{"id":632,"date":"2019-07-02T11:14:08","date_gmt":"2019-07-02T09:14:08","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=632"},"modified":"2026-09-17T09:47:02","modified_gmt":"2026-09-17T07:47:02","slug":"theologie-weg-lern-prozess","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/theologie-weg-lern-prozess\/","title":{"rendered":"Theologie: Weg &#8211; Lern-Prozess"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Lern-Prozess \/ Weg-Theologie<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Dieser Abschnitt hat mit Lehrpl\u00e4nen nichts mehr zu tun. Er ist Folge einer Frage einer Sch\u00fclerin.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-text-color\"><strong>Einige vorangehende Anmerkungen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Geschichte stellt sich mir als ein Lern-Prozess, als ein Weg dar: Gott wirkt den Anfang \u2013 und in einer Wechselbeziehung mit dem Menschen geht er weiter<\/em> \u2013 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">aber nicht allein in der Wechselbeziehung mit dem Menschen, sondern mit der gesamten Sch\u00f6pfung. Die Geschichte Israels wie die der damit verbundenen Geschichte der Christen bekennt Gott als einen, der in Bewegung ist. Er ist kein starres Etwas. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Gott ist in Bewegung \u2013 somit ist er mit den Menschen und der Sch\u00f6pfung eine Beziehungsgeschichte eingegangen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Beziehungsgeschichte erweist sich Gott in seinem Handeln immer wieder neu. Neu hei\u00dft freilich nicht, dass er willk\u00fcrlich, chaotisch, anarchisch ist. Die Basis bleibt: Gott selbst, sein Bundesschluss, sein Wille, wie er dann letztlich in Jesus Christus sichtbar wurde bzw. im Geist Gottes sichtbar wird. Neu hei\u00dft: F\u00fcr den Menschen neu. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Mit fortschreitender Erkenntnis transformiert der Mensch sein Gottesbild. Wenn der Geist Gottes am Wirken ist, dann auch fortschreitend.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Ostkirche wird dieses Handeln Gottes als Perichorese bezeichnet. Der Dreieinige Gott ist in sich selbst in Bewegung. Gott Vater &#8211; Sohn &#8211; Geist wirken in sich als liebende Dynamik. Und diese in Liebe wirkende Dynamik wendet sich nach au\u00dfen. Wir Menschen sind als Gesch\u00f6pf nicht in der Lage, diese liebende Dynamik vollst\u00e4ndig zu erfassen bzw. sie bewusst zu erfassen. Diese Dynamik wird besonders deutlich indem er in Jesus Christus Mensch wurde und im Wirken seines Geistes im Menschen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Blick auf die Theologie: Der Theologe Hans Urs von Balthasar (1905-1988) nennt diesen Prozess \u201e<strong>Reifeprozess<\/strong>\u201c; das hei\u00dft, dass eine christliche Forderung, wie wir sie im Neuen Testament schon vorfinden, nach einem langen Reifeprozess als durchf\u00fchrbar erscheint. Unten wird von dem Kirchenvater Gregor von Nyssa (335\/40-nach 394) gesprochen, der mit Blick auf die Sch\u00f6pfung das Werden vertieft, das auf Gott hin zul\u00e4uft (Logos Spermatikos). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kontinuit\u00e4t des Handelns Gottes in der menschlichen Chaos-Geschichte ist die treibende Kraft dieser Geschichte auf ihr Ende hin. Wir k\u00f6nnen in der Menschheitsgeschichte als Glaubende ein paar Goldf\u00e4den erkennen \u2013 aber wie diese paar Goldf\u00e4den mit dem autonomen, freien Handeln der Menschen zusammenh\u00e4ngen, das wird erst am Ende der Zeiten offenbar. Aber diese <strong>Goldf\u00e4den <\/strong>zeigen schon die Richtung an, in die die Menschheit durch Gott gedr\u00e4ngt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir Menschen sind nicht in der Lage, Geschichte auf ein gutes Ende hin zu gestalten. Der Mensch steht sich selbst immer im Weg: seine Arroganz, seine \u00c4ngste und Machtgel\u00fcste, die Tendenz \u2013 auch die des Guten \u2013 seine Sicht f\u00fcr alle verbindlich zu machen \u2013, der Mensch baut auf, dreht sich um und zerst\u00f6rt. Es ist eine immer wiederkehrende Trag\u00f6die, eine Prometheus-Geschichte. Chaostheorie auf die Geschichte hin angewendet: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Viele, viele chaotische Einzelheiten ergeben letztlich doch eine sinnvolle erkennbare Einheit.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das k\u00f6nnen wir allerdings nicht noch nicht erkennen \u2013 Anhaltspunkte geben nur die in der Bibel und die jeweils aktualisierten Goldf\u00e4den Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geschichtszusammenh\u00e4nge k\u00f6nnen wir manchmal erst aus dem R\u00fcckblick erkennen. Menschen in der jeweiligen Zeit k\u00f6nnen nicht sehen, was aus ihrem Reden, Tun, Denken usw. werden wird. Wir k\u00f6nnen gegenw\u00e4rtige Momente der Geschichte nicht aus der Gegenwart einordnen \u2013 das wird erst aus der Zukunft m\u00f6glich sein. Von daher wird erst die Herrschaft Gottes den Gesamtzusammenhang der Menschheitsgeschichte einschlie\u00dflich des Handelns Gottes erkennen lassen. Vorher ist das nicht m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Geschichte Gottes und des Menschen eine <strong>Beziehungsgeschichte<\/strong> ist, ist aus meiner Perspektive an dem Satz des Vater-Unsers auch deutlich: <em>Dein Wille geschehe<\/em> = durch Menschen \u2013 Gott selbst m\u00f6ge ihn durchsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Wir leben in einem Zustand, in dem Gott versucht, mit dem Menschen die Zukunft, die er will, zu erreichen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bibel zeigt uns, dass es in wichtigen Themen einen Prozess der Beziehung zwischen Gott und Mensch gibt, einen Weg, auf dem sich Gott&nbsp; \u2013 bzw. Gott seinen Willen \u2013 immer st\u00e4rker durchsetzt. Direkt ausgesprochen von den Propheten \u2013 aufgenommen von den fr\u00fchen Christen (<strong>Verhei\u00dfung \u2013 Erf\u00fcllung<\/strong>), auch ausgesprochen zum Beispiel in dem <strong>Gleichnis vom wachsenden Senfkorn<\/strong> bzw. in dem vom Sauerteig. Es geht hier nicht darum zu sagen, dass der Mensch das Reich Gottes herbeif\u00fchren kann. Das kann ich in biblischen Texten nicht erkennen, sondern Gott setzt den Menschen mit dem Gleichnis Jesu auf den Weg, f\u00fcr das Reich Gottes zu wirken, das er dann selbst wunderbar vollenden wird. Dass das Wirken im Sinne des Reiches Gottes der Weg der Gemeinschaft und der Liebe ist, ist an Jesus Christus, der diese Gleichnisse erz\u00e4hlt hat, erkennbar. Die Bibel selbst ist wie die Interpretation ein Prozess.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Evangelien lassen insgesamt erkennen, dass die J\u00fcnger einen Weg der Jesus-Erkenntnis gehen \u2013 ebenso die fr\u00fche Kirche  \u2013 : Jesus, der eigenartige Mensch, dem sie folgen mit ihren traditionellen Messiaserwartungen, bis hin zu der Erkenntnis, dass Jesus der Sohn Gottes ist \u2013 aber dann: der Sohn Gottes, nicht der, der wie von ihnen erwartet in bewaffneter und m\u00e4chtiger Herrlichkeit erscheint, sondern: der den Sklaventod am Kreuz erleiden muss. Das ist schier unglaublich, was die J\u00fcnger in kurzer Zeit f\u00fcr einen Erkenntnis-Weg zur\u00fccklegen mussten, bis sie ihn dann als den Auferstandenen und den Gottessohn im g\u00f6ttlichen Sinne verk\u00fcndigen konnten. Und dieser Weg der Jesus-Erkenntnis ist bis heute sowohl bei Individuen als auch in der Kirche nicht abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der folgenden Aufz\u00e4hlung nenne ich ein paar Punkte, in denen ein <strong>Denk- und Erfahrungsprozess <\/strong>deutlich wird. Meine Intention zusammengefasst:<em><strong> <\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Gott handelt an und mit dem Menschen \u2013 er ist dabei, den Menschen in seine Richtung zu lenken. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In biblischen Texten finden wir Samenk\u00f6rner, die sich im Laufe der Geschichte entfalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es sei angemerkt:<br> <br>a) dass die Formulierung &#8222;theologia viatorum&#8220; durch <strong>Thomas von Aquin<\/strong> (1225-1274) gepr\u00e4gt wurde. Der Mensch ist ein Wanderer, er ist ein Pilger auf dem Weg durch die Zeit hin zur Wahrheit. Unser theologisches Wissen bleibt immer nur Fragment, Mosaiksteinchen. Die Vollendung wird bei Gott und durch Gott geschehen (vgl. 1. Korintherbrief 13,12). Dass wir auf dem Weg sind, das gilt f\u00fcr den einzelnen Glaubenden wie f\u00fcr die Kirche insgesamt. Die Kirche besteht aus dem &#8222;wandernden Gottesvolk&#8220; (Hebr\u00e4erbrief 4). In der Apostelgeschichte wird auch deutlich, dass sich die fr\u00fche Gemeinde als der &#8222;Weg&#8220; bezeichnet hat. Gemeinde ist dynamisch. &#8222;Der Weg&#8220; wird mit Jesus Christus selbst verbunden in Johannes 14,6: &#8222;Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben&#8220;. Mit den Begriffen Weg und Leben ist Dynamik, Bewegung verbunden. Ebenso ist Wahrheit eine Gr\u00f6\u00dfe, die erschlossen wird aufgrund der Beziehung zu Jesus Christus. Verbunden mit Jesus Christus bedeutet Wahrheit nicht &#8222;Besitz&#8220;, man kann keine Person besitzen, geschweige denn Gott. Glaubende sind mit ihm, dem Lebendigen, der Leben schenkt, auf dem Weg, ihn zu erschlie\u00dfen.   <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b) dass der Mathematiker und Philosoph <strong>Alfred North Whitehead<\/strong> (1861-1947) eine Prozesstheologie vertritt. Sie ist dem, was ich hier vorstelle, \u00e4hnlich. Was meinen Ansatz jedoch unterscheidet ist, dass ich st\u00e4rker biblischen Offenbarungsweg ber\u00fccksichtige und den menschlichen Transformationsprozess. Was darunter zu verstehen ist, wird deutlich werden. Zudem sieht Whitehead, dass Gott sich wandelt, indem er Erfahrungen und Leiden der Menschen in sich aufnimmt \u2013 Gott ger\u00e4t in Abh\u00e4ngigkeit vom Weltgeschehen. Ich sehe eher, dass der Mensch sich mit Gottes Hilfe wandelt. Gott selbst bleibt souver\u00e4n, verl\u00e4sslich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\"><strong>1. Krieg und Frieden<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe den Lern-Prozess intensiver ausgearbeitet am Beispiel von Krieg und Frieden:&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/frieden-krieg-1\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/frieden-krieg-1\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\"><strong>2. Sklaverei<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Beispiel der Sklaverei ist der Lern-Prozess ebenfalls zu sehen:&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/sklaverei\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/sklaverei\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\"><strong>3. Opfer<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Lern-Prozess kann auch am Beispiel des Opfers dargelegt werden:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Der Mensch hat soweit wir es nachvollziehen k\u00f6nnen, seit seiner &#8222;Bewusstwerdung&#8220; Opfer dargebracht: Menschen, Tiere, Pflanzen. Die Opferung von Menschen wurde im j\u00fcdischen Bereich dadurch beendet, dass man sich die Geschichte von Abraham und Isaak erz\u00e4hlt (Genesis 22). Es muss \u00fcbrigens Gott gewesen sein, der die Opferung Isaaks befahl, denn die Opferung von Menschen wurde wohl als Befehl von den traditionellen G\u00f6ttern bzw. dann in Israel von Gott verstanden und nicht einfach als eigenwillige Handlung der Menschen. Entsprechend muss der Gegenbefehl auch von Gott kommen. Als Gegenbefehl von Gott kam dann die Forderung, das Menschenopfer nicht mehr zu vollziehen, statt dessen Tiere zu nehmen.<\/li>\n\n\n\n<li>Menschen haben auch Tiere geopfert \u2013 und die Opferung von Tieren wurde immer st\u00e4rker kritisiert: sowohl im griechisch-r\u00f6mischen paganen als auch im j\u00fcdischen Bereich (Stoa und Psalmen \/ Propheten). Die Tieropferung wurde dann dort abgeschafft, wo das Christentum Fu\u00df fasste, weil die Kreuzigung Jesu sowohl als letzte Menschen- als auch als letzte \u201eTieropferung\u201c verstanden wurde. Entsprechend versiegte der Wunsch, Opfer darzubringen. <\/li>\n\n\n\n<li>Das Menschenopfer wurde in chinesischer Kultur durch den Konfuzianismus immer st\u00e4rker abgelehnt. Den Ahnen wurden symbolische Opfer dargebracht, allerdings wurden Tieropfer erst im 19. Jahrhundert ganz abgeschafft. Im Hinduismus wird heute noch in manchen Bereichen geopfert. Im Buddhismus wurde das Opfer dadurch beendet, dass geistige Opfer (Meditation, Spenden) betont wurden. Im Bereich Griechenlands \/ Roms wurde das Menschenopfer aus mir unbekannten Gr\u00fcnden aufgehoben. In Amerika (Azteken, Maya, Inka) war es noch \u00fcblich, bis Christen kamen. In Afrika wurden Opfer durch die Islamisierung und Christianisierung zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. Allerdings gibt es im Islam noch ein Opferfest, an dem Schafe, Rinder, Kamele, Ziegen geopfert werden (Opferfest). <\/li>\n\n\n\n<li>Die moderne Welt kennt &#8222;Opfer&#8220; im \u00dcbertragenen Sinn (Ren\u00e9 Girard): Alle wissen, dass im Verkehr, Wirtschaft usw. Menschen zu Tode kommen, manche &#8222;opfern sich auf&#8220; in Karriere usw. Das hei\u00dft, dass die religi\u00f6se Form aufgehoben ist, aber strukturell eine neue Form \u00fcberlebt hat, als Opfer f\u00fcr Mobilit\u00e4t, Konsum, Technik. Das w\u00e4ren sozusagen s\u00e4kulare Formen des Opferns. In diese s\u00e4kularen Form sind Christen aufgrund der gesellschaftlichen Struktur freilich eingebunden. Nun muss also der Lern-Prozess dazu f\u00fchren, dass diese Strukturen aufgehoben werden.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\"><strong>4. Umgang mit Tieren<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anmerkungen zum Lern-Prozess s.:&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/tier-ethik\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/tier-ethik\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\"><strong>5. W\u00fcrde<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prozess ist auch mit Blick auf W\u00fcrde anzusprechen&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/menschenwuerde-1\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/menschenwuerde-1\/<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wurde schon vor dem Christentum \u00fcber die W\u00fcrde des Menschen nachgedacht, so von Solon, Cicero\u2026 W\u00fcrde war gekn\u00fcpft an Status und Leistung. Einen Innovationsschub bekam dieses Denken durch Jesus Christus und seinen Nachfolgern. Naturrecht ist vielfach deutbar. Aber dann hat sich Jesus allen Menschen zugewendet, gerade den unteren Schichten Selbstbewusstsein gegeben. Dass das Christentum in dieser Hinsicht innovativ war, das hat der Philosoph Nietzsche erkannt und kritisiert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00fcrde aller Menschen wurde von Christen mit Jesus Christus begr\u00fcndet: Gott wurde Mensch, das hei\u00dft: Menschen als Menschen haben W\u00fcrde. Sp\u00e4ter kam in der christlichen Theologie die Begr\u00fcndung mit Hilfe von Genesis 1 dazu. der Mensch ist Ebenbild Gottes \u2013 jeder Mensch. Und wir sind gesellschaftspolitisch auf dem Weg dahin, zumindest theoretisch festzustellen, dass alle Menschen W\u00fcrde haben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings sehen wir massives R\u00fcckschritt-Potential durch diejenigen, die das Kollektiv dem Individuum (der Person) vorziehen: Islam (Scharia \/ Ummah) und China (Konfuzianismus: harmonische Gesellschaft) und Kommunismus (Kollektivismus: Partei) bzw. einem Teil der Utilitaristen (1). Wir Menschen sind immer noch auf dem Weg. Wenn wir an den Jakobusbrief im Neuen Testament denken: Jakobus war schon weiter, was er fordert, ist heute noch nicht realisiert: Dass der Arme genauso W\u00fcrde hat wie der Reiche \u2013 man denke an die \u00f6ffentlich wirksamsten Medien. In ihnen ist Gleichberechtigung noch immer nicht in Sicht. Das Sagen haben die Oberen 100. Der Gottes-Wille, dass alle Menschen gleiche W\u00fcrde haben, setzt sich, so die Hoffnung, noch immer erst langsam auch mit massiven R\u00fcckschritten durch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(1) (<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/singers-praeferenzutilitarismus\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/singers-praeferenzutilitarismus\/<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\"><strong>6. Sch\u00f6pfung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prozess auch mit Blick auf Sch\u00f6pfung: Gott erschuf laut Genesis 1 die Gattungen der Lebewesen. Den Gattungen gab er den Befehl, sich fortzupflanzen. Genesis 1 hat in der Abfolge der sieben Tage schon einen Prozess im Blick \u2013 eine H\u00f6herentwicklung der Lebewesen: Pflanzen \u2013 Fische (Schwimmer im Wasser) \u2013 V\u00f6gel (Schwimmer der L\u00fcfte) \u2013 Landtiere \u2013 Mensch. In sich ist das jeweilige Geschaffene auch dynamisch: Die Sch\u00f6pfung erh\u00e4lt Auftr\u00e4ge (zum Beispiel: Die Erde lasse aufgehen&#8230;). In der Sch\u00f6pfung ist Keimkraft verborgen worden. Diese Sicht ist zum Beispiel von dem Kirchenvater Gregor von Nyssa vertieft worden: Gott erschafft eine Welt, in der Werden das Programm ist. Ein Werden, das auf Gott hin wieder zul\u00e4uft. (Hier sei nur das Stichwort &#8222;Logos Spermatikos&#8220; erw\u00e4hnt. Wer will kann an dieser Stelle weiter recherchieren.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich ist Evolution im heutigen Sinn nicht im Blick. Es ist eher statisch die Gattung im Blick, heute eher dynamisch. (Auch der Darwinismus entwickelte sich: Neo-Darwinismus [Erbmischung: m\u00fctterliche und v\u00e4terliche Gene \u2013 R\u00fcckgriff auf Mendel], synthetische Evolutionstheorie [Entdeckung der DNS und die Variationen], Epigenetik [Umwelteinfl\u00fcsse schalten Gene an bzw. aus, wird vererbt, aber wie stark Epigenetik \u00fcber Generationen hinweg die Evolution pr\u00e4gt, wird diskutiert]). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Bibel gibt es einen Prozess im Umgang mit der Natur (Matth\u00e4us 6) und dem Leiden der Tiere (R\u00f6mer 8). Mit Blick auf Theologie zusammengefasst: Sch\u00f6pfung ist nichts Statisches, sondern fortw\u00e4hrender Prozess (creatio continua) &#8211; was in der Theologie auch erst im Rahmen eines Lern-Prozesses in der Bibel erkannt werden musste (freilich ist Evolutionslehre nicht in der Bibel erkennbar, nur die Dynamik der Sch\u00f6pfung). <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\"><strong>7. Bibel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bibel ist ebenfalls in einem Kanonisierungs-Prozess entstanden. Das hei\u00dft, dass sie nicht von vornherein da war, sondern dass die im Umlauf befindlichen Schriften gesichtet und dann zusammen gestellt wurden: Dieser Aspekt ist&nbsp; historisch-kritisch erschlossen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Heilige Geist ist bei der Erstellung wie der Sammlung der Schriften der aktive Part, der Part, der die Menschen kreativ antreibt. Der Kanonisierungs-Prozess lief mit Blick auf die alttestamentlichen und neutestamentlichen Schriften unterschiedlich. Aber das spielt letztlich theologisch keine Rolle, wenn der Geist Gottes als der angesehen wird, der Menschen zu ihrem Handeln antrieb. Kurz gesagt: Ohne den geist Gottes k\u00e4me ein Markus nie auf die Idee, sich auf den weg zu machen und Informationen \u00fcber Jesus zu sammeln und zusammenzustellen.   <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><strong>8. Mission \/ Offenbarung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Beispiel des Erkenntnisprozesses Gottes mit Blick auf die Menschheit in ihrer Entwicklung ist eine fortschreitende Offenbarung erkennbar. Gott war immer derselbe &#8211; aber Menschen erkennen ihn, wie eingangs gesehen, nur fragmentarisch:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Weltweit: Ahnungen von Transzendenz: Geister \u2013 G\u00f6tter\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>Dann die Offenbarung an Abraham, einem Clan-F\u00fchrer, schon, so die \u00dcberlieferung, mit Blick auf ein Volk. Zudem: Die Offenbarungs-Erfahrungen des Isaak, des Jakob (der Gott der V\u00e4ter: Gott Abrahams, Isaaks, Jakobs),<\/li>\n\n\n\n<li>dann die Offenbarung vermittelt an St\u00e4mme &#8211; das Volk durch Moses und Propheten (auch in der modernen historisch-kritischen Version, dass sich das Volk Israel erst langsam konstituierte und unter diesen Gotteserfahrungen sammelte),<\/li>\n\n\n\n<li>Erkenntnis der in alttestamentlicher prophetischer Verk\u00fcndigung prophezeiten Geburt des Messias,<\/li>\n\n\n\n<li>dann die Einbeziehung der V\u00f6lker durch Jesus Christus und die nachkommenden Christen-Generationen \u2013 ausgesprochen wird der Prozess im Gleichnis vom wachsenden Senfkorn.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Glaube durchdrang Nordafrika, Asien, europ\u00e4ischen Mittelmeerraum, wurde in Nordafrika durch den Islam Jahrhunderte sp\u00e4ter zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, hinterlie\u00df Spuren in Asien und wurde dann in Europa intensiv weiter gef\u00fchrt, gelangte dann auf alle anderen Kontinente durch Mission.<\/li>\n\n\n\n<li>Wie es im Augenblick aussieht, verlagert sich der christliche Glaube von Europa nach Afrika, Asien, Amerika, wohl um von dort aus in Europa wieder neue Impulse zu bekommen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diesen Gedanken machen sich auch Muslime und Sekten zunutze. Sie argumentieren, dass der Islam bzw. die jeweilige christliche Gruppe eine Fortf\u00fchrung der Offenbarung sei. Hierbei ist jedoch zu sagen, dass dieser Prozess nicht von der christlichen Tradition gel\u00f6st werden kann. Wenn der Islam sagt, dass Jesus Christus nicht gekreuzigt wurde, dass Allah nicht trinitarisch als eine in sich ruhende, durch Gabriel \/ Mohammed nach Au\u00dfen tretende Kraft aktiv wird, dann hat das keine Basis mehr im christlichen Glauben, ist also nicht als Prozess anzusehen, sondern als neue Richtung, die allerdings christliche Elemente aufgreift. Ebenso bei Sondergruppen \/ Sekten, sie bringen ebenfalls neue Propheten ins Spiel, neue Offenbarungen usw. <strong>John Henry Newman<\/strong> (1801-1890) hat herausgearbeitet, dass ein Prozess immer auf dem gelegten Fundament weitergeht, ein Bruch bedeutet, das Fundament zu zerst\u00f6ren, aber die Steine zu nehmen, um Neues darauf aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\"><strong>9. Ethik<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prozess auch mit Blick auf die Werte&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/christliche-ethik\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/christliche-ethik\/<\/a> (und die Unterseiten!). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Werte werden weiterentwickelt gleichzeitig heute vielfach vernachl\u00e4ssigt. Und dann kommen Kulturen und Unkulturen, die sich breit machen, weil die Gesellschaft die m\u00fchsam errungenen Werte missachtet, gegen sie argumentiert, und damit eben die Gesellschaft einen R\u00fcckschritt erf\u00e4hrt. Und wenn es dann wieder ganz \u00fcbel ist, besinnt man sich wieder auf den Gotteswillen und kehrt zu ihnen zur\u00fcck und der Prozess geht zum Positiven weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gro\u00dfer Fortschritt im NT: Dass \u00fcberhaupt \u00fcber Gewalt nachgedacht wird \u2013 dass sie auch als Recht des St\u00e4rkeren abgelehnt wird. Nat\u00fcrlich nicht in der Terminologie, die sich seitdem entwickelt hat. (Dazu s. nicht nur den folgenden Link zum Thema Krieg und Frieden:&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/frieden-krieg-1\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/frieden-krieg-1\/<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entsprechend hat sich auch das Recht weiterentwickelt. Auch hier ist das zu nennen, was der Apostel Paulus schrieb: Pr\u00fcfet alles, das Gute behaltet. Zum Recht s. <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/recht\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/verhalten-ethik\/recht\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-white-background-color has-background\"><strong>10. Auferstehungsglauben<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das fr\u00fche Israel kennt keinen spezifischen Auferstehungsglauben. Er hat sich erst langsam durchgesetzt \u2013 \u00fcber den Weg: Gott ist ein Gott der Lebenden. Dieser Ansatz wurde dann von den fr\u00fchen Christen durch die Erfahrung des auferstandenen Jesus Christus best\u00e4tigt.&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/auferstehung\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/mensch\/auferstehung\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><strong>11. Der Mensch als Individuum \/ Person<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird deutlich, dass ich das Folgende sehr verk\u00fcrzt wiedergebe. Hinter dieser Darlegung steckt eine Menge Philosophie und Theologiegeschichte. Aber dennoch sei es versucht. Wer will, kann sich in dieses Komplexe Thema einarbeiten \u2013 es macht Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Alten Testament wird die Volkwerdung beschrieben. Die St\u00e4mme sind zusammengewachsen zu einem Volk. Die Menschen wachsen in einem von Gott geleiteten Identit\u00e4tsverst\u00e4ndnis zusammen. In manchen Psalmen wird deutlich, dass Menschen sich selbst als Individuen sehen. Der Einzelne sieht sich als von der Menge unterdr\u00fcckt an. Er leidet. Er leidet an den Menschen, er leidet an Gott. Er will Teil des Kollektivs, des Volks sein, aber wird durch andere daran gehindert. Die Weisheitsschriften stellen auch Einzelne Menschen vor, als besondere Individuen bzw. ordnen sie ein in eine Gruppe Auszubildender, wie auch schon \u00e4gyptische Texte: Wie soll sich der Weise am Hof verhalten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus lebt in seiner j\u00fcdischen Traditionen. Er sieht den Menschen, mit dem er es zu tun hat, als Teil des Volkes an. Aber: Diesem Einzelnen muss geholfen werden, dieser Einzelne wird eingeladen, mit Gott in Beziehung zu treten. Es gen\u00fcgt nicht, Teil des Volkes zu sein, damit das Leben gelingt, sondern die Beziehung zu Gott, den er Vater nennt. Aber die Einzelnen isoliert er auch nicht, sondern ordnet sie dem Vater als Kinder Gottes zu. Wir haben hier diesen Drei-Schritt: (1) Der Mensch ist Teil des Volkes, (2) das Individuum wird als eine Person herausgehoben, die f\u00fcr das eigene Leben verantwortlich ist \u2013 aber (3) nicht in Einsamkeit gesto\u00dfen, sondern in eine neue einander f\u00fcrsorgende Gemeinschaft. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das wurde dann definierend weitergef\u00fchrt: Das Individuum ist das biologisch einzigartige Exemplar in einer Gattung (wie Aristoteles betont), Person ist der Mensch in seiner Beziehungsf\u00e4higkeit und Gottebenbildlichkeit (wie die christliche Weiterf\u00fchrung betont). Das Individuum ist die Grundlage \u2013 aber die W\u00fcrde, die Person ist erst zu erkennen. Und dazu hat Jesus die Grundlage gelegt. Wie Gott in sich &#8222;Person&#8220; ist, weil er in sich Beziehung ist (GottVater \u2013 GottSohn \u2013 GottGeist), wurde dieser Begriff &#8222;Person&#8220; auf den Menschen \u00fcbertragen, um ihn in seiner W\u00fcrde, seiner Beziehungsf\u00e4higkeit zu Gott und Mensch zu w\u00fcrdigen. Ein Individuum ist einzigartig aber auch austauschbar. Das Individuum wird als Einzelner in die Beziehung mit Gott und Mensch gerufen und wird dadurch Person. Eine Person sein bedeutet: Du bist von Gott erkannt und gerufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soweit ich sehe haben wir hier die Betonung des Individuums, die wir auch bei Sokrates im griechischen Bereich finden. Das von Christen \u00fcbernommene Wort &#8222;Person&#8220; kommt aus dem Griechischen, wurde dann in der Trinit\u00e4tstheologie neu gepr\u00e4gt: Gott ist ein Wesen in drei Personen aufgrund seiner Beziehung in sich selbst. Im sokratischen Sinn ist der Mensch aber keine Person wie es Christen sehen, sondern der Mensch ist ein autonomes Subjekt. Er ist ein Mensch, der von dem Verstand gepr\u00e4gt ist. Auch Sokrates verlagert die Sicht weg von der Einordnung in den Staat, von der Unterordnung unter die Tradition hin zu dem sich reflektierenden Einzelnen. Es geht bei Sokrates jedoch nicht um Beziehung, es geht um die M\u00fcndigkeit (um den Begriff aufzugreifen) zum eigenen Denken. Mit Blick auf den Glauben sieht er sich im Auftrag des delphischen Orakels. Dieses hat ihm die Augen ge\u00f6ffnet: Erkenne dich selbst. Das hei\u00dft, auch sein Denken, so sieht Sokrates es, hat religi\u00f6sen Ausgangspunkt, anders als die modernen Denker der Aufkl\u00e4rung es haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur anzumerken: Im Islam steht der einzelne Mensch als Individuum verantwortlich vor Allah und steht in Beziehung zur Familie, zur Ummah. Im Buddhismus besteht das Ziel darin, dass sich das Individuum im Grunde aufl\u00f6st. Westliche Sichtweise sagt auf unterschiedliche Art, dass es ein &#8222;Selbst&#8220; des Menschen gibt. Das wird im Buddhismus nicht so gesehen. Weil der Mensch sich an sich als &#8222;Individuum&#8220; klammert, leidet er. Die Ich-Illusion muss befreit werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute l\u00f6st sich der Begriff &#8222;Person&#8220; auf und wird einerseits zu einem Allerweltswort, z.B. &#8222;Personal&#8220;. Gleichzeitig wird das Ich in Frage gestellt, wird &#8222;Person&#8220; dem biologischen Wesen entgegengestellt als ein Wesen mit Bewusstsein, Rationalit\u00e4t usw., was Schwerstbehinderte und Ungeborene ausschlie\u00dft. Ganz neuzeitlich stellt sich die Frage: Sind Tiere, sind Roboter auch Personen zuzuordnen. Letzteres hat dann mit Beziehungsf\u00e4higkeit gar nichts mehr zu tun. Auch das Wort &#8222;Personal&#8220; hat nichts mehr mit Beziehung zu tun, sondern nur mit Verwaltung von austauschbaren Individuen.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An diesem Begriff sehen wir, wie sich das Menschenbild im Laufe der Zeit wandelt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu diesem Kompelx s. auch: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/trinitaet-dreieinigkeit\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/trinitaet-dreieinigkeit\/<\/a> und <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/gott-person-energie-psyche\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/gott\/gott-person-energie-psyche\/<\/a> <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><strong>12. Gott und S\u00e4kularismus<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon im 2. Jahrhundert versuchte Marcion (ca. 85-160) und die einflussreiche Gruppe der Gnostiker den Sch\u00f6pfergott des Alten Testaments (den &#8222;Demiurgen&#8220;) von der Verk\u00fcndigung durch Jesus zu l\u00f6sen. Diesen Ansatz gibt es auch in der Gegenwart wieder. Jesus habe nicht den alttestamentlich strengen, zornigen, fehlerhaften Kriegsgott gelehrt, sondern den liebenden, gn\u00e4digen, h\u00f6herwertigen Gott, den Gott des Friedens (so z.B. der Journalist Franz Alt [*1938] und aus rassistischer Perspektive Theologen des Nationalsozialismus: der alttestamentliche Gott sei j\u00fcdisch &#8211; der neutestamentliche nicht mehr so richtig, weil Jesus Arier war &#8211; und der wahre Gott wird von Martin Luther [1483-1546] verk\u00fcndet).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser hier vorgestellte Ansatz des Prozesses zeigt, dass dieses Schubladendenken ein Kurzschluss ist. Schubladendenken ist nicht in der Lage, in dynamischen Prozessen zu denken, sondern ist verengt. Dieser Ansatz verkennt, dass es sich in dem Verh\u00e4ltnis von Gott und Mensch &#8211; Mensch und Gott um eine Beziehung geht, um eine Beziehungsgeschichte. Gott l\u00e4sst sich auf die Menschen ein, auf ihre Kultur, ihre Irrt\u00fcmer, ihre Gewaltsucht, ihre B\u00f6sartigkeit &#8211; was wir eben als &#8222;S\u00fcnde&#8220; bezeichnen. Gott versucht den Menschen von innen heraus zu ver\u00e4ndern, Schritt f\u00fcr Schritt, Nuance f\u00fcr Nuance &#8211; und das auch in durch Menschen verursachten R\u00fcckschritten. Es ist eine g\u00f6ttliche Form der Erziehung. So wandelt sich der Mensch mit der Hilfe Gottes &#8211; so wandelt sich eben auch mit Gottes Hilfe des Menschen Gottesbild, seine Vorstellung von Gott. Der Mensch projiziert seine Entwicklungsstufen, seine \u00c4ngste, seinen Willen zur Macht, seine archaischen Riten, aus \u00c4ngsten geboren, in Gott hinein. Schritt f\u00fcr Schritt holt Gott den Menschen durch seine Geist aus seiner Arroganz heraus, wendet ihm dem n\u00e4chsten Schritt zu. Das aber nicht, indem er in dem Kollektiv oder dem Volk oder sonst etwas aufgeht, sondern als freie Person, die verantwortungsbewusst und selbst\u00e4ndig handelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz gesagt dieser Ansatz (Marcion, Alt u.v.a.), der den alttestamentlichen Gott von dem durch Jesus verk\u00fcndigten Gott trennt, ist ein R\u00fcckschritt, weg von Dynamik, hin zu Erstarrung. Und die Erstarrung bedeutet auch: Menschen basteln sich ihren eigenen Gott (wie es Ludwig Feuerbach [1804-1872] unter anderer Perspektive gesehen hat). Gottes Weg durch die Geschichte ist hingegen bestimmt von Geduld, sich Einlassen auf menschliches Chaos &#8211; wie uns die Bibel und Jesus Christus lehrten. Zudem bricht die Theologie als Lernprozess egoistische und nationalistische Projektionen auf Gott auf. Gott l\u00e4sst sich nicht durch unsere Ideologie und Weltanschauung gef\u00fcgig machen. Wer auf Gott h\u00f6rt, statt auf sich selbst wird infrage gestellt, korrigiert &#8211; kurz, mit dem Neuen Testament gesprochen -: Der Mensch kehrt um.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein anderer Ansatz versucht die S\u00e4kularisierung als h\u00f6herwertig anzusehen. Also: erst der Geister-\/Ahnenglaube, dann der Polytheismus, dann der Monotheismus, dann die Losl\u00f6sung von Gott durch den S\u00e4kularismus, Atheismus (Auguste Comte [1798-1857]). Dieser Ansatz geht davon aus, dass der Mensch sich Religion erfindet &#8211; und die Losl\u00f6sung von der erfundenen Religion ist dann die h\u00f6chste Stufe der Aufkl\u00e4rung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) hat gelehrt, die S\u00e4kularisierung als eine Form anzusehen, die im Christentum begr\u00fcndet ist. Denn es begann schon im Alten Testament, dass die Sch\u00f6pfung eben Sch\u00f6pfung ist und nicht in sich eine Gottheit. Also nicht die Sonne ist Gott, sie ist nur eine Lampe am Himmel. Oder der Glaube an Jesus Christus wurde in der Antike als Atheismus verstanden, weil Christen an einen Menschen glaubten. Dazu geh\u00f6rt auch die Wendung weg von den G\u00f6ttern hin zu dem Menschen in der N\u00e4chsten- und Feindesliebe. Das wird immer weiter fortgesetzt: Der Mensch wird, um mit Bonhoeffer zu reden, immer m\u00fcndiger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird in den letzten Jahrhunderten erkennbar, dass der S\u00e4kularismus in seinen unterschiedlichsten Formen, immer dogmatischer wird. Er versucht den Menschen in seine Weltanschauung, seine Gott-lose Weltanschauung hineinzuzwingen. Es werden eigene Strukturen errichtet, die zum Teil Menschen knechten, Freiheit nehmen. Es gibt keinen Gott mehr als Korrektiv, sodass Menschen sich selbst wieder zu G\u00f6ttern erheben. Nicht wie in der Antike, dass einzelne Herrscher als G\u00f6tter(s\u00f6hne) angesehen wurden, sondern Gruppen f\u00fchlen sich als &#8222;g\u00f6ttliche Wesen&#8220;, die andere beherrschen k\u00f6nnen, von anderen verlangen, ihre Weltanschauung aufzugreifen, ihrer Ideologie zu folgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Theologie als Prozess zeigt auch, dass der S\u00e4kularismus und der Atheismus sich von Gott l\u00f6sen, weil sie gegen falsche Gottesvorstellungen, gegen Karikaturen Gottes angehen. Von daher sind sie, auch wenn sie sich gegen Gott wenden, Teil des Weges Gottes mit dem Menschen in dem theologischen Prozess. Gott l\u00e4dt ein, frei zu glauben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-1 wp-block-paragraph\" style=\"color:#c02121\">Aufgaben <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-2 wp-block-paragraph\" style=\"color:#c02121\">a) Fasse in eigenen Worten zusammen, wie das Modell der &#8222;Theologie als Lernprozess&#8220; das Verh\u00e4ltnis zwischen Gott und Mensch beschreibt (unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der These: &#8222;Nicht Gott wandelt sich, der Mensch wandelt sich mit Hilfe Gottes&#8220;).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-3 wp-block-paragraph\" style=\"color:#c02121\">b) Setze dich mit der Position von Franz Alt und dem historischen Marcionismus auseinander. Warum lehnt dieser Ansatz das Alte Testament ab, und weshalb greift diese Kritik aus Sicht der Konzeption &#8222;Theologie als Lernprozess&#8220; zu kurz?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-4 wp-block-paragraph\" style=\"color:#c02121\">c) Nimm zu der These Stellung, dass man die Geschichte der Menschheit als einen moralisch-religi\u00f6sen Lernprozess deuten kann. Und das angesichts vielf\u00e4ltiger historischer Krisen, dazu geh\u00f6ren Kriege, Ausbeutung, Weltanschauungen, unterschiedlichste Formen von Gewaltstrukturen. Argumentiere unter Ber\u00fccksichtigung der Reich-Gottes-Vorstellung der Christen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-5 wp-block-paragraph\" style=\"color:#c02121\">d) Nimm zu der These Stellung, dass der Atheismus kein echter Fortschritt ist, sondern eine notwendige Abrechnung mit falschen Gottesbildern der Vergangenheit. Welche Konsequenzen hat die Vereinnahmung des Atheismus durch den christlichen Glauben f\u00fcr den Glauben in der Gegenwart?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lern-Prozess \/ Weg-Theologie Dieser Abschnitt hat mit Lehrpl\u00e4nen nichts mehr zu tun. Er ist Folge einer Frage einer Sch\u00fclerin. 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