{"id":680,"date":"2019-07-02T15:40:14","date_gmt":"2019-07-02T13:40:14","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=680"},"modified":"2019-08-01T08:22:16","modified_gmt":"2019-08-01T06:22:16","slug":"verheissung-erfuellung-textstruktur","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/jesus-christus\/verheissung-erfuellung-textstruktur\/","title":{"rendered":"Verhei\u00dfung-Erf\u00fcllung + Textstruktur"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-medium-font-size\">Bibel-Interpretation \u2013 Verhei\u00dfung-Erf\u00fcllung \u2013 Textstruktur<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-background has-white-color has-accent-background-color\"><strong>Neutestamentliche Autoren sehen, dass Jesus Christus in alttestamentlichen Schriften angek\u00fcndigt wurde. Wie ist das zu verstehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Historisch-kritisch gesehen, haben die Autoren der Schriften, die im AT-Kanon gesammelt wurden, nat\u00fcrlich nicht Jesus Christus im Blick gehabt. Historisch-kritische Exegese geht von der Pr\u00e4misse aus, dass es Prophetien im strengen Sinn nicht geben kann. Somit kann auch kein alttestamentlicher Prophet etwas von Jesus gewusst haben. Entsprechend der modernen Sicht ist allein das zu ber\u00fccksichtigen, was experimentell wiederholt werden kann, was der modernen Ratio nicht widerspricht, es gilt das, was man sieht \u2013 aber nur sofern es allgemeiner menschlicher Erfahrung zugeordnet werden kann. (Was das allerdings ist, das entscheiden die Rationalisten Europas und Amerikas, nicht die Asiaten, Afrikaner, nicht die Menschen vergangener Zeiten. Das muss man auch aussprechen, welche Intention dahinter steht: Die der modernen \u00dcberheblichkeit.) Von daher fallen alle m\u00f6glichen Glaubensaussagen weg: Prophezeiungen, Wunder, Auferstehung, Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun muss allerdings auch der historisch-kritische Mensch sehen, dass es in der Antike bis in die Gegenwart Menschen gab und gibt, die ein anderes Verst\u00e4ndnis von Welt hatten und haben, eine andere Interpretation von Schriften: Die Texte wurden auf die jeweilige Gegenwart bezogen, ihre Lehre, ihre Weisheit, ihre Intention, weil Gott in seinem Geist der Handelnde war und genauso auch noch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Sicht haben die Judenchristen entwickelt &#8211; auf der Basis der Vorarbeiten j\u00fcdischer und heidnischer Denker. Das bedeutet: Das, was in den alten Schriften steht, das hat Bedeutung f\u00fcr die Gegenwart. Das aber nicht nur im landl\u00e4ufigen Sinn, wie wir noch Weisheiten des Konfuzius, Siddharta Gautamas, alte \u00e4gyptische und griechische Weisheiten rezipieren oder den Werken des Platon und Aristoteles Anregungen entnehmen, sie \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie heute noch Relevanz haben.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-background has-white-color has-accent-background-color\"><strong>Aus dem Glauben heraus kommt eben ein grundlegender Ansatz hinzu:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gott, der war, der ist und sein wird, hat sich in der Vergangenheit in das Wort dieser alttestamentichen Autoren eingebracht. Seine Stimme gilt es herauszufiltern. Menschen haben den Menschen Jesus und den auferstandenen Jesus Christus erfahren, und haben dann aus dieser Perspektive alttestamentliche Schriften neu lesen gelernt. Diesen Prozess zeigt uns zum Beispiel Lukas in der Emmaus-Geschichte (Lukas 24,13ff.), zeigt uns Johannes im Kontext der Auferstehung Jesu (Johannes 20,9), Paulus spricht von der Decke, die von den Augen genommen wurde (2. Korintherbrief 3). <em>Diese Ereignisse, in denen Gottes Handeln erfahren wurde, warfen ein neues Interpretations-Licht auf alttestamentliche Texte. Das bedeutet: Das Jesus-Ereignis wurde schon von Gott angek\u00fcndigt \u2013 nur hatte man es nicht erkennen und verstehen k\u00f6nnen. Aber jetzt, r\u00fcckwirkend, da kann man es erkennen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Sicht, dass Gott der Handelnde war und ist, l\u00e4sst r\u00fcckwirkend eine Menge erkennen. Einmal im pers\u00f6nlichen Leben: In der Vergangenheit hat man vieles nicht verstanden \u2013 aber jetzt, r\u00fcckwirkend gesehen, kl\u00e4rt sich das (auch dann weiter gef\u00fchrt: aus der Perspektive des Lebens bei Gott wird auch nach dem Sterben alles gekl\u00e4rt werden). Oder: Die Entstehung der Welt ist Zufall, \u201eUrknall\u201c, Evolution usw. \u2013 doch aus der Perspektive des Glaubens sind all diese Ereignisse, die Materie und Leben erm\u00f6glichten, eben kein Zufall.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist allerdings nicht nur eine Glaubensperspektive. Auch Wissenschaft im strengen Sinn sieht das, was in der Forschung falsch lief, was nicht richtig interpretiert wurde, immer aus der jeweiligen Gegenwart. Die Gegenwart ist der Ma\u00dfstab, mit dem Vergangenes beurteilt wird.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-background has-white-color has-accent-background-color\"><strong>Auch der auferstandene Jesus Christus redet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein Aspekt sei genannt, was zu diesem Thema geh\u00f6rt: Nicht alles, was wir in den Evangelien als Wort Jesu h\u00f6ren, wurde vom Menschen Jesus selbst gesprochen. Jesus Christus ist der Auferstandene \u2013 er spricht durch die Menschen, die ihm nachfolgen. Entsprechend m\u00f6gen bestimmte Worte historisch-kritisch nicht auf den Menschen Jesus zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, doch bedeutet das f\u00fcr den Glaubenden nicht, dass sie gar nichts mit Jesus Christus zu tun haben, denn er wirkt ja in seinem Geist und redet durch seinen Geist durch Menschen. Von daher haben sie gro\u00dfe Bedeutung. Die Konzentration auf den Menschen Jesus in der historisch-kritischen Exegese ist richtig, auch um einen Ma\u00dfstab zu bekommen. Die Verabsolutierung des Menschen Jesus von Nazareth, ohne das Wirken des Auferstandenen zu ber\u00fccksichtigen, erfasst jedoch nur einen Bruchteil, ist f\u00fcr den Glaubenden also zu wenig.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"background-color:#12a300;text-align:center\" class=\"has-text-color has-background has-white-color\"><strong>Texte sind Textilien \u2013 Tiefenstruktur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Glaubende haben eine andere Perspektive auf die Welt. Vergleichbar ist das mit dem, was die Linguistik herausgearbeitet hat: Oberfl\u00e4che eines Textes und Tiefenstruktur eines Textes. Das Wort Text kommt von \u201eweben\u201c. Worte werden zusammengewebt. Bei einem gewobenen Teppich kann man Vorder- und R\u00fcckseite voneinander unterscheiden. Die Oberfl\u00e4che ist ordentlich, mehr von der Struktur (der Kn\u00fcpftechnik usw.) kann man auf der R\u00fcckseite erkennen. Wir interpretieren den Text \u2013 wenn man nicht tiefer in die Sprache eingedrungen ist \u2013 allein von der Oberfl\u00e4che her (sch\u00f6nes Beispiel sind Gedichte). Wenn man einen Blick f\u00fcr Texte bekommen hat (dominieren Verben, Substantive, Imperative, Adjektive, Satzbr\u00fcche\u2026), dann bekommt man eine Intention davon, was diese Texte auch auf der tieferen Ebene, der Ebene des Unterbewussten zu erreichen suchen (helle Vokale machen fr\u00f6hlich \u2013 wenn sie nicht schrill \u00fcbertrieben werden, dunkle Vokale beruhigen und wirken, wenn \u00fcbertrieben wird, bedrohlich).<\/p>\n\n\n\n<p>Entsprechend hat auch die Welt eine Oberfl\u00e4che \u2013 und die Welt-Interpretation unter der Oberfl\u00e4che, die Tiefenstruktur, die versuchen Fachleute als Wissenschaftler zu ergr\u00fcnden, wieder auf einer noch tieferen Ebene agieren die Glaubenden. Um im Bild zu bleiben: Wissenschaftler suchen die Unterseite des Teppichs ab, um zu verstehen, Glaubende schauen auf diejenigen, die den Teppich hergestellt haben und auf den Boden, auf dem der Teppich liegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bibel-Interpretation \u2013 Verhei\u00dfung-Erf\u00fcllung \u2013 Textstruktur Neutestamentliche Autoren sehen, dass Jesus Christus in alttestamentlichen Schriften angek\u00fcndigt wurde. Wie ist das zu verstehen? Historisch-kritisch gesehen, haben die Autoren der Schriften, die im AT-Kanon gesammelt wurden, nat\u00fcrlich nicht Jesus Christus im Blick gehabt. 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