{"id":609,"date":"2019-07-02T10:50:23","date_gmt":"2019-07-02T08:50:23","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=609"},"modified":"2019-07-29T18:43:23","modified_gmt":"2019-07-29T16:43:23","slug":"kirchenvaeter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/kirchenvaeter\/","title":{"rendered":"Kirchenv\u00e4ter"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">KIRCHENV\u00c4TER<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst geht es um einen \u00dcberblick \u00fcber die Namen, deren Herkunfts- und Wirkungsorten, dann um die detaillierte Darstellung. In dieser Darstellung k\u00f6nnen nur einzelne Aspekte angesprochen werden. Vertiefungen sind in Lexika (z.B. \u00d6kumenisches Heiligenlexikon oder wikipedia) zu finden. Besonders empfehlenswert ist immer noch: Hans von Campenhausens Werk: Lateinische Kirchenv\u00e4ter und Griechische Kirchenv\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-background has-white-color has-accent-background-color wp-block-paragraph\"><strong>Diese Seite ist im Aufbau begriffen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align:center\"><strong>A) Menschen, die den Kirchenv\u00e4tern zugeordnet werden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle christlichen Kirchen haben eine gemeinsame Tradition \u2013 Menschen, die die Kirchen besonders nachhaltig beeinflusst haben. Diese sind zum Teil unter der Bezeichnung \u201cKirchenv\u00e4ter\u201d bekannt. Ich m\u00f6chte ein paar von ihnen nennen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Justin * in Pal\u00e4stina(?) + 165 in Rom<\/li><li>Iren\u00e4us von Lyon * um 135 Izmir (?) + um 202<\/li><li>Klemens von Alexandrien * 150 Athen (?) + 215 Alexandrien (?)<\/li><li>Tertullian * nach 150 Karthago (heute: Tunesien) + nach 220 in Karthago<\/li><li>Origenes * um 185 Alexandria\/\u00c4gypten + um 254 in Tyros\/Libanon<\/li><li>Cyprian * um 200 Karthago + 258 in Karthago<\/li><li>Lactantius\/Laktanz * um 250 + um 320<\/li><li>Eusebios von Caesarea * 260 in Israel? + 338 (?)<\/li><li>Athanasios der Gro\u00dfe * um 295 Alexandria\/\u00c4gypten + 373 Alexandria\u00b4<\/li><li>Basilius der Gro\u00dfe * um 330 C\u00e4sarea (heute T\u00fcrkei) + 379 C\u00e4sarea<\/li><li>Gregor von Nazianz * um 330 bei Nazianz (heute T\u00fcrkei) + 390 Nazianz<\/li><li>Gregor von Nyssa * nach 330 C\u00e4sarera (heute T\u00fcrkei) + 394 Sebaste (heute: T\u00fcrkei)<\/li><li>Ambrosius von Mailand * um 339 Trier + 397 Mailand<\/li><li>Johannes Chrysostomos * 354 (?) in Antiochia (heute T\u00fcrkei) + 407 in Pitychus (Georgien)<\/li><li>Synesios von Kyrene * um 370 + nach 412<\/li><li>Hieronymus * um 342 in Stridon (Kroatien) + 420(?) Bethlehem<\/li><li>Augustinus * 354 Tagaste (heute: Algerien) + 430 in Hippo (heute: Algerien)<\/li><li>Kyrill von Alexandrien * um 380 in Alexandria (\u00c4gypten) + 444 in Alexandria<\/li><li>Boethius * um 480 + um 524 in Pavia (Italien)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"text-align:center\"><strong>\u00a0B) Details zu den genannten Namen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>1. Justin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Justin ist m\u00f6glicherweise in Sichem bzw. Nablus, einer Stadt im heutigen autonomen Pal\u00e4stinensergebiet, geboren worden und 165 in Rom. Er wuchs wohl heidnisch auf und studierte Philosophie. Die Besch\u00e4ftigung mit Platon und die Begegnung mit einem alten Mann am Strand, der ihm von Jesus Christus erz\u00e4hlte, brachten ihn dazu, sich taufen zu lassen. Als christlich-philosophischer Lehrer zog er im Gebiet der heutigen T\u00fcrkei umher. Er schrieb Werke, in denen er den christlichen Glauben gegen Vorw\u00fcrfe seiner Zeitgenossen verteidigte. Durch seine Verbindung des christlichen Glaubens mit der Philosophie, hat er dazu beigetragen, dass die Gebildeten seiner Zeit auf das Christentum aufmerksam wurden. Er gr\u00fcndete in Rom ein Schule, schrieb eine Schutzschrift f\u00fcr Christen an den Kaiser und den Senat und wurde mit sechs seiner Sch\u00fcler festgenommen. Er weigerte sich, den heidnischen G\u00f6ttern zu opfern und wurde unter dem Caesar Marc Aurel in Rom hingerichtet. Er stand k\u00fchn und freim\u00fctig zu seinem Glauben. Zu den so genannten Gerichtsakten:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.heiligenlexikon.de\/Literatur\/Gerichtsakten_Justinus.html\">http:\/\/www.heiligenlexikon.de\/Literatur\/Gerichtsakten_Justinus.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Historisch gesehen ist Justin wichtig, weil er mit seinen Schriften tiefe Einblicke in das Christentum und in philosophische Str\u00f6mungen seiner Zeit bietet. Liturgien werden deutlich, Gebete, Argumentationsweisen, Auslegungen der Bibel \u2013 seine Werke sind eine Fundgrube. Besonders deutlich wird die Aufnahme der antiken Philosophie: Es werden grundlegende Elemente aufgegriffen, losgel\u00f6st von oberfl\u00e4chlichem religi\u00f6sen Glauben, und mit dem Glauben an Jesus Christus verbunden. Es begegnen sich sozusagen j\u00fcdisch-christliche und griechisch-philosophische Traditionen. Und damit ist auch angesprochen, was ihm wichtig war: Die weltumspannende Gemeinschaft, die der christliche Glaube bietet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kirchenv\u00e4ter, die folgen, stehen auch auf seinen Schultern. Damit wird eines deutlich: Dieser alte Mann, der dem Heiden Justin von Jesus Christus erz\u00e4hlt hat: Was f\u00fcr eine gro\u00dfe Auswirkungen er hatte.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>2. Iren\u00e4us<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viel wei\u00df man nicht \u00fcber das Leben des Iren\u00e4us, der um 135 auf dem Gebiet der heutigen T\u00fcrkei geboren wurde und zweiter Bischof in Lyon, Gallien war. Der erste Bischof ist im Rahmen der Christenverfolgungen dort umgekommen. Er selbst war in dieser Verfolgungszeit als Gesandter der Gemeinde in Rom, entkam somit der Ermordung. Er starb um 202 nach Christus \u2013 m\u00f6glicherweise als M\u00e4rtyrer, aber das ist nicht sicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Werk, Gegen die H\u00e4retiker\/Irrlehrer, das uns heute noch vorliegt, besch\u00e4ftigt sich mit christlichen Gruppen, die Iren\u00e4us nicht mehr als christlich ansieht, dazu geh\u00f6ren die vielen gnostischen Str\u00f6mungen. Die Gnostiker sahen sich als Elite des Glaubens an und meinten, sie h\u00e4tten besondere Erkenntnis. Weil sie das Christentum st\u00e4rker hellenisiert und orientalisiert haben, somit dem Geschmack der Zeit angepasst haben, hatten sie gro\u00dfen Zulauf. Iren\u00e4us sieht sich als Sch\u00fcler des Polycarp von Smyrna in der Tradition des Apostels Johannes. Wir sehen hieran: Es bildete sich im zweiten Jahrhundert eine Gruppe heraus, die sich in der Tradition der Apostel sieht (Sukzession) und sich von daher auch berechtigt sieht, die Richtschnur dessen anzugeben, was christlich ist und was vom christlichen Glauben abweicht. Dazu hat sich auch im Laufe der Zeit die Sammlung des Neuen Testaments herausgebildet, um gegen all die Irrlehren ein festes Argumentationsfundament in der Hand zu haben, dar\u00fcber hinaus finden wir ein Glaubensbekenntnis (regula fidei), das den Rahmen des Glaubens absteckt. Aus dieser apostolischen Tradition heraus kritisiert Iren\u00e4us die anderen Gruppen, die aus dem R\u00fcckblick gesehen, zum gro\u00dfen Teil auch wirklich absonderliche Ansichten vertreten hatten. Er kritisiert \u2013 indem er argumentiert. Und das macht ihn zu einem der gro\u00dfen Theologen und auch zu einem einflussreichen Theologen. Christlicher Glaube \u2013 auch in der Tradition des Apostels Paulus \u2013 argumentiert. Und Iren\u00e4us argumentiert gegen alle gnostischen Spekulationen \u00fcber Gott-G\u00f6tter-Geister f\u00fcr die Einheit Gottes des Vaters, der der Sch\u00f6pfer der Welt ist, dessen eine Hand der Sohn Gottes, die andere der Geist Gottes ist. Gott will durch die Geschichte bewirken, dass sich der Mensch zwischen gut und b\u00f6se entscheidet, damit er auf Gottes Zukunft hin reif wird. Anders als die Gnostiker, die den Menschen negativ sehen, sieht Iren\u00e4us, dass Gott den Menschen durch Jesus Christus geadelt hat, dass er dem Menschen durch seinen heiligen Geist Anteil an Gott gegeben hat \u2013 und ihm somit die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, der besondere Mensch Gottes zu sein. Der Mensch ist Gottes Werk \u2013 er muss sich f\u00fcr Gott offen halten \u2013 und gelangt so zur Vollkommenheit.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>\u00a03. Klemens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klemens von Alexandrien ist ca. 150 wohl in Athen geboren worden. Er suchte und forschte und fand den christlichen Glauben. Er reiste herum zu vielen christlichen Lehrern und wurde sp\u00e4ter Leiter einer wichtigen christlichen Schule. Er schrieb B\u00fccher \u00fcber die ganzen falschen christlich-gnostischen Lehren, die er in \u00c4gypten vorgefunden hat und versuchte diesen ein eigenes Lehrsystem entgegenzusetzen: Glaube adelt die Philosophie \u2013 nicht die Philosophie den Glauben. Die Philosophie ist eine Art Vorstufe der Erkenntnis\/Gnosis. Und diese richtige Gnosis\/Erkenntnis ist in Liebe mit Gott vereint \u2013 und sie hat Auswirkungen auf den liebenden Umgang mit anderen Menschen. Er schrieb mit dem Werk Paidagogus (Erzieher) die erste christliche Ethik \u2013 mit der er unter Aufnahme der Sitten und Br\u00e4uche seiner Zeit die christliche Ethik der heidnischen Unsittlichkeit entgegensetzte. Aber nicht alles Heidnische ist unsittlich, sondern Gott durchdringt auch das Heidnische, wie die heidnische Philosophie ja auch gute Ans\u00e4tze hat. Es geht ihm in der Ethik um Essen und Trinken, Schlafen, Wohnen, Parfums\u2026 Er lehnt Traditionen nicht ab \u2013 aber er durchdringt sie mit christlichem Geist. Er floh angesichts einer Christenbedr\u00e4ngnis \u2013 und es ist nicht sicher, wo er ca. 215 starb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lehren des Klemens sind nicht ganz eindeutig, von daher wird er nicht unbedingt den Kirchenv\u00e4tern zugerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>4. Tertullian<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tertullian wurde um 150 geboren, wurde Rechtsanwalt und trat mit ca. 30 Jahren zum Christentum \u00fcber. Er stand einer ethischen strengen Str\u00f6mung, dem Montanismus, nahe. In seinen Schriften wendet er sich gegen viele Gruppen, so gegen gnostische Str\u00f6mungen wie gegen Angriffe der Heiden und so verfasste auch er eine Verteidigung des Christentums \u2013 und all das auf lateinisch. Das bedeutet, dass in der Kirche nicht mehr nur die Gebildeten im Fokus standen, sondern auch der normal lesende Mensch. Und weil Tertullian einer der ersten war, der den christlichen Glauben auf lateinisch in seinen Schriften durchdrang, hat er viele Worte und Formeln gepr\u00e4gt, die dann in der weiteren Kirchengeschichte ihre Wirkung entfalten konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tertullian hat ein Wort des Paulus noch einmal auf den Punkt gebracht. Paulus sagte, dass der Glaube an den hingerichteten und auferstandenen Jesus Christus f\u00fcr Nichtglaubende eine Dummheit ist (1. Korintherbrief 1-3). Tertullian sagt: Das Handeln Gottes in Jesus in Tod und Auferstehung sei glaubhaft, weil es absurd ist (\u201dcredo, quia absurdum\u201d (Ich glaube, weil es absurd ist). Tertullian war als Anwalt rhetorisch geschult \u2013 und das erkennt man an seinem pr\u00e4zisen Stil, der zum Teil auch rhetorisch emotional und polemisch sein kann. Er, wie andere vor und nach ihm, haben viel dazu beigetragen, den christlichen Glauben, der in der ganz normalen Alltagssprache verbreitet worden ist, gedanklich zu pr\u00e4zisieren, sprachlich philosophisch genauer auszusprechen. Damit konnte dann auch immer st\u00e4rker die gebildete Schicht angesprochen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Grund f\u00fcr seine Schriften nennt er zum Beispiel mit Blick auf die Christenverfolgungen: \u201cDie Wahrheit sucht nicht, ihre Lage durch Bitten zu \u00e4ndern. Sie wundert sich auch gar nicht \u00fcber ihr Schicksal. Sie wei\u00df, dass sie auf Erden nicht zu Hause ist und unter einem Volk, das ihr fremd ist, bald genug auf Feinde sto\u00dfen muss\u2026 Vorl\u00e4ufig verlangt sie nur eins: man soll sie kennenlernen, ehe man sie verurteilt.\u201d Und eben, dass die Heiden sie kennenlernen, das war ein Ziel seiner Schriften. Er konnte auch sehr polemisch sein: \u201cAber nur zu, ihr pr\u00e4chtigen M\u00e4nner der Regierung, macht euch nur beim Volk beliebt, indem ihr ihm Christen schlachtet! Qu\u00e4lt, foltert, verurteilt, vertilgt uns \u2013 euer Unrecht ist der beste Beweis unserer Unschuld\u2026 Und doch: die ausgekl\u00fcgeltste Grausamkeit n\u00fctzt euch gar nichts. Ihr macht nur Reklame f\u00fcr unsere Vereinigung.\u201d Und dann f\u00e4llt der ber\u00fchmte Satz: \u201cEin Same ist das Blut der Christen\u201d. In Tertullian wird auch das Selbstbewusstsein der verfolgten Christen deutlich. Ihr verurteilt uns? Gott spricht uns frei. Damit greift er das noch einmal auf, was auch in neutestamentlichen Schriften vorhanden ist \u2013 aber eben sprachlich pr\u00e4ziser neu formuliert. Nicht nur das: Deutlich wird: Der Staat hat nur Autorit\u00e4t, wenn er im Sinne des christlichen Glaubens handelt. Man muss Gott mehr gehorchen als dem Staat \u2013 und damit ist der Beginn auch der massiven Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche gekennzeichnet, der sich durchs Mittelalter bis in die Gegenwart durchzieht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von diesen Erfahrungen der Verfolgungen her gesehen, ist auch sein Rigorismus zu verstehen, seine Abgrenzung des christlichen Glaubens von allem, was die Welt ausmacht, auch von der Philosophie. Und die Gnosis, die er bek\u00e4mpft, ist eben nichts anderes als die Aufweichung der christlichen Lehre mit Zeitgeistphilosophien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn Tertullian so eine gro\u00dfe Wirkung erzielte, so wird er in der Kirche doch immer skeptisch betrachtet, eben weil er dem Montanismus nahe stand, weil er extreme rigorose Vorstellungen vertrat und auch H\u00f6llenvorstellungen hatte, die im Mittelalter ihre Wirkungen entfalten konnten, aber doch mit dem christlichen Glauben nicht kompatibel sind, weil er m\u00f6glicherweise am Ende seines Lebens (ca. 220) eine eigene rigorose Gruppe (Kirche) gr\u00fcndete.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>5. Origenes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Origenes wurde um 185 geboren. Der Vater des Origenes wurde w\u00e4hrend der Christenverfolgung get\u00f6tet \u2013 und Origenes selbst wollte auch den M\u00e4rtyrertod sterben, wurde aber durch seine Mutter daran gehindert (sie nahm ihm die Kleidung weg, so konnte er nicht auf die Stra\u00dfe). Er wurde Lehrer und besuchte parallel dazu die gefangenen Christen. Aufgrund finanzieller Knappheit, trotz Verkaufs seiner Bibliothek, lebte er sehr asketisch \u2013 aber nicht nur darum, sondern das entsprach auch seiner Einstellung. Auch wird er Klemens von Alexandrien als Lehrer gehabt haben \u2013 zumindest \u00fcbernahm er sp\u00e4ter die Schulleitung nach ihm. W\u00e4hrend seiner Aufenthalte in Pal\u00e4stina wurde er gebeten, Vorlesungen \u00fcber biblische Schriften zu halten \u2013 und das war auch eine seiner Spezialit\u00e4ten: Kommentare zu biblischen Schriften zu verfassen \u2013 seine Bibelkenntnis war enorm. Origenes wurde von den Bisch\u00f6fen in Pal\u00e4stina geweiht, was seinem Chef-Bischof Demetrios in Alexandrien \u00fcberhaupt nicht gefiel und er Origenes verbot zu lehren, und er erkl\u00e4rte die Ordination f\u00fcr unwirksam. Origenes lie\u00df sich auch von keiner kirchlichen Gewalt einsch\u00fcchtern, denn das Amt ist wichtig, es hat aber keine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung als der Christ als solcher, der Geistesmensch. Und so zog er daraufhin von Alexandria weg und lehrte in Caesarea und entfaltete trotz schwerer Zeiten eine ungeheure literarische T\u00e4tigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Origenes wurde der bedeutsamste Theologe, den die Kirche bis dahin hatte \u2013 aber auch bedeutsam darin, dass er mit einigen seiner Ansichten Kontroversen ausl\u00f6ste: Ist Jesus Christus dem Vater untergeordnet? Ist die Seele des Menschen schon vor dessen Zeugung da? Werden auch die B\u00f6sen nach einer langen Phase der Reinigung zu Gott kommen? Seine Schule lehrte (vor allem platonisch und stoisch beeinflusste) Philosophie, Literatur und Theologie \u2013 und darin zeigt sich auch sein Interesse: Wie Justin wollte er Philosophie und christlichen Glauben verbinden, wollte den christlichen Glauben mit der philosophischen Tradition zu einem neuen Ganzen verschmelzen. Und er stand an einem Wendepunkt: Das Christentum wurde noch st\u00e4rker in der gebildeten \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen \u2013 auch von der Elite, so dass das Wirken des Origenes hier auch Vorzeichen setzte f\u00fcr das Eindringen des Christentums in diese gesellschaftlichen Bereiche. Origenes wurde als Denker wahrgenommen \u2013 allerdings gefiel den anderen Denkern nicht sein Denken mit christlichem Vorzeichen. Dennoch wurde er auch ber\u00fchmt und wurde gebeten, vor der Kaiserin Julia Mammaea zu reden. Im jahr 250 wurde er im Zuge der Christenverfolgung verhaftet, gefoltert, entlassen. Er starb 254 an den Folgen dieser Folter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle soll nur auf die Schrift \u201cGegen Celsus\u201d hingewiesen werden: Der wohl \u00e4gyptische Heide Celsus (2. Jahrhundert) war der erste gro\u00dfe Kritiker des christlichen Glaubens, der auch das Christentum mit seinen unterschiedlichen Ausformungen kannte \u2013 und Origenes unternahm es, ihn zu widerlegen. http:\/\/www.unifr.ch\/bkv\/buch.php?werknr=46<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;Celsus meinte, es habe eine Urweisheit der V\u00f6lker gegeben, die Christen zum Teil \u00fcbernommen, zum Teil verf\u00e4lscht h\u00e4tten. Durch die Verf\u00e4lschungen h\u00e4tten sie sich abseits des sozialen Miteinanders gestellt. Er bringt so manches Thema auf, das bis heute immer wieder gegen j\u00fcdisch-christliche Theologie genannt wird: Er wendet sich gegen alttestamentliche Mythen (z.B. Gott musste am 7. Tag ruhen), gegen christologische Aspekte (es sei unsinnig, dass sich Gott in einem Menschen zeige \u2013 und dann noch in einem so bedeutungslosen Menschen wie Jesus), gegen das Geschichtsverst\u00e4ndnis (es sei nicht linear von Sch\u00f6pfung zur Apokalyptik, sondern zyklisch). Zu dem erstgenannten: Origenes lehrte den dreifachen Schriftsinn, das hei\u00dft, dass die Bibel in dreifacher Weise ausgelegt werden m\u00fcsse. Wie der Mensch aus K\u00f6rper, Seele und Geist bestehe, so wird die Bibel w\u00f6rtlich\/historisch zu verstehen sein, moralisch und geistlich. Entsprechend muss auch die eigentliche Intention, die spirituelle Intention, der Aussage von Gottes Ruhe am 7. Tag herausgearbeitet werden. Was die Bedeutungslosigkeit Jesu betrifft, antwortete Origenes, dass Jesus Christus wie kein anderer die Welt zum Guten in Schwingung versetzt habe.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>Cyprian<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cyprian wurde in Karthago (heutiges Tunesien) um 200 geboren. Er ist in einer reichen und gebildeten Familie aufgewachsen, wurde erfolgreicher Anwalt. Ein Priester wurde sein Freund \u2013 und Cyprian wurde Christ \u2013 und verschenkte im Jahr 246 (?) einen Teil seines Besitzes, lebte asketisch, las unter anderem Schriften von Tertullian. Schon bald darauf (249) wurde er Bischof, was die alten Christen nicht gerne gesehen haben und so legten sie ihm Steine in den Weg \u2013 dar\u00fcber hinaus begann 250 eine Christenverfolgung. Er floh \u2013 was ihm Glaubende als Feigheit \u00fcbelnahmen. Als Bischof wirkte er weiter durch Menschen, die er in seine Gemeinden sandte. Viele Christen distanzierten sich vom Glauben. Nach der Verfolgung (251) kam das Thema auf: Wie muss die Kirche mit denen umgehen, die ihren Glauben verraten haben? Dar\u00fcber hinaus: Wie muss die Kirche mit denen umgehen, die von Ketzern getauft worden waren? Cyprian war moderat in der Frage nach der Aufnahme derer, die den Glauben verraten hatten \u2013 nicht aber konnte er diejenigen akzeptieren, die von Ketzern getauft waren. Gegen die Aufnahme derer, die den Glauben verraten hatten, waren viele derer, die den Verfolgungen standgehalten hatten und darauf zu recht stolz waren. Dazu geh\u00f6rte Novatian \u2013 er trennte sich darum von der Kirche und bildete eine Gegenkirche. Cyprian schrieb daraufhin den Satz: \u201cau\u00dferhalb der Kirche gibt es kein Heil\u201d. Der Streit mit Novatian konnte nicht beigelegt werden \u2013 aber auch Cyprian machte es den vom Glauben Abgefallenen, die durch die Verehrung des Kaiserbildes G\u00f6tzendienst betrieben haben, nicht leicht. Sie mussten die Regeln der Bu\u00dfe auf sich nehmen, denn wenn man sich zu Gott in der Taufe bekannt hat, Gott einen angenommen hat, dann ist es schlimm, wenn man diese Liebe verr\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cyprian betonte die Bedeutung des Bischofsamtes und konkurrierte auch mit dem Bischof von Rom \u2013 und hier ging es um die Frage der Anerkennung der Ketzertaufe, die der Bischof von Rom moderater interpretierte als Cyprian. Die Taufe, so Cyprian, ist nur wirksam, wenn ein Rechtgl\u00e4ubiger sie vermittelt. Der Bischof von Rom betonte in der Frage nicht den T\u00e4ufer, sondern das, was Gott in der Taufe wirkt. es geschieht etwas zwischen Gott und dem T\u00e4ufling unabh\u00e4ngig vom Taufenden. Es wird vermutet, dass es zum Bruch gekommen w\u00e4re, wenn es 257 nicht eine erneute Verfolgungswelle gegeben h\u00e4tte. Der Satz \u201cau\u00dferhalb der Kirche gibt es kein Heil\u201d ist somit so gemeint, dass es au\u00dferhalb der Kirche, deren Einheit in Jesus Christus ein Geheimnis ist, die seiner Lehre folgt, keine Rettung gibt. Es geht nicht um bedingungslosen Gehorsam gegen\u00fcber dem Papst. In der Verfolgung wurde Cyprian zuerst festgenommen, dann aber zum Tode verurteilt und in der \u00d6ffentlichkeit im Jahr 258 enthauptet. Er soll dem Henker noch Goldst\u00fccke gegeben haben, weil er ihm das Himmelstor \u00f6ffne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tertullian \u2013 Cyprian \u2013 Augustinus: diese drei gro\u00dfen Christen, die in Nordafrika wirkten, haben die christliche Kirche in ihrer Lehre massiv beeinflusst.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>7. Laktanz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laktanz ist um 250 in Nordafrika geboren worden. Er war Lehrer, konnte sehr gut Latein und setzte \u2013 nachdem er Christ geworden war \u2013 seine Kenntnisse dazu ein, seine Stimme f\u00fcr den christlichen Glauben zu erheben \u2013 und ihn gegen Angriffe von Heiden zu verteidigen \u2013 aber nicht nur zu verteidigen, sondern auch in seinem Sinn die Heiden \u00fcber den Glauben zu belehren. Ihm lag heidnische Literatur am Herzen, weil man von ihr lernen konnte, den christlichen Glauben in bessere Sprache zu fassen. Er kannte sich auch sehr gut in heidnischer Philosophie und religi\u00f6sen Mythen aus, um sie aus christlicher Sicht widerlegen \u2013 und das Christentum als eine religi\u00f6se Philosophie darstellen zu k\u00f6nnen: Die unterschiedlichsten Philosophen haben nur kleine Splitter der Menschenkenntnis und der Wahrheit; die Wahrheit als Ganze wird dem christlichen Glauben von Gott in seiner Offenbarung geschenkt. Jesus Christus ist der wahre Lehrer der Tugend, weil er auch das, was er lehrte, vorbildhaft gelebt hat. Weil Laktanz einiges an Literatur der Antike verarbeitet hat, ist er auch eine interessante Quelle f\u00fcr unser Wissen \u00fcber die Antike. W\u00e4hrend der Christenverfolgungen musste er seine T\u00e4tigkeit ruhen lassen, wurde aber nicht weiter behelligt \u2013 und als sie beendet waren, hat Konstantin der Gro\u00dfe ihn als Lehrer f\u00fcr seinen Sohn in Trier ausgew\u00e4hlt. Aber die Christenverfolgungen hatten auch Auswirkungen auf ihn. So ver\u00f6ffentlichte er eine Schrift, in der er die Todesarten der Caesaren beschrieb, die Christen verfolgt hatten \u2013 zur Warnung an kommende Caesaren, damit sie das Christentum nicht weiter verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laktanz ist ein Mann des \u00dcbergangs: Das Christentum musste die letzte gro\u00dfe Verfolgung im R\u00f6mischen Reich erleben \u2013 und er erlebt, wie es nun politisch anerkannt wird. Freilich konnte man damals noch nicht ahnen, dass es so bleiben w\u00fcrde, denn auch Origenes hatte schon vor der Caesarin reden d\u00fcrfen \u2013 und dann kam wieder Verfolgung auf. Interessant aus heutiger Sicht ist, dass Laktanz einer der wenigen war, der die These von der Kugelgestalt der Erde abgelehnt hatte. Um 320 ist er gestorben.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>8. Euseb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Euseb wurde zwischen kurz nach 260 m\u00f6glicherweise in Israel geboren. Er war Lehrer. Nachdem sein Vorgesetzter und eigener Lehrer den M\u00e4rtyrertod gestorben war, floh Euseb nach Tyrus. Dort wurde er nach der Zeit der Verfolgung Bischof. Ebenso begann er dort sein gro\u00dfes Werk \u00fcber die Kirchengeschichte. In diesem Werk verarbeitet er die vielen Informationen \u00fcber Christen, die eines gewaltsamen Todes gestorben sind, aber nicht nur: Er \u00fcberliefert unsch\u00e4tzbare weitere Informationen von den Anf\u00e4ngen der Christenheit bis zu seiner Zeit, er zitiert aus inzwischen verloren gegangenen Werken und mischt das Wiedergegebene mit selbst erlebten Berichten. Konstantin der Gro\u00dfe berief ihn an seinen Hof und Euseb wirkte in einer gro\u00dfen Auseinandersetzung mit, und zwar als es darum ging, das Verh\u00e4ltnis Jesu zu Gott darzustellen. Es ging um den arianaischen Streit. Arius stellte Jesus als einen dar, der von Gott geschaffen wurde, also mit Gottvater nicht Wesenseins ist. Dar\u00fcber wurde eine gro\u00dfe Auseinandersetzung gef\u00fchrt, in der Euseb eine Zwischenposition \u00fcbernommen hatte. Er wurde exkommuniziert, dann aber von Kaiser Konstantin wieder rehabilitiert. Und das tr\u00e4gt dazu bei, dass Euseb als Theologe nicht so richtig in der Kirche anerkannt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Arianismus hatte insofern weiter Auswirkungen, als Germanenst\u00e4mme urspr\u00fcnglich eher dem Arianismus anhingen als der damaligen Rom und Konstantinopel orientierten Kirche. Euseb starb um 339.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>9. Athanasios<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Athanasios wurde um 298 in Alexandria in einem christlichen Elternhaus geboren. Er erlebte noch die Kirchenverfolgungen \u2013 aber auch die neue, mit Konstatin angebrochene politische Wende. Im 3. Jahrhundert begann eine neue Bewegung, die Christen zu erfassen: Es zogen junge Menschen in die W\u00fcste, um dort abgeschieden vom Trubel, besitzlos den Glauben zu leben, wohl auch, um der Verfolgung zu entgehen. Auch Athanasios zog eine zeitlang in die W\u00fcste und kannte sogar Antonius den Gro\u00dfen, der einer der ersten gro\u00dfen W\u00fcstenv\u00e4ter war. \u00dcber diesen Atanasios schrieb er nach dessen Sterben eine Hagiographie, das hei\u00dft, eine Biographie \u00fcber einen Heiligen \u2013 diese Schrift beeinflusste das christliche M\u00f6nchtum immens. Athanasios kehrte jedoch aus der W\u00fcste zur\u00fcck, lebte aber weiterhin recht asketisch. Er wurde Sekret\u00e4r des Bischofs Alexander \u2013 den K\u00e4mpfer gegen Arius. Arius hatte gelehrt, dass Jesus Christus unter Gott stehe, nicht wesensgleich mit Gott sei, sondern nur wesens\u00e4hnlich. Aber f\u00fcr Athanasios war es wichtig, dass Jesus nicht nur wie in der griechischen Mythologie so eine Art Halbgott war, sondern es war Gott selbst, der in Jesus Christus den Menschen die Erl\u00f6sung brachte. Es ging darum, dass man das Wesen Gottes nicht dem von der griechischen Tradition geschulten Verstand unterwirft, sondern das Wesen Gottes selbst in der Offenbarung Jesu Christi erkennt. Nachdem Bischof Alexander gestorben war, wurde Athanasios Bischof \u2013 und bekam durch die Anh\u00e4nger des Arius m\u00e4chtig \u00c4rger, ihm wurden schlimme Dinge unterstellt. Selbst vor einem Mord soll er nicht zur\u00fcckgeschreckt haben \u2013 aber er konnte beweisen, dass der angeblich Ermordete noch lebt. Er bekam auch \u00c4rger mit Euseb, den wir im vorangegangenen Abschnitt angesprochen haben. Dieser beschuldigte ihn vor Konstantin ein Fanatiker zu sein, der solche Macht habe, dass er sogar die Versorgung mit Getreide hindern k\u00f6nne. Daraufhin wurde er nach Trier und Rom in die Verbannung geschickt \u2013 und kn\u00fcpfte F\u00e4den zu anderen wichtigen Christen. Unter Druck durfte er dann wieder nach Alexandria zur\u00fcck. Die Verfolgung durch arianische Christen lie\u00df nicht lange auf sich warten und er ging in den Untergrund \u2013 zu den W\u00fcstenm\u00f6nchen. Danach durfte er doch wieder zur\u00fcck. Und er hatte gro\u00dfen Einfluss bei der Beantwortung der Frage nach der Trinit\u00e4t, dem Verh\u00e4ltnis von Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiligem Geist. Wegen seiner Standhaftigkeit, weil er lieber Verbannungen auf sich nahm \u2013 Kaisern und christlichen Synoden widerstand, auch der von Origenes angesto\u00dfenen Spekulation \u2013 als die Einheit Gottes zu leugnen, wurde er S\u00e4ule der Kirche, durch die Gott in schwerer Zeit die Kirche erhalten hat. Ebenso wurde er aus diesem Grund Kirchenvater genannt. Athanasios war auch einer, der versucht hat, unter den christlichen Kaisern die Selbstst\u00e4ndigkeit der Kirche zu erhalten. Kirche ist nicht Lakai der Herrscher \u2013 und das fuchste nat\u00fcrlich so manche Leute, nicht nur Herrscher, sondern auch Mitl\u00e4ufer und Karrieristen. In seinem 39. Osterfestbrief nannte er die 27 Schriften des Neuen Testaments. Schon vorher gab es solche Listen \u2013 aber der Liste, die Athanasios nennt, entspricht das Neue Testament noch heute. Athanasios starb 373 in Alexandria.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>10. Basilius der Gro\u00dfe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die drei Kappadozier m\u00f6chte ich nun in 10-12 besprechen: Basilius der Gro\u00dfe, Gregor von Nazyanz, Gregor von Nyssa. Basilius der Gro\u00dfe war der \u00e4ltere Bruder von Gregor von Nazyanz und Gregor von Nyssa war ihr Freund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Basilius der Gro\u00dfe lebte von ca. 330-379. Er ist in eine Familie hineingeboren worden, die sich schon l\u00e4nger zu Jesus Christus bekannt hatte \u2013 und was f\u00fcr eine christliche Familie war sie! Drei seiner Vorfahren wurden wie mit ihm drei seiner Geschwister heiliggesprochen. Die ganze Familie, einschlie\u00dflich der Schwester waren umfassend sehr gebildet. Er wuchs schon nach der konstantinischen Wende auf, doch jede Zeit hat so ihre Schwierigkeiten, und so war es in seiner Zeit gef\u00e4hrlich, nicht Arianer zu sein. Athanasios und andere, die sich zum dreieinigen Gott bekannt hatten, wurde das Leben schwer gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seinem Studium wurde er M\u00f6nch, gr\u00fcndete Kl\u00f6ster, in denen neben Gebet und Arbeit auch intensives Bibelstudium getrieben wurde. Die Regel, die er f\u00fcr die M\u00f6nche geschrieben hat, beeinflusst das M\u00f6nchtum bis in die Gegenwart. Obgleich er selber asketisch lebte \u2013 und wahrscheinlich darum auch recht reizbar war -, half er in einer Hungersnot Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen, indem er alles verkaufte und selbst die Nahrung austeilte. Er trennte dabei nicht zwischen Juden und Christen, weil eben, so die sinngem\u00e4\u00dfe Begr\u00fcndung, alle Hunger haben. Die m\u00f6nchische Askese diente dazu, dass der Mensch die Freiheit erlangt und Gott schaut \u2013 aber Liebe ist die treibende Kraft zu Gott und den Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er wurde Helfer des Bischofs und ein gro\u00dfer Prediger \u2013 und wurde sp\u00e4ter selber zum Bischof ernannt, und das nur, weil der Bischof Gregor von Nazyanz (der Vater seines Freundes) f\u00fcr ihn eingetreten war, denn die Angriffe der Arianer waren massiv, zum anderen war die Politik des Kaisers gegen diejenigen eingestellt, die Gott als den Dreienigen verehrte. Aber Basilius lie\u00df sich nicht einsch\u00fcchtern, sondern formulierte als erster, dass Gott ein Wesen und drei Personen (Vater, Sohn, Geist) sei. Kaiser Valens hat ihm \u00fcber einen Gesandten damit gedroht, seinen Besitz einzuziehen, ihn zu verbannen, zu foltern und zu t\u00f6ten. Basilius soll darauf geantwortet haben (gek\u00fcrzt): Sonst nichts? Ich habe keinen Besitz, ich bin \u00fcberall auf Gottes Erde zu Hause, Folter bringt mich um \u2013 und ich komme schneller zu Gott. Daraufhin sagte der Vertreter des Kaisers: So hat noch nie jemand zu mir gesprochen. Basilius: Du hast noch nie einen richtigen Bischof gesehen. Der Kaiser wagte es nicht, Basilius anzutasten, statt dessen verbannte er dessen Bruder Gregor von Nyssa. Als der arianische Kaiser gestorben war, wurden die Menschen, die an der Lehre von der Wesenseinheit Gottes festgehalten haben, aus der Verbannung zur\u00fcckgeholt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Basilius k\u00fcmmerte sich aber auch ganz praktisch um seine Gemeinden: Er baute Krankenh\u00e4user \u2013 die ersten, von denen wir wissen -, und Altersheime \u2013 eine ganze Stadt der N\u00e4chstenliebe entstand, eine Art Bethel. Er erkannte die S\u00fcnden der Christen: Die Verfolgungen hatten nachgelassen, jeder konnte Christ werden, und wie schon h\u00e4ufiger gesehen: Christen gehen unmenschlich mit anderen um. Sie lebten nicht, wie Gott es will. Und so versuchte er, sie wieder auf die Anfangszeit des Glaubens auszurichten, sie auf den Willen Gottes aufmerksam zu machen. Dennoch achtete er auch die heidnische Tradition und hob die Bildung hervor. Weiteres w\u00e4re zu nennen, was zeigt, dass er zu recht schon zu Lebzeiten als \u201eder Gro\u00dfe\u201c bezeichnet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>11. Gregor von Nyssa<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bruder von Basilius, Gregor von Nyssa, hat seinen Bruder Basilius und vor allem auch seine Schwester Makrina, die Lehrerin, sehr bewundert. Er war aber eher einer, der sich f\u00fcr Philosophie und das Denken interessierte als f\u00fcr das Praktische. Dennoch wurde er von seinem Bruder Basilius aus politischen Gr\u00fcnden zum Bischof ernannt. Doch man hat ihm von Seiten seiner arianischen Gegner Veruntreuung vorgeworfen und abgesetzt. Als die Arianer durch den Tod des arianischen Kaisers schw\u00e4cher geworden waren, konnte er zur\u00fcckkehren. Doch seine Begabung bestand im systematischen Denken und so wurde er \u2013 trotz seiner Kritik an vielen Zust\u00e4nden seiner Zeit \u2013 der einflussreichste Theologe seiner Zeit, an seinem Ma\u00dfstab mussten sich alle messen lassen. Seine Bedeutung ist auch daran erkennbar, dass er f\u00fcr eine Prinzessin und f\u00fcr die Kaiserin die Beerdigungsansprache gehalten hat. Er war ein gro\u00dfer Denker hat in der Frage der Dreieinigkeit Gottes intensiv christlichen Glauben und Philosophie Platons bzw. den Neuplatonismus miteinander verbunden: Gott ist unendlich und unbegreifbar; wenn man etwas von ihm erkannt hat, dann wird man noch weiter gef\u00fchrt, wenn man wieder etwas erkannt hat, wird man noch weiter gef\u00fchrt; der Verstand kommt nie an sein Ziel, wenn er \u00fcber Gott nachdenkt. Doch es ging ihm nicht allein um das Wesen Gottes, es ging ihm darum, herauszuarbeiten, was das f\u00fcr eine Bedeutung f\u00fcr den Menschen hat. Und so ist seine Theologie auch von der Mystik gepr\u00e4gt, davon, dass der Mensch der G\u00fcte und Sch\u00f6nheit Gottes nachsinnt, dass er immer weiter in sie hineingenommen wird, aber nie an das Ende kommen wird. Das hei\u00dft, die Vereinigung des Menschen mit Gott\/der Gottheit, wie sie Mystikern vieler Religionen ein Herzensanliegen ist, wird von Gregor aus seiner christlichen Perspektive nicht vertreten. Der Mensch wird Gott \u00e4hnlich, genie\u00dft Gott, die Seele tritt aus sich heraus \u2013 aber sie wird nicht eins mit dem unendlichen Gott.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>12. Gregor von Nazianz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Gregor von Nazianz ist in eine tief christliche Familie hineingeboren worden. Sein Vater war Jude, der sich dem Christentum zugewandt hatte und sp\u00e4ter Bischof geworden ist. Vater, Mutter, Geschwister \u2013 alle werden als Heilige angesehen. Gregor war sehr gebildet, lebte zur\u00fcckgezogen als Einsiedler\/M\u00f6nch, half jedoch seinem Vater, dem Bischof und wurde selbst aus politischen Gr\u00fcnden von Basilius zum Bischof ernannt. Als Priester konnte er nicht auftreten, weil die arianischen Gemeinden ihn nicht haben wollten, eine kleine Gemeinde in Konstantinopel (heute Istanbul) blieb bei dem dreieinigen Gott und dort predigte er in einem Kellerlokal. Er konnte so gut reden, dass viele auf ihn aufmerksam wurden \u2013 und je mehr Menschen auf ihn aufmerksam geworden sind, desto st\u00e4rker wurden die Angriffe der Gegner. Er konnte massiv gegen seine Gegner argumentieren \u2013 war aber im wesentlichen eher ein Mensch, der den Frieden suchte und meinte, nicht alle seien schon im Glauben gefestigt und w\u00fcssten den Weg. Darum sei Langmut angesagt. Die Stadt wandte sich immer st\u00e4rker dem Glauben an den dreieinigen Gott zu. Er selbst wurde zum Oberbischof (Metropoliten) ernannt \u2013 hat aber allen auf die F\u00fc\u00dfe getreten \u2013 und merkte, dass das Amt zu gro\u00df f\u00fcr ihn war, er die Streitereien in der Kirche zwischen Arianern und Vertretern des Dreieinigen Gottes nicht schlichten konnte zog er sich wieder zur\u00fcck. In einem anderen Streitpunkt, der nun aufkam, positionierte er sich: es ging darum, dass gesagt wurde, Christus sei Gott \u2013 und die menschliche Seite wurde weitgehend ignoriert. Gregor legte Wert darauf, dass Jesus Christus Gott \u2013 aber auch ganz Mensch gewesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er hat durch seine Predigten, seine Briefe und seine Gedichte bleibend gewirkt. Mit seinen Gedichten wollte er \u00fcbrigens auch zeigen, dass das Christentum auch in dieser Hinsicht mit der heidnischen Kultur Schritt halten kann.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color wp-block-paragraph\"><strong>13. Ambrosius von Mailand<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ambrosius von Mailand ist um 339 in Trier geboren worden. Sein Vater war r\u00f6mischer Statthalter\/Pr\u00e4fekt. Der Vater ist fr\u00fch gestorben und die christliche Mutter zog mit ihrem Sohn zur\u00fcck nach Rom. Dort wurde er nach seiner hervorragenden juristischen Ausbildung anerkannter Politiker und zum Statthalter mit Sitz in Mailand ernannt. Der alte Bischof war gestorben, und die Arianer und Trinitarier \u2013 das hei\u00dft Glaubende, die Gott als den dreieinigen Gott bekannten \u2013 konnten sich nicht auf einen Nachfolger einigen. Ambrosius war als politischer Beobachter bei diesen Streitigkeiten dabei \u2013 und wollte w\u00e4hrend der Wahl schlichten. Bei seiner Rede soll ein Kind gerufen haben: Bischof Ambrosius. Er selbst war zwar schon Christ, nahm christlichen Unterricht, war aber noch nicht getauft \u2013 und wurde, weil er so beliebt war, dennoch zum Bischof ernannt. Er wollte nicht, aber dann \u00fcberzeugte ihn der Kaiser, dass er dieses Amt ergreifen solle. Er wurde getauft und wirkte als Bischof von Mailand. Seine Beliebtheit r\u00fchrte auch daher, dass er das Evangelium lebte, seinen Besitz verkaufte, den Armen half, die ihn auf Schritt und Tritt begleiteten. Die Armen seien der Schatz der Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ambrosius war auch eine machtvolle Person, und der sp\u00e4tere Kampf zwischen Kirche und Kaiser wurde hier schon vorweggenommen: Der Kaiser ist als Christ Untertan der Kirche, hat sich an ihre Regeln zu halten. Er ist auch nur ein Mensch, der einmal vor Gott erscheinen und sich rechtfertigen muss. Deutlich wird die Herrschaftskritik, die sich durch die gesamte Bibel hindurchzieht, auf eine neue Ebene gehoben. Das bedeutet aber auch f\u00fcr den Menschen der Kirche, dass er w\u00fcrdig auftritt, dass er sich dem Amt und der W\u00fcrde entsprechend verh\u00e4lt, dass er sich nicht der S\u00fcnde ausliefert. Und die Herrschaftskritik wurde mehrfach deutlich. So ist Ambrosius einer der Erfinder des \u201czivilen Ungehorsams\u201d, weil er nicht einsah, dass die Politik in Sachen Kirche bestimmend wird und die Spaltung der Kirche in Arianer und Trinitarier unterst\u00fctzt. Der Staat suchte die Arianer unter anderem aus politischen Gr\u00fcnden zu unterst\u00fctzen, weil die Goten, die mehr oder weniger das R\u00f6mische Reich infiltrierten, Arianer waren. Aber Ambrosius war gegen solche Kompromisse auf Kosten der Einheit der Kirche. Und: Als der Kaiser ein Massaker angerichtet hatte, musste er \u00f6ffentlich Bu\u00dfe tun. Er dr\u00e4ngte einen anderen Kaiser, die heidnischen Kulte nicht mehr finanziell zu unterst\u00fctzen, sie aufzul\u00f6sen. Sein Wirken hat auch insofern eine Schattenseite, als er die Bestrafung eines Bischofs verhinderte, der zu einem Pogrom gegen Juden angestachelt hatte und der Mob die Synagoge zerst\u00f6rte. Der Kaiser wollte, dass der Bischof den Aufbau der Synagoge finanziere \u2013 was Ambrosius ablehnte. Diese Ereignisse zeigen zum Teil, dass hier das Recht zugunsten der Kirche zur\u00fcckgestellt wurde. Und das geh\u00f6rt mit zu den dunkelsten Kapiteln der Kirche. Freilich: Jeder Dom hat seine D\u00e4monen \u2013 und so ist Ambrosius einer der ganz Gro\u00dfen, aber er zeigt auch, dass die ganz Gro\u00dfen ihre dunklen Seiten haben, ihre Seiten, die vom Geist Gottes nicht vollkommen durchleuchtet worden sind. Ambrosius Schwachstelle war der Machtwille. Dennoch wandte er sich auch gegen Bisch\u00f6fe, die nun ihrerseits \u2013 sozusagen als Revanche \u2013 den Staat dazu benutzten, Gegner des Christentums zu verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er war aber nicht nur gegen\u2026, sondern vor allem auch \u201cf\u00fcr\u201d und so schrieb er eine Ethik, Texte zur Unterweisung von Christen und viele Hymnen \u2013 und ist so Urheber des Gottesdienstgesanges (Ambrosianischer Gesang). Wobei er freilich nicht dessen Erfinder ist. In manchen Gottesdiensten wurde schon vorher gesungen. Ambrosius stand in der Tradition des Origenes, des Athanasius und des Basilius \u2013 und hat \u00fcber die Mutter des sp\u00e4teren Kirchenvaters Augustinus, Monika, dessen Hinwendung zum Christentum gef\u00f6rdert. Ambrosius hat ihn auch getauft \u2013 und die Legende sagt, dass w\u00e4hrend dieses Gottesdienstes das ber\u00fchmte Te Deum als Wechselgesang der gro\u00dfen Christen Ambrosius und Augustinus entstanden ist. (Das Te Deum: http:\/\/www.kathpedia.com\/index.php\/Te_Deum )<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ambrosius war auch ein gro\u00dfer Prediger, der die biblischen Texte in der Nachfolge von Origenes allegorisch ausgelegt hat, das hei\u00dft die Aussagen des biblischen Textes aus dem historischen Kontext gel\u00f6st und die Bedeutung f\u00fcr den H\u00f6rer seiner Zeit so interpretiert hat, dass die unverst\u00e4ndlichen Texte rational-gl\u00e4ubig nachvollziehbar waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er starb 397 in Mailand. Seine Schwester ist die Heilige Marcellina. Auch hier sieht man, wie an Basilios, dass die Familie insgesamt jeweils gro\u00dfe Bedeutung erlangt hat. (Eine gute Darstellung von Ambrosius findet sich hier: http:\/\/www.kath.net\/detail.php?id=39213 )<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KIRCHENV\u00c4TER Zun\u00e4chst geht es um einen \u00dcberblick \u00fcber die Namen, deren Herkunfts- und Wirkungsorten, dann um die detaillierte Darstellung. In dieser Darstellung k\u00f6nnen nur einzelne Aspekte angesprochen werden. Vertiefungen sind in Lexika (z.B. \u00d6kumenisches Heiligenlexikon oder wikipedia) zu finden. 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