{"id":640,"date":"2019-07-02T11:19:14","date_gmt":"2019-07-02T09:19:14","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=640"},"modified":"2019-07-30T09:51:57","modified_gmt":"2019-07-30T07:51:57","slug":"ueberblick","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/ueberblick\/","title":{"rendered":"\u00dcberblick"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-medium-font-size\">KIRCHENGESCHICHTE DER NEUZEIT (SCHWERPUNKT: DEUTSCHLAND) \u2013 EIN KURZER ETWAS VERTIEFTER \u00dcBERBLICK<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>A)\u00a0\u00a0\u00a0 16. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Reformation, die durch Martin Luther im 16. Jahrhundert in Gang gesetzt wurde, pr\u00e4gt die Kirchengeschichte bis in die Gegenwart. Nachdem die Kritik von Martin Luther, die er an der Praxis der r\u00f6misch-katholischen Kirche \u00fcbte, immer breitere Kreise gezogen hatte, reagierte die katholische Kirche immer heftiger. Das Papsttum und das Kaisertum rangen w\u00e4hrend des gesamten Mittelalters um die Frage, wer hat mehr Macht? Wer steht \u00fcber den anderen? Diese beiden vereinten sich, um Martin Luther und seine Anh\u00e4nger zum Schweigen zu bringen. Die Einheit der Kirche und des Reiches sollten wieder hergestellt werden. Da jedoch die Lehre Luthers immer mehr Menschen erfasste \u2013 darunter auch F\u00fcrsten, kam es zu gef\u00e4hrlichen Konflikten mit milit\u00e4rischen Scharm\u00fctzeln \u2013 die dann jedoch in Verhandlungen vorl\u00e4ufig beigelegt werden konnten. W\u00e4hrend die Reformation das Individuum wieder zu seinem Recht kommen lie\u00df, wurde das in den Verhandlungen wieder eingeschr\u00e4nkt: Nicht mehr geht es darum, dass der einzelne Mensch vor Gott und Menschen seinen Glauben verantworten muss, sondern es gilt: cuius regio \u2013 eius religio: Der Herrscher des jeweiligen F\u00fcrstentums bestimmt den Glauben der Untergebenen. Wobei es nicht nur um katholisch \u2013 und lutherisch-evangelisch\/protestantisch ging, sondern auch die protestantisch reformierte Kirche (Calvin, Zwingli) spielte eine Rolle. Trotz der Verhandlungsergebnisse f\u00fchrten die Spannungen um den wahren christlichen Glauben zu Verfestigungen auf allen Seiten (Gegenreformation \u2013 lutherische Orthodoxie) und haben sich vielfach in Verfolgungen, Kriegen (Hugenottenkriege, Niederl\u00e4ndischer Freiheitskampf) und pers\u00f6nlichen Grausamkeiten entladen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>B)\u00a0\u00a0\u00a0 17. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der traurige H\u00f6hepunkt dieser Auseinandersetzungen war in Mitteleuropa der 30 j\u00e4hrige Krieg im 17. Jahrhundert (1618-1648 \u2013 aber marodierende Banden gab es \u00fcber 1648 hinaus). 1648: Westf\u00e4lischer Frieden. Daneben gab es noch den 80 j\u00e4hrigen Krieg (1568-1659) zwischen den Niederlanden und Spanien, den franz\u00f6sisch-spanischen Krieg (1635-1659) und den Torstensson-Krieg zwischen D\u00e4nemark und Schweden (1643-1645). Vielleicht sind diese Kriege auch mit bedingt durch die so genannte &#8222;Kleine Eiszeit&#8220; (ca. 1570-1700) in Europa: schlechte ernten, Hunger, K\u00e4lte, N\u00e4sse&#8230; Gleichzeitig gab es auch massivere Hexenprozesse.<\/p>\n\n\n\n<p>Katholische und Protestantische Truppen bek\u00e4mpften einander \u2013 die Zivilbev\u00f6lkerung erlitt unendliche Qualen, Hunger, K\u00e4lte, Folter, Massenmorden, Pl\u00fcnderungen. Es ging jedoch im Laufe der Jahre nicht mehr nur um die jeweilige Religion, so konnten sich auch katholische und protestantische F\u00fcrsten zusammentun, um gegen andere katholische und protestantische F\u00fcrsten zu k\u00e4mpfen. Es fanden dennoch konfessionelle Verh\u00e4rtungen statt, das hei\u00dft: Wer in einem protestantischen Gebiet lebte, der musste auch den Protestantismus vertreten, den die Obrigkeit bzw. die f\u00fchrenden Theologen vertreten haben, wer in einem katholischen Gebiet wohnte, musste die katholische Lehre ohne Wenn und Aber vertreten. Wer sich dem Druck nicht beugte, musste zum Teil mit massiven Nachteilen rechnen. Der brandenburgische Kurf\u00fcrst Johann Sigismund trat zum reformiert-calvinistischen Bekenntnis \u00fcber, wollte aber nun nicht, dass alle diesen Schritt tun. Er wollte somit die strenge Form der Formel des cuius regio eius religio (s. A) aufbrechen. Doch das f\u00fchrte immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen protestantischen Kirchen (lutherische, reformierte). Sie sollten nun ein Toleranzedikt unterschreiben. Manche wandten sich dagegen, weil sie eine Mischung der Konfessionen bef\u00fcrchteten \u2013 und diejenigen, die sich verweigerten, mussten, weil sie der Absicht des K\u00f6nigs entgegenstanden, Druck aushalten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>C)\u00a0\u00a0\u00a0 18. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Hauptstr\u00f6me taten sich im 17.\/18. Jahrhundert auf:<\/p>\n\n\n\n<p><em>1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Aufkl\u00e4rung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Immer mehr Menschen wollten sich von den konfessionellen Auseinandersetzungen befreien \u2013 und befreiten sich auch ganz vom christlichen Glauben. Der Verstand des Individuums (s. A) sollte nun entscheiden, was richtig und was falsch ist \u2013 nicht der Glaube \u2013 aber auch nicht die Obrigkeit, weder Kaiser, K\u00f6nig noch F\u00fcrst. Um den Verstand einschalten zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigt man Bildung. Denn nur derjenige, der gut gebildet ist, vermag Argumente abzuw\u00e4gen und die richtige Entscheidung zu treffen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:left\"><em>2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Pietismus<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Pietismus (Pflichtgef\u00fchl, Fr\u00f6mmigkeit)\u00a0 sah nicht in der Trennung vom christlichen Glauben\u00a0 die L\u00f6sung, sondern darin, den Glauben so zu leben wie Jesus ihn gelehrt hatte. Dazu ben\u00f6tigte man Bildung. Menschen sollten im Glauben ausgebildet werden \u2013 um sich auch ganz bewusst als Individuen verantwortlich f\u00fcr den Glauben entscheiden zu k\u00f6nnen. Im Zuge dieses Bestrebens wurde die Konfirmation (wieder) eingef\u00fchrt: Christen sollten wissen, was sie glauben und nicht einfach nur in einer verwaschenen christlichen Tradition leben. Bibelkreise, die in den jeweiligen Privatwohnungen stattfanden, schossen aus dem Boden, Bibelverlage wurden gegr\u00fcndet. Nicht nur Lehre ist das Wesentliche der Verk\u00fcndigung Jesu, sondern auch das Tun, der liebevolle Einsatz f\u00fcr die Menschen, die Hilfe ben\u00f6tigen. Und so wurden Waisenh\u00e4user gegr\u00fcndet, Waise und verwahrloste Kinder wurden von der Stra\u00dfe geholt, sie bekamen eine Unterkunft, wurden ausgebildet und erlernten einen Beruf. Dar\u00fcber hinaus wurden Missionare in alle Welt geschickt, die Menschen in Wort und Tat helfen sollten, zu Gott zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>D)\u00a0\u00a0\u00a0 19. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das 19. Jahrhundert begann f\u00fcr die Kirche mit einer schweren Situation \u2013 vor allem in den westlichen Staaten des deutschen Reiches: Napoleon eroberte sie und im Zuge der Eroberungen wurden Kirchen enteignet, Kl\u00f6ster gepl\u00fcndert und zerst\u00f6rt \u2013 die Staaten wurden s\u00e4kularisiert. Als Napoleon aus Deutschland vertrieben war, konnte das soziale Engagement, das im 18. Jahrhundert begonnen worden war, ausgebaut werden. Es blieb nicht mehr nur den Initiativen einzelner Menschen \u00fcberlassen, sondern es wurde zur Aufgabe der gesamten Evangelischen Kirche erkl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vielen sozialen Einzelaktivit\u00e4ten wurden in der Inneren Mission (der sp\u00e4teren Diakonie) zusammengefasst. Missionen wurden von Missionsgesellschaften \u00fcbernommen, die Bildung wurde durch die Gr\u00fcndung zahlreicher Verlage ausgeweitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Im 19. Jahrhundert begann auch intensiver die Auseinandersetzung um die Ausrichtung der Gesellschaft. Sozialistisch-kommunistische Gruppen erstarkten, die mit dem Philosophen Karl Marx gegen die Kirchen ank\u00e4mpften, weil die Kirchen aus ihrer Sicht heraus, das Elend der Menschen in der industrialisierten Gesellschaft mit zu verantworten haben. Sie k\u00e4mpfen nicht gegen den Kapitalismus und die Herrschaftsstrukturen, sondern st\u00fctzen sie. Das leuchtete vielen Arbeitern und Ausgebeuteten ein, sodass sie sich von den Kirchen abgewendet haben und Kirche und Staat bek\u00e4mpften. Kirchen gingen einen anderen Weg: Reiche sollen nicht bek\u00e4mpft werden, sie sollen dazu gebracht werden, ihr Geld und ihre Bildung daf\u00fcr einzusetzen, dass die Verelendung bek\u00e4mpft werden kann. Mit Hilfe von reichen Unterst\u00fctzern begann man den Bau von Waisenh\u00e4usern zu verst\u00e4rken, Krankenh\u00e4user und Schulen wurden eingerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Katholische Kirche begann unter Bismarck eine schwere Zeit: Er versuchte sie einzuschr\u00e4nken, wo es nur ging. Das f\u00fchrte jedoch nicht dazu, dass die katholische Kirche resignierte, sondern zusammenwuchs \u2013 und auch im politischen stark wurde: die Zentrumspartei.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer Punkt versch\u00e4rfte sich im 19. Jahrhundert: Die Einschr\u00e4nkung der Juden war nicht mehr eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, sondern man begann in der Gesellschaft intensiv dar\u00fcber zu diskutieren. Juden bekamen mehr Recht \u2013 Rechte, die allen B\u00fcrgern zustanden, was jedoch heftige Gegenreaktionen hervorgerufen hat.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>E)\u00a0\u00a0\u00a0 20. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das, was sich im 19. Jahrhundert schon abzuzeichnen begann, wurde in diesem Jahrhundert fortgef\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Das soziale Engagement wurde ausgebaut \u2013 andere wesentliche Herausforderungen kamen in den Blick:<\/li><li>Der preu\u00dfische Kaiser war auch das Oberhaupt der lutherischen Kirche \u2013 was f\u00fcr die Zeit nach dem ersten Weltkrieg zu einer Neuorientierung f\u00fchrte: der Kaiser wurde abgesetzt \u2013 und die Kirche musste nun neue Strukturen errichten \u2013 und es war nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich, dass Kirche und Preu\u00dfen eine so enge Kooperation\u00a0 vertraten. Das war schmerzhaft \u2013 aber auch eine Art Befreiung. Diese Befreiung wollte Hitler ab 1933 wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen, indem er die Evangelische Kirche dem Staat unterordnet.<\/li><li>Der Kampf der sozialistisch\/kommunistischen Kreise gegen die Kirche wurde versch\u00e4rft und fand ihren deutlichen Ausdruck im National-Sozialismus und danach in dem DDR-Sozialismus. Dazu kamen weitere Gruppen, so die vielen, die sich alten germanischen Religionen zuordneten oder ganz neue animistische\/schamanistische Grundlagen gaben. Diese f\u00fchrten dann in der dritten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts zu einem Esoterikboom. Atheistische Gruppen versuchten zu Beginn des 20. Jahrhunderts Menschen aus den Kirchen herauszulocken \u2013 und das wurde dann Ende des 20. Jahrhunderts ebenfalls versch\u00e4rft.<\/li><li>Durch den Nationalsozialismus wurde der Antisemitismus auf den traurigen H\u00f6hepunkt getrieben. In der Kirche waren immer Traditionen vorhanden, die aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden das Judentum abgelehnt haben (Antijudaismus). Diese religi\u00f6sen Gr\u00fcnde wurden im 19. Jahrhundert durch rassistische Gr\u00fcnde erg\u00e4nzt (Antisemitismus). Nachdem diese rassistische Ideologie zu unmenschlichsten Aktionen gef\u00fchrt hatte, wurde nach dem Sieg \u00fcber das Hitlerdeutschland durch intensiven j\u00fcdisch-christlichen Dialog das Miteinander auf eine ganz neue Ebene gestellt: Juden und Christen geh\u00f6ren zusammen. Sie d\u00fcrfen sich nicht auseinanderdividieren lassen.<\/li><li>Die Auseinandersetzungen der unterschiedlichsten Konfessionen wurden durch die Errichtung des \u00d6kumenischen Rates in sachlichere Bahnen geleitet: Man versucht nun gemeinsam den weltweiten Herausforderungen zu begegnen. Dazu geh\u00f6rt weltweites soziales Engagement gegen wirtschaftliche Ausbeutung, rassistische Teilungen in der Gesellschaft, Versuche, den Interreligi\u00f6sen Dialog zu intensivieren. Die Zusammenarbeit der lutherischen und reformierten Kirche wird in der Leuenberger Konkordie geregelt.<\/li><li>Das Verh\u00e4ltnis von Glaube und Wissenschaft wird intensiv diskutiert, Fehler der Vergangenheit will man vermeiden. Und so gibt es unterschiedliche Modelle, die das Verh\u00e4ltnis von Glaube und Wissenschaft beschreiben: mal enger, mal weiter.<\/li><li>Christen haben seit Beginn ihres Daseins immer auf die neusten Medien gesetzt, um die Botschaft zu verk\u00fcndigen. Und auch hier begegnen neue Herausforderungen mit Blick auf Medienethik.<\/li><li>Das soziale Engagement f\u00fcr Menschen aus aller Welt, das bei Albert Schweitzer besonders deutlich wurde, wird durch Organisationen fortgef\u00fchrt (z.B. Brot f\u00fcr die Welt, Misereor). Und sein Schlagwort \u201eEhrfurcht vor dem Leben\u201c \u2013 das auch gegen die Atomwaffenpolitik gerichtet war \u2013 beeinflusste das Engagement f\u00fcr die Umwelt und Natur.<\/li><li>Deutschland war \u00fcberwiegend evangelisch gepr\u00e4gt, dann wurde im 20. Jahrhundert der Katholizismus st\u00e4rker, so dass beide Konfessionen in der Gegenwart ungef\u00e4hr gleich viele Mitglieder haben. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts werden immer mehr Menschen aus anderen religi\u00f6sen Kulturkreisen in Deutschland aufgenommen. Um religi\u00f6se Auseinandersetzungen zu vermeiden, wird der Dialog auf nationaler vor allem auf lokaler Ebene immer wichtiger.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p style=\"color:#a30003\" class=\"has-text-color\">Aufgabe: Diskutiert die Herausforderungen der jeweiligen Jahrhunderte und gebt den einzelnen Abschnitten eine \u00dcberschrift.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KIRCHENGESCHICHTE DER NEUZEIT (SCHWERPUNKT: DEUTSCHLAND) \u2013 EIN KURZER ETWAS VERTIEFTER \u00dcBERBLICK A)\u00a0\u00a0\u00a0 16. Jahrhundert Die Reformation, die durch Martin Luther im 16. Jahrhundert in Gang gesetzt wurde, pr\u00e4gt die Kirchengeschichte bis in die Gegenwart. 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