{"id":654,"date":"2019-07-02T11:31:53","date_gmt":"2019-07-02T09:31:53","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=654"},"modified":"2026-08-27T11:21:17","modified_gmt":"2026-08-27T09:21:17","slug":"kirche-und-staat","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/kirche-und-staat\/","title":{"rendered":"Kirche und Staat"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><strong>Diskutiere den folgenden Text<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">KIRCHE \/ CHRISTEN UND DER STAAT<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">1. Antike<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verh\u00e4ltnis zwischen Christen und der j\u00fcdischen bzw. r\u00f6mischen Herrschaft war zu Beginn angespannt. Jesus wurde hingerichtet, weil er Juden und R\u00f6mern missfallen hatte: Juden religi\u00f6s \u2013 R\u00f6mern politisch. Als Sohn Davids mit einem immensen Selbstanspruch war er schlicht und ergreifend den R\u00f6mern ein politisch gef\u00e4hrlicher Mensch \u2013 und musste darum den Tod am Kreuz erleiden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die fr\u00fche Gemeinde war eine \u00fcberschaubare kleine Minderheit und versuchte m\u00f6glichst wenig anzuecken \u2013 so gibt es Regeln im Verh\u00e4ltnis zu den Herrschern, so wird daf\u00fcr geworben, f\u00fcr den Kaiser zu beten, und\u00a0<strong>Paulus<\/strong>\u00a0schreibt im Brief an die Gemeinde in Rom:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>13,1 Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt \u00fcber ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit au\u00dfer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet.2 Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Anordnung Gottes; die ihr aber widerstreben, ziehen sich selbst das Urteil zu.3 Denn vor denen, die Gewalt haben, muss man sich nicht f\u00fcrchten wegen guter, sondern wegen b\u00f6ser Werke. Willst du dich aber nicht f\u00fcrchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von ihr erhalten.4 Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber B\u00f6ses, so f\u00fcrchte dich; denn sie tr\u00e4gt das Schwert nicht umsonst: Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der B\u00f6ses tut. 5 Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen.6 Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst best\u00e4ndig bedacht.7 So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer geb\u00fchrt; Zoll, dem der Zoll geb\u00fchrt; Furcht, dem die Furcht geb\u00fchrt; Ehre, dem die Ehre geb\u00fchrt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber dennoch wurden die Christen von Anfang an immer wieder aus verschiedensten Gr\u00fcnden den Staatsvertretern auff\u00e4llig, auch darum, weil sie den Kaiserkult verweigerten. Es kam zu ersten Verfolgungen, die vom Ende des 1. bis ins 3. Jahrhundert eskalierten. Als\u00a0<strong>Konstantin der Gro\u00dfe<\/strong>\u00a0eingesehen hatte, dass man an den Christen nicht mehr vorbeikam, hat er sie 313 n.Chr. mit dem Toleranzedikt als religi\u00f6se Gruppe neben anderen legalisiert. Als Machtpolitiker versuchte er, die Einheit der Christen herzustellen und berief Konzilien, auf denen theologisch strittige Themen diskutiert wurden. Zudem scheute er sich auch nicht, selbst einzugreifen &#8211; das wird C\u00e4saropapismus genannt (der Kaiser tritt als eine Art Papst auf). Im Jahr 380 wurde das Christentum unter\u00a0<strong>Theodosius I.<\/strong>\u00a0Staatsreligion, was zahlreiche Privilegien mit sich brachte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter\u00a0<strong>Ambrosius von Mailand<\/strong>\u00a0wird deutlich, dass die Kirche immer mehr Macht bekam. Unter der Herrschaft von Kaiser Theodosius wurden einige 1000 Menschen ermordet. Der Bischof Ambrosius rief den Kaiser zur Kirchenbu\u00dfe auf, das hei\u00dft, er sollte in einer Kirche ohne kaiserliche Insignien erscheinen und ein Schuldbekenntnis ablegen. Der Kaiser erschien und b\u00fc\u00dfte. Warum forderte Ambrosius das? Und hier wird deutlich, was in den n\u00e4chsten 1000 Jahren die Auseinandersetzung bestimmen wird. Ambrosius sagte: Der Kaiser ist in der Kirche, nicht \u00fcber der Kirche. Der Kaiser ist als Christ der Kirche untertan \u2013 somit auch den sp\u00e4teren P\u00e4psten. Oder ist der Kaiser, so die Kaiser im Hoch-Mittelalter, Christus direkt unterstellt? Diese beiden M\u00e4chte, Papst und Kaiser, rangen miteinander \u2013 mal dominierte der Kaiser, mal die Kirche bzw. der Papst.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">2. Mittelalter<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr uns Mitteleurop\u00e4er war in diesem Zusammenhang\u00a0<strong>Karl der Gro\u00dfe\u00a0<\/strong>wichtig. Karl nahm sicher seinen christlichen Glauben ernst, aber er ben\u00f6tigte auch die Kirche, um das Reich zu vergr\u00f6\u00dfern und zu stabilisieren \u2013 denn in Mitteleuropa bot die Kirche durch die Kl\u00f6ster das einzig funktionierende System. Als der\u00a0<strong>Papst Leo III.\u00a0<\/strong>in Schwierigkeiten gekommen war, half ihm Karl der Gro\u00dfe \u2013 und Leo kr\u00f6nte ihn im Jahr 800 zum Kaiser. Doch: Leo setzte ihm die Krone auf, statt dass sich Karl (wie der Byzantinische Kaiser) die Krone selbst aufsetzte. Und das \u00e4rgerte ihn, denn er hatte den Eindruck, dass der Papst ihm auch die kaiserliche Macht verleihen w\u00fcrde, also \u00fcber dem Kaiser stehen w\u00fcrde. Und so hat er dann seinem Sohn, Ludwig dem Frommem, 813 die Kaiserkrone aufgesetzt, um zu zeigen, dass der Kaiser seine Macht von Gott bekommen hat, nicht vom Papst \u2013 aber auch um die Nachfolge zu regeln. An der Kirche kam im Grunde kein Herrscher mehr vorbei: Die Bildung lag in ihrer Hand und durch Kl\u00f6ster hatte die Kirche die Herrschaft \u00fcber viele Gebiete. Doch es kam zu einer immer gr\u00f6\u00dferen Machtstellung des Kaisers \u2013 und man konnte sich \u00fcber den Kaiser bei der Kirche \u201eeinkaufen\u201c. Wer genug Geld und Ansehen hatte, konnte \u00fcber den Kaiser die Herrschaft \u00fcber kirchliche L\u00e4ndereien bekommen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Machtkonzentration des Kaisers wurde besonders von\u00a0<strong>Otto dem Gro\u00dfen<\/strong>\u00a0betrieben. Otto I. hatte sich, wie Karl der Gro\u00dfe vom Papst 962 zum Kaiser kr\u00f6nen lassen, nachdem er dem Papst milit\u00e4risch geholfen hatte. Somit wurde das Kaisertum zum Besch\u00fctzer des Papsttums. Doch der Papst verb\u00fcndete sich mit einem Gegner Ottos \u2013 und Otto setzte den Papst dann ab \u2013 es gab im Verlauf der Auseinandersetzung drei P\u00e4pste. Otto I. lebte unter dem druck: Wenn er normalen F\u00fcrsten L\u00e4nder \u00fcbergibt, k\u00f6nnten sie zu reich werden und ihn \u00fcbertrumpfen. Damit das nicht geschieht, hat er Bisch\u00f6fen L\u00e4ndereien gegeben &#8211; dieser Prozess zog sich, wie zu sehen, \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich dominant war der Kaiser auch in den folgenden Jahrzehnten \u2013 besonders\u00a0<strong>Heinrich II.<\/strong>, der Heilige,\u00a0(1002-1024) griff mit gro\u00dfer Macht und Ernst in die Kirchenpolitik ein. Er besetzte alle kirchlichen F\u00fchrungspositionen mit seinen Leuten, f\u00fchrte eine Klosterreform durch, setzte mit dem\u00a0<strong>Papst Benedikt VIII.\u00a0<\/strong>das Z\u00f6libat ein (allgemein f\u00fcr Priester aber erst ab Mitte des 11. Jahrhunderts). Der Grund: Wenn Bisch\u00f6fe nicht heiraten, k\u00f6nnen sie das Land, das der Kaiser ihnen zuweist, nicht vererben, es f\u00e4llt nach ihrem Tod wieder dem Kaiser zu. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich wirksam war\u00a0<strong>Heinrich III.<\/strong>\u00a01046. Als P\u00e4pste um die Macht rivalisierten, setzte er alle ab und einen Vertrauten ein, den deutschen\u00a0<strong>Clemens II.<\/strong>\u00a0Damit hat er die Korruption des Amtes durch den r\u00f6mischen Adel bek\u00e4mpft. Gemeinsam f\u00fchrten sie eine Reform der Kirche und der Kl\u00f6ster durch. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wurden jedoch wieder Stimmen laut, die die Hoheit des Papstes forderten \u2013 und\u00a0<strong>Papst Gregor VII.\u00a0<\/strong>war die Machtperson, die sie durchsetzte. Die Macht des Kaisers sollte in kirchlichen Fragen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden. Kirchliche \u00c4mter sollen nicht mehr gekauft \/ vergeben werden k\u00f6nnen (&#8222;Investiturstreit&#8220;).\u00a0<strong>Heinrich IV.<\/strong>\u00a0wollte das nicht zulassen \u2013 wurde exkommuniziert, mit dem Kirchenbann belegt \u2013 und erst wieder nach seinem ber\u00fchmten Canossa-Bu\u00dfgang 1077 rehabilitiert. Aber der Friede war nicht eingekehrt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sohn,\u00a0<strong>Heinrich V.<\/strong>\u00a0war wieder m\u00e4chtig, so dass\u00a0<strong>Papst Paschalis II.<\/strong>\u00a0und Kaiser einen Vertrag aushandelten: Der Kaiser verzichtet auf die geistlichen \u00c4mtervergabe, der Papst verzichtet auf die weltlichen Anspr\u00fcche. Doch konnte er das angesichts der Macht der kirchlichen F\u00fcrsten und W\u00fcrdentr\u00e4ger, die gegen den Vertrag opponierten, nicht durchsetzen. Als\u00a0<strong>Papst Calixt II.<\/strong>\u00a0an die Macht kam, war man dieser st\u00e4ndigen Auseinandersetzungen m\u00fcde und es kam zu dem ber\u00fchmten\u00a0<strong><em>Wormser Konkordat (1122)<\/em><\/strong>: Der Papst verleiht das Kirchenamt \u2013 der Kaiser verleiht das Kirchengut (&#8222;Regalien&#8220;).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft gingen freilich weiter, mal dominierten die Herrscher, mal die P\u00e4pste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein kurzer Blick auf Ostrom \/ Byzanz. Da sah das Verh\u00e4ltnis von Kirche und Staat anders aus. Wie schon an Konstantin gesehen, hat der Kaiser sich als von Gott eingesetzte Macht angesehen, der \u00fcber die Kirche herrscht, sie sch\u00fctzt, organisiert (C\u00e4saropapismus). Im 6. Jahrhundert hat <strong>Justinian I.<\/strong> die Symphonie, die Einheit betont: Kaiser und Kirche sind zwei von Gott geschenkte M\u00e4chte, die Hand in Hand arbeiten m\u00fcssen. Der Kaiser arbeitet f\u00fcr das leibliche Wohl, die Kirche f\u00fcr das Wohl der Seele. Beide M\u00e4chte ben\u00f6tigen einander. Wenn der Kaiser zu sehr in die Lehre der Kirche eingegriffen hat, war Widerstand durch den Patriarchen von Konstantinopel und den Priestern angesagt. Als dann Byzanz 1453 von den Muslimen erobert worden war, ging die Macht auf Moskau \u00fcber &#8211; es verschmolz das Zarentum mit der orthodoxen Kirche. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">3. 16.-20. Jahrhundert<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letztlich wurde die Macht des Papstes wie auch des Kaisers in Deutschland durch die Reformation gebrochen \u2013 freilich nicht in einem Akt, sondern das zog sich lange dahin. F\u00fcrsten sahen die Reformation als Chance, sich von der Macht des Kaisers zu emanzipieren \u2013 und Luther wandte sich den F\u00fcrsten zu, weil diese seiner Sache diente. Kurz: Sie halfen einander die Macht der beiden M\u00e4chte zu brechen. Mit dem Motto aus dem<em>\u00a0<\/em><strong><em>Augsburger Religionsfrieden 1555<\/em><\/strong><em>:<\/em>\u00a0<em>cuius regio, eius religio<\/em>\u00a0(Wessen Gebiet, dessen Religion \/ Konfession) wurde die Abh\u00e4ngigkeit der Kirche von den jeweiligen regionalen F\u00fcrsten besiegelt. Nach dem 30j\u00e4hrigen Krieg ordnete sich in Europa alles anders \u2013 nicht zuletzt auch darum, weil die Aufkl\u00e4rung Fu\u00df fasste \u2013 und mit ihr verbunden zum Teil die Abwendung von kirchlichen (und staatlichen) Traditionen. Freilich ist auch die Aufkl\u00e4rung Teil der Kirchengeschichte, denn die Vertreter waren christlich sozialisiert und handelten gegen eine bestimmte Form des damals herrschenden politischen Christentums. Wie dem auch sei: Kirche und Staat \/ F\u00fcrsten verloren an Macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1803 wurde im Reichsdeputationshauptschluss beschlossen, dass die Kirchen, die durch die franz\u00f6sische Besetzung des linksrheinischen Gebiets (unter\u00a0Napoleon) enteignet worden waren, entsch\u00e4digt werden. Die Kirchen wurden auf die Weise entsch\u00e4digt, dass der Staat als Ausgleich Finanzleistungen \u00fcbernommen hat. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem den F\u00fcrsten die Macht genommen war, wurde der preu\u00dfische K\u00f6nig, der zugleich Deutscher Kaiser war, der oberste Herr der Evangelischen Kirche \u2013 und nach der Abdankung von\u00a0<strong>Wilhelm II.\u00a0<\/strong>1918 mussten die Kirchen neue Wege der Freiheit von den Herrschern gehen.\u00a0<strong>Hitler\u00a0<\/strong>versuchte in den 30ger Jahren wieder \u00fcber die &#8222;Deutschen Christen&#8220; die Herrschaft \u00fcber die Kirche zu bekommen, was aber am desolaten Zustand der &#8222;Deutschen Christen&#8220;, am Widerstand der &#8222;Bekennenden Kirche&#8220; und zun\u00e4chst freilich am Krieg scheiterte. Die &#8222;Deutschen Christen&#8220; wollten traditionell im Schutz und in \u00dcbereinstimmung mit dem Staat leben, obgleich er antichristlich eingestellt war, die &#8222;Bekennende Kirche&#8220; erkannte die Gefahr, l\u00f6ste sich von der Tradition, der Unterordnung unter dem Staat und versuchte eine Struktur zu errichten, die vom Staat unabh\u00e4ngig war. Hitler wollte dann das Kirchenproblem nach dem Krieg in seinem antikirchlichen Sinne l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der\u00a0<strong><em>Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung<\/em><\/strong>, die gegen den Anspruch Hitlers formuliert wurde, hei\u00dft es grunds\u00e4tzlich:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Wir verwerfen die falsche Lehre, als d\u00fcrfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen \u00dcberzeugungen \u00fcberlassen.\u201c<\/em><a href=\"http:\/\/www.ekd.de\/bekenntnisse\/barmer_theologische_erklaerung.html\"> <\/a><a href=\"http:\/\/www.ekd.de\/bekenntnisse\/barmer_theologische_erklaerung.html\">http:\/\/www.ekd.de\/bekenntnisse\/barmer_theologische_erklaerung.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christen bekennen Jesus Christus als ihren Herrn \u2013 von ihm allein sind sie abh\u00e4ngig. Von daher k\u00f6nnen Christen in einem Staat, der auf ihren Werten beruht, gut leben. Kommt ihm aber in den Sinn, die Werte auf den Kopf zu stellen, m\u00fcssen Christen opponieren &#8211; auch wenn die Kirchen als Institutionen eher lavieren, da der Staat nicht mehr sch\u00fctzt (s. DDR).\u00a0Dietrich <strong>Bonhoeffer\u00a0<\/strong>hat in der Zeit des Nationalsozialismus massiv \u00fcber das Verh\u00e4ltnis des Christen zum Staat nachgedacht \u2013 auch in Auseinandersetzung mit dem Brief des Paulus an die R\u00f6mer (Kapitel 13). Er sieht des Christen\u00a0<em>\u201eGehorsamspflicht bindet ihn solange, bis die Obrigkeit ihn direkt zum Versto\u00df gegen das g\u00f6ttliche Gebot zwingt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">4. Nach 1945<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Westdeutschland:<\/strong> Die Katholische Kirche schlie\u00dft\u00a0<strong><em>Konkordate<\/em><\/strong>\u00a0\u2013 Staatskirchenvertr\u00e4ge \u2013 mit den jeweiligen L\u00e4ndern ab, und sie unterliegen dem V\u00f6lkerrecht, weil der Vatikan bekanntlich ein eigener Staat ist, genauer gesagt: der Heilige Stuhl ist der Vertragspartner. Bei uns in Deutschland ist das freilich ein wenig anders. Das Recht ist kompliziert \u2013 wichtig ist: Kirchen und Staat (und zwar nicht der Bund, sondern die L\u00e4nder) schlie\u00dfen Staatskirchenvertr\u00e4ge, die nur einvernehmlich gek\u00fcndigt werden k\u00f6nnen. Der\u00a0<strong><em>Loccumer Vertrag<\/em><\/strong>\u00a0von 1955 (geschlossen zwischen Kirche und dem Land Niedersachsen) ist ma\u00dfgeblich f\u00fcr andere Vertr\u00e4ge geworden: Es geht in ihm um alle m\u00f6glichen Fragen: Theologische Fakult\u00e4ten, Religionsunterricht, Steuern, Freiheit der Kirchen in Diakonie, \u00d6ffentlichkeitsarbeit, es geht um Selbstbestimmungsrecht usw.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der demokratische Staat unterst\u00fctzt die Kirchen wie alle Gruppierungen, weil die B\u00fcrger die Grundlage des Staates sind. Der Staat ist \u2013 pauschal gesagt \u2013 nicht mehr autark, die Herrscher sind abh\u00e4ngig von dem W\u00e4hler (<strong><em>Subsidiarit\u00e4tsprinzip<\/em><\/strong>). Die beiden christlichen Kirchen und Gemeinschaften sind nach wie vor der gr\u00f6\u00dfte religi\u00f6se \/ weltanschauliche Block in der Bev\u00f6lkerung \u2013 von daher kann der Staat die Kirchen nicht \u00fcbergehen. Dar\u00fcber hinaus: Kirchen k\u00f6nnen mit den Diakonischen Einrichtungen, den Bildungseinrichtungen usw. usw. nicht ersetzt werden. Das w\u00fcrde den Staat \u00fcberfordern. Ebenso ist unsere gesamte kulturelle Tradition und das Wertesystem (damit zusammen h\u00e4ngt auch die soziale Marktwirtschaft) christlich bzw. in Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben gepr\u00e4gt worden. Auch das\u00a0<strong><em>Grundgesetz<\/em><\/strong>\u00a0enth\u00e4lt (\u00fcber die Paulskirchenverfassung [1849] und den Reichsverfassungen [1871\/1919] hinaus) den Gottesbezug \u2013 weil die so genannten V\u00e4ter und M\u00fctter des Grundgesetzes gesehen haben, wohin ein atheistischer Staat (Nationalsozialismus und der materialistische Kommunismus in der Sowjetunion stand auch vor Augen) f\u00fchrt, der s\u00e4mtliche christlichen Traditionen aus dem Fenster werfen will: Die W\u00fcrde des Menschen, die im Grundgesetz angesprochen wird, steht auch in der Tradition des christlichen Glaubens. In der Pr\u00e4ambel des Grundgesetzes hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eIm Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen\u2026 hat sich das Deutsche Volk \u2026 dieses Grundgesetz gegeben.\u201c<\/em>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bundesrecht\/gg\/gesamt.pdf\">http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bundesrecht\/gg\/gesamt.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt eine Gr\u00f6\u00dfe, die auch dem staatlichen Zugriff entzogen ist: Gott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch: Es gibt keine Staatskirche, der Staat hat die Aufgabe, die Religionsfreiheit zu sichern \u2013 und so wird im Grundgesetz auch nicht die Vollmacht des Staates als ideologisch eigenst\u00e4ndige Gr\u00f6\u00dfe betont, sondern seine Aufgabe: die W\u00fcrde des Menschen \u201ezu achten und zu sch\u00fctzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.\u201c .<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitsichtige Menschen erkennen, dass Werte \u2013 und die W\u00fcrde des Menschen \u2013 nicht aus sich selbst begr\u00fcndet werden k\u00f6nnen, dass auch der Staat nicht die Aufgabe hat, Werte zu erzeugen (wie der Versuch des Nationalsozialismus und des Kommunismus)&nbsp; \u2013 dass man darum auf die Kirchen in der Wertevermittlung angewiesen ist (z.B. Religionsunterricht), denn eine Gesellschaft ben\u00f6tigt eine gemeinsame Grundlage \u2013 die freilich, und das geh\u00f6rt zur Freiheit und W\u00fcrde, an den R\u00e4ndern der Gesellschaft ausfransen kann. Was <strong><em>religi\u00f6se Neutralit\u00e4t des Staates<\/em><\/strong> bedeutet, formuliert das Bundesverfassungsgericht im Kontext des&nbsp;<em>Kruzifixurteils<\/em>&nbsp;1995 so:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eAuch ein Staat, der die Glaubensfreiheit umfassend gew\u00e4hrleistet und sich damit selber zu religi\u00f6s-weltanschaulicher Neutralit\u00e4t verpflichtet, kann die kulturell vermittelten und historisch verwurzelten Wert\u00fcberzeugungen und Einstellungen nicht abstreifen, auf denen der gesellschaftliche Zusammenhalt beruht und von denen auch die Erf\u00fcllung seiner eigenen Aufgaben abh\u00e4ngt. Der christliche Glaube und die christlichen Kirchen sind dabei, wie immer man ihr Erbe heute beurteilen mag, von \u00fcberragender Pr\u00e4gekraft gewesen. Die darauf zur\u00fcckgehenden Denktraditionen, Sinnerfahrungen und Verhaltensmuster k\u00f6nnen dem Staat nicht gleichg\u00fcltig sein. Das gilt in besonderem Ma\u00df f\u00fcr die Schule, in der die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft vornehmlich tradiert und erneuert werden\u201c<\/em>.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.dreigliederung.de\/essays\/1995-05-001.html\">http:\/\/www.dreigliederung.de\/essays\/1995-05-001.html<\/a> (3a)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei dieser Fragestellung muss auch beachtet werden, dass durch das Engagement von Christen im Staat, als Politiker, als Beamte, als Besch\u00e4ftigte des \u00d6ffentlichen Dienstes die Grenzen zwischen Kirche und Staat immer flie\u00dfend sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ostdeutschland:<\/strong> Die Kirche in der DDR musste einen eigenen Weg gehen. Sie lebte nicht mehr im Schutz des Staates, sondern musste versuchen, Kirche im Staat zu bleiben, trotz staatlichen Widerstandes. Damit musste sie auf \u00dcberlegungen der &#8222;Bekennenden Kirche&#8220; zur\u00fcckgreifen, also eigene Strukturen entwickeln, &#8222;Kirche im Sozialismus&#8220; (<strong>Albrecht Sch\u00f6nherr<\/strong>) werden gleichzeitig aber musste sie mit dem Staat kooperieren. Aber nicht wie die &#8222;Deutschen Christen&#8220;, die ideologisch angepasst leben wollten, sondern eben Kirche <em>im<\/em> Sozialismus und nicht sozialistische Kirche. Es war ein ganz neuer Weg zu erproben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Blick auf andere <strong>L\u00e4nder weltweit<\/strong> zeigt sich ein sehr diverses Bild, das hier nicht detailliert dargelegt werden kann. In Europa reicht das Spektrum vom Laizismus in Frankreich (das hei\u00dft: Trennung von Kirche und Staat im \u00f6ffentlichen Raum), \u00fcber die Staatskirche in Gro\u00dfbritannien (der Monarch ist Oberhaupt der anglikanischen Kirche &#8211; will es aber 2026 \u00fcber alle Religionen in Gro\u00dfbritannien sein) bis hin zur katholischen Pr\u00e4gung zum Beispiel in Polen. In den USA ist die Trennung auch vorhanden, aber gleichzeitig stark religi\u00f6s durchdrungen, wobei sich auch hier s\u00e4kulare Str\u00f6mungen vehement durchzusetzen versuchen. In China, Nordkorea, in islamischen Staaten leiden Christen unter staatlichen Repressionen. In anderen asiatischen, s\u00fcdamerikanischen und afrikanischen Staaten wird das Verh\u00e4ltnis wieder unterschiedlich gelebt.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">5. Das 21. Jahrhundert<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist zu fr\u00fch, das 21. Jahrhundert aus einer Vogelperspektive zu betrachten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erkennbar wird eine st\u00e4rkere S\u00e4kularisierung in der Bev\u00f6lkerung, damit auch zu gr\u00f6\u00dferen atheistischen Auseinandersetzungen, parallel dazu eine st\u00e4rkere Islamisierung. Traditionelle Werte werden auch innerhalb der Kirchen \u00fcber Konfessionsgrenzen hinweg infrage gestellt. Das Wissen \u00fcber den christlichen Glauben sinkt rapide. Hier und da werden atheistische und s\u00e4kulare Stimmen laut, die einmal die Kirchen auf das private Leben einschr\u00e4nken wollen, andere Stimmen werden laut, die den Islam auf die gleiche Ebene stellen wollen wie die Kirchen (Religionsunterricht, Feiertage, Moscheebau und Rufe). Der Staat ist bestimmend geworden, w\u00e4hrend gleichzeitig das Vertrauen in staatliche Institutionen insgesamt sinkt. Kirchen spielen in s\u00e4kularen Medien kaum mehr eine pr\u00e4gende Rolle, sind in Nischen t\u00e4tig. Christen betreiben selbst Medien-Portale. Kirchenleitungen (vor allem protestantische) passen sich eher den Vorgaben des Staates an, auch wenn er durch Gesetze traditionelle Werte ablehnt. Sie versuchen allerdings durch Schriften argumentativ in wichtige Diskussionen einzugreifen, schw\u00e4chen sich jedoch durch uneinheitliche ethische Positionen selbst. Das muss kein Nachteil sein, weil sie dadurch an dem demokratischen Prozess teilhaben, wenn kein Zwang auf andere Meinungen ausge\u00fcbt wird. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt eine st\u00e4rker werdende Diskrepanz zwischen denen, die in Kirchen dominieren und den Christen, die eher traditionell orientiert sind. Zu beobachten ist gleichzeitig, dass durch zugereiste Christen eine neue Missionierung \u00fcber Social Media stattfindet, was von S\u00e4kularen und s\u00e4kularen Christen jedoch eher als Gefahr interpretiert wird. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Zusammenr\u00fccken der Konfessionen angesichts der schwieriger gewordenen Lage ist hier und da erkennbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christen aus Deutschland haben viel dazu beigetragen, dass weltweit soziale und missionarische Projekte unterst\u00fctzt wurden. Dadurch, dass weniger Menschen sich mit den Kirchen identifizieren, ist auch die weltweite Unterst\u00fctzung im alten Ausma\u00df nicht mehr m\u00f6glich. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch den Mitgliederschwund sind Neuorganisierungen der Kirchen vor Ort notwendig. In manchen L\u00e4ndern der Welt kennen Christen das, sie leben nicht im Schutz des Staates, manchmal vom Staat ausgegrenzt. Dadurch, dass sie \u00e4rmer sind, m\u00fcssen entweder die Gemeinden vor Ort ihren Pfarrer bezahlen, der dann jedoch abh\u00e4ngig wird von den Finanzstarken. Oder aber: Pfarrer arbeiten wie andere auch, sind dar\u00fcber hinaus im Pfarrberuf t\u00e4tig, was allerdings eine starke Beanspruchung bedeutet. Das hei\u00dft: In Verbindung mit unserer Tradition in Deutschland k\u00f6nnen wir auch aus den Strukturen und der Widerstandskraft anderer L\u00e4nder lernen. Bevor aber der Mitgliederschund beklagt wird, sollte das Wort Jesu wieder st\u00e4rker im Fokus stehen: Menschen in die Nachfolge einzuladen (missionieren). <strong>Papst Benedikt XVI.<\/strong> hat in diesem Zusammenhang 1969 nicht geklagt, sondern das als Zukunftsperspektive betont: Die Kirche in Europa wird in Zukunft viel verloren haben, klein werden, aber daf\u00fcr durch den Glauben st\u00e4rker. Im Grunde wie Kirchen auf den anderen Kontinenten, in denen sie rasant w\u00e4chst. Es geht ihm nicht mehr um institutionelles Kreisen um sich selbst, sondern um eine Wirksamkeit nach au\u00dfen aufgrund innerer Glaubensst\u00e4rke. Was in diesem Zusammenhang auch wichtig wird: In unserer Gesellschaft haben sich Christen zu sehr auf die institutionalisierte Volkskirche verlassen, so auf die Pfarrerinnen und Pfarrer \/ Priester. Sie waren Konsumenten der Dienstleistungen. Der Blick \u00e4ndert sich: Jede und jeder einzelne Christ ist von Gott beauftragt, in dem Staat, in dem er lebt, verantwortungsvoll aus dem Glauben zu leben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt in Kirchen der Gegenwart wie in der Geschichte beide Bestrebungen: Anpassung oder Widerstand.      <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><strong>Link zum Diskutieren:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wolfgang Huber:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.ekd.de\/vortraege\/huber\/061030_huber_wien.html\">http:\/\/www.ekd.de\/vortraege\/huber\/061030_huber_wien.html<\/a> (Links \u00fcberpr\u00fcft: August 2026)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diskutiere den folgenden Text KIRCHE \/ CHRISTEN UND DER STAAT 1. Antike Das Verh\u00e4ltnis zwischen Christen und der j\u00fcdischen bzw. r\u00f6mischen Herrschaft war zu Beginn angespannt. Jesus wurde hingerichtet, weil er Juden und R\u00f6mern missfallen hatte: Juden religi\u00f6s \u2013 R\u00f6mern politisch. 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