{"id":583,"date":"2019-07-02T10:39:36","date_gmt":"2019-07-02T08:39:36","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=583"},"modified":"2020-12-22T15:48:17","modified_gmt":"2020-12-22T14:48:17","slug":"diakonie-caritas-geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/diakonie-caritas-geschichte\/","title":{"rendered":"Diakonie\/Caritas: Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">KURZ\u00dcBERBLICK: CHRISTLICHE DIAKONIE<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">(Auszug aus dem Manuskript: Wolfgang Fenske: Jesus heilt. Jesus und die fr\u00fchen Christen zum Thema: Krankheit \u2013 Tod \u2013 Leben. Unver\u00f6ffentlicht)<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKrankenh\u00e4user\u2039 gab es in Rom seit ca. 100 v. Chr. f\u00fcr Angeh\u00f6rige der Armee und von manchen Gro\u00dfgrundbesitzern f\u00fcr ihre Sklaven (Valetudinarien). Weil manche Sklaven sehr teuer waren, lie\u00df man diese Auserw\u00e4hlten besonders behandeln. Schon bei den \u00c4gyptern und im griechischen Bereich gab es am Tempel mancher Heilg\u00f6tter R\u00e4ume, in denen Kranke Heilung suchten, dort auch eine Zeit lang lebten, wobei Tempelpriester ihnen die Tr\u00e4ume auslegten, weil man glaubte, dass durch diese der Gott Asklepios sprechen w\u00fcrde (Asklepieia). Ber\u00fchmt war der Tempel von Epidauros, von dem noch Votivtafeln Geheilter existieren. In Epidauros gab es eine Herberge mit 160 Zimmern. Vermutlich wurden all diese Menschen von Angeh\u00f6rigen mit Lebensmitteln versorgt. Ob die so genannte Theodotosinschrift in Jerusalem \u2013 m\u00f6glicherweise vor 70 n.Chr. \u2013 auf eine Herberge weist, in der besonders kranke Pilger gepflegt worden sind, ist eher unwahrscheinlich:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bb<em>Theodotos (\u2026) baute die(se) Synagoge zur Vorlesung des Gesetzes und zum Unterricht in den Geboten, ebenso auch das Fremdenhaus und die Kammern und die Wasseranlagen f\u00fcr die (Pilger) aus der Fremde, die eine Herberge brauchen. (\u2026)\u00ab<\/em> (\u00dc.: Barrett\/Thornton: Texte zur Umwelt des NT, UTB 1591, Nr. 57).<\/p>\n\n\n\n<p>Fassbarer werden Krankenh\u00e4user erst in christlicher Zeit. Sie sind ab jetzt f\u00fcr alle ge\u00f6ffnet. Das \u00e4lteste bisher bekannte Geb\u00e4ude stammt aus der Zeit um 350 in Antiochia;\u00a0<strong>Basilius der Gro\u00dfe\u00a0<\/strong>hat (gemeinsam mit seiner Schwester <strong>Makrina<\/strong>) 370 einen Ort f\u00fcr Pilger, Arme, Arbeitsunf\u00e4hige\u00a0 und Kranke (\u201eBasilias\u201c \/ Xenodochien) in Caesarea bauen lassen, an dem auch medizinische Untersuchungen und Arzt- wie Pflegerausbildungen stattfanden. Es wuchs dann im Grunde zu einer Art Bethel des 4. Jahrhunderts an. 397 gab es ein Krankenhaus in Rom. Um 400 wurde in Edessa ein Frauenkrankenhaus er\u00f6ffnet und 650 in Konstantinopel ein Krankenhaus f\u00fcr Augenkrankheiten. Im Jahr 420 hatte das Krankenhaus in Ephesus \u00fcber 75 Betten. Ca. hundert Jahre sp\u00e4ter hatte das Krankenhaus in Jerusalem 220 Betten \u2013 was einen enormen logistischen Kraftaufwand ben\u00f6tigt haben muss. In der Gebetssammlung der altsyrischen Kirche wurden Gemeinden an ihre Pflicht erinnert, Krankenh\u00e4user zu errichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem islamische Heere die christlich gepr\u00e4gten Gebiete besiegt hatten, wurden Krankenh\u00e4user \u00fcbernommen. Antike Standardwerke (Hippokrates&nbsp;[ca. 460-375 v.Chr.],&nbsp;Galenos&nbsp;[ca. 129-um 200],&nbsp;Oreibasios&nbsp;[325-403]) wurden ins Arabische \u00fcbersetzt und inspirierten ber\u00fchmte Mediziner (den Perser\/Usbeke&nbsp;Avicenna&nbsp;[ca. 980-1057] und den Perser&nbsp;Rhazes&nbsp;[864-930]) zu eigenen Arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hospitaliter-Orden (der Vorl\u00e4ufer des Johanniterordens), arbeitete schon vor den Kreuzz\u00fcgen in einem Krankenhaus (Hospital zum Heiligen Johannes), das italienische Kaufleute in Jerusalem errichtet hatten. Es wird 1048 erstmals erw\u00e4hnt und konnte hunderte von Pilgern aufnehmen. Kleinere Stationen und Krankenh\u00e4user wurden in Europa an den Pilgerwegen errichtet. Zur Pflicht machte&nbsp;<strong>Benedikt von Nursia<\/strong>&nbsp;mit der Benediktinerregel 37 im Jahr 529 den M\u00f6nchen die Pflege der Kranken und begr\u00fcndete damit die \u203aKlostermedizin\u2039. Kl\u00f6ster wurden mit Apotheken und Pflegezimmer ausger\u00fcstet. Die Klostermedizin basierte auf Galenos Werk. Der Nachfolger Benedikts,&nbsp;<strong>Cassiodor<\/strong>&nbsp;(+ um 580), empfahl den M\u00f6nchen unter anderem Hippokrates zu lesen (diese Werke kamen also nicht erst \u00fcber den Islam nach Europa!). Dar\u00fcber hinaus: Schon der Sachsenk\u00f6nig&nbsp;<strong>Ina&nbsp;<\/strong>(aus England) lie\u00df 727 in Rom ein Krankenhaus errichten, das s\u00e4chsischen Pilgern helfen sollte. Es wurde 1024 von&nbsp;<strong>Papst Innozenz III.<\/strong>&nbsp;wieder hergestellt (Santo Spirito) <strong>(1)<\/strong>. Der \u00bbSt. Gallener Klosterplan\u00ab von 830 zeigt Arzthaus und Spital. Das h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass auf der Aachener Synode 816 verf\u00fcgt wurde, dass jedes Kloster in Franken ein Spital haben sollte zur Pflege der Kranken und Alten, Speisung der Armen, Beherbergung von Fremden usw. Die Versorgung der Bettler und die Hilfe f\u00fcr Kranke war Aufgabe der Kl\u00f6ster bis in die Reformationszeit hinein. In der Reformationszeit wurde gefordert, dass Kirchengut usw. den Armen zur Verf\u00fcgung gestellt wurde. Was in allen mir bekannten \u00c4u\u00dferungen jedoch nicht deutlich wird, ist der Versuch, die Grundlage der Armut zu bek\u00e4mpfen. Die Heerscharen der Armen ist bedingt, durch die Landwirtschaft, die ganz von der Natur abh\u00e4ngig war, die davon abh\u00e4ngig war, dass medizinische Versorgung im modernen Sinn nicht m\u00f6glich war. Hilfen waren im wesentlichen auf pers\u00f6nliches Engagement beschr\u00e4nkt, wie zum Beispiel die Aufnahme eines Menschen durch Beg\u00fcterte, die Aufnahme in Kl\u00f6stern, die allerdings auch abh\u00e4ngig waren von den Kapriolen der Natur. Die Reichen wurden immer wieder aufgefordert, Gelder zur Verf\u00fcgung zu stellen. Armut war ein Teil des Lebens, die man nicht nachhaltig bek\u00e4mpfen konnte. Durch Erfindungen konnte man jedoch ein wenig mehr gegen den Hunger tun: Windm\u00fchlen, Stallhaltung zur Erhaltung von D\u00fcnger usw. Armut wurde in Armutsbewegungen insofern positiv konnotiert, als es Orden gab, in denen man freiwillig arm leben konnte. Der Arme ist Ebenbild Gottes, in ihm ist Gott gegenw\u00e4rtig &#8211; zudem: Jesus lebte auch in Armut. So die Begr\u00fcndungszusammenh\u00e4nge. Dann begann man im 15.\/16. Jahrhundert Armut nicht mehr als positiv anzusehen. St\u00e4dte waren f\u00fcr die Versorgung verantwortlich. Und so unterschied man zwischen wirklich bed\u00fcrftigen und denen, die arbeiten konnten. Letztgenannte versuchte man dann mit Blick auf das Arbeistleben zu erziehen, sie zu integrieren (allerdings mit mittelalterlichen bzw. fr\u00fchneuzeitlichen Mitteln recht robust). Man versuchte nachhaltigere Methoden zu entwickeln. Dazu z\u00e4hlt das Folgende:<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Auflistungen k\u00f6nnten durch die weiteren Jahrhunderte weitergef\u00fchrt werden <strong>(3)<\/strong>: die Diakonie (Innere Mission) begann jedoch vor allem in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts ihre Wirksamkeit (<strong>Theodor Fliedner, Johann Hinrich Wichern<\/strong>) nach einzelnen Anf\u00e4ngen, so das Haus f\u00fcr die verwahrloste Jugend durch&nbsp;<strong>Johannes Daniel Falk<\/strong>&nbsp;(1813; Weimar) oder das Waisenhaus, 1698 gegr\u00fcndet von&nbsp;<strong>August Hermann Francke<\/strong>&nbsp;(Franckesche Stiftungen: Wohnhaus, Schule, Werkst\u00e4tte; eine Weiterentwicklung der so genannten Armenspit\u00e4ler und niederl\u00e4ndischer Waisenh\u00e4user), als Folge wurde 1747 von dessen Sch\u00fcler&nbsp;<strong>Johann Julius Hecker&nbsp;<\/strong>die erste Realschule gegr\u00fcndet, die praxisorientierte Lehre anbot.&nbsp;<strong>Mutter Teresa<\/strong>&nbsp;gr\u00fcndete 1948 in Indien den Orden \u00bbMissionarinnen der N\u00e4chstenliebe\u00ab, der sich um Sterbende, Kranke und Waise k\u00fcmmert. Von den \u00bbBarmherzigen Schwestern\u00ab im St. Josephs Hospital in London ging ab 1905 die Hospizbewegung aus:&nbsp;<strong>Cicely Saunders<\/strong>, \u00c4rztin am genannten Krankenhaus, gr\u00fcndete dann 1967 das erste Hospiz: St. Christopher\u00b4s. Aber auch weitere soziale Einrichtungen k\u00f6nnen genannt werden, in denen Christen die Not der Mitmenschen aufgenommen haben und zu helfen versuchten: im 17. Jahrhundert forderte der Pfarrer der Br\u00fcdergemeine&nbsp;<strong>Johann Amos Comenius<\/strong>&nbsp;(+1670) die allgemeine Schulpflicht f\u00fcr Jungen und M\u00e4dchen, Ende des 18. Jahrhunderts gr\u00fcndete der Pfarrer&nbsp;<strong>Johann Friedrich Oberlin<\/strong>&nbsp;mit&nbsp;<strong>Louise Scheppler&nbsp;<\/strong>die \u203aKleinkinderschule\u2039 \u2013 Vorg\u00e4nger des Kindergartens. 1897 gr\u00fcndete der Pr\u00e4lat<strong>&nbsp;Lorenz Werthmann<\/strong>&nbsp;den Caritasverband. 1917 dr\u00e4ngte <strong>Friedrich&nbsp;Siegmund-Schultze<\/strong>&nbsp;Berlin das erste Jugendamt in Deutschland einzurichten. Mit diesen nur in Auswahl genannten Initiativen wirken christliche Gemeinden bereits auf allen Erdteilen und haben Nachahmer hervorgerufen bzw. wurden die Ans\u00e4tze dann sp\u00e4ter von den Staaten \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass man sich auch immer festfahren konnte und Impulse von au\u00dfen notwendig waren, versteht sich von selbst. <strong>(2)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es sei noch auf die Kaiserin Theodora I. (497 [?]-548) von Byzanz hingewiesen. Sie hat, soweit bekannt ist, die ersten Frauenh\u00e4user gegr\u00fcndet und sich massiv f\u00fcr Frauenrechte und gegen Zwangsprostitution eingesetzt. (Darum nennen sich Beratungsstellen f\u00fcr Prostituierte heute unter anderem &#8222;Theodora&#8220;.) Ebenso gehen &#8222;Tafeln&#8220; (Hilfe f\u00fcr Menschen, die hungern) auf das Handeln von Christen im Rom der ersten Jahrhunderte zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Anmerkungen<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(1)<\/strong> Angeschlossen war auch ein Haus f\u00fcr Findelkinder. Die Schwierigkeit im Umgang mit Findelkindern liegt auf der Hand: Es mussten Ammen vorhanden sein, die das Kind ern\u00e4hrten, da k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung noch nicht m\u00f6glich war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(2) <\/strong>Das ist vor allem vom Umgang mit Behinderten zu sagen. Dieser war gepr\u00e4gt von Hilflosigkeit und darum von viel Aberglaube und Gewalt \u2013 wie sie schon an der Heilung des Gewaltt\u00e4tigen in Mk 5 deutlich wurde. Fesselungen, Vernachl\u00e4ssigungen, Vertreibungen waren die Regel, selbst als man dazu \u00fcberging, Behinderte in Heimen unterzubringen, war die Stellung ambivalent. Erst die Erfindung und Anwendung von Psychopharmaka brachte im 20. Jahrhundert einen gewissen zivilisierten Umgang mit Behinderten. Je nach Schwere der Behinderung gab es freilich vorher schon Ans\u00e4tze, so der Umgang mit \u203aTaubstummen\u2039 durch&nbsp;<strong>Abbe Charles-Michel de l\u00b4Ep\u00e9e<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Samuel Heinicke<\/strong>&nbsp;im 18. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>(3)<\/strong> Es sei vor allem auf Vinzenz von Paul (1581-1660) hingewiesen, der ab 1617 auf vielen Ebenen caritativ t\u00e4tig wurde: Schwererziehbare Jugendliche, Psychiatrien, hatte viele Helferinnen und entsprechend auch Gruppen, z.B. T\u00f6chter der christlichen Liebe&#8220;, denen er mit auf den Weg gab: <em>Ihr habt als Kloster die H\u00e4user der Kranken, als Zelle eine Mietkammer, als Kapelle die Pfarrkirche, als Kreuzgang die Stra\u00dfen der Stadt, als Klausur den Gehorsam, als Gitter die Gottesfurcht und als Schleier die heilige Bescheidenheit.<\/em> (Zitat nach:  <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vinzenz_von_Paul#cite_note-5\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vinzenz_von_Paul#cite_note-5<\/a>  29.8.2019)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KURZ\u00dcBERBLICK: CHRISTLICHE DIAKONIE (Auszug aus dem Manuskript: Wolfgang Fenske: Jesus heilt. Jesus und die fr\u00fchen Christen zum Thema: Krankheit \u2013 Tod \u2013 Leben. Unver\u00f6ffentlicht) \u201eKrankenh\u00e4user\u2039 gab es in Rom seit ca. 100 v. Chr. f\u00fcr Angeh\u00f6rige der Armee und von manchen Gro\u00dfgrundbesitzern f\u00fcr ihre Sklaven (Valetudinarien). 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