{"id":507,"date":"2019-07-01T21:01:51","date_gmt":"2019-07-01T19:01:51","guid":{"rendered":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/?page_id=507"},"modified":"2021-03-18T11:03:41","modified_gmt":"2021-03-18T10:03:41","slug":"exegese","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/heilige-schriften\/exegese\/","title":{"rendered":"Exegese und Hermeneutik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neue Version zu Exegese siehe: <a href=\"https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/bibel-2-exegese\/ \">https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/bibel-2-exegese\/ <\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Hermeneutik siehe: <a href=\"https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/bibel-3-hermeneutik\/\">https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/bibel-3-hermeneutik\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">DIE J\u00dcDISCHE UND CHRISTLICHE HEILIGE SCHRIFT<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Historisch-kritische-Exegese \u2013 Auslegung der Schriften aus der historischen und kritischen Perspektive<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Historisch-kritische Exegese ist ein Kind der Verbindung des Protestantismus mit der Aufkl\u00e4rung. Es geht darum, die Bibel besser zu verstehen, sie aus ihrer Zeit heraus zu verstehen \u2013 damit wurden Gegenpositionen eingenommen gegen willk\u00fcrliche Bibelauslegungen. Andere Religionen tun sich damit noch sehr schwer (wobei es auch in der Evangelischen Kirche immer wieder massive Kritik daran gibt), weil der spirituelle Ertrag gering ist. Die historisch-kritische Exegese hat ein wissenschaftliches Weltbild und versucht, alles wissenschaftlich zu eruieren, w\u00e4hrend das Weltbild der Religionen eher ein spirituelles ist: Nicht geht es darum, was kann ich aus irgendwelcher Perspektive heraus als korrekt interpretieren, sondern: Wie kann ich meine Beziehung zu Gott\/G\u00f6ttern\/Geistern verbessern. Historisch-kritische Exegese hat jedoch auch Bedeutung f\u00fcr die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis des Glaubenden zu Gott, kann es streckenweise sogar vertiefen. Das wird auf den kommenden Seiten an bestimmten Themen besonders dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt also unterschiedliche Formen der Exegese, wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Versuche, die Texte zu verstehen und zu interpretieren. Die nichtwissenschaftlichen Versuche scheinen wissenschaftlich orientierten Menschen willk\u00fcrliche Auslegungen zu sein, sind manchmal auch \u00e4u\u00dferst sonderbar und lassen die Absicht erkennen: Nicht der Text redet, sondern der, der in den Text etwas hineininterpretiert.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der Koran wird als Allahs Wort angesehen, dem Mohammed durch den Engel Gabriel diktiert wurde. Von daher darf der Koran vom Islam her gesehen, nicht historisch-kritisch ausgelegt werden (was sich freilich auf Dauer zumindest in Europa und den USA nicht vermeiden l\u00e4sst \u2013 und wenn es durch christliche Exegeten geschieht). Es gibt auch in islamischen Bereichen die Rede von &#8222;historisch-kritisch&#8220; &#8211; aber sie ist nicht im streng wissenschaftlichen Sinn &#8222;historisch-kritisch&#8220;, sondern hat ein besonderes Vorzeichen, so die Auslegung von  Hazrat Mirza Ghulam Ahmad, dem Begr\u00fcnder der islamischen Sondergruppe. Ans\u00e4tze gibt es manchmal im Zusammenhang der Hadithe: die Trennung zwischen starken und schwachen, also solchen, die man akzeptiert und &#8211; unter Ber\u00fccksichtigung der \u00dcberliefererkette &#8211; auf Mohammed zur\u00fcckf\u00fchrt, und solche bei denen man dieses Kriterium nicht anwenden kann. <\/li><li>Buddhistisch\/Hinduistische heilige Schriften sind f\u00fcr Europ\u00e4er sehr kompliziert, werden darum nur in kleinen Teilbereichen historisch-kritischer Exegese unterzogen. Ob Buddhisten\/Hindus das selbst bewerkstelligen, entzieht sich meiner Kenntnis.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie verstehen Christen aus der Perspektive der historisch-kritischen Exegese die Aussage:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph\">\u201eDie Bibel ist Gottes Wort\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott spricht durch Menschen, aber die Menschen bleiben immer sie selbst, mit ihren \u00c4ngsten, Vorlieben, Gedanken. Worte, die sie \u00fcberliefert haben, k\u00f6nnen einem anderen zu Gottes Wort werden \u2013 und je mehr man sich mit diesen Texten besch\u00e4ftigt, desto mehr sieht man die Besonderheit, die Herausforderung dieser Texte an: Sie lenken Menschen auf ganz neue Bahnen\u2026 Grunds\u00e4tzlich hat die Bibel jedoch eine andere Stellung als der Koran, denn f\u00fcr Christen ist Jesus Christus das Wort Gottes (Johannesevangelium Kapitel 1). Das bedeutet: Das Wort ist nicht in einer schriftlichen \u00dcberlieferung fixiert, sondern lebendig. Freilich auch von der schriftlichen \u00dcberlieferung nicht g\u00e4nzlich losgel\u00f6st, weil durch sie Jesus als Wort Gottes bekannt wird. Von hier aus gesehen f\u00e4llt es Christen leichter, die Bibel historisch-kritisch zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vgl. die \u201eBarmer-Theologische-Erkl\u00e4rung:&nbsp;<a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/glaubensbekenntnisse\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/kirche\/glaubensbekenntnisse\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-accent-color has-text-color wp-block-paragraph\"><strong>1. Bibel:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1.1 Die Bibel (Altes Testament) ist eine Sammlung von Schriften, die in einem langen Zeitraum hindurch entstanden sind: einer Phase m\u00fcndlicher Erz\u00e4hlungen folgte eine Phase der Verschriftlichung (zun\u00e4chst vor allem am Hof Salomos). Im Laufe der weiteren j\u00fcdischen Geschichte wurden diese Texte \u00fcberarbeitet, neue Texte wurden geschrieben. Texte unterschiedlichster Gattung wurden zusammengef\u00fcgt: Historische Texte, Biographische (Propheten), Kurzgeschichten (Jona), Weisheitstexte, Lieder (Psalmen)\u2026 Kanonisch festgelegt wurden sie im 1. Jh. nach Christus \u2013 wobei es schon fr\u00fchere Ans\u00e4tze gab (z.B. die griechische \u00dcbersetzung, die so genannte Septuaginta).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1.2 Der hebr\u00e4ische Kanon (den Luther f\u00fcr seine \u00dcbersetzung aufgenommen hat) ist k\u00fcrzer als der griechische Kanon (Septuaginta, die von der katholischen Kirche aufgenommen wurde). Die Schriften, die die griechische \u00dcbersetzung \u00fcber den hebr\u00e4ischen Kanon hinaus hat, nennt man Apokryphen. Daneben kennen wir eine F\u00fclle weiterer Schriften vor allem aus der vorchristlichen Zeit, die nicht in den Kanon aufgenommen worden sind, die nennt man \u00fcberwiegend Pseudepigraphen, weil sie im Namen einer alttestamentlichen Person geschrieben worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1.3 In H\u00f6hlen von Qumran am Toten Meer wurden zahlreiche Tonkr\u00fcge mit Schriften entdeckt, die vermutlich im Zusammenhang des R\u00f6misch-j\u00fcdischen Krieges dorthin ausgelagert worden waren. Unter den Texten befinden sich auch zahlreiche Schriften, die in dem alttestamentlichen Kanon Eingang gefunden haben. Trotz einzelner Abweichungen ist erstaunlich, dass die Texte \u00fcber Jahrhunderte hinweg ohne gravierende Ver\u00e4nderungen tradiert worden sind. Warum? Weil sie als heilige Texte angesehen wurden. Texte, die fehlerhaft abgeschrieben worden sind, wurden aus dem Verkehr gezogen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1.4 Die Bibel (Neues Testament) ist eine Sammlung von Schriften, die im Wesentlichen innerhalb von ca. hundert Jahren zusammengestellt wurde. Jesus wurde ca. 30 n.Chr. hingerichtet. Die ersten Schriften entstanden bis ca. 20 Jahre nach seinem Tod (Paulusbriefe\/Logienquelle). Das erste Evangelium (Markus) ca. 40 Jahre nach dem Tod Jesu, l\u00e4sst damit auch h\u00f6chst wahrscheinlich Augen- und Ohrenzeugen zu Wort kommen. Die Paulusbriefe wurden wohl zuerst von seinen Anh\u00e4ngern gesammelt, die Evangelien von Gemeinden, die mehr \u00fcber Jesus Christus wissen wollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1.5 Neben den Schriften, die im Neuen Testament aufgenommen wurden, kennen wir eine F\u00fclle weiterer Schriften aus den ersten Jahrhunderten des Christentums. Weitere Evangelien, Apostelgeschichten (sie werden im Wesentlichen \u201ePseudepigraphen\u201c genannt), Texte von Apologeten (Menschen, die den christlichen Glauben gegen Angriffe aus der heidnischen Welt verteidigten), Abhandlungen zu vielen Themen usw. Kanonisch wurden aber nur Schriften, die eine gro\u00dfe zeitliche N\u00e4he zum Jesusereignis hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#a30003\"><strong>2. Historisch-kritische Exegese<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Historisch = den Text aus seiner Zeit heraus verstehen; kritisch = das mit Hilfe von Methoden, deren Ergebnisse zur Diskussion gestellt werden; Exegese = Sinn aus dem Text herausf\u00fchren.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Methoden historisch-kritischer Exegese wurden im Laufe der letzten 200 Jahre entwickelt. Folgende Methoden und Gesichtspunkte m\u00fcssen bei der Textarbeit ber\u00fccksichtigt werden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.1 <strong>Einleitungsfragen:<\/strong> die 7 W\u00b4s: Wer ist der Autor? Wo, Wann, Wem, Wozu\/Warum schrieb er den Text? Was schrieb er (Themen) und Wie (Gattung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.2 In der <strong>Textkritik<\/strong> wird mit Hilfe s\u00e4mtlicher noch vorhandener Textzeugen (Papyri, Pergamente \u2026) der urspr\u00fcngliche Text wieder hergestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.3 In der <strong>Literarkritik<\/strong> wird eine Texteinheit aus dem Kontext herausgel\u00f6st und detailliert untersucht \u2013 das auch mit Hilfe linguistischer Methoden: <em>Syntaktische Analyse<\/em>: Welche Wortarten beherrschen den Text (z.B. Substantive, Adjektive, Verben), wie werden die Verben verwendet (Pr\u00e4sens\u2026; Imperative\u2026; Konjunktive\u2026), herrschen Wiederholungen, gibt es Satzbr\u00fcche\u2026 <em>Semantische Analyse<\/em>: Was bedeuten die verwendeten Worte allgemein \u2013 was in diesem Text? <em>Pragmatische Analyse<\/em>: Welche Wirkung sollen die Worte hervorrufen (rhetorische Fragen, Reime, dunkle\/helle Vokale\u2026)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anhand der Literarkritik erkennt man an den Evangelien, dass Matth\u00e4us und Lukas auf dem Markusevangelium und der Logienquelle Q basieren. Dar\u00fcber hinaus haben beide noch Sondergut, das hei\u00dft Texte, die nur das jeweilige Evangelium besitzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.4 In der <strong>Formgeschichte<\/strong> wird untersucht, welcher Gattung ein Text angeh\u00f6rt. Denn Gattungen haben f\u00fcr das Verstehen eines Textes gro\u00dfe Bedeutung (Beispiel: Rezepte, Zeitungsnachrichten): Gleichnisse sind anders aufgebaut als Wunder \u2013 darum d\u00fcrfen Wunder nicht wie Gleichnisse interpretiert werden. Texte einer Gattung haben in etwa gleichen Aufbau. Am Beispiel Wunder: Wundert\u00e4ter kommt, der Kranke kommt, Begegnung gelingt, Machtwort des Wundert\u00e4ters; Demonstration der Heilung, Staunen der Zuschauer. Wird die Gattung in einem Text ver\u00e4ndert, dann liegt der Interpretationsschwerpunkt auf diese Ab\u00e4nderung. (Beispiel: das Wunder in Markus 2: S\u00fcndenvergebung)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.5 Die <strong>Frage nach dem Historischen Jesus<\/strong>. In dieser Fragestellung wird untersucht, welche Worte wirklich von Jesus gesagt wurden \u2013 und welche ihm nachtr\u00e4glich zugeschrieben worden sind. Einzelne Fragestellungen: <em>Kriterium der Sprache <\/em>(aram\u00e4isch-griechisch?: das Vaterunser l\u00e4sst sich aus dem Aram\u00e4ischen erkl\u00e4ren); <em>Kriterium der Koh\u00e4renz<\/em> (passt es sonst zu Worten und Taten Jesu? \u2013 Beispiel: Die Austreibung der H\u00e4ndler aus dem Tempel l\u00e4sst sich mit keiner weiteren seiner Taten und Worte verbinden); <em>Kriterium der Differenz<\/em> (es gibt Worte, die wir nur von Jesus \u00fcberliefert haben \u2013 er unterscheidet sich darin von allen anderen; Aussagen, die neu sind, pr\u00e4gen sich ein, z.B. das Feindesliebegebot oder das Wort: Was du willst, dass dir andere tun, das tue ihnen); <em>Kriterium des Wachstums<\/em> (manche Aussagen Jesu wurden sp\u00e4ter erweitert; m\u00f6gliches Beispiel das Gleichnis vom Senfkorn, das mit alttestamentlichen Zitaten erweitert worden ist); <em>Kriterium der geschichtlichen Wirkung<\/em> (Beispiele: Abendmahl, Heilungen Jesu f\u00fchrten Christen dazu, Krankenh\u00e4user zu entwickeln\u2026); <em>Lerntheoretische Aspekte<\/em> (5 Bitten \u2013 f\u00fcnf Finger an der Hand \u2013 bzw. 7 Bitten \u2013 heilige Zahl \u2013 des Vaterunsers).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.6<strong> Traditionsgeschichte<\/strong> untersucht: Wie wurden die Aussagen in der Zeit des Autors verstanden (z.B. Taufe wurde damals anders verstanden als heute).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.7 Wird eine religionsgeschichtliche Parallele entdeckt, fragt der Methodenschritt <strong>Religionsgeschichte<\/strong> danach, wie kommt es zu dieser Parallelit\u00e4t (Abh\u00e4ngigkeit nachweisbar\/denkbar, allgemein menschliche Aussage\u2026 z.B. das Bildwort vom Haus, das auf dem Sand gebaut wurde aus Matth\u00e4us 7, das gibt es auch in buddhistischer \u00dcberlieferung)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.8 <strong>Sozialgeschichte<\/strong> untersucht die sozialen Interaktionen: Sklave-Herr; Mann-Frau-Kind; Herrscher-Beherrschte; Gesunde-Kranke, Bildung, Berufe \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.9 <strong>Psychologie<\/strong> untersucht die psychischen Hintergr\u00fcnde der Text\u00fcberlieferung, der Autoren, derer, die den Text rezipieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.10 In diesem Schritt <strong>\u201eZeitgeschichte\u201c<\/strong> wird alles M\u00f6gliche zusammengefasst: Numismatik (M\u00fcnzen); Pflanzen, Tiere, Wetter, Landschaften, Spielzeug, Handwerk, Kunst\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.11 <strong>Redaktionskritik <\/strong>untersucht die Vorgehensweise des Autors bzw. Redaktors. In den Evangelien wurden gesammelte Texte zusammengestellt. Wie wurden sie zusammengestellt, warum wurden sie so zusammengef\u00fcgt wie sie nun vorliegen, welches Interesse verfolgte der Autor damit? Zum Beispiel Markus 6: Markus hat hier schon einen Hinweis auf das traurige Ende eingef\u00fcgt: Immer mehr Menschen kommen zu Jesus \u2013 und ab einem bestimmten Zeitpunkt (nachdem er mit den religi\u00f6sen Autorit\u00e4ten in Konflikt kam \u2013 Markus 9) verlassen ihn die Menschen wieder, am Ende ist er allein und stirbt am Kreuz. An den anderen Evangelien kann man deutlich sehen, wie Worte ausgetauscht werden (z.B.: Matth\u00e4us spricht kaum vom Reich Gottes, sondern vom Himmelreich, weil er als Jude nicht das heilige Wort \u201eGott\u201c aussprechen wollte?).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.12<strong> Hermeneutik<\/strong> \u2013 abgeleitet von \u201eHermes\u201c, den G\u00f6tterboten \u2013 was muss bei der Vermittlung eines Textes ber\u00fccksichtigt werden: der Text, Erwartungen der Adressaten, die Gebundenheit an die eigene Tradition\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#00a333\"><strong>3. Bibel: Dreifacher \/ vierfacher Schriftsinn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">J\u00fcdische Theologen haben herausgefunden, dass man biblische Texte (AT) nicht allein w\u00f6rtlich verstehen darf, sondern auch im \u00fcbertragenen Sinn verstehen muss (vor allem <em>Philo von Alexandrien<\/em>: 15 v.-45 n. Chr.). Der Grund daf\u00fcr liegt darin, dass man historische Angaben nicht besonders erbaulich fand, darum versuchte man, sie <strong>allegorisch<\/strong> (im \u00fcbertragenen Sinn) zu interpretieren. Manche Aussagen sind anst\u00f6\u00dfig \u2013 und auch diese versuchte man hierdurch zu umgehen. Diese Interpretationsmethode kannte man auch im heidnischen Bereich. So versuchten <em>Homer-Exegeten<\/em> die anst\u00f6\u00dfigen Stellen \u00fcber die G\u00f6tter in den Epen von Homer neu zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Ans\u00e4tze haben christliche Theologen aufgenommen \u2013 und dann vor allem im 3. Jahrhundert systematisiert. So wurde ein <em>dreifacher Schriftsinn<\/em> erarbeitet (<em>Origenes<\/em>). Wie der Mensch aus drei \u201eTeilen\u201c besteht (K\u00f6rper, Seele, Geist), so auch die Interpretation:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">K\u00f6rper:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der geschichtliche Sinn \u2013 der einfache Mensch versteht den Text so, wie er zu lesen ist, grammatisch, historisch, w\u00f6rtlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seele\/Psyche:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der psychische\/allegorische Sinn \u2013 der intellektuell fortgeschrittene Mensch versteht den Text im \u00fcbertragenen Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geist:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der geistlich vollkommene Mensch versteht ihn spirituell.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser dreifache Schriftsinn wurde durch <em>Cassian<\/em> (+ um 430) zu einem <strong>vierfachen Schriftsinn <\/strong>weiter gef\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Literalsinn <\/strong>\u2013 w\u00f6rtlich, historisch<\/li><li><strong>Typologisch<\/strong> \u2013 den Glauben f\u00f6rdernde Auslegung (theologische Relevanz)<\/li><li><strong>Tropologisch <\/strong>\u2013 die Liebe f\u00f6rdernde Auslegung (ethische Relevanz)<\/li><li><strong>Anagogisch <\/strong>\u2013 die Hoffnung f\u00f6rdernde Auslegung (eschatologische Relevanz: ewiges Leben\u2026)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor allem im 20. Jahrhundert legte man in der Wissenschaft den Schwerpunkt auf den \u201eLiteralsinn\u201c \u2013 im Sinne von: Was ist historisch wirklich begr\u00fcndet. Im allt\u00e4glichen Glauben spielen eher die drei anderen Auslegungsarten eine Rolle: f\u00f6rdert der einzelne Bibeltext Glaube \u2013 Liebe \u2013 Hoffnung?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute verstehen immer mehr Exegeten (Wissenschaftler, die sich mit dem biblischen Text besch\u00e4ftigen) historische Wissenschaft + Glaube vermittelnd, den Text mit Hilfe der Linguistik:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was geschah historisch wirklich; jedoch weiter f\u00fchrend:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche Absicht verfolgten die Autoren? Wie haben die Adressaten den Text verstehen k\u00f6nnen? Das sagt nichts mehr zu den historischen Ereignissen \u2013 das sagt was zu den historischen Hintergr\u00fcnden der Text\u00fcberlieferung. Auch dieser Ansatz kann Glauben nicht durch Wissenschaft ersetzen, l\u00e4sst dem Glauben aber mehr Raum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Beispiel:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Historisch sagt man: Jesus hat als Mensch nicht \u00fcber das Wasser laufen k\u00f6nnen. Weitergehend fragt man dann heute: Warum wird das berichtet? Die Menschen damals waren auch nicht dumm \u2013 es ging darum, narrativ zu vermitteln, dass Jesus Christus auch \u00fcber die Chaosm\u00e4chte (Wasser-Sturm) herrschte. Was sind die jeweiligen geschichtlichen Chaosm\u00e4chte? Als die Geschichte \u00fcberliefert wurde, war es der r\u00f6misch-j\u00fcdische Krieg, individualpsychologisch: Alles was Angst macht. Weiterhin kommt man zu der Frage: Was war Jesus f\u00fcr ein Mensch, dass sich solche Texte um ihn herum ranken konnten? Gibt es einen historischen Kern, der ausgeschm\u00fcckt wurde? Gibt es einen (sozio-)psychologisch zu verstehenden Kern?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu einem Lesen aus Glauben heraus, siehe: <a href=\"https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/heilige-schriften\/bibeltagebuch\/\">https:\/\/evangelische-religion.de\/ReligionNeu\/heilige-schriften\/bibeltagebuch\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Version zu Exegese siehe: https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/bibel-2-exegese\/ Zur Hermeneutik siehe: https:\/\/mini.evangelische-religion.de\/bibel-3-hermeneutik\/ DIE J\u00dcDISCHE UND CHRISTLICHE HEILIGE SCHRIFT Historisch-kritische-Exegese \u2013 Auslegung der Schriften aus der historischen und kritischen Perspektive Historisch-kritische Exegese ist ein Kind der Verbindung des Protestantismus mit der Aufkl\u00e4rung. 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