{"id":544,"date":"2019-07-02T10:13:04","date_gmt":"2019-07-02T08:13:04","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=544"},"modified":"2019-07-30T15:58:44","modified_gmt":"2019-07-30T13:58:44","slug":"glaube","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/glaube\/","title":{"rendered":"Glaube"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-medium-font-size\">ANMERKUNGEN ZUM THEMA \u201eGLAUBE\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>So mancher Mensch setzt Glaube und Wissen gegeneinander: Was man nicht wei\u00df, das muss man halt glauben. Aber das Wort \u201eGlauben\u201c hat einen anderen Ursprung. <em>\u201cGlauben\u201d ist ein Wort, das ein Vertrauensverh\u00e4ltnis zu Gott ausspricht.<\/em> Es wird in unserer Tradition f\u00fcr alle Religionen verwendet, aber eigentlich ist es ein spezifisch christlicher Begriff, um eben dieses ganz besondere Verh\u00e4ltnis auszusprechen. Vertrauen kann man lernen, wenn man einem vertrauensw\u00fcrdigen Menschen begegnet. Im christlichen Glauben ist dieser Mensch Jesus Christus. Lesen wir die Berichte \u00fcber ihn, seine Worte, bewegen wir sie im Herzen, denken dar\u00fcber nach, dann kann unser Vertrauen zu ihm und durch ihn hindurch zu Gott wachsen. Oder wenn wir Menschen begegnen, durch die Jesus hindurch scheint, kann ebenso Vertrauen zu Jesus Christus wachsen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-accent-color\"><strong>Was ist \u201cGlaube\u201d?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201cGlaube\u201d ist auf diesen Seiten nicht allgemein die Fr\u00f6mmigkeit der Religionen gemeint, sondern das, was das Wort urspr\u00fcnglich meinte: der Glaube der Christen.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen k\u00f6nnen Gott nicht beweisen. Es gab zwar viele Versuche, aber letztendlich sind die Beweise nur Glaubenden ein Beweis. <em>Warum k\u00f6nnen Menschen Gott nicht beweisen?<\/em> Weil der menschliche Verstand nur Gesch\u00f6pfliches \u00fcberhaupt wahrnehmen kann, darum auch nur in diesem Bereich der Sch\u00f6pfung, der Natur das eine oder andere \u201dbeweisen\u201d kann. Diese Antwort ist (nicht nur) f\u00fcr Nichtglaubende sehr unbefriedigend, weil sie als Ausflucht gesehen wird: Wenn man etwas nicht beweisen kann, dann bleibt einem auch nur eine solche Antwort \u00fcbrig.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Glaubende haben letztendlich keinen Gottesbeweis \u2013 wie schon Paulus sagt: Ihr Reden von Gott ist Nicht-Glaubenden eine Dummheit und ein \u00c4rgernis (1. Brief an die Korinther 1ff.). Glaubende wissen das. Doch ihr gro\u00dfes R\u00e4tsel ist die Frage: <em>Warum glaube ich, obwohl es Bl\u00f6dsinn ist?<\/em> Als Antwort sehen sie: Ich kann glauben, obwohl es Bl\u00f6dsinn ist, weil Gott mir den Glauben schenkt. Da stehen Glaubende nun vor dem n\u00e4chsten Dilemma: Wenn Gott Glauben schenkt \u2013 warum glauben nicht alle Menschen? Auf die komplizierten Antwortversuche m\u00f6chte ich nicht eingehen, sondern nur sagen: Auch Paulus, der Glauben als Geschenk empfand, ging hin und sprach zu anderen von seinem Glauben. Warum das? Wenn ein Arzt zu einem Patienten kommt und der Patient Angst vor ihm und seiner Kunst hat, dann kann der Arzt ihn dazu auffordern und mit Handlungen unterstreichen: Vertraue mir \u2013 du kannst mir vertrauen! <em>Wenn Glaubende von Jesus Christus sprechen, dann bedeutet das nichts anderes: Auffordern, Gott in \/ durch Jesus Christus zu vertrauen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das hebr\u00e4ische Wort und das griechische Wort f\u00fcr Glaube beinhalten die Bedeutung \u201cvertrauen\u201d. Wenn Jesus gute Worte spricht, kommen Menschen zu ihm, um geheilt zu werden, sie vertrauen ihm. Jesus spricht manchen Menschen \u201cGlauben\u201d zu. Welchen Menschen? Denen, die besondere Schwierigkeiten auf dem Weg zu ihm \u00fcberwinden mussten. Glauben ist Vertrauen, das man Gott in Jesus Christus entgegenbringt. Dem Glauben geht die Besch\u00e4ftigung mit Jesus Christus voraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kreis schlie\u00dft sich: <em>In der Besch\u00e4ftigung mit Jesus Christus, kann Vertrauen wachsen \u2013 was dann r\u00fcckblickend als Geschenk erfahren wird. <\/em>Denn es bleibt dabei: Glaube ist Dummheit. Aber nur in dem Sinn, in dem auch Paulus seinen Gedankengang aus dem ersten Korintherbrief 1-2 weiterf\u00fchrt: <em>Glaube ist Dummheit, weil die Menschen an die Klugheit Gottes nicht herankommen.<\/em> (Nur am Rande eine kleine theologische Spitzfindigkeit: Wenn der Mensch von sich aus im Glauben Gott erfassen k\u00f6nnte, w\u00fcrde er sich schnurstracks \u00fcber Gott stellen, weil er ja so ein toller Kerl ist, und sogar an Gott glauben kann. Manche verhalten sich auch so. Auch Glaubens-Turmbauten sind immer wieder eingest\u00fcrzt.)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#17a300;text-align:center\" class=\"has-text-color\"><strong>Glaube und Logik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Glaube und Logik sind ganz unterschiedliche Dinge. Glaube hat etwas gemeinsam mit der Liebe, mit der Hoffnung, mit emotionaler Interpretation der Vergangenheit (Erinnerungen sind vielfach unlogisch), mit Leben und Sterben. In all diesen menschlichen Erfahrungsbereichen versucht die Logik zwar Fu\u00df zu fassen, und kann hin und wieder auch ganz hilfreich sein \u2013 aber sie muss letztendlich kapitulieren. Vor allem auch, weil das Leben als solches unlogisch ist. Materie kann sich nicht zu Leben organisieren\u2026 Viele Erfahrungen sind einfach unlogisch. Selbst das, was logisch erfassbar sein sollte, die Wirtschaft\u2026 \u2013 da grinsen die Kenner. Selbst das, was der Logik verpflichtet ist, die Wissenschaft\u2026 \u2013 da grinsen die Kenner schon wieder. Unsere Sprache, von der alles abh\u00e4ngt, alles Werten, Beurteilen, Interpretieren, Vermitteln\u2026 ist logisch \u2013 breites Grinsen. Logik ist die Magd der Erfahrung. Freilich sei die Mathematik ausgenommen. 1+1 = 2. 1Apfel + 1 Pferd = 2 Pferde\u00e4pfel. (Der Kalauer musste sein.) Aber auch Mathematik wird unterschieden: Mathematik der trivialen Art und Mathematik der Naturwissenschaften, insbesondere der Physik. Das sind zwei Welten &#8211; auch zwei Welten der Logik. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Glaube ist Wissen, weil der Mensch mit seinem Verstand die Gegenwart Gottes anerkannt hat, seine Vernunft sie eingesehen, sich angeeignet hat. Ohne den Verstand als Medium des sich aneignenden Wissens kann man sich auch anderes Wissen (Weltwissen) nicht aneignen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#a36200;text-align:center\" class=\"has-text-color\"><strong>Glaube und Psychologie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Psychologie ist ein Blockiersystem, um den Anspruch des Glaubens zur\u00fcckweisen zu k\u00f6nnen. Glaube ist biologisch &#8211; also psychisch bedingt. Sicher. Gott kommuniziert mit uns nicht au\u00dferhalb unserer Psyche, unseres Wesens. Wie sollte das auch gehen. Die Zur\u00fcckweisung des Glaubens mit Gr\u00fcnden der Psychologie ist \u00fcbrigens auch psychisch bedingt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#5b00a3;text-align:center\" class=\"has-text-color\"><strong>Glaube wird sichtbar<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In einem Interview sagte der kranke Journalist J. L., er habe in seiner Krankheit nicht zu dem alten Mann mit Bart gebetet, sondern zu einer Kraft, die gr\u00f6\u00dfer ist als ich, die st\u00e4rker ist als alles.<\/p>\n\n\n\n<p>Glaubt er, sich mit dieser Aussage von den glaubenden Christen unterscheiden zu k\u00f6nnen? Gibt es einen Christen, eine Christin, die zu einem alten Mann mit Bart betet? Ich denke, die kann man wie Stecknadeln suchen. Das ist doch traurig, dass es kluge Menschen gibt, die andeuten, dem w\u00e4re so. Zum anderen erkennt der Mann, dass Kranke in christlichen H\u00e4usern besser aufgehoben seien, weil die dort Arbeitenden ein anderes (menschlicheres) Menschenbild h\u00e4tten. Sch\u00f6n, wenn das in konfessionellen Krankenh\u00e4usern noch so empfunden wird, denn da arbeiten inzwischen ja auch Nicht-Glaubende. Aber vielleicht ist Glaube ja auch ein bisschen ansteckend, fordert das Gute im Menschen heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Leute putzmunter sind, dann fallen sie vielfach \u00fcber das christliche Menschenbild her, \u00fcberheben sich und grinsen \u00fcber die breiten Backen vor lauter: Wir wissen mehr, sind fortschrittlicher usw. Manchmal scheinen sie froh zu sein, dass es dann doch noch Christen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#60a300;text-align:center\" class=\"has-text-color\"><strong>Sehnsucht und Glaube<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir Menschen haben Sehnsucht, Sehnsucht nach mehr, nach dem Anderen, dem ganz Anderen. Wir wissen nicht, wie wir diese Sehnsucht l\u00f6sen k\u00f6nnen, erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Und da gibt es dann viele M\u00f6glichkeiten: Wir k\u00f6nnen versuchen, die Sehnsucht mit materiellen Dingen zu f\u00fcllen. Wir k\u00f6nnen versuchen, sie mit allem zu f\u00fcllen, was Drogen-Wirkung hat. Wir k\u00f6nnen sie mit anderen Menschen zu f\u00fcllen versuchen. Esoterisch veranlagte Menschen dr\u00e4ngt es zu den spirituellen Elementen der Welt, zu Geistern, zu Strahlen, zum Kosmischen, zum In-sich-selbst-einkehren. Das sind alles M\u00f6glichkeiten, die uns Menschen gegeben sind. Nicht zu vergessen: Man kann sich in seiner Arbeit und in seinem Hobby, im Sport usw. verlieren. Ich sehe das als Christ als Vorstufe an, als Versuch, die Erf\u00fcllung der <em>Sehnsucht<\/em> zu finden \u2013 <em>die aber nur erf\u00fcllt werden kann, wenn der erkannt wird, der in uns Menschen diese Sehnsucht zu sich selbst hineingelegt hat. <\/em>Gott als Sch\u00f6pfer hat in uns diese Sehnsucht eingewoben, die uns dr\u00e4ngt, ihn zu suchen. Erst wer ihn gefunden hat \u2013 der findet die Erf\u00fcllung der Sehnsucht und empfindet die Erf\u00fcllung als Geschenk. Gewiss eine alte Erkenntnis \u2013 aber immer wieder neu.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-text-color has-header-gradient-color\"><strong>Abschlie\u00dfende Bemerkungen zum Glaubensbekenntnis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Glaubensbekenntnis ist nicht die zentrale Glaubensaussage der Christen. <em>Jesus Christus ist Herr <\/em>\u2013 das Wort aus dem R\u00f6merbrief w\u00fcrde ich als zentrale Glaubensaussage bezeichnen. Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist \u00e4u\u00dferst wichtig, aber eben im Rahmen der Bekenntnisse. Es fehlen in ihm zum Beispiel wesentliche Aussagen der Lehre Jesu. Es gibt Eckdaten wieder. Diese Eckdaten sind zu f\u00fcllen \u2013 und sie werden je nach Zeit von Glaubenden gef\u00fcllt.<em> Auch dieses Glaubensbekenntnis ist wie andere Folge einer Auseinandersetzung innerhalb der Kirche\/der Christen \u2013 und f\u00fchrt auch notgedrungener Weise zu Auseinandersetzungen, weil die Zeiten, die Weltbilder, die Vorstellungen sich \u00e4ndern. <\/em>Die Frage ist dann, wer findet Antworten, die tragbar sind, um den Glauben der \u201eV\u00e4ter\u201c mit dem Glauben der jeweiligen Gegenwart zu verbinden. Dieser Prozess findet st\u00e4ndig statt. darauf muss man allerdings beharren, dass man den Glauben der Vorfahren mit ber\u00fccksichtigt, da die Gemeinde Christi nicht nur eine der jetzt Lebenden ist, sondern auch die vorangegangenen Generationen Glaubender umfasst. Gemeinde = Leib Christi aus den Generationen der Vorfahren \u2013 der kommenden Generationen und\u00a0 der gegenw\u00e4rtigen Generationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gegenwartsgeneration zu glorifizieren, ihre momentanen Sichtweisen, das entspricht nicht dem christlichen Glauben, das w\u00e4re eher sektiererisch. <em>Aber dieses Spektrum theologisch so zu durchdringen, dass der Glaube noch in der Gegenwart rezipiert werden kann, das ist eine Kunst, die nur eng mit der Beziehung zu Gott in Jesus Christus durch den Heiligen Geist zu bew\u00e4ltigen ist. <\/em>Nicht durch einfache Ma\u00dfst\u00e4be, die die jeweilige Gegenwart vorgibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem kennen wir auch die Aussage, dass Menschen<em> im Glauben wachsen<\/em>. Ich habe vor ein paar Jahren auch anders geglaubt \u2013 und hoffe, dass ich im Glauben gewachsen bin \u2013 und nicht verk\u00fcmmert. Das mag Gott beurteilen. Das bedeutet aber auch, dass der Mensch im Glauben Phasen durchmacht: er glaubt alles \u2192 er reflektiert \u2192 er bezweifelt \u2192 er durchdringt alles auf einer intensiveren Ebene des Verstandes \u2192 er gelangt zu weiterf\u00fchrenden Schlussfolgerungen, die dann manchmal wieder zu einer tiefen Fr\u00f6mmigkeit zur\u00fcckf\u00fchren k\u00f6nnen, die evtl. manches, das bezweifelt wurde, wieder neu durchdacht aufgreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von daher: Der Zweifel an dieser oder jener Aussage des Glaubensbekenntnisses sagt nichts aus. Darum gibt es ja auch die Gemeinde, die das Glaubensbekenntnis spricht: Sie spricht f\u00fcr mich mit, tr\u00e4gt mich, wenn ich selbst das eine oder andere nicht aussprechen mag.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Kritik am Glaubensbekenntnis, das Missverstehen des Glaubensbekenntnisses r\u00fchrt auch daher, dass dieses Bekenntnis zu einem von Gemeinde losgel\u00f6stes Individualbekenntnis gemacht wird. Es ist Individualbekenntnis \u2013 aber als Teil der weltweiten Gemeinde \u2013 der Gemeinde durch die Zeiten hindurch.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ANMERKUNGEN ZUM THEMA \u201eGLAUBE\u201c So mancher Mensch setzt Glaube und Wissen gegeneinander: Was man nicht wei\u00df, das muss man halt glauben. Aber das Wort \u201eGlauben\u201c hat einen anderen Ursprung. \u201cGlauben\u201d ist ein Wort, das ein Vertrauensverh\u00e4ltnis zu Gott ausspricht. 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