{"id":654,"date":"2019-07-02T11:31:53","date_gmt":"2019-07-02T09:31:53","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=654"},"modified":"2019-07-31T09:09:15","modified_gmt":"2019-07-31T07:09:15","slug":"kirche-und-staat","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/kirche-und-staat\/","title":{"rendered":"Kirche und Staat"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"color:#a30003;text-align:center\" class=\"has-text-color\"><strong>Diskutiere den folgenden Text<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-medium-font-size\">KIRCHE \/ CHRISTEN UND DER STAAT<\/p>\n\n\n\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zwischen Christen und dem j\u00fcdischen bzw. r\u00f6mischen Staat war zu Beginn angespannt. Jesus wurde hingerichtet, weil er Juden und R\u00f6mern missfallen hatte: Juden religi\u00f6s \u2013 R\u00f6mern politisch. Als Sohn Davids mit einem immensen Selbstanspruch war er schlicht und ergreifend ein politisch gef\u00e4hrlicher Mensch \u2013 und musste darum den Tod am Kreuz erleiden. Die fr\u00fche Gemeinde war eine \u00fcberschaubare kleine Minderheit und versuchte m\u00f6glichst wenig anzuecken \u2013 so gibt es Regeln im Verh\u00e4ltnis zum Staat, so wird daf\u00fcr geworben, f\u00fcr den Kaiser zu beten, und\u00a0<strong>Paulus<\/strong>\u00a0schreibt im R\u00f6merbrief:<\/p>\n\n\n\n<p><em>13 Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt \u00fcber ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit au\u00dfer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet.2 Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Anordnung Gottes; die ihr aber widerstreben, ziehen sich selbst das Urteil zu.3 Denn vor denen, die Gewalt haben, muss man sich nicht f\u00fcrchten wegen guter, sondern wegen b\u00f6ser Werke. Willst du dich aber nicht f\u00fcrchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von ihr erhalten.4 Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber B\u00f6ses, so f\u00fcrchte dich; denn sie tr\u00e4gt das Schwert nicht umsonst: Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der B\u00f6ses tut. 5 Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen.6 Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst best\u00e4ndig bedacht.7 So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer geb\u00fchrt; Zoll, dem der Zoll geb\u00fchrt; Furcht, dem die Furcht geb\u00fchrt; Ehre, dem die Ehre geb\u00fchrt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aber dennoch wurden die Christen von Anfang an immer wieder den Staatsvertretern auff\u00e4llig. Es kam zu ersten Verfolgungen, die vom Ende des 1. bis ins 3. Jahrhundert eskalierten. Als\u00a0<strong>Konstantin der Gro\u00dfe<\/strong>\u00a0eingesehen hatte, dass man an den Christen nicht mehr vorbeikam, hat er sie 312\/313 n.Chr. mit dem Toleranzedikt als religi\u00f6se Gruppe anerkannt. Als Machtpolitiker versuchte er die Einheit der Christen herzustellen, und berief Konzilien, auf denen theologisch strittige Themen diskutiert wurden \u2013 und er scheute sich auch nicht, selbst einzugreifen. Im Jahr 380 wurde das Christentum unter\u00a0<strong>Theodosius I.<\/strong>\u00a0Staatsreligion, was zahlreiche Privilegien mit sich brachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter\u00a0<strong>Ambrosius von Mailand<\/strong>\u00a0wird deutlich, dass die Kirche immer mehr Macht bekam. Unter der Herrschaft von Kaiser Theodosius wurden einige 1000 Menschen ermordet. Der Bischof Ambrosius rief den Kaiser zur Kirchenbu\u00dfe auf, das hei\u00dft, er sollte in einer Kirche ohne kaiserliche Insignien erscheinen und ein Schuldbekenntnis ablegen. Der Kaiser erschien und b\u00fc\u00dfte. Warum forderte Ambrosius das? Und hier wird deutlich, was in den n\u00e4chsten 1000 Jahren die Auseinandersetzung bestimmen wird: Der Kaiser ist als Christ der Kirche untertan \u2013 somit dem Papst. Oder ist er, so die sp\u00e4teren Kaiser, Christus direkt unterstellt? Diese beiden M\u00e4chte, Papst und Kaiser, rangen miteinander \u2013 mal dominierte der Kaiser, mal die Kirche bzw. der Papst.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns Mitteleurop\u00e4er war in diesem Zusammenhang\u00a0<strong>Karl der Gro\u00dfe\u00a0<\/strong>wichtig. Karl nahm sicher seinen christlichen Glauben ernst, aber er ben\u00f6tigte auch die Kirche, um das Reich zu vergr\u00f6\u00dfern und zu stabilisieren \u2013 denn in Mitteleuropa bot die Kirche durch die Kl\u00f6ster das einzig funktionierende System. Als der\u00a0<strong>Papst Leo III.\u00a0<\/strong>in Schwierigkeiten gekommen war, half ihm Karl der Gro\u00dfe \u2013 und Leo kr\u00f6nte ihn im Jahr 800 zum Kaiser. Doch: Leo setzte ihm die Krone auf, statt dass sich Karl (wie der Byzantinische Kaiser) die Krone selbst aufsetzte. Und das \u00e4rgerte ihn und so hat er dann seinem Sohn die Kaiserkrone aufgesetzt. An der Kirche kam im Grunde kein Herrscher mehr vorbei: Die Bildung lag in ihrer Hand \u2013 aber auch durch Kl\u00f6ster die Herrschaft \u00fcber viele Gebiete. Doch es kam zu einer immer gr\u00f6\u00dferen Machtstellung des Kaisers \u2013 und man konnte sich \u00fcber den Kaiser bei der Kirche \u201eeinkaufen\u201c. Wer genug Geld und Ansehen hatte, konnte \u00fcber den Kaiser die Herrschaft \u00fcber kirchliche L\u00e4ndereien bekommen.Die Machtkonzentration des Kaisers wurde besonders von\u00a0<strong>Otto dem Gro\u00dfen<\/strong>\u00a0betrieben. Otto I. hatte sich, wie Karl der Gro\u00dfe vom Papst 962 zum Kaiser kr\u00f6nen lassen, nachdem er dem Papst milit\u00e4risch geholfen hatte. Somit wurde das Kaisertum zum Besch\u00fctzer des Papsttums. Doch der Papst verb\u00fcndete sich mit einem Gegner Ottos \u2013 und Otto setzte den Papst dann ab \u2013 es gab im Verlauf der Auseinandersetzung drei P\u00e4pste. \u00c4hnlich dominant war der Kaiser auch in den folgenden Jahrzehnten \u2013 besonders\u00a0<strong>Heinrich II.<\/strong>, der Heilige,\u00a0(1002-1024) griff mit gro\u00dfer Macht und Ernst in die Kirchenpolitik ein. Er besetzte alle kirchlichen F\u00fchrungspositionen mit seinen Leuten, f\u00fchrte eine Klosterreform durch, setzte mit dem\u00a0<strong>Papst Benedikt VIII.\u00a0<\/strong>das Z\u00f6libat ein. Der Grund: Wenn Bisch\u00f6fe nicht heiraten, k\u00f6nnen sie das Land, das der Kaiser ihnen zuweist, nicht vererben, es f\u00e4llt nach ihrem Tod wieder dem Kaiser zu. \u00c4hnlich wirksam war\u00a0<strong>Heinrich III.<\/strong>\u00a0Als P\u00e4pste um die Macht rivalisierten, setzte er alle ab und einen Vertrauten ein, den deutschen\u00a0<strong>Clemens II.<\/strong>\u00a0Gemeinsam f\u00fchrten sie eine Reform der Kirche und der Kl\u00f6ster durch. Es wurden jedoch wieder Stimmen laut, die die Hoheit des Papstes forderten \u2013 und\u00a0<strong>Papst Gregor VII.\u00a0<\/strong>war die Machtperson, die sie durchsetzte. Die Macht des Kaisers sollte in kirchlichen Fragen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden. Kirchliche \u00c4mter sollen nicht mehr gekauft werden k\u00f6nnen.\u00a0<strong>Heinrich IV.<\/strong>\u00a0wollte das nicht zulassen \u2013 wurde exkommuniziert \u2013 und erst wieder nach seinem ber\u00fchmten Canossa-Bu\u00dfgang 1077 rehabilitiert. Aber der Friede war nicht eingekehrt. Der Sohn,\u00a0<strong>Heinrich V.<\/strong>\u00a0war wieder m\u00e4chtig, so dass\u00a0<strong>Papst Paschalis II.<\/strong>\u00a0und Kaiser einen Vertrag aushandelten: Der Kaiser verzichtet auf die geistlichen \u00c4mtervergabe, der Papst verzichtet auf die weltlichen Anspr\u00fcche. Doch konnte er das angesichts der Macht der kirchlichen F\u00fcrsten und W\u00fcrdentr\u00e4ger, die gegen den Vertrag opponierten, nicht durchsetzen. Als\u00a0<strong>Papst Calixt II.<\/strong>\u00a0an die Macht kam, war man dieser st\u00e4ndigen Auseinandersetzungen m\u00fcde und es kam zu dem ber\u00fchmten\u00a0<strong><em>Wormser Konkordat (1122)<\/em><\/strong>: Der Papst verleiht das Kirchenamt \u2013 der Kaiser verleiht das Kirchengut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft gingen freilich weiter, mal dominierten die Herrscher, mal die P\u00e4pste.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich wurde die Macht des Papstes und des Kaisers in Deutschland durch die Reformation gebrochen \u2013 freilich nicht in einem Akt, sondern das zog sich lange dahin. F\u00fcrsten sahen die Reformation als Chance, sich von der Macht des Kaisers zu emanzipieren \u2013 und Reformatoren wandten sich den F\u00fcrsten zu, weil diese ihrer Sache dienten. Mit dem Motto aus dem<em>\u00a0<\/em><strong><em>Augsburger Religionsfrieden 1555<\/em><\/strong><em>:<\/em>\u00a0<em>cuius regio eius religio<\/em>\u00a0wurde die Abh\u00e4ngigkeit der Kirche von den F\u00fcrsten besiegelt. Nach dem 30j\u00e4hrigen Krieg ordnete sich in Europa alles anders \u2013 nicht zuletzt auch darum, weil die Aufkl\u00e4rung Fu\u00df fasste \u2013 und mit ihr verbunden zum Teil die Abwendung von kirchlichen (und staatlichen) Traditionen. Freilich ist auch die Aufkl\u00e4rung Teil der Kirchengeschichte, denn die Vertreter waren christlich sozialisiert und handelten gegen eine bestimmte Form des damals herrschenden politischen Christentums. Wie dem auch sei: Kirche und Staat\/F\u00fcrsten verloren an Macht.<\/p>\n\n\n\n<p>1803 wurde im Reichsdeputationshauptschluss beschlossen, dass die weltlichen F\u00fcrsten, die durch die franz\u00f6sische Besetzung des linksrheinischen Gebiets (unter&nbsp;Napoleon) enteignet worden waren, entsch\u00e4digt werden. Die Kirchen wurden auf die Weise entsch\u00e4digt, dass der Staat als Ausgleich die Finanzierung der Kirche \u00fcbernahm. (&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.regionalgeschichte.net\/hauptportal\/bibliothek\/texte\/ereignisse-und-fakten\/1803-reichsdeputationshauptschluss.html\">http:\/\/www.regionalgeschichte.net\/hauptportal\/bibliothek\/texte\/ereignisse-und-fakten\/1803-reichsdeputationshauptschluss.html<\/a>&nbsp;)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kaiser war der oberste Herr der Evangelischen Kirche \u2013 und nach der Abdankung von\u00a0<strong>Wilhelm II.\u00a0<\/strong>1918 mussten die Kirchen neue Wege der Freiheit von den Herrschern gehen.\u00a0<strong>Hitler\u00a0<\/strong>versuchte in den 30ger Jahren wieder \u00fcber die Deutschen Christen die Herrschaft \u00fcber die Kirche zu bekommen, was aber am desolaten Zustand der Deutschen Christen, am Widerstand der Bekennenden Kirche und zun\u00e4chst freilich am Krieg scheiterte. Hitler wollte dann das Kirchenproblem nach dem Krieg in seinem antikirchlichen Sinne l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der\u00a0<strong><em>Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung<\/em><\/strong><em>\u00a0<\/em>hei\u00dft es grunds\u00e4tzlich:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Wir verwerfen die falsche Lehre, als d\u00fcrfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen \u00dcberzeugungen \u00fcberlassen.\u201c<\/em><a href=\"http:\/\/www.ekd.de\/bekenntnisse\/barmer_theologische_erklaerung.html\">http:\/\/www.ekd.de\/bekenntnisse\/barmer_theologische_erklaerung.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Christen bekennen Jesus Christus als ihren Herrn \u2013 von ihm allein sind sie abh\u00e4ngig. Von daher k\u00f6nnen Christen in einem Staat, der auf ihren Werten beruht, gut leben. Kommt ihm aber in den Sinn, die Werte auf den Kopf zu stellen, m\u00fcssen sie opponieren (s. DDR).\u00a0Dietrich <strong>Bonhoeffer\u00a0<\/strong>hat in der Zeit des Nationalsozialismus massiv \u00fcber das Verh\u00e4ltnis des Christen zum Staat nachgedacht \u2013 auch in Auseinandersetzung mit dem Brief des Paulus an die R\u00f6mer (Kapitel 13). Er sieht des Christen\u00a0<em>\u201eGehorsamspflicht bindet ihn solange, bis die Obrigkeit ihn direkt zum Versto\u00df gegen das g\u00f6ttliche Gebot zwingt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Katholische Kirche schlie\u00dft\u00a0<strong><em>Konkordate<\/em><\/strong>\u00a0\u2013 Staatskirchenvertr\u00e4ge \u2013 mit den jeweiligen L\u00e4ndern ab, und sie unterliegen dem V\u00f6lkerrecht, weil der Vatikan bekanntlich ein eigener Staat ist. Bei uns in Deutschland ist das freilich ein wenig anders. Das Recht ist kompliziert \u2013 wichtig ist: Kirchen und Staat (und zwar nicht der Bund, sondern die L\u00e4nder) schlie\u00dfen Vertr\u00e4ge, die nur einvernehmlich gek\u00fcndigt werden k\u00f6nnen. Der\u00a0<strong><em>Loccumer Vertrag<\/em><\/strong>\u00a0von 1955 (geschlossen zwischen Kirche und dem Land Niedersachsen) ist ma\u00dfgeblich f\u00fcr andere Vertr\u00e4ge geworden: Es geht in ihm um alle m\u00f6glichen Fragen: Theologische Fakult\u00e4ten, Religionsunterricht, Steuern, Freiheit der Kirchen in Diakonie, \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Selbstbestimmungsrecht usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Der demokratische Staat unterst\u00fctzt die Kirchen wie alle Gruppierungen, weil die B\u00fcrger die Grundlage des Staates sind. Der Staat ist \u2013 pauschal gesagt \u2013 nicht mehr autark, die Herrscher sind abh\u00e4ngig von dem W\u00e4hler (<strong><em>Subsidiarit\u00e4tsprinzip<\/em><\/strong>). Den beiden christlichen Kirchen geh\u00f6ren noch ca. 50 Millionen der Bev\u00f6lkerung an (in Westdeutschland 75% und in Ostdeutschland 25%; Durchschnitt 62%) \u2013 von daher kann der Staat die Kirchen nicht \u00fcbergehen. Dar\u00fcber hinaus: Kirchen k\u00f6nnen mit den Diakonischen Einrichtungen, den Bildungseinrichtungen usw. usw. nicht ersetzt werden. Das w\u00fcrde den Staat \u00fcberfordern. Dar\u00fcber hinaus ist unsere gesamte kulturelle Tradition und das Wertesystem (damit zusammen h\u00e4ngt auch die soziale Marktwirtschaft) christlich bzw. in Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben gepr\u00e4gt worden. Auch das\u00a0<strong><em>Grundgesetz<\/em><\/strong>\u00a0enth\u00e4lt (\u00fcber die Paulskirchenverfassung [1849] und den Reichsverfassungen [1871\/1919] hinaus) den Gottesbezug \u2013 weil die so genannten V\u00e4ter und M\u00fctter des Grundgesetzes gesehen haben, wohin ein atheistischer Staat f\u00fchrt, der s\u00e4mtliche christlichen Traditionen aus dem Fenster werfen will: Die W\u00fcrde des Menschen, die im Grundgesetz angesprochen wird, steht auch in der Tradition des christlichen Glaubens. In der Pr\u00e4ambel des Grundgesetzes hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIm Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen\u2026 hat sich das Deutsche Volk \u2026 dieses Grundgesetz gegeben.\u201c<\/em>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bundesrecht\/gg\/gesamt.pdf\">http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bundesrecht\/gg\/gesamt.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch: Es gibt keine Staatskirche, der Staat hat die Aufgabe, die Religionsfreiheit zu sichern \u2013 und so wird im Grundgesetz auch nicht die Vollmacht des Staates als ideologisch eigenst\u00e4ndige Gr\u00f6\u00dfe betont, sondern seine Aufgabe: die W\u00fcrde des Menschen \u201ezu achten und zu sch\u00fctzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.\u201c .<\/p>\n\n\n\n<p>Weitsichtige Menschen erkennen, dass Werte \u2013 und die W\u00fcrde des Menschen \u2013 nicht aus sich selbst begr\u00fcndet werden k\u00f6nnen, dass auch der Staat nicht die Aufgabe hat, Werte zu erzeugen (wie der Versuch des Nationalsozialismus und des Kommunismus)\u00a0 \u2013 dass man darum auf die Kirchen in der Wertevermittlung angewiesen ist (z.B. Religionsunterricht), denn eine Gesellschaft ben\u00f6tigt eine gemeinsame Grundlage \u2013 die freilich, und das geh\u00f6rt zur Freiheit und W\u00fcrde, an den R\u00e4ndern der Gesellschaft ausfransen kann. Was <strong><em>religi\u00f6se Neutralit\u00e4t des Staates<\/em><\/strong> bedeutet, formuliert das Bundesverfassungsgericht im Kontext des\u00a0<em>Kruzifixurteils<\/em>\u00a01995 so:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eAuch ein Staat, der die Glaubensfreiheit umfassend gew\u00e4hrleistet und sich damit selber zu religi\u00f6s-weltanschaulicher Neutralit\u00e4t verpflichtet, kann die kulturell vermittelten und historisch verwurzelten Wert\u00fcberzeugungen und Einstellungen nicht abstreifen, auf denen der gesellschaftliche Zusammenhalt beruht und von denen auch die Erf\u00fcllung seiner eigenen Aufgaben abh\u00e4ngt. Der christliche Glaube und die christlichen Kirchen sind dabei, wie immer man ihr Erbe heute beurteilen mag, von \u00fcberragender Pr\u00e4gekraft gewesen. Die darauf zur\u00fcckgehenden Denktraditionen, Sinnerfahrungen und Verhaltensmuster k\u00f6nnen dem Staat nicht gleichg\u00fcltig sein. Das gilt in besonderem Ma\u00df f\u00fcr die Schule, in der die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft vornehmlich tradiert und erneuert werden\u201c<\/em>.&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.dreigliederung.de\/essays\/1995-05-001.html\">http:\/\/www.dreigliederung.de\/essays\/1995-05-001.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bei dieser Fragestellung muss auch beachtet werden, dass durch das Engagement von Christen im Staat, als Politiker, als Beamte, als Besch\u00e4ftigte des \u00d6ffentlichen Dienstes die Grenzen zwischen Kirche und Staat immer flie\u00dfend sind.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003;text-align:center\" class=\"has-text-color\"><strong>Links zum Diskutieren:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wolfgang Huber:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.ekd.de\/vortraege\/huber\/061030_huber_wien.html\">http:\/\/www.ekd.de\/vortraege\/huber\/061030_huber_wien.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Karl Lehmann:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.bistummainz.de\/bistum\/bistum\/kardinal\/texte\/texte_2007\/krakau.html\">http:\/\/www.bistummainz.de\/bistum\/bistum\/kardinal\/texte\/texte_2007\/krakau.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diskutiere den folgenden Text KIRCHE \/ CHRISTEN UND DER STAAT Das Verh\u00e4ltnis zwischen Christen und dem j\u00fcdischen bzw. r\u00f6mischen Staat war zu Beginn angespannt. 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