{"id":684,"date":"2019-07-02T15:42:03","date_gmt":"2019-07-02T13:42:03","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=684"},"modified":"2022-07-28T16:16:56","modified_gmt":"2022-07-28T14:16:56","slug":"lebte-jesus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/lebte-jesus\/","title":{"rendered":"Lebte Jesus?"},"content":{"rendered":"\n<p>(s. auch: <a href=\"https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/lebte-jesus\/\">https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/lebte-jesus\/<\/a> )<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">NOTIZ: HAT JESUS VON NAZARETH WIRKLICH GELEBT?<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zeit vor der Historisch-Kritischen-Exegese staunte man \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfe, die Bedeutung dieses Menschen Jesus von Nazareth \u2013 und dass er gelebt hat, war zumindest f\u00fcr Jean-Jacques Rousseau (\u00c9mile) klar: S<em>o etwas Gro\u00dfartiges k\u00f6nne man sich nicht ausdenken, eine solche Lieblichkeit, Reinheit im Verhalten, Anmut in den Forderungen, Erhabenheit in den Prinzipien, Weisheit, Geistesgegenwart, Scharfsinn, Kontrolle \u00fcber Leidenschaften\u2026 \u2013 der Autor, der sich so etwas ausgedacht h\u00e4tte, w\u00e4re gr\u00f6\u00dfer als sein Held.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Seither hat man jedoch wissenschaftlich haltbare Kriterien gefunden, um zu belegen, dass Jesus von Nazareth wirklich gelebt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#eee463\"><strong>1. Zun\u00e4chst innere Kriterien und \u00e4u\u00dfere Kriterien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Innere Kriterien&nbsp;<\/strong>werden zum Beispiel aus den Texten \u2013 hier Evangelien \u2013 selbst erhoben: Welcher Gattung geh\u00f6ren sie an? Geht es um Romane, Erz\u00e4hlungen \u2013 oder um biographische Texte? Geben sie ein in sich geschlossenes Bild \u2013 das bei Romanen abgerundeter ist als bei biographischen Texten, in denen Gedankenspr\u00fcnge, Ungereimtheiten, Sackgassen-Themen eher zu finden sind, weil das Leben eben nicht so abgerundet pr\u00e4sentiert werden kann wie ein Roman?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00c4u\u00dfere Kriterien<\/strong>&nbsp;untersuchen, ob die Aussagen des Textes mit anderen unabh\u00e4ngigen \u00dcberlieferungen \u00fcbereinstimmen, ob es arch\u00e4ologische Belege f\u00fcr die Aussagen des Textes gibt. Dazu geh\u00f6rt auch eine Untersuchung des \u00dcberlieferungsweges und dessen Vertrauensw\u00fcrdigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#eee463\"><strong>2. Fragen nach dem Historischen Jesus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(s.&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/jesus-in-der-bibel\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/jesus-in-der-bibel\/<\/a>&nbsp;)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu 1.: Innere Kriterien:<\/strong> Es ist deutlich, dass die Evangelien aus tradiertem Material versuchen, etwas Abgerundetes zu schaffen. Dass vorliegendes Material verarbeitet wurde und dass die Evangelien bzw. das erste Evangelium nicht als Roman, Erz\u00e4hlung konzipiert wurde, l\u00e4sst sich an zahlreichen <em>Spannungen und Sackgassen-Themen<\/em> erkennen. Sackgassen-Themen sind Themen, die angesprochen aber im Werk nicht weiter ausgef\u00fchrt werden. Wesentlich ist zudem, dass die einzelnen Erz\u00e4hlungen jeweils <em>Lokalkolorit<\/em> (Ort-F\u00e4rbung) aufweisen: Geschichten aus dem Bereich des Sees Genezareth haben andere Erz\u00e4hl-Elemente als Geschichten aus dem heidnischen Bereich (Dekapolis) bzw. aus dem Jericho\/Bethanien\/Jerusalem-Bereich. Das hei\u00dft mit Blick auf Wunder Jesu: Er hat \u00fcberall Wunder gewirkt \u2013 sie wurden aber mit ein paar unterschiedlichen Elementen&nbsp; (je nach Entstehungsort) erz\u00e4hlt. Die Evangelien selbst geh\u00f6ren der Gattung \/ dem Genre <em>Biographie<\/em> an, so wie in der Antike biographische Texte geschrieben wurden. Sie unterscheiden sich von Mythen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00c4u\u00dfere Kriterien:<\/strong>&nbsp;Aussagen \u00fcber die Landschaft, Brunnen, Stadtmauern, politische und gesellschaftliche Situation in den jeweiligen Gebieten, lassen sich nachweisen. So ist zum Beispiel in Kapernaum tats\u00e4chlich r\u00f6misches Heer stationiert gewesen, Nazareth liegt in h\u00fcgligem Gebiet\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den \u00e4u\u00dferen Kriterien ist auch zu z\u00e4hlen, dass es ab dem 2. Jahrhundert eine nachweisbare <em>\u00dcberlieferungskette<\/em> gegeben hat. Auch wenn diese hier und da nachtr\u00e4glich gesch\u00f6nt worden sein kann, wird doch sichtbar, dass es innerhalb der ca. 50-70 Jahre nach Niederschrift der Evangelien Versuche gab, die \u00dcberlieferung zu sichern: Apostel &gt; Apostelsch\u00fcler (Evangelisten) &gt; Sch\u00fcler der Apostelsch\u00fcler &gt; R\u00fcckblick (Papias, Polycarp, Iren\u00e4us) \u2013 kurz: Man kannte sich noch. Der Sch\u00fcler berichtet von seinem Lehrer, der noch einen Apostel gekannt hat, der J\u00fcnger Jesu war usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den \u00e4u\u00dferen Kriterien geh\u00f6ren die <em>au\u00dferneutestamentlichen Jesus-\u00dcberlieferungen<\/em> bzw. zum Teil die parallel zu den Evangelien entstandenen Berichte von Heiden und Juden:&nbsp;<strong>Josephus<\/strong>&nbsp;(Jesus, der Christus genannt wird, Bruder des Jakobus [wohl wird der bekanntere Jesus als Bruder genannt, weil man nicht wusste, wessen Sohn er war]) und ebenso ist eine weitere Stelle des Josephus zwar von Christen \u00fcberarbeitet worden, aber in der Grundlage noch vorhanden (Jesus war ein weiser Mensch, der unglaubliche Taten getan und gelehrt hat und gekreuzigt wurde. Anh\u00e4nger blieben ihm treu),&nbsp;<strong>Tacitus<\/strong>&nbsp;(Christus \u2013 unter Pontius Pilatus verurteilt),&nbsp;<strong>Sueton<\/strong>&nbsp;(Aufstand der Juden wegen eines Mannes mit Namen Chrestos),&nbsp;<strong>Plinius&nbsp;<\/strong>(nach der Folter zweier Christinnen hat er letztlich erfahren: Christen verehren den Menschen Christus und nicht den Kaiser),&nbsp;<strong>Thallus&nbsp;<\/strong>(um 50) erw\u00e4hnt bei der Kreuzigung Jesu eine Sonnenfinsternis (was im Jahr 220 kritisiert wird). Ein Brief bei&nbsp;<strong>Mara Bar Serapion<\/strong>&nbsp;(aus dem 1.\/2. Jahrhundert) erw\u00e4hnt: Was nutzte den Juden die Hinrichtung ihres weisen K\u00f6nigs? Weitere verneinen Jesu Existenz nicht, so zum Beispiel der Talmud und die gro\u00dfen Christenkritiker&nbsp;<strong>Kelsos\/Celsus<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Lukian von Samosata<\/strong>&nbsp;(beide 2. Jahrhundert).<\/p>\n\n\n\n<p>Weiteres &#8211; auch arch\u00e4ologische Funde &#8211; s. <a href=\"https:\/\/jesus-der-christus.org\/index.php\/Historizit%C3%A4t_Jesu_Christi\">https:\/\/jesus-der-christus.org\/index.php\/Historizit%C3%A4t_Jesu_Christi<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#c7be3d\"><strong>Bemerkung: Warum gibt es so wenig Infos au\u00dferchristlicher Schriften \u00fcber Jesus? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus war in seiner Zeit keine gro\u00dfe Ber\u00fchmtheit. Er hat die unwichtigen Leute in der Provinz angesprochen, war in seiner Zeit ein eher unscheinbarer Lehrer, starb am Kreuz. Selbst Aufst\u00e4ndische sind h\u00e4ufig nur eine Randnotiz Wert, wenn ihre Taten ihre Zeitgenossen nicht intensiv erregt haben \u2013 entsprechend wissen wir von Christen in au\u00dferchristlichen Texten im Zusammenhang von Auseinandersetzungen der Gemeinde mit dem Umfeld (Josephus, Sueton, Tacitus, Plinius) \u2013 oder auch bedeutende Personen wie K\u00f6nig Agrippa wie auch Pilatus werden bei Tacitus nur in einem Satz erw\u00e4hnt. Leider k\u00f6nnen wir nicht wissen, was in Jerusalem im Krieg 70 und dem Aufstand 132-135 n.Chr. alles zerst\u00f6rt worden ist. Damit darf man nicht argumentieren (mit dem, was nicht da ist), aber man darf es zu bedenken geben. Es sind insgesamt viele Schriften der Historiker oder Teile davon verloren gegangen. Von dem oben genannten Tacitus fehlen zum Beispiel leider gerade die Aufzeichnungen \u00fcber die Jahre 29-32. Allerdings: Manchmal wird gesagt: Wir w\u00fcssten von Herodes so viel mehr als von Jesus. Er war Herrscher. Aber dennoch: Im Wesentlichen wissen wir von Herodes abgesehen von ein paar Notizen und arch\u00e4ologischen Funden, nur \u00fcber Josephus, der auch Quellen aufgenommen und eigenst\u00e4ndig verarbeitet hat. Von anderen Gro\u00dfen, zum Beispiel Alexander, wissen wir nur aus Quellen, die einige Jahrhunderte nach seinem Leben geschrieben wurden. Sie nahmen zwar \u00e4ltere Quellen auf, aber von denen wei\u00df man nichts mehr. Ebenso sind die Handschriften mancher Quellen recht jung. Um Tacitus wieder zu erw\u00e4hnen: die B\u00fccher 11-16 stammen von einer Handschrift aus dem 11. Jahrhundert! Auch das Leben Jesu muss durch diese Brille gesehen werden. Dann staunt man allerdings, was wir alles wissen \u2013 und zwar von Quellen, die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig zeitnah entstanden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#eee463\"><strong>3. Die Besonderheiten des Menschen Jesus von Nazareth<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass Jesus in Israel gelebt hat, wird nicht mehr ernsthaft bestritten. Umstritten ist jedoch: Welche Worte und Taten k\u00f6nnen tats\u00e4chlich auf Jesus zur\u00fcckgef\u00fchrt werden, was ist sp\u00e4ter aus dem Glauben der Gemeinde zur Vita Jesu hinzugekommen? Diese Untersuchungen sind \u00e4u\u00dferst kompliziert und die Fragestellungen wurden unter \u201eBibel+Jesus\u201c genannt. Es l\u00e4sst sich aber ein Duktus erkennen, der Jesus als besonderen Menschen erkennen l\u00e4sst:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Jesus konnte Menschen von Krankheiten befreien \u2013 Wunder tun, wie auch immer diese Befreiungstaten zu verstehen sind.<\/li><li>Jesus hatte eine besondere Art, alttestamentliche Gebote und das zeitgen\u00f6ssische Gottesbild aufzugreifen und zu pr\u00e4gen.<\/li><li>Jesus hatte ein gro\u00dfes Selbstbewusstsein, das es ihm erm\u00f6glichte, J\u00fcnger\/Sch\u00fcler um sich zu sammeln und sie auszusenden.<\/li><li>Jesu Lehre wurde gepr\u00e4gt von der Erwartung der Gottesherrschaft \u2013 die mit einer ganz besonderen Ethik zu verbinden ist: Gott liebt \u2013 der Mensch liebt. Und mit dem Wort \u201eLiebe\u201c sind viele Konnotationen verbunden, zum Beispiel: Vergebung, teilen, Gemeinschaft\u2026<\/li><li>Leidensbereitschaft um Gottes Willen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Zudem muss beachtet werden: Wenn ein Autor mit seinem Text bewusst eine Absicht verbindet, dann hei\u00dft das bis in die Gegenwart nicht, dass die historischen Hinweise falsch sind. Dann m\u00fcsste man zum Beispiel s\u00e4mtlichen B\u00fcchern, die vor Faschismus oder Kommunismus warnen, misstrauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#eee463\"><strong>4. Gemeinde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Besonderheiten Jesu f\u00fchrten dazu, dass die J\u00fcnger\/Sch\u00fcler und andere nach dem Sterben Jesu seine Sache weiterf\u00fchrten. Doch nicht nur das: Es muss eine besondere Erfahrung vorliegen, dass der hingerichtete Jesus von Gott auferweckt worden ist \u2013 zum Christus gemacht wurde. Und diese Erfahrung pr\u00e4gte das Verhalten der Glaubenden und freilich auch die Erz\u00e4hlungen und Berichte \u00fcber ihn. Doch das nicht gleicherma\u00dfen: So gibt es Geschichten, die noch auf den irdischen Jesus zur\u00fcckgehen neben Geschichten, die den irdischen Jesus mit dem geglaubten Jesus Christus verbinden. Diese Verbindungen finden wir in unterschiedlicher Intention in den Evangelien wieder. Im Johannesevangelium ist sie besonders ausgepr\u00e4gt. Aus der Perspektive der Auferstehungserfahrung konnten Erlebnisse mit dem irdischen Jesus von Nazareth nachtr\u00e4glich neu gedeutet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(s. auch: https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/lebte-jesus\/ ) NOTIZ: HAT JESUS VON NAZARETH WIRKLICH GELEBT? 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