{"id":682,"date":"2019-07-02T15:41:09","date_gmt":"2019-07-02T13:41:09","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=682"},"modified":"2019-08-01T08:42:57","modified_gmt":"2019-08-01T06:42:57","slug":"jesusforschung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/jesusforschung\/","title":{"rendered":"Jesusforschung"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-medium-font-size\">JESUS-FORSCHUNG<\/p>\n\n\n\n<p>Seit einigen Jahrhunderten versucht man, Jesus auf wissenschaftlicher Basis zu erforschen. Ans\u00e4tze gab es schon vorher. Eher neu war der Ausgangspunkt: Einmal wollte man zeigen, dass die Kirche mit ihrem Glauben falsch liege, dann wollte man zeigen, dass Jesus selbst im Grunde keine Relevanz hat. \u201eEher neu\u201c darum, weil solche Ans\u00e4tze auch schon in der Antike von Kritikern der Christen ge\u00e4u\u00dfert wurden (Celsus, Porphyrius). Dass die moderne Jesusforschung trotz ihrer Methoden auch immer den Forscher widerspiegelt, das hat vor ca. 100 Jahren Albert Schweitzer gezeigt, was sich bis jetzt wenig ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#20a300;text-align:center\" class=\"has-text-color\">Was jedoch deutlich ist: Die Jesusforschung trennt zwischen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><em>irdischer<\/em> Jesus (den man nicht mehr richtig erfassen kann)<\/li><li><em>historischer<\/em> Jesus (den irdischen Jesus, soweit man ihn [vermeintlich] aus den Quellen erarbeiten kann)<\/li><li><em>biblischer<\/em> Jesus (Vermischung des irdischen Jesus mit dem Jesus des Glaubens)<\/li><li><em>Jesus des Glaubens<\/em> (Jesus im Wesentlichen als Christus aufgrund seiner Auferstehung und der Geistgabe).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das bedeutet, dass wir nur einen kleinen Bereich des irdischen Jesus historisch untersuchen k\u00f6nnen, diesen Bereich k\u00f6nnen wir nur aufgrund der Wirkungsgeschichte Jesu, also nur durch die Brille anderer sehen. Das Problem besteht dar\u00fcber hinaus wie im Kontext einer jeden Biographie: Der Mensch ist nicht als Gesamtwesen zu erfassen, sondern nur ausschnittartig. Und so legt jeder seine eigenen Schwerpunkte. Das Problem ist damit nicht der historisch betrachtete Mensch, sondern der Forscher als Mensch. Um ein genaues, m\u00f6glichst neutrales Bild zu bekommen, entwickelte man Methoden. Sie helfen weiter. Sie d\u00fcrfen jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass auch derjenige, der sie anwendet, weltanschaulichen Pr\u00e4missen unterworfen ist, ob er nun an Jesus Christus glaubt, ob er den Menschen Jesus bewundernd in den Blick nehmen will oder ihn aus welchen Gr\u00fcnden auch immer destruierend ablehnt. Zudem sind die jeweiligen Methoden auch Ausdruck ihrer Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a3005d;text-align:center\" class=\"has-text-color\"><strong>(Diese Seite ist noch nicht fertig \u2013 sie wird weiter fortgef\u00fchrt werden.)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#2aa300;text-align:center\" class=\"has-text-color\">1. Ansatz: Trennung des eigentlichen Jesus von der Christus-Verk\u00fcndigung der Kirche (Trennung irdischer Jesus und Jesus des Glaubens\/biblischer Jesus) (Glaube = Erfindung der J\u00fcnger)<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Jesus wollte ein weltliches Reich aufrichten \u2013 nach\u00f6sterlicher Glaube = Betrug (<strong>Reimarus<\/strong>)<\/li><li>Jesus war ein reiner Mensch \u2013 er ist nicht nur von Christen\/Kirche, sondern auch vom Judentum zu trennen (<strong>Renan<\/strong>)<\/li><li>Trennung Jesu vom christlichen Glauben: Jesus lehrte im Grunde nur Vertrauen in N\u00e4chsten und Sch\u00f6pfung (<strong>Funk<\/strong>)<\/li><li>Jesus hat nichts Neues gebracht, er hat alttestamentliche und hellenistische Gedanken auf Wesentliches konzentriert und Gott gelehrt (nicht sich selbst): Vaterliebe Gottes und Wert der Seele (<strong>von Harnack<\/strong>)<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p style=\"color:#00a311;text-align:center\" class=\"has-text-color\">2. Ansatz: Untersuchung der Bedeutung der fr\u00fchchristlichen Autoren (Redaktionskritik) und der Gemeinde (Formgeschichte) f\u00fcr die Jesus\u00fcberlieferung<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Bewunderer Jesu haben ihre Idee von g\u00f6ttlicher Menschlichkeit in Jesus hineinprojiziert (<strong>Strau\u00df<\/strong>)<\/li><li>Jesus ist die Personifizierung eines Mythos (<strong>Drews<\/strong>)<\/li><li>Auseinandersetzung in der fr\u00fchen Christenheit \u2013 These-Antithese-Synthese = J\u00fcdisch: Gesetzeskirche \u2013 Paulus: Geistkirche \u2013 Johannesevangelium: fr\u00fchkatholische Kirche (<strong>Ferdinand Christian Baur<\/strong>)<\/li><li>Evangelisten verbanden Jesus mit ihrer eigenen theologischen Intention (<strong>Wrede<\/strong>)<\/li><li>Evangelisten waren Ausdruck ihrer Gemeinde (Formgeschichte:\u00a0<strong>Bultmann<\/strong>)<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p style=\"color:#00a302;text-align:center\" class=\"has-text-color\">3. Ansatz: Zusammenf\u00fchrung Jesus Christus und Evangelisten\/Gemeinde (Glaube geht auf Jesus zur\u00fcck)<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Evangelisten haben auf der Botschaft Jesu aufgebaut, sie haben nicht unbedingt nur Neues gebracht (<strong>F.Ch. Baur, K\u00e4semann<\/strong>)<\/li><li>(Manche Ans\u00e4tze von 2.)<\/li><li>Kriterien der Jesusforschung: Differenz-, Koh\u00e4renz-, Plausibilit\u00e4ts-Kriterium usw., um genauer sagen zu k\u00f6nnen, was jesuanisch, was gemeindlich ist (z.B. K\u00e4semann)<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p style=\"color:#2fa300;text-align:center\" class=\"has-text-color\">4. Ansatz: Deutungen Jesu (psychologisch und sozialgeschichtlich)<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Psychische Entwicklung Jesu (<strong>Holtzmann<\/strong>)<\/li><li>Er geh\u00f6rt Gruppen seiner Zeit an: Apokalyptikern (<strong>Wei\u00df, Schweitzer<\/strong>), Wandercharismatikern (<strong>Thei\u00dfen<\/strong>), war j\u00fcdischer Reformer (<strong>Sanders<\/strong>), geh\u00f6rte verschiedenen anderen j\u00fcdischen Gruppen an (z.B. Essenern [<strong>Thiering<\/strong>], Pharis\u00e4ern [<strong>Leon da Modena<\/strong>]), Weisheitslehrern (<strong>Ebner<\/strong>); hinzu kommen: feministische Exegese (<strong>Sch\u00fcssler-Fiorenza, Schottroff<\/strong>) und weitere soziologische Einordnungen der Neuzeit. Dass Jesus als Jude seiner Zeit \u2013 in Auseinandersetzung mit Str\u00f6mungen seiner Zeit \u2013 zu verstehen ist, ist eine gesicherte Grundlage der historisch-kritischen Exegese (vgl. auch\u00a0<strong>Flusser, Lapide, Schalom Ben Chorin<\/strong>).<\/li><li>Thematische Ausgangspunkte (z.B. Gerechtigkeit) zur Deutung Jesu.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p style=\"color:#12a300;text-align:center\" class=\"has-text-color\">5. Ansatz: Irdischen Jesus kann man nicht vom Jesus des Glaubens trennen (kerygmatisch)<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Im NT finden wir den verk\u00fcndigten Jesus \u2013 den historischen Jesus kann man davon nicht isolieren (<strong>K\u00e4hler<\/strong>)<\/li><li>Die eigentliche Botschaft Jesu ist vom Mythos zu l\u00f6sen und existentiell zu ergreifen \u2013 entsprechend versuchten die fr\u00fchen Christen Jesus aus ihrer Zeit heraus zu verk\u00fcndigen, damit er in ihrer Zeit existentiell ergriffen werden kann (<strong>Bultmann<\/strong>)<\/li><li>Theologische und historische Sicht bedingen einander (<strong>Wright<\/strong>)<\/li><li>Theologische Sicht wird durch die historisch-kritische Interpretation best\u00e4tigt (<strong>Craig<\/strong>)<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p style=\"color:#08a300;text-align:center\" class=\"has-text-color\">6. Ansatz: Radikale Skeptiker<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Von Jesus wei\u00df man so gut wie nichts (Jesus-Seminar:\u00a0<strong>Crossan, Borg, L\u00fcdemann<\/strong>)<\/li><li>Von Jesus kann man nichts wissen (<strong>Deschner, Detering<\/strong>)<\/li><li>Jesus sei literarisches Produkt (<strong>Bruno Bauer, Kalthoff<\/strong>)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p style=\"color:#08a300;text-align:center\" class=\"has-text-color\">7. Ansatz: Erinnerungskultur<\/p>\n\n\n\n<p>Im Augenblick versucht man mit Hilfe der \u201eErinnerungskultur\u201c unterschiedliche Aspekte des Lebens Jesu bzw. der Forschung zusammenzufassen, neue Nuancen zu erkennen (<strong>Dunn<\/strong>). Dazu geh\u00f6rt aus meiner Perspektive auch: Jesus ist mit Hilfe des Landes, in dem er wirkte, zu verstehen (<strong>Pixner<\/strong>: Galil\u00e4a\/Israel als f\u00fcnftes Evangelium)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#2fa300;text-align:center\" class=\"has-text-color\">8. Ansatz: Gegenw\u00e4rtige Interpreten kommen in den Blick: Jesusbild Produkt der Interpreten<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Interpreten legen ihre eigene Intention in die Jesus-Deutung hinein \u2013 aber es gibt einen wahren Kern. Wer sich mit der Botschaft Jesu besch\u00e4ftigt, wird von ihm (dem Christus) ergriffen (<strong>Schweitzer<\/strong>)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#34a300;text-align:center\" class=\"has-text-color\">9. Meine Sicht <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/glaubensdiskussion.wolfgangfenske.de\/sites\/17_12\/17_12_11_jesus_christus.html\">https:\/\/glaubensdiskussion.wolfgangfenske.de\/sites\/17_12\/17_12_11_jesus_christus.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Anzumerken ist noch, dass es viele Jesusforscher und Autoren von Jesusb\u00fcchern gibt, die hier nicht erw\u00e4hnt wurden: die der so genannten Bultmann-Schule angeh\u00f6ren, oder auch\u00a0<strong>Joachim Gnilka<\/strong>,\u00a0<strong>J\u00fcrgen Becker,<\/strong>\u00a0<strong>Joseph Ratzinger\u00a0<\/strong>(Bendikt XVI.),\u00a0<strong>John P. Meier<\/strong>\u2026.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#03a300;text-align:center\" class=\"has-text-color\">10. Anmerkungen zu Jesusdestruktionen<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Kampf gegen Jesus ist darin begr\u00fcndet, dass man den Kirchen den Boden entziehen m\u00f6chte \u2013 und das mit Hilfe verschiedener \u00dcberlegungen:<\/li><li>Jesus war ein Mensch seiner Zeit, der f\u00fcr heute keine Relevanz hat, im Gegenteil, sehr unangenehm ist (und es werden Aspekte aufgegriffen, die heute unangenehm sind: D\u00e4monen, H\u00f6lle\u2026)<\/li><li>Jesus hat gar nicht gelebt (er ist ein Mythos, Literarisches Produkt, \u2026)<\/li><li>Man wei\u00df von Jesus nichts mehr<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Alle klugen Jesus-Kritiker k\u00f6nnen allerdings nicht sagen, sondern nur vermuten, warum ausgerechnet der aus dieser Perspektive \u00fcble, nichtssagende Mensch Jesus von Nazareth heute noch rezipiert wird. Wenn der Glaube keinen Anhaltspunkt an diesem Menschen hat \u2013 liegt es dann am lebendigen Jesus Christus? F\u00fcr Jesus-Kritiker nicht. Denn er ist nicht lebendig, sondern eben gestorben wie jeder Mensch. Aber wie konnte sich das alles an diesen Menschen anranken?<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Paulus war der Grund. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er Christen verfolgt hatte \u2013 dann wurde er aufgrund seines schlechten Gewissens Christ, so eine Deutung.<\/li><li>Der Mythos rankte sich an diesen Menschen an \u2013 doch warum gerade an Jesus von Nazareth, wenn er doch keine wirkliche Relevanz besa\u00df?<\/li><li>Und so gibt es unterschiedliche Antworten:<\/li><li>Jesus war ein Betr\u00fcger, der Menschen die Augen vernebelte (schamanistische Kr\u00e4fte, Drogen),<\/li><li>die J\u00fcnger waren Betr\u00fcger, weil sie Arbeitsscheu waren, recht behalten wollten mit ihrem Messias,<\/li><li>die J\u00fcnger waren psychisch labil und haben sich selbst irgendwie psychisch wieder aufgep\u00e4ppelt \u2013 wom\u00f6glich war es Maria von Magdala, Petrus\u2026<\/li><li>Jesus war gar nicht gestorben \u2013 was die J\u00fcnger nicht gemerkt hatten \u2013 und glaubten, er sei auferstanden, und dadurch, dass er nach Kaschmir ausgewandert ist, h\u00f6rten die Jesus-Erscheinungen auf, was die J\u00fcnger aber irgendwie alles nicht bemerkt haben\u2026 \u2013 kurz: viele Theorien gehen von einer unermesslichen Beschr\u00e4nktheit der J\u00fcnger aus.<\/li><li>Es gibt eine sehr gro\u00dfe Menge an Versuche (ein paar habe ich in meinem Buch: \u2026\u00a0<em>und noch ein Jesus<\/em>\u00a0dargestellt, bzw. auch in meinem Buch:\u00a0<em>Wie Jesus zum Arier gemacht wurde<\/em>) Jesus zu destruieren. Hierzu ist im Wesentlichen zu sagen: Man kann viel Herumspekulieren. Doch die Frage steht immer am Ausgangspunkt: Warum sollte sich all das an den Menschen Jesus von Nazareth anranken? Die Antwort wird immer lauten: weil er aus der Perspektive seiner Anh\u00e4nger etwas Besonderes war\/ist. Das aus meiner Perspektive einzige Argument gegen den historischen Jesus w\u00e4re: Jesus ist ein literarisches Produkt. Aber. Das l\u00e4sst sich in keiner Hinsicht nachweisen. Das hei\u00dft: Auch diese Kritiken m\u00fcssen sich einer historischen Kritik unterziehen lassen.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>JESUS-FORSCHUNG Seit einigen Jahrhunderten versucht man, Jesus auf wissenschaftlicher Basis zu erforschen. Ans\u00e4tze gab es schon vorher. 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