{"id":558,"date":"2019-07-02T10:28:25","date_gmt":"2019-07-02T08:28:25","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=558"},"modified":"2019-08-30T18:00:27","modified_gmt":"2019-08-30T16:00:27","slug":"christenverfolgung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/christenverfolgung\/","title":{"rendered":"Christenverfolgung"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-medium-font-size\">Christenverfolgung im R\u00f6mischen Reich<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>1. Es gab keine fl\u00e4chendeckende Verfolgung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Christen wurden nicht ununterbrochen und auch nicht an allen Orten verfolgt. Es gab immer wieder aufflammende Verfolgungen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>2. Ursachen f\u00fcr die Verfolgung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der r\u00f6mische Staat war keine Einheit. Rom hatte die Herrschaft \u00fcber viele V\u00f6lker und ihre Religionen inne. Weil eine einheitliche Staatsidee nicht \u00fcberall verbreitet war, musste der Staat darauf achten, dass es m\u00f6glichst keine Unruheherde in den Bev\u00f6lkerungsgruppen gab. Christen brachten immer Unruhe mit sich. Unter den Juden verk\u00fcndigten sie Jesus als den Messias, was nicht gerne geh\u00f6rt wurde, und unter den Heiden, die viele G\u00f6tter kannten, verk\u00fcndigten sie Jesus als den Messias des einzigen Gottes. Sie wurden verd\u00e4chtigt, Atheisten zu sein, weil sie einen Menschen, Jesus von Nazareth, zum Gott erkl\u00e4rten. Und je mehr Menschen Christen wurden, desto mehr wurde das traditionelle soziale Gef\u00fcge der jeweiligen Gesellschaft durcheinander gebracht.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Im r\u00f6mischen Reich setzte sich vor allem im Osten immer st\u00e4rker die Verg\u00f6ttlichung des jeweiligen Herrschers durch. Ihm musste geopfert werden als Zeichen daf\u00fcr, dass man ihm bzw. dem r\u00f6mischen Reich gegen\u00fcber loyal ist. Christen lehnten Opferungen \/ den Kaiserkult ab.<\/li><li>Weil Christen andere Normen und Werte kannten, lebten sie nach diesen: Es wurden eigene soziale Gef\u00fcge errichtet (Gemeinden), man verhielt sich vielfach anders (kein Ehebruch, Aufnahme ausgesetzter Kinder, Sklaven hatten dasselbe Ansehen wie Herren, man gab Hungernden zu essen, versorgte Kranke usw.).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Durch ihre neue soziale und ethische Orientierung wurden Christen verd\u00e4chtigt, gegen den Staat zu agieren.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>3. Verfolgungen in Israel<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst wurden nach der Hinrichtung Jesu die Christen in Jerusalem verfolgt. Stephanus war der erste, der um seines Glaubens willen sterben musste. Jakobus, der Bruder des J\u00fcngers Johannes, wurde umgebracht und sp\u00e4ter ebenso Jakobus, der Bruder Jesu. Aufgrund dieser Verfolgung verbreitete sich der christliche Glaube durch die Fl\u00fcchtlinge sehr weit.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>4. Nero<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Laut Berichten antiker Historiker hat Nero einen Teil Roms neu erbauen wollen. Um Platz zu schaffen, lie\u00df er Br\u00e4nde legen. Das erboste die Bev\u00f6lkerung \u2013 und er versuchte den Zorn auf Christen zu lenken. Darum wurden im Jahr 64 n. Chr. Christen verd\u00e4chtigt, Rom in Brand gesteckt zu haben. Es begann eine massive Christenverfolgung, in deren Zusammenhang h\u00f6chst wahrscheinlich auch Petrus und Paulus ermordet wurden. Gegenw\u00e4rtig werden in popul\u00e4ren Sendungen des Fernsehens diese Verfolgungen in Frage gestellt \u2013 doch haben diese Infragestellungen keine historischen Anhaltspunkte.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>5. Domitian<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Domitian war nach Nero der zweite gro\u00dfe Christenverfolger (81-96). Der Grund lag hier in der Ablehnung des Kaiserkultes durch Christen. In dieser Zeit ist die Apokalypse des Johannes entstanden, die sich mit der Bedr\u00e4ngnis der Christen auseinandersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>6. Politisch verd\u00e4chtigt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im 2. Jahrhundert waren die Christen vielfach allgemein politisch verd\u00e4chtig. Es kam zu vielen Anzeigen und Prozessen gegen Christen. Wenn sie dem Kaiser opferten, dann konnten sie freigesprochen werden. Da viele Christen sich weigerten, wurden sie hingerichtet oder zu Zwangsarbeiten deportiert. Es begann die Verehrung von M\u00e4rtyrern, das hei\u00dft von Menschen, die wegen ihres gewaltlosen Glaubens hingerichtet, ermordet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>7. Zunahme des Christentums<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz Verfolgungen wurden immer mehr Menschen Christen, bis in die h\u00f6chsten gesellschaftlichen Schichten hinein. Am Hof des Caesars, in der Staatsverwaltung, unter den Intellektuellen (Philosophen). Diese verteidigten Christen mit philosophischen Schriften. Wogegen dann ihre heidnischen Kollegen polemisierten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>8. Decius und Valerian und Diokletian<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Unter diesen Kaisern (249-251 und 257-259) gab es die massivste Christenverfolgung. Das r\u00f6mische Reich begann instabil zu werden und Christen wurden beschuldigt, durch ihren Unglauben dazu beizutragen und ebenso durch ihre eigene soziale Gemeinde-Struktur. W\u00e4hrend Decius nur durch Einsch\u00fcchterungen versuchte, Menschen vom Christentum abzuhalten (Folter, Wegnahme von Besitz, Inhaftierung der F\u00fchrung, Zwangsarbeit) versuchte Valerian die Kirche insgesamt auszul\u00f6schen. Todesstrafen wurden ausgesprochen usw. Nach dessen Tod gab es erst einmal Ruhe. Unter Diokletian (303-311) wurde Jupiter als h\u00f6chster Gott eingef\u00fchrt und Diokletian war sein irdischer Repr\u00e4sentant. Sein Ziel war die Vernichtung des Christentums. Doch die Christen hatten inzwischen viele Sympathisanten, sodass er sich nicht durchsetzen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>9. Konstantin der Gro\u00dfe<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Konstantin kam dann 312\/313 die gro\u00dfe Wende: Das Christentum wurde als Religion anerkannt. Er war ein kluger Mann und sah, dass ohne das Christentum der Staat nicht mehr stabilisiert werden konnte. Die Strukturen des Christentums benutzte er, um den Staat zu st\u00e4rken. Er griff selbst auch massiv in die Lehre der Kirche ein, was viele kritisieren.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><em>10. Theodosius I.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Unter Kaiser Theodosius I. wurde das Christentum 380 Staatsreligion.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-medium-font-size\">Beispiele f\u00fcr ermordete Christen<\/p>\n\n\n\n<p>Als Beispiele f\u00fcr Menschen in den Verfolgungssituationen, k\u00f6nnen folgende Personen aus den 1000 Jahren nach der Geburt Christi vertieft behandelt werden. Vielfach geht es um legendarisches Material. In diesem Zusammenhang kann gefragt werden:<\/p>\n\n\n\n<p>Geben Legenden eine reale Situation wieder? Haben sie zumindest einen wahren Kern? Wenn auch keine Realit\u00e4t dahinter stehen sollte: Warum wird das erz\u00e4hlt? Sind diese Erz\u00e4hlungen vollkommen unrealistisch? Oder: Werden Erfahrungen anderer Menschen mit den Biographien ber\u00fchmter Menschen verbunden? Die legendenhafte Ausschm\u00fcckung beginnt vor allem im 4. Jahrhundert. Die Berichte vorher geben verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig historisch korrekte Angaben. Ich nenne nur ein paar f\u00fcr ihren Glauben get\u00f6tete Christen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Stephanus&nbsp;(1. Jahrhundert: Jerusalem)<\/li><li>Jakobus&nbsp;(Apostel) (1. Jahrhundert: Jerusalem)<\/li><li>Jakobus&nbsp;(Bruder Jesu) (1. Jahrhundert: Jerusalem)<\/li><li>Petrus (Apostel) (1. Jahrhundert: Rom): Bis auf Johannes sind vermutlich alle J\u00fcnger eines gewaltsamen Todes gestorben)<\/li><li>Paulus (Apostel) 1. Jahrhundert: Rom)<\/li><li>Alexander von Rom&nbsp;(2. Jahrhundert: Rom)<\/li><li>Blandina und Pothius&nbsp;(2. Jahrhundert: Lyon; Bericht von Euseb)<\/li><li>Justin der M\u00e4rtyrer und sechs Sch\u00fcler&nbsp;(2. Jahrhundert: Nablus\/Ephesus\/Rom)<\/li><li>Scilitanische M\u00e4rtyrer&nbsp;(2. Jahrhundert; wichtig! \u2013 weil es das \u00e4lteste christliche Dokument in Latein ist:&nbsp;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Scilitanische_M%C3%A4rtyrer\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Scilitanische_M%C3%A4rtyrer<\/a>&nbsp;)<\/li><li>Polykarp von Smyrna&nbsp;(2. Jahrhundert: Smyrna \u2013 heutige T\u00fcrkei:&nbsp;<a href=\"http:\/\/oelberg.info\/download\/Martyrium_Polykarp.pdf\">http:\/\/oelberg.info\/download\/Martyrium_Polykarp.pdf<\/a>&nbsp;)<\/li><li>Perpetua und Felicitas&nbsp;(3. Jahrhundert: Karthago; wichtig! \u2013 weil weniger legendarisches Material http:\/\/<a href=\"http:\/\/www.heiligenlexikon.de\/BiographienP\/Perpetua.htm\">www.heiligenlexikon.de\/BiographienP\/Perpetua.htm<\/a>&nbsp;)<\/li><li>Barbara&nbsp;(3. Jahrhundert: Nikomedien \u2013 heutige T\u00fcrkei)<\/li><li>Armin&nbsp;(3. Jahrhundert: Armenien\/\u00c4thiopien)<\/li><li>Afra von Augsburg&nbsp;(3.\/4. Jahrhundert)<\/li><li>Ursula&nbsp;(4. Jahrhundert: England\/K\u00f6ln)<\/li><li>40 M\u00e4rtyrer von Sebaste&nbsp;(4. Jahrhundert: Sebaste \u2013 heutige T\u00fcrkei)<\/li><li>Julia von Korsika&nbsp;(6. Jahrhundert: Karthago \u2013 heutiges Tunesien)<\/li><li>Friedrich&nbsp;(9. Jahrhundert: Niederlande)<\/li><li>Tertullian&nbsp;(+ 230) formulierte den Satz: Das Blut der Christen ist Samen. (Semen est sanguis christianorum.)<\/li><li> Liste der M\u00e4rtyrerinnen und M\u00e4rtyrer in der Verfolgung durch Diokletian:&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_von_M%C3%A4rtyrern_der_Diokletianischen_Christenverfolgung\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_von_M%C3%A4rtyrern_der_Diokletianischen_Christenverfolgung<\/a> <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Christliche M\u00e4rtyrer starben nicht, indem sie Gewaltakte ausgef\u00fchrt haben \u2013 sie starben wehrlos, weil sie den christlichen Glauben lebten. Von daher ist der Begriff M\u00e4rtyrer gegenw\u00e4rtig missverst\u00e4ndlich, weil er von Selbstmordattent\u00e4tern bzw. islamischer Tradition gepr\u00e4gt wird. Bis in die gegenwart hinein werden Christen verfolgt. In diesen Tagen sterben in vielen L\u00e4ndern Christen wegen ihres Glaubens einen gewaltsamen Tod, sind in Gef\u00e4ngnissen, werden benachteiligt und bedr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Menschen in sp\u00e4terer Zeit von Christen ermordet wurden, dass Christen auch Christen ermordet haben, das ist schlimm. In dieser Hinsicht sei zum Beispiel auf folgende Stellungnahme hingewiesen: <a href=\"http:\/\/www.mennonews.de\/archiv\/2010\/07\/23\/lwb-vollversammlung-bittet-mennoniten-um-vergebung\/\">http:\/\/www.mennonews.de\/archiv\/2010\/07\/23\/lwb-vollversammlung-bittet-mennoniten-um-vergebung\/<\/a> Diese Taten m\u00fcssen aufgearbeitet werden \u2013 und werden auch aufgearbeitet \u2013 in der Hoffnung, k\u00fcnftig solche Gewalttaten verhindern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Christ, der wegen seines Glaubens mit seinen Anh\u00e4ngern hingerichtet wurde, war vermutlich der spanische Bischof Priscillian von Avila im Jahr 385. Massiv gegen eine solche barbarische Tat, f\u00fcr die der Trierer Bischof verantwortlich war, wandten sich Martin von Tours (Sankt Martin) wie der Kirchenvater Ambrosius von Mailand. Oder der Bischof Fulbert von Chartres kritisierte die Bisch\u00f6fe, die Krieg f\u00fchrten, sprach ihnen das Bischofsamt ab und sah in ihnen Tyrannen, die sich gegen die wahre Kirche wandten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christenverfolgung im R\u00f6mischen Reich 1. Es gab keine fl\u00e4chendeckende Verfolgung Christen wurden nicht ununterbrochen und auch nicht an allen Orten verfolgt. Es gab immer wieder aufflammende Verfolgungen. 2. Ursachen f\u00fcr die Verfolgung Der r\u00f6mische Staat war keine Einheit. Rom hatte die Herrschaft \u00fcber viele V\u00f6lker und ihre Religionen inne. 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