Boden, humpelten, fielen blind immer wieder auf den unebenen Wegen hin, eine endlos lange Schlange des Leids folgt Jesus seit er auf der Erde lebte, folgt und folgt ihm. Und Jesus? Manche heilt er, weil sie auf seinem Weg gerade da sind, doch die vielen, vielen nicht Geheilten suchen ihn. Und auf ihrem Weg hinter Jesus her, finden manche der Notleidenden Freunde. Sie helfen sich gegenseitig. Der Blinde wird vom Lahmenden gef\u00fchrt, der Gel\u00e4hmte wird vom Starken getragen, auch andere Menschen treffen ein, die allein Jesus sehen und h\u00f6ren wollen, auch sie erbarmen sich \u00fcber die Menschenmenge und lernen Liebe zu \u00fcben. Auf dem Weg hinter Jesus her lernen sie teilen, nicht nur Leid und Schmerz, Freude und Lachen, sondern auch ihr Brot, ihr Geld. Manche Menschen geben auf diesem schweren Weg auf \u2013 aber manche geben nicht auf und darum wird ihr Herz ver\u00e4ndert, ihre Gesinnung wird neu: Auf dem Weg hinter Jesus her w\u00e4chst ihre Liebe zu den anderen Menschen, den Not Leidenden, w\u00e4chst ihre Offenheit, ihre Hilfsbereitschaft. Menschen, die sie vorher verachtet haben, wachsen ihnen ans Herz, Menschen, die sie vorher \u00fcberhaupt nicht wahrgenommen haben, kommen ihnen ganz nahe. Und sie tun Dinge, die sie sich vorher nie zugetraut haben: Sie k\u00f6nnen pflegen, sie k\u00f6nnen gute Worte sagen, sie k\u00f6nnen warmherzig schauen und zuh\u00f6ren, ihre H\u00e4nde entwickeln Segenskr\u00e4fte \u2013 auf dem Weg, dem langen Zug der Notleidenden hinter Jesus her geschehen Wunder \u00fcber Wunder, weil sich die Herzen der Menschen ver\u00e4ndern. Jesus ist weg \u2013 einfach weg. Doch an seiner Stelle treten Menschen, die nicht das tun k\u00f6nnen, was Jesus tat, aber sie k\u00f6nnen etwas, das sehr, sehr wichtig ist: sie lernen, liebender Mensch zu sein. Sie lernen, f\u00fcr andere da zu sein, empfindsam zu werden nicht nur f\u00fcr die eigenen N\u00f6te, sondern f\u00fcr die N\u00f6te anderer.\u201c (Wolfgang Fenske:&nbsp;<a href=\"http:\/\/predigten.wolfgangfenske.de\/markus-1.html\">http:\/\/predigten.wolfgangfenske.de\/markus-1.html<\/a>&nbsp;)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#a30003\">\u00dcberlege:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Was verstehst Du unter \u201eWunder\u201c?<\/li><li>Ist das Wachsen und Bl\u00fchen einer Blume genauso als Wunder einzuordnen wie \u00fcberraschende Wendungen \u2013 zum Beispiel \u2013 in Krankheiten? Wenn ja: Warum? Wenn nein: Warum nicht?<\/li><li>Geh\u00f6rt zu einem Wunder ein Wundert\u00e4ter (z.B. Gott oder Mensch)?<\/li><li>Wie interpretierst Du das Wort, das der Kirchenvater Augustinus (354-430) gesagt haben soll: <em>\u201eDas Wunder ist nicht ein Widerspruch zu den Naturgesetzen, sondern ein Widerspruch zu dem, was wir von diesen Gesetzen wissen.\u201c<\/em><\/li><li>Das Wunder der Sturmstillung (Mk 4,35-41) steht im Markusevangelium zwischen dem Gleichnis-Kapitel (Kapitel 4) und dem Kapitel mit den Wundern (Kapitel 5,1-6,6). Warum k\u00f6nnte Markus dieses Wunder hier eingeordnet haben?<\/li><li>Hast Du selbst Erlebnisse gehabt, die Du als Wunder interpretierst? Wunder sind?<\/li><li>Welches (a) Weltbild, (b) Menschenbild, (c) Gottesbild haben die Wunderkritiker und die Wunderbef\u00fcrworter?<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#f70a29\">\u00dcberlege:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin offen f\u00fcr Gottes Wunder. Ich selbst hatte Erlebnisse, die ich als solche interpretiere. Gott kann wunderbar wirken \u2013 aber der Mensch hat auch wunderbar Phantasie. Nicht b\u00f6se gemeinte Phantasie, sondern eine \u2013 wunderbare Phantasie.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin offen f\u00fcr Gottes Wunder. Dennoch, wenn ich von Wundern h\u00f6re, bin ich eher ein zweifelnder Thomas. Gelassenheit ist auch meine Glaubensdevise: Wenn Gott will, \u00e4ndert er meine Sicht. Verkrampft glauben m\u00fcssen ist das Gegenteil von freudigem Herzen, offenem Glauben.<\/p>\n\n\n\n<p>Eric Metaxas hat neben vielen anderen B\u00fcchern (z.B. Biographien) ein interessantes Buch zum Thema Wunder geschrieben (Wunder \u2013 Entdeckungen eines Skeptikers) \u2013 und wie viel Menschen solche erleben und erlebt haben. Nur wagt man es kaum auszusprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wohl auch darum, weil man bef\u00fcrchtet, gefragt zu werden und sich auch selber fragt:<br>Warum ich? Warum nicht die vielen, vielen Menschen, die eines n\u00f6tiger h\u00e4tten? Das geh\u00f6rt mit zu den gro\u00dfen Fragen der Theodizee. Nicht nur: Warum trifft gerade mich das Leid \u2013 sondern auch: Warum trifft gerade mich das Wunder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(s. auch: https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/wunder-jesu\/ ) WUNDER JESU 1. Einleitendes Die Wundertaten Jesu sind nicht zu l\u00f6sen von dem Hauptthema seiner Botschaft: Die kommende Herrschaft Gottes, das Reich Gottes. Ausdruck dieser kommenden Herrschaft ist, dass Menschen schon in ihrem irdischen Dasein von Leiden befreit werden. 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