{"id":667,"date":"2019-07-02T11:40:19","date_gmt":"2019-07-02T09:40:19","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=667"},"modified":"2025-10-02T07:28:59","modified_gmt":"2025-10-02T05:28:59","slug":"switch-points-geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/crashkurs-christentum\/switch-points-geschichte\/","title":{"rendered":"Switch Points (Geschichte)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">SWITCH-POINTS (GESCHICHTE)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#a30003\"><strong>Diese Switch-Points sind subjektiv. Bitte eigene Gedanken machen!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-black-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>(1) Judenchristen-Heidenchristen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Christen sahen sich als Juden an, die an Jesus Christus glaubten, das hei\u00dft, dass der Weg, den Jesus gewiesen hat, Gottes Weg f\u00fcr sein j\u00fcdisches Volk ist. In Jesus liegt aber auch schon der Keim daf\u00fcr, dass sich das Christentum auch zu den Heiden wenden konnte. F\u00fcr diesen \u00dcbergang waren (soweit wir wissen) vor allem die Juden Petrus und Paulus ma\u00dfgeblich &#8211; dar\u00fcber hinaus vermutlich viele Unbekannte. Heiden haben das Christentum sehr schnell angenommen. Und damit verbreitete sich das Christentum innerhalb von zweihundert Jahren (ohne Gewalt!) bis in den Westen (Spanien, Britannien), Osten (Indien), S\u00fcden (\u00c4thiopien), Norden (Baltikum, Kiew) aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>(2) Hierarchisierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>J\u00fcnger Jesu genossen zum Teil hohes Ansehen in der fr\u00fchen Kirche. Aber es gab keinen, der alles bestimmend in den Griff nahm. In Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Str\u00f6mungen \u2013 vor allem mit der Gnosis \u2013 setzte sich immer st\u00e4rker die Hierarchisierung durch \u2013 auch um Missbrauch des christlichen Glaubens abzuwehren. Bisch\u00f6fe leiteten sich von Aposteln bzw. Sch\u00fclern der Apostel ab und standen einzelnen Gemeinden vor, aus denen sich dann Bischofszentren entwickelten. Aus diesen gab es zwei \u2013 aus politischen Gr\u00fcnden hervorgehobene \u2013 Zentren: Konstantinopel und Rom. Die Hierarchisierung wurde seit der Reformation im 16. Jahrhundert in protestantischen Gebieten immer weiter zur\u00fcckgefahren. Bis es zu den hunderten von protestantisch beeinflussten Kirchen \/ Denominationen \/ Religionsgemeinschaften gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>(3) Theologische und gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In diesen Auseinandersetzungen ging es auch um das Verst\u00e4ndnis Jesu Christi und Gottes, um das Gottesbild und Jesusbild. Damit zusammen h\u00e4ngt auch das Menschenbild und die Vorstellung, von einem sozialen Zusammenleben. Als Beispiele seien genannt:<\/p>\n\n\n\n<p>Ab ca. 100&nbsp;<strong>Gnosis<\/strong>: Die Gnosis ist eine Bewegung, die Heidentum und Christentum zu verbinden suchte \u2013 verbunden mit (aus antiker Sicht) wissenschaftlichen Kosmosspekulationen. Jesus war nicht mehr Mensch, sondern kosmischer Gottessohn, Menschen der Gemeinden wurden unterteilt in Wissende (Gnostiker) und Unwissende. Damit verbunden gab es wohl Gruppen, die den Glauben benutzten, um andere finanziell und sexuell auszunutzen. Daneben gab es Gruppen, die vollkommen asketisch lebten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Arianismus<\/strong>: Arius sah, dass auch Jesus ein Gesch\u00f6pf Gottes war. Zwar war er schon vor seiner Menschwerdung als Sch\u00f6pfer wirksam, war aber eben nicht eine Einheit mit Gott. 381 wurde der Streit in einem Konzil machtvoll \u00fcberwunden, aber die zum Christentum \u00fcbergetretenen Germanenst\u00e4mme waren weitgehend Arianer (so auch der \u00dcbersetzer der ersten gotischen Bibel Wulfila [4.Jh.]). Im 5. und 6. Jahrhundert lie\u00dfen sich arianische K\u00f6nige (Franken, Goten) katholisch taufen. Weitere innerkirchliche theologische Auseinandersetzungen sollen hier nicht vertieft werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>(4) Ost-West:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen der orthodoxen Ost-Kirche und der r\u00f6misch-katholischen Kirche kam es 1054 zum Bruch: Seit 330 war Konstantinopel Hauptstadt des R\u00f6mischen Reiches und nicht mehr Rom. Es gab sprachliche und kulturelle Unterschiede \u2013 und so lag es nahe, dass sich der Papst im Laufe der Zeit zu den Nordeurop\u00e4ern hinwandte. So wurde Karl der Gro\u00dfe 800 durch den Papst zum Kaiser gekr\u00f6nt, was ein Affront gegen das Ostreich war. Theologisch sagte der Westen (auch gegen den Papst durchgesetzt von Kaiser Heinrich II.): Der Heilige Geist geht vom Vater + Sohn aus \u2013 und ist nicht gleichbedeutend mit Vater und Sohn. W\u00e4hrend die Ostkirche daran festh\u00e4lt, dass Sohn und Heiliger Geist vom Vater ausgehen. Trennend zwischen Ost- und Westkirche ist auch das Primat des Papsttums.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>(5) Kaiser + Papst:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Mittelalter fand ein langes Ringen dieser zwei M\u00e4chte statt. Der Papst forderte als Vertreter Gottes Oberhoheit \u2013 und der Kaiser, der als weltliche Macht nicht selten das Papsttum vor Angriffen bewahrte, forderte sie ebenso. Das war jedoch nicht allein eine Frage der Macht, sondern auch der Frage nach germanischen Stammestraditionen: F\u00fcrsten w\u00e4hlten aus ihren Reihen den F\u00fchrer. Karl der Gro\u00dfe hatte die Macht und so wurde er vom Papst gekr\u00f6nt. Und auch danach war der Papst eher untergeordnet \u2013 aber die Kaiser empfingen die Krone durch ihn. Das f\u00fchrte dazu, dass die P\u00e4pste sich als diejenigen ansehen konnten, die dem Kaiser die Macht gaben. Die Auseinandersetzung eskalierte im 11.\/12. Jh. und brach darin auf, dass Kaiser in Anspruch nahmen, auch kirchliche \u00c4mter zu besetzen (Simonie: \u00c4mterhandel: Adel konnte sich kirchliche \u00c4mter kaufen). F\u00fcr die Kirche waren sie dazu jedoch unbefugt. 1122 einigte man sich im \u201eWormser Konkordat\u201c. Dadurch wurde sichtbar: Der Papst hat das Recht, Bisch\u00f6fe einzusetzen, allerdings wird in Gegenwart der Staatsvertreter dar\u00fcber diskutiert. Und der Kaiser best\u00e4tigt die Wahl, legitimiert sie. Der Kaiser, der sich auch als einen ansah, der von Gott eingesetzt wurde, wurde dadurch in Kirchenfragen heruntergestuft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>Nachtrag: siehe unten 12.: M\u00f6nchtum, Kl\u00f6ster<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>(6) Die Reformation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>nahm dem Papst die Macht: P\u00e4pste sind nur dann zu achten, wenn sie sich an die Grundlagen des Glaubens halten. Da das, was als Grundlage des Glaubens gilt, naturgem\u00e4\u00df umstritten ist, zerbrach die Kirche in zwei Machtbereiche, womit die Macht des Papstes gebrochen war. Das f\u00fchrte dann zu zahlreichen Kriegen, bis hin zum 30 j\u00e4hrigen Krieg. Als Grundlage des Glaubens sind seit der Reformation zwischen katholischer und evangelischer Kirche umstritten: Kirchenverst\u00e4ndnis, Abendmahl, Erl\u00f6sung, Bibelverst\u00e4ndnis. Die Unterschiede gibt das Wort wider: solus (allein) Christus (nicht der Papst und die hierarchisch H\u00f6herstehenden); sola scriptura (allein die Bibel \u2013 nicht die Dogmen), sola gratia (allein die Gnade Gottes \u2013 nicht eigene Werke retten), sola fide (allein der Glaube \u2013 nicht Gesetz).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>(7) Aufkl\u00e4rung (17.\/18. Jahrhundert)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die katholische Kirche war im Verein mit dem Kaiser in katholischen L\u00e4ndern noch stark. Aber der Kaiser\/K\u00f6nig\/Adel nahm f\u00fcr sich Rechte in Anspruch, die anderen nicht gew\u00e4hrt wurden. Die Gleichheit der Menschen wurde immer st\u00e4rker herausgearbeitet und die Selbstbestimmung des Menschen. Hier spielten vor allem die Philosophen eine gro\u00dfe Rolle, dann aber auch das B\u00fcrgertum, das sich nicht mehr alles gefallen lie\u00df und eigene Macht bekommen wollte. Nicht mehr hergebrachte Traditionen z\u00e4hlen, sondern alles ist unter dem Ma\u00dfstab der Vernunft zu beurteilen. Kennzeichen ist die so genannte Enzyklop\u00e4die, die Mitte des 17. Jahrhunderts von Diderot und d\u00b4Alembert herausgegeben wurde. In diesem Zusammenhang wurde auch die Religion rein \u201evern\u00fcnftig\u201c interpretiert. Die hier ge\u00e4u\u00dferte Gedankenfreiheit traf den Nerv der Zeit und sie wurde ein gro\u00dfer Erfolg. Insgesamt bestimmt seit dieser Zeit nicht mehr die Kirche und ihre Tradition, wer oder was Gott ist, sondern die Vernunft \u2013 und die interpretiert Gott nicht mehr als Person, sondern h\u00f6chstens als eine (nat\u00fcrliche) Macht, die alles durchdringt. Wobei freilich die Vernunft des einzelnen Philosophen zu unterschiedlichen Antworten kommen kann. In die nun entstehende Sinn-L\u00fccke treten unterschiedlichste Ideologien mit ihrem atheistischen Staatskult ein: Vernunft als G\u00f6ttin (nach der franz\u00f6sischen Revolution, in der der Adel + Kirche vernichtet werden sollten, wurde die personifizierte Vernunft als G\u00f6ttin in die Kathedrale von Notre Dame eingef\u00fchrt); Nation als oberstes Ziel (Nationalismus); Rasse als Zentrum des Denkens (Rassismus), Klasse (Kommunismus).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>(8) S\u00e4kularisierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem in Europa und Nordamerika findet eine S\u00e4kularisierung statt. das hei\u00dft: Menschen wenden sich nicht nur von den Kirchen ab, sondern von der (christlichen) Religion insgesamt. Diese S\u00e4kularisierung ist ein Prozess, die mit der Individualisierung des Menschen zusammen h\u00e4ngt. Denn auch aus anderen Institutionen entfernen sich Menschen (Gewerkschaften, Parteien). Religion spielt f\u00fcr viele keine Rolle mehr, sowohl was die Substanz (Gott) als auch die Funktion (Kult, Gemeinschaft) betrifft. Man hat Ersatz gefunden, Ersatz, der &#8222;besser&#8220; mit dem allt\u00e4glichen Leben kombiniert werden kann, weil ein pers\u00f6nlicher Nutzen auf einer anderen Ebene als der der Religion erwartet wird. Diese S\u00e4kularisierung ist wohl die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr die gegenw\u00e4rtigen Kirchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>(9) Inkulturation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Christentum ist sehr stark europ\u00e4isiert. Von Europa aus wurde in der Neuzeit ein gro\u00dfer Teil der Welt missioniert. Die Emanzipation der weltweiten christlichen Gemeinde von Europa ist in vollem Gang. Und das bedeutet f\u00fcr den christlichen Glauben (neben manchen Gefahren, die aber auch durch Europ\u00e4isierung des Christentums nicht gebannt waren\/sind) eine sehr gro\u00dfe Bereicherung. Christen aller Kontinente bringen ihre Kultur mit in die Interpretation des christlichen Glaubens ein. (Was konservative wie liberale Kr\u00e4fte nicht unbedingt positiv sehen.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>(10) Wachstum der Kirchen: Pfingstkirchen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser geschichtlichen Epochen, ist die Kirche weltweit am Wachsen, das vor allem auch durch die Pfingstkirchen. Diese Kirchen sind vollkommen autonom. Darum auch nicht einheitlich zu interpretieren. Vielerorts scharen sich die Anh\u00e4nger um einzelne charismatische Pers\u00f6nlichkeiten \u2013 was das Misstrauen etablierter Kirchen hervorrufen kann. Wobei es auch gr\u00f6\u00dfere Zusammenschl\u00fcsse gibt, die miteinander missionarisch-diakonisch aktiv sind. Sie sind Ausdruck des Freiheitswillens, der mit der Reformation \u00fcber die Aufkl\u00e4rung begonnen hat: Seit Beginn des 20. Jahrhunderts verbreiten sie sich. Dadurch erfahren Menschen weltweit, dass sie Individuen sind, selbstbewusst sein k\u00f6nnen \u2013 nur bestimmt durch den Gottesgeist. Damit zeigt sich etwas, das zu Beginn des Christentums stand: Jeder machte, was er wollte. Das wurde dann mit der katholischen Kirche und der Hierarchisierung beendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>(11) Der \u00d6kumenischer Rat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>ist der Versuch, die unterschiedlichsten Kirchen (bisher sind 345 Kirchen Mitglied [2013]) zusammenzuf\u00fchren (1948 gegr\u00fcndet), wobei die r\u00f6misch-katholische Kirche und die Pfingstkirchen keine Mitglieder sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#00a39e\"><strong>12. M\u00f6nchtum \/ Kl\u00f6ster<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>im 3. und 4. Jahrhundert wollten in \u00c4gypten und im Nahen Osten Menschen ein ganz Gott gefallendes Leben f\u00fchren und zogen sich zur\u00fcck (Eremiten). Menschen pilgerten zu ihnen, um von ihnen zu lernen, um sie zu versorgen (z.B. Antonius der Gro\u00dfe). Menschen sammelten sich auch, um mehr oder weniger gemeinsam ein frommes Leben zu f\u00fchren (z.B. Pachomius). So begannen langsam Kl\u00f6ster zu wachsen. Benedikt von Nursia (Italien) trat in solche Kl\u00f6ster ein bzw. sammelte eigene Menschen um sich herum. Aber er merkte, dass nicht alles Gold ist, was gl\u00e4nzt und &#8222;erg\u00e4nzte&#8220; im 6. Jahrhundert die Regeln des Pachomius Gehorsam, Gebet, Arbeit, Besitzlosigkeit), damit das Zusammenleben gelingt, aber auch Gott Zentrum des Klosters bleibt. Die Regeln des Benedikt waren nicht ganz so streng mit Blick auf Askese, Gehorsam, es gab Gemeinschaftsg\u00fcter, es ging um Erziehung, nicht um Ausschluss usw.). Kl\u00f6ster waren dann im Mittelalter nicht nur Orte des Gebetes, sondern Wirtschafts-, Landwirtschafts-, Gesundheits-, Bildungs-, Kultur, Architekturzentren, sie waren auch Knotenpunkte der Infrastruktur und boten \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten. Sie pr\u00e4gten europ\u00e4ische Geschichte und somit unsere Kultur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SWITCH-POINTS (GESCHICHTE) Diese Switch-Points sind subjektiv. Bitte eigene Gedanken machen! (1) Judenchristen-Heidenchristen Die ersten Christen sahen sich als Juden an, die an Jesus Christus glaubten, das hei\u00dft, dass der Weg, den Jesus gewiesen hat, Gottes Weg f\u00fcr sein j\u00fcdisches Volk ist. 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