{"id":656,"date":"2019-07-02T11:32:46","date_gmt":"2019-07-02T09:32:46","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=656"},"modified":"2026-08-28T11:41:05","modified_gmt":"2026-08-28T09:41:05","slug":"kirche-auf-abwegen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/kirche-auf-abwegen\/","title":{"rendered":"Kirche auf Abwegen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">KIRCHE AUF IRRWEGEN \/ ABWEGEN<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">1. Einf\u00fchrung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kirchengeschichte ist engstens mit der allgemeinen menschlichen Geschichte verkn\u00fcpft. Kirchenmenschen versuchen sich genau so durchzusetzen wie andere Menschen auch. Sie versuchen, das Leben zu erhalten, machtpolitisch aktiv zu sein \u2013 und immer auch mit Blick auf ihre eigene Zeit, Geschichte, Gesellschaft. In diese Geschichte hinein gibt es immer wieder Menschen, die vom Evangelium, von der Botschaft Jesu angesteckt Neues wagen: Menschlichkeit, Liebe, Freiheit, Treue, Gebundenheit, Freude. Hierin handelt es sich, trotz aller Gebundenheit an ihre jeweiligen Zeit, um Lichtblicke, die die Menschheit weiterf\u00fchren k\u00f6nnen, ihr Wegweisung geben. Diese Menschen sind es, die zeigen, dass Gott seine Menschenwelt nicht allein l\u00e4sst. Ein paar Beispiele wurden unter dem Abschnitt: \u201eVorbilder\u201c genannt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber neben diesen, gibt es eine sehr enge Verflechtung vom Christentum mit den macht- und gesellschaftspolitischen Belangen ihrer jeweiligen Zeit. Dazu ist jedoch zu sagen, dass diese nicht auf dem Christentum basieren, im Gegenteil, sie geh\u00f6ren zum allgemeinen Paket, das die Menschheit mit sich herumschleppt. Es ist soziologisch, psychologisch usw. zu erkl\u00e4ren, weil ein solches Verhalten nicht besonders ist. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch: Christen haben insofern Schuld auf sich geladen, weil sie nicht mutig genug gegen solche Ausw\u00fcchse angek\u00e4mpft haben, ja, sie manchmal sogar als Schuld gar nicht erkannt haben. Sie h\u00e4tten es besser wissen k\u00f6nnen, wenn sie auf Jesus Christus geh\u00f6rt und im Geist Gottes gelebt h\u00e4tten. Statt Widerstand Anpassung an Strukturen, manchmal aggressiv, manchmal feige, manchmal aus Leichtsinn und unbedacht. Freilich machen solche Anschuldigungen auch bescheiden: Wo erkennen wir heute nicht unsere ung\u00f6ttlichen Verflechtungen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich werde die folgenden Punkte nennen, von denen ich ausgehe, dass sie die Irr- und Abwege besonders aufzeigen. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><strong>2. Sklaverei<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich w\u00fcsste nicht, dass ein einziges m\u00e4chtigeres Volk ohne Sklaverei bzw. Sklavenhandel ausgekommen ist: R\u00f6mer und Wikinger waren dabei, wie schwarzafrikanische Herrscher, s\u00fcdamerikanische V\u00f6lker ebenso. Aber gerade die Sklaverei zeigt, was f\u00fcr eine Schande auch Staaten auf sich geladen haben, die sich dem christlichen Glauben verbunden wussten \u2013 bis hin zu P\u00e4psten, die Versklavungen von Nichtchristen duldeten und begr\u00fcndeten. (Italien selbst war ja zum Teil ein Gebiet, aus dem muslimische Herrscher ihre Sklaven holten &#8211; es war also bekannt, wie schlimm Sklaverei ist und wurde auch beklagt.) <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war dann haupts\u00e4chlich jedoch nicht die christliche Religion, sondern der neue Gott, der Sklavenhaltung forderte: die Produktion, der Kapitalismus, die Kolonialisierung wenig besiedelter Gebiete, die diese forderten und f\u00f6rderten. Wir sind als europ\u00e4ische L\u00e4nder der Gegenwart weitgehend unabh\u00e4ngig von Sklaven, weil wir an deren Stelle gelernt haben, Maschinen einzusetzen. Denn Sklaven bedeuteten Entwicklung und Reichtum der jeweiligen Sklavenhalterv\u00f6lker. (Freilich gibt es auf sexuellem Gebiet auch in unserem Land noch Versklavungen und: Laut Berechnungen ist der Wohlstand einer vierk\u00f6pfigen Familie abh\u00e4ngig von ca. 20 Sklaven \u2013 Menschen, die in sklaven\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden und ungerechten Abh\u00e4ngigkeiten leben \u2013 in der Textilindustrie, der Herstellung der elektronischen Ger\u00e4te usw.: s.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.slaveryfootprint.org\/\">http:\/\/www.slaveryfootprint.org\/\u00a0<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von den neutestamentlichen Schriften selbst her gibt es ambivalente Aussagen. Sklaverei war in r\u00f6mischer Zeit normal \u2013 was der christliche Glaube mit seinen winzigen Gemeinden bot, war die Gemeinschaft von Sklaven und Herren in der Gemeinde. Und wenn einer Christ geworden ist, dann galt es, den Sklaven auch als Bruder zu sehen (so der Apostel Paulus\u00a0an Philemon) \u2013 ein Freier stand in der Gemeinde bzw. vor Gott \u2013 zumindest im Idealfall &#8211; nicht \u00fcber dem Sklaven. Gesamtkonzepte gab es nicht \u2013 weil es die Perspektive, einmal m\u00e4chtig zu sein, nicht gab. Doch im Norden von Mitteleuropa, als auch hier die Sklaven in die islamische Welt entf\u00fchrt wurden, wandten sich immer mehr \u00c4bte, F\u00fcrsten und St\u00e4dte gegen den Sklavenhandel (ohne jedoch Leibeigenschaft abzuschaffen). Der\u00a0<strong>Sachsenspiegel<\/strong>\u00a0von 1235 (Eike von Repgow), ein juristisches Buch, wendet sich mit Hinweisen auf Wort und Leben Jesu gegen die Versklavung von Menschen \u2013 und: der Mensch geh\u00f6re nur Gott, keinem Menschen. Aber letztlich siegte doch die Geldgier \u2013 der Markt war zu gro\u00df. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie es dann zu der Abschaffung der Sklaverei kam? Dazu haben unter anderem K\u00f6nige beigetragen (Philipp der Sch\u00f6ne\u00a0und Nachfolger) \u2013 auch mit der Begr\u00fcndung, jeder Mensch ist Ebenbild Gottes \u2013 und muss frei sein. Menschenrechte wurden immer bedeutender. Im 16. Jahrhundert wurde Freiheit mit der Begr\u00fcndung verlangt, dass das Sterben Christi alle Menschen befreit habe. In Amerika haben die\u00a0<strong>Qu\u00e4ker\u00a0<\/strong>massiv zur Sklavenbefreiung beigetragen \u2013 aber das ist ein eigenes Thema. Zudem ist unbedingt\u00a0<strong>Wilberforce\u00a0<\/strong>zu nennen, der unerm\u00fcdlich mit einem gro\u00dfen Team daran gearbeitet hat, den Sklavenhandel abzuschaffen. Das z\u00e4hle ich zu der gr\u00f6\u00dften menschlichen Errungenschaft unserer europ\u00e4ischen und amerikanischen Kultur \u2013 die wohl so manche noch unterlaufen \u2013 und damit z\u00e4hle ich diesen genannten Teil des Sachsenspiegels (in dieser Hinsicht! \u2013 siehe unten Hexenverfolgung) mit zu den bedeutendsten Werken in puncto Menschenrechte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Detaillierter zum Thema: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/sklaverei-1\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/sklaverei-1\/<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><strong>3. Kolonialismus + Mission<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kolonialismus \u2013 h\u00e4ngt mit dem aufkommenden Nationalismus und der aufstrebenden Wirtschaft zusammen. Die Ausbeutung der V\u00f6lker hat mit dem christlichen Glauben nichts zu tun, ebenso wenig die Sklaverei, wie am Islam zu sehen ist oder in der Vergangenheit an anderen gro\u00dfen Reichen: Babylon, R\u00f6misches Reich\u2026 Im Gefolge des Kolonialismus begannen Christen zu missionieren \u2013 und zwar: im Sinne ihrer jeweiligen Nation zu missionieren. Und das war zu allen Zeiten (und ist es bis in die Gegenwart) ein fragw\u00fcrdiger Ansatz: Christentum mit dem eigenen Volk, der eigenen Nation zu verbinden widerspricht der Grundlage des christlichen Glaubens. Christlicher Glaube ist international \u2013 und die Grundlage ist: Glaubende Menschen in allen L\u00e4ndern sehen sich als Kinder Gottes, als Br\u00fcder und Schwestern an. Das bedeutet, dass man einander zu respektieren hat \u2013 unabh\u00e4ngig von nationalen Gepflogenheiten. Aber auf der Basis der Bibel, das hei\u00dft der Beziehung zu Gott und im Wirken des Heiligen Geistes. Nicht alles ist theologisch und ethisch vertretbar \u2013 aber was ethisch vertretbar ist, das bestimmt nicht die siegreiche Nation. Und das haben auch gro\u00dfe Menschen erkannt, es sei nur an\u00a0<strong>Bartholom\u00e9 de Las Casas<\/strong>\u00a0erinnert. Menschen in der Mission haben erkannt, wie schlimm Menschen in den &#8222;neuen Welten&#8220; miteinander umgehen: Menschenopfer, Sklaverei, Foltern, gewaltt\u00e4tige Gruppenstrukturen. Diese wurden vom christlichen Glauben durch die Mission aufgebrochen. Gleichzeitig aber haben die Kolonialisten gezeigt, dass sie diese gleichen Strukturen nur auf anderer Ebene mitbringen. Und das ist fatal gewesen. Einerseits werden Menschenrechte verk\u00fcndet &#8211; anderseits werden sie mit F\u00fc\u00dfen getreten. Das ist auch gut daran erkennbar, dass zum Beispiel britische Wirtschaftsverb\u00e4nde keine Christen in Indien haben wollten, weil diese ihre Methoden angeprangert haben. Der Westen zeigte also ein doppeltes Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist den vielen, die Christen vorwerfen, in anderen V\u00f6lkern zu missionieren (= von ihrem Glauben weiterzusagen), nicht klar, dass der Westen mit seinem Export und seinem technischen Knowhow st\u00e4ndig s\u00e4kular \u201emissioniert\u201c? Er bricht ein in traditionell gewachsene religi\u00f6se und damit verbunden soziale Strukturen. Er lockt, ruft Sehns\u00fcchte hervor, gibt Lebensziele vor. Und s\u00e4kulare Zeitgenossen meinen, damit neutral zu sein? Die Radikalisierung vielerorts h\u00e4ngt auch mit diesem Wirtschaftskolonialismus zusammen \u2013 nicht nur mit der Ablehnung der westlichen Werte, die als zu freiz\u00fcgig, als negativ empfunden werden. Der Anspruch einiger Wirtschaftler besteht ja auch darin, die Welt auf wirtschaftlicher Ebene zu vernetzen, in die Politik und Tradition einzugreifen, Werte zu vermitteln (auch \u201cbesser und wirkungsvoller als Religionen\u201d). Warum wird der Westen von vielen als Paradies angesehen? Wegen der Gaukeleien der Werbung, die weltweit ausgestrahlt werden. Das schl\u00e4gt seine zerst\u00f6rerischen Schneisen \u00fcberall auf der Erde \u2013 was man der T\u00e4tigkeit der Christen nicht unbedingt nachsagen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Auch das Thema Mission wurde intensiver behandelt: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verkuendigung-und-mission\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verkuendigung-und-mission\/<\/a> )<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><strong>4. Hexenverfolgung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hexenverfolgung \u2013 ist keine spezifisch christliche Form des Umgangs mit Menschen, vor denen man Angst hat. Sie gab es immer und weltweit. Im Christentum wurde sie weitgehend abgeschafft, weil Jesus Christus \u00fcber D\u00e4monen dominant ist, von daher musste man keine Angst mehr vor dem Teufel haben. Der <strong>Sachsenspiegel <\/strong>pl\u00e4diert \u2013 juristisch \u2013 jedoch in alter germanischer Tradition f\u00fcr die Verbrennung von Menschen, die der Zauberei \u00fcberf\u00fchrt worden waren. (Wir sehen: In ein und derselben Schrift ist ein Fortschritt [s. o. Sklaven] erkennbar und gleichzeitig ein R\u00fcckschritt.) Dass diese Tradition alt ist, sieht man zum Beispiel daran, dass der neugetaufte d\u00e4nische Wikinger-K\u00f6nig <strong>Blauzahn<\/strong> (Bluetooth) von der Kirche aufgefordert wurde, von der barbarischen Verfolgung von Frauen abzusehen (10. Jahrhundert). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hexenverfolgung wurde dann dominant in der Zeit des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges (17. Jahrhundert), in der Zeit von K\u00e4lte und Hunger. Sie ist auch Folge der Emanzipation der St\u00e4dte von der Kirche \u2013 wobei nicht geleugnet werden soll, dass sich in der Verfolgung von Hexen auch Kirchenmenschen besonders \u00fcbel hervorgetan haben. &#8222;Hexen&#8220; wurden \u00fcberwiegend in Mitteleuropa \/ Deutschland verfolgt. Nicht allein (aber bis zu 80%) Frauen sind diesem Wahn zum Opfer gefallen, sondern auch Priester, nicht allein Arme, sondern auch Reiche und Einflussreiche. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So einfach und plakativ, wie es sich die Hexenforschung der Vergangenheit gemacht hat, kann man es sich in der Gegenwart nicht mehr machen. Freilich, der\u00a0<strong>Hexenhammer<\/strong>\u00a0wurde von einem Menschen der Kirche geschrieben. Der vielfach angezeigte Autor hat jedoch seine Kollegen angegriffen, weil sie das Thema \u201eHexen\u201c nicht ernst genommen haben und hat mit massiven F\u00e4lschungen gearbeitet, um seinem teuflischen Ziel n\u00e4her zu kommen. Menschen der Kirche wandten sich auch schon sehr fr\u00fch dagegen: Schon im 16. Jahrhundert wunderte man sich, dass in der modernen Zeit so etwas wie der Hexenhammer noch geschrieben werden konnte. Sein Buch kam auf den Index. Dennoch galt es dann auch als modern und wichtig, weshalb sich auch manche kirchliche Herrscher und Juristen der Hexenverbrennung zuwandten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen der Kirche waren es, die sich diesem Wahn immer st\u00e4rker entgegengestellt haben: die Jesuiten <strong>Adam Tanner <\/strong>und dann\u00a0<strong>Friedrich von Spee<\/strong>\u00a0(1631) hat, weil es sich um eine juristische \u2013 und keine religi\u00f6se \u2013 Frage handelt, massiv juristisch argumentiert und entsprechend Wirkung entfalten k\u00f6nnen.\u00a0Heute wird vermutet, dass die massive Hexenverfolgung unter anderem Folge einer fatalen Gemengelage war: durch die Reformation schwand die Autorit\u00e4t der Kirche; hinzu kamen klimatisch extreme Zeiten: Hunger und K\u00e4lte (&#8222;die Kleine Eiszeit&#8220;); Seuchen und Krankheiten waren nicht selten; durch den Krieg waren gesellschaftliche Strukturen zusammengebrochen und mussten langsam neu errichtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer Hexenverfolgung in einer Suchmaschine eingibt, wird auf viele Seiten sto\u00dfen, die gegenw\u00e4rtige Hexenverfolgungen thematisieren: in Afrika, Indien und vielen weiteren Staaten. Hexenverfolgung ist \u2013 wie oben angedeutet \u2013 \u00fcberwiegend auch ein soziales Problem. Der Mensch f\u00fchlt sich in seinem Ergehen von ihm unbekannten M\u00e4chten abh\u00e4ngig. Er beschuldigt Menschen, die er mit diesen M\u00e4chten im Bund sieht, ihn zu schaden. Unabh\u00e4ngig von diesem Geisterglauben: In Afrika ist der Schamanismus eine Fessel f\u00fcr die Menschen. Sie k\u00f6nnen sich vielfach aus Angst vor den M\u00e4chten und Verfluchungen nicht frei entfalten. Besonders grausame Berichte \u00fcber den Umgang mit Hexen in der Gegenwart gibt es aus Papua Neuguinea. Parallel dazu gibt es eben berichte dar\u00fcber, wie schwer es ist, Menschen davon zu \u00fcberzeugen, dass der Hexenglaube keine rationalen Gr\u00fcnde hat. Emotion ist in dieser Frage bis heute vielfach dominant. Und weil Emotion (tief sitzende \u00c4ngste, Krisengef\u00fchl, Bedrohungs\u00e4ngste \u2013 und tats\u00e4chliche Erfahrungen, dass das eigene Leben erniedrigt wird) die Ratio in dieser Frage beherrscht, ist zu allen Zeiten Vorsicht geboten \u2013 das auch in unseren Bereichen. Der Zorn muss sich nicht gegen &#8222;Hexen&#8220; richten, es werden immer neue Feindbilder geboren, wie der Antisemitismus im 20. Jahrhundert zeigte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-1\"><strong>4. Kriege <\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-2 wp-block-paragraph\">Wann begannen eigentlich die ersten Kriege, in denen Jesus Christus in welcher Form auch immer in den Blick kam? Soweit ich wei\u00df mit\u00a0<strong>Konstantin dem Gro\u00dfen\u00a0<\/strong>\u2013 ca. 250 Jahre nach dem Leben Jesu, wobei man nicht so genau wei\u00df, was nachtr\u00e4gliche Interpretation ist. Konstantin k\u00e4mpfte aber nicht zur Verbreitung des Christentums, sondern \u2013 wie es in dieser Zeit \u00fcblich war -, suchte um gute Vorzeichen f\u00fcr seinen Kampf, und er bekam ein gutes Vorzeichen im Kampf gegen seinen Rivalen: Er hatte m\u00f6glicherweise eine Christus- bzw. eine Art Kreuzesvision (Chi-Rho: &#8222;Unter diesem Zeichen wirst du siegen!&#8220;). Nachdem die Christen immer wieder unter Verfolgungen, Hinrichtungen zu leiden hatten, war das Erlebnis des Kaisers Konstantin der Beginn der Anerkennung des Christentums durch den Staat. In der Folgezeit gab es einige Christen, die das Heidentum nicht mehr nur verbal bek\u00e4mpften. Diskussionen \u00fcber die M\u00f6glichkeit eines gerechten Krieges kam im 5. Jahrhundert auf \u2013 es ging da (soweit ich wei\u00df) nicht um christliche Kriege, sondern um Kriege, die ein Staat f\u00fchren musste, mit dem Ziel, Angriffe abzuwehren und Frieden herzustellen (im 5. Jahrhundert drangen Goten in Rom ein). Wieweit die christlich-arianischen Goten schon ihr kriegerisches Handeln christlich begr\u00fcndeten, ist mir nicht bekannt. Der Kirchenvater Augustinus hat Kriterien daf\u00fcr erarbeitet, wie Kriege zu f\u00fchren sind: Klagend, immer so, dass ein Frieden leicht m\u00f6glich ist, also ohne Hass zu erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab dem 7. Jahrhundert bek\u00e4mpfte in Nordengland <strong>K\u00f6nig Oswald <\/strong>die Heiden (das war auch eine Familienfehde um den Thron) \u2013 und ab da mehren sich in den n\u00e4chsten Jahrhunderten die Stimmen, die K\u00e4mpfe zur Ausbreitung des Christentums in den Blick nehmen.\u00a0<strong>Bischof Agobard<\/strong>\u00a0\u2013 geboren im 8. Jahrhundert in Spanien forderte den Kampf gegen Ungl\u00e4ubige \u2013 das hei\u00dft hier wohl konkret: gegen Muslime, die Spanien mit Krieg \u00fcberzogen hatten. In diesem historischen Zusammenhang wird er m\u00f6glicherweise schon Intentionen aufgegriffen haben, die vor ihm da waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Karl der Gro\u00dfe\u00a0<\/strong>war ebenfalls im 8. Jahrhundert erbost \u00fcber die \u00fcberwiegend heidnischen Sachsen, weil sie st\u00e4ndig die Grenzen seines Reiches \u00fcberschritten. Um sie zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, wurden Kl\u00f6ster an den Grenzen gebaut, damit sie missionierend die Sachsen befrieden konnten. Aber er half in den Sachsenkriegen auch mit milit\u00e4rischen Mitteln nach. Sein Ziel: die Sachsen zu christianisieren. Wir kommen zeitlich schon langsam in die N\u00e4he der ber\u00fchmten\u00a0<strong>Kreuzz\u00fcge\u00a0<\/strong>\u2013 ca. 1000 Jahre nach Jesu Geburt. Diese Kreuzz\u00fcge hatten den Grund, Christen dazu zu bringen, Heilige St\u00e4tte aus der Hand der Muslime zur\u00fcckzuholen, die diese Jahrhunderte vorher \u00fcberrannt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je st\u00e4rker der christliche Glaube in Europa Fu\u00dfgefasst hat, desto st\u00e4rker waren auch die gewaltsamen Auseinandersetzungen. Der christliche Glaube hatte nur begrenzt Auswirkungen auf den Friedenswillen. Was ich andernorts dargelegt habe. Es war, wie in anderen Erteilen auch: Menschen bek\u00e4mpften einander. Manchmal mit Bezug auf Gott, manchmal mit Gott begr\u00fcndend, manchmal einfach so, weil F\u00fcrsten oder irgendwelche Lokalm\u00e4chte das Bed\u00fcrfnis hatten, die eigene Macht zu demonstrieren. Und immer und \u00fcberall litten die normalen Menschen darunter, konnten ihr normales Leben nicht weiterf\u00fchren. Und wenn manche &#8222;christlichen&#8220; absolutistischen F\u00fcrsten Geld ben\u00f6tigten, haben sie einfach irgendwelche Bauerns\u00f6hne gefangen und sie an andere M\u00e4chte als S\u00f6ldner verliehen. Was jedoch auch andere Christen auf den Plan rief, die sich dagegen wandten, aber machtlos waren. Dass Waffen im Ersten Weltkrieg gesegnet wurden und auch sonst ein eher leichtfertiger Umgang von Kirchenmenschen mit Waffen zu beobachten ist, ist nur eine Fortsetzung alter kriegerischer Traditionen. Das ist bis heute zu beobachten. Was von anderen Christen allerdings nicht einfach so hingenommen wird. Freilich wird auch der Krieg immer st\u00e4rker vom Glauben gel\u00f6st, s\u00e4kularisiert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch das Thema habe ich intensiv vorgestellt: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/kreuzzuege\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/kreuzzuege\/<\/a> ; Gewalt: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/christentum-und-gewalt\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/christentum-und-gewalt\/<\/a> und: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/christentum-und-gewalt-2\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/christentum-und-gewalt-2\/<\/a> und: alle Abschnitte unter: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/frieden-und-krieg\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/frieden-und-krieg\/<\/a> )<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">5. Verflechtungen mit Ideologien<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Religion kann zur Ideologie werden. Religion wird dann zur Ideologie, wenn sie nicht bereit ist, mit anderen zu diskutieren, Argumente auszutauschen, andere Ansichten gelten zu lassen, sie zu tolerieren; politische und weltanschauliche Gegner werden mit unlauteren Mitteln, also unfair bek\u00e4mpft, ihnen wird die Existenzgrundlage entzogen, sie werden aus der Gemeinschaft ausgegrenzt, sie werden gemobbt; besonders sadistische Menschen, die gegen Andersdenkende vorgehen, werden nicht daran gehindert, sondern Mob (auch herrschender Mob) unterst\u00fctzt diese in ihrem unmenschlichen Tun, zudem werden die Gegner dehumanisiert, also man vergleicht sie mit Ratten und Ungeziefer, sie werden als &#8222;S\u00fcndenbock&#8220; angesehen. Die Ideologen selbst sehen sich als die Gemeinschaft der guten Menschen, die alles B\u00f6se bek\u00e4mpfen, um eine heile Welt zu erreichen. Angef\u00fchrt werden sie auch von ideologischen Vordenkern, die versuchen zu verhindern, dass Menschen eigenst\u00e4ndig und kritisch denken, die versuchen, Menschen davon zu &#8222;befreien&#8220; selbst\u00e4ndig Verantwortung zu tragen. Als Kennzeichen f\u00fcr Ideologie ist auch zu nennen, dass Herrschende \/ herrschende Ansichten legitimiert werden und damit verbunden auch die Realit\u00e4t verfremdet, verzerrt dargestellt wird. Menschen sollen nicht das glauben, was sie sehen, erfahren, wahrnehmen, sie sollen die Perspektive der herrschenden Ideologie \u00fcbernehmen.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber nicht nur Religionen k\u00f6nnen zur Ideologie werden. Auch andere Weltanschauungen. Ideologie entsteht unabh\u00e4ngig von Religion da, wo eine Kultur, Nation, eine politische Ordnung  bzw. Institution absolut gesehen wird. das hei\u00dft: dieser jeweiligen Gr\u00f6\u00dfe ist zu folgen, ohne Wenn und Aber, ohne, dass ungestraft kritisiert werden darf. Hier ist zu sehen, dass schon in alttestamentlicher Zeit Propheten gegen die Ideologisierung des Tempels aufgetreten sind. Ideologische Ans\u00e4tze gab es schon in der Antike &#8211; es sei an den Kaiserkult im Osten des R\u00f6mischen Reiches gedacht. Ebenso war auch der &#8222;Glaube&#8220; an Rom, die Macht der R\u00f6mer \/ Roma aeterna &#8211; das ewige Rom -, ideologisch bedingt. Nur haben diese alten Formen noch nicht die Gewalt gehabt, wie sie in moderner Zeit durch Medien und strukturierter Staatsgewalt \/ Verwaltung m\u00f6glich wurden. Zu den modernen Mitteln z\u00e4hlen die \u00dcbergriffe der Ideologen auf die Kinder in der Schule \/ im Kindergarten, z\u00e4hlen die technisch gut ausger\u00fcsteten Geheimdienst- und Propaganda-Apparate.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So haben sich Christen im 19. und 20. Jahrhundert Weltanschauungen angeschlossen, die alle Merkmale von Ideologien hatten. Weil immer mehr Christen diesen verfallen sind, haben auch leitende Kirchenfunktion\u00e4re mitgemacht bzw. waren als treibende Kr\u00e4fte t\u00e4tig, um die Institution Kirche und auch die Christen ideologisch zu beeinflussen. In dieser Hinsicht sind: Nationalismus, Nationalsozialismus, Kommunismus \/ Sozialismus zu nennen, aber auch Antisemitismus, Rassismus, die unmenschliche Form des Kapitalismus, Sozialdarwinismus (also wissenschaftliche gepr\u00e4gte Ideologie). Nationalsozialismus \/ Kommunismus werden von manchen auch pseudoreligi\u00f6sen Weltanschauungen zugerechnet, weil sie religi\u00f6se Strukturen entwickelt haben bzw. religi\u00f6se Strukturen in sich aufnahmen \/ aufnehmen, um religi\u00f6se Menschen zu beeinflussen. Diese Gr\u00f6\u00dfen kamen auf, als die Autorit\u00e4t der traditionellen christlichen Religion zerbr\u00f6ckelte und politische Heilsversprechen diese ersetzten. Franz Werfel sagte sinngem\u00e4\u00df, dass der Nihilismus des 19. Jahrhunderts Kinder hervorgebracht hat, weil kein Mensch nihilistisch sein kann: Nationalismus, Nationalsozialismus und Kommunismus.   <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Blick auf Kirchen bedeutet das, dass auch Christen mit offenen Augen durch ihr Leben gehen m\u00fcssen, um mit Gottes Geist erkennen zu k\u00f6nnen, wo sie selbst in Gefahr stehen, ideologisch zu handeln. Sei es sich zum Handlanger einer religi\u00f6sen Ideologie zu machen oder zu handlangern einer politischen Ideologie zu werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nationalsozialismus und Kommunismus \/ Sozialismus werden hier intensiver betrachtet:  <a href=\"https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/kommunismus-sozialismus\/\">https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/kommunismus-sozialismus\/<\/a> und: <a href=\"https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/nationalsozialismus-und-christliche-jugend\/\">https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/nationalsozialismus-und-christliche-jugend\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">6. Ethische Ambivalenz<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in lokalen Bereichen gab es \u00fcble Verflechtungen. So ist einerseits zu erkennen, dass Kirchen ethisch rigoros vorgingen, andererseits aber sehr lasch waren, zum Leidwesen der Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ethisch rigoros wurde zum Beispiel vorgegangen, wenn Frauen uneheliche Kinder bekommen haben. Die Frauen wurden gedem\u00fctigt, erniedrigt, mussten schlimme Zeiten \u00fcber sich ergehen lassen. Das ist in vielen Kulturen so, denn die Familie m\u00f6chte ihren Besitz nur an eigene Nachkommen weitergeben, die Frauen sollten sich sch\u00fctzen, nicht den M\u00e4nnern hingeben, damit nicht unverpflegte Kinder im Dorf herumlungern, dem Dorf zur Last fallen; wenn eine Frau also unehelich schwanger war, wurde an ihr ein abschreckendes Exempel statuiert. Das Dorf diente als Kontrollorgan &#8211; das Leben war nicht so individualisiert wie in der Gegenwart. Wer sich nicht den Normen gem\u00e4\u00df verhielt, konnte schnell die Macht der Mitmenschen zu sp\u00fcren bekommen. M\u00e4nner konnten auch bestraft werden, konnten sich aber einer solchen sozialen Kontrollen schneller dadurch entziehen, dass sie versuchten, irgendwo anders Fu\u00df zu fassen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits wurden Menschen in Familien misshandelt. Es konnte gute Herrinnen und Herren geben, aber auch sadistische. Es gab solche, die ihre M\u00e4gde und Knechte massiv misshandelten, sie schlugen, ihnen das Leben zur H\u00f6lle machten. Aber diese konnten nicht aus der H\u00f6lle entfliehen, weil sie finanziell von ihnen abh\u00e4ngig waren, durch Recht an diese gebunden waren. Festgeschrieben war das ganze in Gesindeordnungen mit dem Recht des Hausvaters, diese zu z\u00fcchtigen, wenn sie ungehorsam, frech waren oder die Arbeit vernachl\u00e4ssigten. Die Gesindeordnung hat auch die Gewalttaten eingeschr\u00e4nkt, so durfte nicht gefoltert werden, es musste Ma\u00df gehalten werden. Wenn die Herrinnen und Herren \u00fcber die Ma\u00dfen agierten, konnte auch die Obrigkeit eingeschaltet werden. Aber das setzt immer voraus, dass diese auch unabh\u00e4ngig waren und Interesse daran hatten, den Menschen zu helfen. Zudem mussten Beweise geliefert werden &#8211; das war nicht immer leicht m\u00f6glich, es wurden sch\u00e4rfere Repressalien zu recht gef\u00fcrchtet, wenn man die Gewalttaten anzeigte; Menschen, die sich gegen eine \u00fcble Herrschaft wandten, konnten vertrieben werden, im Dorf keine Anstellung mehr finden. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Z\u00fcchtigungsrecht langsam abgeschafft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und um solche Menschen haben sich Kirchen kaum gek\u00fcmmert. Warum? Der Pfarrer war abh\u00e4ngig von den Gro\u00dfbauern, die im Kirchenvorstand sa\u00dfen, Macht hatten, auch Macht, die Pfarrer mit ihren Helfern einzusch\u00fcchtern. Zudem bekamen sie durch die Gemeindeglieder die notwendigen Naturalien, um leben zu k\u00f6nnen. Pfarrer waren auf den Kirchgang und die Einhaltung der Moral spezialisiert &#8211; wie es dann in den H\u00e4usern aussah, hat sie nichts anzugehen. Allerdings hat Calvin auch versucht, die Moral in den Familien durch Kontrolle zu st\u00e4rken. Das ist freilich nicht nur positiv zu sehen, sondern hatte schon religi\u00f6s-ideologische Z\u00fcge, das pers\u00f6nliche Leben aus Glaubensgr\u00fcnden zu \u00fcberwachen. Der Schutz vor Unrecht und die Kontrolle des privaten Lebens lagen hier eng beieinander. Deshalb ist eine st\u00e4rkere moralische Kontrolle nicht automatisch als Fortschritt anzusehen.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier stellte sich auch die Frage nach den Dorfstrukturen, die auch von Macht und Geld bestimmt waren. Literatur aus dem 19. Jahrhundert beschreibt so manches \u00dcbel auf dieser d\u00f6rflichen und famili\u00e4ren Ebene. Ich denke da vor allem an Annette von Droste-H\u00fclshoff: Die Judenbuche; an Theodor Fontanes: Effi Briest. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-white-background-color has-background wp-block-paragraph\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist wichtig, die Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten. Es ist wichtig, diese Fehler sachlich zu erarbeiten. Verallgemeinernde und polemische Vorw\u00fcrfe sind nicht nur nicht wissenschaftlich, sie helfen auch nicht weiter, die Fehler in Zukunft zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#cd2326\">Aufgabe: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#cd2326\">Diskutiere: Menschen der Kirche haben versagt, weil sie Menschen sind und nicht, weil sie Menschen der Kirche sind. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#cd2326\">a) Welche Folgen hat es, wenn man die Fehler bei der Kirche sucht und nicht beim Menschen als Menschen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#cd2326\">b) Welche Folgen hat es, wenn die Fehler allein auf das Menschsein zur\u00fcckgef\u00fchrt werden, nicht aber mit der Kirche, dem Christsein verkn\u00fcpft werden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a34000\">Literatur (die aus christlicher und neuerer wissenschaftlicher Sicht manche Anklagen zurechtr\u00fcckt &#8211; manchmal aber apologetisch):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a35800\">Manfred L\u00fctz: Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums, HerderVerlag, Freiburg 2018<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a35d00\">Lutz E. von Padberg: In Gottes Namen? Von Kreuzz\u00fcgen, Inquisition und gerechten Kriegen. Die 10 h\u00e4ufigsten Vorw\u00fcrfe gegen das Christentum, Brunnenverlag 2010<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a35800\">Vishal Mangalwadi: Das Buch der Mitte. Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzst\u00fcck der westlichen Kultur, fontis\/Brunnenverlag, Basel 2014<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KIRCHE AUF IRRWEGEN \/ ABWEGEN 1. Einf\u00fchrung Kirchengeschichte ist engstens mit der allgemeinen menschlichen Geschichte verkn\u00fcpft. Kirchenmenschen versuchen sich genau so durchzusetzen wie andere Menschen auch. 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