{"id":585,"date":"2019-07-02T10:40:24","date_gmt":"2019-07-02T08:40:24","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=585"},"modified":"2026-09-01T17:58:04","modified_gmt":"2026-09-01T15:58:04","slug":"christliche-sozialethik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/christliche-sozialethik\/","title":{"rendered":"Christliche Sozialethik \/ Soziallehre"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">CHRISTLICHE SOZIALLEHRE \/ SOZIALETHIK<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">Aufgabe 1:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">Dietrich Bonhoeffer sagte: <em>Es reicht nicht, die Opfer unter dem Rad zu verbinden. Man muss dem Rad selbst in die Speichen fallen.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">\u00dcberlege: Was hat er in der Zeit des Nationalsozialismus damit gemeint?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Satz von Bonhoeffer kennzeichnet auch das Wirken von Diakonie und Caritas: Es geht nicht nur darum, dass Christen den Menschen, die in Not geraten sind, helfen, sondern es geht auch darum, dass sie alle Bedingungen, die Menschen in die Not f\u00fchren, so gut es eben geht, ver\u00e4ndern. Das hei\u00dft, sie m\u00fcssen im Bereich der Gesetzgebung ihre Stimme erheben, sie m\u00fcssen vor Ort jeweils das ver\u00e4ndern, was Not herbei f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um das bewerkstelligen zu k\u00f6nnen, denkt die <strong>christliche Soziallehre<\/strong> (Katholisch) bzw. <strong>Sozialethik<\/strong> (Evangelisch) \u00fcber das Handeln und politisch verantwortliches Denken nach. Grundlegend sind die vier Standbeine: Personalit\u00e4t, Gemeinwohl, Solidarit\u00e4t, Subsidiarit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Personalit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Personalit\u00e4t hei\u00dft, der Mensch als Ebenbild Gottes steht im Zentrum. Das Handeln einer Gesellschaft &#8211; der Politik wie der Gruppen und der anderen Individuen &#8211; hat die W\u00fcrde des Menschen zu achten. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\"><strong>Gemeinwohl:<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht darum, dass nicht Individual-Interessen bzw. Gruppen-Interessen vor dem Gemeinwohl stehen d\u00fcrfen, sondern dass zwischen Individuen, Gruppen und Gesellschaft ein ausgewogenes Verh\u00e4ltnis hergestellt wird. Doch was ist das \u201eGemeinwohl\u201c? Das, was Gemeinwohl ist, kann nicht einer oder eine Gruppe bestimmen, sondern wird durch die Interaktion verschiedenster Gruppen und Individuen immer wieder neu austariert. Dabei handelt es sich um sehr komplizierte gesellschaftspolitische Prozesse, denn wenn Medien alle dasselbe sagen, dann kann die Bev\u00f6lkerung auch in eine Richtung gedr\u00e4ngt werden \u2013 oder wenn manche Gruppen unterdr\u00fcckt und bedr\u00e4ngt werden, sie Angst bekommen, ihre Meinung auszusprechen, dann ist das Gemeinwohl sehr stark gef\u00e4hrdet. Von daher geh\u00f6rt zu diesem Prozess Meinungsfreiheit dazu. Sich um das Gemeinwohl k\u00fcmmern bedeutet immer: Sich um das Wohl Einzelner zu k\u00fcmmern, denn die bilden die Gesellschaft. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\"><strong>Solidarit\u00e4t:<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen tragen f\u00fcreinander Verantwortung. Sie bilden eine Gesellschaft aus Individuen, die einander helfen m\u00fcssen, das Leben nach Wunsch und Notwendigkeit gestalten zu k\u00f6nnen. Nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark, helfen also Interessengruppen einander \u2013 aber nicht nur. Sondern es wird betont, dass auch fremde Menschen \/ Gruppen unterst\u00fctzt werden m\u00fcssen, weil es dadurch der Gesellschaft besser geht. Alle Menschen sind aufeinander angewiesen. Und das gilt auch f\u00fcr Menschen, deren Meinung Regierende wie auch M\u00e4chtige in der Zivilgesellschaft nicht teilen. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-black-color has-white-background-color has-text-color has-background\"><strong>Subsidiarit\u00e4t:<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Subsidiarit\u00e4t hei\u00dft, dass die kleinsten Einheiten einer Gesellschaft f\u00fcr sich selbst verantwortlich sind und gest\u00e4rkt werden m\u00fcssen. Die kleinsten Einheiten sind: Familie, Vereine, Kommune \u2013 und es geht dann politisch immer weiter (Kreis, Land, Bund). Diese kleinsten Einheiten bilden die Grundlage der Gesamtgesellschaft und die Gesamtgesellschaft hat diese kleinsten Einheiten zu unterst\u00fctzen. Diese pr\u00e4gen dann wieder die Gesamtgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Konkret: In den Diktaturen ist das Prinzip andersherum: Es wird von einer Gruppe, die die Macht hat, bestimmt, was die jeweils untergebenen Menschen tun m\u00fcssen, welchen Gesetzen sie zu folgen haben, welcher Weltanschauung sie folgen m\u00fcssen. Das Subsidiarit\u00e4tsprinzip bedeutet hingegen, dass die Regierung die Pflicht hat, unabh\u00e4ngig von den Weltanschauungen der kleinsten Einheiten diese zu unterst\u00fctzen und zu f\u00f6rdern, denn diese bilden auch die Grundlage der Weltanschauung f\u00fcr den Staat. Regierungen m\u00fcssen somit die Familien, die Sport- und Kulturvereine usw. unterst\u00fctzen, ihnen R\u00e4ume schaffen, sie m\u00fcssen die Kirchen (denen ja ein gro\u00dfer Teil der kleinsten Einheiten in unserem Land zugeh\u00f6ren) unterst\u00fctzen \u2013 und diese pr\u00e4gen jeweils wieder die Gesellschaft. Die Regierungen k\u00f6nnen laut dieses Prinzips nicht mehr sagen: Wir wollen die kleinsten Einheiten nicht mehr unterst\u00fctzen!, oder sie k\u00f6nnen nicht mehr sagen: Die Weltanschauung \/ Religion der Gesellschaft gef\u00e4llt uns nicht, wir wollen sie ver\u00e4ndern! Wenn eine Regierung das sagt, dann vergreift sie sich am Grundprinzip unserer Gesellschaft. Wenn ein Staat \u00fcbergriffig wird, muss die M\u00f6glichkeit bestehen, dagegen zu klagen und demokratisch vorzugehen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Grundgesetz Art. 20 hei\u00dft es (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_20.html\">https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_20.html<\/a>):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausge\u00fcbt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-1 wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">Aufgabe 2: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-2 wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">Recherchiere: Wie wird der Artikel 20 des Grundgesetzes interpretiert?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-3 wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">Aufgabe 3:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-4 wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">Was sagst Du zu diesen vier Beinen der Soziallehre \/ Sozialethik? W\u00fcrdest Du weitere hinzuf\u00fcgen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><br>Aufgabe 4:\u00a0Finde Beispiele \u2013 diskutiere:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-5 wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\">Zurzeit wird jeder noch so kleinen Gruppe, die medial wirksam auf sich aufmerksam macht, Raum gegeben \u2013 zum Teil auch auf Kosten der Mehrheit.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-6\" style=\"color:#a30003\">Ist das richtig? Ist das falsch?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-7\" style=\"color:#a30003\">Darf \/ muss einer kleinen Gruppe ein gro\u00dfer Raum einger\u00e4umt werden?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-8\" style=\"color:#a30003\">In Sozialen Medien haben kleine Gruppen eine enorme Verst\u00e4rkung (Algorithmen), so dass nicht mehr erkennbar wird, was Mehrheitsmeinung, was Minderheitsmeinung ist. War es vor den Sozialen Medien anders? (Bedenke: Es gab nur wenige Informationsquellen: &#8222;Gatekeeper&#8220;.)<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-9\" style=\"color:#a30003\">Wie kann eine Gesellschaft damit umgehen, damit sie nicht von einer kleinen, lauten, mit Emp\u00f6rungen und \u00c4ngsten agitierenden weltanschaulichen Gruppe abh\u00e4ngig wird?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-10\" style=\"color:#a30003\">Wie muss eine Gesellschaft mit schutzbed\u00fcrftigen Minderheiten umgehen, dass diese angemessen ber\u00fccksichtigt werden?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-11\" style=\"color:#a30003\">Manche kleine Gruppen sind fundamentalistisch und haben eine &#8222;Wagenburgmentalit\u00e4t&#8220;, das hei\u00dft, sie grenzen sich ab, fordern aber Macht. Wie w\u00fcrdest Du auf eine solche Gruppe reagieren? <\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-12\" style=\"color:#a30003\">Es wird allgemein beobachtet, dass sich die Gesellschaft zerfasert, dass immer weniger Konsens herrscht. a) Siehst Du das auch so? b) Was meinst Du, wie das ge\u00e4ndert werden k\u00f6nnte?<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CHRISTLICHE SOZIALLEHRE \/ SOZIALETHIK Aufgabe 1:&nbsp; Dietrich Bonhoeffer sagte: Es reicht nicht, die Opfer unter dem Rad zu verbinden. Man muss dem Rad selbst in die Speichen fallen. \u00dcberlege: Was hat er in der Zeit des Nationalsozialismus damit gemeint? 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