{"id":682,"date":"2019-07-02T15:41:09","date_gmt":"2019-07-02T13:41:09","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=682"},"modified":"2026-09-17T10:05:00","modified_gmt":"2026-09-17T08:05:00","slug":"jesusforschung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/jesusforschung\/","title":{"rendered":"Jesusforschung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">JESUS-FORSCHUNG<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit einigen Jahrhunderten versucht man, Jesus auf wissenschaftlicher Basis zu erforschen. Ans\u00e4tze gab es schon vorher. Eher neu war der Ausgangspunkt: Einmal wollte man zeigen, dass die Kirche mit ihrem Glauben falsch liege, dann wollte man zeigen, dass Jesus selbst im Grunde keine Relevanz hat. \u201eEher neu\u201c darum, weil solche Ans\u00e4tze auch schon in der Antike von Kritikern der Christen ge\u00e4u\u00dfert wurden (Celsus, Porphyrius). Dass die moderne Jesusforschung trotz ihrer Methoden auch immer den Forscher widerspiegelt, das hat vor ca. 100 Jahren Albert Schweitzer gezeigt, was sich bis jetzt wenig ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\">Was jedoch deutlich ist: Die Jesusforschung trennt zwischen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>irdischer<\/em> Jesus (den man nicht mehr richtig erfassen kann)<\/li>\n\n\n\n<li><em>historischer<\/em> Jesus (den irdischen Jesus, soweit man ihn [vermeintlich] aus den Quellen erarbeiten kann)<\/li>\n\n\n\n<li><em>biblischer<\/em> Jesus (Vermischung des irdischen Jesus mit dem Jesus des Glaubens)<\/li>\n\n\n\n<li><em>Jesus des Glaubens<\/em> (Jesus im Wesentlichen als Christus aufgrund seiner Auferstehung und der Geistgabe).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet, dass wir nur einen kleinen Bereich des irdischen Jesus historisch untersuchen k\u00f6nnen, diesen Bereich k\u00f6nnen wir aufgrund der Wirkungsgeschichte Jesu, also durch die Brille anderer sehen. Das Problem besteht dar\u00fcber hinaus wie im Kontext einer jeden Biografie: Der Mensch ist nicht als Gesamtwesen zu erfassen, sondern nur ausschnittartig. Und so legt jeder seine eigenen Schwerpunkte. Das Problem ist damit nicht der historisch betrachtete Mensch, sondern der Forscher als Mensch. Um ein genaues, m\u00f6glichst neutrales Bild zu bekommen, entwickelte man Methoden. Sie helfen weiter. Sie d\u00fcrfen jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass auch derjenige, der sie anwendet, weltanschaulichen Pr\u00e4missen unterworfen ist, ob er nun an Jesus Christus glaubt, ob er den Menschen Jesus bewundernd in den Blick nehmen will oder ihn aus welchen Gr\u00fcnden auch immer destruierend ablehnt. Zudem sind die jeweiligen Methoden auch Ausdruck ihrer Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Folgenden versuche ich eine Einordnung, wobei freilich bewusst sein muss, dass ein reines Schubladendenken auch hier nicht angemessen ist. Es gibt \u00dcberg\u00e4nge, Wandlungen, vorsichtige Formulierungen. Eine Grundtendenz, wie ich sie zu erkennen meine, sei hier wiedergegeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>1. Ansatz: Trennung des eigentlichen Jesus von der Christus-Verk\u00fcndigung der Kirche (Trennung irdischer Jesus und Jesus des Glaubens\/biblischer Jesus) (Glaube = Erfindung der J\u00fcnger)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Jesus wollte ein weltliches Reich aufrichten \u2013 nach\u00f6sterlicher Glaube = Betrug (<strong>Reimarus<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Jesus war ein reiner Mensch \u2013 er ist nicht nur von Christen\/Kirche, sondern auch vom Judentum zu trennen (<strong>Renan<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Trennung Jesu vom christlichen Glauben: Jesus lehrte im Grunde nur Vertrauen in N\u00e4chsten und Sch\u00f6pfung (<strong>Funk<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Jesus hat nichts Neues gebracht, er hat alttestamentliche und hellenistische Gedanken auf Wesentliches konzentriert und Gott gelehrt (nicht sich selbst): Vaterliebe Gottes und Wert der Seele (<strong>von Harnack<\/strong>)<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>2. Ansatz: Untersuchung der Bedeutung der fr\u00fchchristlichen Autoren (Redaktionskritik) und der Gemeinde (Formgeschichte) f\u00fcr die Jesus\u00fcberlieferung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Bewunderer Jesu haben ihre Idee von g\u00f6ttlicher Menschlichkeit in Jesus hineinprojiziert (<strong>Strau\u00df<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Jesus ist die Personifizierung eines Mythos (<strong>Drews<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Auseinandersetzung in der fr\u00fchen Christenheit \u2013 These-Antithese-Synthese = J\u00fcdisch: Gesetzeskirche \u2013 Paulus: Geistkirche \u2013 Johannesevangelium: fr\u00fchkatholische Kirche (<strong>Ferdinand Christian Baur<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Evangelisten verbanden Jesus mit ihrer eigenen theologischen Intention (<strong>Wrede<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Evangelisten waren Ausdruck ihrer Gemeinde (Formgeschichte:&nbsp;<strong>Bultmann<\/strong>)<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>3. Ansatz: Zusammenf\u00fchrung Jesus Christus und Evangelisten \/ Gemeinde (Glaube geht auf Jesus zur\u00fcck)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Evangelisten haben auf der Botschaft Jesu aufgebaut, sie haben nicht unbedingt nur Neues gebracht (<strong>F.Ch. Baur, K\u00e4semann<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>(Manche Ans\u00e4tze von 2.)<\/li>\n\n\n\n<li>Kriterien der Jesusforschung: Differenz-, Koh\u00e4renz-, Plausibilit\u00e4ts-Kriterium usw., um genauer sagen zu k\u00f6nnen, was jesuanisch, was gemeindlich ist (z.B. K\u00e4semann)<\/li>\n\n\n\n<li>Kriterien sind anzuwenden (<strong>J. Becker, Strecker<\/strong> und <strong>J.P. Meier<\/strong> in unterschiedlicher Intension). Radikaler Skepsis wird nicht gefolgt. Jesus wird im Judentum verankert (ebenso: <strong>E.P. Sanders; Geza Vermes<\/strong>)<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>4. Ansatz: Deutungen Jesu (psychologisch und sozialgeschichtlich)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Psychische Entwicklung Jesu (<strong>Holtzmann<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Er geh\u00f6rt Gruppen seiner Zeit an: Apokalyptikern (<strong>Wei\u00df, Schweitzer<\/strong>), Wandercharismatikern (<strong>Thei\u00dfen<\/strong>), war j\u00fcdischer Reformer (<strong>Sanders<\/strong>), geh\u00f6rte verschiedenen anderen j\u00fcdischen Gruppen an (z.B. Essenern [<strong>Thiering<\/strong>], Pharis\u00e4ern [<strong>Leon da Modena<\/strong>]), Weisheitslehrern (<strong>Ebner<\/strong>); hinzu kommen: feministische Exegese (<strong>Sch\u00fcssler-Fiorenza, Schottroff<\/strong>) und weitere soziologische Einordnungen der Neuzeit. Dass Jesus als Jude seiner Zeit \u2013 in Auseinandersetzung mit Str\u00f6mungen seiner Zeit \u2013 zu verstehen ist, ist eine gesicherte Grundlage der historisch-kritischen Exegese (vgl. auch&nbsp;<strong>Flusser, Lapide, Schalom Ben Chorin<\/strong>).<\/li>\n\n\n\n<li>Thematische Ausgangspunkte (z.B. Gerechtigkeit) zur Deutung Jesu.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>5. Ansatz: Irdischen Jesus kann man nicht vom Jesus des Glaubens trennen (kerygmatisch)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Im NT finden wir den verk\u00fcndigten Jesus \u2013 den historischen Jesus kann man davon nicht isolieren (<strong>K\u00e4hler<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Die eigentliche Botschaft Jesu ist vom Mythos zu l\u00f6sen und existentiell zu ergreifen \u2013 entsprechend versuchten die fr\u00fchen Christen Jesus aus ihrer Zeit heraus zu verk\u00fcndigen, damit er in ihrer Zeit existentiell ergriffen werden kann (<strong>Bultmann<\/strong>). W\u00e4hrend f\u00fcr Bultmann der &#8222;historische Jesus&#8220; nicht so relevant war, war er das f\u00fcr <strong>Bornkamm<\/strong> und <strong>K\u00e4semann<\/strong>.<\/li>\n\n\n\n<li>Theologische und historische Sicht bedingen einander (<strong>Wright<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Theologische Sicht wird durch die historisch-kritische Interpretation best\u00e4tigt (<strong>Craig<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Die Aussagen der Evangelien sind plausibler als die der Rekonstruktionen durch Skeptiker; der historische Jesus ist nicht vom Bekenntnis der Apostel und Evangelisten trennen (<strong>Ratzinger &#8211; Benedikt XVI.; <\/strong>Ansatz: <strong>Gnilka<\/strong>) <\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>6. Ansatz: Radikale Skeptiker<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Von Jesus wei\u00df man so gut wie nichts (Jesus-Seminar:&nbsp;<strong>Crossan, Borg<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Von Jesus kann man nichts wissen (<strong>Deschner, Detering<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Jesus sei literarisches Produkt (<strong>Bruno Bauer, Kalthoff<\/strong>)<\/li>\n\n\n\n<li>Von Auferstehung kann keine Rede sein (<strong>L\u00fcdemann<\/strong>)<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>7. Ansatz: Erinnerungskultur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Augenblick versucht man mit Hilfe der \u201eErinnerungskultur\u201c unterschiedliche Aspekte des Lebens Jesu bzw. der Forschung zusammenzufassen, neue Nuancen zu erkennen (<strong>Dunn<\/strong>). Dazu geh\u00f6rt aus meiner Perspektive auch: Jesus ist mit Hilfe des Landes, in dem er wirkte, zu verstehen (<strong>Pixner<\/strong>: Galil\u00e4a\/Israel als f\u00fcnftes Evangelium). In anderer Intention ist <strong>Schr\u00f6ter<\/strong> mit der Ged\u00e4chtnisforschung zu verbinden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>8. Ansatz: Gegenw\u00e4rtige Interpreten kommen in den Blick: Jesusbild Produkt der Interpreten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Interpreten legen ihre eigene Intention in die Jesus-Deutung hinein \u2013 aber es gibt einen wahren Kern. Wer sich mit der Botschaft Jesu besch\u00e4ftigt, wird von ihm (dem Christus) ergriffen (<strong>Schweitzer<\/strong>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>9. Anmerkungen zu Jesusdestruktionen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Der Kampf gegen Jesus ist darin begr\u00fcndet, dass man den Kirchen den Boden entziehen m\u00f6chte \u2013 und das mit Hilfe verschiedener \u00dcberlegungen:<\/li>\n\n\n\n<li>Jesus war ein Mensch seiner Zeit, der f\u00fcr heute keine Relevanz hat, im Gegenteil, sehr unangenehm ist (und es werden Aspekte aufgegriffen, die heute unangenehm sind: D\u00e4monen, H\u00f6lle\u2026)<\/li>\n\n\n\n<li>Jesus hat gar nicht gelebt (er ist ein Mythos, Literarisches Produkt, \u2026)<\/li>\n\n\n\n<li>Man wei\u00df von Jesus nichts mehr<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle klugen Jesus-Kritiker k\u00f6nnen allerdings nicht sagen, sondern nur vermuten, warum ausgerechnet der aus dieser Perspektive \u00fcble, nichtssagende Mensch Jesus von Nazareth heute noch rezipiert wird. Wenn der Glaube keinen Anhaltspunkt an diesem Menschen hat \u2013 liegt es dann am lebendigen Jesus Christus? F\u00fcr Jesus-Kritiker nicht. Denn er ist nicht lebendig, sondern eben gestorben wie jeder Mensch. Aber wie konnte sich das alles an diesen Menschen anranken?<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Paulus war der Grund. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er Christen verfolgt hatte \u2013 dann wurde er aufgrund seines schlechten Gewissens Christ, so eine Deutung.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Mythos rankte sich an diesen Menschen an \u2013 doch warum gerade an Jesus von Nazareth, wenn er doch keine wirkliche Relevanz besa\u00df?<\/li>\n\n\n\n<li>Und so gibt es unterschiedliche Antworten:<\/li>\n\n\n\n<li>Jesus war ein Betr\u00fcger, der Menschen die Augen vernebelte (schamanistische Kr\u00e4fte, Drogen),<\/li>\n\n\n\n<li>die J\u00fcnger waren Betr\u00fcger, weil sie Arbeitsscheu waren, recht behalten wollten mit ihrem Messias,<\/li>\n\n\n\n<li>die J\u00fcnger waren psychisch labil und haben sich selbst irgendwie psychisch wieder aufgep\u00e4ppelt \u2013 wom\u00f6glich war es Maria von Magdala, Petrus\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>Jesus war gar nicht gestorben \u2013 was die J\u00fcnger nicht gemerkt hatten \u2013 und glaubten, er sei auferstanden, und dadurch, dass er nach Kaschmir ausgewandert ist, h\u00f6rten die Jesus-Erscheinungen auf, was die J\u00fcnger aber irgendwie alles nicht bemerkt haben\u2026 \u2013 kurz: viele Theorien gehen von einer unermesslichen Beschr\u00e4nktheit der J\u00fcnger aus.<\/li>\n\n\n\n<li>Es gibt eine sehr gro\u00dfe Menge an Versuchen (ein paar habe ich in meinem Buch: \u2026&nbsp;<em>und noch ein Jesus<\/em>&nbsp;dargestellt, bzw. auch in meinem Buch:&nbsp;<em>Wie Jesus zum Arier gemacht wurde<\/em>) Jesus zu destruieren. Hierzu ist im Wesentlichen zu sagen: Man kann viel Herumspekulieren. Doch die Frage steht immer am Ausgangspunkt: Warum sollte sich all das an den Menschen Jesus von Nazareth anranken? Die Antwort wird immer lauten: weil er aus der Perspektive seiner Anh\u00e4nger etwas Besonderes war\/ist. Das aus meiner Perspektive einzige Argument gegen den historischen Jesus w\u00e4re: Jesus ist ein literarisches Produkt. Aber. Das l\u00e4sst sich in keiner Hinsicht nachweisen. Im Gegenteil, wie am Markusevangelium zu sehen ist, greift er Besonderheiten der Jesus\u00fcberlieferungen der jeweiligen von ihm bereisten Ortschaften auf. Das hei\u00dft: Auch diese Kritiken m\u00fcssen sich einer historischen Kritik unterziehen lassen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Kurz zusammengefasst: <br>Heute ist man weniger skeptisch mit Blick auf Jesus, sondern ist vielmehr skeptisch mit Blick auf die Jesus-Forschung. Nicht dass die Methoden \u00fcbergangen werden. <br>Sie werden neu beurteilt und eingeordnet \u2013 eben auch als Teil der Forschungsgeschichte, die ja nie endet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Es wird weniger &#8222;ideologisch&#8220; dar\u00fcber gestritten, ob Jesus existierte, ob er eine Erfindung der Kirche \/ der fr\u00fchen Gemeinde ist usw., sondern es geht heute eher um die Frage: <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Was war dieser Jesus aus Nazareth f\u00fcr ein Mensch, an dem sich Menschen erinnerten, der sie dazu f\u00fchrte, eine weltweite Bewegung auszul\u00f6sen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>10. Mein Ansatz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">All das wird auf den folgenden Seiten entfaltet. Was wissen wir von Jesus Christus?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">10.1 Biografie<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt immer wieder versuche, das, was wir von Jesus Christus wissen, zu minimieren. Dabei wissen wir eine ganze Menge, auch wenn wir erst einmal nur die historisch-kritische Exegese beachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wissen von seinen j\u00fcdischen Eltern (Maria und Josef), seinen Geschwistern (Jakobus, Joses, Judas, Simon \u2013 die Schwestern werden nicht mit Namen genannt) \u2013 es war eine gro\u00dfe Familie, der Vater d\u00fcrfte vor seinem \u00f6ffentlichen Auftreten verstorben gewesen sein. Wir wissen wo er geboren wurde (Nazareth) und wo er gestorben ist (Jerusalem). Wir wissen ungef\u00e4hr das Jahr seiner Geburt (7-4v.Chr.) \u2013 als Augustus in Rom und sein Vasall Herodes in Jerusalem herrschte \u2013 und ungef\u00e4hr das Jahr seines Todes (30 \/ 33 n.Chr.). Wie er gestorben ist, das wissen wir auch: Durch politische Hinrichtung am Kreuz, an der ein Pr\u00e4fekt \/ Statthalter beteiligt war, der 26-36 regierte und Pontius Pilatus hie\u00df. Jesus war von Beruf Zimmermann wie sein Vater Zimmermann war (die Frage ist nur \u2013 wie der Holzberuf konkret aussah). Das ist f\u00fcr antike Verh\u00e4ltnisse nicht wenig. Diese historischen Bez\u00fcge kennen wir alle aus den neutestamentlichen Schriften, es ist also nichts eingelesen worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen also unterscheiden: Es gibt ganz genau historische Angaben \u2013 und es gibt Angaben, die wir heute nicht verifizieren k\u00f6nnen bzw. auch solche, die wir als falsch ansehen m\u00fcssen, weil sie zum Beispiel nicht ganz passen, also nachtr\u00e4glich nicht ganz korrekt rekonstruiert wurden. Google bzw. Wikipedia gab es damals noch nicht \u2013 so dass man schnell nachschauen konnte: Wann fand zum Beispiel die Steuersch\u00e4tzung statt? \u00dcberwiegend wird das Jahr 6 n.Chr. angenommen (wenn es denn nicht die langgezogene \u201eweltweite\u201c Sch\u00e4tzung war, die vor Christus begonnen worden sein soll. Oder wenn Jesus 6 n. geboren worden sein sollte, dann ist der Bezug zu Herodes dem Gro\u00dfen nicht korrekt, der 4 vor Christus starb. Wir finden also Angaben, die heute eindeutig historisch eingeordnet werden k\u00f6nnen und Angaben, die wir nicht pr\u00e4zise bestimmen k\u00f6nnen. Und das trifft auch auf das gesamte Leben Jesu zu. Das ist nun die Aufgabe der historisch-kritisch Arbeitenden, das jeweils zu diskutieren \u2013 und wenn neue Funde usw. hinzukommen, neu einzuordnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kam dieser Zimmermann nach Kapernaum. Warum gerade Kapernaum? Denkbar ist: Jesus von Nazareth \u2013 jetzt stelle ich ein wenig meine Recherchen dar \u2013 ging als Zimmermann nach Tiberias, das ab dem Jahr 17 n.Chr. gerade aufgebaut wurde. Weil er als Zimmermann t\u00e4tig war, gab es also dort Arbeit \u2013 und der Mitte 20 j\u00e4hrige \u2013 wohnte in Kapernaum, nicht weit weg von der Baustelle Tiberias.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann gibt es eine zeitliche L\u00fccke von ca. 10 Jahren. Dann: Der junge Mann aus Galil\u00e4a h\u00f6rte von einem Johannes, der in Jud\u00e4a \/ Per\u00e4a taufte (26\/27). Ein apokalyptischer Prediger, der das Volk dahin bringen wollte, sich wieder dem Gesetz Gottes zuzuwenden und das Kommen eines von Gott Gesandten angek\u00fcndigt hat. Jesus selbst wurde also von ihm angezogen, lie\u00df sich von ihm taufen. Diese Taufe mag f\u00fcr ihn ein Schl\u00fcsselerlebnis gewesen sein. Herodes Antipas \u2013 so der Herrscher \u2013 lie\u00df Johannes ca. 28 \/ 29 hinrichten. Jesus begann wohl direkt nach seiner Taufe zu wirken \u2013 und zwar in einem anderen Sinn als Johannes der T\u00e4ufer. Beiden gemeinsam ist die Ank\u00fcndigung der nahen Gottesherrschaft. Beiden gemeinsam ist, dass man sich entsprechend der Gottesherrschaft sozial verhalten solle. Dieses soziale Verhalten zu leben und zu verk\u00fcnden, das war dann der Mittelpunkt der Wirksamkeit des Jesus von Nazareth. Die Frage, die heute intensiv gestellt wird ist die: Jesus war Jude seiner Zeit. Das Judentum ist keine starre Gr\u00f6\u00dfe, sondern bestand auch damals aus einer gro\u00dfen Bandbreite an Str\u00f6mungen. In welcher ist Jesus einzuordnen? Aus welchen hat er seine Botschaft zusammengestellt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">10.2 Lehre<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner Lehre verwendete er pr\u00e4gnante Bildworte, er verwendete Gleichnisse, in denen er den Menschen verdeutlichen wollte, was er glaubte. Im Zentrum stand jedoch nicht das Gericht, im Zentrum stand die Vergebung \u2013 und zwar unabh\u00e4ngig vom Tempel. Das Gericht Gottes war im Denken vorhanden \u2013 es war ein drohender Unterton, aber das Bedeutsame war, dass er einen anderen Lehr-Weg beschritt. Nicht drohen, sondern im Namen Gottes einzuladen. Dazu war er \u2013 anders als Johannes \u2013 ein sehr geselliger Mensch, der sich einfach bei anderen Menschen eingeladen hat \u2013 und zwar nicht allein, sondern mit einer Schar von 12 M\u00e4nnern, die er ausw\u00e4hlte \u2013 was damals un\u00fcblich war. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">10.3 Wunder<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben seiner Lehre hat er das getan, was aus seiner Sicht dem Reich Gottes entsprach: Menschen leben ein angenehmes Leben, befreit von Krankheiten und von M\u00e4chten. Dass Jesus in den Augen seiner Zeitgenossen heilen konnte, das ist unbestritten \u2013 auch dass er geheilt hat. Die Frage ist nur: Welche Berichte gehen auf Taten von ihm zur\u00fcck, welche haben sich an ihm angerankt. Und da kann man eine ganze Menge erkennen, wenn man sie detailliert untersucht. So kann man erkennen, dass die Wunder im Sinne der damaligen Zeit erz\u00e4hlt wurden (Gattung), aber auch spezifische Neuerungen hatten, z.B. Thema Vergebung, Sabbat und: Glauben. Glauben ist die Beharrlichkeit, auf dem Weg zur Heilung zu Jesus Hindernisse zu \u00fcberwinden. In seiner Zeit war auch nicht die Frage, ob er Menschen, die in der Gewalt von D\u00e4monen war, befreite. Die Frage war nur: Wie macht er das. Das wissen wir heute auch nicht. Heute wird als plausibelste Antwort das gegeben, was die Psychologie erarbeitet hat. Er hatte \u2013 und das ist auch schon gro\u00dfartig \u2013, die F\u00e4higkeit, den Menschen so zu begegnen, dass sie psychisch befreit, gesund wurden. Und wie ist es mit den Naturwundern? Die Naturwunder werden schon von den Evangelisten schillernd als Wunder und \u201eGleichnis\u201c verstanden. Sie weisen auf etwas hin. Das Weinwunder zum Beispiel weist auf das Abendmahl (meine Stunde ist noch nicht gekommen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann hier nicht alles detailliert darlegen \u2013 aber man wei\u00df sehr viel und zwar mit Hilfe von Methoden, die die historisch-kritische Exegese samt der anderen Geschichtswissenschaften herausgearbeitet haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">10.4 Selbstbewusstsein<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Historisch-kritisch wurde herausgearbeitet, dass er sich selbst nur den Hoheitstitel \u201eMenschensohn\u201c gegeben hat \u2013 wenn er die Bezeichnung denn als Hoheitstitel verwendet hat \u2013, wobei manche fragen, ob er sich selbst meint oder einen anderen als kommenden Menschensohn erwartete. Was auch immer war: Er hatte ein immenses Selbstbewusstsein, das in der Formulierung deutlich wird: Ich aber sage euch\u2026, aber auch darin, dass er Menschen vom Opfer \/ Tempel l\u00f6ste (Vergebung), dass er das Thema rein-unrein anders verstand (ein Unreiner macht keinen Reinen unrein, sondern er als Reiner macht den Unreinen rein). Das hatte Auswirkungen auf den Umgang mit Auss\u00e4tzigen (Lepr\u00f6sen?) und mit Frauen, ebenso mit solchen, die als Gesetzes\u00fcbertreter angesehen wurden. Diese Menschen nun, die sich von ihm angesprochen f\u00fchlten, die hat er dann zusammengef\u00fchrt zur Familie der Kinder Gottes. Diese sollten sich so verhalten, wie es Gott \u2013 aus seiner Sicht verlangt: zum Beispiel teilen. Aber nicht nur Geld teilen, sondern: Gefangene besuchen, Obdach geben, Kleidung und Nahrung geben\u2026 \u2013 weil Gott sich mit ihnen sagen wir es modern \u201esolidarisiert\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">10.5 Auseinandersetzungen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das f\u00fchrte alles zu heftigen Auseinandersetzungen mit der religi\u00f6sen Elite und deren Vertreter bzw. mit Konkurrenzstr\u00f6mungen, sodass er wohl zweimal floh, einmal nach Tyrus \/ Sidon, dann nach Caesarea Philippi. Und hier hat er dann aufgrund eines Erlebnisses gemerkt, er muss einen anderen Weg gehen, kehrte um und ging nach Jerusalem. Und jeder wache Mensch seiner Zeit konnte ahnen, dass es aufgrund der Auseinandersetzungen kein ruhiger Ausflug nach Jerusalem sein wird. Von daher sind Leidensweissagungen wie auch immer sie gelautet haben m\u00f6gen, sehr wahrscheinlich. In Jerusalem gab es dann Auseinandersetzungen, in deren Zuge er hingerichtet worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">10.6 Auferstehung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun geschah etwas, das die J\u00fcnger selbst nicht kapierten \u2013 und was historisch-kritische Exegese nicht eruieren kann. Sie kann nur sehen: Es musste etwas geschehen sein, das die Nachfolgerinnen und Nachfolger als au\u00dfergew\u00f6hnlich angesehen habe. Sie nannten es \u201eAuferstehung\u201c. Und sie ringen um Worte, dieses Au\u00dfergew\u00f6hnliche darzustellen. Historisch-kritisch ist nat\u00fcrlich nicht die Auferstehung zu beweisen, denn die kann es nicht geben (das ist die Voraussetzung, die man in der historisch-kritischen Exegese macht: Es kann nur etwas geschehen sein, das auch Parallelen hat, was im Erfahrungsbereich der Menschen liegt, das im Experiment wiederholbar ist. Und das alles ist die Auferstehung nicht) also kann man nur die Folgen dieses Ereignisses sehen. Was historisch-kritisch aber auff\u00e4llig ist: Eine Frau, die als Zeugin in der damaligen Zeit nicht besonders hoch angesehen war, ist Erstzeugin. H\u00e4tte man das alles erfunden, h\u00e4tte man M\u00e4nner genommen. Was nun also stattgefunden haben kann, das wird vielf\u00e4ltig diskutiert, bis dahin, er sei gar nicht am Kreuz gestorben, sondern sp\u00e4ter \u2013 Jesu Grab liege in Kaschmir.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">10.7 Folgen der Auferstehungserfahrung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Wesentliche ist, dass diese Erfahrung auch die Berichterstattung \u00fcber Jesus ver\u00e4nderte. Die Anh\u00e4nger konnten Jesus nicht mehr allein als Menschen, den sie kannten sehen, sondern eben: Der Mensch Jesus war durchleuchtet von dieser Erfahrung der Auferstehung. Das pr\u00e4gt nun auch die neutestamentlichen Berichte, pr\u00e4gt Paulus usw. Entsprechend finden wir dann sehr viel \u00fcber Jesus, den Christus \u2013 bis dahin, dass er bis in die Gegenwart hinein wirksam ist. Nicht nur wirksam \u00fcber seine Texte (NT) \u2013 sondern auch als Macht (Geist Gottes). Und diese neutestamentlichen Berichte werden \u2013 zum Gl\u00fcck f\u00fcr die historisch-kritische Exegese \u2013 nicht vereinheitlicht, sondern in vierfacher Form sogar kanonisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Jesus von Nazareth pr\u00e4gt auch den Umgang mit den Worten des AT. Jesus stand in der alttestamentlichen Tradition \u2013 besser: In der Tradition seines Volkes \u2013 und hat aber daraus bestimmte Ansichten \u00fcbernommen, andere hat er abgelehnt. So gibt es im AT verschiedene Str\u00f6mungen, was den Umgang mit Nichtjuden betrifft. Engere und weitere. Jesus wusste sich seinem Volk verbunden \u2013 hat aber diese enge Sicht immer wieder durchbrochen (Barmherziger Samariter, Umgang mit Heiden). Was er vom Opfer hielt, wissen wir weniger. Zu vermuten ist: Er hat es nicht abgelehnt \u2013 aber er hat es auch nicht betont. Das FeindesliebeGebot ist sicher seine Sichtweise. Und das stimmt eben nicht, dass er es nur auf sein Volk bezogen hat, sondern er hat es ausgeweitet: Jeder, der einen Feind hat, soll ihn lieben \u2013 wobei Lieben keine Euphorisierung der Emotion ist (kann man ja auch nicht befehlen), sondern bedeutet: Ihm Gutes tun. Die Goldene Regel in ihrer positiven Form begegnet nur in der Jesus\u00dcberlieferung. Oder er war gegen Erniedrigungen anderer (gegen Beschimpfungen, gegen Erniedrigungen von Frauen) \u2013 und hat das auch mit harschen Worten deutlich gemacht. (Man darf auch bei Jesus die Rhetorik nicht \u00fcbersehen \u2013 allerdings nicht die saubere, lehrschulenhafte Anwendung aristotelischer ciceronischer Rhetorik.) An manchen Stellen wird dann deutlich, dass die Wirkung dieser Worte auch auf die fr\u00fche Gemeinde ausgestrahlt hat: Grenzen \u00fcberschreiten, Menschlichkeit, Vergebung\u2026 \u2013 es gab Auseinandersetzungen zwischen den (christlich) j\u00fcdischen Traditionalisten und denen, die Jesu Worte intensiviert haben. Jesus war nicht gesetzlich. Er forderte das Teilen \u2013 aber er hat zum Beispiel auch der Frau Recht gegeben, gegen\u00fcber den Ankl\u00e4gern, die f\u00fcr ihn viel Geld ausgegeben hatte \u2013 was seine Anh\u00e4nger als Verschwendung angesehen haben. Was ich bei Jesus auch bemerkenswert finde: Er hat den Menschen, mit dem er es zu tun hatte, nicht nur als ein Teil des Volkes gesehen, sondern als Individuum, als Person. Was er auch gef\u00f6rdert hat: Das Wort \u201eMenschen-W\u00fcrde\u201c gab es noch nicht. Aber er hat durch Worte und Taten gezeigt, was es bedeutet, dass Menschen W\u00fcrde haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von hier aus gesehen ist Jesus f\u00fcr mich Ma\u00dfstab. Menschlichkeit, gegen Gesetzlichkeit, Grenzen \u00fcberwindend, Hindernisse \u00fcberwindend, vergebend\u2026 \u2013 und das schlie\u00dft vieles aus: Rassismus, Nationalismus, Todesstrafe (wegen Vergebung, Erm\u00f6glichung von Neuanfang)\u2026 Da er aber nicht gesetzlich war und auch im Grunde nur ein paar Ma\u00dfst\u00e4be, die es jedoch in sich haben, \u00fcberliefert hat, wie das Leben nach Gottes Willen aussehen k\u00f6nnte, gibt es in der Gemeinde eben Diskussionen. Er selbst hat ja auch Diskussionen nicht gescheut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">10.8 Jesus-Kritik<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann Jesus kritisieren, man kann die \u00dcberlieferung kritisieren. Man kann die Christen weltweit und durch die Jahrhunderte kritisieren. Und das tun wir ja auch. Jesus h\u00e4tte in dem einen Jahr (bzw. drei Jahren seines Wirkens) (!), die Sklaverei abschaffen sollen, er h\u00e4tte, das waren die Erwartungen zu seiner Zeit: die R\u00f6mer aus dem Land jagen sollen, er h\u00e4tte das alttestamentliche Gesetz wieder zur Geltung bringen sollen, er h\u00e4tte eine gerechte Herrschaft der J\u00fcnger als gerechte K\u00f6nige aufbauen sollen\u2026 \u2013 der W\u00fcnsche durch die Jahrtausende gibt es kein Ende. Aber warum ist gerade dieser Jesus Christus so geschichtsm\u00e4chtig geworden? Manche sagen: Wegen Paulus. Aber das ist dann wieder ein anderes Thema. Ich vermute: Er hat den Menschen etwas gegeben, wonach sie gesucht haben. Und wenn wir die Bergpredigt ansehen und sein Wirken, dann kann wohl kaum einer umhin kommen und sagen: Ja, wenn wir so leben w\u00fcrden, ohne Erniedrigungen, ohne Heucheleien, vergebend, einander annehmend \u2013 das w\u00e4re doch was. Dann w\u00e4ren wir schon viel weiter gekommen in der Welt. Und wenn man an ihn als Christus glaubt, dann hat er seine Hand weiterhin im Spiel der Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt kann man freilich auch ein Gegenbild Jesu zeichnen. Die Texte, die dazu verwendet werden, m\u00fcssen dann freilich genau untersucht werden. Da w\u00e4ren die H\u00f6llentexte, die man betrachten m\u00fcsste und auch von der jeweiligen Redaktion l\u00f6sen m\u00fcsste (z.B. Matth\u00e4us liebt das Wort Heulen und Z\u00e4hneklappern \u2013 ist das jesuanisch oder redaktionell? Paradebeispiel ist die Syroph\u00f6nizierin-Geschichte, die Naherwartung \u2013 die jesuanisch ist, jeder wird so seine negativen Lieblingstexte haben, wie zum Beispiel das Schwertwort oder die Tempelaustreibung. Das Gleichnis von den 10 Brautjungfern, Jesu Umgang mit Maria\u2026 Es gibt unverst\u00e4ndliche Texte, weil die Kontexte fehlen, usw. usw. Die Frage ist: Sind sie so dominant, dass sie das oben gezeichnete Bild umwerfen oder m\u00fcssen sie in das gezeichnete Bild hineingewoben werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt viele Werke von Theologinnen und Theologen, wie oben zu sehen, zu Jesus Christus. Es erscheinen st\u00e4ndig neue \u00dcberblicke, ausf\u00fchrliche Darlegungen. Hinweisen m\u00f6chte ich nur auf das gut lesbare Buch von Jens Schr\u00f6ter: Jesus von Nazareth. Jude aus Galil\u00e4a &#8211; Retter der Welt, Leipzig 2017, Biblische Gestalten 15. Und: Jens Schr\u00f6ter: Jesus. Leben und Wirkung, C.H. Beck Verlag 2020.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>JESUS-FORSCHUNG Seit einigen Jahrhunderten versucht man, Jesus auf wissenschaftlicher Basis zu erforschen. Ans\u00e4tze gab es schon vorher. Eher neu war der Ausgangspunkt: Einmal wollte man zeigen, dass die Kirche mit ihrem Glauben falsch liege, dann wollte man zeigen, dass Jesus selbst im Grunde keine Relevanz hat. \u201eEher neu\u201c darum, weil [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":46,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-682","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/682","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=682"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/682\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4499,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/682\/revisions\/4499"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/46"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=682"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}